Kulturelle Aneignung

  • Nichtsdestotrotz habe ich so meine liebe Mühe, wenn Du überfaktisch einen "Ha-Jo aus Gelsenkirchen" herbeizitieren musst, um die Problematik der Aneignung zu demonstrieren (Stimmt natürlich ...).

    "Ha-Jo" ist erfunden, aber Klezmerbands nichtjüdischer Provenienz gibt es natürlich.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Das heißt konkret: man soll sagen, wenn einen ein gewisses Auftreten oder Verhalten stört, aber man soll nicht nach Verboten rufen.

    Ich würde mal mutmassen, dass die Kreise, die sich am Konzert "unwohl" gefühlt haben, nicht nach einem Abbruch verlangt haben.


    Es war der vorauseilende Gehorsam, der den Veranstalter zum Konzertabbruch bewogen hat.


    Es war eine tragische Verquickung verschiedener Befindlichkeiten. Deshalb ist auch keiner Seite eine "Schuld" zuzuweisen!


    Aber dass es zu solchen Komplikationen kommen kann, ist schon überaus ärgerlich.


    Gruss aus Bern vom


    Walter

  • Ich würde mal mutmassen, dass die Kreise, die sich am Konzert "unwohl" gefühlt haben, nicht nach einem Abbruch verlangt haben.

    Das halte ich für durchaus möglich. Das wäre eben genau das Falsche und auch feige. Es gab einen ähnlichen Fall bei einer österreichischen Kabarettistin, die mit - für mich - zweifelhaften Schmähs hausieren geht, welche als teilweise antisemitisch eingestuft wurden (wohl etwas übertriebenerweise). Nun war sie zu einem Comedy Event in Deutschland eingeladen, wurde aber plötzlich wieder ausgeladen, da es angeblich Pläne in "linken Kreisen" gegeben hätte, anlässlich ihres Auftritts zu randalieren. Das wäre schon mal eine Absage aus Feigheit gewesen. Aber noch übler: diese angeblichen Pläne linker Aktivisten waren frei von den Organisatoren erfunden. Tja...

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Das heißt konkret: man soll sagen, wenn einen ein gewisses Auftreten oder Verhalten stört, aber man soll nicht nach Verboten rufen.

    Ich würde mal mutmassen, dass die Kreise, die sich am Konzert "unwohl" gefühlt haben, nicht nach einem Abbruch verlangt haben.

    Gibt es denn Quellen, aus denen hervorgeht, was die Menschen, die auf dem Konzert waren, sich unwohl fühlten und sich beim Veranstalter beschwerten, konkret geäußert haben? Beim Suchen im Netz gestern habe ich nichts gefunden, nur den allgemeinen Verweis auf "kulturelle Aneignung".


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Ja, die gibt es in der Tat.


    Aber ich möchte den Fall jetzt nicht weiter aufblähen und bitte Dich dahinfür um Verständnis, lieber Heino.


    Gruss aus Bern vom


    Walter

  • Aber ich möchte den Fall jetzt nicht weiter aufblähen und bitte Dich dahinfür um Verständnis, lieber Heino.

    Einverstanden, lieber Walter. Dann verstehe ich allerdings nicht, warum Du so etwas behauptest:

    Es war der vorauseilende Gehorsam, der den Veranstalter zum Konzertabbruch bewogen hat.

    Überhaupt: Du äußerst hier wortreich Deine Empörung (was Dein gutes Recht ist) und erklärst dann, wenn ich konkret nachfrage, Du wollest "den Fall nicht weiter aufblähen". Das irritiert mich denn doch.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Ha-Jo" ist erfunden, aber Klezmerbands nichtjüdischer Provenienz gibt es natürlich.

    Zum Thema nichtjüdischer Klezmerbands gab es ab hier eine Diskussion (vor allem) zwischen Matthias Oberg und philmus.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Lieber Heino


    Warum solltest Du das nicht verstehen?


    Weil Du es mir nicht glaubst?

    Das ist mit Verlaub ziemlich verstörend für mich.


    Ich kann Dich versichern, über diesbezügliche Medienzeugnisse zu verfügen - sogar analoge -

    dass ich aber um der Deckelung des Geschehens Willen diese hier nicht veröffentlichen möchte, was Du sicherlich letztlich verstehen wirst. So hoffe ich wenigstens.


    Gruss aus Bern vom

    Walter

  • Ha-Jo" ist erfunden, aber Klezmerbands nichtjüdischer Provenienz gibt es natürlich.

    Zum Thema nichtjüdischer Klezmerbands gab es ab hier eine Diskussion (vor allem) zwischen Matthias Oberg und philmus.

    Tatsächlich habe ich damals auch einen Post zu dem Thema geschrieben:


    Klezmer und Nichtjuden


    Und das ist ja natürlich auch wahr! Nur weil jemand Jude, Schwarzer, Weißer - just name it - ist, heißt das nicht, dass man sich für eine gewisse Kunst oder Kultur Kompetenz zusprechen kann.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Nun, wenn Lang Lang Mozart und Liszt spielt, sehe ich da kein Problem. Es hat sich in Bern auch niemand beschwert, dass die Lauwarmen Reggae gespielt haben, sondern dass einer (?) der Musiker - so wie ich das erkennen kann weißer Schweizer - Dreadlocks trägt. Aus diesem Grund verstehe ich auch nicht, weshalb das hier als Kulturdiskussion geführt wird. Ist das Tragen von Dreadlocks bereits eine kulturelle Leistung? Mummenschanz aus dekorativen Gründen, der sich aber aus einer leidvollen Geschichte speist, ist nun einmal fragwürdig.

    Dreadlocks als "Mummenschanz" zu bezeichnen, ist jetzt auch eine Leistung. Die Zeiten, in denen alle mit Hut und Anzug herumgelaufen sind, und Abweichungen von der Normerscheinung wie Verkleidungen wahrgenommen wurden, sind lange vorbei (ich denke ca. an die 30er Jahre). Dreadlocks sind bei uns seit Jahrzehnten üblich als Ausdruck einer toleranten antidiskriminierenden Lebenseinstellung. Dass ausgerechnet das jetzt "problematisiert" wird, hat schon etwas von "die Revolution frisst ihre Kinder". Dreadlock-Verbote haben dann schon etwas dezent Totalitäres.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Lieber Walter, ich glaube Dir, daß Du meinst, was Du schreibst. Ansonsten habe ich doch klar benannt, was mich irritiert. Bei der "Deckelung des Geschehens" mache ich mit und sage weiter nichts dazu.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Dreadlocks sind bei uns seit Jahrzehnten üblich als Ausdruck einer toleranten antidiskriminierenden Lebenseinstellung.

    Und wie sich jetzt zeigt, stößt das eben bei denjenigen, die das als zentralen Teil ihrer Existenz und ihres Glaubens ansehen, nicht auf große Zustimmung. Da muss man den "weißen" Dreadlockträgern ja überhaupt keine bösen Absichten unterstellen. Früher war auch "blackfacing" vollkommen unproblematisch oder viele andere Dinge, die in der heutigen Zeit als nicht mehr so harmlos angesehen werden. Früher haben die Betroffenen eben nichts zu melden gehabt. Übrigens kann man auch ohne Dreadlocks tolerant und antidiskriminatorisch auftreten. Ich z.B. kann Dreadlocks nicht leiden und würde mir nie welche machen (bzw. jetzt wäre es *hüstel* bereits zu spät).

    Dreadlock-Verbote haben dann schon etwas dezent Totalitäres.

    Jetzt haben wir das Bingo schon fast voll: Kulturrevolution, Kastensystem, Totalitarismus. Was könnte man denjenigen, die "Unbehagen" geäußert haben, noch vorwerfen? Lasst Eurer Fantasie freien Lauf!

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Naja, "wehret den Anfängen" halt ...

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  • Lieber Gurnemanz


    Ich versuche, nachzuvollziehen, weshalb Du irritiert bist.


    Ich habe meine ehrliche Meinung offengelegt

    und sehe eigentlich keine Notwendigkeit, weitere Beweise zu liefern, dass diese begründet ist


    Ich möchte Dich bitten, mir den Sachverhalt zu glauben. Ansonsten bitte ich Dich um eine PN.


    Versöhnliche Grüsse aus Bern vom Walter

  • Ich finde es eigentlich keine Kleinigkeit, dass wiederholt Musiker mit Dreadlocks wegen ihrer Frisur nicht auftreten durften. Das darf doch nicht wahr sein ...

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  • Ich finde es eigentlich keine Kleinigkeit, dass wiederholt Musiker mit Dreadlocks wegen ihrer Frisur nicht auftreten durften. Das darf doch nicht wahr sein ...

    Andererseits wusste der schweizer Dreadlockträger nach eigener Aussage nichts von "cultural appropriation". Das ist auch eine Leistung für einen antidiskriminatorischen Reggaemusiker. Sehr viel eingehende Beschäftigung mit den Jamaikanern oder ihrer Kultur scheint da nicht erfolgt zu sein. Mir ist diese Problematik schon seit vielen Jahren bekannt, obwohl ich keinen Reggae höre und mit Dreadlocks nichts anfangen kann, ja überhaupt keinerlei Affinität zu dem Thema habe.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

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