Der Fall Schlesinger - wie weiter mit dem ÖRR in Deutschland?

  • Die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger hat ihren Stuhl räumen müssen, der öffentliche Druck war zu groß. Mich interessieren nicht die konkreten Vorwürfe gegen sie, damit werden sich dazu berufene Gremien befassen. Was mich interessiert: Wie schätzt ihr die Zukunft des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks in Deutschland ein? Braucht es den ÖRR noch? Schon jetzt mehren sich ja die Stimmen, dass man hierzulande die Rundfunkgebühren abschaffen sollte.

    Ich denke an die jüngsten Diskussionen zu Bayreuth und weiß, dass ich mir ohne ÖRR kein Bild von der Götterdämmerung hätte machen können. Insofern weiß ich dessen Angebot zu schätzen, auch wenn ich vieles daran mittlerweile kritisch sehe. Wie geht es euch?

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • Ich habe knapp vier Jahre in den USA gelebt und konnte dort hautnah erleben, wie eine private Medienlandschaft funktioniert. Ich kann nur sagen, dass ich mir so etwas für D nicht wünsche.

    Der ÖRR nervt mich oft, vor allem die Polit-Talkshows mit den immer gleichen Gesichtern, aber Demokratie nervt halt.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Nerviges (und ärgerliches) am ÖRR finde ich auch so Manches: Millionen für Fußball, Millionen für die Schlagermafia... überhaupt die Idee, man müsse mit öffentlich-rechtlichen Geldern Dinge sponsoren, die auf dem Markt eh fett werden. Trotzdem: in einer Gesellschaft, die nur privaten Rundfunk kennt, möchte ich nicht so gern leben. Und ich tröste mich mit so feinen Sachen wie den Konzertaufzeichnungen z.B. vom HR.

    Eine steuerfinanzierte Lösung wie beim BBC fände ich sozial fairer, aber im Großen und Ganzen kann ich dem ÖRR-Abschaffungsgeschrei nicht viel abgewinnen.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Es gab beim ÖRR aber auch Mauscheleien in die andere Richtung, als obskure Komponisten des 20. Jhds. im ARD-Nachtkonzert gespielt wurden, damit die die damit verbundenen GEMA-Gelder bekommen.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Es gab beim ÖRR aber auch Mauscheleien in die andere Richtung, als obskure Komponisten des 20. Jhds. im ARD-Nachtkonzert gespielt wurden, damit die die damit verbundenen GEMA-Gelder bekommen.

    Wobei ich nun allerdings nicht annehme, daß die damit wahre Reichtümer scheffeln...

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Wieland

    So isses. ... Boris Johnson und seine Komplizen planen den BBC zu zerschlagen ...

    philmus

    Na ja. Fussball zieht mein Brägen gerne sich rein. ... dass bereits marktfetter Schrott via ÖR rüberkommt, unterfüttert möglichweise zusätzlich Werbeeinnahmen von ARD und ZDF ? ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Wie schätzt ihr die Zukunft des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks in Deutschland ein? Braucht es den ÖRR noch? Schon jetzt mehren sich ja die Stimmen, dass man hierzulande die Rundfunkgebühren abschaffen sollte.

    Ja, braucht es.

    Ich habe knapp vier Jahre in den USA gelebt und konnte dort hautnah erleben, wie eine private Medienlandschaft funktioniert. Ich kann nur sagen, dass ich mir so etwas für D nicht wünsche.

    Sehe ich ebenso. Beim Fernsehen empfinde ich die Eigenformate der Privaten als eine zunehmende Aushöhlung jeglicher Inhalte. Mag im Radio etwas anders gelagert sein, aber reiner Kommerz würde bei uns eine Menge Unpopuläres einfach wegwischen.

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Wenn ich richtig informiert bin, dann hat die größte Medienkette in den USA nicht über das Verfahren zur Stürmung des Kapitols berichtet.

    Das wünsche ich mir bei uns nicht.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich möchte auf den ÖRR nicht verzichten wollen. Privatfernsehen schaue ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie schon einige schrieben, wer Länder mit ausschließlich privater Medienlandschaft kennt, der weiss, was er an den ÖRR hat. Schon alleine Sender wie Arte und DLF sind einfach klasse.

    Natürlich ist auch bei den ÖRR nicht alles perfekt. Durch die Privaten hat sich auch in vielen Bereichen des ÖRR das Niveau abgesenkt, es wird (gerade zur Hauptsendezeit bei ARD und ZDF) viel Schund gezeigt. Aber es gibt auch (noch) viele gute Sendungen, und durch die Mediatheken heutzutage kann man sich vieles rauspicken. Mir scheint, dass der ganze Apparat der ARD mit seinen ganzen Landesanstalten zu aufgebläht ist. Das mag zwar mit einer Vielfalt begründet sein, überzeugt mich aber meist nicht. Nun gut, über Vor- und Nachteile des deutschen föderalen Systems könnte man lange diskutieren...

    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga

    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
    Drum leise, Freund, lass mich im Schlaf allein.
                       --- Michelangelo Buonarroti (dt. Nachdicht. J. Morgener)

  • Frei nach Churchill „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist die schlechteste aller Medienformen - abgesehen von allen anderen.“ Anstatt seinem Bildungsauftrag nachzukommen, veranstaltet er Talkshows in denen Meinungen ausgetauscht werden, ohne dass These und Antithese zu einer Synthese kommen, der kulturelle Bildungsauftrag wird so wahrgenommen, dass sich niemand der nicht eh gebildet werden möchte, davon gestört fühlt (angesichts dessen, dass in einer Demokratie, der Mehrheitswille gelten sollte, ist dies aber eigentlich auch nicht verwunderlich). Leider orientieren sich im Privatfernsehen gefühlt 100% der Medien an dem, was gemeinhin als Mehrheitsgeschmack gilt, obgleich es ja eigentlich logisch wäre, dass jeder Nachfrage ein Angebot gegenübergestellt würde.

    Die Frage ist, wie sich die ganze Sache mit dem Ende des Rundfunks an sich entwickelt. Irgendwann könnte sich ja das Streaming auch mal komplett durchsetzen.

  • Es war früher auch nicht alles nur nach dem Bildungsauftrag gerichtet gewesen - aber eine gewisse Unabhängigkeit muß gegeben sein, weil man bei den Privaten nur dann damit hausieren gehen kann, wenn es ein erfolgreiches Format darstellt. Das ist beim ÖR nicht der Fall.

    Ich sehe heutzutage die ÖRs auch nicht als super an, aber sie sind nicht so publikumsorientiert wie z.B. RTL, der klar TV für 14-49jährige macht. Die Dinge zum Nachhören (Bayreuth) oder zum Ansehen (verschiedene Auftritte der deutschen Symphonieorchester) gibt es nunmal nicht bei RTL/SAT1/Pro7 usw. Und ich bin auch froh, daß es sowas wie die Sportschau gibt, weil sonst außer bei Eurosport kaum von "Randsportarten" berichtet wird.

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  • So, jetzt ist sie weg. Und auf der RBB-Seite bezeichnet Jörg Wagner den ganzen Vorgang der Abberufung Patricia Schlesingers als unwürdigen Abgang. Und zwar deshalb, weil Schlesinger sich dabei unwürdig verhielt. Für ihn „der Höhepunkt“, dass sich die Ex-Intendatin ausgerechnet vom Anwalt Ralf Höcker vertreten lässt, der schon mal formulierte, dass jeder das grundgesetzlich verbriefte Recht habe, „Journalisten zu beeinflussen und ihnen zu drohen“. In der Tat eine erstaunliche Wahl.

    Frau Schlesinger habe bei der Sitzung auch ihre Erfolge breit dargestellt, Worte des Bedauerns gab es für die Mitarbeitenden, nicht aber für die Gebührenzahler. Aber vermutlich würde derlei ihre Position beim Aushandeln der Abfindung zu sehr schwächen.

    Es wird derzeit zu Recht auch immer wieder darauf hingewiesen, dass Patricia Schlesinger nicht das alleinige Übel des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks ist. Wer gelesen hat, was WDR-Intendant Tom Buhrow als Lohn erhält oder wie beim BR mit Dienstwagen verfahren wird, erhält eine Ahnung. Letztlich muss man sich aber nur allgemein in öffentlichen Verwaltungen umgucken, um sich zu überlegen, was da so los ist; s. die Stichworte Beamten-Gehälter und -Versorgung. Alle diese Verwaltungen sind Super-Tanker und entsprechen problemlos und schnell erfolgen da Kurswechsel.

    Privat-Sender konsumiere ich genau genommen nur dann, wenn besondere Sport-Übertragungen anstehen. Ich bin die dauernde Werbung seit Jahren leid, die meisten eigenen Formate der privaten Sender empfinde ich als Zeitverschwendung - vermutlich seit dem Ende der Harald-Schmidt-Show. „Linear“, also dem TV-Programm folgend, sehe ich nicht mehr fern, und ich werde neben sonstigen Streaming-Anbietern dann durchaus auch in den ÖRR-Mediatheken mal fündig. (Wobei mich ärgert, dass es immer wieder ein Problem ist, OmU schauen zu können.)

    Bleibt eben das Problem, dass ich einen Streaming-Anbieter nach Gusto bestellen und wieder kündigen kann. Den ÖRR muss ich nehmen, auch wenn ich es nicht will. Für mich ist das generell ok, wobei ich mich manchmal schon frage, wozu es derart viele Sender und entsprechend große Verwaltungsapparate geben muss. Das wäre ein Punkt, an dem man für mein Empfinden in puncto Reform ansetzen könnte: Verkleinerung des Apparats.

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • Schlesinger ist letztlich nur ein Bauernopfer, mit dem ein sehr viel tieferes Problem des Systems verschleiert wird.

    Der ÖRR nimmt m. E. immer noch eine im Mediengefüge wichtige Funktion wahr, und einige seiner Angebote möchte ich nicht missen.

    Aber: das angebliche Ethos, das hinter dem System ÖRR steckt, wird eigentlich immer nur dann bemüht, wenn dieser seine Privilegien verteidigen möchte.

    Das ist unzureichend - vielmehr müsste durch das Programmangebot des ÖRR täglich klargemacht werden, was dieser für die Medienlandschaft leistet. Dafür gibt es aber zu viel seichtes Zeugs, das auch bei den Privaten laufen könnte.

    Der ÖRR sollte m. E. verschlankt werden und sich dann auf seinen eigentlichen Auftrag fokussieren. Dann würde er bevorzugt Inhalte bereitstellen, die auf dem freien Medienmarkt nicht existieren würden, und auf Qualität setzen.

    Bei dieser Gelegenheit sollte man sicherlich auch nochmal über das Finanzierungsmodell nachdenken, aber dies kann ein Spiel mit dem Feuer werden. Ein Abo-System für den ÖRR könnte diesen letztlich quasi beseitigen, und dann hätte man eine faktisch rein privat organisierte Medienlandschaft mit allen sich daraus ergebenden Nachteilen.

    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Letztlich muss man sich aber nur allgemein in öffentlichen Verwaltungen umgucken, um sich zu überlegen, was da so los ist; s. die Stichworte Beamten-Gehälter und -Versorgung. Alle diese Verwaltungen sind Super-Tanker und entsprechen problemlos und schnell erfolgen da Kurswechsel.

    Das möchte ich gerne ein bisschen einschränken, denn auch hier gibt es ein starkes Hierarchie-Gefälle. Wo einerseits der Dienstwagen mit belüfteten Massagesitzen mit 500 Euro mtl. Leasingrate ohne Weiteres durchgeht, kann ein paar Ebenen weiter unten bereits ein neuer Bürostuhl aufgrund der Sparbemühungen zum Problem werden. Das ist nicht nur ein Problem des ÖRR, aber er könnte hier eine Vorbildfunktion haben.

    NB: auch Polizeibeamte im niederen Dienst beneide ich nicht aufgrund Ihrer Besoldung und Ihrer Versorgungsansprüche im Verhältnis zu Ihrer Tätigkeit.

    Was Frau Schlesinger m.E. glaubhaft dargestellt hat: als "Gewächs" des ÖRR hat sie kein Interesse an dessen Schädigung und wollte mit einem Netzwerk aus ihren Kontakten hilfreich sein (davon ausnehmen würde ich die Vergabe von Aufträgen an ihren Ehemann - sei es ggf. auch nur über eine Tochtergesellschaft). Auf mich macht es den Eindruck, dass an einer bestimmten Stelle die Verhältnismäßigkeit für den Aufbau und die Unterhaltung dieses Netzwerks nicht mehr gegeben war und vielleicht der Kompass verloren gegangen ist, der einem eine gute Trennlinie zwischen Privatem und Dienstlichem anzeigt.

  • Wo einerseits der Dienstwagen mit belüfteten Massagesitzen mit 500 Euro mtl. Leasingrate ohne Weiteres durchgeht, kann ein paar Ebenen weiter unten bereits ein neuer Bürostuhl aufgrund der Sparbemühungen zum Problem werden.

    Ich hätte in diesem Zusammenhang aktuell das Überschreiten einer Bewirtungs-Höchstgrenze um unglaubliche 16,50 € anzubieten... :versteck1:

    LG :wink:

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  • Mit meinem Hinweis auf Beamten-Gehälter und -Versorgungen meinte ich nicht, dass dort alle Unsummen verdienen. Diese addieren sich allerdings zu einem Riesen-Betrag, der dank der Versorgungsansprüche lange fortwirkt. Kurzfristige, schnell greifende Effekte sind dort kaum möglich.

    Bei den Polizisten bin ich bei dir.

    Dass Patricia Schlesinger nicht schaden, sondern nur hilfreich sein wollte, ist möglich. Zumindest in ihrer Selbstwahrnehmung, wer weiß. Nach dem, was bekannt geworden ist, wirkt sie wie ein weiterer gieriger Entscheidungsträger, der es sich dank des Geldes der Gemeinschaft (hier der Gebührenzahler) gut gehen lässt. Wenn sich das bewahrheiten sollte, ist es schlecht. Was dann aber noch weit schlechter wäre: Die Selbst-Kontrolle des RBB hätte versagt. Und das würde das gesamte System in schlechtes Licht rücken.

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • Wo einerseits der Dienstwagen mit belüfteten Massagesitzen mit 500 Euro mtl. Leasingrate ohne Weiteres durchgeht,

    Ich weiß nicht, warum man sich daran aufgeilt. In der freien Wirtschaft bekommt jeder Bereichsleiter eines größeren Unternehmens, der vielleicht Personalverantwortung für 30 Mitarbeitende hat und ein Gesamtbudget von 5 bis 20 M€ p. a. verantwortet, einen Dienstwagen, dessen Leasingrate oberhalb von € 500,- pro Monat liegt. Deutlich oberhalb.

    Die Intendanten des ÖRR tragen m. E. mehr Verantwortung als so ein durchschnittlicher Bereichsleiter. Dann dürfen sie m. E. auch mehr verdienen.

    Buhrows 7er BMW bekommt man wahrscheinlich nicht für € 500,- Leasingrate pro Monat. Dürfte knapp beim Doppelten liegen. Mindestens. Und das ist nur die Leasingrate für die Anschaffung. Dazu kommt die Serviceleasingrate für Reifen, Inspektionen usw. usw und auch die Tankkarte für die vollkommen freie Fahrt.

    Neid? Bitte, jede(r) kann sich bewerben. Möge der/die Bessere die Stelle bekommen.

    Die Privaten dürften deutlich besser bezahlen. Ich weiß nur von Wechseln ÖRR -> privat, wäre aber für Beispiele von Wechseln in die andere Richtung dankbar.

    (Im Übrigen meine ich auch, dass die MdBs unterbezahlt sind. Kein Wunder, dass sich gescheiterte geistige Existenzen wie Studienräte um solche Positionen kümmern und nicht die, die in ihrem Leben auch mal was anderes als Schule gesehen haben und sich dort bewährten.)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich weiß nicht, warum man sich daran aufgeilt.

    Aus zwei Gründen. Erstens ist der ÖRR letztlich eine Art "öffentlicher Dienst". Im öffentlichen Dienst werden die Prinzipien der Sparsamkeit und der amtsangemessenen Bezahlung hochgehalten. An diese Prinzipien hat man sich beim RBB offensichtlich nicht gehalten. Mal zum Vergleich: der Präsident einer mittelgroßen Universität hat in Deutschland Verantwortung für ca. 15 000 bis 20 000 Studierende sowie eine vierstellige Zahl von Mitarbeiter/innen und verdient deutlich weniger als ein Intendant im ÖRR.

    Zweitens singt man beim ÖRR immer wieder das Lied von der angeblichen "Unterfinanzierung". Zu diesem angeblichen Zustand passt ein derartiges Gebahren einfach nicht. Natürlich soll jemand in einer solchen Position ordentlich bezahlt werden, aber der Bogen wurde und wird im ÖRR schlicht überspannt.

    Die Privaten dürften deutlich besser bezahlen. Ich weiß nur von Wechseln ÖRR -> privat, wäre aber für Beispiele von Wechseln in die andere Richtung dankbar.

    Harald Schmidt wechselte von Sat.1 zurück zur ARD und Thomas Gottschalk von RTL zurück zum ZDF.

    LG :wink:

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  • An diese Prinzipien hat man sich beim RBB offensichtlich nicht gehalten.

    Da sind wir einer Meinung. Die Büroausstattung war deutlich überzogen.

    der Präsident einer mittelgroßen Universität hat in Deutschland Verantwortung für ca. 15 000 bis 20 000 Studierende

    Stopp. Nö. Er verantwortet nicht die Studierenden. Das machen die schön selbst. Er verantwortet auch nur teilweise das wesentliche Ziel des Studiums: Dass die Studierenden Wissen und Methoden ihres Fachs kennen und anwenden können und einen erfolgreichen Abschluss schaffen. Zumindest der größere Teil der Verantwortung liegt bei den Studierenden selbst. - Für eine Medizin-, Mathematik-, Musikstudierende(n), der/die ihren/seinen Abschluss nicht schafft, weil er/sie die Praktika nicht absolviert/die Vorlesungen nicht nachbereitet und die Übungsaufgaben nicht selbständig löst/sein Instrument Instrument sein lässt, kann der/die Präsidierende nichts.

    sowie eine vierstellige Zahl von Mitarbeiter/innen und verdient deutlich weniger als ein Intendant im ÖRR.

    Das wäre m. E. zu ändern, wenn dem so wäre.

    Aber liegt die Personalverantwortung nicht bei den Fachbereichen ...? Kann der Präsident wirklich widersprechen, wenn Fachbereich X den Mitarbeitenden Y einstellen will, also so wie ein CEO eines MDAX-Unternehmens? Oder ist die Verantwortung für eine vierstellige Zahl von Mitarbeitenden eher sehr indirekt und in der Praxis nicht gegeben?

    Natürlich soll jemand in einer solchen Position ordentlich bezahlt werden, aber der Bogen wurde und wird im ÖRR schlicht überspannt.

    Einen 7er BMw für einen Intendanten finde ich nicht überzogen, egal ob mit oder ohne Massagesitze. Solange die Massage nicht human vollzogen wird.

    Harald Schmidt wechselte von Sat.1 zurück zur ARD und Thomas Gottschalk von RTL zurück zum ZDF.

    Danke!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • der Präsident einer mittelgroßen Universität hat in Deutschland Verantwortung für ca. 15 000 bis 20 000 Studierende

    Stopp. Nö. Er verantwortet nicht die Studierenden. Das machen die schön selbst.

    Er/sie verantwortet die Rahmenbedingungen, die diese jungen Menschen für ihr Studium vorfinden. Z. B. muss er/sie mit dem Land ggf. langwierige und zähe Verhandlungen führen, wenn Neubauten oder Sanierungen notwendig sind. Er/sie muss auch Budgets und Entwicklungspläne mit dem Land ausverhandeln, die sich auf die Studienbedingungen auswirken können etc. So ein Präsi ist beileibe kein Grüßaugust.

    sowie eine vierstellige Zahl von Mitarbeiter/innen und verdient deutlich weniger als ein Intendant im ÖRR.

    Das wäre m. E. zu ändern, wenn dem so wäre.

    Das ist so. Ein Uni-Präsident wird im Regelfall nach W3 mit Zulagen besoldet. Die Obergrenze für die Bezüge (W3-Grundgehalt plus Zulagen) entspricht dem Grundgehalt von B10. Du kannst die Zahlen gerne mal nachsehen: selbst bei maximaler Ausreizung der Zulagen ergibt das ein Monatsgehalt deutlich unter dem z. B. des RBB-Intendanten.

    Aber liegt die Personalverantwortung nicht bei den Fachbereichen ...? Kann der Präsident wirklich widersprechen, wenn Fachbereich X den Mitarbeitenden Y einstellen will, also so wie ein CEO eines MDAX-Unternehmens? Oder ist die Verantwortung für eine vierstellige Zahl von Mitarbeitenden eher sehr indirekt und in der Praxis nicht gegeben?

    Das ist eine komplexe Angelegenheit. Bei den Professoren/-innen ist zunächst mal der/die Präsident/in normalerweise dienstvorgesetzt und außerdem auch in die Berufung involviert (zumindest über die Berufungsverhandlung). Andere Uni-Mitarbeiter haben natürlich niedriger angesiedelte Dienstvorgesetzte, aber Frau Schlesinger und Herr Buhrow kümmern sich ja auch nicht persönlich um jeden Redaktionsasssistenten.

    Es bleibt festzustellen, dass die Größe des Verantwortungsbereichs durchaus vergleichbar ist, das Gehalt aber keineswegs. Öffentlicher Dienst ist irgendwie beides, but some animals are more equal than others...

    LG :wink:

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