Rassismusvorwürfe gegen Peter Konwitschny

  • Konwitschny hat einen Vergleich gebracht, der im Zusammenhang mit der Hautfarbe der Angesprochenen als unpassend gewertet werden kann.

    Genau das ist es.


    Seine Regieanweisung an die Chorsängerin, die sich von einer Gefahrenquelle mit Körper und Gesicht abgewendet hat, lautete: "Dein Körper will nur weg, klar, aber Du musst trotzdem hinsehen. Du darfst nicht den Blick abwenden, musst Dich der Gefahr stellen." Das finde ich bis dahin sehr einleuchtend.


    Hätte er nun gesagt: "Das ist, als ob ein Raubtier auf Dich losgerannt kommt. Weglaufen bringt nichts mehr, Du musst hinsehen", wäre alles gut gewesen. Damit hätte er auch einen Eisbären in Kanada meinen können. Vermutlich hätte er sogar sagen dürfen: "Das ist, als ob ein Löwe auf Dich zugerannt kommt. Weglaufen bringt nichts mehr, Du musst hinsehen". Dass er nun aber ausgerechnet gegenüber einer dunkelhäutigen Chorsängerin von einem Löwen "in Afrika" sprach, macht es verwerflich. Das wird mir immer klarer, je mehr ich darüber nachdenke, und das ist auch Konwitschny inzwischen völlig klar, wie er selbst sagt. Ich empfehle sehr, sich das Interview mit ihm anzusehen.


    Eine andere Frage ist, ob dieses Vorkommnis rechtfertigt, ihn fristlos rauszuschmeißen, zumal er sich entschuldigt und die Sängerin die Entschuldigung angenommen hat.

  • Aber man darf eben nicht zulassen, dass Afrika negativ assoziiert wird, bzw. darf man sich Afrika von rassistischen Sprüchen nicht madig machen lassen

    Ich gebe dir zu 100 Prozent recht.


    Allerdings sehen sich Menschen mit dunkler Hautfarbe, die hier geboren und aufgewachsen sind, nicht als Afrikaner.


    Vermutlich könnten alle Beteiligten nach einer Äußerung, wie sie Konwitschny von sich gab, entspannt lachen und darüber diskutieren. Schön wäre es.


    Aber es ist nun mal Tatsache, dass Rassismus in Deutschland ein Problem ist, das vielen Menschen Tag für Tag das Leben schwer macht. Ich würde davon nichts mitbekommen, wenn ich nicht selbst ab und zu mit Betreffenden unterwegs wäre oder von ihnen zu hören bekäme, was sie berichten. Dann wäre ich vielleicht auch der Ansicht, dass in der Diskussion der Bogen überspannt wird.


    Wenn jetzt beklagt wird, dass die Betroffenen hier alle auf einmal so sensibel reagieren und sich nicht haben sollen, weiß ich nur: das sind alles nur Tropfen, die das Faß zum Überlaufen bringen. Nicht zunehmende Empfindlichkeit ist das ursächliche Problem, sondern Alltagsrassismus. Das muss mit in den Kontext rein, den Gurnemanz angedeutet hat.

  • Allerdings sehen sich Menschen mit dunkler Hautfarbe, die hier geboren und aufgewachsen sind, nicht als Afrikaner.

    Sind sie natürlich auch nicht. Es ist sicherlich schwierig, ein positives Identitätsgefühl aufzubauen, wenn man mit Rassismus oder negativen Stereotypen konfrontiert wird. Ich habe selbst viel mehr mit tatsächlichen Afrikanern zu tun als mit Europäern afrikanischer Herkunft, meistens aus gehobenen Gesellschaftsschichten stammend. Da gibt es das alles nicht. Gelegentliche Begegnungen mit Rassismus machen auch diese Menschen hier, aber es trifft sie nicht so tief im Inneren, weil sie ein anderes Selbstwertgefühl haben.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Genau. S. mein Post #23

    Ich verstehe nicht, wie man darin keine sehen kann.


    Aber wenn jemand wie meine Nachbarin, die berlinert und hier geboren ist, jede Woche einmal gefragt wird, wann sie wieder nach Afrika zurückkehrt, kann man sich freilich auch ahnungslos stellen und empört fragen, wie man das nun wieder als rassistisch empfinden kann.

    Das ist ja wohl ein ganz anderer Fall. Das ist eine inhaltliche Entgleisung.
    Dagegen ist es bei Konwitschny weder eine inhaltliche noch eine verbale. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.
    Im übrigen fehlt mir jedes Verständnis dafür, warum man in Zusammenhang mit einem Löwen nicht das Wort Afrika verwenden kann.
    Die Erklärungen hat Konwitschny auch erst im späteren Verlauf der Äffäre abgegeben. Er hat sich wohl gefragt, wie es zu diesem Bohei kommen konnte. Zunächst fehlte ihm - genau wie mir - jegliches Verständnis dafür.

  • Sieht man sich den o. g. Film-Beitrag an, erfährt man, dass die Hausleitung zunächst mit verschiedenen Beteiligten gesprochen und erst danach reagiert hat.

  • Sieht man sich den o. g. Film-Beitrag an, erfährt man, dass die Hausleitung zunächst mit verschiedenen Beteiligten gesprochen und erst danach reagiert hat.

    Das liegt ja in der Natur der Sache. Konwitschny ist bestimmt nicht von sich aus zur Intendanz gegangen und hat gesagt: "Leute, mir ist da leider eben bei der Probe was rausgerutscht, was ich nicht hätte sagen dürfen". Bei der Intendanz werden andere vorstellig geworden sein und sich über ihn beschwert haben. Mit denen hat die Intendanz dann geredet, bevor sie reagierte. Konwitschny sagt ausdrücklich, dass während der Probe kein Mensch das Wort deswegen an ihn gerichtet hat. Die Probe lief ganz normal weiter. Das, was am besten gewesen wäre, nämlich dass man das gleich an Ort und Stelle geklärt hätte, ist also nicht passiert. Erst schweigen sie alle schön, und hinterher rennen sie zum Intendanten.

  • Anstatt "verwerflich" wäre vielleicht eher "verunglückt" zu verwenden, da Verwerflichkeit bösen Willen suggeriert

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Anstatt "verwerflich" wäre vielleicht eher "verunglückt" zu verwenden, da Verwerflichkeit bösen Willen suggeriert

    Verunglückt ist bei Dir jetzt die Zitierfunktion. ;)
    Jedenfalls hast Du mir music lovers Statement untergejubelt.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Verunglückt ist bei Dir jetzt die Zitierfunktion. ;) Jedenfalls hast Du mir music lovers Statement untergejubelt.

    Hm, sorry, irgendwie mag das nicht wie es soll

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Dass er nun aber ausgerechnet gegenüber einer dunkelhäutigen Chorsängerin von einem Löwen "in Afrika" sprach, macht es verwerflich.

    Hätte er es gegenüber einer weissen Person gesagt, wäre es ok gewesen?


    Ist es denn sicher, dass Konwitschny das so, also mit Afrika, formuliert hat, weil die Choristin dunkelhäutig ist? Vielleicht hätte er es auch gegenüber einer weissen Person so formuliert? Einfach weil ihm gerade ein afrikanischer Löwe und kein europäisches Raubtier einfiel?
    Dann würde ich nicht einsehen, dass die gleiche Formulierung gegenüber einer weissen Person ok wäre, aber gegenüber einer dunkelhäutigen Person zur Kündigung führt. Das fände ich absurd.

  • Ist es denn sicher, dass Konwitschny das so, also mit Afrika", formuliert hat, weil die Chorisistin dunkelhäutig ist?

    Nein, das ist keineswegs sicher. Ich glaube das auch nicht. Ihm fiel der Löwe ein und da liegt die Konnotation mit Afrika doch auf der Hand.

  • Nein, das ist keineswegs sicher. Ich glaube das auch nicht. Ihm fiel der Löwe ein und da liegt die Konnotation mit Afrika doch auf der Hand.

    Hieß ja schon in mittelalterlichen Karten bei Africa: „Hic sunt leones“

    Einzelne giebt es sogar, auf deren Gesicht eine so naive Gemeinheit und Niedrigkeit der Sinnesart, dazu so thierische Beschränktheit des Verstandes ausgeprägt ist, daß man sich wundert, wie sie nur mit einem solchen Gesichte noch ausgehn mögen und nicht lieber eine Maske tragen (Arthur Schopenhauer)

  • Das ist schlicht Sprechverbot.

    Es wurde hier schon allerhand dazu gesagt. Wenn man das alles mit einem reisserischen Schlagwort vom Tisch wischt, macht man mMn leider genau das, was man der Gegenseite vorwirft.
    Diese Angelegenheit kann man auf keiner Seite des Arguments auf ein Wort reduzieren.


    Beide Seiten brauchen mMn Feingefühl, Mitgefühl, Wohlwollen und Wille zur Einsicht und zum Kompromiss. Versteifen hilft nicht, sondern führt zur stärkeren Polarisierung.


    Irgendwas ist bei der Angelegenheit trotz angeblicher Entschuldigung und Annahme der Entschuldigung schief gelaufen. Was das war, wissen wir nicht.

  • Es wurde hier schon allerhand dazu gesagt. Wenn man das alles mit einem reisserischen Schlagwort vom Tisch wischt, macht man mMn leider genau das, was man der Gegenseite vorwirft.

    Daran ist nichts reißerisch, es ist auch kein Schlagwort, sondern eine schlichte Tatsache.

    Beide Seiten brauchen mMn Feingefühl, Mitgefühl, Wohlwollen und Wille zur Einsicht und zum Kompromiss.

    All das hat die Intendanz vermissen lassen. Mit dem Rausschmiß hat sie sich blamiert.
    M.E. ist die Intendanz fehl am Platz, nicht der Regisseur.

  • Daran ist nichts reißerisch, es ist auch kein Schlagwort, sondern eine schlichte Tatsache.

    Das von Dir behauptete "Sprechverbot" ist keine Tatsache, sondern lediglich Deine Meinung, geäußert in polemisch zugespitzter Form.

    All das hat die Intendanz vermissen lassen. Mit dem Rausschmiß hat sie sich blamiert.
    M.E. ist die Intendanz fehl am Platz, nicht der Regisseur.

    Kennst Du die Hintergründe, um ein solches Urteil fällen zu können?


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

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