Shakespeare - Richard II.


  • Gregor Doran, bis zum April 'Künstlerischer Direktor' der Royal Shakespeare Company inszenierte vor acht Jahren im neu umgebauten Royal Shakespeare Theatre in Stratford vier der Königsdramen, beginnend mit Richard II. Dies hier ist nun die wirklich sehenswerte Aufzeichnung davon.


    Ich muss gestehen, dass unter Dorans künstlerischer Leitung, die RSC oftmals seltsame Wege ging, was Inszenierungen und auch schauspielerische Leistungen anging. Seine eigenen Arbeiten hingegen zeigen ihn durchweg als ein sehr genau am Text arbeitenden, und platte, optische Aktualisierungen vermeidenden Regisseur. Das bedeutet nicht, dass Gegenwartsbezüge nicht vorhanden wären, ganz im Gegenteil. Doch erarbeitet er sie v.a. durch eine intensive und oftmals überraschende Ergebnisse zeigende Arbeit mit den Schauspielern, dann auch durch die Bank mindestens gute Leistungen abliefern.


    So auch in dieser Aufzeichnung. David Tennant gibt einen außergewöhnlich guten und interessanten Richard, selbstverliebt und arrogant, der aber nach der Spiegelszene und dann im Gefängnis eine starke Wandlung erfährt, ohne dabei weinerlich zu werden oder in Selbstmitleid zu zerfließen. Vielmehr gelingt es ihm (und auch Doran) die doppelte Perspektive deutlich zu machen, unter der diese Königsfigur handelt und lebt: der eigene Blick auf seine Rolle als Herrscher und der Blick des Publikums (und in England ja wahrlich immer noch der Blick der Untertanen) auf und seine Erwartungshaltung an ihn.


    Unterstützt wird Tennant dabei von einer hervorragenden Schauspielcrew, z.B. Michael Pennington als John of Gaunt, Jean Lapotaire als Duchess of Gloucester, Oliver Ford Davies las York, Nigel Lindsay als Bolingbroke, alles erfahrene, oftmals altgediente Darsteller.


    Wie auch in den beiden Teile von 'Henry IV.' thematisiert Shakespeare in 'Richard II.' u.a. den Übergang von Macht von einem Herrscher zum nächsten, wobei es dabei ja völlig irrelevant ist, ob es sich nun um Monarchien oder Demokratien handelt. Doran macht es aber sehr schnell deutlich, dass es ihm um mehr geht, nämlich eben auch um unsere Erwartungshaltung an die uns jeweils Beherrschenden. Von 'Hosianna' zu 'Kreuziget ihn!' geht es da oftmals sehr schnell. Und wenn schon nicht das Kreuz, dann wenigstens Buße und die muss sichtbar sein. Eine entsprechende innere Haltung wäre nett, im Notfall kann aber darauf verzichtet werden, solange der äußere Schein (hier ein Büßergewand) stimmt.


    Neben den Schauspielern ist es v.a. diese untergründige Doppelbödigkeit, die Rückfragen an den Zuschauer, die diese Inszenierung so interessant und wirklich sehenswert macht.


    :wink:Wolfram

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