Der Fall Schlesinger - wie weiter mit dem ÖRR in Deutschland?

  • Wer das nicht so sieht, tut sich die Position doch nicht an, oder? Irgendwie scheint es auch unter erfahrenen Professoren und Professorinnen mit reichen wissenschaftlichen Meriten immer wieder solche zu geben, die sich eigentlich mehr zum Manager berufen fühlen...

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Das Gehalt eines Rektors/Uni-Präsidenten ist jedenfalls so unwesentlich höher als das der Professorenkollegen, dass sich das niemand des Geldes wegen antut. ;)

    Ach ja ... es gibt immer mehrere Motivationen, dies oder jenes zu tun ... nicht immer ist der akademische Erkenntnisgewinn die Motivation für eine Promotion. Also, hab ich gehört oder so ... muss nicht stimmen ...

    Die Dekane werden doch mit "Magnifizenz" oder "Spektabilität" oder so angeredet, oder? Wie issn das bei Universitätspräsidenten?

    (Schreibt man bei Universitätspräsidenten eigentlich auch das "Univ.-" vor den "Prof." oder ist das redundant?)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Die Dekane werden doch mit "Magnifizenz" oder "Spektabilität" oder so angeredet, oder? Wie issn das bei Universitätspräsidenten?

    Die sind die Magnifizenz. Die Dekane sind Spektabilitäten.

    (...und ich habe tatsächlich ein einziges Mal gehört, dass das tatsächlich jemand gesagt hat...)

    (Schreibt man bei Universitätspräsidenten eigentlich auch das "Univ.-" vor den "Prof." oder ist das redundant?)

    Machen das nicht sowieso nur die Ösis, weil es nur bei denen auch Prof.s gibt, die nicht Univ-Prof. sind?

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • So, jetzt legt „Business Insider“ noch mal nach. Es geht um Prämienzahlungen. Die schraubten das Gehalt von Patricia Schlesinger für das Jahr 2021 auf insgesamt 350.000 Euro.

    Blöd für den RBB, dass demnach auch der nun amtierende Chef Brandstäter dank Bonuszahlungen blöd dasteht (zumal die Zielvereinbarungsszahlungen auch für Schlesinger wohl über seinen Tisch gingen). Zudem wird mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen „gemauert“. Damit gerät der Sender weiter in die Defensive. Und die Vorwürfe zielen nicht mehr nur auf Schlesinger, sondern wenden sich gegen das System dahinter.

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • Machen das nicht sowieso nur die Ösis, weil es nur bei denen auch Prof.s gibt, die nicht Univ-Prof. sind?

    Das gibt es auch in Deutschland - spätestens m. W., seitdem irgendein Dozent einer Volkshochschule das Recht erstritten hat, sich "Professor" nennen zu dürfen.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • (zumal die Zielvereinbarungsszahlungen auch für Schlesinger wohl über seinen Tisch gingen)

    Eben - so viel Kontrolle gibt es dann doch noch. Es gab eine Patricia Schlesinger, die diese Vergütungen gefordert hat, und es gab andere, die diese überhaupt zur Beratung und Beschlussfassung brachten und am Ende auch genehmigten.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Die Unterscheidung verschiedener Fragen mag hilfreich sein:

    I. Soll es weiterhin einen Öffentlichen Rundfunk in Deutschland gegeben?

    Darauf dürfte eine sehr große Mehrheit mit Ja antworten.

    II. Wie soll dieser Öffentliche Rundfunk ausgestaltet sein?

    Das beinhaltet Fragen zur Struktur wie: Soll der Öffentliche Rundfunk im Internet stattfinden? (Muss m. E. nicht) Wie viele Sendeanstalten soll der Öffentliche Rundfunk haben? (M. E. genügen 3, z. B. einer vom Bund und 2 von den Ländern). Man beachte: Die Schlesingers gibt es nicht nur einmal, sondern die Kosten fallen bei jeder Anstalt an. Ist das nötig?

    Wie viele Fernseh- und Radiosender soll jede Anstalt betreiben dürfen? (M. E. genügen pro Anstalt 2 Fernseh- und 2 Radiosender). Die Antwort hierauf ist eng verbunden mit der Antwort zu

    III. Welchen Inhalt soll der ÖR senden (dürfen)? Damit eng verbunden ist die Frage: Ist die Gebühr zu hoch?

    Ich bin eng beim Bildungs- und Informationsauftrag. Nichts zu suchen im gebührenfinanzierten ÖR hat m. E. der breite Strauß an Unterhaltungsprogramm. Betrachte ich das tägliche Programm kann ich problemlos 80 % als Unterhaltungsmist rausschmeißen, den auch jeder private Sender senden könnte. Hier kommen wir zum Problem der Quote. Einen Sender, der sich an den Bildungsauftrag halten würde, hätte eine deutlich geringere Quote. Für mich okay. Für das Selbstbewusstsein der Intendanten (und die vorgebliche Daseinsrechtfertigung) etc. sicherlich nicht.

    Zusammengefasst lautet meine Antwort auf die Thread-Frage: Es soll den ÖR weiterhin geben, aber er muss strukturell und inhaltlich stark verschlankt und auf seinen Kernauftrag zurückgeführt und damit zugleich günstiger werden.

  • ...

    III. Welchen Inhalt soll der ÖR senden (dürfen)? Damit eng verbunden ist die Frage: Ist die Gebühr zu hoch?

    Ich bin eng beim Bildungs- und Informationsauftrag. Nichts zu suchen im gebührenfinanzierten ÖR hat m. E. der breite Strauß an Unterhaltungsprogramm. Betrachte ich das tägliche Programm kann ich problemlos 80 % als Unterhaltungsmist rausschmeißen, den auch jeder private Sender senden könnte. Hier kommen wir zum Problem der Quote. Einen Sender, der sich an den Bildungsauftrag halten würde, hätte eine deutlich geringere Quote. Für mich okay. Für das Selbstbewusstsein der Intendanten (und die vorgebliche Daseinsrechtfertigung) etc. sicherlich nicht.

    Zusammengefasst lautet meine Antwort auf die Thread-Frage: Es soll den ÖR weiterhin geben, aber er muss strukturell und inhaltlich stark verschlankt und auf seinen Kernauftrag zurückgeführt und damit zugleich günstiger werden.

    Die "80% Unterhaltungsmist" müsste ich mir bei den Privaten aber unterbrochen von 100% Werbemist angucken, und das will ich nicht! Die (Un-) Gleichung ÖR <> Unterhaltung habe ich noch nie begriffen, zumal es ja wohl auch gute und schlechte Unterhaltung gibt.

    Mit herzlichen Grüßen

    Mercurio

  • Zum Thema übrigens ein Kommentar von Thomas Fischer in seiner Kolumne im Spiegel (frei lesbar).

    RBB-Skandal um Patricia Schlesinger: Gemach, verehrte Jagdgesellschaft - Kolumne
    Betrug, Untreue, Korruption? Gehen wir davon aus, dass ein Staat, der seinen Präsidenten wegen Annahme eines Bobbycars verfolgt, die Kraft haben wird, den…
    www.spiegel.de

    Daraus:

    Zitat

    Eine ganz andere Frage ist es, ob sich »das öffentlich-rechtliche System« einmal mehr entlarvt, verraten, als überflüssig erwiesen oder sonst in Misskredit gebracht hat. Dafür gibt es eine hohe Plausibilität, und allenthalben ist jetzt wieder das hohe Lied der meinungsvielfältigen, blühenden Privatsenderlandschaften zu vernehmen. Das ist ein anderes Thema, das sich mit einem rasch durchskandalisierten »Fall« nicht erledigen lässt. In jedem Fall gilt: Ein Unternehmen (hier: eine Anstalt), in dem die Cheffahrer dazu vernommen werden, ob sie gelegentlich auch zum Pizzaholen geschickt werden, hat ein echtes Problem.

    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga

    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
    Drum leise, Freund, lass mich im Schlaf allein.
                       --- Michelangelo Buonarroti (dt. Nachdicht. J. Morgener)

  • Dies dürfte im System des öffentlichrechtlichen Rundfunks beispiellos sein. Die Intendantinnen und Intendanten der ARD haben der amtierenden rbb-Spitze das Vertrauen entzogen. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow erklärte, nach wie vor erführen seine Kolleginnen und Kollegen immer neue Vorwürfe ausschließlich aus der Presse. "Wir, die Intendantinnen und Intendanten der ARD, haben kein Vertrauen mehr, dass der geschäftsführenden Leitung des Senders die Aufarbeitung der diversen Vorfälle zügig genug gelingt."

    Quellen:

    RBB-Skandal: ARD hat kein Vertrauen mehr in RBB-Führung
    Die ARD-Intendantinnen und -intendanten haben kein Vertrauen mehr in die RBB-Führung.
    www.bild.de

    ARD entzieht rbb-Spitze das Vertrauen
    Die Intendanten der ARD trauen der geschäftsführenden Spitze des Rundfunks Berlin-Brandenburg nicht zu, die Vorfälle rund um Ex-Senderchefin Schlesinger…
    www.rbb24.de

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Die Print-Ausgabe der Wochenend-SZ titelt auf der Meinungsseite:

    Startbahn Ost

    von Cornelius Pollmer

    Zitat:

    "Dass mit den Vorgängen beim RBB die Reformdebatte jetzt ein weiteres Mal vom Osten ausgeht, ist auffällig. Es war in Thüringen, wo durch Untreue beim Kinderkanal ein Millionenschaden entstand. Es war in Sachsen-Anhalt, wo die Regierung eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags blockierte. Es war in Sachsen, wo sich bei Demonstrationen neben sachlicher Kritik auch stumpfer Hass gegen speziell ARD und ZDF etablierte und wo sich in desinteressierten Kreisen der groteske Irrglaube verfestigte, Journalismus sei immer nur ein anderes Wort für Marionettentheater. Es ist also der Osten der Republik, wo der Druck auf das öffentlich-rechtliche System am größten ist - aber auch dessen Chance, mit etwas Mut herauszufinden, wie er besser auf Kritik und eine sich fortwährend wandelnde Gesellschaft reagieren könnte."

    Zitat Ende

    ARD, ZDF und der Fall Schlesinger: Reform erwünscht
    Nach dem Fall Schlesinger wird eine Reform der Öffentlich-Rechtlichen angemahnt - sie ist überfällig und könnte im Osten beginnen
    www.sueddeutsche.de

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Es war in Sachsen, wo sich bei Demonstrationen neben sachlicher Kritik auch stumpfer Hass gegen speziell ARD und ZDF etablierte und wo sich in desinteressierten Kreisen der groteske Irrglaube verfestigte, Journalismus sei immer nur ein anderes Wort für Marionettentheater. Es ist also der Osten der Republik, wo der Druck auf das öffentlich-rechtliche System am größten ist - aber auch dessen Chance, mit etwas Mut herauszufinden, wie er besser auf Kritik und eine sich fortwährend wandelnde Gesellschaft reagieren könnte."

    Das blau-braune AfD-Faschos den RBB-Scandal schlau und demagogisch für sich nutzen, um gegen die Institution des öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu hetzen, ist/war zu erwarten ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

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