Gute Gründe für Programmänderungen?

  • Wenn ich Dich, lieber Christian, insoweit ein klein wenig korrigieren darf: Ich verlange anspruchsvolle Programme, wenn sie angekündigt sind. Nur dann. Aber dann möchte ich sie auch hören.

    Wenn Du "verlange" durch "wünsche" oder meinetwegen auch durch "erwarte" ersetzt, stimme ich Dir zu. Kunst bleibt aber einfach ein Risiko, welches man zwar mit genügend Erfahrung einigermaßen abschätzen und kalkulieren aber niemals ganz ausschließen kann, es sei denn man bleibt einfach in der Komfortzone. Das Problem bei der Erarbeitung neuen und anspruchsvollen Repertoires ist doch, dass man erst mit der Arbeit das Stück und seine Anforderungen nach und nach erkennt. Bei der heute üblichen Vorlaufzeit von meist mehreren Jahren müssen sich Leute wie Trifonov also zu einem Zeitpunkt auf ein Programm festlegen, zu dem sie noch gar nicht wissen können, was da genau auf sie zukommt. Ich habe das selbst einige Male erlebt, zuletzt vor zwei Jahren, als ich ein gutes Jahr vor dem Konzert ganz locker ein Stück zugesagt habe, von dem ich dann ein paar Monate später entsetzt feststellen musste, dass es mich an meine absoluten Grenzen bringen würde. Auch wenn das letzten Endes und dank eines irren Aufwandes noch einmal gut gegangen ist, hätte es auch schief gehen können. Und die handwerklichen Schwierigkeiten, um die es hier ging, sind ja noch am ehesten abzuschätzen und zu kalkulieren. Was soll man aber machen, wenn man bei der Arbeit an einer scheinbar einfachen Mozart-Sonate feststellt, dass sie einem musikalisch je mehr über den Kopf wächst, als man sich mit ihr beschäftigt? Gerade bei Mozart kennt das übrigens so ziemlich jeder Musiker, und die meisten nehmen dann halt irgendwann eine Version, die einigermaßen zu funktionieren verspricht. Manche haben aber solche künstlerischen Skrupel, dass sie das einfach nicht können und dann irgendwann gar nicht mehr "funktionieren", berühmtestes Beispiel war wohl Carlos Kleiber. Der schlechteste war er deshalb nicht...

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Etwas ernsthafter: warum machst Du dieses Startheater von ProArte überhaupt in diesem Ausmaß mit? Es gibt in Hamburg doch auch viele Konzerte mit weniger bekannten Künstlern, die musikalisch nicht unbedingt schlecht sein müssen. Du hast umfassende musikalische Kenntnis und ein sehr gut geschultes Ohr, bist insofern nicht darauf angewiesen, mit Namen protzen zu müssen (im Stil von "ich war am Samstag bei xyz") - warum also den ProArte-Zirkus mit sauteuren Karten und (offensichtlich) wenig rücksichtsvollen Randbedingungen mitmachen?

    Du stellst Fragen, lieber Symbol, die ich mir heute Abend gerade auch stelle.


    Wenn von mir sehr bewunderte Künstler in der Stadt sind (heute sind das Yuja Wang, Gabriela Montero oder Teodor Currentzis, früher waren das Swjatoslaw Richter, Vladimir Horowitz oder Arturo Benedetti Michelangeli), dann muss ich da einfach hin. Aber warum soll ich mir für 240 Euro Yannick Nézet-Séguin oder Charles Dutoit mit dem üblichen Beethoven und dem üblichen Berlioz ansehen, wenn in Alsterdorf vielleicht ein ambitionierter Laienchor Alfred Schnittke aufführt? Und das für 20 Euro?


    Wenn Du "verlange" durch "wünsche" oder meinetwegen auch durch "erwarte" ersetzt, stimme ich Dir zu.

    Gerne einverstanden, lieber Christian.

  • früher waren das Swjatoslaw Richter, Vladimir Horowitz oder Arturo Benedetti Michelangeli), dann muss ich da einfach hin.

    Wie Du natürlich weißt, hat Horowitz seine Weltkarriere in Hamburg gestartet, als er für einen erkrankten Kollegen einsprang. Stell Dir mal vor, Du hättest damals Deine Karte zurückgegeben... Also überleg es Dir lieber beim nächsten Mal gut, vielleicht kommt ja der nächste Horowitz :) . (Ich habe zugegebenermaßen noch nie einen Horowitz als Einspringer erlebt aber immerhin einmal den ganz jungen Michel Béroff für Gelber. War ein sehr guter Tausch.)

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    (Theodor W. Adorno)

  • Ich habe zugegebenermaßen noch nie einen Horowitz als Einspringer erlebt aber immerhin einmal den ganz jungen Michel Béroff für Gelber. War ein sehr guter Tausch.

    Mein tollster Einspringer war Herbert Blomstedt für den erkrankten Nikolaus Harnoncourt bei den Berliner Philharmonikern. Er übernahm unverändert das Programm Bruckner 8. Das war so begeisternd wie bei weiland Günter Wand in der Musikhalle. Nach dem Werk gab es eine 15-minütige standing ovation für den Dirigenten. Alle waren völlig aus dem Häuschen.


    Als ich im Programmheft den Einlegezettel "Blomstedt statt Harnoncourt" vorfand, hatte ich natürlich keine Einwände. Und - das ist der Unterschied zu Hamburg - ich bin mir sicher, dass ich dann, wenn ich Einwände gehabt hätte, anstandslos die Karte hätte zurückgeben können.

  • Wenn von mir sehr bewunderte Künstler in der Stadt sind (heute sind das Yuja Wang, Gabriela Montero oder Teodor Currentzis, früher waren das Swjatoslaw Richter, Vladimir Horowitz oder Arturo Benedetti Michelangeli), dann muss ich da einfach hin. Aber warum soll ich mir für 240 Euro Yannick Nézet-Séguin oder Charles Dutoit mit dem üblichen Beethoven und dem üblichen Berlioz ansehen, wenn in Alsterdorf vielleicht ein ambitionierter Laienchor Alfred Schnittke aufführt? Und das für 20 Euro?


    Das ist ziemlich genau das, was ich meine. (Ob die Kombination aus Laienchor und Schnittke klappen wird, möchte ich als langjähriger Laienchorist nicht unbedingt bejahen, :D aber ich verstehe das Beispiel.)


    Ich verstehe vollkommen, dass man seine Favoriten auch gerne live hören möchte. Wenn das dann über einen Veranstalter läuft, dessen Praktiken man unerfreulich findet, ist das natürlich ärgerlich. Gerade hier liegt m. E. aber die Chance der Großstadt. Ich bin jedenfalls immer beeindruckt, wenn ich sehe, wieviele Konzerte in Hamburg angekündigt sind (ich beziehe mich hierbei natürlich auf Vor-Pandemie-Zeiten). Dieser reich gedeckte Tisch dürfte auch jenseits der "big names" eines zu bieten haben.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Ich habe in meinem Leben bisher zweimal eine Streitigkeit wegen meiner Meinung nach unwirksamer AGB-Klauseln angefangen, und in beiden Fällen war mein Gegenüber nach anfänglicher Überheblichkeit und Siegessicherheit plötzlich soooo klein mit Hut.

    Das glaube ich Dir Wort für Wort.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Do, 24.6., Elbphilharmonie Hamburg


    WDR Sinfonieorchester, Dir. Cristian Macelaru


    statt Nicola Benedetti (kann nicht aus Großbritannien anreisen) ist Daniel Lozakovich zu hören: statt Bruchs Violinkonzert Nr. 1 gibt es Prokofieffs Nr. 2, außerdem planmäßig Dvoraks 9. Sinfonie

    Hier gibt es jetzt Variation Nr. 2 des Programms. Die ursprüngliche Diskussion hat sich erübrigt....
    Dabei ist erstaunlich, dass weder beim WDR noch bei Pro Arte etwas von Anreiseproblemen steht. Da wird überhaupt nicht erläutert, warum Benedetti nicht spielt.

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Hier gibt es jetzt Variation Nr. 2 des Programms. Die ursprüngliche Diskussion hat sich erübrigt....
    Dabei ist erstaunlich, dass weder beim WDR noch bei Pro Arte etwas von Anreiseproblemen steht. Da wird überhaupt nicht erläutert, warum Benedetti nicht spielt.

    Auch wenn ich den Pianisten nicht kenne - was vermutlich mehr über mich sagt als über sonst jemanden - und auch wenn ich sicher gerne Nicola Benedetti gehört und gesehen hätte, scheint mir das Ersatz-Solokonzert bei Weitem interessanter, ja sogar im Umfang etwas abendfüllender.


    Freilich dürfte solches eher die Ausnahme von der Regel sein.


    :) Wolfgang


    EDIT: Sorry für den Quatsch. Lozakovich ist Geiger. Schließlich hat Prokofieff auch ein zweites Violinkonzert geschrieben. Aber das halte ich ebenfalls für interessanter als Bruch.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • ....
    Dabei ist erstaunlich, dass weder beim WDR noch bei Pro Arte etwas von Anreiseproblemen steht. Da wird überhaupt nicht erläutert, warum Benedetti nicht spielt.

    ProArte hat die Karteninhaber per Mail über die Programmänderung und den Grund (genauer: Quarantänebestimmungen) in Kenntnis gesetzt.

  • ProArte hat die Karteninhaber per Mail über die Programmänderung und den Grund (genauer: Quarantänebestimmungen) in Kenntnis gesetzt.

    Dann bitte weiterleiten an @music lover ...

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Dabei ist erstaunlich, dass weder beim WDR noch bei Pro Arte etwas von Anreiseproblemen steht. Da wird überhaupt nicht erläutert, warum Benedetti nicht spielt.

    ProArte vermeldet folgendes auf seiner Homepage (24.06.2021, WDR Sinfonieorchester I - ProArte:(

    Zitat von ProArte

    In letzter Minute…
    Leider ist es Nicola Benedetti aufgrund der aktuellen Quarantänebedingungen nicht möglich aus Großbritannien zum Konzerttermin anzureisen. Glücklicherweise hat sich aber der junge Shooting-Star Daniel Lozakovich spontan bereit erklärt, für sie einzuspringen. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass sich aus der Umbesetzung auch eine Programmänderung ergibt: Statt des 1. Violinkonzerts von Max Bruch erklingt nun das 2. Violinkonzert von Sergej Prokofjew. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit.

    Es ist dem Konzertveranstalter also "in letzter Minute" aufgefallen, dass eine schottische Geigerin erst mal in Quarantäne müsste. Nun kommt zu der Programmänderung (Bruch statt Marsalis) auch noch eine Besetzungsänderung (Lozakovich statt Benedetti) hinzu sowie die nächste Programmänderung (Prokofiew statt Bruch). An dem Ticketpreis von 102 Euro (oberste Preiskategorie) ändert das alles natürlich nichts. "Die Tickets behalten ihre Gültigkeit" heißt übersetzt: Ihr könnt Euch auf den Kopf stellen, Euer Geld bekommt Ihr nicht zurück.

  • Für mich ausschlaggebend ist aber nicht die höchste Preiskategorie, sondern die niedrigste.

    Capriccio-Pause meinerseits bis 23. August 2022. Das ist meine eigene Entscheidung, der keine Sperre oder ähnliches zugrunde liegt.

  • Es ist dem Konzertveranstalter also "in letzter Minute" aufgefallen, dass eine schottische Geigerin erst mal in Quarantäne müsste.

    Tut mir leid, wenn ich schon wieder widersprechen muss: Für die rechtzeitige Anreise zum Konzert ist nicht der Veranstalter sondern ausschließlich die Solistin verantwortlich. Solange sie nicht absagt, kann und muss der Veranstalter davon ausgehen, dass sie auch kommt. Es wäre ja auch gut möglich, dass sie sich ohnehin schon für andere Konzerte in Deutschland aufhält.


    Nun kommt zu der Programmänderung (Bruch statt Marsalis) auch noch eine Besetzungsänderung (Lozakovich statt Benedetti) hinzu sowie die nächste Programmänderung (Prokofiew statt Bruch).

    Ich kann Deinen Ärger verstehen, aber vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass Daniel Lozakovich ein wirklich sehr guter Geiger ist. Menschlich stört es mich zwar, dass er in seinem offiziellen Lebenslauf seinen Lehrer Josef Rissin, der ihn extrem intensiv unterrichtet, geprägt und gefördert hat, mit keinem Wort erwähnt, aber an seinem technischen und musikalischen Rang ändert das nichts.


    "Die Tickets behalten ihre Gültigkeit" heißt übersetzt: Ihr könnt Euch auf den Kopf stellen, Euer Geld bekommt Ihr nicht zurück.

    Ist das wirklich sicher? Hast Du mal bei Pro Arte versucht, eine Kulanzregelung zu erreichen? Ich hatte wie gesagt in ähnlichen Fällen bei anderen Veranstaltern bisher noch nie ein Problem, mein Ticket zurückzugeben, nicht einmal beim altehrwürdigen Wiener Burgtheater, als ich erklärte, allein wegen Gert Voss gekommen zu sein, der leider am selben Tag krankheitsbedingt absagen musste. Ich habe ohne jede weitere Bemerkung mein Geld zurückbekommen (und es anschließend im Prater wieder ausgegeben; die österreichische Volkswirtschaft hat also keinen Schaden erlitten :D ).

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Ist das wirklich sicher?

    Bei diesem Veranstalter beißt man auf Granit. Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, sind z.B. die Berliner Philharmoniker kulant, wenn man bei ihren selbst veranstalteten Konzerten in Berlin Karten zurückgeben möchte. Bei dem Burgtheater Wien ist solch eine kundenfreundliche Haltung, wie Du schreibst, offenbar auch selbstverständlich. Will man hingegen für Konzerte in der Elbphilharmonie Karten zurückgeben, bekommt man nicht nur so sicher wie das Amen in der Kirche ein "Nein!" zu hören. Man wird sogar verscheucht, wenn man in oder vor der Abendkasse anderen anwesenden Menschen seine Karte, die man nicht zurückgeben durfte, anbietet.


    Zum morgigen Abend: Daniel Lozakovich ist ganz sicher ein guter Geiger, und Prokofiew 2 ist nach meinem persönlichen Geschmack ein besserer Ersatz für das Marsalis-Violinkonzert als der Bruch. Ich werde trotzdem nicht hingehen, wünsche aber Dir, lieber 2. Geharnischter, viel Spaß!

  • Menschlich stört es mich zwar, dass er in seinem offiziellen Lebenslauf seinen Lehrer Josef Rissin, der ihn extrem intensiv unterrichtet, geprägt und gefördert hat, mit keinem Wort erwähnt, aber an seinem technischen und musikalischen Rang ändert das nichts.

    Auf dieser Website wird er aber schon erwähnt: Klassikakzente [letzter Absatz]

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Auf dieser Website wird er aber schon erwähnt: Klassikakzente [letzter Absatz]

    Ja, es gibt verschiedene Varianten seines Lebenslaufes, aber auch in der ausführlicheren wird der Eindruck erweckt, als sei Lozakovich lediglich in den Jahren von 2012 bis 2015 Rissins Schüler gewesen. Das stimmt nach meinen Informationen nicht.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
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    (Theodor W. Adorno)

  • Ein sehr kurzfristig für heute Abend anberaumtes Duo-Konzert von Daniil Trifonov und seinem Lehrer Sergei Babayan im Rahmen des Martha Argerich Festivals in der Hamburger Laeiszhalle sollte - so der Stand der Dinge bei dem vor einer (!) Woche startenden Vorverkauf - ausschließlich Werke von Rachmaninow enthalten: Die beiden Suiten für zwei Klaviere sowie die Sinfonischen Tänze in der Fassung für zwei Klaviere des Komponisten. Ein Programm wie für mich gemalt, finde ich doch sowohl beide Pianisten als auch das Klavierwerk von Rachmaninow ausgesprochen gut. Weil ich aber Konzertveranstaltern seit einiger Zeit nicht einmal mehr die Uhrzeit glaube, geschweige denn, dass ich auch nur einen Hauch auf deren Ankündigungen gebe, hielt mich irgendetwas vom Kartenkauf - selbstredend zu gesalzenen Preisen - ab. Und tatsächlich: Vier Tage nach Vorverkaufsbeginn wurde das Programm komplett geändert! Es sollte nunmehr (ChKöhn, Du und ich müssen jetzt ganz tapfer sein) Arvo Pärt geben, dazu Mozart, Schumann, Debussy und nur noch ein klein wenig Rachmaninow. Es gab massig Karten, auch noch gestern: Vielleicht 10 % der verfügbaren Karten waren verkauft, im Saal hätte gähnende Leere geherrscht. Und was passierte heute Nachmittag? Daniil Trifonov "verletzte" sich. Und dann wurde natürlich das Konzert abgesagt. Ist ja auch die bessere Lösung, als wenn ein Weltstar wie Trifonov im Großen Saal der Laeiszhalle vor 200 Leuten spielen muss und noch nicht einmal annähernd die Kosten hereinkommen.


    Dass mir so etwas mit Trifonov nun schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit passiert (es ist nicht lange her, da ersetzte er in Hamburg ein Stockhausen-Berg-Ligeti-Prokofiew-John Adams-Programm durch Bachs Kunst der Fuge; jetzt hätte anstelle eines All-Rachmaninow-Programms plötzlich u.a. Arvo Pärt erschallen sollen), ist ganz bestimmt nur Zufall. Ich werde einen Deubel tun, angesichts dessen Rückschlüsse auf seine Haltung gegenüber seinem Publikum zu ziehen.

  • Vier Tage nach Vorverkaufsbeginn wurde das Programm komplett geändert! Es sollte nunmehr (ChKöhn, Du und ich müssen jetzt ganz tapfer sein) Arvo Pärt geben, dazu Mozart, Schumann, Debussy und nur noch ein klein wenig Rachmaninow. Es gab massig Karten, auch noch gestern: Vielleicht 10 % der verfügbaren Karten waren verkauft, im Saal hätte gähnende Leere geherrscht. Und was passierte heute Nachmittag? Daniil Trifonov "verletzte" sich. Und dann wurde natürlich das Konzert abgesagt. Ist ja auch die bessere Lösung, als wenn ein Weltstar wie Trifonov im Großen Saal der Laeiszhalle vor 200 Leuten spielen muss und noch nicht einmal annähernd die Kosten hereinkommen.

    Das ist einfach in jeder Hinsicht unmöglich. Wenn ich es richtig sehe, wären ja bei dem neuen Programm auch einfach ein paar Solo-Stücke untergebracht worden; jedenfalls kenne ich keine Duo-Fassungen von "Pour le Piano", den "Etudes-tableaux" oder den "Moments musicaux". Und wer Pärt ins Programm nimmt, sollte sowieso Schmerzensgeld an seine Zuhörer zahlen müssen. Man kann aber immerhin zuversichtlich sein, dass Trifonovs Verletzung in kürzester Zeit, vermutlich noch rechtzeitig vor dem nächsten Konzert, wie durch ein Wunder vollständig ausheilt.

    Gute Besserung!

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Man kann aber immerhin zuversichtlich sein, dass Trifonovs Verletzung in kürzester Zeit, vermutlich noch rechtzeitig vor dem nächsten Konzert, wie durch ein Wunder vollständig ausheilt.

    Gute Besserung!

    Übrigens ist Trifonovs nächstes Konzert der Saisonabschluss der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne in drei Tagen. Von einer verletzungsbedingten Absage ist bisher nichts bekannt. Es scheint ihm also Gott sei Dank gut zu gehen!

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
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