Eben gelesen

  • Übersetzung.

    Ja, bereits der erste Absatz ist problematisch und für irische Katholiken um 1904 wohl pure Blasphemie, tritt da doch einer (Buck Mulligan) mit ner Rasierschale, darin Spiegel und Rasiermesser gekreuzt, in den Händen auf und intoniert.

    'Introibo ad altare dei'


    Bei Joyce beginnt der Roman mit 'Stately, plumb'

    und Goyert übersetzt es einfach mit 'Gravitätisch.'

    Wollschläger beginnt viel korrekter 'Stattlich und feist'

    Natürlich lese ich auch im Original, aber immer mit ner Hilfe an der Seite.

    Verloren ist man allerdings dann in Episode 14, bei der sich Wollschläger vom altdeutschen bis zum Berliner Slang der 20iger 'hocharbeitet', weil die Sprachreise von altenglisch bis Dubliner Slang es auf deutsch wohl keinen Sinn machen könnte.

    Das im Original wie auch auf deutsch zu lesen ist dann wahrlich harte Arbeit.

    Gruß aus Kiel


    PS. Weil unser Freund Karsten damals einen hohen Verschleiß an Freundinnen hatte, wollten wir ihm eine Visitenkarte ala Joyce

    "Buck Mulligan

    Bezirksbefruchter"

    machen lassen. Es blieb bei der Absicht.


    PPS. Ich habe noch einmal nachgesehen. In unserem Bücherregal steht Joyce direkt neben Uwe Johnson. Ulysses neben Jahrestage. Keine schlechte Nachbarschaft.

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • Ich kenne das Zitat von Harry Rowohlt über Frank Schulz. "So hätte Arno Schmidt geschrieben, wäre er nicht bescheuert gewesen."

    "Vielleicht könnte man gar ein irisches Tresen-Bonmot über Flann O'Brian und James Joyce abwandeln: So hätte Arno Schmidt geschrieben, wenn er nicht bescheuert gewesen wäre." https://literaturkritik.de/id/4401 ( Da hast du Schulz und Henscheid und Joyce und O'Brien )

    Harry Rowohlt wird mit dem Joyce / O'Brien Zitat oft in Verbindung gebracht (Auch in der Werbung für' Auf Schwimmen-zwei -Vögel' wurde es verwendet) . Das sich Rowohlt an irischen Thresen auskannte , ist historisch gesichert . Und ' das einfache irische Volk ' iist in seiner Übersetzung von Flann O'Brien At Work - Myles na gCopaleen Golden Hours laufend zu vernehmen . Ursprung am Thresen , Verbreitung Harry Rowohlt ?

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Alles klar. dann war "bescheuert" als Kompliment gemeint.

    Wie das gemeint ist:

    das einfache irische Volk '

    kann man wohl nur aus dem Original erkennen. Ist ja wohl satirisch - ich kenne die Golden Hours nicht. Oder magst du es kurz erklären?

  • https://literaturkritik.de/id/4401 ( Da hast du Schulz und Henscheid und Joyce und O'Brien )

    Nach dieser Lobenshymne auf Schulz muss ich doch glatt mal wieder die

    "Hagener Trilogie"

    rausholen: Kolks blonde Bräute, Morbus Fonticuli und Das Ouzo Orakel.

    Gruß aus Kiel


    PS. Ich habe noch einmal recherchiert. Das mit Arno Schmidt ist nicht von Rowohlt, es ist von Gerhard Henschel und es steht auf der Umschlagrückseite vom Ouzo Orakel. Da irrte ich.

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • Übersetzung Teil2.
    Mit Vorsicht lesen!

    Ross MacDonald "Der blaue Hammer" in der "Gelben" Diogenes Ausgabe, übersetzt von Peter Naujack.

    LESEN!!

    Ross MacDonald "Der blaue Hammer" in der 2013-er Neuübersetzung von Karsten Singelmann, die erheblich besser ist als die ältere, die zuweilen etwas "hausbacken" wirkt.

    oder gleich das Original.

    Das Amerikanisch von MacDonald ist noch weit weg von der Schreibe eines James Ellroy, Don Winslow oder gar Pynchon.

    Sprich: Es ist fast britisches Englisch mit wenigen US-typischen Einsprengseln.

    Es ist sein letzter Roman, ziemlich verzwickt und lohnt sich.

    Inhalte gibt es im Netz zuhauf.

    Daher nur die Empfehlung.

    Gruß aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • Weitere Gedanken zu Ulysses, Joyce, Finnegans Wake


    Zum Vorwurf, dass Joyce dem einfachen Mann den Rücken gekehrt habe: Hier ein Zitat, angeblich hat zB HG Well sich Joyce gegenüber so geäussert " You have turned your back on common men—on their elementary needs … What is the result? Vast riddles.” Dies nur als Beispiel für eine wohl übliche Reaktion auf Joyces Prosa.

    Ich erinnere mich an eine Anspielung, sie war sofort im ersten Kapitel von Ulysses zu finden. Sie wies auf die Diskussion hin, ob Kunst ein Spiegel für das Leben sein sollte, dürfe, könne, oder ob es andersherum sei (sein sollte, dürfe, könne) und letztendlich, ob es überhaupt einen Zusammenhang geben sollte, oder Kunst einfach nur für sich selbst stehen sollte, ohne irgendwelche übersetztbaren Aussagen, Ziele, Ambitionen, die mit der menschlichen Erfahrung zu tun haben (wenn das überhaupt möglich ist). In einem Oscar Wilde Werk gibt es wohl eine Unterhaltung in der jemand sagt, dass man das Genie im Kunstwerk verweigern würde, wenn man Kunst als Spiegel für Leben erklären würde. Die spezielle Anspielung im Ulysses zielt auf Oscar Wildes Passage aus The Decay of Lying: " I can quite understand your objection to art being treated as a mirror. You think it would reduce genius to the position of a cracked looking glass...." Dies alles und was dahintersteht, bezieht sich auf Stephen Dedalus Bemerkung "It is a symbol of Irish art. The cracked looking glass of a servant". Die Iren als Diener der Engländer - Engländer, die ihnen auch noch den Spiegel zerbrochen haben. Was soll man in solch einem Spiegel erkennen für das eigene Leben? Was hat der Diener von solcher Kunst? * Und ist diese Erkenntnis wirklich arrogant gegenüber den "Dienern"?

    Die Äusserung von HGWells sollte ich eventuell erst mal im Zusammenhang lesen, ehe ich dazu eine feste Meinung forme. Nur finde ich sie auf ersten Blick erstaunlich arrogant (in mehrerer Hinsicht) und ein Zeichen von erstaunlicher Ignoranz.


    Ein weiterer Punkt: Ich habe kein Wissen über Joyce als Person und ich weiss nicht, was er selber über sein Schaffen geäussert hat. Aber was ich aus dieser Stelle in Ulysses mitnehme, ist etwas, was mir immer schon klar war. Der Künstler hat keine Pflicht in seinem Schaffen. Er schafft Kunst. Die Erwägung für wen diese Kunst zu geniessen oder geschaffen ist, darf man ihm nicht zwingend auferlegen. Er kann sie selber heranziehen, wenn er es möchte.


    * im vorletzten Kapitel, also in Ithaca, gibt es ja sehr witzig geistreiche Passagen. Aber abgesehen davon ist an einer Stelle von Wasser die Rede. Stephen Dedalus "dislikes the aqueous substances of glass and crystal, distrusts the aquacities of thought and language. " Hier eine rückwirkende Anspielung auf den "Spiegel" des ersten Kapitels. Ich lese dies so: Dedalus, bzw Joyce, steht Eindeutigkeit, Abbildbarkeit oder Durchsichtigkeit in Kunst argwöhnisch gegenüber. Er sucht nach etwas anderem.


    Finnegans Wake ist der Stachel , jedenfalls für mich

    Liest du das auf Englisch?

    PS: meinte damit auszudrücken, dass ich hier nun wirklich keine Übersetzung akzeptieren würde. Ich habe eben mal reingeschaut....haarsträubend. Eine Herausforderung, die ich wohl demnächst annehmen werde.

  • ich kenne die Golden Hours nicht. Oder magst du es kurz erklären?

    Nein - ich würde dich nie des Vergnügens berauben , es selber zu lesen .


    Liest du das auf Englisch?

    Ich weiß , was du meinst . Tatsächlich halte ich die Annäherung an Anna Livia Plurabelle von Wolfgang Hildesheimer unter Berücksichtigung der Unübersetzbarkeit für ziemlich gut - Hildesheimer wurde in Hamburg geboren , war als Simultandolmetscher tätig und wird von mir als Schriftsteller gemocht - also es spricht viel für ihn und seinen Versuch . Ansonsten - was heißt bei dem Buch lesen ? Wenn ich mein zerfleddertes Exemplar ansehe , vollgekritzelt mit Notizen und Anmerkungen ( "Telefon-Nr.der Rennbahn verarbeitet" ) , dann würde ich eher sagen , ich friemel am Werk .

    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Nana :)

    Drittes Gebot der ewigen Kunstrezeption:

    Thou shalt not friemel around with se Werk.


    Erstes Gebot:

    Ich bin se Werk.


    Zweites Gebot

    You are not se Werk.

  • You are not se Werk.

    Da bin ich denn doch froh - bleibt mir das erspart :

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  • Weißt du noch wie Kalle nachts in die Burgruine gewandert ist? Hach :)

    :) Das hatte ich ganz vergessen.....mich nur dunkel an die Prärie und die Bandenkriege erinnert und an die Sommerstimmung. Nun habe ich den ersten Band durch und ja....die Burgruine ist gut. Wir hatte witzigerweise in Köln gegenüber im Volksgarten so eine Ruine, Mit Verlies und so. Ins Verlies konnte man aber nicht rein. Oft haben wir drum herum Verstecken gespielt.

    EGHN – Kölner Volksgarten – Garden Monument with a Long History


    Und vorher, als wir auf dem Dorf wohnten, sind wir mit den Nachbarskindern auf den Feldern rumgezogen. Deshalb habe ich veilleicht so eine Affinität zu diesem Kinderbuch - wie die Kinder ihre Zeit verbrachten kam mir nie besonders weit hergeholt vor.

    Ob Kinder heute noch so rumziehen können?

  • Samstag brachte der Briefträger die DVD des Films. "Vom Ende einer Geschichte"

    Anlass, den Roman zur Einstimmung erneut zu lesen.

    Das wurde dann ne ca. 3 stündige Sitzung heute morgen. Und danach saß ich wie erschlagen auf dem Sofa.

    Ich war beim 2. Lesen wieder total begeistert, auch wenn die Geschichte etwas hart an der Realität scheint.

    1. Lesen

    Egal:

    Ein Roman, in der ein Mann, Tony, ein beschauliches Rentendasein führt, bis Ereignisse ihn an seine Studienjahre erinnern und er schmerzhaft erkennen muss, das er sich viele Ereignisse von damals in seiner Erinnerung schön gedacht hat und nun die Vergangenheit ihn erwischt, wie ein Fluss am Meer, bei dem eintretende Flut die Strömung umkehrt.

    Wie es im Roman heißt: "Geschichte ist die Summe der Lügen der Sieger."

    Geschichte ist aber auch: "Die Summe der Selbsttäuschungen der Besiegten"

    Dass am Ende ein Brief, an den er sich nicht einmal erinnern kann, vermutlich geschrieben in Eifersucht, Verzweiflung, Hass und Suff, drei Menschen unglücklich machte, einer davon sogar den Freitod wählte, dieses sorgt am Ende dafür, dass sein Leben nun "Es herrschte große Unruhe" bestimmen wird.

    So was bringt einen dann dazu, nochmals den Hirnspeicher zu durchsuchen, wo denn eigentlich die "Leichen" liegen, über die man einst gegangen ist.

    Und glaubt mir, davon hat jeder mit zunehmendem Alter genügend.

    Gruß aus Kiel

    PS. Das war sozusagen Ross MacDonald ohne Leichen, Kalifornien und damit Lew Archer.

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • Flann O'Brien - eigentlich : Brian O'Nolan - schrieb jahrelang in der Irish Times Kolumnen unter den Psydonym Myles na gCopaleen . Eine Anzahl davon wurde von Harry Rowohlt , dem ihm gemäßen Übersetzer , ins Deutsche übertragen . Neulich hier in Zusammenhang mit Joyce erwähnt , nahm ich es zum Anlass , mich mal wieder gut zu amüsieren . Die Kolumnen lassen sich ganz nach Lust und Ausdauer lesen , was gerade im Sommer nicht zu unterschätzen ist . Seine Romane sind noch wieder etwas anderes , und ein Vergleich mit Joyce wäre unsinnig . Im Hinblick auf die Biografien würde ich allerdings die vom O'Brien als mir imponierendere nennen . ( Korrespondierende Begleitung : Roe & Co. Irish Whiskey Blend / Murphy's Irish Stout - Roe ist neu für mich gewesen , und Murphy's kommt aus Cork , wird aber von mir seit 50 Jahren dem Wöchnerinnen - Trunk aus Dublin vorgezogen ).


    Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " "Not really now not anymore" "But I am good. What the hell has gone wrong?"

  • Ich hab erst ein Viertel durch, aber es scheint mir bereits jetzt ein großer Wurf:


    Mariana Enriquez, "Unser Teil der Nacht".


    Aufgrund seiner Vielgestaltigkeit schwer zu umreißen, was dies hier eigentlich ist.


    Es ist

    Eine Familiengeschichte über den Zeitraum von 1957 bis 1997, nicht-linear erzählt, vor dem Hintergrund der politischen Verwerfungen dieser Zeiten in Argentinien mit ihren Angst- und Folterzeiten und demokratischen Zwischenspielen.


    Es ist auch

    Ein okkulter Horrorroman, geschult an einer intimen Kenntnis indigener, halb katholischer, halb voodooartiger Volksreligionen, aber auch der britischen schwarzen Romantik, insgesamt sehr dunkel, gelegentlich explizit brutal.


    Es ist unterm Strich

    Ein Roman, in dem eine Kernfamilie im Mittelpunkt steht: der Vater, ein Medium, der einem allgegenwärtigen und unendlich machtvollen "Orden" als solches dient und unbedingt verhindern will, daß sein Sohn, ebenfalls medial begabt, von eben diesem Orden instrumentalisiert wird wie er selbst. Sowie seine Frau, zu Beginn schon tot (ermordet wohl), deren Geschichte in Rückblenden erzählt wird.


    Neben dieser Kernthematik kommen eine Fülle an Nebenhandlungen zum Tragen, all dies nicht chronologisch, sondern assoziativ und sich gegenseitig befruchtend dargeboten. Komplexe, reiche aber flüssige Sprache. Eine sehr dunkle und beunruhigende Angelegenheit. Kommende Generationen werden es möglicherweise Große Literatur nennen, ich halte mich da mal raus, aber eine Verschmelzung der bösen Seiten des "magischen Realismus" mit einem breitgefächerten Familien- und Gesellschaftstableau unter Einbeziehung traditioneller Horrorelemente -: das trifts so etwa. Und es wächst beim Lesen ständig. 835 Seiten, also eine Menge Stoff.


    Bin sehr angetan bislang von dieser sonderbaren Mischung, die mittlerweile eine kräftige Sogwirkung auf mich ausübt, wobei der Einstieg nicht ganz ohne Mühsal war.


    Keine Strandlektüre!




    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Hallo zusammen,


    auf einen Vorschlag haben wir den alten Thread RE: Eben gewälzt rück-umbenannt, ihn geschlossen und führen diesen nun hier, mit dem "neuen Namen" fort. Ich kopiere den letzten Beitrag hier rein.


    Viele Grüße

    Frank

    -Moderationsteam-

    :cincinbier:

    "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
    but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
    - H. W. M.

  • CMS und ich waren heute auf der Suche nach klimatisierten Räumen.

    Das waren der Regionalexpress nach HH, dort die Ess-Bahn nach Harburg und dort das Archäologische Museum, in dem eine Ausstellung über Heino Jaeger zu sehen ist.

    HEINO JAEGER | Die Ausstellung | HARBURGER KULTUR (netsamurai.de)

    Was hat Jaeger mit dem Museum zu tun?

    Nun, vor seiner Karriere in den 70igern war er Zeichner im Gottorfer Museum,- daher rührt seine lebenslange Freundschaft zu Joschka Pintschovius-, und dann im Helms Museum in Harburg. Dort war er "Scherbenmaler." Einige Arbeitsproben sind zu sehen und zeugen von einem unglaublich genauem sauberen Bleistiftstrich.

    Später begann seine Karriere beim NDR und anderen Sendern. Dass er eigentlich Maler war, wurde schnell damals vergessen.


    Nun widmet ihm das Museum eine Ausstellung und zwar hauptsächlich dem zeichnerischen Werk. Denn bei seinem Atelierbrand wurde bei weitem nicht so viel vernichtet wie angenommen. Vieles hatten Wolli Köhler und andere schon vorher gekauft, quasi in Sicherheit gebracht.

    Dazu kann man viele Handschriften seiner Serie "Fragen Sie Dr. Jaeger" bestaunen, in leicht zu lesender Handschrift; der Doktor in Roter Schrift, anrufende Person in "Blei".


    Sehr ansehenswert vor allem der Katalog der Stader Ausstellung, siehe oben, den man im Museum ebenfalls erwerben kann, wie auch das Buch von Schamoni (ich finde es s.o. nicht so besonders) und einiges von Heinz Strunk, dessen Nähe zu Jaeger man allenfalls erspüren kann, der aber im Jaeger Hype dieser Tage wohl unvermeidlich ist.


    Es fehlt die Pintschovius Biografie über Jager, sie ist wohl leider vergriffen. Sie ist erheblich ergiebiger als das Werk des Herrn Schamoni.

    Und es fehlt ein Beitrag von Frank Schulz. Aber vielleicht wollte er nicht in Gegenwart literarischer Zwerge wie Schamoni und Strunk


    Egal. Geht ins Museum oder kauft Euch den Katalog, am Besten beides! Es lohnt sich.

    Gruß aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

    Einmal editiert, zuletzt von Doc Stänker ()

  • Ja, mit den Krimis ist das so eine Sache, insbesondere mit den Übersetzungen.

    Früher gab es ja Ullstein und Goldmann. Da muss das Übersetzen so etwas wie Fließbandarbeit gewesen sein. Und man war nicht wählerisch. Das stand der größte Mist (Carter Brown, Mickey Spillane - ein Vorgänger von Fitzek - und andere) neben Chandler, Hammett, Rex Stout und Macdonald.

    Aber ein Blick in diese alten deutschen Ausgaben reicht meistens, um sich das Original oder ne andere Übersetzung zu besorgen.

    Besser war es um rororo Krimis bestellt. Die waren sorgfältiger übersetzt und meist nicht! gekürzt, was bei Ullstein schon einmal vorkommen konnte. (Chandlers "Long Goodbye" ist da so ein Fall, Ullstein knapp 270 Seiten, Original ca. 330 Seiten, Wollschlägers Übersetzung hat 380 Seiten... sage nicht, das läge am Druckbild)


    Mit Diogenes wurde es dann besser und dennoch gab es grobe Schnitzer. "Ein Flasche Popcorn" fand Harry Rowohlt bei Wollschläger als Übersetzung von "a bottle of pop"


    Wenn ich jedoch die neuen Übersetzungen der Werke von Ross Macdonald, auch Diogenes, mit denen aus den 70igern vergleiche, dann geht einem ein Licht auf, nämlich, warum er mit zunehmenden Jahren mehr und mehr als ein Schriftsteller vom Rang eines Updike verstanden wurde, der seinen Lew Archer als Vehikel brauchte, um Licht in das Dunkel der amerikanischen Befindlichkeiten, Familie, Herkunft, Aufstieg, Karriere, Geld, Betrug, Selbstbetrug und anderes zu bringen.

    Ich fühlte mich bei der Lektüre der letzten Werke, so ab "Schwarzgeld" mehr und mehr an die Harry Angström Romane von Updike erinnert.

    Insbesondere fällt auf, dass mit zunehmender Komplexität der Romane die "Äktschen" weniger wird und die Romane immer dialogischer werden. Nichts also für Fast-Food-Krimi Konsumenten.


    Parallel zu seinem "Spätwerk" las ich dazu die Biografie des Mannes, der sich Ross Macdonald nannte, geschrieben von Tom Nolan, der auch Editor neuerer Ausgaben ist.

    Sehr erhellend.

    Gruß aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • nicht! gekürzt, was bei Ullstein schon einmal vorkommen konnte.

    Trauriger Rekord bei Ullstein : 'Unsere Stadt muß sauber werden' von Ross Thomas war etwa die Hälfte des Originals 'The Fools in Town are on our Side' . Dabei handwerlich nicht schlecht gemacht ; wenn man das Original nicht kennt , hält man es für einen schlechten Ross Thomas . Aber der Alexander Verlag hat schon 22 Bände neu herausgegeben und wird das wohl auch noch heilen .

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