• Aber es bleiben, für mein Empfinden, Katastrophenfilme.

    Aber vielleicht müssten wir für uns erst einmal eine Definition finden.

    Das wird es wohl sein. Du wendest manchmal die gängigen Genre-Begriffe gar nicht in den üblichen Definitionsrahmen ein, und das verwirrt mehr als daß es etwas verdeutlicht. Manche Sachen sind fließend wie z.B. Krimi und Thriller (speziell wenn du dann vom Film Noir sprichst), und Katastrophenfilme sind nicht jedes Sujet, welches mit einer "Katastrophe" zu tun hat. Bei Der Flug des Phoenix ist es einfach ein Flugzeug-Absturz, welches die Story in Gang bringt. Das macht diesen Film aber nicht zu einem Katastrophenfilm. Das Genre wurde auch nicht in dieser Form erst in den 1970er erfunden - es gab früher schon ähnliche Filme wie San Francisco (1936) oder Es wird immer wieder Tag (1954).

    Es gibt Western mit Tom Mix und solche von John Ford oder Howard Hawks und sie unterscheiden sich sehr in der Psychologisierung, aber trotzdem sind es alle Western.

    Habe ich von Western gesprochen? Ich meine nicht. Beim Katastrophenfilm (englisch Desaster Movies) sind die Grenzen ziemlich eng gesetzt - auf jeden Fall liegt der Aldrich-Film da schon recht deutlich außerhalb.

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Das war natürlich ein Scherz. Aber das ist Dir doch klar, oder? Vor 500 Jahren hat man keine Filme gedreht.

    Aha. Ich dachte schon...:/

    Ach so: Ich habe Josquin Desprez und Guillaume Dufay durcheinandergebracht. Großes Pardon - es ist nicht mein Spezialgebiet. Und ein Dankeschön! Grins2

    Nunja, das gilt für den Guillaume doch auch: der kannte vor fünfhundert Jahren auch keine Filme...;)

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  • Du wendest manchmal die gängigen Genre-Begriffe gar nicht in den üblichen Definitionsrahmen ein

    Welche sind das denn, deiner Meinung nach, hinsichtlich des Katastrophenfilms?

    Manche Sachen sind fließend wie z.B. Krimi und Thriller (speziell wenn du dann vom Film Noir sprichst),

    In der Tat sind sie fließend, aber trotzdem gibt es grundlegende Voraussetzungen um z.B. einen 'Noir' wirklich zu kennzeichnen.

    Bei Der Flug des Phoenix ist es einfach ein Flugzeug-Absturz, welches die Story in Gang bringt. Das macht diesen Film aber nicht zu einem Katastrophenfilm.

    Der Absturz als solches sicherlich nicht. Aber der Umgang damit innerhalb des Films und die Lösung, der Weg der Rettung sozusagen, dann durchaus.

    Das Genre wurde auch nicht in dieser Form erst in den 1970er erfunden - es gab früher schon ähnliche Filme wie San Francisco (1936) oder Es wird immer wieder Tag (1954).

    Das ist klar, aber trotzdem erlebte der Katastrophenfilm in den Siebzigern noch einmal einen großen Aufschwung und prägte letztendlich das gesamte Genre.

    Habe ich von Western gesprochen? Ich meine nicht.

    Das war auch nur als Beispiel dafür gemeint, dass Psychologisierung als Merkmal allein nicht ausreicht.

    Übrigens könnte man 'Quo Vadis' in den verschiedenen Varianten auch als Katastrophenfilm bezeichnen. Oder eben auch nicht. Noch einmal: es braucht eine Definition auf die wir uns hier verständigen können. Vielleicht machst du da mal einen Vorschlag.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Hier eine (für mich) Neuentdeckung.

    Bißchen schräg, mir eine so umfassende Box zuzulegen von einem Regisseur, von dem ich nichtmal den Namen kannte, nur aufgrund von Beschreibungen und Rezensionen und getrieben von Eigner Entdeckerlust. Aber wenn die anderen Filme so bildgewaltig, innovativ und fantastisch sind wie Fallen Angels mit dem ich dies hier heute eröffnete, dann hab ich nicht nur im Russischen Roulette gewonnen sondern eine fette beglückende Entdeckung gemacht - dann bin ich auf einen Schatz gestoßen. Welch ein intensiver, eigener und mitreißender Film! Autorenkino aus Hongkong, schon mit Versatzstücken aus dem da typischen Actionkino, aber so sehr ins Eigene, Surreale und Berührende gewendet, daß mir die Spucke wegblieb.


    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Dringendst zu empfehlen ist auch "In the mood for love", ist ja in der Box mit drin.

    In the Mood for Love – Wikipedia

    Zitat

    2016 landete In the Mood for Love bei einer Umfrage der BBC auf Platz zwei der 100 bedeutendsten Filme des 21. Jahrhunderts.

    Haupdarstellerin Maggie Cheung (siehe auch Cover) ist sowieso eine Wucht.

    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga

    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
    Drum leise, Freund, lass mich im Schlaf allein.
                       --- Michelangelo Buonarroti (dt. Nachdicht. J. Morgener)

  • Dringendst zu empfehlen ist auch "In the mood for love", ist ja in der Box mit drin.


    Der wird auch baldigst dran sein, allerdings werde ich Chungking Express vorziehen da er zum Fallen Angels eine Art Schwesterfilm / Vorläufer darzustellen scheint.

    Na, kommende Woche hab ich Urlaub und insofern Zeit. Es ist auch eine Disc in der Box mit massig Kurzfilmen des Regisseurs, das wird auch sehr interessant! Insgesamt: sehr sehr liebevoll gemacht das Ganze.


    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Plein soleil (1960) (der deutsche Titel ist wie so oft ziemlich albern)

    Ich kann mich an die Diskussion vor ein paar Monaten erinnern. Damals kannte ich den Film nur in einer schlechten Video-Version. Diesmal mit guter Bild- und Tonqualität und ich bin echt beeindruckt!

    Die Bildsprache ist besonders eloquent. Das Licht, die Farben ... Und die Art, wie ein Lächeln, ein Blick, ein Gesichtsausdruck, sei es von einer Person, die an der Handlung nicht beteiligt ist, eine Atmosphäre aufbauen, Bedenken aufkommen lassen.

    Die Art, wie die Verführungsszene zwischen Tom und Marge gefilmt wird, wie Alain Delons blaue Augen und Marie Laforêts "goldene Augen" (la fille aux yeux d'or) alle Schattierungen ausdrücken.

    Das Verhältnis von Tom und Philippe, wo sich homoerotische Anziehung, Machtverhältnisse, Neid ... vermischen, die Psychologie Toms, der sich vom Unterdrückten zum Manipulateur, zum Strippenzieher entwickelt .. bis Hochmut kurz vor dem Fall eintritt. Die Nebenpersonen wie die großartige Elvira Popesco oder Erno Crisa als Polizeiinspektor ... beinahe zwei Stunden, in denen die Spannung nicht nachlässt.

    Das Remake von 1999 ist gutes, sehr gutes Kino. Das hier ist großes Kino.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Gestern abend lief Hitchcocks Suspicion (Verdacht). Da ich diesen Film nicht kannte, war es natürlich ein um so grösseres Vergnügen. Cary Grant zu Beginn einfach ein smooth operator, dann allmählich unangenehm und zuletzt ein Mörder. Das ganze erzählt aus der Sicht von Joan Fontaine, hier absolut fantastisch. Und ja, er bringt sie mE dann später doch noch um. Erst erschien mir das Ende unbefriedigend, aber auf YT wurde uns ein kurzes Video zur Kontroverse und Deutung angeboten....und nach kurzem Nachdenken meine ich: es ist eindeutig. Er bringt sie nach Rückkehr irgendwie doch noch um. Den gesamten Film hindurch kann man eine Dynamik beobachten, die sich wiederholt, aber jedesmal ein wenig zuspitzt Sie geht so: er frisst 'was aus - sie verdächtigt ihn - er versucht sie zu beruhigen - sie nimmt es ihm ab - ihr Verdacht entpuppt sich bald als berechtigt - er kriegt sie dann aber irgendwie doch wieder rum. Eine kurze Weile später dasselbe in grün, nur um einen Grad verwerflicher.

    Genauso verstehe ich also auch das Ende. Er hat ihren Verdacht erst einmal ausgeräumt und sie fahren gemeinsam nach Hause. Aber ihr (und unser) Verdacht wird sich als berechtigt entpuppen. Ich entnehme das auch der Art, wie er ganz am Schluss im Auto seinen Arm um sie legt. Ein hervorragender Film!

  • Meines Wissens ist das Ende so zu verstehen, dass er sie nicht umbringt. Hitchcock wollte ihn am Schluss als Mörder haben (die von ihm gewünschte Schlussszene ist in dem fantastischen Hitchcock-Buch von Truffaut genau beschrieben), aber das Studio war dagegen, dass Grant einen Mörder spielt, und so musste das ursprünglich geplante Ende geändert werden. Aber vielleicht gibt es versteckte Hinweise, die auf Hitchcocks ursprüngliche Absicht hindeuten?

  • Ja, ich kenne nun seit gestern die Hintergründe....eben durch jenes YT Video, welches ich erwähnte. Mir ist es so, als ob Hitchock mit diesem relativ abrupten und auf ersten Biuck unbefriedigenden Ende (weil die Wende viel zu schnell und nicht überzeugend kommt) seine ursprüngliche Intention durchgesetzt hat. Versteckte Hinweise... ich meine sehr offensichtliche, wie zB wie Grant im Auto den Arm um sie legt, das sagte ich ja schon. Und ausserdem das gesamte Muster, welches ich erwähnte. Grant sagt ausserdem dazu passend selber im Schlussdialog dem Sinn nach, dass Menschen sich nicht ändern.

  • Da ich die meisten Hitchcocks als Kind gesehen habe, habe ich mir vermutlich auch beim späteren Wiedersehn meinen kindlichen Blick darauf bewahrt. Wahrscheinlich wollte auch ich als Kind (genau wie das Studio) Cary Grant nicht als Mörder sehen ;). Aber natürlich: Hitchcock wäre nicht Hitchcock, wenn seine ursprüngliche Absicht nicht zum Ausdruck käme.

  • Übrigens sieht man einen weiteren Hinweis in der Szene, in der der Freund sich am Bourbon verschluckt. Grants Miene ist sehr aufschlussreich, meine ich. Ich kannte den Film ja nicht und habe natürlich dann die ganze Zeit nach dieser Szene, wie wohl jeder andere auch, darauf gewartet, dass man mehr über death by Bourbon hören würde. Und siehe da.....Nur kann man das alles auch andersherum wegstecken, wenn man möchte. Das ist ja auch nicht falsch, sondern eben das typische und der Reiz an solchen Filmen, wo man absichtlich irregeführt wird. Oder davon ausgeht, dass man absichtlich irregeführt werden könnte. So bleibt man als Publikum auf der Hut. "Suspicion" eben.

    Aber es ist klar, dass Hitchcock ihn als Mörder wollte und den gesamten Film so angelegt hat. Nur das Ende wurde ihm dann nicht erlaubt. Insofern ist wohl alles klar, meine ich. Und eigentlich macht es den Film um so besser.

  • Zum talentierten Mr. Ripley soll es auf Netflix ein weiteres, neues filmisches Remake geben. Die Rezension auf spiegel.de (leider Paywall) liest sich sehr spannend.

    (S+) »Ripley« bei Netflix: Ein Monster wie von Caravaggio gemalt
    Wer das Licht kontrolliert, hat die Macht über die Welt: Die Literaturverfilmung »Ripley« erzählt mit Kunstsinn, wie ein Psychopath die Lüge inszeniert. Ein…
    www.spiegel.de

    maticus

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    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
    Drum leise, Freund, lass mich im Schlaf allein.
                       --- Michelangelo Buonarroti (dt. Nachdicht. J. Morgener)

  • Ich habe mir die Serie angeschaut. Sehr sehenswert, sowohl was die Schauspieler als auch die Regie und die Kamera angeht.

    Es wäre müßig , eine Serie mit den zwei Filmen zu vergleichen, da es zwei unterschiedliche Formate sind. Ich will keinem das Vergnügen der Entdeckung verderben, deshalb sage ich nur, dass das Schwarzweiß meisterhaft angewendet wird und dass eine (oder mehrere) weitere Staffeln möglich wären, was, wenn sie auf dem gleichen Niveau bleiben, eine filmische Umsetzung der "Ripliade" geben würde, worauf man sich freuen kann.

    Dicke Empfehlung meinerseits.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Danke, Philbert. Aber der Roman ist inhaltlich im wesentlichen mit dieser "1. Staffel" erfasst? Und ja, schwarz-weiss reizt mich besonders.

    maticus

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    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
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  • Danke, Philbert. Aber der Roman ist inhaltlich im wesentlichen mit dieser "1. Staffel" erfasst? Und ja, schwarz-weiss reizt mich besonders.

    Diese Staffel entspricht dem Roman The talented Mr Ripley.

    Ich selber weiß gar nichts über weitere Staffeln. Aber es gibt 4 weitere Ripley Romane und die ganze Ripliade aus einer Hand ist eine verführerische Vorstellung.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • die ganze Ripliade aus einer Hand ist eine verführerische Vorstellung.

    Indeed!

    maticus

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    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
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  • Im Kino hab ich ihn verpaßt, nun aber ist er hier.


    Wim Wenders, "A Perfect Day".


    Und er ist in meinen Augen großartig... Zur Thematik verweise ich auf den Film selbst. Wenders wandelt hier erkennbar auf den Spuren des von ihm so sehr verehrten Yasujiro Ozu. Erinnerte mich aber auch etwas an Jarmuschs "Petterson". In den ersten zwei Dritteln fast handlungsfrei und pseudodokumentarisch, dann bekommt der Film dich noch ein bißchen Dialog und Geschichte (was er garnicht gebraucht hätte). Bildgewaltig wie meist bei Wenders und von zarter Poesie und großer Humanität. Wie schön daß es in Zeiten die durch Superheldenfilme und krachender Überwältigungsästhetik so etwas noch gibt. Ich bin tief beglückt und werde ihn sehr oft schauen!


    :)

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    (Shunryu Suzuki)

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