Operntelegramm Saison 2022/2023

  • Die "Peter Grimes" Besprechung ist wirklich interessant, danke Giovanni di Tolon !

    Von einer Bekannten (großer Kaufman-Fan) habe ich natürlich über Kaufmann (Aufführung von letzter Woche, Mittwoch) nur das Allerbeste gehört.

    Ich werde mir noch überlegen, ob ich am Freitag reingehe.

    Daß Kaufmann besser ist als Stuart Skelton, kann ich mir vorstellen, ist vermutlich auch nicht schwer ;)

  • Sonntag, 25. September 22, Nationaltheater München

    Giuseppe Verdi, Don Carlo


    Diese Produktion ist ein richtiges Kunstwerk, die Premiere war in den Opernfestspielen 2000, am 1. Juli.


    Für mich ist sie unter den etwas neueren Inszenierungen derzeitig die beste am Haus.

    Jürgen Rose war schon immer ein begnadeter Bühnenbildner, und ebenso gelungen sind seine Regiearbeiten, im Münchner Nationaltheater waren das "Das schlaue Füchslein", "Norma", "Werther" und eben "Don Carlo", alles sehr gute Arbeiten, die beste von allen m.E. "Don Carlo".

    Die Atmosphäre von Verdis wohl dunkelster Oper ist genial getroffen.


    Immer wieder bin ich beeindruckt von der Ausstattung durch den vielseitig variablen Einheitsraum, dominiert von einem riesigen, an die Wand gelehnten Kruzifix eines (nackten) Christus, als Symbol für die Allgegenwart und Allmacht der katholischen Kirche. Jürgen Rose zeichnet in dieser Produktion für alles selbst verantwortlich, die Bühne, die Kostüme und die Lichtregie. Mit letzterer zaubert er die unterschiedlichsten Räume auf die Bühne: Kloster, Park, Schlafzimmer, Kerker. In ihrer Abgeschlossenheit symbolisieren diese Einheitsräume die seelische Isolation der Protagonisten, die seitlichen hohen Türen zerstören dabei jegliche Privatsphäre.


    Das imposanteste Bild ist die Autodafé Szene, die als einzige nicht im Einheitsraum spielt. Auf der Rückwand ist das Emblem der spanischen Inqusition zu sehen, mit dem Rundum-Schriftzug: "Exurge Domine et judica causam tuam".


    Auf einem hohen Podest werden König Philipp der II. und Elisabeth hereingefahren, dahinter steht der Großinquisitor.


    Den mancherorts bizarren, bigotten und düsteren Katholizismus der spanischen Inquisition stellt Jürgen Rose dann in einem Festzug dar, in dem der ganze religiöse Pomp mit zahlreichen Heiligen und Märtyrern aufscheint. Die sich drehenden Figuren fahren auf vorüberziehenden Wagen vorbei wie Spielfiguren, umgeben von zahlreichen blinkenden Lämpchen. Dahinter laufen Engelchen und Büßer mit der charakteristischen Spitzhaube aus der Semana Santa, so wie der ganze Zug an die Prozessionen der Semana Santa erinnert.


    Brutal realistisch wird es dann bei der Ketzerverbrennung. Auf einem riesigen brennenden Scheiterhaufen zappeln blutverschmierte Statisten (keine Puppen!). Dazu die pseudo-fröhliche, makabre Musik: dieses Bild läßt einem das Blut in den Adern gefrieren.


    Bild wg. Urheberrecht entfernt. motiaan für die Moderation


    In den letzten Bildern ist wieder der riesige Quader zu sehen, mit wenigen, charakteristischen Ausstattungsstücken oder Requisiten als Merkmal.


    Sehr subtil bringt Jürgen Rose Essentielles zum Ausdruck (ich würde ja sagen, "Kernaussagen", aber das Wort mag man hier ja nicht so ;-). Z.B. bedient er sich der Kostüme, um auf die unterschiedlichen Mentalitäten der Länder Frankreich und Spanien aufmerksam zu machen: die französische Damen tragen verspielte Kleider in Pastellfarben. Ganz anders die Spanierinnen in strengem Schwarz mit Goldborten. Überhaupt ist die vorherrschende Farbe bei den Spaniern schwarz, wie es ja zu dieser Zeit authentisch war.


    Personenregie: In dem fast kammerspielartigen Ambiente können sich in Roses Konzeption die Darsteller glaubhaft und überzeugend entwickeln.


    Diese Inszenierung ist ein ganz großer Wurf und ich hoffe, daß sie uns noch lange erhalten bleibt.


    Beim musikalischen Teil kann ich mich ziemlich kurz fassen, denn hier traf das zu, was man selten erlebt: alle Sänger waren großartig.

    Im Vorfeld gab es zwei Umbesetzungen, statt Krassimira Stoyanova sang Anna Maria Martinez die Elisabetta, statt Ildar Abdrazakov sang Dmitry Belosselsky den König Philipp II. Vor Beginn trat ein Herr vor den Vorhang (leichtes Aufstöhnen im Publikum) und sagte den Sänger des Posa Igor Golovatenko als erkältet an (kein Corona!).


    Ich fange gleich mal mit ihm an: wir haben uns gefragt, wie singt denn der gute Mann, wenn er gesund ist? ;) Das war eine Power, dazu ein schönes Timbre, liedhaft bei Posas Tod, ein wunderbar fließenden Bariton. Zum Niederknien.

    Der amerikanische Tenor Stephen Costello (Don Carlo) verfügt über eine freiströmende, leicht metallische Stimme mit sicherer Höhe. Auch darstellerisch war er ein anrührender Carlo.

    Eine Wucht im wahrsten Sinne des Wortes war Clémentine Margaine als Prinzessin Eboli. Die durchschlagkräftige Stimme hebt einen fast von den Sitzen. Leise und lyrisch zu singen ist ihr allerdings nicht so sehr gegeben.

    Dmitry Belosselsky verfügt über einen profunden "schwarzen Baß", dunkler timbriert als Ildar Abdrazakov. In puncto Darstellung hat letzterer allerdings die Nase vorn.

    Ein alter Bekannter ist Rafal Siwek als Großinquisitor, schwarze Stimme, unheimlich und bedrohlich.

    Und last but not least die Einspringerin Anna Maria Martinez als unglückliche Elisabetta. Ihr "Tu che la vanitá" erntete einen Reisenapplaus. Sie sang sehr expressiv, mit schöner mezza voce und berührender Phrasierung.

    Dazu kam noch, daß beide Damen bildschön aussahen.


    Dirigiert hat Andrea Battistoni, ein aufstrebendes Talent. Er hat nicht nur Temparament und Leidenschaft, sondern kann auch feine Klanggewebe spinnen. (Extra für Mauerblümchen ;) : das ist z.B. ein Dirigent, der KEINEN Frack trug, sondern ein schwarzes, etwas längeres Hemd).

    Ein einfühlsamer Sängerdirigent. Den Namen muß man sich merken.


    Großer, langanhaltender Beifall, Getrampel und Jubel. Der Saal war bis auf einige wenige Plätze ausverkauft.


    Kurzes Fazit: Reines Opernglück.


    Noch ein paar Anmerkung zu Verdis Verhältnis zur Kirche. Wie man ja weiß, war er der katholischen Kirche nicht sonderlich wohlgesonnen.


    Das Programmbuch meint dazu:


    Zitat

    Die Geistlichkeit tritt nicht nur am Rande auf, sondern steht im Zentrum des Geschehens. In wenigen Opern spielt die Kirche eine so grundlegende Rolle wie in Verdis "Don Carlo". Bemerkenswert ist vor allem der Blickwinkel. Die katholische Kirche ist hier nicht so sehr eine religiöse Autorität oder eine Zuflucht für leidende Seelen, sondern ein politischer Machtfaktor - für ein Opernwerk des 19. Jahrhunderts reichlich unkonventionell. Verdi stellt eine auf religiösem Fanatismus basierende Institution dar, die im Spanien des 16. Jahrhunderts die Menschen und auch die Monarchie vollständig kontrolliert (Anm.: "Dunque il trono piegardovrà sempre all'altar!") und in deren eisernem Griff alles Leben verdorrt.



    4 Mal editiert, zuletzt von ira ()

  • Danke Dir, lieber Sadko, für Deine Dubarry-Besprechung! Wir hatten tatsächlich schon überlegt, deshalb nach Wien zu fahren, da wir Operettenliebhaber sind, was sagst Du, ist es das wert?

    Was die Mikrofone betrifft: in Operetten wird ja die Stimme zurückgenommen, es soll ja gerade nicht mit Opernstimme gesungen werden. Und Harald Schmidt braucht ganz sicher ein Mikro.

    Ich kann eine Reise zur "Dubarry" mit gutem Gewissen nicht empfehlen, obwohl Wien natürlich immer sehenswert ist. Ich war in der Premiere und habe die Volksoper in der Pause fluchtartig verlassen (und da war ich kein Einzelfall). Ich fand die Inszenierung wenig (und das ist sehr vorsichtig formuliert) werkkonform und die Bearbeitung eines Werkes eines der Väter der Wiener Operette durch einen Berliner gleicht einer Vergewaltigung der Musik.

    Sadko hat es gefallen, mir (und einigen Freunden) nicht - Geschmäcker sind eben verschieden

  • Vielen Dank brunello, für Deine Sicht!

    Natürlich, wir fahren immer gerne nach Wien, aber bei dem Wetter gerade ist es auch nicht so prickelnd.

    Ich fand die Inszenierung wenig (und das ist sehr vorsichtig formuliert) werkkonform

    Ja, und das ist bei mir dann schon der "killing point". Dann lassen wir das.


    Aber auch Sadko war ja nicht rundum begeistert.

  • Hoffentlich bringt The Bavarian State Opera dann auch bald mal The Magic Flute!

    Haben wir doch alles, nur nicht auf englisch :P :


    DIE ZAUBERFLÖTE
    Papageno will Papagena – Tamino seine Pamina. Doch der Weg zur Liebe ist nicht einfach! Alle müssen sie schwere Prüfungen bestehen: müssen sich
    www.staatsoper.de

  • Na sowas, da kommt man einmal einen Tag lang nicht dazu, ins Forum zu schauen, und dann gleich jede Menge neue Postings in diesem Thread! Das freut mich, die "Opernfraktion" ist mittlerweile leider nicht mehr allzu groß vertreten.
    Der Übersichtlichkeit halber teile ich meinen Beitrag auf vier Beiträge auf.


    ad Peter Grimes / München:


    Danke für den sehr genauen Peter-Grimes-Bericht! (Einiges klingt ja für mich durchaus nachvollziehbar, im Jänner 2022 hatte ich in Wien ja von Kaufmann diesen Eindruck.)

    Überrascht hat mich allerdings:

    Wolfgang Bankl als Swallow

    Ich halte Bankl ja für einen der unterschätztesten Opernsänger überhaupt (siehe hier) und freue mich immer, wenn er singt -- aber wieso springt er in München in der doch eher kleinen Rolle des Swallow ein (Brindley Sherratt war vorgesehen gewesen)? Hat man in München für den Swallow keinen Einspringer, sodass man Bankl aus Wien "importieren" muss?

  • ad Don Carlo / München:


    Brutal realistisch wird es dann bei der Ketzerverbrennung. Auf einem riesigen brennenden Scheiterhaufen zappeln blutverschmierte Statisten (keine Puppen!).

    Danke ebenfalls für die Schilderung; noch "realistischer" habe ich die (mittlerweile Kult-)Inszenierung Konwitschnys in Erinnerung, als die Ketzer durchs Haus getrieben werden, kommentiert von einer Fernsehmoderatorin, die das "Event" vermarktet, das ist schon wirklich große Inszenierungskunst!

    Hoffenlich bringt The Bavarian State Opera dann auch bald mal The Magic Flute!

    Naja, also bei Don Carlo(s) gibt es ja eine gewisse Aufführungstradition in italienischer Sprache, das kann man ja nicht mit einer englischen Zauberflöte vergleichen.. Wobei mir der französische Don Carlos deutlich lieber ist als der italienische, keine Frage!

  • ad Die Dubarry / Wien:


    Danke Dir, lieber Sadko, für Deine Dubarry-Besprechung! Wir hatten tatsächlich schon überlegt, deshalb nach Wien zu fahren, da wir Operettenliebhaber sind, was sagst Du, ist es das wert?

    Gerne! Also es kommt darauf an, was man sich erwartet. Ich habe ja geschrieben:

    eine typische Operette der 1920er/30er-Jahre, und wer sich etwas anderes erwartet hat, kommt natürlich nicht auf seine Kosten.

    Wenn man so etwas hören möchte, dann würde ich den Weg nach Wien antreten. Wenn man sich aber eine klassische Millöcker-Operette erwartet, zahlt sich der Wien-Ausflug sicher nicht aus.

    Was die Mikrofone betrifft: in Operetten wird ja die Stimme zurückgenommen, es soll ja gerade nicht mit Opernstimme gesungen werden. Und Harald Schmidt braucht ganz sicher ein Mikro.

    Da bin ich anderer Meinung. Ich glaube, dass es nicht unbedingt leichter ist, Operette aufzuführen als Oper, vielleicht sogar im Gegenteil: In der Operette braucht man teils andere Qualitäten als in der Oper. Operetten bedürfen grundsätzlich einer anderen Herangehensweise als Opern (von Ausnahmen abgesehen), aber keinesfalls darf man da Musicalsänger mit Mikroports hinstellen. Notfalls hätte man NUR Harald Schmidt mit Mikrophonen verstärken können, aber wenn eine Annette Dasch, die an der Wiener Staatsoper immerhin Elsa gesungen hat, dann für die Volksoper ein Mikrophon bekommt, dann ist das aus meiner Sicht total absurd.

  • Ich kann eine Reise zur "Dubarry" mit gutem Gewissen nicht empfehlen, obwohl Wien natürlich immer sehenswert ist. Ich war in der Premiere und habe die Volksoper in der Pause fluchtartig verlassen (und da war ich kein Einzelfall). Ich fand die Inszenierung wenig (und das ist sehr vorsichtig formuliert) werkkonform und die Bearbeitung eines Werkes eines der Väter der Wiener Operette durch einen Berliner gleicht einer Vergewaltigung der Musik.

    Sadko hat es gefallen, mir (und einigen Freunden) nicht - Geschmäcker sind eben verschieden

    Wie bitte?! Also da muss ich mal mehreres richtigstellen:


    1) Wenn man die Aufführung in der Pause verlassen hat, kann man einen Besuch weder empfehlen, noch -- wie Du -- "nicht empfehlen". Ich habe geschrieben:

    Vor der Pause war die Handlung für mich teilweise verwirrend (aufgrund der raschen Wechsel zwischen den doch unterschiedlichen Szenen), nach der Pause nahm die Aufführung aber deutlich Fahrt auf.

    Das soll heißen: Wenn man in der Pause geht, verpasst man das Entscheidende. Kann man natürlich machen (auch gerne "fluchtartig"), aber dann in einem Internetforum öffentlich irgendwelche Empfehlungen oder Nicht-Empfehlungen auszusprechen, ist -- ehrlich gesagt -- peinlich.


    2) Was soll die Information heißen, dass die Inszenierung "wenig [...] werkkonform" war? Kannst Du das bitte konkretisieren? Was genau entsprach nicht "dem Werk"? Waren es vielleicht die Aktualisierungen des gesprochenen Textes, damit er für ein heutiges Publikum annehmbar ist und nicht klingt wie eine seichte Komödie aus den 1950er-Jahren?


    3a) Der Satzteil, der die Gleichsetzung (!) mit einer "Vergewaltigung der Musik" enthält, offenbart, dass Du entweder keine Ahnung hast, was eine Vergewaltigung ist, oder dass Du dieses abscheuliche Verbrechen kleinredest: Die Opfer brauchen in der Regel viel Kraft und Hilfe, um da wieder herauszukommen. Aufgrund meiner aktuell laufenden Verwarnung schreibe ich nicht, was ich über diese Deine Formulierung denke, sondern bitte nur darum, vom Begriff "Vergewaltigung" in diesem Kontext wirklich abzusehen. Das ist ein Schlag ins Gesicht gegenüber wirklichen Vergewaltigungsopfern. Und wieso gab es bisher noch keinen Aufschrei über diese -- eines Kulturforums vollkommen unwürdige, weil sprachlich extrem unsensible -- Brunello-Formulierung??


    3b) Von der total missglückten Formulierung abgesehen, ist der Satz auch inhatlich wertlos: Kennst Du die "originale" Millöcker-Operette und kannst sagen, ob das ein qualitätsvolles Stück ist? Im Programmheft steht:

    Zitat von der Dramaturgin Andrea Vilter im Programmheft, Seite 20

    Vielleicht darf man hier verraten, dass das Libretto der Millöckeroperette nicht so starl ist, wie man es bei dem Librettisten-Team vielleicht annehmen würde, das ja auch den Bettelstudent geschrieben hat. Deshalb wissen wir es natürlich zu schätzen, dass das Stück 1931 von den Librettisten Mackebens neu geschrieben wurde

    Das heißt, man bekommt eben KEINE Millöcker-Operette, sondern eine Neufassung des Jahres 1931! Wenn man dann trotzdem hingeht, sich eine Millöcker-Operette erwartet und sich -- wie Du -- beschwert, dass man etwas ganz anderes bekommt, handelt man etwa wie jemand, der in der Oper in der ersten Reihe sitzen mag und sich dann beschwert, dass die Preise dort hoch sind.


    4) Dass es mir gefallen hat, stimmt -- aber nicht uneingeschränkt: Ich habe erwähnt, dass mich die Mikrophone gestört haben, und:

    Insgesamt: Kann man sich anhören, muss es aber nicht unbedingt.

    klingt nicht nach einem dringenden Appell hinzugehen.


    5) Die Erwähnungen, dass Du "kein Einzelfall" beim "fluchtartig[en]" Verlassen des Hauses in der Pause gewesen seist und auch "einigen Freunden" (die vielleicht auch nur bis zur Pause dort waren?) die Aufführung nicht gefallen habe, sind wertlos. Ich könnte jetzt anführen, dass ich gestern mit vier anderen Personen dort war (Alter: Mitte 60, Mitte 40, zweimal Mitte 20), und es drei von diesen vieren sehr gut gefallen hat und der vierten Person auch recht gut. Mache ich aber nicht, weil ich das ziemlich kindisch finde: Ich spreche hier für mich selbst, und was andere Personen des eigenen Freundes- und Bekanntenkreises denken oder machen, ist im Kontext des Forums unwichtig.

  • aber wieso springt er in München in der doch eher kleinen Rolle des Swallow ein (Brindley Sherratt war vorgesehen gewesen)?

    Für Freitag steht auch Brindley Sheratt drin. Von einer Umbesetzung gestern habe ich auch nichts mitbekommen.

    Ich glaube, dass es nicht unbedingt leichter ist, Operette aufzuführen als Oper

    Das ist es ganz bestimmt nicht, völlig richtig. Es heiß sogar, Operette gut zu machen, sei schwerer als Oper.

    aber wenn eine Annette Dasch, die an der Wiener Staatsoper immerhin Elsa gesungen hat, dann für die Volksoper ein Mikrophon bekommt, dann ist das aus meiner Sicht total absurd.

    Bei Annette Dasch ist das sicher so. Aber in einem größeren Haus ist es vielleicht für nicht genuine Opernsänger nicht leicht, ohne Mikro rüberzukommen. Das ist es, was ich dachte.

    Der Satzteil, der die Gleichsetzung (!) mit einer "Vergewaltigung der Musik" enthält, offenbart, dass Du entweder keine Ahnung hast, was eine Vergewaltigung ist, oder dass Du dieses abscheuliche Verbrechen kleinredest

    Lieber Sadko, ich finde das Wort ja in diesem Zusammenhang auch nicht passend. Aber es ist einfach so, daß es in der Alltagssprache (leider!) in solchen oder ähnlichen Zusammenhängen oft ganz locker verwendet wird. Ich glaube nicht, daß brunello dieses Verbrechen kleinreden wollte.

  • Bei Annette Dasch ist das sicher so. Aber in einem größeren Haus ist es vielleicht für nicht genuine Opernsänger nicht leicht, ohne Mikro rüberzukommen. Das ist es, was ich dachte.

    Liebe Ira!


    Danke für die Erklärung! Wenn man sich aber die Liste der Sänger anschaut, die an der Produktion mitwirken, sind die meisten "genuine Opernsänger" (oder zumindest Sänger, die in zahlreichen "richtigen" Opernpartien aufgetreten sind), in der Reihenfolge des Besetzungszettel: Annette Dasch, Lucian Krasznec, Marco Di Sapia, Daniel Ohlenschläger und Ulrike Steinsky. Tatsächlich stärker in der Operette präsent sind Juliette Khalil und Wolfgang Gratschmaier, aber auch die sind -- wie ich aus Erfahrung weiß -- ohne Mikrophon in der Volksoper hörbar. Lediglich Harald Schmidt wäre eventuell zu verstärken gewesen.

    Ich halte es für eine Bankrotterklärung der Operette, verstärkt Mikrophone einzusetzen.


    Zur Frage, ob sich deswegen eine Reise nach Wien auszahlt, noch ein Nachtrag: Vielleicht helfen Youtube-Ausschnitte bei der Entscheidungsfindung? (Da gibts jedenfalls, wie ich grad gesehen habe, mehrere Ausschnitte aus der Mackeben-Bearbeitung.)

  • Vielleicht helfen Youtube-Ausschnitte bei der Entscheidungsfindung? (Da gibts jedenfalls, wie ich grad gesehen habe, mehrere Ausschnitte aus der Mackeben-Bearbeitung.)

    Danke, die werde ich mir mal anschauen.

    Ja, die Volksoper sollte von den von Dir genannten Sängern wohl zu füllen sein (bekannt ist mir nur noch Ulirke Steinsky).

    Und die Mikrofone braucht man wohl eher in Musicals oder 30- iger Jahre Songs u.ä. Jonas Kaufmann hat das mal vor einem Konzert in Baden-Baden erklärt, im Netz finde ich das leider nicht.

  • verstärkt Mikrophone einzusetzen

    Mikrophone unverstärkt bringts ja nu ooch nich...


    (Sorry, der lag so einladend da rum... )

    :cincinbier:

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Richard Wagner - Das Rheingold - Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, 30.9.2022


    Diese Produktion des "Rheingold" stellt den Auftakt zu einer Neuproduktion des gesamten "Rings" an besagtem Haus dar, welche über die nächsten Spielzeiten vervollständigt werden soll.


    Eigentlich wollte ich einen ausführlichen Bericht zu dieser Aufführung schreiben, doch mangelt es mir hierfür gerade an Zeit und Motivation. Dieser Thread ist "Operntelegramm" betitelt, also folge ich diesem Prinzip und fasse mich kurz.


    Es war ein großartiger Musiktheater-Abend, der mich so begeistert hat, dass ich wahrscheinlich nochmal in eine der nächsten Vorstellungen gehen werde. Die Inszenierung war mutig, aber konsequent gearbeitet und ging aus meiner Sicht auf, war handwerklich exzellent gemacht und bot viel Substanz zum Nachdenken. Gesungen wurde fast durchgehend auf gehobenem bis hohem Niveau, und die orchestrale Leistung war (von einigen Wacklern abgesehen) durchaus ansprechend.


    Fazit: wenn man halbwegs in der Nähe wohnt oder in nächster Zeit im Saarland vorbeikommt, sollte man sich diese Produktion nicht entgehen lassen - dringende Empfehlung!


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Schön, dass Dir die Vorstellung gefallen hat!

    Vielleicht könntest Du irgendwann (es eilt ja nicht) noch etwas zu dieser:

    Die Inszenierung war mutig, aber konsequent gearbeitet und ging aus meiner Sicht auf, war handwerklich exzellent gemacht und bot viel Substanz zum Nachdenken.

    Passage schreiben, das würde mich interessieren.

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