Eben geguckt

  • Macht ja immer Sinn, sein Englisch etwas aufzupolieren. Daher dieses Buch bestellt


    Donald Richie "The Films of Akira Kurosawa"


    (Leider funktioniert der Amazon Link hier nicht und Jpc hat's nicht).



    Im Übrigen bietet sich der heutige freie Tag (der einzige in 12 Tagen) an für diesen, nochmals, denn jedes Mal wieder schälen sich neue Ebenen heraus wie es bei Meisterwerken eben so ist:



    Ich sage mal was Ketzertisches: obschon dies ein Meisterwerk ist, schafft er es nicht in meine Top 5 bei Kurosawa. Kagemusha etwa (verwandter Film) fesselt mich mehr. Und die Samuraiseite dieses kurosawaschen Gesamtwerkes ist mir eh weniger wichtiger als die ganzen andren Sachen je mehr ich sie kennenlerne. Nicht falsch verstehen: Natürlich ist Ran ein Meisterwerk! Keine Frage. Aber irgendwie hat er viel Theaterhaftes, und das fesselt mich, bei aller Bewunderung, nicht vollkommen, es ist alles ein kleines bißchen statisch in all dem sorgfältig durchkomponierten Farbenrausch und der shakespearisch dargebotenen Tragik, und ich mag das eben nicht so sehr, weil ich mit Theater fremdle und das immer getan habe.


    Nichtsdestotrotz (ich rede ja nicht über Grenzen des Filmes sondern über Beschränkungen meiner Rezeptionsfähigkeit): ein tolles Filmerlebnis ist das auf jeden Fall





    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Grins2


    Vielen lieben Dank! Das ist es was ich bestellte.



    :)

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  • Welch eine wundervolle Charakterisierung des Ugetsu Monogatari, lieber Wolfram!

    Dank dir, lieber Garcia. :cincinbier:


    'Ran' kam heute mit der Post, wird also die Tage auch gesehen. Ich bin mal sehr gespannt, weil es auch in diesem Fall eine Wiederbegegnung nach Jahrzehnten ist.

    Aber erstmal muss ich den 'Spinnwebwald' noch beenden.


    Der 'Richie' macht mich natürlich nervös Grins1 , aber ich will mich bremsen. Vielleicht klappt es ja.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Weihnachten naht.

    Zeit also, auch für einen passionierten Grinch wie mich, ein bißchen Herz zu zeigen und ein bißchen Liebe & Kitsch auf die Leinwand zu zaubern :love:




    Hauptsache sie kriegen sich. Sonst könnte ich ja auch einfach in den Badezimmerspiegel gucken...



    :)

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  • Zum Abschluß für heute ein Lieblingsfilm, ein nahezu perfekter Wohnfühlfilm mit bitteren Untertönen.


    Sommer vorm Balkon.


    Federleicht und doch sehr schwer.




    :)

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    (Shunryu Suzuki)

  • nochmal - wo er nun zuende ist:


    Dies hat nichts mit der deutschen Wohlfühlkomödie zu tun (ein Genre daß ich gern mal mag), dies ist ein richtig großer, tief empfundener und großartig besetzter Film den man kennen sollte. Er greift tief ins Herz. Er hat es nicht nötig, dabei a la Fassbender in den Eingeweiden zu wühlen. Er benötigt keine Tricks. Er ist nicht raffiniert. Er stellt das Leben eben hin. Es ist ein sehr, sehr großer Film.


    Und er ist auch nicht cool: die Filmmusik das sind deutsche Schlager aus den 70ern. Und das paßt wunderbar. Cool sind die Andren. Das hier ist Leben.


    Ein Wunderwerk, ich liebe ihn <3

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    (Shunryu Suzuki)

  • Das hier ist Leben.

    wen wundert's - Regisseur Andreas Dresen soll ja auch privat ganz ein Netter sein und ohne einen jeden Anflug von Allüren... - ein alter Studikumpel von mir, lange J. am (alten) Berliner Flughafen tätig gewesen, hat wohl mindestens zwei höchst angenehme Schwätzchen mit ihm halten können; Truffaut sei sein großes einsames Vorbild (also das von Dresen jetzt ;)) - soviel hab' ich mir davon gemerkt.....


    < - durchaus auch ein 'besinnlicher' Film (viell. nicht grade f. d. nä. zwei, drei Tage)

    ist übr. seine Doku



    - > nicht nur 'hier kann man verstehen, wie schwer Demokratie ist. Dresens Film ist Ernüchterung und Ermutigung zugleich' (wie 'Der Freitag' seinerzeit notiert hat), auch

    tief empfunden

    passt durchaus, mir jedenfalls: als alte grünalternative Rotzgöre :P blickt man anschließend mit wenigstens etwas mehr Milde auf zumindest die Hinterbänkler vom 'anderen' politischen Lager!!


    < - nu wollt' ich doch noch (wenn auch evtl. vergebens, da scheints weder auf DVD erhältlich noch zur Gänze auf yT zu sehen) Dresens einzige Regie einer 'Polizeifunk 110' - Folge erwähnen: 'Der Tausch' v. 1997 (der elfte und letzte Fall von Günter Naumann alias 'Kommissar Beck') leide lt. damaliger Kritik zwar an einem eher durchwachsenen (nicht von Dresen verfassten!) Drehbuch, sei jedoch aufgrund der beiden Hauptdarstellerinnen Sophie Rois und Ulrike Krumbiegel allemal sehenswert... - > also

    großartig besetzt

    passt auch hier mal wieder!


    :wink:

    Alexa, was ist ein gerechter Lohn? 'Das weiß ich leider nicht!' Peter Kessen 'Disruptor Amazon'

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott'

    Werner Schneyder

    Fleiß ist gefährlich Henning Venske 'Inventur'

    2 Mal editiert, zuletzt von wes.walldorff ()

  • Ich möchte noch darauf hinweisen,

    dass Andreas Dresen im wundervollen Film "Gundermann" Regie geführt hat, ebenfalls erstklassige Besetzung und mit Preisen überhäuft.

    UND: Zusammen mit Alexander Scheer, dem genialen Darsteller des Gundermann verantwortet er auch ne ebenso erstklassige Band, die

    Lieder von Gundermann und, wenn ich es recht erinnere, Nils Koppruch, Gisbert zu Knyphausen und anderen darbieten.

    Alexander Scheer singt übrigens besser als Gundermann es je konnte, So isses. CMS und ich sahen die Band im Sommer in Flensburg.

    Flensburg

    Hier die neuesten Tourdaten: Es lohnt sich!

    eventim.de

    Gruß aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)


  • Macbeth in Japan und es funktioniert. Natürlich funktioniert es und wie! Schließlich sind Shakespeare-Themen allgemeingültig und schließlich ist Kurosawa am Werk.


    Ein Renaissance-Stück ohne eine Originalzeile, angesiedelt in Samurai-Zeiten. Und trotzdem ist es ganz Shakespeare und auch ganz Japan. Wie eine Tuschezeichnung die erste Einstellung, verschwommen, ineinander übergehend, dann langsam sich auflösend. Landschaft, Natur - geheimnisvoll, nicht fassbar. Daraus sich langsam schälend die Spuren menschlicher Zivilisation, die Ruinen, dann die Burg (in der Rückblende), die Menschen mit dem, was sie anrichten. Stets schwankt der Film zwischen Uneindeutigkeit, Nebel, Labyrinthen und andererseits einem knallharten Realismus bestehend aus Gier, Ehrgeiz - und Angst, schwankt er in seiner grandiosen Schwarzweißfotografie zwischen weich und hart, zwischen offen und festgezurrt.


    Irrationalität und irre Rationalität. Die Natur ein Abgrund - der Mensch ein Abgrund. Nichts, auf das man sich verlassen kann. Irre überall.


    Und nur einer beherrscht noch das Chaos - Akira Kurosawa. Und das in einer Weise, dass er diesen 'Macbeth' zu einer der besten Shakespeare-Adaptionen überhaupt macht, zu einem grandiosen Filmerlebnis, zu einer bezwingenden Studie von Mensch und Natur.


    :wink:Wolfram

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  • < - kurze Rückblende auf Andi Dresen; l o g o - sein

    wundervolle(r) Film "Gundermann"

    ist (sehr wahrscheinlich) mein Kino-Highlight des damaligen Jahrgangs gewesen - auf den 'echten' Gundi Gundermann hatte ich übr. mal im hiesigen thread ''Lieder der Malocher'' verwiesen (u. dort auch auf zwei m. E. sehr hörenswerte yT-Schnipsel verlinkt!), - oben wollte ich freilich absichtlich auf zwei eher unbekannte Arbeiten aufmerksam machen . . .


    btw inzwischen mal Günter Naumann auf der HP der Wolgaschlepper in die Suchleiste eingegeben; da gibt es doch so einiges, 'Der Tausch' allerdings ist scheints nicht darunter - > schade, wirklich, denn es gab wahrlich schon blassere '110' - Ermittler; u. von Sophie Rois bekomm' ich eh' nie genug!


    < - über den eben erwähnten Kurosawa hatte ich bereits mal im Rahmen der Aller-Erst-Fassung* meiner Kalender-Gedenk-Blätter einige Statements gesammelt; besagte Version* schlummert längst im nichtöffentlichen Teil des Forums vor sich hin - urheberrechtlich ist das seinerzeit alles andere als koscher gewesen!!


    einige wenige Sätze daraus mag ich aber doch beitragen . . .

    ''Eine der besten Shakespeare-Adaptionen überhaupt''

    ist dann vielleicht doch 'ein (sehr) großes Wort gelassen ausgesprochen' ;), immerhin aber schreibt R. M. Richter (am 29.10.15 auf kunstundfilm.de), 'Macbeth' habe schon viele Filmregisseure gereizt - am erfolgreichsten war Polanski, am originellsten ist Kurosawa... - und user Harald ergänzt (am 10.04.10 auf japankino.de) insgesamt erreicht K. eine stärkere Verdichtung von Shakespeares Werk als viele andere europ./amerik. Verfilmungen.


    auf moviepilot.de bemerkt user wednesday90, (des Hauptdarstellers Toshiro) Mifunes Overacting ist negativ aufgefallen (u. ich will nicht verhehlen, dass ich das durchaus ein wenig nachvollziehen kann!), andererseits bezeichnet er die Performance von Isuzu Yamada als intrigierende Ehefrau dann als großartig!


    lt. user Polygraph bei Amazon beträfe die wichtigste Änderung ggb. der Vorlage die Träger der Voraussagung: statt der drei Hexen tritt ein böser Geist der japan. Mytholgie auf... - aber HALLO - eine zweite derart eindringliche filmische Umsetzung dieser Passage des Shakespeare-Stücks ist mir noch nicht untergekommen:!:


    :wink: :wink:

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  • ist dann vielleicht doch 'ein (sehr) großes Wort gelassen ausgesprochen' ;)

    Da will ich dir gar nicht widersprechen. ;)

    auf moviepilot.de bemerkt user wednesday90, (des Hauptdarstellers Toshiro) Mifunes Overacting ist negativ aufgefallen (u. ich will nicht verhehlen, dass ich das durchaus ein wenig nachvollziehen kann!),

    Ich empfinde sein Spiel als sehr expressionistisch in der deutschen Stummfilmtradition, wodurch er dann durchaus als Außenseiter charakterisiert wird, was ja passt. Überhaupt finde ich ich auch Anklänge an Fritz Lang, speziell Nibelungen und Metropolis, immer wieder im Werk Kurosawas, dabei eher auf der ästhetischen als auf der inhaltlichen Seite.

    lt. user Polygraph bei Amazon beträfe die wichtigste Änderung ggb. der Vorlage die Träger der Voraussagung:

    Da bin ich mir gar nicht einmal so sicher. Die wichtigste Veränderung im Vergleich zu Shakespeare scheint mir eher die Rolle der 'Lady' zu sein, die hier viel mehr an Verdi erinnert.


    :wink:Wolfram

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    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Heute nach fast vierzig Jahren mal wieder dieser hier:


    (1985)


    Die Schönheit von Bildern die Krieg, Krieg und abermals Krieg zeigen. Die Poesie von Gewalt. Die 'lyrische' Empfindung, die Mussolinis Sohn beim Anblick von explodierenden Bomben hatte: Die sehen ja aus wie sich öffnende Blüten. Darf man das so zeigen? Darf man das so auf die Spitze treiben, denn die Bilder in 'Ran' sind wirklich überwältigend schön?


    Ja, darf man, denke ich, wenn man damit Fragen an den Zuschauer stellt. Der Regisseur zeigt, aber vor allem in uns steigert sich das Empfinden, wir sind es, die sich den Bildern hingeben, in uns liegt es, welche Gewichtung wir zwischen Ästhetik und Grauen finden.


    Das Wort 'Krieg', das in jedem von uns, die wir nie einen erlebt haben, Schrecken auslöst, der aber immer 'geschönt' bleibt, immer auch eine Lüge ist, sein muss, weil die Wirklichkeit des Krieges nur der kennt, der sie erlebt hat. Und so lässt man sich von diesen Bildern auch belügen, weil alle Vorstellung davon falsch ist, weil das Kino sowieso nie die Wahrheit erzählt, weil wir auf ein Viereck starren, ein magisches, von dem wir erwarten, mindestens wissen, dass es uns hintergeht. Vielleicht bis es dann einen Knalleffekt gibt und die Brust eines der Protagonisten und damit die traumhaft - alptraumhafte Kampfsequenz urplötzlich zerrissen wird.


    Kurosawa nimmt eigentlich John Fords Bild der elegant, mit weißen Handschuhen ausgestatteten, am fernen Horizont in Linie dahinreitenden Kavalleriesoldaten auf und verdoppelt, verdreifacht die Wirkung, erschafft damit auch einen Mythos - und zerstört ihn sofort wieder. Anders als in 'Kagemusha' wird das Grauen, der Tod in der Schlacht direkt und sofort gezeigt, sehr zur Verstörung des Zuschauers.


    Aber 'Ran' ist natürlich noch viel mehr. Shakespeares 'King Lear' bildet die Grundlage allen Handelns (auch wenn das zunächst gar nicht so geplant war und es gewichtige Unterschiede gibt). Darauf aufbauend, schälen sich verschiedene Themenkreise heraus: Der Mensch, dessen Handeln in die Irre, in das Chaos, in die Vernichtung führt. Die Natur, als Spiegelbild der menschlichen Seele. Der Mensch, der die Götter verliert, zerstört, sich von ihnen loslöst und in unendlicher Einsamkeit und Verzweiflung zurückbleibt. Der Mensch, der im Angesicht der Sinnlosigkeit trotzdem Verantwortung für den anderen übernimmt und dabei scheitert.


    'Ran' ist ein wirkliches Alterswerk, der Film eines lebensweisen, aber auch verzweifelten Meisterregisseurs, übervoll, unsauslotbar (?), ein Welttheater. Drei Stunden lang - und danach hatte ich das Bedürfnis, ihn sofort noch einmal zu sehen. Aber ich habe mir das verbeten, weil er eine Kostbarkeit ist, die ich in Abständen genießen will, weil jedes Anschauen auch die Ruhe zum Arbeiten in mir haben soll.


    Ich weiß, lieber Garcia, dass du den Film ein wenig anders beurteilst und 'Kagemusha' eher favorisierst. Bei mir ist es nun genau umgekehrt, fällt der 'Schatten' für mich im Vergleich doch eher ab. Was mich aber dann dazu bringt, in nächster Zeit den ersten dieser beiden Großfilme doch gleich nochmal anzuschauen. Wer weiß, was ich da übersehen habe. ;)


    :wink:Wolfram

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  • Tja nun, die extreme Stilisierung in "Ran" (der natürlich auch ein großartiger Film ist), die fördert eben eine sehr spezielle Grundhaltung beim Betrachter, sonst geht das jedenfalls an mit vorbei. Eine große innere Ruhe. Ein sich einlassen können auf eine gewisse Künstlichkeit der Bilder, das geht bei mir auch nicht immer.


    Wo ich dies so schreibe - Tarkowskij fordert eine ganz ähnliche Gestimmtheit, dessen Filme kann ich auch nur selten sehen; aber wenn, dann sind sie auch unvergleichlich, dann hinterlassen sie sehr tiefe Spuren. Ichuß für sowas den inneren Moment abpassen.


    Bei Kagemusha - ein stark stilisiertes Werk auch hier - bringt die Personenzeichnung vor allem des "Schattens" (der ja auch ein Heiliger Narr ist) eine andere Leichtigkeit hinein. Das macht den Ran nicht schlechter und den Kagemusha nicht besser, aber die Gelegenheiten häufiger an denen ich ihn wirklich in mich einlassen kann.


    Ich glaube nicht, daß du da groß was übersehen hast, und denke, du wirst ihn genießen - bloß nicht vergleichen, das führt zu wenig: es sind zwei Meisterwerke.




    :jaja1:

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  • Bei Kagemusha - ein stark stilisiertes Werk auch hier - bringt die Personenzeichnung vor allem des "Schattens" (der ja auch ein Heiliger Narr ist) eine andere Leichtigkeit hinein.

    Interessanter Punkt, der 'Heilige Narr' und die Leichtigkeit. Da werde ich beim nächsten Sehen mal verstärkt drauf achten.

    bloß nicht vergleichen, das führt zu wenig: es sind zwei Meisterwerke.

    Das ist wohl wahr. :)


    :wink:Wolfram

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  • (1949)


    Der Film geht los und ich fragte mich, warum ich noch einen Film von Ozu sehen muss. Kamera stets aus der Untersicht, Blicke durch Häuser hindurch, Menschen, die ins Off sprechen oder direkt in die Kamera, zwischendurch Stillleben von Musik untermalt, Familiengeschichte - all das, was ich schon aus 'Die Reise nach Tokyo' kannte, dazu dann noch die selben Hauptdarsteller.


    Aber wieder geschah das, was schon 'Tokyo' auszeichnete. Es passiert nichts und es passiert alles und am Ende bricht der Film einen das Herz.


    Die Geschichte einer Frau, die sich weigert zu heiraten und ihren verwitweten Vater zu verlassen. Dieser täuscht nun eine eigene geplante Heirat vor, um ihr diesen Schritt zu erleichtern. Inwieweit dieser Konflikt heute noch aktuell ist, darüber lässt sich streiten. Aber eigentlich geht es auch viel mehr um den Schritt aus dem Elternhaus heraus, um die Emanzipation von den Eltern. Dass sie dabei nur 'weitergereicht', unter veränderten Vorzeichen eine ähnliche Rolle einnehmen wird, schwingt hier im Hintergrund allerdings auch mit. Aber 'Später Frühling' ist kein Gesellschaftsdrama, dem Film geht es nicht um politische Aussagen, sondern er beschränkt sich vollkommen auf den zwischenmenschlichen Konflikt. Und der kommt, wie schon in 'Tokyo' auf leisen Sohlen daher, ist aber darum um so intensiver.


    Danach kam ich mir vor wie beim 'Griechen': Noch einen Ozu, bitte!' :versteck1: , was umso leichter fiel, da diese Ausgabe ein 'Double-Feature' ist. Zusätzlich gibt es seinen ersten Tonfilm von 1936 (!): 'Der einzige Sohn'.


    Ein durchaus verwandtes Thema. Hier ist es ein Sohn, der seine verwitwete Mutter verlassen möchte, um in Tokyo eine weiterführende Schule besuchen zu können. Die Mutter muss sich nun alles vom Munde absparen, um dem Sohn die erhoffte Karriere zu ermöglichen. Die gelingt aber nicht, er endet als Lehrer an einer Abendschule, wohnt in einem armseligen Außenbezirk, hat kaum Einkommen, dafür aber Ehefrau und Kind. Wie in 'Tokyo' reist die Mutter später in die Hauptstadt, um ihn zu besuchen, was zu zwischenzeitlich großer Enttäuschung auf beiden Seiten führt.


    Auch hier ist stilistisch und inhaltlich eigentlich alles schon da. Ozu scheint ein 'Schema' gehabt zu haben, das er immer wieder anwandte. Er reduzierte nur, war wohl immer auf der Suche nach der noch perfekteren Lösung, so wie ein Kalligraph zeit seines Lebens nach noch mehr Harmonie und Schönheit im Schwung einer Linie sucht. (Oder ist das Beispiel zu westlich-klischeehaft?)


    Aber schon dieser frühe Film zeigt in Anfängen seine große Meisterschaft, im Alltäglichen durch kurze Sätze, Blicke, Haltungen die Konfliktsituation zu finden und grundlegend zu durchleuchten.


    Das ist wahrlich kein Kino für Dolby-Surround, also keines, das laut ist, sich aufplustert oder auf Effekte setzt. Das ist ein ganz stilles, feines, meditatives Kino, eines, das sich eher entzieht und dabei leicht übersehen wird. Was ein großer Fehler wäre!


    :wink:Wolfram

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  • und am Ende bricht der Film einen das Herz.

    eben.


    Klar hat er immer irgendwie denselben Film gemacht, und man hat ja nur ein Herz das gebrochen werden könnte... Aber es ist eben (wie Woody Allen so schön sagte) ein "sehr biegsamer kleiner Muskel", und jedesmal wenns bricht tut es das auf eigene Weise und lernt es auch dazu und wird etwas stärker, und eben deswegen hätte ich ja gern 40 Filme von Ozu statt vier.


    Welch ein Filmemacher... Aber oft sehen funktioniert nicht richtig bei mir, immer muß ich mir das aufsparen bis es wieder soweit ist




    :)

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    (Shunryu Suzuki)

  • Grand Prix in Cannes:


    (Teinosuke Kinogasa - Japan 1953)


    Was wohl nicht passiert wäre, wenn sich nicht Jean Cocteau als Jury-Präsident ganz besonders für den Film eingesetzt hätte. Ob sich dass gelohnt hat?


    Der Film, den der Regisseur Kinogasa selber nicht sonderlich mochte, schwelgt in einer wirklich faszinierenden, überwältigenden Farbenpracht. Interieurs, Kostüme, Beleuchtung und eben die Farbfotografie sind wirklich sublim. Ein Genuss.

    Aber darüber hinaus? Eine 'Stalker'-Geschichte, die nicht richtig aufgeht, ein Melodrama, das es mit ein bisschen Verstand der Protagonistin so nicht hätte geben müssen, eine konstruierte Geschichte, extra damals für den westlichen Markt produziert, ein 'Kostümschinken' im exotischen Gewand. In Japan selber ein Flop!

    Auch ein Cocteau hatte mal 'n schlechten Tag. Grins1


    :wink:Wolfram

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  • Nachdem der Tatort-Thread ja einen langsamen Tod zu sterben scheint (schade) eben hier...




    Für mich der schönste aller 40 Stoevers, in der Balance mehr auf der homorigen Seite und Krug in absoluter Höchstform.


    Wenn man kraftlos und ausgelaugt ist am Ende eines harten Arbeitsjahres kommt das wie eine Hühnerbrühe mit Extrawumms.



    :)

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  • Nachdem der Tatort-Thread ja einen langsamen Tod zu sterben scheint (schade) eben hier...

    Hast du den "Tatort" am Zweiten Weihnachtstag gesehen? Die Kritiken waren ja gemischt, aber ich habe ihn geliebt und mich sehr gut unterhalten gefühlt! :)

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

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