John FIELD (1782-1837): Virtuose, Romantiker, Epikuräer

  • [...] Interessant, daß Ihr Frith etwas unterkühlt empfindet. Kann ich bis jetzt eigentlich nicht finden (z.B. Nocturnes Nr.1 und 10 sind da besonders geeignete Belege). Vielleicht weil ab und zu doch etwas von clementischer Bravour durchschlägt? [...]

    Wenn ich so nachdenke, dann sehe ich die Problematik in dem Adjektiv unterkühlt. Ich kann sie auch gar nicht wirklich klären, diese Problematik. Ein Chopin*sches Andante oder Adagio ist vermutlich per se keineswegs unterkühlt. Ich empfinde aber die spezifische Virtuosität eines Carl Maria von Weber oder eines Mendelssohn als oft sehr kühl sogar. Und wiederum gilt das gewiss nicht aus meiner Sicht für das späte Streichquartett, op. 80


    Liegt es vielleicht doch (bisweilen oder oft) an Fields Musik per se? Schwierig. Die oben im dritten Beitrag von mir auf yt verlinkte Nocturne ist für mich "schön warm" quasi. Und ganz besonders auf einem Hammerflügel, gespielt von Bart van Oort.


    Und wenn Waldi von "clementischer Bravour" spricht? Genau - das geht für mich wieder in Richtung Weber. Per se kühl! Grins1


    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Gibt es irgendwo eine "Problematik"?

    Ich habe geschrieben, "Benjamin Frith ist für mich gut, aber etwas unterkühlt".

    Subjektives Empfinden. Punkt. Kaum der Rede wert. Bereits gelöscht.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Gibt es irgendwo eine "Problematik"?

    Ich habe geschrieben, "Benjamin Frith ist für mich gut, aber etwas unterkühlt".

    Subjektives Empfinden. Punkt. Kaum der Rede wert. Bereits gelöscht.

    :) Nur der Vorbeugung halber: Du hättest wirklich nichts löschen müssen aus meiner Sicht, werter Philbert ... abgesehen davon, dass es nachträglich jetzt nicht mehr funktionieren kann. Das hat mich allerdings auch schon manchmal hinterher gestört.


    Und es liegt mir völlig fern, Dich oder Deine musikalische Sicht hier in irgendeiner Weise zu kritisieren. Die "Problematik" ist ausschließlich meine und ist eine rein sprachliche - ich bin halt Germanist und früher Linguist gewesen und Wortklauber - und ich finde solche Dinge durchaus interessant. Von daher spreche ich auch gerne darüber - so in meinem letzten Beitrag. Sollte dieses Sprechen meinerseits bewusst über die Sachebene hinausgehen, versuche ich das deutlich zu machen, wenn es beabsichtigt ist. Im vorliegenden Fall war das wirklich nicht gegeben.


    Ich merke oft genug, dass Internet-Gespräche wegen der fehlenden Paralinguistk nicht immer einfach sind, gerade unter solchen Schöngeistern wie vermutlich Dir und vermutlich mir. Also aus meiner Sicht gibt es überhaupt keine Probleme, welcher Art auch immer. Nichts für ungut ... falls etwas ungut gewesen sein sollte, was ich eigentlich gar nicht glaube. Aber ganz sicher bin ich mir halt nicht, denn wir kennen uns persönlich kaum.


    :cincinbier: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Naxos 2018 (1997)


    Nr.1 sagt mir mehr zu, obwohl natürlich eine Spur anfängerhafter; den Anfang habe ich fast als ein bißchen mozartisch empfunden. Nr.3 demonstriert doch ein gehobenes Selbstbewußtsein ("hört zu, was ich alles kann"), was in Verbindung mit der Widmung an seinen Lehrer Clementi auch verständlich scheint. Alles selbstverständlich auf hohem Niveau.

    Aufgefallen ist mir die Lust an tänzerischen Passagen und die - mehr als deutlich über Clementi hinausgehende - Vorliebe für Kontraste: Intime Passagen wechseln mit geradezu repräsentativ-dramatischen Effekten und technischen Bravouren. Ich glaube jetzt, das "unterkühlt" ein wenig besser zu begreifen, auch wenn der Terminus vielleicht nicht ganz paßt.

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    Homo sum, ergo inscius.

  • Ich bin sicher voreingenommen, da meine erste Begegnung mit John Field über John O'Conor erfolgte. Konzert Nr 1 am Radio ... das muss ich haben! ... LP-Box gekauft ... Suchtverhalten ... eine bekannte Geschichte.

    In der Box (auch in der CD-Box) sind umfangreiche Notizen von Patrick Pigott, die einem John Field richtig nahe bringen.

    Ich freute mich auf eine weitere Interpretation mit Benjamin Frith aber zu der konnte ich mich nicht richtig erwärmen.

    Gerade den Test gemacht mit Konzert Nr.1- 1.Satz. Da höre ich mit Frith eine gepflegte Eleganz, mit O'Conor viel mehr Charakter. Dazu trägt zu einem erheblichen Teil das Orchester bei. Die Iren mit Janos Fürst haben mehr Farbe und Spannung als die Nordengländer mit Haslam.

    Beide Interpretationen sind in sich schlüssig, nur bezweifle ich, dass ich mit den Naxos-Aufnahmen so stark fieldsüchtig geworden wäre.

    Ein paar philologische Unterschiede gibt es: O'Conor hat im Konzert Nr 3 als langsamen Satz eine authentische orchestrierte Version vom Nocturne Nr. 5. Dort ist auch das Finale etwas gekürzt, usw usw ...

    Alles, wie immer, IMHO.

  • John O'Conor war eine gute Empfehlung, zumal es die Box für kleines Geld bei Ebay gab. Mal sehen, was GG (als Beethoven-Fan) dazu sagt.

    Helli

  • Naxos 1999/2018


    Eingespielt 1996. Reifeprozeß und mehr Distanz zum Klassischen sind deutlich, aber auch, daß Field sich meist am wohlsten fühlt, wenn das Klavier vom Orchester nur sanft begleitet wird oder praktisch solo spielt. Philberts Argumente mit dem Orchester (Northern Sinfonia/David Haslam) kann ich hier, selbst ohne über Vergleiche zu verfügen, ganz gut nachvollziehen.

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    Homo sum, ergo inscius.

  • Naxos 2002


    Eingespielt 1997 (und diesmal keineswegs unterkühlt). Für mein Gefühl hat Field mit diesen Werken die volle Reife erreicht, die Integration Klavier/Orchester ist perfekt und die dramatische Raffinesse des Gewitters im 5.Konzert steht Beethoven und Rossini nicht nach. Konzert Nr.6 ist technisch nicht weniger anspruchsvoll, enthält aber nicht die Attacke, die der Programmusik von "L'incendie par l'orage" naturgemäß innewohnt.

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    Homo sum, ergo inscius.

  • Naxos 2016


    Aufgenommen schon 1996 bzw. 2013/14. Das Konzert Nr.7 wurde von Field immer wieder überarbeitet, bevor es 1832 seine endgültige Form erhielt. Nicht so reizvoll wie Nr.5 (was nur meinem persönlichen Geschmack geschuldet ist), aber durchaus ein Meisterwerk.

    Das Irish Concerto ist eine Überarbeitung des ersten Satzes von Konzert Nr.2.

    Am schönsten die Klaviersonate Nr.4.

    Nur schade, daß man als Coverbild die Constable-Linie verlassen und durch ein wenig passendes Foto ersetzt hat.

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    Homo sum, ergo inscius.

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