Kulturelle Aneignung

  • Daraus:

    Zitat

    Die Verantwortlichen der Bar reagierten später mit einer Begründung auf Instagram: Am Tag des Konzerts hätten sich mehrere Personen gemeldet, unter anderem auch aus dem eigenen Team, die sich aufgrund des geplanten Auftritts «nicht wohl fühlten». Aus Rücksicht habe man sich «trotz unterschiedlicher Meinungen» für eine Absage entscheiden.

    "Nicht wohl gefühlt". War das nicht auch der Wortlaut bei dem Vorfall in Bern? Also ehrlich, man kann doch nicht auf jede Befindlichkeit einzelner Rücksicht nehmen. Außerdem könnten das ja auch "Trittbrettfahrer" sein, die sowas einfach "aus Spaß" behaupten. :neenee1:


    maticus

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  • Nicht wohl gefühlt". War das nicht auch der Wortlaut bei dem Vorfall in Bern? Also ehrlich, man kann doch nicht auf jede Befindlichkeit einzelner Rücksicht nehmen

    Ich würde wetten, dass es sich dabei nicht um Angehörige der "kulturell Enteigneten" Gruppe gehandelt hat. Grins1

    Bei allem Verständnis für Aufrufe zu mehr Achtsamkeit in solchen Fragen: Warum engagiert man einen Künstler, wenn man ihn dann doch nicht haben will? Hat der aus seiner Frisur ein Geheimnis gemacht vorher? Ich habe nicht den Eindruck, dass solche Aktionen dem Verständnis für Fragen von "kultureller Aneignung" dienlich sind.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Der Künstler habe, wie es in der NZZ heisst, "eine finanzielle Entschädigung" angenommen. Also das ist ja wohl das mindeste, dass für einen Auftritt, der erst abgemacht und dann abgesagt wird, entschädigt wird. Oder ist das "Unwohlsein" von Teammitgliedern höhere Gewalt?


    Bin mal gespannt, ob und wann das erste Punkkonzert wg. "Irokesenschnitt" abgesagt wird.


    Aber vielleicht muss man, um dieses spezielle "ungute Gefühl" zu empfinden, auch eher bekifft als besoffen sein.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Wer sich "nicht wohl fühlt", geht besser nicht hin. Sollten das sehr viele sein, würde man wohl in Zukunft auch aus wirtschaftlichen Gründen, keine Musiker mit extraeuropäischer Frisur mehr engagieren. Aber irgendwie glaube ich, dass es nur ein paar Querulanten sind. Bei allem Grundverständnis für die Problematik, habe ich doch den Verdacht, dass da ein Grüppchen passiv-aggressiver Rechthaber am Werke ist.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Wer sich "nicht wohl fühlt", geht besser nicht hin. Sollten das sehr viele sein, würde man wohl in Zukunft auch aus wirtschaftlichen Gründen, keine Musiker mit extraeuropäischer Frisur mehr engagieren.


    Ich halte "Wohlfühlen" bei einer kulturellen Veranstaltung ohnehin für keine gute Kategorie. Kulturelle Erzeugnisse, die mit dem Ziel des "Wohlfühlens" des Publikums produziert werden, dürften letztlich vermutlich irgendwo zwischen "Musikantenstadl" und Yoga-Begleitmusik angesiedelt sein.


    Bei allem Grundverständnis für die Problematik, habe ich doch den Verdacht, dass da ein Grüppchen passiv-aggressiver Rechthaber am Werke ist.


    Der Verdacht drängt sich in der Tat auf. Leider verstellt das den Blick für die Substanz der Problematik.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Die Ostfriesen sind ja auch eine durch billige Witze immer wieder diskriminierte Minderheit.


    Darf ich jetzt kein Jever mehr trinken?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich hatte heute beim Saubermachen die Menora (Siebenarmiger Leuchter), die ich mal aus Jerusalem als Mitbringsel mitgebracht habe, in der Hand und fragte mich, ob ich die behalten darf oder ob das auch als kulturelle Aneignung gilt. Und was mache ich mit der Buddha-Statue, die im Garten steht, die mein Sohn mal unbedingt haben musste.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Ich hatte heute beim Saubermachen die Menora (Siebenarmiger Leuchter), die ich mal aus Jerusalem als Mitbringsel mitgebracht habe, in der Hand und fragte mich, ob ich die behalten darf oder ob das auch als kulturelle Aneignung gilt. Und was mache ich mit der Buddha-Statue, die im Garten steht, die mein Sohn mal unbedingt haben musste.

    Falls dir der Besitz der Menora zu großes Unwohlsein bereitet, würde ich dich davon erlösen (vor allem dann, wenn es eine Menora mit Schammes - das ist der vorstehende achte Arm: mit der dortigen Kerze werden zu Chanukka die anderen angezündet - ist). Und dafür würde ich auch spenden.

    Bei mir wäre es keine kulturelle Aneignung.

  • Ich hatte heute beim Saubermachen die Menora (Siebenarmiger Leuchter), die ich mal aus Jerusalem als Mitbringsel mitgebracht habe, in der Hand und fragte mich, ob ich die behalten darf oder ob das auch als kulturelle Aneignung gilt. Und was mache ich mit der Buddha-Statue, die im Garten steht, die mein Sohn mal unbedingt haben musste.

    Da sagst Du ja was! Ich habe auch eine Menora aus Israel, Buddhas, Tänzer, Tänzerinnen aus Thailand, Benjarong Porzellan, Holzreliefs usw., von unserem Thailand-Auslandsaufenthalt. Und Holzschnitzereien aus China, und überhaupt Dinge von verschiedenen Reisen.

    Auf die Idee, deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben, bin ich nicht gekommen...

    Ich weiß nur, daß sich alle Händler über das Geschäft, das sie gemacht haben, gefreut haben.


    Und - ich habe es ja schon mal geschrieben: wir haben uns als Münchner geehrt gefühlt, als es in Bangkok "Oktoberfeste" gab. Von wegen "schlechtes Gefühl" oder so ein Quatsch.

  • (vor allem dann, wenn es eine Menora mit Schammes - das ist der vorstehende achte Arm

    Ist das dann nicht eine "Chanukkia"? Eine Menora ist doch immer siebenarmig. Oder liege ich da falsch und es ist dasselbe?

  • (vor allem dann, wenn es eine Menora mit Schammes - das ist der vorstehende achte Arm

    Ist das dann nicht eine "Chanukkia"? Eine Menora ist doch immer siebenarmig. Oder liege ich da falsch und es ist dasselbe?

    Mit dieser Differenzierung hast du grundsätzlich Recht. Aber im Sprachgebrauch vor allem der Nichtjuden gilt für beides der Begriff Menora. Ich habe daher mit voller Absicht den achten Arm, den Schammes, erwähnt, was ja nur für Chanukka gilt.

    In Yad Vashem steht übrigens ein künstlerisch gestalteter sechsarmiger Leuchter, der an die 6 Millionen Opfer der Shoah erinnert. Dieses Gedenken ist quasi der Gegenpol zur "historischen" Menora, die auf Moses zurück geht. (aber frage mich jetzt nicht um Details zur Geschichte; ich bin nicht religiös)

  • Vielen Dank für die Antwort! Dieser sechsarmige Leuchter in Yad Vashem ist mir irgendwie entgangen. Schade.


    Aber im Sprachgebrauch vor allem der Nichtjuden gilt für beides der Begriff Menora.

    Ich bin mit einer Jüdin befreundet.


    Dieses Gedenken ist quasi der Gegenpol zur "historischen" Menora, die auf Moses zurück geht. (aber frage mich jetzt nicht um Details zur Geschichte; ich bin nicht religiös)

    Diese historische Menora kann man in Rom auf dem Titusbogen besichtigen. Die Beute aus dem zerstörten und eroberten Jerusalem.


    [Blockierte Grafik: https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/sprachen-und-literatur/latein/bilder/das-antike-rom/titusbogen-relief-menora.jpg/@@images/413e17c6-7d31-45fc-9d8d-9a91623940ba.jpeg]

  • Menorah heißt an und für sich nur Lampe/Leuchter, und ist ein Derivat von der Wurzel "Or" = Licht. Es ist faszinierend, wie im Hebräischen die allermeisten Worte von einer 2 oder 3 Buchstaben langen Wurzel abgeleitet werden können.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ich fragte mich, ob ich die Menora behalten darf oder ob das auch als kulturelle Aneignung gilt. Und was mache ich mit der Buddha-Statue, die im Garten steht, die mein Sohn mal unbedingt haben musste.

    selbiges fragte und frage ich - seit bald 30J. (mal mehr, mal weniger) praktizierender Buddhist - mich keine zehn Sekunden lang ;) Welt- und Menschenbilder (poly-, mono- oder atheistisch) müssen All Around The World vertreten und (wie auch immer) ausgeübt werden können: that's 100%ige Verwirklichung der Menschenrechte - - - o. k. praktisch ginge es selbst hierzulande nicht immer, denn mehrfach 'gleichzeitig' heiraten dürfte ich nun doch nicht... -schätze freilich, dass sich hiesige hochkompentente Juristen ausreichend den Schädel über letzteres zerbrochen haben!


    Die gelegentlich (selbst von manch höherrangigen Politikern) geäußerte Meinung, unsere Breiten seien natürlicherweise der Ort der christlichen Lehre, ist m. E. eben so sinnfrei als hielte jmd. Sachsen-Anhalt für den Ort für rothaarige Frauen etc. ppp - - - ceterum censeo dass Jesus Christus auch nicht ab und zu mal in unseren Breiten gewirkt hat (auch wenn man qua Studium mancher biblischer Motive Albrecht Dürers genau dieses annehmen könnte :))!

    Alexa, was ist ein gerechter Lohn? 'Das weiß ich leider nicht!' Peter Kessen 'Disruptor Amazon'

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott'

    Werner Schneyder

    Fleiß ist gefährlich Henning Venske 'Inventur'

    4 Mal editiert, zuletzt von wes.walldorff ()

  • Ravensburger zieht "Winnetou"-Kinderbücher zurück
    Der Ravensburger Verlag hat die Auslieferung der Kinderbücher "Der junge Häuptling Winnetou" gestoppt. Das bestätigte der Verlag dem SWR. Zuvor hatte…
    www.swr.de

    Zitat

    Der Ravensburger Verlag hat die Kinderbücher "Der junge Häuptling Winnetou" zu dem gleichnamigen Kinofilm aus dem Programm genommen. Ravensburger reagierte damit auf kritische Stimmen im Internet, die dem Verlag vorgeworfen hatten, in den Büchern rassistische Stereotype über Ureinwohner Nordamerikas wiederzugeben. Auch der Vorwurf der kulturellen Aneignung steht im Raum, also die Übernahme von Merkmalen der Kultur der Ureinwohner.

    SWR

    Nach Rassismus-Kritik: Verlag zieht Winnetou-Buch zurück
    Der "Ravensburger" Verlag hat zwei Winnetou-Bücher vom Markt genommen.Screenshot Instagram Ravensburger Verlag Seit dem 11. August läuft der Film „Der junge…
    news.google.com

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Kulturelle Aneignung vom Feinsten:


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    Hintergrund:


    1932 schreibt der Tin-Pan-Alley-Texter Mack Gordon zu dem Song Underneath the Harlem Moon einen Text, den als offen rassistischen Scheißdreck übelster Sorte zu beschreiben noch recht nachsichtig ist (Musik: Harry Revel). Der Song wird in kurzer Zeit sehr beliebt und vielfach gecovert - und zwar interessanterweise vor allem von schwarzen Musikern! Darunter Fletcher Henderson, Katherine Handy (W.C.'s Tochter), die Brown Sisters, Billie Holiday nutzt ihn für Auditions; schließlich Ethel Waters, die den Text in der zweiten Hälfte ein kleines bißchen verändert (vor allem wird aus the Harlem Moon our Harlem Moon) und die Geschichte rotzfrech umdreht!


    Hier kann man das genauer nachlesen, auch den Originaltext!


    Wie ich drauf komme?


    Die hier inzwischen mehrfach erwähnte Rhiannon Giddens hat den Song (in der Ethel-Waters-Version) im Repertoire und spielt ihn z. B. in diesem hier von mir kürzlich empfohlenen Konzert, wo sie auch was über die Story dazu erzählt.


    Randy Newman hat den Song auch gesungen!

    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

  • 1932 schreibt der Tin-Pan-Alley-Texter Mack Gordon zu dem Song Underneath the Harlem Moon einen Text, den als offen rassistischen Scheißdreck übelster Sorte zu beschreiben noch recht nachsichtig ist (Musik: Harry Revel).

    Du müsstest jetzt allerdings noch darlegen, inwiefern der Originaltext nicht auch schon ironisch gemeint sein könnte.


    Zu sagen, dass müsse so sein, weil der Autor weiß ist, wäre rassistisch. Und natürlich ganz böse antisemitisch, er war ja auch "Jude". Er war natürlich kein echter Jude, nur ein nach USA ausgewanderter Pole, der ab der ersten Minute seiner Geburt religiös indoktriniert worden war.


    Aber genau das ist der Punkt: Religiös indoktrinierter Pole landet in den USA, hat vermutlich recht viel Hirn, und kommt aus eigener Erfahrung zum Schluss, dass die ganzen kulturellen "Identitäten" nur das Ergebnis von Sozialisation und/oder Indoktrination sind. Und schreibt dann irgendwann diesen besagten "rassistischen" Text.


    In Wirklichkeit macht er sich nur lustig über das ganze Identitätsgedöns.


    Und jetzt beweise mal das Gegenteil. Es wird dir nicht gelingen.

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