Die Capriccio Vinyl Ecke

  • Die Capriccio Vinyl Ecke

    Vinyl macht derzeit eine kleine aber nicht zu übersehende Renaissance durch. Im Pop-Bereich ist es derzeit sogar so, dass es kaum eine erstzunehmende Neuveröffentlichung gibt, die nicht auch als Schallplatte erscheint. Und wenn man der Verkaufshitparade des Werbepartners trauen kann, dann verkaufen sich dort manchmal die Vinylversionen besser als die CD-Ausgaben.

    Im Klassikbereich sieht das etwas anders aus, dort werden üblicherweise - wenn überhaupt - nur verkaufssichere Kandidaten auf Vinyl gepresst, aktuelle Beispiele wären:

     

     

    In einigen Fällen werden dabei Wucherpreise aufgerufen, die offensichtlich mögliche Preissteigerungen nach Ausverkauf gleich mit einpreisen. Das allerdings finde ich sehr ärgerlich.


    Hier im Forum scheint es noch eine ganze Reihe von Vinylliebhabern zu geben. Einige traf ich auf dem Nordtreffen in Celle. Und da auch ich immer wieder gerne zum schwarzen Gold greife und es durchaus auch noch hie und da kaufe, soll dieser Faden dieser Gruppe gewidmet sein. Es soll also gehen um Neuveröffentlichungen, wiederentdeckten Schätzchen in der eigenen Sammlung, nach langem Suchen gefundenen Raritäten und rundum den Spaß am Vinyl.

    Nicht gehen soll es um das grundsätzliche Pro und Contra Vinyl, denn das ist auch hier im Forum schon ausgiebig diskutiert worden und dürfte nur zu langweiligen Wiederholungen führen. Was dem einen die Kratzware ist halt dem anderen die wohlgehütete und -gepflegte wunderbar klingende Vinyl-Scheibe.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Danke für die Eröffnung. Ab und an kaufe auch ich noch eine LP (oder bekomme solche geschenkt :D ).
    Ich ziehe aber alte Aufnahmen vor. Bei digitalen Neuproduktionen erschließt sich mir die analoge Pressung nicht so recht. Nicht, dass das schlecht klingen würde. Aber da kann man IMHO besser gleich zur CD oder zum Stream greifen.
    Wenn, dann sollte auch hochwertig analog produzieren, wie es z. B. mW das Label Tacet praktiziert.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:

    "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • Bei digitalen Neuproduktionen erschließt sich mir die analoge Pressung nicht so recht.

    Lieber Frank
    da gebe ich Dir im Prinzip recht. Aber anscheinend überstrahlen Haptik, Optik und Sensorik der LP häufig auch diesen eigentlich vernünftigen Einwand. Auch lässt sich bei Wiederveröffentlichungen ursprünglich analoger Aufnahmen oft nicht verifizieren, ob sie auch analog remastered wurden oder digital. :)

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Leonard Bernsteins einziges Konzert mit den Berliner Philharmonikern mit Gustav Mahlers 9. Symphonie gilt vielen als eine der beeindruckendsten Umsetzungen der Partitur. Die Liveaufnahme von 1979 wurde anscheinend analog aufgenommen (ADD steht auf der CD). Da sie erst nach Karajans Tod im Digitalzeitalter herauskam, gab es m.W. nie eine LP davon. Dies wird jetzt offensichtlich nachgeholt.

    G.F. Kühn in stereoplay 7/92: »..eines der aufregendsten Konzertereignisse im NachkriegsBerlin. Nie hatte man die Mahler Neunte in solcher Kenntlichkeit des Todesschreckens, der Schmerzgrimasse gehört, verschliert mit den ›schmutzigen‹ Klängen einer wilden Biergarten-Tanzerei, der süßlichen Brutalität einer Militärkapelle, und hauchzart verdämmernd in einem fast bohrenden Schluß. Faszinierend durchsichtig der Klang.«

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  • Auch lässt sich bei Wiederveröffentlichungen ursprünglich analoger Aufnahmen oft nicht verifizieren, ob sie auch analog remastered wurden oder digital.

    Ja, da stimme ich Dir absolut zu. Ich tippe mal darauf, dass ein Gutteil aktueller Wiederveröffentlichungen alter Analogaufnahmen zwischendurch mal aus Einsen und Nullen (oder umgedreht) bestand. :D

    :cincinbier:

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  • Vor einigen Tagen ist eine IMHO herausragende Einspielung von Dvoraks Cellokonzert wiederveröffentlicht worden:

    Die gab es lange nicht einmal auf CD (bis sich zuletzt Australian Eloquence erbarmt hat) und LP-Originale sind recht teuer.
    Ich grüble noch, ob ich mir diese LP gönnen sollen.

    :cincinbier:

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  • Zumal ich die CD nicht besitze.

    Ich habe die Aufnahme noch als Japan-Import auf CD - was den LP-Kauf nicht vernünftiger machte... :rolleyes:

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  • Julia Fischers Aufnahme der 6 Violinsonaten von Eugene Ysaÿe ist vor kurzem als limitierte Auflage auf Vinyl erschienen. Ich habe sie bei cpo vor Wochen bestellt und bekam mitgeteilt, dass sie schon ausverkauft ist. Bei Amazon gab es dann noch ein Exemplar. Dürfte dann bald auch wieder zu Mondpreisen angeboten werden.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Boom!

    Neues Adele-Album sorgt für Stau in den Presswerken
    Vinyl-Schallplatten erleben ein Comeback. Die Presskapazitäten können mit der Nachfrage nicht mithalten. Für internationale Künstler wird das zum Problem, wie…
    www.tagesschau.de

    Schon vor Jahren war von den Connaisseuren zu hören (reimt sich!), dass wegen des Booms die letzten Presswerke durch Müll kaputt genudelt werden. Bevor die wirklich edlen Perlen ihr re-issue erleben. Damit will ich nichts gegen Adele geschrieben haben, deren Musik ich überhaupt nicht kenne.

    Gruß, Frank

    Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.

  • Ich will ja nur mal anmerken, dass der Frequenzgang von Vinyl bei 15 kHz am Ende ist.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Und damit weiter reicht, als viele ältere Semester noch hören können.

    :cincinbier:

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  • Als Leonard Bernstein für die DGG seine zweite Mahler-Totale einspielte, kam gerade die CD auf. So gab es von einigen Einspielungen noch in geringer Auflage Vinylausgaben. Die wurden im Laufe der Zeit bei Sammlern sehr begehrt und erzielten dreistellige Preis im Second Hand Markt. Um an diesem lukrativen Geschäft zu partizipieren, hat die DGG jetzt eine Kassette mit 16 LPs herausgebracht, die alle Einspielungen enthält. Dafür muss man €299 berappen. Auch die später in Berlin entstandene Aufnahme der 9. Symphonie - die m.W. einzige Aufnahme Bernsteins mit den Berliner Philharmonikern - erschien kürzlich im LP-Format (s. Beitrag #4). Wer sich mit der CBS-Kassette mit den früheren New Yorker Aufnahmen begnügt, kann diese im guten Gebrauchtzustand für ca 25-50 ergattern.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Als Leonard Bernstein für die DGG seine zweite Mahler-Totale einspielte, kam gerade die CD auf. So gab es von einigen Einspielungen noch in geringer Auflage Vinylausgaben. Die wurden im Laufe der Zeit bei Sammlern sehr begehrt und erzielten dreistellige Preis im Second Hand Markt.

    Das wundert mich ehrlich gesagt. Denn ich hatte eigentlich bisher den Eindruck, dass nur die frühen DECCA- und RCA-Ausgaben (und dabei ausschließlich englische bzw. amerikanische Pressungen) schwindelerregende Preise erzielen. Und dazu kommt, dass in den 80er-Jahren die Pressqualität schon gewaltig in die Knie gegangen war (dünne Flunder, die sich beim Anblicken von alleine verbiegen, wenn sie nicht schon einen granatenmäßigen Höhenschlag von Anfang an haben....)

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Lennys‘ DG-Mahler auf LP erzielt seit langem hohe Preise bei Sammlern. Vermutlich waren es nur noch vergleichsweise niedrige Auflagen, die auf Vinyl veröffentlicht wurden.

    Gemessen an den Gebrauchtpreisen ist die Box ein Schnapp und auch Hardcoreanalogies sollten damit kein Problem haben, denn das Master war selbst bei den Originalen bereits digital.

    Gehandelt wird übrigens alles Mögliche zu hohen Preisen und zwar beinahe labelunabhängig. Gerade seltene/ obskure Solisten werden häufig hoch gehandelt.

    :cincinbier:

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  • Das wundert mich ehrlich gesagt. Denn ich hatte eigentlich bisher den Eindruck, dass nur die frühen DECCA- und RCA-Ausgaben (und dabei ausschließlich englische bzw. amerikanische Pressungen) schwindelerregende Preise erzielen.

    Es sind wohl grundsätzlich Stereo-Erstpressungen aus der Frühzeit, die nicht gerade billig über den Ladentisch gehen - aber bei sowas wie späte Pressungen aus der Zeit 1987/88 sind auch gefragt, wenn sie damals nicht mehr in großen Auflagen herauskamen.

    Gerade seltene/ obskure Solisten werden häufig hoch gehandelt.

    Yo, das kenne ich auch.

    Und dazu kommt, dass in den 80er-Jahren die Pressqualität schon gewaltig in die Knie gegangen war (dünne Flunder, die sich beim Anblicken von alleine verbiegen, wenn sie nicht schon einen granatenmäßigen Höhenschlag von Anfang an haben....)

    Ich habe eine LP, die ist tatsächlich sehr wabbelig. Aber normale Veröffentlichungen hatten noch um 140 g und waren absolut okay (180 g kenne ich natürlich auch, aber das war früher die Pressqualität aus den 1960er Jahren). Zweit- und Drittpressungen könnten aber wirklich nochmal dünner gewesen sein.

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Liebe Vinyl-LiebhaberInnen,

    Habe diesen Thread eben grad entdeckt.

    Ein recht aktuelles "Re-Issue" gibt's von TACET:

    Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr.1-9,

    Polish Chamber Philharmonic Orchestra Sopot, Wojciech Rajski

    Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr.1-9 (180g / auf 1000 Stück weltweit limitiert und handnummeriert) (9 LPs) – jpc
    Die LP Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr.1-9 (180g / auf 1000 Stück weltweit limitiert und handnummeriert) jetzt portofrei kaufen. Mehr von Ludwig van…
    www.jpc.de

    Einige der Aufnahmen sind schon älter und wurden „konventionell“ auf Vinyl veröffentlicht. Die Platten wurden angeblich „Transistoren Frei“ aufgenommen, und klingen daher SEHR Analog.

    Die neue Version wurde etwas „aufgemotzt“ und aus meiner (technischen) Perspektive tatsächlich verbessert.
    Über die Musikalische Interpretation wage ich mangels Kenntnisse keine Kommentare abzugeben.

    Gruss

    Urs

    PS: Ich gestehe: Auf eine weitere Beethoven-Symphonien-Gesamteinspielung hat die Welt ja eher nicht gewartet… aber auf „Analogem“ Vinyl ist es trotzdem höchst erfreulich („Digitale LP-Kopien“ gibt’s ja einige)

    Für mich persönlich daher ein High-Light, technisch wie musikalisch

    Eine wenig beachtete „Schellack-Weisheit“ besagt:

    Die Wahre Seele der Musik versteckt sich hinter Knistern und Rauschen….

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