Eben geguckt

  • Liegt sicherlich an mir, aber ich kann es einfach nicht ab, wenn die Kamera nie zur Ruhe kommt, ständig und nicht unbedingt aus filmischen Gründen bewegt wird, jede noch so nebensächliche Handlung (z.B. Aussteigen aus einem Zug) in mehrere Einstellungen zerschnitten wird, wenn überhaupt der Schnitt dominiert, wohl nur damit die Aufmerksamkeit gesichert wird. Mich macht das hektisch. Hat wohl mit dem Alter zu tun. ;)

    Ich habe auch den Beginn gesehen. Das ist doch nichts. Die paar sehr kurze Einstellungen (unter einer Sekunde) mögen manchmal seltsam wirken, aber ansonsten ist das in einem moderaten Tempo geschnitten. Und der Flow ist dennoch da.


    Als hektisch würde ich das nicht bezeichnen.


    Die Kamera scheint generell in dieser Serie variabel zu sein: Totalen als feste Einstellungen, Nahaufnahmen häufig aus der Hand gefilmt. Sieht nach einer klaren Konzeption aus.

    Ach, das ist heutzutage normal. So nervös die Menschen, so nervös die Filme. Du kannst zählen: 21, 22, 23 und spätesten 24 gibt es eine neue Einstellung - das ist der Kick, den der Homo handycus benötigt, damit es ihm nicht langweilig wird.

    Je nach Szeneninhalt ist das nicht mal besonders schnell. Es gibt auch keine Faustregel, die sowas zeitlich diktiert. Es ist immer vom Sujet und der Machart abhängig. Meistens ist der Schnitt am Verlauf der Szene angepaßt, und da müssen Schnittraten von unter drei Sekunden nicht unbedingt "nervös" wirken.


    Homo handycus benötigt eher andere Kicks als ein schneller Schnitt.

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Ich habe auch den Beginn gesehen. Das ist doch nichts. Die paar sehr kurze Einstellungen (unter einer Sekunde) mögen manchmal seltsam wirken, aber ansonsten ist das in einem moderaten Tempo geschnitten.

    Ich habe seit gut 15 Jahren kein Fernsehen mehr und bin von daher vielleicht auch nicht an diese Filmsprache gewöhnt. Mag sein, dass das alles noch sehr 'harmlos' ist, aber, da bin ich vielleicht wirklich schon ein wenig jenseitig, für mich ist das jedenfalls nichts mehr. Vor allem auch weil ich die Schnitte meistens nicht als filmisch oder dramaturgisch begründet sehe, sondern nur noch als Schnitt um des Schnitts wegen.


    Bin halt schon :alter1: . ;)


    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • h e h e - u. ich habe

    seit gut 15 Jahren

    wieder einen Fernseher - u. mir geht's trotzdem sehr ähnlich ;) es gibt durchaus noch eine Handvoll TV-Redakteure, die uns :alter1: durchaus noch im Blick haben - man muss halt sorgfältig suchen u. wenigstens halbwegs diszipliniert bei seinen Vorhaben bleiben!

    TV-Werbung und fast alle TV-Nachrichten (ab und an mal 'Der Tag' bei Phönix) ignoriere ich sehr konsequent - das ist schon mal ein ganz dickes Pfund !!


    bin gestern anlässlich meines Beitrages üb. Wolfgang Kohlhaase ganz wehmütig geworden: so einen gemächlicher Trailer wie derjenige, auf den ich in diesem Beitrag verlinkt hatte, gibt's heute einfach nicht mehr.......


    :wink:

    Alexa, was ist ein gerechter Lohn? 'Das weiß ich leider nicht!' Peter Kessen 'Disruptor Amazon'

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott'

    Werner Schneyder

    Fleiß ist gefährlich Henning Venske 'Inventur'

    Einmal editiert, zuletzt von wes.walldorff ()

  • es gibt durchaus noch eine Handvoll TV-Redakteure, die uns :alter1: durchaus noch im Blick haben

    Na, die gehen aber doch auch bald über den Pensionierungs-Jordan. :versteck1:


    Mit Sicherheit gibt es immer noch mal Sendungen, die ich, Film-betulich wie ich bin, mir anschauen könnte. Aber da ich es nicht vermisse, werde ich diese Büchse, sprich den TV-Anschluss nicht wieder öffnen. ;)


    Sehr schön übrigens deine Erinnerung an Wolfgang Kohlhaase. Die hat er verdient.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

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  • Ich habe seit gut 15 Jahren kein Fernsehen mehr und bin von daher vielleicht auch nicht an diese Filmsprache gewöhnt.

    Äh, was? Wie siehst du dir die Filme dann an? Auf dem PC? Schlecht1

    Vor allem auch weil ich die Schnitte meistens nicht als filmisch oder dramaturgisch begründet sehe, sondern nur noch als Schnitt um des Schnitts wegen.

    Manchmal muß ein Schnitt erfolgen, weil das Material es verlangt... 8)


    Es führt zuweit, an dieser Stelle über die ästhetischen Möglichkeiten des Schnitts zu sprechen, nur soviel: ich habe schon so unterschiedliche Konzepte beim Sehen registriert, daß man nicht automatisch davon ausgehen kann, daß eine bestimmte Art des Schnitts selbstzweckhaft ist. Zumindest bei der Serie halte ich das für eine gewagte Behauptung - unabhängig davon, ob dir das zu schnell erscheint oder nicht. Es gibt so viele Möglichkeiten, gedrehtes Material zu gestalten, es zu verkürzen oder auszuwalzen, es zu konzentrieren oder atmen zu lassen - selbst nervös oder hektisch zu wirken ist eine hohe Kunst.


    Als Paradebeispiel fällt mir immer Ein Quantum Trost (2008) ein. Dessen Schnitt ist so dicht, daß man viele Details kaum erfassen kann. Und dennoch ist er in einem stabilen Korsett geschnürrt.

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    Hudebux

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    Jean Paul

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    jd

  • Äh, was? Wie siehst du dir die Filme dann an? Auf dem PC? Schlecht1

    Ich habe einen Fernseher, aber kein Fernsehen, d.h. ich habe das Gerät, um DVD's wiederzugeben.

    ich habe schon so unterschiedliche Konzepte beim Sehen registriert,

    Das geht mir genauso und trotzdem machten diese Schnittkonzepte für mich meistens Sinn, weil sie, mein Gefühl, ein bestimmtes Ziel verfolgten. Das kann zunächst völlig konträre Bildinhalte natürlich mit einschließen, ebenso wie auch ein schnelles Tempo, beides sollte aber dem angestrebten Inhalt oder einer angestrebten Aussage dienen, was ich hier bei der Serie nicht entdecken konnte.


    :wink:Wolfram

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    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ich habe einen Fernseher, aber kein Fernsehen, d.h. ich habe das Gerät, um DVD's wiederzugeben.

    Okay, habe ich falsch verstanden... ape01

    "Interpretation ist mein Gemüse."

    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."

    Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..."

    jd

  • Okay, habe ich falsch verstanden... ape01

    Ist ja nur ein kleiner Buchstabe, der den Unterschied ausmacht. ;)


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ich hab ja immer meinen 21jährigen jüngsten Sohn hier und bin von daher - weil wir immer Filme gucken - in Sachen schnelle Schnitte einiges gewohnt, was ich aber mag, denn wenn ich schon niemals einem Computer noch Führerschein oder Auto hatte und auch niemals in den Urlaub fahre hält's doch ein bißchen in der Gegenwart, und manchmal, manchmal profitiere ich auch.


    Aber umgekehrt bin ich stolz: daß er auch von mir profitiert und viele, viele Filme bei mir zu schätzen gelernt hat, die seinem Lebensalter häufig verschlossen sind weil sie so "langsam" sind (und gelegentlich gar Schwarzweiß Schlecht2 )


    Aber das enorme Tempo, in dem neue Blockbuster oft ablaufen, finde auch ich ein Problem. Beispiel: die drei Christopher Nolan- Batman-Filme. Das sind schon Meisterwerke des 21. Jahrhunderts. Aber mich überfordert das. Ich will keine Reizüberflutung, das habe ich genug im Leben. Und Sachen wie (auch Nolan) "Inception" (ein an sich geniales Vexierspiel), da kapitulieren ich.


    Komödien funktionieren mit einem so jungen Menschen nicht. Aber neulich hatten wir die Vögel. In dem ja lange nix weiter passiert. Und er fand das toll. Aber ich stell mich im Rahmen meiner Möglichkeiten auch gern mal um.


    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Komödien funktionieren mit einem so jungen Menschen nicht.

    Hast du es mal mit 'Manche mögen's heiß' versucht? Ich habe ihn allen meinen Abschlussklassen vorgeführt - erst Stöhnen wegen Schwarzweiß - und dann schallendes Gelächter.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Funktioniert nicht. Humor hat sich viel mehr vergröbert als Schnitttechniken. Aber bei Spannungsgenres funktioniert es.


    Manche mögen heiß funktionierte die erste Viertelstunde (Mafia!), dann würde es nicht nur komödiantisch, sondern das Thema Liebe kam auch noch hinein...


    Ich kenne meine Grenzen Grins1

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Manche mögen heiß funktionierte die erste Viertelstunde (Mafia!), dann würde es nicht nur komödiantisch, sondern das Thema Liebe kam auch noch hinein...

    Dann hat Komödie wirklich keinen Sinn. ;( Grins1


    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Er wird ja auch älter werden. Die Zeit arbeitet für mich Grins1

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • U.K., ist gerade so interessant, dass es einem fast die Sprache verschlägt.

    Ich meine damit nicht das Snooker Turnier in Belfast oder den neuen König, der so neu ja nicht ist.

    Sondern das, was in der Politik gerade abläuft. Es ist ein solches Trauerspiel, dass ich mich als U.K. Fan seelisch wieder aufbauen muss.

    Das geht am besten mit einer feinen Filmserie aus den frühen 90igern namens "House of Cards" mit dem unvergleichlichen Ian Richardson in der Hauptrolle als Francis Urquhart.

    Er trinkt übrigens Bruichladdich. (alte Ausstattung, so lernte ich den Whisky auch kennen)

    Genauer. Es sind drei Miniserien a´ vier Folgen.

    "House of Cards" , "To play the King" und "The final cut"

    Das baut einen wieder auf und gibt Hoffnung, dass nach dem Sprachcomputer Theresa (Brexit means Brexit), Bojo dem Todesclown (A.L. Kennedy) und Peppermint Petty, die nun auch wieder weg ist, man auf dieser kleinen Insel in der Nordsee wieder zur Vernunft kommen wird.

    Gruß aus Kiel

    Der Himmel hat geschlossen, die Hölle ist überbevölkert. Ich bleibe noch hier. (Willie Nelson)

  • Peppermint Petty

    Immerhin ist sie die "kürzeste Premierministerin aller Zeiten", so gefunden dort (lese da regelmäßig mit, wegen Werder):



    Aber wir wollen hier ja nicht politisieren. :pfeif:


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Geguckt habe ich zuletzt (gucke sonst nicht so oft) und fand es sehr beeindruckend und unterhaltsam:



    Der eher als Mr. Bean bekannte Rowan Atkinson hier als melancholisch-verdrossen-unaufhaltsamer Kommissar Maigret, ich mag den!


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
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    Helmut Lachenmann

  • gucke sonst nicht so oft

    "Ich gucke lieber" Zitat aus "Willkommen Mr. Chance". ^^

    Bei Maigret gibt es so viele Verfilmungen, dass man kaum hinterherkommt. Angeblich soll es bisher 19! Darsteller gegeben haben.

    Es gibt ein paar Filme mit Jean Gabin, doch keine Serie. Die beste Serie, so es denn wg. der vielen Geschmäcker überhaupt eine geben kann, ist für mich diese hier

    Es ist eine BBC Serie aus den frühen 60igern mit Rupert Davies in der Rolle des Maigret.

    Die Bildqualität ist nicht so berauschend, es wurde viel im Studio gedreht, aber der Charme ist da.

    Maigret trinkt wie in den Romanen, also wie es sich für einen Belgier wie Simenon gehörte, Bier. Manchmal auch einen kleinen Muscadet. Damit wird übrigens schon morgens begonnen.

    Gruß aus Kiel

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  • Maigret trinkt wie in den Romanen, also wie es sich für einen Belgier wie Simenon gehörte, Bier.

    Ja, das fehlt bei Atkinson, der ist im Unterschied zu den alten Maigrets ein Abstinenzler. Immerhin darf er noch rauchen. Pfeife natürlich.


    An Rupert Davies erinnere ich mich auch noch. Gibts, glaube ich, bei yt.


    :wink:

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    Helmut Lachenmann

  • Genauer. Es sind drei Miniserien a´ vier Folgen.


    diesen geilen Polit-Triller haben wir uns mit Vergnügen gleichfalls eingeschmissen. In der Tat macht Ian Richardson einen famosen Job als Fiesling Urquhart ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

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