Dirigentische Doppel- und Mehrfachbegabungen

  • Boulez,

    hatte neben Noten-, Orchester-, sogar Tastenquälerei drauf...... es gibt irgend eine Einspielung seiner Structures, die er mit einer Tastenquälerin am Wickel hat.....

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Der Dirigent Gustav Mahler soll auch komponiert haben. Von Britten gibt es unzählige Aufnahmen als Dirigent, Matthias Pintscher leitet derzeit das Ensemble Modern. Dann fallen mir noch Boulez, Maderna (tolle Mahleraufnahmen), Penderecki, Eötvös, Henze und Hindemith ein.

    Fällt dir im Gegenzug dazu ein Komponist ein, der nicht auch als Dirigent aufgetreten ist, bzw. allgemein ein Ensemble geleitet hat?

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Fällt dir im Gegenzug dazu ein Komponist ein, der nicht auch als Dirigent aufgetreten ist, bzw. allgemein ein Ensemble geleitet hat?

    Ligeti?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Fällt dir im Gegenzug dazu ein Komponist ein, der nicht auch als Dirigent aufgetreten ist, bzw. allgemein ein Ensemble geleitet hat?

    Meines Wissens Wolfgang Rihm.

    Und ich kann mich auch nicht erinnern irgendwo gelesen zu haben, dass Schostakowitsch oder Prokofieff als Dirigenten aufgetreten sind. Natürlich aber als Pianisten.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

    Einmal editiert, zuletzt von Wieland ()

  • Fällt dir im Gegenzug dazu ein Komponist ein, der nicht auch als Dirigent aufgetreten ist, bzw. allgemein ein Ensemble geleitet hat?

    Wäre ja auch vielleicht zu unterscheiden zwischen Komponist:innen, die dann und wann mal ein Orchester “dirigiert” haben (davon gibts sicherlich unzählige), und solchen, die eine Stelle als verantwortliche Leiter:innen eines Orchesters (oder sonstigen größeren/gewichtigeren Ensembles) ausgefüllt haben


    Zu letztere gehört z.B. sicherlich auch Peter Ruzicka.


    Adieu

    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Michel Gielen mit 3er-Begabung als Orchester-, Noten- und Tastenquäler.

    Musste mit seiner Familie nach Argentinien rübermachen, um industrieller Massenvernichtung durch Nazis&willigen Vollstreckern zu entkommen.....

    Dort startete er ~ nach dem Krieg als Korrepetitor, auch später dann in Wien …..
    .. zahlreiche geile Mitschnitte mit Gielen im Stammkader …
    …. fetzigste Notenquälereien (vor allem sog. zeitgenössischen Moderne zugeneigt) meiner Löffel bisher:
    sein Streichquartett (Nr. 2; dass an Baudelaires Le Cygne andockt) ..

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    sowie Die Glocken sind auf falscher Spur

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    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

    Einmal editiert, zuletzt von Amfortas09 ()

  • Das ist leider nur ausgedacht , denn Klemperer pflegte "Fieskau" zu sagen .

    Ist es nicht.

    Und Fieskau sagte er über ihn, aber nicht zu ihm.

    "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms

  • Und Fieskau sagte er über ihn, aber nicht zu ihm.

    Soll der Doc was zu schreiben .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Nach minem Wissen sagte Klemperer immer "Herr Fischer", und liess "Dieskau" weg. Als DFD ihn darauf aufmerksam machte, er heisse Fischer-Dieskau, soll Klemperer seine Entourage erfolgreich überredet haben, auch immer nur "Herr Fischer" zu sagen. Wo ich das gelesen habe, weiss ich nicht mehr.

  • Eben habe ich mal etwas im Netz recherchiert zu den Geschichten über Klemperer und Fischer Dieskau. Da gibt es ein paar Witze, auch die Sache mit "Herr Fischer". Nur: Eine seriöse Quelle habe ich nicht gefunden; deshalb vermute ich, daß davon vieles nur Erzählung ist.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Hier die Quelle:

    "Sagen Sie doch einfach Otto" Herausgegeben von Charles Osborne und Kenneth Thomson.

    Mit einem Vorwort von Nicolai Gedda., Piper München 1981 ISBN 3492024300

    S. 70. "darf ich hoffen, daß Sie mir die Ehre erweisen, nächste Woche zu dem Konzert zu kommen, in dem ich Schuberts neunte Symphonie dirigieren werde?" fragte der Bariton.

    "Leider nein", sagte Klemperer. "Ich habe versprochen zu Soltis Winterreise zu gehen"


    Und: S.71- ... So redete er ihn gelegentlich mit Herr Fieskau an, denn zwischen der Selbstgefälligkeit des Sängers und dem ironischen Humor des Dirigenten lagen Welten.

    ...Nachdem F-D auf einer Probe sehr bewegend das Arioso "Am Abend, da es kühle war" vorgetragen hatte, wandte sich Klemperer an ihn und sagte: "Das war sehr gut, Herr Fieskau. Wissen Sie, Sie sollten den Eisenstein singen."

    FD Antwortete: "Ich denke, mein Talent gilt höheren Dingen."


    Gruß aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • Danke, lieber Doc! Das klingt seriöser als das, was ich gefunden habe.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Hört sich an, als hätten sich da genau die Richtigen gefunden...


    PS: Gibt es eigentlich Meinungen zu Fischer-Dieskau als Dirigent? Was ich in der Hinsicht bisher von ihm gehört habe, fand ich immer tadellos unauffällig solide.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

    Einmal editiert, zuletzt von Cherubino ()

  • Übrigens hat Klemperer in seiner Jugend mal an einem Klavierwettbewerb teilgenommen - und den zweiten Preis gewonnen. Erster Preisträger war Wilhelm Backhaus - glücklicherweise, denn es gibt zumindest eine Aufnahme mit dem alten Klemperer am Klavier: vom WDR aus den Proben zu Beethovens Neunter. Sie wird hin und wieder mal in Juxkonzerten zu Silvester oder Karneval ausgestrahlt.


    Kann mir ein musikalischer Fachmann vielleicht sagen, ob es Gründe für die Annahme gibt, dass jemand der musikalisches Verständnis hat und zumindest ein Instrument beherrscht, nicht auch dirigieren könnte?

    Gut ich gebe zu, ein gewisser Beethoven war nach Ohrenzeugenberichten als Dirigent stark überfordert.

  • Kann mir ein musikalischer Fachmann vielleicht sagen, ob es Gründe für die Annahme gibt, dass jemand der musikalisches Verständnis hat und zumindest ein Instrument beherrscht, nicht auch dirigieren könnte?

    Die Schlagtechnik kann man relativ leicht lernen, jedenfalls leichter als Geige oder Klavier zu spielen, aber eine Partitur bis in die letzten Details zu kennen, daraus eine schlüssige gestalterische Idee zu formen und diese dann mit einem Orchester durchzusetzen, von dessen Mitgliedern wahrscheinlich erst einmal ein Drittel es besser zu wissen glaubt und ein weiteres Drittel Dirigenten prinzipiell blöd findet, erfordert neben "musikalischem Verständnis" dann doch noch so manch anderes. Ich habe selbst mal ein Orchester erlebt, das einen jungen Dirigenten gnaden- und chancenlos hat auflaufen lassen. Seine einzige Möglichkeit war dann, so zu tun, als ob er das gar nicht merkte, um nicht auch noch den letzten Rest seiner Autorität zu verlieren. Das Ganze kann schon etwas von einer Löwen-Dressur haben. Der ehemalige Solo-Cellist eines berühmten Orchesters hat mir mal erzählt, dass er es irgendwann freiwillig verlassen habe, weil er seine letzten Jahre dort eigentlich keinen einzigen Dirigenten mehr akzeptiert habe, nachdem er dieselben Werke schon von Kleiber und Maazel erklärt bekommen hatte. Da könne ja sowieso nichts mehr kommen, was er nicht besser wisse. Jetzt stell Dir mal vor, mit dieser Haltung sitzt da das halbe Orchester vor Dir: Da nützt "musikalisches Verständnis" recht wenig...

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Maazel! Klar!


    Lorin Maazel, Dirigent, Komponist und Violinsolist

    Willi Boskovsky, Violinsolist (und Konzertmeister) und Dirigent

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Die Schlagtechnik kann man relativ leicht lernen, jedenfalls leichter als Geige oder Klavier zu spielen, aber eine Partitur bis in die letzten Details zu kennen, daraus eine schlüssige gestalterische Idee zu formen und diese dann mit einem Orchester durchzusetzen, von dessen Mitgliedern wahrscheinlich erst einmal ein Drittel es besser zu wissen glaubt und ein weiteres Drittel Dirigenten prinzipiell blöd findet, erfordert neben "musikalischem Verständnis" dann doch noch so manch anderes. Ich habe selbst mal ein Orchester erlebt, das einen jungen Dirigenten gnaden- und chancenlos hat auflaufen lassen.

    Wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht, sagtest Du vor längerer Zeit das hier:

    Man kann darüber streiten bzw. man könnte untersuchen, ob die relative (!) berufliche Sicherheit in deutschen Orchestern bei manchen Musikern Auswirkungen auf die Arbeitsmoral hat (und die müssen übrigens auch gar nicht unbedingt negativ sein), aber so pauschal ist die Behauptung einfach Humbug und beleidigend für unzählige Musiker, die mit Engagement ihr Bestes geben. Ich kenne eine vermutlich dreistellige Zahl von Orchestermusikern persönlich, und von denen ist keiner "auf Krawall gebürstet".

    Naja....egal. :)

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