Walldorff's Gedenkblätter

  • 28.10.1893 - in St. Petersburg wird P. I. Cajkovskijs letzte Sinfonie (Nr. 6, h-moll op.74) uraufgeführt


    - hier die 'Paraphrase' eines Gesprächs mit der Regensburger Musikwissenschaftlerin Dr. Lucinde Braun, veröffentlicht am 24.01.2018 auf van-magazin.de......


    Inzwischen könnten wir so manchen Tagesablauf des Komponisten fast bis ins Detail rekonstruieren - nahezu liegen geblieben ist demgegenüber so manches bzgl. seiner Musik, nicht zuletzt das Thema 'Instrumentenbehandung'. Dass Cajkovskij - aus meiner Sicht spricht vieles für diese Schreibweise! - diesbzgl. auf eine durchaus sehr eigene Art und Weise russisches und französisches quasi 'fusionierte', hat sich noch längst nicht herumgesprochen. Und inwieweit er wiederum Komponisten wie Mahler und Richard Strauss - auch Puccini übrigens! - damit beeinflusst hat, scheint mir noch weitgehend unerforscht. Dass letztere Cajkovskijs Orchesterwerke recht gut gekannt haben, halte ich jedenfalls für unstrittig.


    Ästhetisch wird man C. einen 'Klassizisten' nennen dürfen, jedenfalls ist er nach und nach zu einem solchen geworden - vielleicht wäre Vorbote des Neo-Klassizismus sogar am treffendsten! C. ist sicher - wie bewusst od. unbewusst auch immer - 'zaristisch' geprägt gewesen, und diese Kreise waren grundsätzlich, westlichen Neuerungen gegenüber, abwartend eingestellt, um es höflich auszudrücken.


    Auffallend ist ja, wie immer zurückhaltender er bzgl. formaler Experimente geworden ist! Nehmen wir die beiden ersten Klavierkonzerte - Nummer Eins ist in vielem experimenteller geraten als sein Nachfolger, das z. B. hinsichtlich Themenaufbau erheblich mehr a la Lehrbuch daherkommt . . .


    Überhaupt das b-Moll Konzert - die Uraufführungsversion ist ja bis heute nur selten zu hören, und erst die Drittfassung von 1889 enthält die uns so bekannten wuchtigen Anfangsakkorde. Dass C. letztere überhaupt einmal autorisiert hat, ist, nach meinem Kenntnisstand jedenfalls, keineswegs gesichert:!:


    Übrigens halte ich es für eine - mindestens! - legitime These, dass sich C. nicht zuletzt in Reaktion auf den ihn abstoßenden Wagner - Kult (1876 in Bayreuth ist er ja als Reporter zugegen gewesen!) wieder mehr an frz. Musik (an Bizet z. B.) orientiert hat. Das klanglich Interessante in Verbindung mit dem formal Gebändigten dürften ihn hier besonders fasziniert haben - in seinen späten Ballettmusiken scheint mir die 'Nummernstruktur' geradezu die Voraussetzung dafür zu sein, 'klangliche Versuche' zu wagen!


    Sind ''in Sachen C.'' noch Überraschungen möglich? Naja, wer weiß schon irgend etwas über seine französischen Vorfahren... Einer seiner Urgroßväter, ein gewisser Michel Victor Acier, ist bsp.weise Mitarbeiter in der Porzellanmanufaktur in Meißen gewesen - einige seiner Rokokofiguren sind gar in Dresden zu sehen! Und welche seiner Musiken ich immer noch für unterschätzt halte? Natürlich hat C. die russ. Literaturoper nicht 'erfunden', aber dass Pique Dame und Mazeppa ganze Passagen der literarischen Vorlage wortwörtlich vertonen, ist wirklich etwas Neues! Und gerade Mazeppa scheint mir in seiner Bedeutung nach wie vor völlig verkannt zu sein......


    - u. aus akt. Anlass: Cajkovskijs drittletzte Oper ''Die Zauberin'' - uraufgeführt zwischen den beiden eben erwähnten - hat am 04.12. Premiere in Frankfurt/Main (mit Asmik Grigorian in der Titelrolle!); weitere Aufführungen am 11., 14., 18., 21.u.30. Dezember sowie am 08. Januar... >der Kalendermann peilt die letzte Vorstellung an :P <

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    Werner Schneyder

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  • 29.10.1787 - In Prag wird W. A. Mozarts 'Dramma giocoso' 'Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni' uraufgeführt


    Nach Beitr. 15 (mit der 'Strichfassung' von 'Ritter Gluck') hier ein weiteres Stück aus E. Th. A. Hoffmanns ''Fantasiestücke in **Callot's Manier'' - eine capriccio-exklusive Kurzfassung der ersten Hälfte von ''Don Juan. Eine fabelhafte Begebenheit, die sich mit einem reisenden Enthusiasten zugetragen'':


    **Jacques Callots >1592/1635< Abzüge - gekennz. durch ausgefeilte Lichtführung und Perspektive - waren beliebt und gesucht; Rembrandt war ein kundiger Sammler seiner Werke. / zit. v. wikipedia.org


    Die ersten Akkorde der Ouvertüre überzeugten mich, daß ein ganz vortreffliches Orchester, sollten die Sänger auch nur im mindesten etwas leisten, mir den herrlichsten Genuß verschaffen würde. -- Frostig und unmutvoll in seinen Mantel gehüllt, schreitet Leporello in finstrer Nacht vor dem Pavillon einher ''Notte e giorno faticar''. -- Also italienisch? -- Hier am deutschen Orte italienisch? Ach che piacere! Ich werde alle Rezitative, alles so hören, wie der große Meister in seinem Gemüt empfing und dachte!


    Da stürzt Don Juan heraus; hinter ihm Donna Anna, bei dem Mantel den Frevler festhaltend. Sie könnte höher, schlanker gewachsen, majestätischer im Gange sein: aber welch ein Kopf! -- Augen, aus denen Liebe, Zorn, Haß, Verzweiflung, wie aus einem Brennpunkt eine Strahlenpyramide blitzender Funken werfen! Des dunklen Haares aufgelöste Flechten wallen in Wellenringeln den Nacken hinab. Das weiße Nachtkleid enthüllt verräterisch nie gefahrlos belauschte Reize. Von der entsetzlichen Tat umkrallt, zuckt das Herz in gewaltsamen Schlägen. -- ''Non sperar se non m'uccidi.'' -- Durch den Sturm der Instrumente leuchten wie glühende Blitze die aus ätherischem Metall gegossenen Töne! -- Warum stößt er nicht mit kräftiger Faust das Weib zurück und entflieht? Macht ihn die böse Tat kraftlos, oder ist es der Kampf von Haß und Liebe im Innern, der ihm Mut und Stärke raubt?


    Don Juan und Leporello treten im rezitierenden Gespräch ins Proszenium. Don Juan wickelt sich aus dem Mantel und steht da in rotem, gerissenen Sammet mit silberner Stickerei, prächtig gekleidet. Das Gesicht ist männlich schön; eine erhabene Nase, durchbohrende Augen, weichgeformte Lippen; das sonderbare Spiel eines Stirnmuskels über den Augenbrauen bringt sekundenlang etwas vom Mephistopheles in die Physiognomie, das, ohne dem Gesicht die Schönheit zu rauben, einen unwillkürlichen Schauer erregt. Lang und dürr, in rot- und weißgestreifter Weste, kleinem roten Mantel, weißem Hut mit roter Feder, trippelt Leporello um ihn her. Die Züge seines Gesichts mischen sich seltsam zu dem Ausdruck von Gutherzigkeit, Schelmerei und Lüsternheit; gegen das grauliche Kopf- und Barthaar stechen seltsam die schwarzen Augenbrauen ab. Man merkt es, der alte Bursche verdient, Don Juans helfender Diener zu sein.


    Donna Anna und Don Ottavio erscheinen: ein zierliches Männlein von höchstens einundzwanzig Jahren. Als Annas Bräutigam wohnte er, da man ihn so schnell herbeirufen konnte, wahrscheinlich im Hause; auf den ersten Lärm, den er gewiß hörte, hätte er herbeieilen und den Vater retten können: er mußte sich aber erst putzen und möchte überhaupt nachts nicht gern sich herauswagen. -- ''Ma qual mai s'offre, o dei, spettacolo funesto agli occhi miei!'' Mehr als Verzweiflung liegt in den herzzerschneidenden Tönen dieses Rezitativs und Duetts. Don Juans gewaltsames Attentat ist es nicht allein, was diese Töne der beängsteten Brust entreißt: nur ein verderblicher, tötender Kampf im Innern kann sie hervorbringen.


    Der Gang der Darstellung entsprach dem vortrefflichen Anfange. Die kleine, lüsterne, verliebte Zerlina tröstete mit gar lieblichen Weisen den gutmütigen Tölpel Masetto. Don Juan sprach den Hohn über die Menschlein um ihn her -- nur aufgestellt zu seiner Lust, in ihr mattliches Tun und Treiben verderbend einzugreifen -- in der wilden Arie ''Fin ch'han dal vino'' ganz unverhohlen aus. Gewaltiger als bisher zuckte der Stirnmuskel. Die Masken erscheinen. Ihr Terzett ist ein Gebet, das in rein glänzenden Strahlen zum Himmel steigt.


    Nun fliegt der Mittelvorhang auf: Becher erklingen, in fröhlichem Gewühl wälzen sich die Bauern und allerlei Masken umher, die Don Juan's Fest herbeigelockt hat. -- Jetzt kommen die drei zur Rache Verschwornen. Alles wird feierlicher, bis der Tanz angeht. Zerlina wird

    gerettet, und in dem gewaltig donnernden Finale tritt Don Juan mit gezogenem Schwert seinen Feinden entgegen und bahnt sich durch das gemeine Gesindel, das er durcheinander wirft wie der tapfere Roland die Armee des Tyrannen Cymork((??)), den Weg ins Freie(...)


    (...)In frevelnder Lustigkeit war das ((zweite)) Finale angegangen: ''Gia la mensa e preparata!'' - Don Juan saß kosend zwischen zwei Mädchen und lüftete einen Kork nach dem andern, um den brausenden Geistern freie Herrschaft über sich zu verstatten. Schon während Elvira den Ungetreuen an alle Schwüre erinnert, sah man es durch das Fenster blitzen und hörte das dumpfe Murmeln des herannahenden Gewitters. Endlich das gewaltige Pochen. Unter den entsetzlichen Akkorden der unterirdischen Geisterwelt tritt der gewaltige Marmorkoloß, gegen den Don Juan pygmäisch dasteht, ein. Der Boden erbebt. Don Juan ruft durch das Geheul der Dämonen sein fürchterliches: ''No!'' Dicker Qualm erfüllt das Zimmer, aus ihm entwickeln sich fürchterliche Larven. Don Juan, den man dann und wann unter den Dämonen erblickt, windet sich. Eine Explosion, wie wenn tausend Blitze einschlügen --: Don Juan, die Dämonen, sind verschwunden, man weiß nicht wie! Leporello liegt ohnmächtig in der Ecke des Zimmers.


    Wie wohltätig wirkt nun die Erscheinung der übrigen Personen, die den Juan vergebens suchen. Donna Anna erschien ganz verändert: eine Totenblässe überzog ihr Gesicht, das Auge war erloschen, die Stimme zittern und ungleich, aber eben dadurch im Duett mit dem süßen Bräutigam - der gleich Hochzeit machen will, nachdem ihn der Himmel des Rächeramts glücklich überhoben hat - von herzzereißender Wirkung.


    Die Gesellschaft war der Messe wegen glänzend und die heutige Darstellung des Don Juan der Gegenstand des Gesprächs. Man pries die Italiener im allegemeinen und das Eingreifende ihres Spiels. Don Ottavio hatte sehr gefallen. Donna Anna war einem zu leidenschaftlich gewesen. Man müsse auf dem Theater sich hübsch mäßigen und das zu sehr Angreifende vermeiden. Die 'Italienerin' sei eine recht schöne Frau, nur zu wenig besorgt um Putz und Kleidung; eben in jener Szene sei ihr eine Haarlocke aufgegangen und habe das Profil des Gesichts beschattet! Jetzt fing ein anderer ganz leise zu intonieren an: ''Fin ch'han dal vino'' -- worauf eine Dame bemerkte, am wenigsten sei sie mit dem Don Juan zufrieden: der 'Italiener' sei viel zu finster, viel zu ernst gewesen und habe überhaupt den frivolen, lustigen Charakter nicht leicht genug genommen. -- Des Gewäsches satt, eilte ich in mein Zimmer.


    zit. v. projekt-gutenberg.org

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  • 31.10.1857 - in Wien wird Johann Nestroys 'Zukunftsposse' ''Tannhäuser'' uraufgeführt


    I. F. einige Sätze aus Karl Kraus' knapp 25-seitiger Studie 'N. und die Nachwelt zum 50. Todestage', die erstmals am 13.05.1912 in der (lt. dlf.de) 'Einmannzeitschrift' ''Die Fackel'' erschienen ist. Welchen Stücken die verwendeten Zitate entnommen sind, verrät er uns leider nicht . . .


    N. ist einer, dem die Rolle nur eine Ausrede ist, um sich auszureden, dem jedes Wort zu einer Fülle erwächst, die die Gestalten schlägt. Jene geheimnisvolle Wirkung, die uns als der Mittelpunkt einer heroischen Theaterzeit überliefert ist, mag nicht der Schauspieler Nestroy ausgeübt haben, sondern der Wortführer seiner eigenen Beredsamkeit, der Exekutor seiner Anschläge. Die Theaterform seines Geistes mußte mit (seinem) Leib absterben. Die Schablone seiner Beweglichkeit, die wir noch da und dort in virtuoser Haltung auftauchen sehen, ist ein angemaßtes Kostüm. Solange nicht dem Adepten seiner Schminke auch das Erbe seines satirischen Geistes zufällt, bleibt die Hauptrolle in seinen Possen unbesetzt.


    N. verfährt anders als der bekanntere zeitgenössische Umdichter Hofmansthal, der ehrwürdigen Kadavern das Fell abzieht, um fragwürdige Leichen darin zu bestatten - und der sich gegen einen Vergleich mit einem Possendichter wohl verwahren würde. Herr v. Hofmannsthal reduziert das Werk auf den Stoff - N. bezieht den Stoff von dort, wo er kaum mehr als Stoff war und erfindet das Gefundene. Seine Leistung wäre auch dann noch erheblich, wenn sie nur im Neubau der Handlung und im Wirbel der nachgeschaffenen Situationen bestünde.


    In N. ist so viel Literatur, daß sich das Theater sträubt - und er muß für den Schauspieler einspringen. Heute lebt ihm in dieser Stellvertretung für den Schauspieler eine Verwandtschaft: Frank Wedekind. Auch hier ist ein Überproduktives. In Wedekind stellt sich ein Monologist vor uns, dem gleichfalls eine Beiläufigkeit der szenischen Form genügt, um an (dieser) vorbei das wahrhaft Neue und Wesentliche zu sprechen und zu singen.


    Es muß irgendwo einen gemeinsamen Standpunkt der Weltbetrachtung geben, wenn Sätze gesprochen werden, die N. so gut wie Wedekind gesprochen haben konnte: Sie steht jetzt im zwanzigsten Jahr, war dreimal verheiratet, hat eine kolossale Menge Liebhaber befriedigt - da melden sich schließlich auch die Herzensbedürfnisse. Und im ''Erdgeist'' könnte einer ungefähr wieder den wundervollen Satz sprechen, der bei N. vorkommt: Ich hab' einmal einen alten Isabellenschimmel an ein' Ziegelwagen g'sehn. Seitdem bring ich die Zukunft gar nicht mehr aus'm Sinn. Es ist ein Satz, an dem man dem verirrten Auge wieder vorstellen möchte, was Lyrik ist: ein Drinnen von einem Draußen geholt - die angeschaute Realität ins Gefühl aufgenommen, nicht befühlt, bis sie zum Gefühl passe.


    (Sein) Witz hat immer die Gravität, die noch die besseren Zeiten des Pathos gekannt hat. Der vertriebene Hanswurst, der noch hinter der tragischen Figur seine Spässe machte, lebt sich in einem Stil aus, der sich ins eigene Herz greift - und den Scherz, der da mit Entsetzen getrieben wird, in einem eigentümlichen Schwebeton hält, fast auf Jean Paulisch. Frau von Cypressenburg: Ist sein Vater auch Jäger? Titus: Nein, er betreibt ein stilles, abgeschiedenes Geschäft, bei dem die Ruhe seine einzige Arbeit ist - er ist frei und unabhängig, ist Verweser seiner selbst: er ist tot. Frau von Cypressenburg (für sich): Wie verschwenderisch er mit zwanzig erhabenen Worten das sagt, was man mit einer Silbe sagen kann. Der Mensch hat offenbare Anlagen zum Literaten. Wie hier das Wort um den Tod spielt, ist die erhabenste und noch immer knappste Paraphrase für einen einsilbigen Zustand.


    N. ist der erste deutsche Satiriker, in dem sich die Sprache Gedanken macht über die Dinge. Er erlöst die Sprache vom Starrkrampf - und sie wirft ihm für jede Redensart einen Gedanken ab. Bezeichnend dafür sind Wendungen wie: Wann ich mir meinen Verdruß net versaufet, ich müßt' mich g'rad aus Verzweiflung dem Trunke ergeben. Oder: Da g'hören die Ruben her! An keine Ordnung g'wöhnt sich das Volk. Kraut und Ruben werfeten s'untereinand' - als wie Kraut und Ruben.


    Hier lacht sich die Sprache selbst aus. Die Phrase wird bis in die heuchlerische zurückgetrieben, die sie erschaffen hat: Also heraus mit dem Entschluß, meine Holde! // Aber ich muß ja doch erst -- // Ich versteh', vom Neinsagen keine Rede, aber zum Jasagen finden sie eine Bedenkzeit schicklich. Die Phrase dreht sich zur Wahrheit um: Ich hab die Not mit Ihnen geteilt, es ist jetzt meine heiligste Pflicht, auch in die guten Tag' Sie nicht zu verlassen! Oder entartet zu Neubildungen, durch die die Sprache der höheren Stände karikiert wird: Da kommt auf einmal eine verspätete Sternin erster Güte zur Gesellschaft als glanzpunktischer Umundauf der ambulanten Enterprise.


    In den fünfzig Jahren nach seinem Tode hat der Geist N. Dinge erlebt, die ihn zum Weiterleben ermutigen. Er steht eingekeilt zwischen den Dickwänsten aller Berufe und lacht metaphysisch.


    zit. v. lyriktheorie.uni-wuppertal.de

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  • 05.11.1494 - Geburtstag von Hans Sachs


    Seine 7-aktige 'Tragedia' ''Von der strengen lieb' Herr Tristrant mit der schönen königin Isalden'' erschien vermutl. 1561. Hier einige Sätze aus dem zweiten und dritten 'Actus'... (bei den Abschnitten a, b, c und e handelt es sich jeweils um ungekürzte Ausschnitte!)


    (a)Herr Tristrant (geht ein mit verbunden schenckeln, an zweien krucken.) Wolt Gott,

    ich leg unter der erden! Hertzog Thinas Mein herr, wils noch nit besser werden?

    Tristrant Kein ärtzney will an mir klcken. * Mein wunden thun stincken und schmecken.

    Das niemand mehr umb mich kan bleiben. * Deshalb will ich mein zeit vertreiben

    Außerhalb der stat bey der see, * Wann mir ist also bitter weh. * All artzt verzaget sind an mir.


    Curnefal, sein Hofmeister Herr Tristrant, wenn ich wer al ir, * So wolt ich faren uber see

    In frembde landt, da ir leicht eh * Würd heil denn hie in unserm landt.

    Tristrant Ja, du hast mich gleich recht gemant. * So will ichs thun und faren hin,

    Weil ich on das des todes bin... ....


    (b)Wir haben ein grosses ungewitter * Erlitten, ir lieben mit-ritter! * Sind kaumb mit not

    gefaren an landt. * Der gegent ist uns unbekandt. Thinas Wo diese gegent Irlandt wer,

    So khem wir in lebens gefer. * Der könig lest all Curwallen hencken * Oder im tieffen see ertrencken,

    Weil du Morholden hast erschlagen. * Dort laufft ein man, denn wöll wir fragen. (Der Irlender laufft daher.)


    Tristrant (fächt ihn auff.) Mein man, sag uns an diesem endt, * Wie diese landtschaft sey genent!

    Der Irlender Herr, diese gegent heist Irland. Tristrant Mein lieber man, thu mit bekandt! * Wie ist zu

    lauffen dir so gach? Der Irlender Da kumbt der grausam trach hernach, * Der schier das landt verderbet hat.

    Auf den hat königklich mayestat * Außrüffen lassen, in der not, * Wer diesen trachen bring zum todt,

    Wöll er sein tochter zum weib geben. * Ich bleib nit; dort kumbt der trach eben. (lauft darvon) / / /


    (c)Der König Wilhelm auss Irlandt (geht ein und setzt sich.) (Tristrant geht ein mit den seinen.)

    Hie sag du uns die warheit an! * Hast du den grossen trachen erschlagen? Tristrant Durchleuchtiger Köng,

    hie thu ich tragen * Mit mir deß todten trachen haubt * Derhalb mir billig wird gelaubt.

    Der König (schaut das trachen haubt.) Begerst du auch der tochter mein?

    Die soll der lohn deins kempfens sein.


    (d)(Fraw Isald kumbd mit Brangel, ihrer hofjungkfraw.)Tristrant (sicht sie an.)

    Ja, von hertzen ich ihr beger. Doch bin ich ir zu schlecht am adel * So will ich sie nemen zu handt

    König Marxen in curnewelsch landt Wilhelm Nun, weils Gott schickt so wunderlich,

    Soll die feindschaft sein tod und ab, * Die ich im lang getragen hab.


    (e)Isald, mein tochter schön und zart, * Wilt mit in curnewelisch landt? Isald, des Königs Tochter

    Mein herr vatter, es wer ein schandt, * Das ich deim willen widersprech. * Nie anders so hab ich begert,

    Dieweil ich hab gelebt auff erdt. Wilhelm Nun wöll wir als verordnen frey, * Was zu der hinfart notturft sey,

    Auch zu der köngklichen hochzeit * In curnewellisch landen weit. (Sie gehen alle ab)


    Königin Hildegart (kumbt mit dem bultranck, gibt es der Brangel) Brangel, diß bultranck behalt du!

    Das ist mit kunst bereitet zu. * Das hat die kraft: wenn es selbander * Zwo person trincken mit einander,

    So müsens einander haben lieb * Vier jar lang so in starcken trieb; * Das eins on das ander kein tag

    Beleiben oder leben mag. * Schaw! das tranck gieb zu trincken du * König Marxen und auch darzu

    Isalden an der hochzeit-nacht, * Wenn mans zulegt mit grossem bracht!

    Mitler zeit halt das tranck verborgen!


    Brangel (nimmt das fleschlein) Ich will das tranck fleissig versorgen,

    Weil ich mein sin und vernunft hab. Hildegart Nun, ietzund wert ir faren ab. * Laß dir mein Isald

    befohlen sein, * Weil sie ist in der frembd allein! * Funftzig ducaten hab dir zu schenck * Und sey

    meiner tochter ingedenck!


    zit. v. zeno.org

    H. S. hat sich fast vierzig J. lang mit der Tristansage befasst. (Schon in einem spätestens 1534 verfassten Text) spielt er flüchtig auf die beiden Hauptgestalten an. (Seine 'Tragedia' ist deren) erste überlieferte Dramatisierung. // zit. v. gottfried.unistra.fr

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  • 06.11.1893 - Todestag von Petr Il'ic Cajkovskij


    VOILA c. Dreiviertels meiner 'Strichfassung' des (bei P. C.) Finales des zweiten Aktes von 'Eugen Onegin', so wie Alexander Puschkin es in seinem (zw. 1823 u. 1830) verfassten gleichn. 'Romans in Versen' aufgezeichnet hatte... (bei ihm ist es das Ende des fünften von insg. acht Büchern!) - - - Ab und an bin ich (!! natürlich unter steter Beachtung des Versmaßes !!) durchaus etwas eigenwillig mit der Vorlage umgegangen, darauf achtend, dass die Szenerie 'vorlesenderweise gut rüberkäme'... - z. B. hatte ich mich unten für ''falsettiert'' (anstelle des bei Commichau notierten ''detoniert'') entschieden!


    Von früh an herrscht Tumult bei Larin's - in Kutschen traf, mit 'Groß und Klein'

    des Nachbarn ganze Sippschaft ein!


    Nebst Gattin - an Gewicht nicht minder! - erschien der Dickwanst Pustjakow,

    Gwosdin, ein reicher Bauernschinder, der geckenhafte Petuschkow, auch

    ''Staatsrat a. D.'' Flianow (als Plappermal, geschmierte Hand und 'blöder Vielfraß' wohlbekannt!),

    und schließlich auch Monsieur Triquet (der Franzmann), der in 'eitlem Putze' und Brille kam

    - und ein Couplet nervös in seiner Tasche rollte, das er Tatjana widmen wollte

    (nach allbekannter Melodie: ''reveillez-Vous, belle endormie.....'')


    Wie auf Befehl verstummt das Plappern - die Gaumen sind 'in Tätigkeit':

    rings hört man nichts als Tellerklappern, Gläserklang . . .

    - doch bald schon fühlt man sich 'vertrauter': lacht, disputiert, und schreit, und kräht,

    bis keiner mehr ein Wort versteht.


    Auf einmal öffnet sich die Pforte: Eugen und Lenski treten ein - ''na endlich doch!'',

    Begrüßungsworte, man stellt sich vor, rückt um, hantiert,

    und beide werden rasch platziert, Tatjanen g'rade gegenüber, die, unverhofft und jäh bedrängt,

    die Blicke stumm zu Boden senkt!


    Ihr Herz, es pocht mit lautem Schlage - das quälend bitt're ihrer Lage

    betäubt sie wie ein 'wirrer Traum'! Der Freunde Glückwunsch hört sie kaum

    - stammelt ein Dankeswort (mit mattem Blick), sinkt dann auf ihrem Stuhl zurück.....


    Schon dies' ''verwünschte Fest'' beschlug Onegins Laune - augenscheinlich

    trug Lenski Schuld! Es war ihm peinlich, mit anzuseh'n, wie jammervoll Tatjana litt....

    Sein Unmut schwoll - und er beschloss (mit Ärgermiene!), am heut'gen Abend nicht zu ruh'n

    und Lenski ''nen Verdruss zu tun'!!


    Es hatte mancher Gast der Fete den 'Fall' bemerkt - doch eben kam (allseits begrüßt!)

    die Fleischpastete, die Aug' und Mund in Anspruch nahm... Auch ging - was lauten Jubel weckte! -

    jetzt, zwischen Braten und Dessert, Champagnerwein vom Don umher...

    mit lautem Knall entströmt der Flasche das edel - schäumend Nass; da zieht Triquet sein Opus

    aus der Tasche! Rings herrscht erwartungsvolles Schweigen, Tatjana bebt:

    ''Monsieur Triquet'' steht auf, entrollt sein Fest - Couplet, und singt (und falsettiert) empfindlich....


    Kaum halten schließlich uns're Damen das Tässchen Tee geziert im Schoß,

    als laut vom Saal her Töne kamen: Fagott und Flöte legen los - Musik!

    Im Nu sind Tee und Tassen, Likör und Rum im Stich gelassen - und alles 'wirbelt wie der Wind'

    zum Saal hinein: ''der Tanz - beginnt!!''


    Vom Rausch der Rhythmen fortgezogen, kreist wirbelnd Paar um Paar dahin....

    Jetzt soll Eugens Revanche kommen: rasch hat er Olgas Arm genommen und schwingt sie

    stürmisch, kreuz und quer, vor aller Welt im Saal umher, platziert sie (lächelnd!), bleibt daneben,

    galant und heiter plaudernd, steh'n

    - um wie ein Pfeil (im 'Handumdreh'n!) auf's Neu mit ihr davon zu schweben . . .


    dt. v. Theodor Commichau >1870/1939<; zit. v. zeno.org

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    Werner Schneyder

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  • Zitat von wes.walldorff

    Petr Il'ic Cajkovskij

    ...wenn schon denn schon ....Pëtr Il’ič Čajkovskij :)


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • < < - - wenn mir irgend wer zeigt, wie ich diese Gehake und Gepunkte meinem Laptop entlocke,

    dann selbstverständlich :)

    Alexa, was ist ein gerechter Lohn? 'Das weiß ich leider nicht!' Peter Kessen 'Disruptor Amazon'

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    Werner Schneyder

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  • < < - - wenn mir irgend wer zeigt, wie ich diese Gehake und Gepunkte meinem Laptop entlocke,

    dann selbstverständlich :)

    Ich mache das mit dem Tablet S8 Ultra von Samsung, und wie su siehst funktioniert das GUT ;) , dann müsste das mit dem Laptop genauso gehen!

    Du musst auf den jeweiligen Buchstabe tippen und festhalten, dann erscheinen die verschiedenen Varianten! :thumbup:


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • 10.11.1759 - Geburtstag von Friedrich Schiller


    Lt. Mitteilung des Schiller-(Online-)Archivs Weimar hat F. S. sechs Theatertexte ins Deutsche übertragen, darunter Carlo Gozzis (1762 in Venedig uraufgeführtes) ''tragikomisches Märchen in fünf Akten'' Turandot. I. F. einige Sätze aus dem ersten Auftritt des ersten resp. dem dritten u. vierten Auftritt des zweiten Aktes.....


    Kalaf, Prinz von Atrachan ...die Rede ging, * es sei der Prinz des Königs Keicobad * auf eine seltsam

    jammervolle Art * zu Peckin umgekommen - eben dies * hab' jenes Kriegesfeuer angeflammt,* das mit

    dem Falle seines Reichs geendigt. * Doch manches glaubt und schwatzt ein dummer Pöbel, * worüber

    der Verständ'ge lacht!


    Darum * sag' an, wie sich's verhält mit dieser Sache! * Barak, sein ehem. Hofmeister, jetzt Vater der

    Zelima, einer Sklavin von Turandot Des Großkhans einz'ge Tochter, Turandot * - durch ihren Geist

    berühmt und ihre Schönheit * (die keines Malers Pinsel noch erreicht, * wie viele Bildnisse von ihr

    auch in der Welt * herumgehn), hegt so übermüth'gen Sinn, * so großen Abscheu vor der Ehe Banden, *

    daß sich die größten Könige umsonst * um ihre Hand bemüht - - Kalaf Das alte Märchen * vernahm

    ich schon am Hofe Keicobads * und lachte drob - doch fahre weiter fort! * Barak Es ist kein Märchen.

    Oft schon wollte sie * der Khan, als einz'ge Erbin seines Reichs, * mit Söhnen großer Könige vermählen.


    Stets widersetzte sich die stolze Tochter * - und, ach!, zu blind ist seine Vaterliebe, * als daß er Zwang

    zu brauchen sich erkühnte. * Viel schwere Kriege schon erregte sie * dem Vater - und obgleich noch

    immer Sieger * in jedem Kampf, so ist er doch ein Greis * (und unbeerbt wankt er dem Grabe zu.)


    Drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich * zu ihr die strengen Worte: Störrig' Kind * -

    entschließe dich einmal, dich zu vermählen! * Wo nicht, so sinn' ein ander Mittel aus, * dem Reich die

    ew'gen Kriege zu ersparen; * denn ich bin alt, zu viele Kön'ge schon * hab' ich zu Feinden, die dein

    Stolz verschmähte. * Drum nenne mir ein Mittel, wie ich mich * der wiederholten Werbungen erwehre *

    - und leb' hernach und stirb, wie dir's gefällt - - * Kalaf Ich hab's gehört. Das abgeschmackte *

    Märchen hab' ich schon oft belacht - hör', ob ich's weiß! *


    Sie fordert' ein Edict von ihrem Vater, * daß jedem Prinzen königlichen Stamms * vergönnt sein soll, um

    ihre Hand zu werben. * Doch dieses sollte die Bedingung sein: * im öffentlichen Divan, vor dem Kaiser * und

    seinen Räthen allen, wollte sie * drei Räthsel ihm vorlegen. Löste sie * der Freier auf, so mög' er ihre Hand *

    und mit derselben Kron' und Reich empfangen. * Löst er sie nicht, so soll der Kaiser sich * durch einen

    heil'gen Schwur auf seine Götter * verpflichten, den Unglücklichen enthaupten * zu lassen-- Sprich, ist's nicht

    so? Nun vollende * Barak Mein Märchen? Wollte Gott!


    Der Kaiser zwar * empört' sich erst dagegen; doch die Schlange * verstand es, bald mit Schmeichelbitten,

    bald * mit list'ger Redekunst, das furchtbare * Gesetz dem schwachen Alten zu entlocken. * Wie ist's denn

    auch, sprach sie mit arger List, * kein Prinz der Erde wird so thöricht sein, * in solchem blut'gen Spiel sein

    Haupt zu wagen! * Beschworen ward das unnatürliche * Gesetz und kund gemacht in allen Landen. * Ich

    wünschte, daß ich Märchen nur erzählte! * Die Köpfe alle, die dort auf den Thoren * zu sehen sind,

    gehörten Prinzen an, * die - toll genug! - das Abenteuer wagten * und kläglich ihren Untergang drin fanden,

    * weil sie die Räthsel dieser Sphinx zu lösen * nicht fähig waren! / / /


    Pantalon, Kanzler Dame Turandot, * das seid gewiß, dreht Euch drei Räthselchen, * daran die sieben

    Weisen Griechenlands * mit sammt den siebenzig Dolmetschern sich * die Nägel Jahre lang umsonst

    zerkauten. * Wir selbst, so alte Practici und grau * geworden über Büchern, haben Noth, * die Tiefe dieser

    Räthsel zu ergründen! * Es sind nicht Räthsel aus dem 'Kinderfreund' * - nein: es sind Räthsel von dem

    neusten Schnitt * (und sind verfluchte Nüsse aufzuknacken!) * Und wenn die Antwort nicht - zum guten

    Glück! - * auf dem Paper (das man den Herrn Doktoren * versiegelt übergibt) geschrieben stünde: * sie

    möchten's nicht mit allem ihren Witz * in einem Säculum nicht ausstudieren! . . .


    Turandot, Tochter von Altoum, des ''fabelhaften'' Kaisers von China Der Himmel weiß, daß jene Zungen

    lügen, * die mich der Härte zeihn und Grausamkeit! * Ich bin nicht grausam - frei nur will ich leben, *

    bloß keines Andern will ich sein: dies' Recht, * das auch dem allerniedrigsten der Menschen * im Leib

    der Mutter anerschaffen ist, * will ich behaupten, eines Kaisers Tochter! *


    Ich sehe durch ganz Asien das Weib * erniedrigt und zum Sklavenjoch verdammt - * und rächen will

    ich mein beleidigtes Geschlecht * an diesem stolzen Männervolke, dem * kein andrer Vorzug vor dem

    zärtern Weibe * als rohe Stärke ward. Zur Waffe gab * Natur mir den erfindenden Verstand * und

    Scharfsinn, meine Freiheit zu beschützen!


    zit. v. projekt-gutenberg.org

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  • 13.11.1868 - Todestag von Gioacchino Rossini


    ''Für das außergewöhnliche Ensemble (des 'Teatro San Carlo' in Neapel) komponierte R. (c. 1815 - 20) eine Reihe von 'Opere serie', die zu seine(n)()einfallsreichsten Partituren gehören.'' (v. wikipedia.org). Zu diesen gehört Armida nach Episoden aus dem (1574 vollendeten) Epos 'La Gerusalemme liberata' des Torquato Tasso. ''(Dessen) Musik()gehört zu R's schönsten Eingebungen'' ( Waldi am 26.09.2011)


    Das Epos besteht aus zwanzig Gesängen mit sehr unterschiedlich langen - im Durchschnitt c. einhundert - stets achtzeiligen Strophen. I. F. einige wenige Strophen aus dem zweiten Gesang . . .


    V. / VI. / VIII.

    ''Im Christen = Tempel, tief in Nacht gegründet, * liegt ein Altar, - dort hegt ein Bild der Christ

    der Frau, die er als Gottes Mutter kündet, * deß, der geboren und begaben ist().

    Dies' Bildnis sollst Du Dir zu eigen machen - * und trägst Du es in die Moschee herbei,

    so werden wir der Feinde Trotz verlachen. * Anwenden will ich solche Zauberei -

    denn ein Geheimnis, neu und unergründlich, * macht in der Stadt Dein Reich unüberwindlich.''

    ()Er spricht's, und überzeugt; und wild und wüthig * läuft schon der König hin zum Gotteshaus

    und zwingt die Priester - und unehrerbietig * trägt er das keusche Bild von dort heraus

    zum Tempel, wo man öfters frevelmüthig * die Gottheit reizt, durch Bräuche toll und graus().


    XII. ''Entgeht mir nur der Schuld'ge nicht, so falle * der Reine mit - allein wen nenn' ich rein?

    Denn werth der Strafen sind die Christen alle - * und keiner kann ein Freund der Unsern seyn.

    Ist einer schuldlos in dem neuen Falle, * so gnügt die alte Schuld zu neuer Pein. * Auf, meine

    Treuen, auf - nehmt Schwert und Flammen, * verbrennt und mordet dieses Volk zusammen!''


    XVII. / XVIII. Man hört indeß,

    daß, schon zum Mord bereit, * der Heiden Schaar die Henker = Schwerter zücke.

    Die Jungfrau kam allein hervorgegangen, * den Reiz nicht ausgestellt, nicht bang verwahrt,

    mit stätem Blick, von ihrem Schleir' umfangen, * ablehnend, edelstolz in Gang und Art.

    Ob Kunst, Nachlässigkeit, Glück, Schmuck errangen, * was des Gesichtes Haltung offenbart?


    XIX. Stolz ging sie, vielbeschaut, ohn' umzuschauen, * und stellte sich dem wilden Wüthrich dar,

    trug seinen furchtbar'n Anblick ohne Grauen, * trat nicht zurück, so sehr er zornig war! * ''Ich

    komme'', sprach sie, ''Wicht'ges zu vertrauen, * doch zähm erst Deinen Zorn und Deine Schaar.

    Den Schuld'gen zeigen will ich und das Leben * deß, der Dich kränkt', in Deine Hände geben.''


    XXI. Er fühlt Erstaunen, Freude, fühlt Verlangen, * wenn Liebe nicht, im schändlichen Gemüth,

    u. spricht: ''Sag' an, schon ist Befehl ergangen, * so daß jetzt Deinem Volk kein Leid geschieht.''

    Und sie: ''Sieh' hier den Schuldigen gefangen - * ich bin's, die man zu finden sich bemüht.

    Mit dieser Hand hab' ich das Bild genommen - * und über mich muß Deine Strafe kommen.''


    XXIV. / XXV.

    ''Wo hast Du'', fragt der Wüthrich zornentbrannt, * ''das Bild versteckt?'' Sie säumt nicht zu versetzen:

    ''ich hab' es nicht verborgen, nein, verbrannt, * und muß als eine wack're That es schätzen.

    So kann doch der Ungläub'gen Frevelhand * das heil'ge Bildniß nimmermehr verletzten().

    Doch bin ich Räuberin? und heißt dies rauben? * Geraubtes wiedernehmend raubt man nicht.''


    XXVI.

    Man greift die schöne Maid; - von Wuth durchdrungen, * verdammt der König sie zum Flammentod.

    Schon ist der Mantel ihr, der Schleir' entrungen, * den weichen Arm drückt harte Fessel roth.

    Die Starke schweigt, von Schrecken unbezwungen - * nur leicht bewegt von dem, was sie bedroht.

    Anstatt des Roths, das ihr Gesicht verlassen, * tritt reines Weiß, nicht tödtliches Erblassen.


    dt. v. Adolf F. C. Streckfuß >1779/1844< (Verl. F. A. Brockhaus: Leipzig 1835); zit. v. books.google.de

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  • 17.11.1815 - Todestag von Dorothea Viehmann


    ...einer jener guten Zufälle war es, daß wir aus dem bei Cassel gelegenen Dorfe Nieder-Zwehrn eine Bäuerin kennen lernten. Diese Frau, Namens Viehmännin, bewahrte die alten Sagen fest im Gedächtniß, eine Gabe, die, wie sie wohl sagte, nicht jedem verliehen sey. Dabei erzählte sie bedächtig, sicher und ungemein lebendig, erst ganz frei, dann, wenn man es wollte, noch einmal langsam, so daß man ihr mit einiger Uebung nachschreiben konnte. // Wilhelm Grimm i. J. 1819; zit. auf wikisource.org


    Lt. wikipedia.org gehen einundzwanzig der von den Gebrüdern Grimm veröffentlichten Märchen auf diese mündlichen Erinnerungen der D. V. zurück - darunter auch Die kluge Bauerntochter, die Vorlage für Carl Orffs 1943 in Frankfurt/Main uraufgeführte Oper Die Kluge. I. F. dessen (hier um etwa Zweidrittel gekürzter) Text aus der Erstausgabe v. 1815 sowie (nur unwesentlich gekürzt) die dazu 1856 von den 'Brüdern' Grimm verfassten Anmerkungen (beides gleichfalls zit. v. wikisource.org).


    ((Ob außerhalb von Kassel auch nur tausend - nicht beruflich mit dieser Materie befassten - Leute mit dem Namen D. V. etwas anfangen könnten, würd' mich mal interessieren! Immerhin trägt die Grundschule im heutigen Kasseler Ortsteil Niederzwehren bereits seit 1951 ihren Namen. Seit 1996 ist auch in Berlin eine Straße nach ihr benannt.))


    Es war einmal ein armer Bauer, der hatte nur ein kleines Häuschen und eine alleinige Tochter. Da der König ihre Armuth hörte, schenkte er ihnen ein Eckchen Rasen, den hackte sie und ihr Vater um, und als sie ihn beinah herum hatten, da fanden sie in der Erde einen Mörsel von purem Gold. ''Hör', sagte der Vater zu dem Mädchen, weil unser Herr König so gnädig gewesen, so müssen wir ihm den Mörsel wiedergeben.'' Die Tochter aber sagte: ''Vater, wenn wir den Mörsel haben und haben den Stößer nicht, dann müssen wir auch den Stößer schaffen, darum schweigt lieber still.'' Er wollt' ihr aber nicht gehorchen, nahm den Mörsel und trug ihn zum Herrn König.


    Da ward der Bauer in's Gefägniß gesetzt und sollte so lange da sitzen, bis er den Stößer herbeigeschafft hätte. Die Bedienten mußten ihm täglich Wasser und Brot bringen. Da gingen (diese) zum König und sprachen das, wie der Gefangene als fort schrie: ''ach! hätt' ich meiner Tochter gehört! ach! ach! hätt' ich meiner Tochter gehört!'' und wollte nicht essen und nicht trinken. Da sollten sie ihn vor ihn bringen und da fragte der Herr König, warum er also fort schreie. ''Ja, meine Tochter hat gesprochen, ich sollt' den Mörsel nicht bringen, sonst müßt' ich auch den Stößer schaffen.'' ''Habt ihr dann so eine kluge Tochter so laßt sie einmal herkommen.'' Also mußte sie vor den König kommen; der fragte sie, ob sie dann so klug wäre, und sagte, er wollt' ihr ein Räthsel aufgeben, wann sie das treffen könnte, dann wollt' er sie heirathen. Da sprach sie ja, sie wollt's errathen.


    Da sagte der König: ''komm zu mir nicht gekleidet, nicht nackend, nicht geritten, nicht gefahren, nicht in dem Weg, nicht außer dem Weg.'' Da ging sie hin, und zog sich aus splinter nackend, da war sie nicht gekleidet, und nahm ein großes Fischgarn und wickelte sich hinein, da war sie nicht nackend, und borgte einen Esel für's Geld und band dem Esel das Fischgarn an den Schwanz, daran er sie fortschleppen mußte, und das war nicht geritten und nicht gefahren, und mußte sie der Esel in der Fahrgleiße schleppen, so daß sie nur mit der großen Zehe auf die Erde kam, und das war nicht in dem Weg und nicht außer dem Weg. Und wie sie so daher kam, sagte der König, sie hätte das Räthsel getroffen und sey alles erfüllt. Da ließ er ihren Vater los aus dem Gefängniß und nahm sie bei sich als seine Gemahlin().


    Nun waren etliche Jahre herum, als der Herr König einmal auf die Parade zog, da trug es sich zu, daß Bauern - etliche mit Ochsen und etliche mit Pferden - vor dem Schloß hielten. Da war ein Bauer, der hatte drei Pferde, davon kriegte eins ein junges Füllchen, das legte sich an einen Wagen, wo zwei Ochsen davor waren, mittendrein. Der Ochsenbauer wollte das Füllchen behalten und sagte, die Ochsen hätten's gehabt, und der andere sagte, nein, seine Pferde hätten's gehabt und es wär's sein. Der Zank kam vor den König und der that den Ausspruch: wo das Füllen gelegen hätte, da sollt' es bleiben und also bekam's der Ochsenbauer. Da weinte und lamentirte der andere über sein Füllchen.


    Nun so hatte er gehört, wie daß die Frau Königin so gnädig sey, weil sie auch von armen Bauersleuten gekommen wäre, ging zu ihr und bat sie, ob sie ihm nicht helfen könnte, daß er sein Füllchen wieder bekäme. Sagte sie, ''ich will's euch sagen: morgen früh wenn der König auf der Wachtparade ist, so stellt euch hin mitten in die Straße, wo er vorbeikommen muß, nehmt ein großes Fischgarn und thut als fischtet ihr,'' und sagte ihm auch, was er antworten sollte, wenn er vom König gefragt würde.


    Also fischte der Bauer am andern Tag auf einem trockenen Platz; wie der König vorbeikam und das sah, schickte er seinen Laufer hin, der sollte fragen, was der närrische Mann vorhabe. Fragte der Laufer, wie er fischen könnte, es wär' ja kein Wasser da. Sagte der Bauer: ''so gut als zwei Ochsen können ein Füllen kriegen, so gut kann ich auch auf dem trockenen Platz fischen.'' Da brachte der Laufer dem König die Antwort, da ließ er den Bauer vor sich kommen und sagte ihm, das hätte er nicht von sich, von wem er das hätte? Sie schlugen und drangsalten ihn so lange, bis er's bekannte, daß er's von der Frau Königin hätte.


    Als der König nach Haus kam, sagte er zu seiner Frau: ''warum bist du so falsch mit mir, ich will dich nicht mehr zur Gemahlin, deine Zeit ist rum, geh wieder hin, woher du kommen bist.'' Doch erlaubte er ihr eins: sie sollte sich das Liebste und Beste mitnehmen, was sie wüßte. Da ließ sie einen starken Schlaftrunk kommen, Abschied mit ihm zu trinken. Da gerieth der König bald in einen tiefen Schlaf.


    Die Bedienten mußten ihn in einen Wagen vor die Thüre tragen und fuhr sie ihn heim in ihr Bauernhäuschen. Da legte sie ihn auf ihr Bettchen, und als er aufwachte, rief er seinen Bedienten, aber es war keiner da. Endlich kam seine Frau vor's Bett und sagte: ''lieber Herr König, nun hab' ich nichts besseres und lieberes als dich, da hab ich dich mitgenommen.'' Der König nahm sie wieder mit ins königliche Schloß und ließ sich auf's neue mit ihr vermählen und werden sie ja wohl noch auf heutigen Tag leben.


    A n h a n g. Aus Zwehrn. Hier hat sich deutliche Spur der alten Sage von Aslaug, Tochter der Brünhild von Sigurd, erhalten. Wiewohl eine königlich geborne, die durch Unglück in die Hände von Bauern gerathen ist, nicht ausdrücklich genannt, zeigt sich doch dasselbe Verhältnis. Sie ist über ihren Stand und ihre Eltern weise, und der König legt ihr, um sie zu prüfen, gleichfalls ein Räthsel vor, daß sie glücklich und rasch löst.


    Der Inhalt des Räthsels selber stimmt nah zusammen, und es sind nur verschiedene Äußerungen desselben Gedankens. Der nordische König ((Ragnar)) verlangt von Kraka - so heißt Aslaug als Bäuerin -, sie solle kommen ''gekleidet und ungekleidet, gegessen und ungegessen, nicht einsam und doch ohne jemands Begleitung.'' Sie wickelt sich, wie hier, nackt in ein Fischgarn, darüber her ihr schönes Haar, beißt ein wenig in einen Lauch, so daß man den Geruch davon empfindet, und läßt ihren Hund mitlaufen. Zu vergleichen ist ein ähnliches Räthsel in andern Erzählungen, so daß es überhaupt als ein altes Volksräthsel erscheint.


    Auch in der fortwährenden Klugheit und wie sie sich des Königs Liebe wieder zuwendet, der die Bäuerin zurückschicken will, gleicht sie der Aslaug. Ragnar war beim König Eistein in Schweden, dessen schöne Tochter Ingeborg ihm gefiel, auch seine Leute rathen ihm eines Bauern Tochter nicht länger bei sich zu haben. Als er aber nach Haus gekommen ist, und beide zu Bett gegangen sind, kennt Aslaug durch ihre Vögel schon sein Vorhaben, entdeckt ihm ihre königliche Abkunft und gewinnt dadurch wieder seine Neigung.

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  • 26.11.1857 - Todestag von Joseph von Eichendorff


    Seine (in seinem Todesjahr erstmals erschienene) ''Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands'' enthält in zwei Teilen u. auf c. 300 Seiten (mit dem Nibelungenepos beginnende) literaturgeschichtliche Betrachtungen u. Wertungen aus konsequent katholischer Sicht. Teil Zwei (''Die neuere Romantik'') beleuchtet - beginnend mit August Wilhelm Schlegel, endend mit Adelbert von Chamisso - insgesamt zwanzig verschiedene Autoren, elf davon (darunter Clemens Brentano u. Heinrich von Kleist) in Einzelbetrachtungen... // zit. v. zeno.org


    Brentano ist nun seit mehreren Jahren tot; die Leute haben ihn kaum vermißt. Niemanden wird das sonderlich befremden - Goethe war lange Zeit unbekannt, ja verhöhnt, während Lafontaine und Kotzebue florierten; verlegen stand Arnim auf dem Bücherbrett (und steht unseres Wissens noch ruhig dort), während sie sich in den Bibliotheken um Fouque rissen.


    Seine Schwester Bettina schreibt ihm einmal ''Meine Seele springt herum nach einer inneren Tanzmusik, die die andern nicht hören. Alle schreien, ich soll ruhig werden - Du auch -, aber meine Seele hört nicht auf Euch. Ich will auf das Etwas vertrauen, das so jubelt in mir. Am End ist's nichts anderes als das Gefühl der Eigenmacht - man nennt (diese) eine schlechte Seite. Es ist ja aber auch Eigenmacht, daß man lebt''. Kurzweg möchten wir diesen Veitstanz eines freiheitstrunkenen Subjekts das 'Dämonische' nennen, womit eine unerhört verschwenderische Fee beide Geschwister fast völlig gleich bedacht hatte.


    Eben darin, daß er das Dämonische in ihm nicht künstlerisch zu vergeistigen suchte, sondern wie ein heidnisches Fatum beständig gehaßt hat, liegt Brentanos eigentümliche Bedeutung. Als ein geborener Dichter hat er diesen Kampf - nach augenblicklicher Eingebung und mit wechselndem Glück - sprunghaft geführt, wie einen unordentlichen Patisankrieg, mit allen spiegelblanken Zauberwaffen der Poesie, mit Klang, Witz und einer zweischneidigen Ironie, die sich selbst am wenigsten verschonte. Daher bei ihm das Aphoristische, Improvisierte in seinem Leben - jenes immer prächtige Farbenspiel, womit uns seine Erscheinung oft in Erstaunen setzt. So behauptet er, Gott habe den Dichter einsiedlerisch gestellt; und ist doch jederzeit bereit, sich in das bunteste Weltleben zu stürzen. Seine Freundin Günderode sagt fast erschrocken von ihm: ''Oft kömmt er mir vor, als hätte er viele Seelen - fange ich nun an, einer dieser Seelen gut zu sein, da tritt eine andere an ihre Stelle, die ich überrascht anstarre.''


    Den meisten galt Brentano als ein innerer Widerspruch, ja manchen als ein unredlicher Faselant. Diese bornierte Ungerechtigkeit hat er in manchen Stunden schmerzlich gefühlt: ''Es ist entsetzlicher, von gemeinen Menschen für genialisch, als für einen Narren gehalten zu werden''. Nur Goethes Mutter, die sich selten irremachen ließ, hatte prophetisch schon zu dem Knaben gesagt: ''Dein Reich ist nicht von dieser Erde, und so oft es sich mit derselben berührt, wird's Tränen regnen''.


    In seinen hinterlassenen Märchen ist es zunächst wieder das ursprünglich Dämonische, das uns übermächtig entgegentritt - in dem fast magischen Naturgefühl, in dem beständigen Wetterleuchten des Witzes (der wie eine unabwendbare Naturgewalt über Freund und Feind ergeht), in einer ganz entfesselten Phantasie. Gleich im ersten herrlichen Märchen (vom Rhein und dem Müller Radlauf) blicken wir - wie bei Erschaffung der Welt - in den wundersamem Haushalt der Elementargeister, und was die Natur geheimnisvoll schafft, sprosset und ahnt. Wir sehen in Sehnsucht, Zorn und Liebe da unten geschäftig: Wald- und Hauskobolde, Flußgötter, Nymphen, Echo und die Lurelei mit ihren sieben Jungfrauen; vor allen aber den Vater Rhein in seinen gläsernen Haus. Aber alle diese (an sich heidnischen und untereinander feindlichen) Kräfte sind zu heiterer Schönheit bewältigt durch jenes religiöse Grundgefühl, das - nirgend sich wortreich aufdrängend - wie der unsichtbare Hauch eines Sonntagsmorgens das Ganze durchweht und von einem Unterschiede zwischen dem Diesseits und Jenseits nichts mehr weiß.


    Bereits aus der Mitte der Romantik haben wir drei bedenkliche Richtungen sich allmählich entwickeln gesehen: mit Tieck eine heimlich zersetzende Ironie, in Werners berühmtesten Schriften die geistigen Oszillationen Novalis' zu einem wunderlichen System des Pantheismus ausgebildet, und mit Uhland endlich eine offene Rückkehr zum Protestantismus. (Dieser) aber hat keine gefundene Wahrheit zum Fundament, sondern nur den Willen, sie zu suchen - und mithin immer zu verneinen, daß irgendwo jene Wahrheit bereits gefunden sei. Fortan löste sich die ursprüngliche Freudigkeit der Romantik immer mehr in die alte spürende Unruhe auf, aus dieser entstand der Zweifel und die Ungenüge und aus (letzterer) Zerrissenheit. Und so sehen wir sogleich in Heinrich v. Kleist ein großes Talent sich zwischen Hochmut und Verzweiflung an den unglücklichen Geschicken seines Vaterlandes zu Tode arbeiten.


    Hüte jeder das wilde Tier in seiner Brust, daß es nicht plötzlich ausbricht und ihn selbst zerreißt! Denn das war (dessen) Unglück und schwergebüßte Schuld, daß er diese - keinem Dichter fremde - dämonische Gewalt nicht bändigen konnte oder wollte. In seiner besten Erzählung (''Michael Kohlhaas'') steigert sich das tiefe gekränkte Rechtsgefühl eines einfachen Roßkamms bis zum wahnsinnigen Fanatismus - mit melancholischer Virtuosität, ja mit einer eigensinnigen Konsequenz, die fast an Shylocks bekannten Prozeß erinnert. Und wo gibt es in unserer ganzen poetischen Literatur etwas Verzweiflungsvolleres als die kleine (fast epigrammatisch-grausenhafte) Erzählung vom ''Bettelweibe von Locarno''? Auch in der meisterhaften Novelle ''Die Verlobung in St. Domingo'' spielt eine grausame Wollust des menschlichen Jammers. Und in seiner einzigen Novelle religiösen Inhalts (''Die heilige Cäcilie'') schlägt die Gewalt des religiösen Gefühls nur trostlos aus in spukhaften Wahnsinn.


    Bei Kleist sehen wir die moderne Poesie der Zerrissenheit, der Phantasterei und des Hasses sich leise formieren. Aber seine Zerrissenheit ist nichts Gemachtes und hat daher noch die Frische der primitiven Unmittelbarkeit. Schmerz und Groll sind wahr und wohlbegründet, er trauert um die höchsten Güter des irdischen Lebens, um Vaterland, Recht und Ehre. Ein strenger Ernst macht seine Dichtungen zu wirklichen Taten, ein Ernst, von dem wir noch lernen sollten - in dieser Zeit, wo zwar keine Schwerter klirren (wie dazumal), aber ein innerer Krieg den heiligen Boden Deutschlands geschäftig unterwühlt. Wenn jener Ernst bei Kleist häufig so trostlos ins Entsetzliche umschlägt - ja oft zu einer heidnischen Tugend erstarrt -, so ist es nur, weil ihm die (höchste) Kraft fehlt, über die irdischen Dinge das unsichtbare Banner der Poesie kühngläubig auf jene Hohe zu pflanzen, wo alles versöhnt wird.


    Wer aber möchte dem edlen unglücklichen Dichter sein tiefstes Mitgefühl versagen, wenn und aus den nachstehenden Klängen seines ''Letzten Liedes'' alle Schauer seines freiwilligen Todes anwehen: Stärker rauscht der Sänger in die Saiten ** Der Töne ganzer Macht lockt er hervor, ** Er singt die Lust, fürs Vaterland zu streiten, ** Und machtlos schlägt sein Ruf an jedes Ohr, ** Und wie er flatternd das Panier der Zeiten ** Sich näher pflanzen sieht, von Tor zu Tor, ** Schließt er sein Lied, er wünscht, mit ihm zu enden, ** Und legt die Leier tränend aus den Händen.

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  • 28.11.1784 - Geburtstag von Ferdinand Ries


    lieber Rieß, nehmen Sie gleich die 4 von mir corrigirte Stimmen ((vermutl. die Streicherstimmen der 2.Sinfonie op.36)) und sehen sie die andern abgeschriebenen darnach durch.

    Vorwürfe muß ich ihnen denn doch machen, daß sie sich nicht schon länger an mich gewendet, warum verbargen Sie mir ihre Noth - keiner meiner Freunde darf darben, so lange ich etwas hab -- Beethowen ((undat. - vermutl. April 1802))


    Lieber Ries, bitte erzeugen Sie mir die Gefälligkeit, dieses Andante ((entw. das 'Andante favori' WoO 57 od. der zweite Satz der 'Kreutzersonate' op.47)) abzuschreiben, ich muß es morgen fortschicken... - die Ursache, warum ich sie damit beschwere, ist, weil ein Kopist von mir andere wichtige Sachen zu schreiben hat, und der andere ist krank. ((undat. - vermutl. Mai 1805))


    Verzeihen Sie, Durchlauchtigste Fürstin ((Josephine Sophie v. Liechtenstein)), wenn Sie durch Dieses vieleicht in ein unangenehmes Erstaunen gerathen. Der arme Rieß, mein Schüler, muß in diesem unglückseeligen Krieg die Muskete auf die Schultern nehmen und muß schon in einigen Tagen von hier fort. In diesen Umständen ist ihm die Gelegenheit zu einer Akademie gänzlich abgeschnitten - er hat nichts, gar nichts, muß seine Zuflucht zur Wohlthätigkeit nehmen --

    Ich empfehle ihnen denselben -- ich weiß, Sie verzeihen mir diesen Schritt. Mit der tiefsten Ehrfurcht -- L. van Beethowen ((undat. - c. 05./10.11.1805))


    Lieber Rieß, der Himmel hat keine kleine Porzion Leiden auf mich herabgeschickt, doch ein Regenbogen der Hoffnung gleichend läßt sich erblicken. Ich höre, ihnen geht es sehr gut - das freut mich von Herzen. Leben sie wohl; schreiben sie wieder einmal ihrem wahren Freunde -- Beethowen ((undat. - vermutl. Ende Sept. 1814))


    Vien am 8ten May 1816. Meine Antwort auf ihren Brief ((v. 19.03.d.J.)) kommt etwas spät, allein immer krank u. viel zu thun. Ich fange an zu glauben, daß auch die Engelländer nur in England großmüthig sind - so auch mit dem Prinzregenten ((Georg v. England)), von dem ich für meine überschickte Schlacht ((''bei Vittoria'' op.91; Partiturabschrift)) nicht einmal die Kopiaturkosten erhalten, ja nicht einmal einen schriftlichen noch mündlichen Dank.

    Mein Gehalt beträgt 3400 fl. in Papier - 1100 Haußzins bezahle ich mein Bedienter mit seiner Frau. Dabey habe ich meinen kleinen Neffen zu versorgen - um ihn ganz zu mir zu nehmen, muß ich eine ordentliche Haußhaltung einrichten -- wie viel man verdienen muß, um hier nur leben zu können.

    Übrigens sollte sich mein lieber Schüler Ries hinsezen u. mir was tüchtiges dediciren, worauf der Meister auch antworten wird. Alles schöne an ihre Frau -- leider habe ich keine, ich fand nur eine, die ich wohl nie besizen werde -- ihr wahrer Freund -- Beethowen


    London 9 Juny 1817. Liebster Beethoven, sehr lange bin ich wieder ganz von Ihnen vergeßen ((der letzte überlief. Brief von B. an R. stammt vom 11.06.1816)), obschon ich mir kaum eine andere Ursache denken kann, als ihre zu häufige Beschäftigungen - und, wie ich durch andere Leute leider hören muß, eine bedeutende Krankheit. ((B. war im Okt. 1816 an einem 'Entzündungskatarrh' erkrankt, von dem er sich nur sehr langsam erholte.)) Wahrlich, lieber B, die Dankbarkeit, die ich Ihnen ewig schuldig bleiben muß, habe ich nie aus meinen Augen gelaßen.

    Für die so vielen schönen Augenblicke, die wir durch ihre genialischen Werke genoßen haben, wünscht Ihnen die philharmonische Gesellschafft ((R. - seit 1813 in London - war seit 1815 einer ihrer Direktoren)) einen Beweis der großen Erkenntlichkeit zu geben. Kurz, wir möchten Sie, lieber B, nächsten Winter gerne unter uns hier in London haben. Im Namen der Direkzion habe ich den Auftrag, Ihnen 300 Guinees unter folgenden Bedingnißen anzutragen: (i)Sollen Sie nächstkommenden Winter hier in London sein (ii)Sollen Sie für die philharmonische Gesellschafft zwei große Sinfonien schreiben, die das Eigenthum derselben bleiben sollen. Ich werde alles mögliche aufbiethen, Ihnen Ihren Aufenthalt nützlich und angenehm zu machen.

    Ich kenne England und zweifele keinen Augenblick am guten Erfolg. Gestern Abend war unser letztes Concert und ihre schöne Sinfonie in A ((Nr.7 op.92 - die Partitur befand sich seit März 1815 in London)) wurde mit außerordentlichem Beifall gegeben. Wenn man ein solch Werk sieht und hört, macht es einem furchtsam, ans Sinfonieschreiben nur zu denken. Schreiben Sie mir recht bald eine ausführliche Antwort -- Ihr dankbar aufrichtiger Freund Ferd. Ries = = > >

    Alexa, was ist ein gerechter Lohn? 'Das weiß ich leider nicht!' Peter Kessen 'Disruptor Amazon'

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  • < < = = Vien am 25ten May 1819. Liebster Rieß, ich glaube, zu der ((Klavier-))Sonate ((op.106)) fehlen die Tempos metronomisch, diese werde ich mit nächstem Postag senden. Ich war derweile mit solchen Sorgen behaftet wie noch mein Leben nicht, und zwar durch zu übertriebene Wohlthaten gegen andere Menschen. ((vermutl. eine Anspielung auf die fehlgeschlagenen Bemühungen, den Neffen in Landshut unterzubringen - der Wiener Magistrat hatte (als 'Obervormundschaftsbehörde') die Ausstellung eines Reisepasses verhindert.))

    Komponiren sie fleißig - mein liebes Erzherzöglein Rudolph u. ich spielen ebenfalls von ihnen, u. er sagt, daß der gewesene Schüler dem Meister Ehre macht.

    Nicht allegro mäßig, sondern veloce Prestissimo hoffe ich baldigst von ihnen zu hören.

    Diesen Brief überbringt ihnen ein geistvoller Engländer, welche meistens tüchtige Kerls sind, u. mit denen ich gern eine Zeitlang in ihrem Lande zubringen mögte.

    Prestissimo -- Responsio il suo Amico ed Maestro -- Beethoven.


    am 5ten Febr. 1823. Mein lieber guter Ries, noch habe ich keine weiteren Nachrichten der Sinfonie ((Nr.9 op.125)) wegen. Ich habe hier die Bekanntschaft mit einem sehr liebenswürdigen gebildeten Manne gemacht, welcher bey unsrer Kaiserl. Gesandtschaft in London angestellt ist. Dieser wird es später übernehmen, die Sinfonie von hier nach London befördern zu helfen.

    Ich würde gar nichts von der P. Gesells. nehmen - wär ich nicht so arm, daß ich von meiner Feder leben müste. So muß ich freylich warten, bis für die Sinfon. das Honor. hier angewiesen ist.

    Um aber einen Beweiß meiner Liebe und Vetrauens für diese Gesellschaft zu geben, habe ich die ihnen in meinem lezten Schreib. berührte Overture (('Die Weihe des Hauses' op.124 - eigentl. ein Auftragswerk zur Neueröffnung des 'Josefstädter Theaters' und als solches am 03.10.1822 uraufgeführt)) dem oben berührten Herrn von der Kaiserl. Gesandtschaft gegeben, da dieser in einigen Tagen von hier abreist. Ich bitte sie, mir, sobald sie selbe erhalten, zu schreiben, ob die P. Gesell. solche nimmt.

    Von ihrer an mich dedicirten Sinfonie ((Nr.2 op.80)) erhielt ich nichts. Ich hätte ihnen schon irgend ein Werk gewidmet - betrachtete ich die Dedicat. nicht als eine Art Herausforderung, worauf ich ihnen Revanche geben muß. So glaube ich noch immer, ihr Werk erst sehen zu müßen. Wie gern würde ich ihnen durch irgend etwas meinen Dank bezeigen, ich bin ja ihr tiefer Schuldner für so viele bewiesene Anhänglichkeit u. Gefälligkeit. ((Eine Widmung an R. kam nicht mehr zustande.))

    Beßert sich meine Gesundheit durch eine zu nehmende Badekur im künftigen Sommer, dann küße ich 1824 ihre Frau in London -- ganz ihr Beethoven


    Baden am 5ten Septemb. Mein lieber Freund, sie sagen, ich soll mich um jemand umsehen, der meine Sachen besorgt. Dies war jezt der Fall mit den Variat., nemlich mein Bruder u. Schindler besorgten selbe. Die Variationen sollten hier erst erscheinen, nachdem sie in London herausgekommen wären - allein alles schief: nur der hiesige Verleg. Diabelli hat sie erhalten. Alles gieng durch Schindler - einen elendern Menschen auf Gottes Welt lernte ich noch nicht kennen: ein Erz Schuft, dem ich den Laufpaß gegeben.

    Meine Gesundheit steht noch immer auf schwachen Füßen. Du lieber Himmel, statt daß andere sich beym Badegebrauch erlustigen (außer den Bädern muß ich noch mineralische Wäßer gebrauchen), fordert meine Noth, daß ich alle Tage schreibe.

    Antworten sie bald sehr bald -- alles Schöne ihrer Familie von ((unleserl.)) wahren ((unleserl.)) Bee


    zit. v. brieftext.beethoven.de

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    Werner Schneyder

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  • Guten Morgen und einen schönen 1. Advent!

    Hatte heute außerordentlich viel Freude beim Lesen der Briefe. Vielen Dank!

  • 29.11.1802 - Geburtstag vom Wilhelm Hauff


    '(Seine) frühen Märchen spielen ausschließlich im orientalischen Kulturkreis' (v. wikipedia.org) Eine erste Sammlung, der ''Märchen-Almanach auf das Jahr 1826'' enthält sechs Geschichten, darunter - neben ''Die Geschichte von Kalif Storch'' und ''Die Geschichte von dem kleinen Muck'' - auch ''Die Geschichte von dem Gespensterschiff'', von dem i. F. c. ein Viertel wiedergegeben ist. (Zwei offensichtliche Flüchtigkeitsfehler sind stillschweigend bereinigt.)


    Die Fachleute scheinen sich mir weitestgehend einig, dass Richard Wagner (die bei resp. in Schottland spielende Urfassung seiner 'Romantischen Oper' ''Der fliegende Holländer'' wurde 1841 vollendet und Anfang 1843 uraufgeführt) dieses Märchen gekannt haben dürfte . . .


    Das Schiff, auf dem ich mich eingemietet hatte, war nach Indien bestimmt. War waren schon fünfzehn Tage auf der gewöhnlichen Straße gefahren, als uns der Kapitän einen Sturm verkündete. Er machte ein bedenkliches Gesicht, denn es schien, er kenne in dieser Gegend das Fahrwasser nicht genug, um einem Sturm mit Ruhe begegnen zu können. Er ließ alle Segel einziehen, und wir trieben ganz langsam hin. Die Nacht war hell und kalt, und der Kapitän glaubte schon, sich in den Anzeichen des Sturmes getäuscht zu haben.


    Auf einmal schwebte ein Schiff, das wir vorher nicht gesehen hatten, dicht an dem unsrigen vorbei. Wildes Jauchzen und Geschrei erscholl aus dem Verdeck herüber, worüber ich mich zu dieser angstvollen Stunde, vor einem Sturm, nicht wenig wunderte. Aber der Kapitän an meiner Seite wurde blaß, wie der Tod. Schon stürzten heulend und schreiend die Matrosen herein: ''Habt ihr ihn gesehn?'' schrien sie, ''jetzt ist's mit uns vorbei.'' Der Kapitän ließ Trostsprüche aus dem Koran vorlesen und setzte sich selbst ans Steuerruder - aber vergebens!


    Zusehends brauste der Sturm auf, und ehe eine Stunde verging, krachte das Schiff und blieb sitzen. Die Boote wurden ausgesetzt, und kaum hatten sich die letzten Matrosen gerettet, so versank das Schiff vor unsern Augen, und als ein Bettler fuhr ich in die See hinaus. Mit dem ersten Blick der Morgenröte faßte der Wind das Boot, in welchem wir saßen, und stürzte es um. Ich habe keinen meiner Schiffsleute mehr gesehen.


    Als ich aufwachte, befand ich mich in den Armen meines alten treuen Dieners, der sich auf das umgeschlagene Boot gerettet und mich nachgezogen hatte. Der Sturm hatte sich gelegt. Nicht weit von uns entdeckten wir ein Schiff, auf das die Wellen uns hintrieben. Als wir näher hinzukamen, erkannte ich (es) als dasselbe, das in der Nacht den Kapitän so sehr in Schrecken gesetzt hatte. Das öde Aussehen des Schiffes - auf dem sich, so nahe wir auch herankamen, so laut wir schrien - niemand zeigte, erschreckte mich. Doch es war unser einziges Rettungsmittel, darum priesen wir den Propheten, der uns so wundervoll erhalten hatte.


    Wir labten uns an den Speisen und Getränken, die wir in reichlichem Maß vorfanden und stiegen endlich aufs Verdeck. Uns schauderte die Haut, ob dem schrecklichen Anblick. Der Boden war mit Blut gerötet, 20-30 Leichname in türkischen Kleidern lagen auf dem Boden, am mittleren Mastbaum stand ein Mann, reich gekleidet, durch die Stirne ging ein großer Nagel, der ihn an den Mastbaum heftete, auch er war tot. Wie schauerlich ward uns zumut, als wir fanden, daß sich keiner aus seiner Lage bewegen ließ, auch der Kapitano ließ sich nicht von seinem Mast losmachen, nicht einmal seinen Säbel konnten wir der starren Hand entwinden.


    Es ging immer nach Osten, wohin zu - nach meiner Berechnung - Land liegen mußte, aber wenn es auch bei Tag viele Meilen zurückgelegt hatte, bei Nacht schien es immer wieder zurückzukehren, denn wir befanden uns immer wieder am nämlichen Fleck, wenn die Sonne aufging. Wir konnten es uns dies nicht anders erklären, als das die Toten jede Nacht mit vollem Winde zurücksegelten.


    Wir schrieben den Namen des Propheten auf Pergament und banden es um die eingezogenen Segel. Ängstlich warteten wir in unserem Kämmerchen den Erfolg ab. Am anderen Morgen waren die Segel noch, wie wir sie verlassen hatten. Wir spannten den Tag über nur so viele Segel auf, als nötig waren, das Schiff sanft fortzutreiben, und so legten wir in fünf Tagen eine gute Strecke zurück. Am siebenten Morgen glaubten wir in geringer Entfernung eine Stadt zu entdecken, und wir dankten Allah und seinem Propheten, für unsere wunderbare Rettung.


    Im Stadttor erkundigten wir uns, wie die Stadt hieße, und erfuhren, daß es eine indische Stadt sei, nicht weit von der Gegend, wohin ich zuerst zu schiffen willens war. In einer Karawanserei forschte ich nach einem weisen und verständigen Mann, der sich ein wenig auf Zauberei verstehe. Der Wirt führte mich an ein unscheinbares Haus mit der Weisung, ich solle nur nach Muley fragen.


    Ich fragte (diesen) nun um Rat, was ich mit den Toten machen solle. Er antwortete mir: die Leute des Schiffes seien wahrscheinlich wegen irgendeines Frevels auf das Meer verzaubert; er glaube, der Zauber werde sich lösen, wenn man sie an Land bringe.


    Wir machten uns mit fünf Sklaven, die mit Sägen und Beilen versehen waren, auf den Weg. Unterwegs konnte Muley unseren glücklichen Einfall, die Segel mit den Sprüchen des Koran zu umwinden, nicht genug loben. Er sagte, es sei dies das einzige Mittel gewesen, uns zu retten.


    Bis vor Abend waren alle Toten ans Land gebracht. Es war endlich keiner mehr an Bord als der, welcher am Mast angenagelt war. Umsonst suchten wir den Nagel aus dem Holz zu ziehen, keine Gewalt vermochte ihn auch nur ein Haar breit zu verrücken. Muley ließ schnell einen Sklaven ans Land rudern, um einen Topf mit Erde zu bringen. Als dieser herbeigeholt war, sprach der Zauberer geheimnisvolle Worte darüber aus und schüttete die Erde auf das Haupt des Toten. Sogleich schlug dieser die Augen auf.


    ''Vor fünfzig Jahren war ich ein mächtiger, angesehener Mann in Algier; die Sucht nach Gewinn trieb mich, ein Schiff auszurüsten und Seeraub zu treiben. Ich hatte dieses Geschäft schon einige Zeit fortgeführt, da nahm ich einmal einen Derwisch an Bord, der umsonst reisen wollte. Ich und meine Gesellen achteten nicht auf die Heiligkeit des Mannes, vielmehr trieb ich mein Gespött mit ihm. Als er aber einst in heiligem Eifer mir meinen sündigen Lebenswandel verwiesen hatte, übermannte mich der Zorn. Wütend über das, was ich mir von keinem Sultan hätte sagen lassen, stieß ich ihm meinen Dolch in die Brust. Sterbend verwünschte er mich und meine Mannschaft.


    Seine Worte erfüllten sich noch in derselben Nacht. Ein Teil meiner Mannschaft empörte sich gegen mich. Mit fürchterlicher Wut wurde gestritten, bis meine Anhänger unterlagen, und ich an den Mast genagelt wurde. Aber auch die Empörer erlagen ihren Wunden.


    In der nächsten Nacht, zur nämlichen Stunde, da wir den Derwisch in die See geworfen, erwachte ich und alle meine Genossen - aber wir konnten nichts tun und sprechen, als wir in jener Nacht gesprochen und getan hatten. So können wir seit fünfzig Jahren nicht leben, nicht sterben. Mit toller Freude segelten wir allemal mit vollen Segeln in den Sturm, weil wir hofften, endlich an einer Klippe zu zerschellen. Es ist uns nicht gelungen''. // zit. v. zeno.org


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    ...und da den Kalendermann heut' Abend der Hafer sticht :) hier noch einige Zeilen aus Heinrich Heines (1834 erstmals veröffentlichte) 'Memoiren des Herren von Schnabelewopski' . . .


    Die Fabel von dem Fliegenden Holländer ist euch gewiß bekannt. Es ist die Geschichte von dem verwünschten Schiffe, das nie in den Hafen gelangen kann und jetzt schon seit undenklicher Zeit auf dem Meere herumfährt. Begegnet es einem anderen Fahrzeuge, so kommen einige von der unheimlichen Mannschaft in einem Boote herangefahren und bitten, ein Paket Briefe gefälligst mitzunehmen. Diese Briefe muß man an den Mastbaum festnageln, sonst widerfährt dem Schiffe ein Unglück, besonders wenn keine Bibel an Bord befindlich ist. Diese Briefe sind immer an Menschen adressiert, die man gar nicht kennt oder die längst verstorben.


    Jenes hölzerne Gespenst führt seinen Namen von seinem Kapitän, einem Holländer, der einst bei allen Teufeln geschworen, daß er - trotz des heftigsten Sturms, der eben wehte - irgendein Vorgebirge, dessen Name mir entfallen, umschiffen wolle, und sollte er auch bis zum Jüngsten Tage segeln müssen. Der Teufel hat ihn beim Wort gefaßt, er muß bis zum Jüngsten Tage auf dem Meere herumirren, es sei denn, daß er durch die Treue eines Weibes erlöst werde. Der Teufel, dumm wie er ist, glaubt nicht an Weibertreue und erlaubte daher dem verwünschten Kapitän, alle sieben Jahr einmal an Land zu steigen und zu heuraten und bei dieser Gelegenheit seine Erlösung zu betreiben. Armer Holländer - er ist oft froh genug, von der Ehe wieder erlöst und seine Erlöserin loszuwerden.


    Auf diese Fabel gründet sich das Stück, das ich zu Amsterdam gesehen. Es sind wieder sieben Jahr verflossen, der arme Holländer schließt Freundschaft mit einem schottischen Kaufmann, verkauft ihm Diamanten zu spottwohlfeilem Preise, und wie er hört, daß sein Kunde eine schöne Tochter besitzt, verlangt er sie zur Gemahlin. Auch dieser Handel wird abgeschlossen.


    Wir sehen das Haus des Schotten, das Mädchen erwartet den Bräutigam zagen Herzens. Sie schaut oft mit Wehmut nach einem verwitterten Gemälde, welches einen schönen Mann in spanisch-niederländischer Tracht darstellt, zur Zeit König Wilhelms von Oranien; es ist ein altes Erbstück und nach der Aussage der Großmutter ein getreues Konterfei des Fliegenden Holländers. Wenn nun der wirkliche Fliegende Holländer leibhaftig hereintritt, erschrickt das Mädchen, aber nicht aus Furcht.


    Auch jener ist betroffen beim Anblick des Porträts. Als man ihm bedeutet, wen es vorstelle, weiß er jedoch jeden Argwohn von sich fernzuhalten: er lacht über den Aberglauben; jedoch unwillkürlich in einen wehmütigen Ton übergehend, schildert er, wie er auf der unermeßlichen Wasserwüste die unerhörtesten Leiden erdulden müsse, wie sein Leib nichts anderes sei als ein Sarg von Fleisch, worin seine Seele sich langweilt, wie das Leben ihn von sich stößt und auch der Tod ihn abweist.


    Die Braut betrachtet ihn ernsthaft. Es ist, als ob sie sein Geheimnis erraten habe, und wenn er nachher fragt: ''Katharina, willst du mir treu sein?'', antwortet sie entschlossen: ''Treu bis in den Tod.''


    Bei dieser Stelle hörte ich lachen. Als ich hinaufschaute, erblickte ich eine wunderschöne Eva, die mich mit ihren großen blauen Augen verführerisch ansah. Ihr Arm hing über der Galerie herab, und in der Hand hielt sie eine Apfelsine. Statt mir aber symbolisch die Hälfte anzubieten, warf sie mir bloß metaphorisch die Schalen auf den Kopf. // zit. v. zeno.org

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  • 30.11.1900 - Todestag von Oscar Wilde


    Sein Kunstmärchen ''The Birthday of the Infanta'' erschien erstmals 1891 und ist i. F. (sehr ausschnittsweise!) aus einer Ausgabe v. 1922 zitiert (O. W. Märchen. Verl. Neufeld & Henius: Berlin). Franz Schreker komponierte 1905 seine gleichn. 'Suite f. Kammerorchester', Alexander Zemlinskys Einakter 'Der Zwerg' wird 1922 unter Otto Klemperer in Köln uraufgeführt.


    Die kleine Prinzessin spielte Versteck hinter den Steinvasen und den alten, moosbewachsenen Statuen. An gewöhnlichen Tagen durfte sie nur mit ebenbürtigen Kindern spielen, daher mußte sie immer allein spielen, aber ihr Geburtstag war eine Ausnahme, und der König hatte Befehl gegeben, daß sie von ihren jungen Freunden einladen konnte, wen sie wollte.


    Es lag eine prächtige Anmut in diesen schlanken spanischen Kindern, die Knaben mit großen Federn auf den Hüten und mit kurzen, flatternden Mänteln, die Mädchen, die die Schleppen ihrer langen Brokatgewänder festhielten und mit riesigen schwarzsilbrigen Fächern ihre Augen vor der Sonne schützten. Aber die Infantin war die anmutigste von allen, und sie war am geschmackvollsten gekleidet nach der etwas bedrückten Mode der Zeit. Ihr Kleid war von grauer Seide, der Rock und die breit gepufften Ärmel schwer mit Silber bestickt, und der starre Schnürleib mit Reihen echter Perlen besetzt. Zwei winzige Pantoffeln mit großen roten Rosetten lugten unter ihrem Kleid hervor, wenn sie ging. Rötlich und perlfarben war ihr Florfächer, und in ihrem Haar, das wie eine Krone von blassem Gold steif um ihr bleiches Gesichtchen stand, trug sie eine weiße Rose.


    Ihr Mutter war aus dem fröhlichen Frankreich gekommen und in der düsteren Pracht des spanischen Hofes dahingewelkt. Sie war gerade sechs Monate nach der Geburt ihres Kindes gestorben, bevor sie zweimal in dem Obstgarten die Mandeln blühen gesehen oder eines zweiten Jahres Frucht von dem alten, knorrigen Feigenbaum gepflückt hatte, der gerade in der Mitte des jetzt grasbewachsenen Hofraumes stand. Jetzt lag ihr Körper auf seiner teppichbedeckten Bahre genau so, wie ihn die Mönche vor nun fast zwölf Jahren an jenem stürmischen Märztag dahingetragen hatten. Einmal in jedem Monat kniete der König, in einen dunklen Mantel gehüllt, an ihrer Seite nieder, rief ''Mi reina! Mi reina!'', und manchmal durchbrach er die strenge Etikette, die in Spanien jede einzelne Handlung des Lebens regelt und selbst dem Leid eines Königs Grenzen setzt... ....


    Als der Zwerg, auf seinen krummen Beinen watschelnd, in die Arena stolperte und mit seinem ungestalteten, riesigen Kopf hin und her wackelte, da brachen die Kinder in ein lautes Lachen des Entzückens aus, und die Infantin selbst lachte so sehr, daß die Hofmeisterin sie daran erinnern mußte, daß zwar schon oft eine spanische Königstochter vor ihresgleichen geweint, sich aber noch nie eine Prinzessin von königlichem Blut in Gegenwart von unter ihr Stehenden so lustig gemacht habe. Der Zwerg aber war wirklich ganz unwiderstehlich, und selbst am spanischen Hof, der doch immer wegen seiner ausgeprägten Leidenschaft für das Schreckliche bekannt gewesen ist, war noch nie ein so phantastisches kleines Ungetüm gesehen worden.


    Es war übrigens sein erstes Auftreten. Erst den Tag vorher hatten zwei von den Edelleuten ihn entdeckt und als Überraschung für die Infantin mit nach dem Palast genommen. Sein Vater, der ein armer Köhler war, schien nur zu erfreut zu sein, ein so häßliches und nutzloses Kind loszuwerden.


    Vielleicht das lustigste an ihm war, daß er sich seiner eigenen grotesken Erscheinung gar nicht bewußt war. Er schien sogar ganz glücklich und sehr aufgeräumt zu sein. Wenn die Kinder lachten, lachte er so frei und fröhlich wie nur eins von ihnen, und nach jedem Tanz machte er ihnen die komischsten Verbeugungen.


    Was die Infantin anging, so bezauberte sie ihn ganz und gar. Er konnte seine Augen nicht von ihr abwenden und schien nur für sie allein zu tanzen. Beim Schluß der Vorführung erinnerte sie sich, wie die großen Damen des Hofes dem berühmten italienischen Sopran Caffarelli, den der Papst eigens aus seiner Kapelle nach Madrid geschickt hatte, damit er den König von seiner Melancholie heile, Buketts zugeworfen hatten, und sie nahm die schöne weiße Rose aus ihrem Haar, und halb zum Spaß, halb um die Hofmeisterin zu ärgern, warf sie sie mit ihrem süßesten Lächeln in die Arena...


    Als der Zwerg hörte, daß er noch einmal und auf ihren besonderen Befehl vor der Infantin tanzen sollte, war (er) so stolz, daß er in den Garten hinauslief und die weiße Rose in einem lächerlichen Überschwang vor Freuden küßte, wobei er mit plumpen Bewegungen seinem Entzücken Ausdruck gab.


    Die Blumen aber wurden ganz unwillig, weil er es wagte, ihr schönes Reich zu betreten, und als sie sahen, wie er die Wege hinauf und hinabhüpfte und auf so lächerliche Art seine Arme über seinem Kopf schwang, konnten sie ihre Gefühle nicht länger zurückhalten. ''Er ist wirklich viel zu häßlich, als daß man ihm erlauben dürfte, auf einem Platz zu spielen, wo wir sind,'' riefen die Tulpen. ''Er sollte Mohnsaft trinken und auf tausend Jahre schlafen gehn,'' sagten die großen roten Lilien, und sie kochten förmlich vor Wut. ''Er ist einfach ein Greuel!'' schrie der Kaktus. ''Sein Kopf steht in gar keinem Verhältnis zu seinen Beinen. Es prickelt mich über und über, wenn ich an ihn denke.'' Selbst die roten Geranien, die sonst kein stolzes Gebahren zeigten, da sie wußten, daß sie selbst eine ganze Menge armer Verwandten hatte, drehten sich verächtlich empor.


    Aber die Vögel liebten ihn irgendwie. Sie hatten ihn oft im Wald gesehen, wo er wie ein Kobold den wirbelnden Blättern nachsprang oder in der Höhlung eines alten Eichbaums emporkletterte und seine Nüsse mit den Eichhörnchen teilte. Sie machten sich durchaus nichts daraus, daß er häßlich war. Ja, sogar die Nachtigall selbst, die des Nachts so schön in den Orangenhainen sang, daß sich sogar der Mond manchmal hinablehnte, um zu lauschen, ließ sich herbei, trotzdem nach ihm zu sehen. Er war ja auch zu ihnen allen gütig gewesen, und in jenem schrecklichen Winter, als es keine Beeren auf den Bäumen gab, als der Boden hart wie Eisen war, und die Wölfe bis vor die Stadttore kamen, da hatte er sie nicht ein einziges Mal vergessen und ihnen immer die Krümel von seinem kleinen Stück schwarzen Brotes gegeben... .... // dt. v. Wilhelm Cremer; >1874/1932<


    zit. v. projekt-gutenberg.org

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