• Arthur Benjamin lohnt !

    Absolut! Ich habe Arthur Benjamin vor einigen Wochen auch gehört und ein bisschen mehr für mich entdeckt, nachdem ich zuvor nur sein "Oboe Concerto on themes of Cimarosa" kannte. Was ich von Benjamin gehört habe, macht wirklich Spaß, es war leicht und unterhaltsam, aber ehrlich gesagt auch nicht immer frei von der Gefahr, ins Banale abzurutschen.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • ehrlich gesagt auch nicht immer frei von der Gefahr, ins Banale abzurutschen.

    Das ist ein heißes Pflaster , denn banal , beliebig , trivial - wer ist davor gefeit ? Vielleicht sollte ich mal lauschen , ob das nicht auch manchmal bei seinem Lehrer Stanford zu finden ist .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • ehrlich gesagt auch nicht immer frei von der Gefahr, ins Banale abzurutschen.

    Das ist ein heißes Pflaster , denn banal , beliebig , trivial - wer ist davor gefeit ? Vielleicht sollte ich mal lauschen , ob das nicht auch manchmal bei seinem Lehrer Stanford zu finden ist .

    Klar, aber ich bin mir sicher, die Beliebigkeit, die wir bei Stanford finden würden, wäre eine andere. Bei Benjamin habe ich mich an das erinnert gefühlt, was französische Komponisten (Poulenc, Milhaud, Ibert) genau zur gleichen Zeit machen, dieses Entdecken der zeitgenössischen Tanz- und Unterhaltungsmusik, der Jazzelemente, der karibischen Rhythmen, diese Verbindung von modernen Großstadtklängen mit traditionellen Formen und Instrumenten. Aber Ibert oder Milhaud halten für mein Empfinden (ich müsste da jetzt wirklich nochmal genau reinhören bei Benjamin) die bessere Balance, schaffen es besser, die Elemente zu verfremden und zu kombinieren, während es bei Benjamin dann nur noch Film, Schlager, Tanzmusik ist ohne Verfremdung oder Balance. Diese Art von Trivialität würden wir bei Stanford wahrscheinlich nicht finden, sondern wenn überhaupt eher eine gewisse Formelhaftigkeit, weil er dann auch große romantische Symphonien oder Kammermusik schreibt, wenn ihm inhaltlich gerade mal nichts einfällt.

    Der andere Bezugsrahmen, in den man Benjamin stellen kann, ist das, was zeitgenössisch gerade in Großbritannien passiert. Und da gibt es neben Benjamin ja noch mehr Komponisten, die leicht und zugänglich für ein breites Publikum (auch aus Laienmusikern) schreiben, es gibt aber eben auch Ralph Vaughan Williams oder Benjamin Britten, die viel stärker auf die Entwicklungen ihrer Zeit (sowohl musikalisch als auch gesellschaftlich) reagieren.

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  • Das hat mich dazu gebracht, tatsächlich wieder mal in Arthur Benjamin hinein zu hören, hier also "eben gehört":

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    Arthur Benjamin:

    Three Caribbean Pieces


    Adelaide Symphony Orchestra

    Guy Noble


    "Jamaican Rumba" stammt aus dem Jahr 1938, "From San Domingo" von 1945, "Caribbean Dance" von 1946. Die drei Stücke sind, wenn ich das richtig sehe, alle original für Klavier (oder Klavierduo) geschrieben und vom Komponisten selbst orchestriert worden, allerdings nicht als Suite gedacht (wie sie hier aufgenommen wurden). Wikipedia weiß zu berichten, dass "Jamaican Rumba" dem Komponisten jährlich ein Fass Rum von der jamaikanischen Regierung einbrachte für seine Verdienste um die Bekanntheit des Landes. Grins1

    Mich erinnert das tatsächlich stark an einiges von Milhaud, was ich in letzter Zeit gehört habe ("Scaramouche", "Le bal martiniquais"). Vielleicht klänge es in der Klavierversion auch noch ein bisschen griffiger und weniger nach Urlaubskatalog. :P

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  • Der andere Bezugsrahmen, in den man Benjamin stellen kann, ist das, was zeitgenössisch gerade in Großbritannien passiert

    Über deine Bemerkungen muß ich erstmal nachdenken . Nur will mir ein Vergleich zwischen Briten und Franzosen etwas gewagt anmuten - deren Wahrnehmungen sinf doch ein wenig - sagen wir - nationalisiert . Zum oben zitierten Bezugsrahmen der "Zeitgenossenschaft" gebe ich zu bedenken , daß da "Zeit" wörtlich zu nehmen ist . Da wäre z.B. das Concerto Fantasia für Klavier und Orchester von Edgar Bainton aus dem Jahr 1920 .(Bainton und Benjamin hatten sich 1917 als deutsche Kriegsgefangene kennengelernt ) . Das Concertino von Benjamin stammt aus 1926/27 .Beide unterscheiden sich deutlich vom Piano Concerto von Vaughan Williams (1926/31) . Britten war zu der Zeit noch Schüler von Benjamin . Für mich steht Arthur Benjamin da inmitten dessen , was im UK passiert . Aber ich muß mich mit deinen Gedanken noch beschäftigen.

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    Einmal editiert, zuletzt von b-major ()

  • Heute offiziell erschienen:


    Dvořák: Poetische Tonbilder, op. 85

    Leif Ove Andsnes, Klavier


    Sehr schön gespielt, aber ich muss gestehen, dass diese Art von Klavierstücken (wie auch die Lieder ohne Worte von Mendelssohn) nicht unbedingt meine Welt sind. Und da finde ich jedenfalls zumindest die Zyklen von Janáček (Auf verwachsenem Pfad und Im Nebel) oder Nielsen deutlich spannender.


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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Ja, seltsam - es scheint so, dass ich leverkuehns letztem Beitrag gut folgen kann. Denn während ich irgendwie kein Bedürfnis habe, mich mit den Liedern ohne Worte von Mendelssohn auseinanderzusetzen und die Klaviermusik von Dvorak überhaupt nicht kenne, habe ich von Janaceks Pfaden mittlerweile sechs oder sieben Einspielungen im Regal stehen; hinzu kommen die beiden Versionen für das Akkordeon, die (zumindest) man erwerben kann.


    Ein Vorurteil? Geschmäcklerei? Mangelhafter Sachverstand? Ich weiß es nicht wirklich, denn auch der Soloklavier-Janacek hat mich vor zwanzig Jahren noch nicht interessiert.


    Früher hatte ich irgendwie kein großes Interesse am Hören von Solo-Klaviermusik generell und war dafür selber am Klavier deutlich firmer als heute. Ich habe da einen inneren Zusammenhang durchaus für mich wahrzunehmen geglaubt. Das hat sich schon verändert. So interessiert mich das Klavierwerk von Skrjabin ebenfalls so sehr, dass ich Einspielungen der Sonaten tendenziell wirklich sammle. Nun gut, da bestand nie die geringste Chance für mich, diese selbst zu spielen. Und bei vielen Beethoven-Sonaten ist es genauso - solche von Mozart muss ich auch nicht hören, obwohl ich sonst wirklich ein Mozart-Liebhaber bin.


    Nielsen könnte ich mal hören - die Klaviermusik steht im Regal, bei Mendelssohn ist das nicht einmal vollständig der Fall.


    Keine rechte Ahnung, ob hinter all dem Logik steckt oder Psycho-Logik oder beides. Oder eher vor allem meine eigene Unlogik ...


    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • andréjo:

    Du scheinst an Werken, die eine erkennbare Struktur und einen formalen Aufbau haben (Sonaten) mehr Gefallen zu haben. So geht es mir auch. Schade finde ich dabei allerdings, dass Du die Mozart-Sonaten offensichtlich nicht schätzt, die für mich auch Kleinode sind (sowohl die reinen Klavier- als auch die Violinsonaten).

    Ich war beruflich Naturwissenschaftler und bin insgesamt eher rational als emotional veranlagt. Das hat sich auch in meinen musikalischen Interessen niedergeschlagen, wo mich immer die große Form sehr interessiert und deren innere Strukturen (wobei diese eben in den großen Meisterwerken nicht schematisch immer in gleicher Weise angewendet werden, sondern gerade durch Abweichungen und „Regelverstöße“ eine besondere Spannung entsteht). Daher lese ich auch oft die Partitur mit beim Hören (vor allem bei Streichquartetten und auch bei Orchestermusik).


    Da ich Leif Ove Andsnes sehr schätze und auch persönlich kenne durch die ausgezeichneten Projekte mit dem Mahler Chamber Orchestra („Beethoven Journey“ und „Mozart Momentum 1785/86“), wollte ich mir diese oben vorgestellte Solo-Aufnahme mit Dvorak natürlich auch sofort anhören (dank eines temporären kostenlosen Abos bei Apple Music), aber bei aller Verehrung des Interpreten hat sich dadurch meine Einstellung zu dieser Art von tonmalerischen Stücken leider nicht verändert.


    :wink: Stephan


    PS: Skrjabin sollte ich mir vielleicht auch einmal genauer vornehmen. Ich bin da sehr unterbelichtet und habe nur 2 Sonaten mit Glenn Gould, die aber schon lange im Dornröschenschlaf auf meinem NAS liegen.

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)


  • Gustav Mahler

    Symphonie Nr. 3

    Martha Lipton (ms)

    Women's Chorus Of The Schola Cantorum

    Boys' Choir Of The Church Of The Transfiguration

    New York Philharmonic Orchestra

    D: Leonard Bernstein

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Noch kurz an Stephan leverkuehn: Du magst mit Deiner ersten Feststellung Recht haben. Und mit den Mozart-Sonaten müsste ich mich einfach mal befassen. Die Violinsonaten mag ich sehr - mit einem Bekannten habe ich mal einige dilettiert vor längerer Zeit. Ob das zu meinem längeren (und dafür auch überflüssigeren) Vorbeitrag passt? - Eigentlich nicht. Aber seltsamerweise schätze ich das Klavier beim Hören mit Orchester oder in der Kammermusik viel mehr als solistisch. Das war schon immer so und das ist natürlich cum grano salis (oder wie der Chinese sagt) zu verstehen.


    Bei Skrjabin muss man gegebenenfalls über irgendeinen Schatten springen, aber dann ... Wow1 Noten braucht's auf jeden Fall, die Bewunderung steigt noch einmal ...


    Glenn Gould wäre nicht meine erste Wahl, vieles andere aber in gleicher Weise sehr wohl. Wenn Du an einer Komplettierung interessiert sein solltest, müsstest Du bei Maria Lettberg doppelt zugreifen - die übliche Masche halt, dass komplett und komplett noch lange nicht das Gleiche ist. Doch die Einspielungen finde ich ausgezeichnet.



    Von den frühen Sachen gibt es auch noch eine mir ebenfalls bekannte CD mit Stephen Coombs, die weniger vollständig ist respektive Nummern enthält, die bei Lettberg zur "Gesamteinspielung" gehören.


    Ansonsten kenne ich Etliches mit Horowitz sowie die zehn Sonaten mit Austbö, mit Ashkenazy, Glemser, Hamelin, Kasman, Ogdon, Ponti, Schukow, Sofronitzky und Ugorski. Von keiner würde ich explizit abraten, die Unterschiede sind allenthalben interessant. Und ich muss gestehen, dass mir Glenn Gould - mit der Fünften, glaube ich - tatsächlich nicht gefallen hat. Er neigt wieder einmal zur Parodie.


    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • ich muss gestehen, dass mir Glenn Gould - mit der Fünften, glaube ich - tatsächlich nicht gefallen hat. Er neigt wieder einmal zur Parodie.

    :) Wolfgang

    Danke für die Scriabin-Tipps. Die Gould-Aufnahmen sind in einer der Kassetten, wo alles andere versammelt wurde, was nicht von Bach ist… Sonaten Nr. 3 & 5. Mangels Vergleich und Noten kann ich dir nicht bewerten. Ich werde mal nach M. Lettberg schauen. Ich bin ja kein Internet-Streamer, aber solange ich den kostenlosen Apple-Zugang habe, will ich das weidlich ausnützen.

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • In den Reformationstag mit:



    Johann Sebastian Bach:

    „Gott, der Herr, ist Sonn‘ und Schild“ BWV 79

    „Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 80


    Arleen Augér, Ortrun Wenkel, Peter Schreier, Theo Adam

    Thomanerchor Leipzig

    Neues Bachisches Collegium Musicum

    Hans-Joachim Rotzsch


    :wink: Agravain

  • Bei mir verklang gerade


    Ralph Vaughan Williams:

    A London Symphony


    Hallé Orchestra, Ltg.: Sir John Barbirolli (aufg. 1957)



    Was für ein wunderbarer Klang, und das bei einer 65 Jahre alten Aufnahme! Sehr atmosphärisch, bin beeindruckt. Und im Februar hoffe ich, dem Werk im Konzertsaal zu begegnen. In Heidelberg kümmert man sich um RVW: im Juli 2023 gibts dann noch A Sea Symphony.. Karten bereits erworben.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Hier nun Brahms zum Genießen:


    Johannes Brahms

    Klaviertrio Nr 1 H-Dur op.8


    Sviatoslav Moroz, Natalia Gutman, Dmitri Vinnik


    Aufgenommen im Studio im Dezember 2012 in Kiew, eine schöne, klassische Aufnahme aus der Brilliant-Box mit Brahms´ gesammelter Kammermusik.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Dieses erfreute mein Ohr:


    Wolfgang Amadé Mozart: Streichquintett C-Dur KV 515

    Alban Berg Quartett
    Markus Wolf, viola


    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Dieses erfreute mein Ohr:


    Wolfgang Amadé Mozart: Streichquintett C-Dur KV 515

    Alban Berg Quartett
    Markus Wolf, viola


    Herrliche Stücke, diese Quartette. Heute nach langer Zeit wieder einmal gehört, hier mit Van Kuijk, und gleich aufs Neue fasziniert!

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