• (Deutschland 1932)

    Der proletarische deutsche Spielfilm von Slatan Dudow und natürlich zunächst heftig zensiert und ein Jahr später dann sofort verboten. Hier nun die Fassung ohne die der Zensur zum Opfer gefallenen Szenen, die wohl nicht mehr existieren.

    Eine schlichte Moritat vom proletarischen Leben im von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten Berlin. Erst will er nicht, aber dann steht er doch zu seiner Geliebten plus ungeborenem Kind und das alles unter dem Eindruck einer Veranstaltung der proletarischen Sportverbände am Müggelsee. 'Vorwärts und nicht vergessen'. Ach, wenn das Leben so einfach wäre. Die sozialdemokratisch angehauchten oder kleinbürgerlich verseuchten Alten, die sich nur noch besaufen können, gegen eine Jugend, solidarisch, Hand in Hand arbeitend, voller Engagement und Brüderlichkeit.

    Aber immerhin gibt es Brecht und Dudow. Und so entstand ein formal durchaus interessanter Film, der Dokumentarisches mit Spielszenen kombiniert, der stark von der sowjetrussischen Montagetechnik geprägt wurde, in dem man die Weigel und Ernst Busch hören kann (eigentlich immer ein Gewinn) und der mit einer faszinierenden Musik von Hans Eisler aufwartet.

    :wink:Wolfram


    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Seit "Oppenheimer" bin ich ein ziemlicher Fan von Cillian Murphy, weil ich meine, dass er diese Rolle perfekt ausgefüllt hat.

    Was ich bis vor kurzem nicht wusste, ist, dass er auch in der BBC-Serie "Peaky Blinders" eine Hauptrolle innehatte. Ich streame die Serie seit einigen Tagen und bin bei Staffel 3 angelangt. Und was soll ich sagen: Ich war schon nach den ersten zehn Minuten hingerissen. So eine fantastische Ausstattung und was für tolle Filmmusik. Nick Caves "Red Right Hand" ist der Titelsong :verbeugung1:. Cooler geht es nun wirklich nicht mehr.

    Aber der ganze Soundtrack ist umwerfend: PJ Harvey, Radiohead, Joy Division, Black Sabbath etc. :love:

    Diese Kombination aus toll gestalteter historischer Kulisse und richtig guter moderner Musik, das ist umwerfend. Ganz abgesehen von der spannenden Story rund um eine Gangsterbande in England in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren.

  • (DDR 1975)

    Umweltzerstörung und Arbeiterleben in Bitterfeld - Roland Gräf packte hier ein durchaus heißes Eisen an. Aber eigentlich geht es um die bevorstehende Verrentung des Arbeiters Achilles (Erwin Geschonnek) geht, der den technischen Neuerungen nicht mehr gewachsen scheint. Sein Traum aber bleibt: die Wüste Bitterfeld mit blauen Blumen neu zu begrünen.

    Ein Film, der einen, glaube ich, nicht unberührt lässt, glänzend gespielt und sehr gut fotografiert. Jürgen Lenz an der Kamera und Roland Gräf, einst selbst Kameramann , gelingen dabei Bilder, die manchmal an Fellini, manchmal an Antonioni oder Pasolini erinnern. Vielleicht greife ich da zu hoch, aber ... schaut selbst. ;)

    Absolut empfehlenswert.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Gestern zu einem Filmabend bei einem alten Wegbegleiter . Eben haben wir uns versichert , daß wir noch immer in gelöster Stimmung sind . Nachwirkung des gediegenen Films " Auf Wiedersehen Amerika " von Jan Schütte . Deutschland / Polen 1993 . Einfach nur ganz genau hinsehen und zuhören .( Wird mit jedem Anschauen noch hintergründiger ). Großartige Darsteller . Ein Humor , der nicht mit der Brech-Stange daherkommt . Vielleicht ist ein wenig Hintergrundwissen hilfreich . Aber nicht erforderlich . Es geht u.a. um ältere Immigranten , die ihre alte Heimat besuchen . Ob solch ein Film heute noch möglich wäre ?

    Auf Wiedersehen Amerika (1992-1994) - Filmanfang | filmportal.de

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Nun auch Zuhause nach dem tollen Kinoerlebnis:

    Ein großartiger Film und neben Scorceses "Killers of the Flower Moon" das Großereignis dieses Kinojahres. Wächst beim mehrmaligen Sehen immer weiter. Ich war bei Nolan immer etwas skeptisch, muß ich sagen, vieles fand ich zu konstruiert und auf Wirkung berechnet, aber dieser Film... Nun hat er mich erreicht.


    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Le Corbeau (1943)

    Clouzots zweiter Film, noch während des Kriegs entstanden. Ein Gedicht in Schwarz, ein echter film noir. Briefe werden in der Kleinstadt verschickt, voll mit üblen Anschuldigungen, die das Leben vergiften. Ein Arzt wird zur Zielscheibe, kann sich daraus nur mühsam befreien.

    Intensiv ist das Ganze, exzellent durchdacht und brillant umgesetzt. Nach achtzig Jahren haut der Film einen aus den Socken, als wäre es das Leichteste auf der Welt.

    Grandios... :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Gleich bestellt. Leider werde ich bis Mitte Januar warten müssen, aber wurscht, den Film wollte ich eh schon soooo lange mal sehen.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Gleich bestellt.

    Gute Entscheidung... Grins2

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Bei uns lief gestern Charlie Chaplins Monsieur Verdoux. Mir war Chaplin bisher ausserhalb seiner Tramp Persona nicht bekannt, (gut, teils natürlich aus dem Diktator) nun bin ich platt, was für ein ausserordentlich begabter Schauspieler er war. Er kreiert hier eine Rolle, die ihm erlaubt, sein Talent für Pantomime in einem Sound Movie auszuschöpfen. Hinzu kommen autobiographische Elemente, sozial-politische Kritik und ein Plot, der es in sich hat zu amüsieren, zu provozieren, zu erschüttern, oder aber alles als eine Farce abzutun, weil voller Paradoxe, die aber ebenso wahr sind, wie unauflösbar.

    Chaplin ist mir immer schon als ungewöhnlich schöner wie auch charismatischer Mensch erschienen, bei dem, so sehr mir seine Filme auch gefallen, mich seine Tramp Maske eigentlich stört, bzw sie provoziert den Drang, sie abreissen zu wollen um dahinter zu sehen. (Nein, mein Mittelname ist nicht Judith. Grins1) Nun konnte ich ihn in dieser "Blaubart" Rolle (im Film selber wird er von der Presse "Blaubart" genannt) mal ohne bewundern. Dachte ich. Aber er spielt ja hier den jeweiligen weiblichen Opfern auch nur Theater vor und man wartet die ganze Zeit auf den wahren Mann dahinter. Als der Moment kommt und man ihn zuhause bei seiner Familie sieht, benimmt er sich aber auch nicht wirklich anders, nur ins Positive gewendet - obwohl man dem nicht so ganz traut, weil man ja den Rest beobachtet hat und er nicht wirklich anders ausssieht. Lebt er also mit seinen Blaubart-Aktivitäten nur den Schatten einer tatsächlich komplexen und quecksilbernen, wandelbaren, kernlosen, haltlosen Persönlichkeit aus? Dies wäre natürlich nur ein Aspekt dieses Films, denn wie oben schon erwähnt, gibt es auch andere.

    Ein toller Film, ich werde ihn mir heute vielleicht gleich nochmal ansehen, oder in den nächsten Tagen. Und eine Chaplin Biographie muss auch her, was für ein faszinierender Mensch und ausserordentliches Talent! Sogar die Filmmusik ist zumindest teils von ihm selber - mich würde brennend interessieren, wieviel er wirklich dazu beigetragen hat.

    Grosse Empfehlung!

    Einmal editiert, zuletzt von Rosamunde (4. Dezember 2023 um 14:05)

  • Bei mir ging es erstmal weiter mit Heinz Erhardt:

    'Ich habe sie in der Furcht vor dem Herrn erzogen - also vor mir!'

    Das ist alles Kino der fünfziger Jahre, die - leider vielen - musikalischen Einlagen sind grauenhaft, aber andererseits gibt es so viele köstliche Momente bei und mit Erhardt, dass der Film in toto eigentlich schon wieder ein Vergnügen ist.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Danach:

    Die Marika und der Heinz und dazu noch das Drehbuch von Dieter Hildebrandt - da dachte ich, dass das sehr schräg werden könnte.

    Leider weit gefehlt. Der satirische Witz von Hildebrandt erschöpft sich sehr schnell, Erhardt ist viel zu sympathisch (so will man ihn ja auch nicht sehen) und die Rökk ist zwar immer noch sehr beweglich, leider aber auch total nervig. Und dazu diese ganze wilde Jugend, die nichts Besseres zu tun hat, als bei ihren Festivitäten Marika Rökk anzuhimmeln. Ich habe ja nichts gegen ein bisschen Fünfziger, aber zu viel darf es dann auch nicht sein.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Charlie Chaplin - Modern Times

    Hatte ich doch fast alles vergessen, bis auf die Knöpfe am Rock Grins1 .

    Herrlicher Zeitvertreib.

    Die gesamte Eingangssequenz in der Fabrik ist eine der genialste Momente der Filmgeschichte.

    Danke dafür, dass du hier an Monsieur Verdoux erinnert hast. Ich habe ihn jahrzehntelang nicht gesehen und befürchte, dass ich nun einmal mehr mein Konto belasten muss. Aber ischa Weihnachten. Grins1

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Und noch ein Erhardt in den letzten Tagen:

    Das übliche Muster: viel Gesang, viel Romantik, viel spießige Fifties. Aber die Szenen mit Erhardt und Trude Herr als Fahrschullehrerin sind schlichtweg grandios. Leider muss man lange darauf warten, aber es lohnt sich - fast.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Und noch einer dieser Filme, die ich vor unendlichen Zeiten mal im TV gesehen habe:

    Hein Erhardt nur in einer Nebenrolle, was aber nichts macht, weil man dafür Martin Held und Agnes Windeck bekommt. Und die beiden einzeln und zusammen sind Gold wert!!! Und wenn dann noch Rudolf Platte dazustößt oder eben Heinz Erhardt mit blöden, köstlichen Vierzeilern, dann ist das wirklich großer Spaß. Leider fallen Adorf, Elsner und Co. dagegen ab. Zum Trost gibt es aber immerhin noch ein schöne und schräge Bilder aus dem alten Westberlin.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Fernsehen der DDR von 1978/79.

    So wahr und verlogen wie 'Die Unverbesserlichen' im bundesdeutschen TV. Aber man kann so viel erfahren über die Lebenswirklichkeit in den jeweiligen deutschen Staaten damals, über das Gemeinsame und das Trennende, über das, was erzählt oder eher verschwiegen wurde und auch ein wenig darüber, warum wir so wurden, wie wir sind.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Die gesamte Eingangssequenz in der Fabrik ist eine der genialste Momente der Filmgeschichte.

    ....was der Mann für Ideen hat! Und dabei sind es genau die stinknormalen Dinge, die man sich auch fragen würde....also zB was ist, wenn man am Fliessband arbeitet und es juckt einen Grins1 usw.

    Und überhaupt, wenn ich mir überlege, wieviele verschiedene Szenen oder Sequenzen es in diesem Film gibt, alle so wunderbar detailliert und bis aufs letzte ausgekostet. Das Kaufhaus! Das Restaurant am Ende, wo er die Tanzfläche überqueren muss, aber nie ankommt....es ist irre gut.

    Viel Spass mit Verdoux! Würde man den eigentlich als Film Noir bezeichnen? oder nicht so richtig?

  • Vielleicht der ästhetisch ansprechendste Animationsfilm, den ich je gesehen habe. Angelehnt an sein Thema - die Entstehung (und Rettung) des unvergleichlichen „Book of Kells“ (insbesondere auch der faszinierenden Rho-Chi-Initiale) - ist er allein schon ein Fest fürs Auge, indem er auf wunderschöne Weise die dort zu findenden Farbigkeit, Spiral- und Flechtmuster und Ornamentik aufgreift.

    Gleichzeitig offenbart die Geschichte um Brendan, den Buchmaler, Abt Cellach und der Fairy Aisling trefflich die Verwobenheit von irischer Mythologie (Stichwort: Otherworld) und dem iroschottischen Chistentum.

    Und schließlich thematisiert der Film die Frage nach der Bedeutung und der Kraft des Glaubens im Angesicht des drohenden Untergangs - hier in Gestalt der Raubzüge, mit denen die Wikinger seit dem 9. Jahrhundert die irische Ostküste regelmäßig heimsuchten.

    Rundum gelungen.

    :wink: Agravain

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