Wolfgang Amadeus Mozart - Die Klaviertrios

  • Wenn wir bei "Klaviertrio" an die Standardbesetzung mit Klavier, Violine und Cello denken, und das heisst im Fall Mozart das "Kegelstatt-Trio" ausser Betracht lassen, dann kommen die nachfolgenden Werke als Klaviertrios in Betracht:

    Sonate B-Dur, KV 10

    Sonate G-Dur, KV 11

    Sonate A-Dur, KV 12

    Sonate F-Dur, KV 13

    Sonate C-Dur, KV 14

    Sonate B-Dur, KV 15

    Divertimento, B-Dur, KV 254

    Trio G-Dur, KV 496

    Trio B-Dur, KV 502

    Trio E-Dur, KV 542

    Trio C-Dur, KV 548

    Trio G-Dur, KV 564

    Schon ein flüchtiger Blick auf diese Aufzählung, bietet eine vor der Hand liegende Einteilung an. Es gibt sechs frühe Werke (KV 10 - 15), es gibt fünf "reife" Werke, deren Köchelnummern vermuten lassen, dass sie innerhalb einer eher kurzen Periode entstanden, und es gibt dazwischen das Divertimento KV 254.

    KV 11 bis 15 tragen nicht zu Unrecht den Namen "Sonaten". Es sind Klaviersonaten, denen nach Belieben (ad libitum) eine Geige (oder Querflöte) und ein Cello hinzugefügt werden können. Das Cello beschränkt sich darauf den Bass zu verstärken, aber auch die Geige spielt, wenn sie nicht nur eine Klavierstimme verdoppelt, eine völlig untergeordnete Rolle. Der achtjährige Mozart schrieb diese Werke 1764 in London, wo sie der englischen Königin Charlotte Sophie (verh. mit Georg III) gewidmet wurden. Sie werden uns hier nicht weiter interessieren. Es sei aber der Hinweis gestattet, dass Mozart diese Werke zwar als Kind schrieb, es aber darum nicht "kindische" Musik ist, sondern Werke die neben den unzähligen anderen ad libitum begleiteten Klaviersonaten dieser Zeit bestehen können.

    Wenn wir von einem "klassischen" Klaviertrio erwarten, dass Violine und Cello zusammen gegenüber dem Klavier als gleichberechtigte 'Konversationspartner' auftreten, dann kommt der zwanzigjährige Mozart diesem Ideal mit dem Divertimento KV 254 zumindest etwas näher. aber nur was die Violine betrifft. Die Ecksätze dieses dreisätzigen Werkes bewegen sich in den "Grenzen feinerer Gesellschaftsmusik", aber im Adagio, das von der Violinstimme dominiert wird, wird ein "tieferer, sehnsüchtiger, persönlicher Ton" (Alfred Einstein) angeschlagen. Entstanden ist dieses Divertimento etwa ein Jahr nach den Violinkonzerten deren "Geist" noch spürbar ist.

    Nun zu den fünf anspruchsvollen Wiener Klavietrios, die in einem relativ engen Zeitraum (1786 - 1788) zusammen mit manchen bedeutenden Werken, man denke bei der Kammermusik allein etwa an die beiden Klavierquartette (1985/86), oder an das unvergleichliche, grosse Divertimento KV 563, entstanden sind.

    Zwar beginnt KV 496 wie eine grosse Klaviersonate, aber von nun an gibt das Klavier die Führungsrolle auch regelmässig an die Streicher ab, die Instrumente, vor allem die Violine, werden völlig gleichberechtigte Dialogpartner. Undenkbar, dass hier die Stimmen nachträglich "hinzukomponiert" wurden. Im Manuskript hat Mozart sogar verschiedenfarbige Tinte verwendet, als ob er sich ermahnen wollte, keines der Instrumente zu vernachlässigen.

    Diese Klaviertrios erinnern mit ihrem dreisätzigen konzertanten Charakter oft an die Klavierkonzerte, zwischen dem Klavierkonzert KV 450 und dem Trio KV 502 gibt es im Kopfsatz auch eine offensichtliche thematische Beziehung. Der Schlusssatz von KV 502 klingt mit seinem Rondothema zunächst fast enttäuschend konventionell, aber überrascht dann mit wunderbaren, unvorhersehbaren Wendungen und Farben. Neben dem B-Dur Trio KV 502 zählt Alfred Einstein das E-Dur Trio KV 542 "zu den grössten Meisterwerken der Gattung". Aber auch die beiden letzten, wenig später entstandenen Trios, mögen sie auch etwas konventioneller wirken, sind lohnenswert. Besonders wenn, wie etwa im Schlusssatz von KV 564, die fröhliche Stimmung melancholisch eingetrübt wird und die Rückkehr des Themas nur noch nach dieser "trostlosen Fröhlichkeit" klingt, die Wolfgang Hildesheimer Mozart gelegentlich attestiert hat.

    Zu erwähnen sind noch drei Fragmente, die unter den Köchelnummern 442 (1 - 3) zusammengefasst wurden. Sie wurden von Karl Maguerre auf der Basis von Ausarbeitungen des Abbé Stadler ergänzt und herausgegeben.

    Einmal editiert, zuletzt von Abendroth (21. Februar 2022 um 12:16)

  • Ich habe die Klaviertrios von Mozart lange Zeit vernachlässigt. Sie zu entdecken, war eine angenehme Überraschung. Dazu haben ganz wesentlich diese Aufnahmen beigetragen:

    Sie sind der späteren Aufnahme, diesmal mit zwei Barenboims, überlegen:


    Wer Vollständigkeit nachstrebt, findet was er sucht beim Abegg-Trio. Sie bieten nicht nur die 5 grossen Wiener Klaviertrios, sondern auch die drei Fragmente (K442) und, eine Seltenheit, die sechs Sonaten in Triobesetzung:



    Wer an Klaviertrios denkt, wird unvermeidlich auch an das Beaux Art Trio denken, mit einer älteren und einer neueren Aufnahme:


    (Die neuere Aufnahme ist z.Zt. bei den Werbepartnern nicht im Angebot)

    Wer historische Aufnahmen sucht, muss gewiss zu dieser greifen:


    Einmal editiert, zuletzt von Abendroth (21. Februar 2022 um 12:18)

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