Austausch über Höreindrücke von Sängerjubilaren

  • Das ist bei Frauen, die von Mezzo oder gar Alt ins Sopran-Fach gehen, auch häufig so, dass sie in dem Maße, die sie an Höhe gewinnen, plötzlich auch an Tiefe verlieren.

    Die Ludwig hat mal erzählt, dass sie für jeden Halbton in der Höhe ein Jahr Unterricht brauchte, auch damit ihre Tiefe nicht verloren geht. Diese Lagenwechsel sind ja immer ein gewisses Problem, Melchior ist da sicherlich die große Ausnahme. Interessant, dass Elming trotz der vernachlässigten Tiefe in der Höhe auch nicht immer sicher war. Der Schluss der 'Walküre' war schon ein Problem für ihn. Ok, nicht nur für ihn. ^^

    Über die Klangschönheit eines Timbres kann man ja nun streiten, weil es jeder anders hört. In der Gesamtbeurteilung teile ich die Meinung von Stimmenliebhaber, dessen langes Posting ich komischerweise gestern übersehen habe. Aber wir sind uns wohl alle einig, dass Elming dann doch einer von so vielen Sängern ist, die für kurze Zeit aufblühten, im Gespräch waren, auch gebucht wurden und die dann ganz schnell wieder in der Versenkung verschwanden.

    Im Hamburger Ring (Albrecht/Krämer) aus dieser Zeit wurde als Siegmund eine tenorale Sensation angekündigt: John Keyes. Weder überzeugte er in der Premiere und den Nachfolgevorstellungen, noch hat er, so weit ich weiß, irgendeinen Fußabdruck hinterlassen. Die Liste dieser Mini-Karrieren ist unendlich lang. Und Elming gehört wohl auch dazu.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Es ist jetzt schon eine Weile her, aber ich denke, das kann man noch gelten lassen:

    Am 6. März diesen Jahres hat der Bass Siegfried Vogel seinen 85. Geburtstag gefeiert.

    Ich habe ihn m.W. nur einmal live erlebt und zwar als Osmin. Im Festspiele Forum lernte ich seine Frau kennen, die mir viele Aufnahmen ihres Mannes zukommen ließ. Und so lernte ich ihn kennen und schätzen. Er hat viele große Bass-Partien gesungen und war weltweit unterwegs.

    Was ich all diesen Aufnahmen entnommen habe (Videos und CDs), daß Siegfried Vogel ein ausgesprochener Schönsänger ist, was ihn für noble und vornehme Rollen prädestiniert hat, z.B. war er ein wunderbarer Hans Sachs. Auch war er ein hervorragender Schauspieler mit komödiantischem Talent. Da habe ich eine Aufnahme mit ihm als Basilio, da ist er einfach herrlich.

    Nicht so gepaßt hat er für die Bösewichte, wie z. B. den Kaspar im "Freischütz". Dafür fehlte ihm die entsprechende Bösartigkeit, die Stimme ist zu edel dafür.

    Dies Kostprobe, die ich habe, kennt vielleicht der eine oder die andere von Euch bereits:

    Siegfried Vogel - sein letzter Berliner Hans Sachs (Video-Szenen, 5.11.1995 mit Pape, Schulte u.a.)
    Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg (Szenen/VIDEO/StOB 5.11.1995 Young - Gustafson, Lang; Vogel, Pape, Schulte, Orth, A. Schmidt, Suhonen, Youn u.a.) Zum ...
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    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Aber wir sind uns wohl alle einig, dass Elming dann doch einer von so vielen Sängern ist, die für kurze Zeit aufblühten, im Gespräch waren, auch gebucht wurden und die dann ganz schnell wieder in der Versenkung verschwanden.

    Da ist wohl so. Insgesant sang er dieses Fach nicht viel länger als ein Jahrzehnt, irgendwann wurden es dann wieder Wurzen in Kopenhagen.

    Ich habe das Wiener Video übrigens auch deshalb ausgesucht, weil ihn das im Standbild zeigt. Ich denke, dass ihm seine schlanke Erscheinung sehr karriereförndern war. Wolfgang Wagner besetzte ja ohnehin gere mehr mit den Augen als mit den Ohren. Sänger wie Klaus König oder Heinz Kruse hatten bei ihm keine Chance, auch wenn die stimmlich mindestes genauso gut waren wie Elming, nein, eigentlich klar besser.

    Am 6. März diesen Jahres hat der Bass Siegfried Vogel seinen 85. Geburtstag gefeiert.

    Ja, das stimmt. Aber inzwischen ist Mitte/Ende Juli und diese Rubrik ist für aktuelle Sängerjubilare gedacht, möglichst tagesaktuelle.

    Ich habe ihn m.W. nur einmal live erlebt und zwar als Osmin.

    Erstaunlich, denn gerade diese Rolle hat er nun nachweislich nie gesungen (obwohl die fälschlicherweise bei Kutsch/Riemens auftaucht).

    z.B. war er ein wunderbarer Hans Sachs.

    Das war zweifellos so, habe ich in zweistelliger Zahl live erlebt.

    Auch war er ein hervorragender Schauspieler mit komödiantischem Talent.

    Auch das war zweifellos so, deshalb lagen ihm die Straussschen Charakterrollen wie Ochs, Waldner Morosus und La Roche ganz besonder gut.

    daß Siegfried Vogel ein ausgesprochener Schönsänger ist, was ihn für noble und vornehme Rollen prädestiniert hat

    Er konnte durchaus sehr edel singen, war vielelicht in früheren Jahren sogar so etwas wie ein "Schönsänger", er konnte aber auch richtig "dreckig" singen. Das schwere Wagner-Fach hat er sich mit viel Kraft ertrotzt, das ging teilweise dann auch auf kosten seines einst so "sonnigen" Timbres, das aber gerade bei seinen vielen geglückten Höhenpianostellen immer wieder aufblitzte.

    Nicht so gepaßt hat er für die Bösewichte, wie z. B. den Kaspar im "Freischütz". Dafür fehlte ihm die entsprechende Bösartigkeit, die Stimme ist zu edel dafür.

    Kann ich so überhaupt nicht bestätigen, aheb ich als Kaspar häufig in der Berliner Berghaus-Inszenierung erlebt und sehr genossen, mehr als jeden anderen in dieser Inszenierung. Da war er auch alles andere als ein "Schönsänger". Das war Anfang/Mitte der 1990er Jahre, die Studioarie gibt das nicht wieder, die ist um 1970 entstanden.

    Aber nun nochmal zur Klarstellung: Es soll in dieser rubrik um einen Austausch von Höreindrücken zu ausgewählten Tonbesispielen von tagesaktuellen Sängerjubilaren (Geburtstag oder Todestag) gehen. Zu Siegfried Vogel kann man gerne eine eigene Rubrik eröffnen, wenn es noch keine gibt.

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Ich denke, dass ihm seine schlanke Erscheinung sehr karrierefördernd war.

    :top:

    Was aber noch wieder ein ganz anderen Faden eröffnen würde. ;)

    :wink:Wolfram

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  • Aber nun nochmal zur Klarstellung: Es soll in dieser rubrik um einen Austausch von Höreindrücken zu ausgewählten Tonbesispielen von tagesaktuellen Sängerjubilaren (Geburtstag oder Todestag) gehen.

    Okay, das habe ich jetzt verstanden. Hattest Du das irgendwo geschrieben? Dann habe ich es überlesen.

    Erstaunlich, denn gerade diese Rolle hat er nun nachweislich nie gesungen (obwohl die fälschlicherweise bei Kutsch/Riemens auftaucht).

    Da muß ich nochmal nachfragen. Ich meine, ich hätte ihn in München als Osmin gehört, kann mich aber auch täuschen.

    Kann ich so überhaupt nicht bestätigen, aheb ich als Kaspar häufig in der Berliner Berghaus-Inszenierung erlebt und sehr genossen, mehr als jeden anderen in dieser Inszenierung. Da war er auch alles andere als ein "Schönsänger".

    Das kann natürlich am puren Höreindruck liegen. Ich habe die Arie "Schweig, schweig, damit dich niemand warnt" nur auf CD. Und da war es eindeutig so wie von mir beschrieben. Für den Kaspar viel zu edel.

    Das war Anfang/Mitte der 1990er Jahre, die Studioarie gibt das nicht wieder, die ist um 1970 entstanden.

    Dann wird es diese Aufnahme sein.

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  • Das findet sich auch in der Tube:

    Lieber "Quasimodo", ich habe mir Elmings Bayreuther Schwertmonolog jetzt auch angehört und angesehen.

    Und das ist viel, viel besser!

    Ja und nein. Die technische Qualität der Aufnahme ist natürlich viel besser, so sehr, dass beides kaum vergleichbar ist. Es ist die professionelle Videoaufzeichnung dieser Inszenierung - im leeren Festspielhaus. die Tonspur dazu ist quasi unter Studiobedingungen entstanden. Gemessen an dieser Professionalität bin ich vom rein gesanglichen Ergebnis eigentlich noch enttäuschter. Ja, der Beginn "Ein Schwert" ist hier besser, aber bei "verhieß" ist dann gleich ein massives Klangloch, die Phrase läuft klanglich überhaupt nicht gleichmäßig durch. Die dünne Tiefe stört mich hier beinahe noch mehr als beim Wiener Mitschnitt, aber noch viel mehr stören mich hier auch etliche klanglich völlig unausgegorene Töne in der Mittellage - gute Aufnahmetechnik legt eben auch noch schonungsloser Schwächen frei.

    Weshalb er hier vielleicht dennoch überzeugender wirkt: Weil man ihn hier auch sieht! Und genau deshalb sind beide Aufnahmen nicht seriös miteinander zu vergleichen.

    Da es mir hier um einen Austausch über HÖR-Eindrücke geht, schlage ich vor, in dieser Rubrik auf Videos möglichst ganz zu verzichten. Otto Normaloperngänger hört heute ohnehin schon viel mehr mit den Augen als mit den Ohren, davon wollen wir uns doch angrenzen. Also bitte möglichst keine Videos hier, sondern entweder Audio-Live-Mitschnitte oder Studioaufnahmen, am besten einzelne Arien, zumindest sollen hier in dieser Rubrik keine kompletten Partien betrachtet werden. Es wird sicher bald tagesaktuelle Jubilare geben, wo es Studio-Arien gibt, die mancher dann vielleicht auch zu Hause als CD im Regal stehen hat oder auch bei Spotify nachhören kann. Trotzdem sollte die "Tube" schon eine gemeinsame Grundlage für diese Rubrik sein - und eben möglichst eine Beschränkung auf Audioaufnahmen. :wink:

    (Bin schon ganz gespannt, welche Sängerjubilare der morgige Tag bringt.)

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Über die Klangschönheit eines Timbres kann man ja nun streiten, weil es jeder anders hört. In der Gesamtbeurteilung teile ich die Meinung von Stimmenliebhaber, dessen langes Posting ich komischerweise gestern übersehen habe. Aber wir sind uns wohl alle einig, dass Elming dann doch einer von so vielen Sängern ist, die für kurze Zeit aufblühten, im Gespräch waren, auch gebucht wurden und die dann ganz schnell wieder in der Versenkung verschwanden.

    Ja, das ist wohl so, da sind wir uns in der Tat alle einig. Damit ist seine Position in der Operngeschichte auch ganz gut beschrieben. Aber das heißt ja nicht, dass er schelcht gewesen wäre. Elming war, auch da waren wir uns ja eigentlich alle einig, in den paar Jahren, in denen er überall für diese Rolle gebucht wurde, kein schlechter Siegmund, sondern hat seine Sache gut gemacht. Nur sonderliche Spuren hat er damit nicht hinterlassen, weil jede Generation eben ihre Sänger hat, die ihre Sache gut machen in diesen Rollen und den Zuhörerinnen und Zuhörern einen schönen Opernabend.

    Mir ist noch aufgefallen, dass du, lieber Wolfram, andernthreads halb scherzhaft geschrieben hast, dass Wolfgang Windgassen "fast wie der Großvater von Klaus Florian Vogt klingt". Der Vergleich fiel ja auch hier bei Elming. Da kann man vielleicht durchaus eine Traditionslinie heller, klarer, "unheldischer" Stimmen im Heldenfach ausmachen, jeweils im klassischen Generationenabstand von dreißig Jahren: 1960 Wolfgang Windgassen, 1990 Poul Elming, 2020 Klaus Florian Vogt.

    Da es mir hier um einen Austausch über HÖR-Eindrücke geht, schlage ich vor, in dieser Rubrik auf Videos möglichst ganz zu verzichten. Otto Normaloperngänger heute heute ohnehin schon viel mehr mit den Augen als mit den Ohren, davon wollen wir uns doch angrenzen. Also bitte möglichst keine Videos hier, sondern entweder Audio-Live-Mitschnitte oder Studioaufnahmen, am besten einzelne Arien, zumindest sollen hier in dieser Rubrik keine kompletten Partien betrachtet werden. Es wird sicher bald tagesaktuelle Jubilare geben, wo es Studio-Arien gibt, die mancher dann vielelicht auch zu Hause als CD im Regal stehen hat oder auch bei Spotify nachhören kann. Trotzdem sollte die "Tube" eine gemeinsame Grundlage für diese Rubrik sein - und eben möglichst eine Beschränkung auf Audioaufnahmen.

    Ich kann den Vorschlag verstehen, auf Videos zu verzichten. Aber Videos haben auch eine Tonspur. Um genau hinzuhören, lese ich nach Möglichkeit ohnehin die Noten mit, da ist mir egal, ob das YouTube-Video ein bewegtes Bild hat oder nicht. Ich würde also sagen: Ob mit oder ohne Video, ob live oder Studio - alles ist willkommen! Nur eine konkrete Arie sollte es schon sein, sonst verzetteln wir uns hier, denn erstens hört sich niemand spontan eine ganze Oper an und zweitens braucht es für den Austausch von Höreindrücken die Aufmerksamkeit aufs Detail.

    (Bin schon gespannt, welche Sängerjubilare der morgige Tag bringt.)

    Ich habe schonmal im "Historischen Kalender" geguckt: Da stehen einige Leckerbissen zur Auswahl!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Zunächst einmal finde ich den Ausschnitt überzeugender, aber es ist natürlich richtig, das sind quasi Studio-Bedingungen und dann relativiert sich wieder manch Gehörtes. Die Phrasenenden finde ich oft nicht richtig ausgesungen (Atem?), 'lustig lacht' da gar nichts, ein 'nächtliches Dunkel' findet auch nicht statt, eine Betonung auf 'selig' wäre schön und so weiter.

    Da es mir hier um einen Austausch über HÖR-Eindrücke geht, schlage ich vor, in dieser Rubrik auf Videos möglichst ganz zu verzichten.

    Kann ich verstehen, wird aber schwer werden, da nicht jeder jeden Sänger CD-mäßig zur Verfügung hat. Zum Glück gibt es genügend Tuben-Videos, die nur ein Standbild haben, aber im Zweifelsfall sollten wir die anderen vielleicht trotzdem zulassen, immer unter dem Gesichtspunkt, dass hier die Optik mitspielt.

    :wink:Wolfram

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  • Da kann man vielleicht durchaus eine Traditionslinie heller, klarer, "unheldischer" Stimmen im Heldenfach ausmachen, jeweils im klassischen Generationenabstand von dreißig Jahren: 1960 Wolfgang Windgassen, 1990 Poul Elming, 2020 Klaus Florian Vogt.

    Die Traditionslinie gibt es mit Sicherheit und gleichzeitig das 'Aussterben' wirklicher Heldentenöre, wofür es verschiedenartigste Erklärungen gibt. Aber das ist sicherlich ein Tema für einen Extra-Thread.

    :wink:Wolfram

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  • Ich kann den Vorschlag verstehen, auf Videos zu verzichten. Aber Videos haben auch eine Tonspur. Um genau hinzuhören, lese ich nach Möglichkeit ohnehin die Noten mit, da ist mir egal, ob das YouTube-Video ein bewegtes Bild hat oder nicht. Ich würde also sagen: Ob mit oder ohne Video, ob live oder Studio - alles ist willkommen!

    Ich glaube dir das sogar, dass du die Noten mitliest und nicht auf das Bild schaust. Ich glaube aber nicht, dass das für alle gilt. ;)

    Bei Vorsingen an Theatern schaut die "Jury" in der Regel nicht in die Noten, sondern schon auf den Sänger. ^^

    Insofern bleibe ich bei meiner Bitte, in dieser Rubrik, die dem Auftausch von Höreindrücken gilt, möglichst zu verzichten, damit das Bild nicht vom Ton ablenkt. Ein Video-"Verbot" gibt es aber natürlich nicht. :wink:

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Nachdem gerade im "Historischen Kalender" die Sänger mit heutigem Gedenktagtag aufgelistet, wurden, entscheide ich mich wieder für einen Herren aus dem Norden, stimmlich allerdings aus tieferen Gefilden und mit einem ganz anderen Komponisten, nämlich Mozart statt Wagner:

    Der finnische Bass Martti Talvela, heute vor 33 Jahren viel zu früh gestorben, singt die erste Sarastro-Arie "O Isis und Osiris":

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    Auch wenn ich die Arie gerade schon einmal gehört habe, möchte ich den Austausch nicht wieder eröffnen, sondern warte jetzt einmal ab, ob jemand anderes zuerst seine Höreindrücke schildern möchte. Im Laufe des heutigen Freitags werde ich aber auf alle Fälle meine Höreindrücke dazu äußern. :wink:

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Dann übernehme ich mal den zweiten Diskussionsanstoß. Aus den Sängerinnen und Sängern, an die heute im Historischen Kalender erinnert wird, habe ich mir Marianne Schech ausgesucht.die heute vor 23 Jahren verstorben ist.

    Einige kurze biographische Eckdaten: Marianne Schech war eine Försterstochter aus dem Oberbayerischen, geboren 1914, aufgewachsen in Bayrischzell nahe der deutsch-österreichischen Grenze, Gesangsausbildung in München, Debüt 1937 in Koblenz, dann Stück für Stück immer größere Theater: nach zwei Jahren in Koblenz zwei Jahre in Münster, drei Jahre in Düsseldorf, sieben Jahre in Dresden, dann 1951 der Wechsel zurück nach Bayern, an die Staatsoper in München, an der sie zwanzig Jahre lang große Rollen sang und eine Stütze des Ensembles war. Nach dem Rücktritt von der Bühne erhielt sie eine Gesangsprofessur an der Münchener Musikhochschule, 1999 ist Marianne Schech in München verstorben und in Bayrischzell bestattet worden.

    Ihre Aufnahmen stammen fast ausnahmslos aus den 1950er Jahren, in diesem Jahrzehnt ist sie aber auch zu einigen repräsentativen Studioaufnahmen herangezogen worden, so als Erste Dame in der "Zauberflöte" unter Fricsay, als Chrysothemis in "Elektra" unter Karl Böhm, als Venus im "Tannhäuser" unter Franz Konwitschny, als Senta im "fliegenden Holländer" unter dem gleichen Dirigenten. Unter dem hier zuletzt viel diskutierten Hans Knappertsbusch in Münchner Live-Mitschnitten der "Götterdämmerung" als Dritte Norn sowie als Marschallin im "Rosenkavalier" zu hören.

    Ich habe aber eine Aufnahme ausgesucht, die ich schon lange habe - und lange nicht mehr gehört habe. Es handelt sich um eine Studioaufnahme von Wagners "Tannhäuser" aus dem Jahr 1951, dem Jahr, in dem Marianne Schech von Dresden nach München wechselte. Robert Heger dirigiert Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper, neben der Schech singen in den Hauptrollen August Seider, Otto von Rohr, Karl Paul und Margarethe Bäumer: Keine Starbesetzung, eher ein Dokument der Wagnerpflege und der Ensemblequalität an den großen deutschen Bühnen in der unmittelbaren Nachkriegzeit. Ich habe die Aufnahme irgendwann in der Oberstufenzeit beim Bücherbasar der Stadtbibliothek für den sprichwörtlichen Appel und Ei gekauft, seitdem häufig gehört, in den letzten Jahren ist sie aber durch immer neue, aktuellere Mitschnitte irgendwie aus meinem Bewusstsein geraten. Ich weiß aber noch, dass ich sie 2013 zum Wagnerjubiläum, als ich mich viel mit Wagners Opern beschäftigt habe, hervorgeholt und konzentriert gehört habe und dass ich da von Marianne Schech als Elisabeth hellauf begeistert war. Hält die Erinnerung der Wiederbegegnung und der kritischen Überprüfung statt? Probieren wir es aus. Kurz vor Minute 59 beginnt der zweite Akt, der Vorhang öffnet sich, Marianne Schech betritt als Elisabeth mit der berühmten "Hallenarie" die Klangbühne:

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  • Sehr schön, dann haben wir heute, am zweiten Tag des Bestehens dieser Rubrik, schon zwei konkrete Aufnahmen von Sängerjubilaren, zu denen man sich äußern kann. :)

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Der finnische Bass Martti Talvela, heute vor 33 Jahren viel zu früh gestorben,

    Es war damals wirklich auch ein große Schock für uns. Talvela konnte man häufiger in der Hamburger Staatsoper erleben, u.a. als Boris, aber, wenn mich nicht alles täuscht, habe ich ihn als Sarastro nie live gehört. Bin sehr gespannt, aber werde mich wohl erst einmal Marianne Scheck zuwenden.

    habe ich mir Marianne Schech ausgesucht.die heute vor 23 Jahren verstorben ist.

    Ich habe aber eine Aufnahme ausgesucht, die ich schon lange habe - und lange nicht mehr gehört habe.

    Das geht mir bei der Aufnahme genauso. Ich habe sie v.a. aus dem Holländer und von einigen Strauss-Partien in Erinnerung. Bin sehr gespannt auf ein Wiederhören als Elisabeth.

    :wink:Wolfram

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  • Im Vorspiel wundere ich mich schonmal über die ziemlich plärend klingende Oboe - das hätte ich von einem deutschen Orchester der 1950er anders erwartet...

    Einsatz der Sängerin: Ja, wirklich eine schöne runde, jugendlich klingende Stimme, sehr gute, klare Aussprache.

    Irgendwie klingt das in der ganzen Anmutung wohlig altmodisch, ohne dass ich genau sagen könnte, woher dieser Eindruck kommt? Ist es die Aussprache? Ist es irgendetwas an der Art der Tonproduktion?

    Das Vibrato bei den langen Haltetönen ist für meinen Geschmack grenzwertig, aber wenn es so gut kontrolliert ist wie hier und die Stimme einen jungen, schönen Klang hat, kann ich damit leben. Kann es sein, dass Schech Töne manchmal (oder sogar ziemlich oft) von unten "anschleift"? Sowohl die tiefe als auch die hohe Lage sehr schön rund und klangvoll... gut, das hohe H kurz vor dem Ende der Arie hätte es nicht gebraucht.

    So, die kurze Arie ist zu Ende. Mein Fazit: Ja, ich finde die Arie wirklich noch so gut, wie ich sie in Erinnerung hatte: Eine schöne Stimme mit einem angenehmen, jugendlichen Timbre, beseeltes Singen (ist es das, was den etwas altmodischen Eindruck macht?), gute musikalische Gestaltung - ich finde da erstmal nichts zu meckern und bin glücklich.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • sieben Jahre in Dresden, dann 1951 der Wechsel zurück nach Bayern

    aus dem Jahr 1951, dem Jahr, in dem Marianne Schech von Dresden nach München wechselte.

    Merkwürdig, ich lese das auch bei Wikipedia, dass Marianne Schech von 1944 bis 1951 in Dresden gewesen sein soll. Ich kann das kaum glauben, da ich mich intensiv mit den Nachkriegsbesetzungen der Dresdner Oper beschäftigt habe und nie auf ihren Namen gestoßen bin. Welche Partien soll sie denn in Dresden gesungen haben? Oder sang sie da noch unter anderem Nachnamen? ?(

    In den Premierenbesetzungen der Jahre 1945 bis 1949 taucht auch keine andere Marianne auf...

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Sehr schön, dann haben wir heute, am zweiten Tag des Bestehens dieser Rubrik, schon zwei konkrete Aufnahmen von Sängerjubilaren, zu denen man sich äußern kann. :)

    Oh, da haben sich unsere Beiträge überschnitten. Ich habe an meinem ein paar Minuten länger getippt... als ich angefangen habe, gab es deinen noch nicht. ^^

    Aber ich finde auch, es macht gar nichts, wenn wir jetzt zwei Diskussionseröffnungen hier stehen haben. Talvela höre ich mir gerne an, der Mann ist eine Legende und Legenden kann man ja durchaus mal ab und zu auf den Prüfstand stellen. Aber das hebe ich mir für morgen auf: Von der Halle der Wartburg direkt rüber in den Tempel von Isis und Osiris - das ist mir jetzt ein zu harter Kulturschock. ;)

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  • Hier die Musiktheater-Ensemblemitglieder in Dresden mit Stand vom 31.12.1947 laut offiziellem Jahrbuch des Hauses (Gestaltung und Gestalten):

    Kommissarischer Generalintendant: Karl von Appen

    STAATSOPER

    Generalmusikdirektor Prof. Joseph Keilberth

    Oberspielleiter: Prof. Heinz Arnold

    Ausstattungschef: Karl von Appen

    Dramaturg: Dr. Günter Haußwald

    Kapellmeister: Hans Löwlein, Willi Hübner

    Spielleiter: Heinrich Tessmer

    Darstellende Mitglieder:

    Damen: Christel Goltz, Inger Karén, Angela Kolniak, Ruth Lange, Lisa Otto, Elisabeth Reichelt, Helena Rott, Elfride Trötschel, Elfriede Weidlich

    Herren: Bernd Aldenhoff, Kurt Böhme, Gottlob Frick, Josef Herrmann, Manfred Huebner, Johannes Kemter, Hans Löbel, Heinrich Pflanzl, Arno Schellenberg, Heinrich Tessmer, Karl-Heinz Thomann, Martin Tietze, Erich Zimmermann

    Ständige Gäste: Margarete Teschemacher, Hans Hopf, Werner Liebing, Helmut Schindler, Horst Taubmann

    Mitglieder der Staatskapelle: 108 Herren

    Opernchor: 30 Herren, 39 Damen, Chordirektor: Ernst Hintze

    Auch in den Jahren davor in danach taucht Marianne Schech in den Dresdner Opernjahrbüchern nicht auf.

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Ich fang mal an mit der Schech. Ehrlich, das ist irgendwie Hausmannskost, um mal böse zu sein. Abgesehen von Schärfen in der Höhe, bietet sie eine ausgesprochen schöne Mittellage, aber auch eine Tiefe, die nicht sonderlich beeindruckend ist, wobei diese hier auch nicht besonders gefragt ist.

    Aber es ist v.a. eine Interpretation, die doch sehr in die 50iger Jahre passt, in das damalige Mittelmaß. Das bedeutet vielleicht sogar mehr als für andere Jahrzehnte, weil das sängerische Niveau und die Bandbreite großer Sängerpersönlichkeiten damals so reichhaltig war, aber nach diesem Wiederhören frage ich mich wirklich, warum sie durchaus für namhafte Studio-Produktionen gebucht wurde.

    Noch einmal, abgesehen von der Höhe, tut das alles nicht weiter weh, aber besonders ist es auch nicht. Ich befürchte nur, heute wäre man in Bayreuth froh, eine Schech noch zu haben. :versteck1:

    :wink:Wolfram

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  • sieben Jahre in Dresden, dann 1951 der Wechsel zurück nach Bayern

    aus dem Jahr 1951, dem Jahr, in dem Marianne Schech von Dresden nach München wechselte.

    Merkwürdig, ich lese das auch bei Wikipedia, dass Marianne Schech von 1944 bis 1951 in Dresden gewesen sein soll. Ich kann das kaum glauben, da ich mich intensiv mit den Nachkriegsbesetzungen der Dresdner Oper beschäftigt habe und nie auf ihren Namen gestoßen bin. Wlche Partien soll sie denn in Dresden gesungen haben? Oder sang sie da noch unter anderem Nachnamen? ?(

    In den Premierenbesetzungen der Jahre 1945 bis 1949 taucht auch keine andere Marianne auf...

    Tja, gute Frage... da ich den Kutsch/Riemens nicht zu Hause habe, habe ich die kurzen biographischen Eckdaten einfach aus der Wikipedia übernommen. Häufig sind die ja ganz zuverlässig.

    Jetzt habe ich gerade mal auf die Schnelle recherchiert. Hier: https://web.archive.org/web/2007102522…ch_Marianne.htm ist angegeben, sie sei schon ab 1946 in München gewesen. Ah, und ich habe über Google Books auch den Eintrag im Kutsch/Riemens gefunden: https://books.google.de/books?id=dsfq_…epage&q&f=false. Gut, der andere Text ist einfach daraus kopiert. Dort ist angegeben, dass Schech 1941 bis 1944 in Düsseldorf gewesen sei und dann nach dem Ende des Krieges ab 1946 in München. Dann scheinen die sieben Jahre in Dresden tatsächlich eine Wikipedia-Ente zu sein!

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

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