• Die längere Diskussion zur Eignung von Daniele Gatti als Chefdirigent der Staatskapelle Dresden erscheint einen eigenen Thread wert.

    Die Moderation

    Daniele Gatti hat seit dem Jahre 2000 mehrfach sporadisch mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden zusammen gearbeitet.

    Heute steht er zum erstenmal als "designierter Chefdirigent" mit Gustav Mahlers 9. Symphonie am Pult des Traditionsorchesters.

    Im Ohr haben wir noch seine Interpretation vom Leipziger Mahler-Festival 2011, damals mit den Wiener Philharmonikern im Gewandhaus.

    Mithin sind wir recht gespannt!

    Einmal editiert, zuletzt von Wieland (12. Juli 2022 um 17:44)

  • Wenn ich eine Chefdirigentenentscheidung europäischer Spitzenorchester der letzten Jahre so gar nicht nachvollziehen kann, dann diese.

    Danke, Stimmenliebhaber, mir geht es genauso.

    Darf ich fragen mit welchem Repertoire, welchem Orchester und zu welchem Zeitpunkt ihr Gatti in den letzten 10 Jahren erlebt habt? Dann könnte ich mir unter euren Bemerkungen etwas genaueres vorstellen.

    Ich habe ihn als einen der "besseren" Dirigenten in Erinnerung. Er hat allerdings 2 Opern dirigiert....ich glaube es waren Puritani und Capuleti. Beides war sehr gut, also von der Perspektive eines Orchestermusikers aus. Wie gesagt, er war einer der besseren. Und ich vermute das Orchester in Dresden hat ihn sich ausgesucht - will damit sagen: eventuell wirkt er eben auf ein Orchester anders und besser als auf individuelle Personen im Publikum.

    Aber meine Eindrücke sind um 1995 herum entstanden, also ist es alles sehr lange her. Live und als Publikum habe ich ihn seitdem nicht erlebt.

  • Ich habe Gatti zuletzt als Dirigenten der wunderbaren "Meistersinger"-Produktion von Stefan Herheim wahrgenommen, allerdings nur am TV. Basierend darauf möchte ich mich stimmenliebhaber und Ekke anschließen und mich ebenfalls fragen, was diese Berufung motiviert haben könnte. Gatti agierte seinerzeit reichlich uninspiriert, das war musikalisch wahrlich keine Offenbarung (schade, da Sänger und Inszenierung toll waren).

    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Vielen Dank, Symbol - und hättest du ein Beispiel für eine wirklich inspiriert dirigierte Vorstellung oder ein Konzert, welches eine musikalische Offenbarung für dich war (um deine eigenen Worte zu benutzen)? Ist eine ernstgemeinte Frage.

    Es kommt nämlich bei mir nur sehr selten vor, dass ich so etwas erlebe und deshalb ist es so, dass ich schon einigermassen zufrieden bin, wenn die Sänger nicht gestört werden.

  • Vielen Dank, Symbol - und hättest du ein Beispiel für eine wirklich inspiriert dirigierte Vorstellung oder ein Konzert, welches eine musikalische Offenbarung für dich war (um deine eigenen Worte zu benutzen)? Ist eine ernstgemeinte Frage.

    Um mal bei Wagner zu bleiben: Der "Tristan" unter dem Dirigat von Thielemann in Bayreuth (Regie Katharina Wagner) war klasse. Positiv überrascht war ich von Hartmut Haenchen als Dirigent des "Parsifal" am gleichen Ort, das war musikalisch hervorragend - leider war die Inszenierung von Laufenberg ein Reinfall.

    LG :wink:

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  • Man hat fast immer an einer Stelle Abstriche zu machen. Dass wirklich alle Elemente von allen im Publikum als umwerfend gut empfunden werden, kommt selten vor. Beim Bayreuther Tristan war ja Petra Lang als Isolde umstritten, beim Parsifal die Inszenierung und bei den Salzburger Meistersinger eben Gatti. (Und übrigens gab es da auch zu den Sängern sehr auseinandergehende Berichte). Ich muss mir seinen MET 2013 Parsifal nochmal anhören. Ich habe es so in Erinnerung, dass ich ihn dort auch nicht "inspririerend" fand, aber insgesamt diesen Parsifal sehr erfolgreich wegen der Sänger und der Inszenierung (habe ich nur auf YT gesehen).

    Ein weiteres Beispiel: Ich habe Anfang 2020 in der DOB Jenufa angesehen und fand das Dirigat (Runnicles) und das Orchesterspiel uninspiriert und blass (aber nicht störend oder schlecht), aber insgesamt war es ein wirklich ausgesprochen beeindruckender Abend, was an den Sängern und der Inszenierung lag. Ich erinnere mich immer noch mit Freude daran. Das Dirigat und das Orchester haben wohl doch irgendwie die ganze Sache zum Tragen gebracht.

    Allerdings fällt bei Sinfoniekonzerten ja dann die Bühne weg und dann ist es schlecht, wenn ein Dirigent nicht inspiriert.

  • ....oder auch den Fidelio in London, März 2020, unter Pappano. Gesungen haben Davidsen und Kaufmann, Regie Tobias Kratzer. Alle war super, bis auf das, was aus dem Graben kam, Es war mir zu lahm. Nicht schlecht, sondern eben blass. Aber insgesamt war es ein toller Abend, der mir viel Freude bereitet hat und an den ich immer noch denke.

  • Diese Betrachtungen vermögen nicht so recht von der Frage abzulenken, was denn nun die Berufung von Gatti in Dresden motiviert haben könnte. Hatte jemand hier im Forum mal ein ausgesprochen positives Opern- oder Konzerterlebnis mit ihm?

    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Ja ich. Sehr lange her, wie gesagt. I Puritani und noch eine Bellini Oper. Er hat gut geprobt und gut dirigiert, darüber war man sich im Orchester einig. Er erschien als musikalisch sehr feinfühlig und er suchte nach einem bestimmten Klang. Und aus Bellini was Interessantes zu machen, ist auch nicht einfach.

    Natürlich ist das eine einseitige Erfahrung, denn ich habe ihn nur mit einem Komponisten und nur in der Oper und nicht als Publikum erlebt.

    Gerade habe ich mir die ersten 20 Minuten einer live Aufnahme mit seinem Sacre angehört - durchaus hörenswert. Und ich bemerke wieder diese Feinfühligkeit. Morgen höre ich nochmal genauer hin.

    Diese Betrachtungen vermögen nicht so recht von der Frage abzulenken, was denn nun die Berufung von Gatti in Dresden motiviert haben könnte.

    Ganz einfach. Ihr kennt seine Qualitäten nicht ausreichend. Und wenn ihr blind hören würdet....wer weiss :) . Wenn ich nicht völlig spinne, kann ich mir gut vorstellen, warum die Dresdner ihn wollen. Passt doch perfekt. Aus einer Kombination von Gründen.

  • Ganz einfach. Ihr kennt seine Qualitäten nicht ausreichend.

    Das mag ja sein, aber erstens gibst du selbst zu, dass Deine Kenntnis seiner Qualitäten auf lange zurückliegenden Begegnungen beruht, und zweitens gibt es gleich mehrere Forianer, bei denen die Qualitäten beim Zuhören irgendwie nicht so richtig angekommen sind.

    LG :wink:

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  • Drei Forianer, die Gatti hier und da mal erlebt haben. Aber haben sie genau hingehört? Oder eventuell eine Sicht von den Stücken, die geboten wurden, von der sie nicht herunterkommen wollen? Oder war es wirklich nix? Ich bin mir da gar nicht so sicher, wenn ich mir ansehe, was diejenigen sonst hier schreiben. Und das meine ich nicht abfällig, sondern ich bemerke einen Trend in ihrem Geschmack (Ekke) und in ihrer Einstellung (Du und Stimmenliebhaber). Und wie oft - und das weiss doch jeder hier - kann ein Künstler mit einer Sache nicht überzeugen und mit einer anderen doch.

  • Mit Gatti und der Dresdner Staatskapelle?

    Nein, nur mit den Berliner und Wiener Philharmonikern, aber jetzt wird sicher alles anders...

    und diese Bemerkung suggeriert doch in etwa, dass der Herr Forianer Herrn Gatti schon sehr oft erlebt hat und es immer eine absolute Katastrophe war. Aber wie oft hat Gatti denn mit den Berlinern und den Wienern gearbeitet? Und war Stimmenliebhaber immer dabei? Streams mag er ja nicht, sagte er hier im Forum irgendwo, also muss er bei Opern zumindest immer im Haus gewesen sein. Und wenn Gatti doch so mies ist, warum haben diese Orchester in so oft engagiert, dass Stimmenliebhaber so ironisch davon sprechen kann, dass "jetzt sicher alles anders wird"?

    Stimmenliebhaber kann natürlich seine Meinung haben, aber ich denke mir meinen Teil dazu.

  • Positiv überrascht war ich von Hartmut Haenchen als Dirigent des "Parsifal" am gleichen Ort, das war musikalisch hervorragend - leider war die Inszenierung von Laufenberg ein Reinfall.

    Volle Zustimmung zumindest zum ersten Teil. Ich glaube, ich habe noch nie so ein hervorragendes "Parsifal"-Dirigat gehört wie das von Hartmut Haenchen. Das hat mich richtig gepackt.

    Auch fand ich die Inszenierung - com grano salis - gut und einfallsreich. Ich konnte schon damals das Laufenberg-bashing nicht nachvollziehen. Mir gefiel diese Inszenierung besser als die von Stefan Herheim :versteck1:

    Die war mir viel zu überbebildert.

  • Hatte jemand hier im Forum mal ein ausgesprochen positives Opern- oder Konzerterlebnis mit ihm?

    In Bayreuth der bewußte Herheim-"Parsfal". Ich hatte nicht wirklich etwas auszusetzen. Die Tempi waren breit (das waren sie bei James Levine allerdings auch), aber trotzdem spannungsvoll. Vielleicht kann man bemängeln, daß das Dirigat etwas zu glatt wirkte, er hat zu wenig Akzente gesetzt. Das war meine Wahrnehmung.

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