Rassismusvorwürfe gegen Peter Konwitschny

  • Ich halte mich ganz einfach an die Aussagen Konwitschnys. Die nicht nur ich für glaubwürdig halte.



    Das von Dir behauptete "Sprechverbot" ist keine Tatsache, sondern lediglich Deine Meinung, geäußert in polemisch zugespitzter Form.

    Ich würde gerne wissen, was das bitte anderes ist, wenn ich das Wort Löwe nicht im Zusammenhang mit Afrika nennen darf. Ganz egal, wem gegenüber. Das hat auch nichts mehr mit "political correctness" zu tun, die wir uns von Amerika eingehandelt haben.

  • Interessant ist natürlich schon, warum die Intendanz es nicht versucht hat, die ganze Angelegenheit intern zu regeln und wenn sie es versucht hat, warum sie dann offensichtlich unter solch einen Druck geraten ist, dass sie zu dieser wellenschlagenden Entscheidung greifen musste (oder wollte). Und das alles immerhin zwei Wochen vor der Premiere!


    :wink: Wolfram

  • Ich würde gerne wissen, was das bitte anderes ist, wenn ich das Wort Löwe nicht im Zusammenhang mit Afrika nennen darf.

    Wer verbietet Dir das?


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Interessant ist natürlich schon, warum die Intendanz es nicht versucht hat, die ganze Angelegenheit intern zu regeln und wenn sie es versucht hat, warum sie dann offensichtlich unter solch einen Druck geraten ist, dass sie zu dieser wellenschlagenden Entscheidung greifen musste (oder wollte). Und das alles immerhin zwei Wochen vor der Premiere!

    Ja, das finde auch ich unklar. Und ich vermute, daß es da irgendwann noch öffentliche Erklärungen geben wird.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Und ich vermute, daß es da irgendwann noch öffentliche Eerklärungen geben wird.

    Hoffen wir's. Eigentlich hätte das sofort erfolgen müssen. Wobei wir die internen Abläufe wohl nicht erfahren werden.


    In Hamburg haben sie ja kürzlich auch das Regie-Team, zuständig für die 'Entführung', zwei Wochen vor der Premiere gefeuert. Auf der Website der Staatsoper habe ich dazu nichts gelesen, weiß von näheren Umständen nur von Beteiligten aus dem Haus, bzw. dann über Dritte. Man kann aber davon ausgehen, dass eine Intendanz, wenn sie sich zu solch einem spektakulären Schritt veranlasst sieht, unter einem immensen Druck steht. In Nürnberg kann das ja nur aus dem Haus erfolgt sein oder es war vorauseilender Gehorsam. Rückgrat haben sie jedenfalls nicht gezeigt, Fähigkeit zum Vermitteln eher auch nicht.


    Btw, in Hamburg ging es um RT.


    :wink: Wolfram

  • Rückgrat haben sie jedenfalls nicht gezeigt, Fähigkeit zum Vermitteln eher auch nicht.

    Möglich. Aber um das zu beurteilen, müßte man mehr wissen.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Hätte er es gegenüber einer weissen Person gesagt, wäre es ok gewesen?

    Ja. Denn gegenüber einer Person mit weißer Hautfarbe ist der Zusatz "in Afrika" ohne jeden rassistischen Bezug.


    Der Punkt ist, dass in Konwitschnys Regieanweisung der Zusatz "in Afrika" völlig unnötig war. Ich hatte oben bereits in meinem Posting #41 auszudrücken versucht, dass sein Satz gegenüber einer dunkelhäutigen Sängerin mit dem Wort "ein Raubtier" völlig in Ordnung gewesen wäre. Ich hatte auch auszudrücken versucht, dass sein Satz selbst mit dem Wort "ein Löwe" in Ordnung gewesen wäre (denn Löwen gibt es in Afrika, in Indien und - man möge mich korrigieren, wenn ich im Zoologie-Unterricht nicht aufgepasst haben sollte - selbst im Bereich der ehemaligen UdSSR). Aber das Wort "ein Löwe in Afrika" ist auf diese dunkelhäutige Sängerin gemünzt gewesen.


    Konwitschny hat sich entschuldigt und eingesehen, dass er etwas Falsches gesagt hat. Die Chorsängerin hat seine Entschuldigung angenommen. Damit muss die Sache vom Tisch sein.


    Dass sein Dienstvertrag deswegen fristlos gekündigt wurde und er jetzt als persona non grata dasteht, empfinde ich als völlig unangemessen. Eben weil er sich entschuldigt hat und einsichtig ist.

  • Nach der Darstellung Konwitschnys sei er nicht gekündigt worden, sondern es habe einen Aufhebungsvertrag gegeben, weil sein anders gemeintes Angebot zur Aufhebung angenommen worden sei. Auch das dreist von der Intendanz.


    Wie steht es eigentlich im konkreten Fall mit dem künstlerischen Werk Konwitschnys? Darf Nürnberg das einfach weiter nutzen? Ist wahrscheinlich so vertraglich geregelt, vermute ich mal. Ansonsten wäre eine Untersagungsverfügung seitens Konwitschnys doch eine lustige Gegenmaßnahme. Frei nach dem Motto: Für solche Schweine regissiere ich nicht.

  • Der Punkt ist, dass in Konwitschnys Regieanweisung der Zusatz "in Afrika" völlig unnötig war.

    Wenn man das Bild eines Löwen verwendet, ist der Zusatz "in Afrika" zwar streng genommen unnötig, weil es außerhalb Afrikas so gut wie keine freilebenden Löwen gibt, aber gerade deshalb doch auch naheliegend. Dass sich in der konkreten Situation die Darstellerin beleidigt fühlen konnte, weil sie das statt auf den Löwen auf sich bezog, ist nachvollziehbar und hätte von Konwitschny vielleicht vorausgesehen werden können. Seine Entschuldigung war deshalb angemessen, aber ihm irgendeine rassistische Absicht zu unterstellen (die dann die Beendigung der Zusammenarbeit hätte rechtfertigen können), finde ich reichlich absurd. Dass er - in der spontanen Situation einer Probe - nicht an mögliche Implikationen seines Bildes gedacht hat, zeigt doch wohl eher, dass die Hautfarbe seiner Darstellerin für ihn keine Rolle spielte, als das Gegenteil.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Der Punkt ist, dass in Konwitschnys Regieanweisung der Zusatz "in Afrika" völlig unnötig war. Ich hatte oben bereits in meinem Posting #41 auszudrücken versucht, dass sein Satz gegenüber einer dunkelhäutigen Sängerin mit dem Wort "ein Raubtier" völlig in Ordnung gewesen wäre.

    Ehrlich gesagt fände ich das 'Raubtier' hier sehr viel bedenklicher als die Ortsbezeichnung 'Afrika'. Dass man im Zusammenhang mit einer farbigen Frau an Afrika denkt, mag möglicherweise nicht ganz auf der Höhe der Zeit sein, aber Rassismus kann ich da beim besten Willen nicht erkennen, zumal Absicht ausgeschlossen werden kann.

  • Was mich in dieser Diskussion am stärksten beeindruckt ist die große Zahl von sehr klugen Menschen, die von sich mit absoluter Sicherheit sagen können, dass sie in der Stress-Situation,die eine Probe für den Regisseur immer ist, jedes Wort und jedes Komma ganz genau abwägen und niemals einen Fehlgriff tun würden. Wo erwirbt man diese Fähigkeit? Und wenn nicht diese, wo erwirbt man diese selbstgerechte Sicherheit? Nicht, dass ich irgendwen darum beneiden würde, aber ich wüsste es doch gern.

  • Wenn man das Bild eines Löwen verwendet, ist der Zusatz "in Afrika" zwar streng genommen unnötig..

    So isses. Nicht nur In der BRD sondern auch anderwo der westlichen Hemisphäre sind bereits des öfteren Löwen aus ihren Gehege/Zoo entkommen und die Bevölkerung wurde derartigen Raubtieren gewarnt. :D

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Was mich in dieser Diskussion am stärksten beeindruckt ist die große Zahl von sehr klugen Menschen, die von sich mit absoluter Sicherheit sagen können, dass sie in der Stress-Situation,die eine Probe für den Regisseur immer ist, jedes Wort und jedes Komma ganz genau abwägen und niemals einen Fehlgriff tun würden.


    Wer hat dies denn in welchem Beitrag behauptet?


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Wenn Du die Debatte nicht verfolgt hadt, kannst Du das nicht wissen. Dann kannst Du es aber nachlesen.


    Ich habe die Debatte verfolgt und alles gelesen. Die sinngemäße Aussage, dass man selbst in Stress-Situationen sprachlich einwand- und fehlerfrei agieren würde, habe ich nirgendwo vernommen. Das ist umso verwunderlicher, da die Aussage ja wohl sehr oft getätigt worden sein muss, denn Du schreibst von einer "große[n] Zahl von sehr klugen Menschen" - woher Du das mit dem "klug" weißt, ist mir nicht bekannt, aber die "große Zahl" sollte sich ja durch Beitragszahlen belegen lassen. Wenn es also so viele Beiträge mit diesem Tenor gibt: könntest Du dann vielleicht exemplarisch auf einen dieser vielen Beiträge verweisen, in welchem die oben genannte Aussage getätigt worden ist?


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Tja. So verschieden kann das sein. Ich habe diese Aussage hier sehr laut vernommen. Übrigens finde ich es richtig schwach, wenn man dazu dann nicht wenigstens auch steht.

  • Tja. So verschieden kann das sein. Ich habe diese Aussage hier sehr laut vernommen.


    Von wem und wo denn bitte? Angeblich sollte ich das doch durch einfaches Lesen nachvollziehen können. Jetzt muss man dafür auf einmal verschiedene Prädispositionen beim Lesen haben, um das vernehmen zu können?


    Ich jedenfalls möchte über Konwitschny nicht richten. Die Aussage war deplatziert, er hat sich dafür entschuldigt, man hätte es dabei bewenden lassen sollen. Ich habe mich sicherlich auch irgendwann und irgendwo schon mal verbal vergriffen, wenn auch nicht mit afrikanischen Löwen.


    Mich stört die gesellschaftliche Erregungsspirale rund um solche Vorgänge, die identitätspolitisch und Social-Media-begünstigt angeheizt wird. Leider ist die Eskalation dieses Vorfalls ein weiterer Beleg dafür.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • https://www.sueddeutsche.de/ku…diskriminierung-1.5467661
    Konwitschny wurde kritisiert und wollte dann nicht mehr dort arbeiten. Dass er sich beschwert, von "hinten" angegriffen zu werden, ist zwar verständlich, da er aber in der Machtposition ist, ist auch zu verstehen, dass die Sängerin sich erstmal nicht getraut hat. Dass ausgerechnet ein "Diskriminierungsmahner" dann einvernehmlich Abschied nimmt, ist für mich zugegebenermaßen etwas amüsant.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!