Komponisten - Im Kommen oder auf dem absteigenden Ast

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Ich schreibe erst einmal nur aus dem Bauch heraus:


    Prokofiev würde ich eine 4 geben. Und ihr?

    Wenn man bedenkt, dass das die Ursache für die große Diskussion war ... 4 heißt ja fast gleichbleibend, minimaler Rückgang. Bei Schostakowitsch als Vergleich und auch dem kometenhaften Aufstieg seines "Epigonen" Weinberg ist das doch eine eher optimistische Einschätzung.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Wenn man bedenkt, dass das die Ursache für die große Diskussion war ... 4 heißt ja fast gleichbleibend, minimaler Rückgang. Bei Schostakowitsch als Vergleich und auch dem kometenhaften Aufstieg seines "Epigonen" Weinberg ist das doch eine eher optimistische Einschätzung.

    Ich denke, Prokofjew war/ist v.a. in den USA sehr beliebt. Im deutschsprachigen Raum war er mMn früher nur marginal, wenn überhaupt besser vertreten als heutzutage.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • nochmal kurz zu Grieg:


    im Buch "Romantische Harmonik und ihre Krise in Wagners 'Tristan'" von Ernst Kurth (1923) hat Grieg im Register etwa gleich viele "Treffer" wie Brahms, Mendelssohn, Spohr, H. Wolf, vor Berlioz, Dvorak, Mahler, Mussorgsky, Ravel, Reger, Skriabin, CM Weber, und nach (beispielsweise) Chopin, Debussy, Liszt, Mozart, Schumann, R. Strauss. (Wesentlich häufiger sind Bach, Beethoven, Bruckner, Schubert, Wagner natürl. vertreten.)


    das ist nun nicht "Popularität", klar.

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Und die Gegenwart wird immer dünner, letzteres aber ein Trend seit wohl ca. 100 Jahren, dafür legt die Alte Musik zu.

    Mein Eindruck, gerade auf den Konzertprogrammen ist der, dass es da eine zeitliche Verschiebung gibt: Das 20. Jahrhundert rückt immer stärker in die breiten Konzertprogramme und den "Mainstream" hinein, je länger es her ist. Nicht die krassen Avantgardisten natürlich, eher die klassiche Moderne, Schostakowitsch, Poulenc und die Franzosen, Barber - und so weiter und so fort. Dafür wird vorne etwas abgeschnitten: Das 18. und zunehmend auch das frühe 19. Jahrhundert rücken in die Alte-Musik-Sparte hinein und aus den Programmen der Orchester hinaus.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Das 18. und zunehmend auch das frühe 19. Jahrhundert rücken in die Alte-Musik-Sparte hinein und aus den Programmen der Orchester hinaus.

    ... und gleichzeitig werden die Alte-Musik-Ensembles wiederum zu "normalen" Bestandteilen des Musiklebens?

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • ... und gleichzeitig werden die Alte-Musik-Ensembles wiederum zu "normalen" Bestandteilen des Musiklebens?

    Ganz genau! Aber sauber geschieden von den modernen Symphonieorchestern.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • nochmal kurz zu Grieg:


    im Buch "Romantische Harmonik und ihre Krise in Wagners 'Tristan'" von Ernst Kurth (1923) hat Grieg im Register etwa gleich viele "Treffer" wie Brahms, Mendelssohn, Spohr, H. Wolf, vor Berlioz, Dvorak, Mahler, Mussorgsky, Ravel, Reger, Skriabin, CM Weber, und nach (beispielsweise) Chopin, Debussy, Liszt, Mozart, Schumann, R. Strauss. (Wesentlich häufiger sind Bach, Beethoven, Bruckner, Schubert, Wagner natürl. vertreten.)


    das ist nun nicht "Popularität", klar.

    Grieg ist mit einigen Werken nicht nur populär, sondern er ist auch musikhistorisch wichtig. Hier habe ich mal mehr darüber geschrieben.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Mein Eindruck, gerade auf den Konzertprogrammen ist der, dass es da eine zeitliche Verschiebung gibt: Das 20. Jahrhundert rückt immer stärker in die breiten Konzertprogramme und den "Mainstream" hinein, je länger es her ist. Nicht die krassen Avantgardisten natürlich, eher die klassiche Moderne, Schostakowitsch, Poulenc und die Franzosen, Barber - und so weiter und so fort. Dafür wird vorne etwas abgeschnitten: Das 18. und zunehmend auch das frühe 19. Jahrhundert rücken in die Alte-Musik-Sparte hinein und aus den Programmen der Orchester hinaus.

    Mit "Gegenwart" meinte ich natürlich zu jedem Zeitpunkt die jeweilige Gegenwart. Also dass ein immer kleinerer Teil des Programms frisch komponiert ist.


    Wen meinst Du mit "die Franzosen"? Roussel, Milhaud, Ibert, Francaix - sind die mehr oder weniger gespielt im Laufe der letzten 20 Jahre? Keine Ahnung. Bei Francaix gehe ich davon aus, dass der übliche Rückgang nach Ableben des Komponisten eingesetzt hat und er in den 90ern noch mehr gespielt wurde. Ansonsten würde ich für Poulenc ein Plus und für Milhaud ein Minus erwarten.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Wen meinst Du mit "die Franzosen"? Roussel, Milhaud, Ibert, Francaix - sind die mehr oder weniger gespielt im Laufe der letzten 20 Jahre? Keine Ahnung. Bei Francaix gehe ich davon aus, dass der übliche Rückgang nach Ableben des Komponisten eingesetzt hat und er in den 90ern noch mehr gespielt wurde. Ansonsten würde ich für Poulenc ein Plus und für Milhaud ein Minus erwarten.

    Ja, zum Beispiel genau die: Poulenc, Milhaud, Ibert, Francaix, Bozza, Jolivet, Messiaen - wobei mir das Umfeld und die Nachfolge der neoklassizistischen, spielerischen Groupe de six noch ein Bisschen besser anzukommen scheint, als die hermetischere, mystischere Stilrichtung von Messiaen oder Jolivet.


    Für Poulenc ein Plus: Bin ich sofort dabei!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Was Bekanntheit einzelner Stücke betrifft, kommt Grieg so ziemlich an erster Stelle, lange vor so Exoten wie Brahms.

    Na, wenn man das 'Wiegenlied' von Brahms mit dazu zählt, wird es für Grieg schon schwieriger. :D

    Das 18. und zunehmend auch das frühe 19. Jahrhundert rücken in die Alte-Musik-Sparte hinein und aus den Programmen der Orchester hinaus.

    Liegt wohl v.a. daran, weil die Art, in der diese Musik heute v.a. gespielt wird, einem großen, 'klassischen' Sinfonieorchester nicht mehr entspricht. Wenn man CD-Veröffentlichungen ansieht, boomt ja gerade, für mein Empfinden, dieser Bereich der 'Alten Musik'.


    :wink: Wolfram

  • und ein Minus bei


    Meyerbeer
    Lortzing

    Meyerbeer ist doch eigentlich gerade am Kommen, jedenfalls, was die Wertschätzung angeht, vielleicht aber auch hinsichtlich der Inszenierungen. Das Problem ist wohl auch, dass eine 'Bohème' halt immer preiswerter für's Theater sein wird, als eine große Meyerbeer-Inszenierung. Und bei Puccini ist der (finanzielle) Erfolg quasi garantiert. :D


    :wink: Wolfram

  • Was ist mit Alexander von Zemlinsky? Schönbergs Bonmot: 'Zemlinsky kann warten.', schien sich ja in den 80iger und 90iger Jahren zu erfüllen, aber seitdem habe ich das Gefühl, rutscht er langsam wieder in eine gewisse 'Exotenstellung' hinein. Ein wenig hier und ein wenig da, aber zum Dauerbrenner hat er es wohl nicht geschafft, oder?


    :wink: Wolfram

  • aber seitdem habe ich das Gefühl, rutscht er langsam wieder in eine gewisse 'Exotenstellung' hinein.

    Zemlinsky rutschte wieder in eine wenigstens "Exotenstellung" in den 80ern.
    Und mich wundert,es macht mich auch ein wenig traurig,dass dieser äußerst interessante Komponist im Grunde
    seit damals nicht aus dieser Nische heraus gekommen ist.
    Mein Gefühl daher ist,dass sich bei Ihm leider nichts geändert hat.

  • Zemlinsky rutschte wieder in eine wenigstens "Exotenstellung" in den 80ern.

    Aber es gab damals schon wenigstens den Versuch, ihn daraus zu befreien.

    Und mich wundert,es macht mich auch ein wenig traurig,dass dieser äußerst interessante Komponist im Grunde
    seit damals nicht aus dieser Nische heraus gekommen ist.

    Keine Ahnung, warum das so ist und für mich auch ziemlich unverständlich.


    :wink: Wolfram

  • Und mich wundert,es macht mich auch ein wenig traurig,dass dieser äußerst interessante Komponist im Grunde
    seit damals nicht aus dieser Nische heraus gekommen ist.
    Mein Gefühl daher ist,dass sich bei Ihm leider nichts geändert hat.

    ist glücklicherweise nicht ganz so schlimm, aber Lage könnte viel bessser sein, was Zemlinsky-Pflege betrifft ... : Seejungfrau, Lyrische Sinfonie werden in der BRD relativ häufig gespielt..
    .. von Vokalmucke In den letzten Jahren ....
    Florentinische Tragödie m.E. am häufigsten,
    ... aber mir kommen andere Vokal-Mucke Zemlinskys noch viel fetziger rüber...z.B.
    Der Zwerg in Neapel, Berlin, München, Leeds, Dresden, Kölle, Lille (in Orchester-Sparversion)
    Kreidekreis (trägt in seiner Mucke Züge von Kurt Weill): in Zürich, Lyon..
    König Kandaules: in Antwerpen, GranCanaria, Palermo, Wien
    Traumgörge: Hannover, Kölle, Berlin ...


    Was ganz mies ist, dass seine allergeilste Vokalwmucke extrem selten aufgeführt wird, d.i. Kleider machen Leute. Osnabrück stemmte es mal vor 20 Jahren unter Lutz des Veer...


    Zemlinskys fetzige Notenquälereien kommen in einen ganz eigentümlichen, unverkennbaren Personalstil rüber, höchst schwermütlig, verletzlich und gleichsam fatalistisch.. ... mir bilden sie Kontrapunkt zu - von mir wenig gemochten - Richard Strauss...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • nach meinen Infos wurde Kandaules in GranCanaria wurde 2005, in Antwerpen 2016 und in Amsterdam (hatte ich eben noch nicht auf Schirm) 2016 gequält.. ... bitte glaubs mir.. :jaja1: :)

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Glaub' ich Dir! Mit "die beiden anderen" waren "Der Zwerg" und "Der Traumgörge" in Köln gemeint, das war in der Ära Conlon, also vor 1996. "Der König Kandaules" ist in Köln ca. 2000 gelaufen (IIRC Übernahme aus Hamburg).

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • Glaub' ich Dir! Mit "die beiden anderen" waren "Der Zwerg" und "Der Traumgörge" in Köln gemeint, das war in der Ära Conlon, also vor 1996. "Der König Kandaules" ist in Köln ca. 2000 gelaufen (IIRC Übernahme aus Hamburg).

    ups, mein Brägen hatte dein Posting nicht richtig auf Schirm. ....... Is ja echt geil was Ziegentown an Zemlinsky-Vokal-Mucke stemmte. :thumbup: :thumbup: :thumbup:

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!