Eben gehört 2021/2022

  • Danke für deinen Eindruck, Maurice!

    Kein Thema. Die Box liegt schon eine Weile hier herum. Eigentlich bin ich ein großer Fan von Sir Colin Davis, daher hatte ich mir auch die Box mal gekauft. Leider nicht so eine gute Wahl in DEM Fall. Bei Schubert, Mozart (Ouvertüren), Smetana, Sibelius und Nielsen lag ich richtig. Niemand ist gegen Durchschnitt gewappnet. Das kann immer mal passieren.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Antonin Dvorak (1841-1904)

    Symphonien Nr. 6

    Swedish Chamber Orchestra, Thomas Dausgaard

    BIS, DDD, 2006


    Hier nun der erwartbare und tatsächlich vorhandene Kontrast zu Davis. Deutlicher schlanker und transparenter, dabei für meinen Geschmack keineswegs blutleer, kommt mir diese Sichtweise entgegen. Die wiederkehrend tänzerische Melodie innerhalb des Werkes ist aber auch in dieser Deutung nicht mein Ding und wirkt auf mich "schräg", klingt IMHO irgendwie "verdreht". Jemand musiktheoretisch Gebildetes wird's besser in Worte fassen können...

    ich hab in die ersten 5 Minuten (genug ist genug) reingehört und versuch mal eine Erklärung:

    "transparent" ist schon der einzige positive Aspekt der mir einfällt. Die Überakzentuierungen, die gerade allseits vermeintlich frischen Wind bringen sollen, sorgen zwar für ein gewisses tänzerisches Element, das aber hier nun ganz und gar nicht zum tschechischen Idiom passt. Auf mich wirkt das nachgerade lächerlich bemüht.

    Transparenz infolge schlanker Besetzung und Spielweise und dennoch viel Hall passen auch nicht gerade gut zusammen. Das wäre aber noch in Ordnung, wenn denn irgendwo wirklich mit Herz und Gefühl gespielte Musik stattfinden würde. Stattdessen höre ich wohlüberlegt dosierte Bruckstücke. Ein Skelett (schön transparent), bei dem einfach der Körper fehlt.

    Es mag Komponisten geben, bei denen diese postmoderne Herangehensweise für manche erhellende Momente sorgt (auch wenn es schade um die Musik ist, finde ich zumindest). Dvorak gehört nicht dazu.


    Gruß,

    Khampan

  • ich hab in die ersten 5 Minuten (genug ist genug) reingehört

    Was wäre denn deine Empfehlung zur 6. von Dvorak? :)

    :cincinbier:

    "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • Noch mehr vernachlässigt wird üblicherweise Schumanns dritte Violinsonate.

    Das war der Anstoß am Sonnabend . Es ging um die Schumann'schen Violinsonaten , und die 3. kannte ich nicht . Wohl die frei aber einsame Sonate , aber eine ganze 3. ? Nach einem Anflug von Ärgerlichkeit ( hatte ich doch anderes vor ) , der sich aber rasch in Dankbarkeit für das Scließen einer - bedenklichen - Lücke verwandelte , ( Merci vielmals , Christian ! ) wurde die letzten Tage das WoO 2 wieder und wieder gehört . Und dabei habe ich es nicht etwa Überbekommen , sondern mehr und mehr Gefallen daran gefunden .

    Erstmal eine Einführung , dann Sichtung der Aufnahmen . ( Neue Erkenntnis : außer der Zugabennummer 'Träumerei' hat Arthur Grumiaux nichts von Schumann gespielt , obwohl er in einem Nebenforum ob seines Schumann-Spiels unwidersprochen erwähnt wurde ) . Am Sonntag buhlte ein Trio um meine Gunst : Tetzlaff / Vogt , Kaplan / Kuerti und Faust / Avenhaus hatten die 1.Runde überstanden . Montag bekam ich noch die Aufnahmen mit Malismaa / Holmström und Widmann / Varjon , aber Dienstag waren nur noch Tetzlaff / Vogt und Faust / Avenhaus im Rennen . Und nun ist das Damen - Duo meine 1.Wahl . Mir liegen eigentlich beide Aufnahmen , aber die Herren werden mir manchmal zu anstrengend ( welch Kriterium - meines ! ) , und wenn die Interpretationen beide etwas für sich haben , höre ich das Scherzo der Damen doch lieber - und ihr Finale wirkt für mich etwas geschlossenrr und "Schumannesquer" . Aber das ist alles marginal , wichtiger ist , welch wunderbares Werk sich da erschloß . Hat der olle Schumann noch mal so etwas Großartiges zu Wege gebracht . Dank nochmal an Christian und Dank auch dem Forum , durch das dieser Austausch zustande kam .

    ( Das Obige gilt übrigens nur für die 3.Sonate ! Ich habe zwar immer mal zwischendurch bei den anderen beiden hineingehört , aber da brachte mich nichts von Busch / Serkin , Ferras / Barbizet und meiner weiteren Einspielung , auf die ich vielleicht noch zurückkomme , nämlich Ugho / Sawallisch , ab ) .


    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Was wäre denn deine Empfehlung zur 6. von Dvorak?

    mit einem tschechischen Orchester und/oder Dirigenten macht man eigentlich selten was falsch.

    Sehr positiv überrascht hat mich eine schweizer Aufnahme:

    Luzerner Sinfonieorchester, Ltg. James Gaffigan

    Die spielen nicht nur sehr schön, sondern auch die Wiederholung im 1. Satz und beweisen nebenbei dass das überhaupt nicht langweilig sein muss. Im Gegenteil, man kann über eine vermutlich noch nie gehörte wunderbare lange prima volta staunen, und versteht dann, was nach 8 Minuten diese seltsam lange Modulation von H-Dur (Expo-Ende) über D-Dur (Erinnerung an die Grundtonart) nach C-Dur (Durchführungsbeginn) bedeuten soll.


    Die Aufnahme habe ich bei den Partnern nicht gefunden. Spotify hatse.


    :wink: Khampan

  • bzw. auch hier und hier per Stream verfügbar.

    (AD: Oktober 2013, KKL Luzern)

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Hier nun wieder Bruckner.


    Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 5 B-Dur


    SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

    Michael Gielen



    Das hat mir ganz ausgezeichnet gefallen. Ja, oft schnelle Tempi, aber klanglich nicht so ausgedünnt wie bei Skrowaczewski.


    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Georg Philipp Telemann (1681-1767)

    Ouverture burlesque B-Dur TWV 55: B8 für Streicher & Bc

    Ouvertüren-Suite g-moll "La Changeante" TWV 55: g2 für Streicher & Bc

    Kanonische Sonate für 2 Violen d-moll TWV 40: 121

    Fantasien für Viola solo TWV 40: 14 & TWV 40: 15

    Violakonzert G-Dur TWV 51: G9

    Konzert G-Dur TWV 53: G3 für 2 Violen, Streicher, Bc



    Antoine Tamestit

    Sabine Fehlandt

    Akademie für Alte Musik Berlin

    Bernhard Forck




    Gruß

    Josquin

  • Nun wieder Bach.


    J. S. Bach: Partita für Violine solo Nr. 1 h-Moll BWV 1002


    Henryk Szeryng, Violine

    Aufnahme 1965 (steht auf der CD-Box, andere Quellen sagen Dezember 1952)

    Aufnahme Vevey, Juli 1967


     


    Hmmm ... Milstein.


    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Es mag Komponisten geben, bei denen diese postmoderne Herangehensweise für manche erhellende Momente sorgt (auch wenn es schade um die Musik ist, finde ich zumindest). Dvorak gehört nicht dazu.

    So sehr ich Dausgaard schätze, sehe ich diesen Ansatz bei Dvorak auch als "äußerst problematisch" an.



    Was wäre denn deine Empfehlung zur 6. von Dvorak?


    mit einem tschechischen Orchester und/oder Dirigenten macht man eigentlich selten was falsch.

    Neumanns Aufnahme aus Japan finde ich da z.B. nicht übel. Natürlich auch Belohlaveks Dvorak, den Zyklus konnte er ja vollenden.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • 2x Schumann Violinsonate Nr 1.

    Anthony Marwood & Susan Tomes


    und hier live mit Aleksandar Madžar

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  • Hier Händel am Morgen.


    Georg Friedrich Händel: Concerto grosso G-Dur op. 6 Nr. 1


    Handel and Haydn Society

    Christopher Hogwood



    Gruß

    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • bzw. auch hier und hier per Stream verfügbar.

    (AD: Oktober 2013, KKL Luzern)

    Danke für den Hinweis. Ich meine, ich hätte die Aufnahme auf CD. James Gaffigan hat mir in seinen Aufnahmen immer sehr gefallen.

    Ich suche sie jetzt aber nicht, denn die Einspielung gibt es auch als Stream. Die üblichen Verdächtigen, Kubelik, Neumann, Belohlavek etc. pp., stehen hier (natürlich :versteck1: ) auch noch herum. Aber nach Gaffigan darf es dann auch gerne ein anderes Werk sein, als D.#6. :)


    Antonin Dvorak (1841-1904)

    Symphonie Nr. 6

    London Symphony Orchestra, Istvan Kertesz

    Decca, ADD, 1963-1970


    Ja, das ist schon noch was Anderes als C. Davis oder Dausgaard. Packender mit mehr Einfühlungsvermögen in die Musik, verglichen mit Dausgaard. Dabei - trotz des Alters - sehr gut und transparent aufgenommen, IMHO. Von den drei Einspielungen wäre das jedenfalls meine Wahl.


    Viele Grüße

    Frank

    :cincinbier:

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  • In Sachen Schumann - Sonaten 1 & 2 schätze ich noch die Aufnahmen von Uto Ughi und Wolfgang Sawallisch sehr . Aus dieser Partnerschaft gingen noch einige andere Einspielungen hervor . Eigentlich immer "klassisch" anmutend , wenn jemanden das etwas sagt . Empfohlen wurde mir eigentlich das Schumann -Violinkonzert mit den beiden Künstlern und dem Sifonieorchester des Bayrischen Rundfunk , als eine exemplarische Interpretation . Mir hatten es aber die beiden Sonaten angetan , die fand ich irgendwie "richtig" klingend . Später erst entdeckte ich die Vorzüge ihres Konzerts . (Überhaupt Ughi : der hat auch eine sehr hörenswerte Aufnahme der Sonaten und Partiten von Bach aufgenommen ) . Also , in Sachen Schumann sind Ughi und Sawallisch für mich erste Wahl . Sind beide allerdings nicht marktschreierisch zu vermarkten gewesen . Und von den Schreiberlingen war auch kaum etwas über sie zu lesen . Was ja schon fast allein für sie spricht . An dieser Stelle Dank an meinen Ratgeber :) .


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  • Antonin Dvorak (1841-1904)

    Symphonie Nr. 6

    London Symphony Orchestra, Istvan Kertesz

    Decca, ADD, 1963-1970

    Von den drei Einspielungen wäre das jedenfalls meine Wahl.

    Die Einspielung mit Kertész ist auch mein Favorit, Ancerl und Talich sind ausnahmsweise mal nicht vorne. Außerdem mag ich noch eine Live-Aufnahme mit Kubelik aus dem Jahre 1981, die Huckepack mit einer wunderbaren Janacek-Sinfonietta daherkommt.


    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Die Einspielung mit Kertész ist auch mein Favorit, Ancerl und Talich sind ausnahmsweise mal nicht vorne. Außerdem mag ich noch eine Live-Aufnahme mit Kubelik aus dem Jahre 1981, die Huckepack mit einer wunderbaren Janacek-Sinfonietta daherkommt.

    Die müsste ich auch irgendwo haben, seinerzeit wegen der Sinfonietta gekauft. Es reift die Erkenntnis, dass es mir nicht an Einspielungen der Sechsten mangelt. 8|

    :cincinbier:

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  • Ancerl und Talich sind ausnahmsweise mal nicht vorne.

    Da muß ich mich ja melden : bei mir gehört Karel Sejna bei den alten Tschechen unbedingt auch dazu . Die Wiederveröffentlichung der 5. & 6. Sinfonie von Dvorak bei Praga als Hybrid SACD ging klanglich nicht daneben , sondern voll in die Hose . Ein Stinker , könnte man sagen . Die japanische Wiederveröffentlichung klingt gut , aber auch von der Tschechischen kann man hören , ein wie guter Dvorak Dirigent der ewige Zweite Sejna war . Die Rezensionen gelten übigens alle der Talich-Aufnahme - dank der Amazon-Ignoranz und Inkompetenz ( außer im Abzocken) hier leider Karel Sejna zugeordnet . Nicht falsch verstehen : es gibt einige sehr gute Aufnahmen der 6. - Rowicki etwa wird überhaupt bei Dvorak unterschätzt - aber um mal die Tradition mit einheimischem Orchester zu hören , ist Sejna gewiß nicht verkehrt .


    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Außerdem mag ich noch eine Live-Aufnahme mit Kubelik aus dem Jahre 1981, die Huckepack mit einer wunderbaren Janacek-Sinfonietta daherkommt.

    Lieber Kubelik live, oder lieber Kubelik im Studio (in dem kompletten Zyklus mit den Berlinern)? Sind die Unterschiede groß?

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Lieber Kubelik live, oder lieber Kubelik im Studio (in dem kompletten Zyklus mit den Berlinern)? Sind die Unterschiede groß?

    Ich hab's nicht mehr im Ohr, doch als ich seinerzeit beide Aufnahmen nacheinander hörte, war die Live-Aufnahme meine klare Präferenz.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • In Sachen Schumann - Sonaten 1 & 2 schätze ich noch die Aufnahmen von Uto Ughi und Wolfgang Sawallisch sehr .

    Ja, er hat einen wunderschönen satten Ton, sehr passend für Schumann finde ich, allerdings fehlt mir der Vorwärtszug und das Ausreizen der Schumannschen Neurotik. Marwood kriegt deshalb von mir bei den Sonaten den Preis, obwohl Faust in den Mittelsätzen der WoO Sonate hin und wieder lieblicher klingt....aber es hat in dem Moment für mich keine Priorität. Swings and roundabouts. Die Sache wird letztendlich woanders als im Intellekt entschieden, und das hat glücklicherweise immer noch Vorrang, sowohl bei mir, wie bei anderen.


    Überhaupt ist Ughi mir ein Begriff, obwohl ich nicht sagen könnte woher. Du hast ihn neulich schonmal erwähnt, da wurde ich an ihn erinnert.

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