François-Xavier Roth wird neuer Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters

  • Überraschend kommt gerade diese Nachricht durch:


    "Wir freuen uns, gemeinsam Ihnen heute mitteilen zu können, dass François-Xavier Roth ab der Saison 2025/26 Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des SWR Symphonieorchesters wird. In der Saison 2024/25 ist er bereits designierter Chefdirigent. ...Bereits seine Zeit beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg hat bewiesen, wie sehr er sich als Chefdirigent für sein Orchester einsetzt. ... Sein Vertrag läuft zunächst für fünf Jahre, und er wird 14 Wochen pro Spielzeit mit den Musikerinnen und Musikern arbeiten.


    Die überwältigende Resonanz zu Mahlers 7. Sinfonie unter der Leitung von François-Xavier Roth in Baden-Baden haben ihn und uns weiterhin darin bestärkt, dass diese Zusammenarbeit deutlich weiter reichen muss. ...Wir schätzen uns sehr glücklich, dass François-Xavier Roth sich für das SWR Symphonieorchester entschieden hat und mit Ihnen gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft blickt.

    (Sabrina Haane, SWR Symphonieorchester Gesamtleitung)


    François-Xavier Roth wird Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters ab 2025
    François-Xavier Roth übernimmt zur Spielzeit 2025/2026 die Position des Chefdirigenten und Künstlerischen Leiters beim SWR Symphonieorchester. Er tritt damit…
    www.swr.de


    Das Ende der Ära Currentzis in Stuttgart ist somit bereits eingeläutet. Schade, aber ich ziehe ja eh weg.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Nichts gegen Currentzis, aber ich denke, mit François-Xavier Roth hat man in Stuttgart eine gute Wahl getroffen. Ich schätze den Franzosen, habe ihn zuletzt mit dem SWR-Orchester in Mannheim erlebt, mit Mahlers Dritter. Das war sehr beeindruckend.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Nichts gegen Currentzis, aber ich denke, mit François-Xavier Roth hat man in Stuttgart eine gute Wahl getroffen.

    Currentzis hat es immerhin geschafft aus einem Haufen frustrierter und lustlos agierender Fusionsmusiker ein begeistertes und begeisterndes Orchester zu schaffen. Daran wird Roth natürlich anschliessen, der ja die Freiburg-Baden-Badener Hälfte schon fünf Jahre geleitet hat.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Ich persönlich bin -- im Interesse eines qualitätsvollen Musikbetriebes -- zwar sehr froh, wenn Currentzis möglichst wenig dirigiert (und ohne die Hintergründe zu kennen, frage ich mich, ob die sehr abfällige Bezeichnung "Haufen frustrierter und lustlos agierender Fusionsmusiker" wirklich berechtigt ist!), aber weiß man, was die Hintergründe für die Currentzis-Nicht-Verlängerung sind?

  • Ich persönlich bin -- im Interesse eines qualitätsvollen Musikbetriebes -- zwar sehr froh, wenn Currentzis möglichst wenig dirigiert (und ohne die Hintergründe zu kennen, frage ich mich, ob die sehr abfällige Bezeichnung "Haufen frustrierter und lustlos agierender Fusionsmusiker" wirklich berechtigt ist!), aber weiß man, was die Hintergründe für die Currentzis-Nicht-Verlängerung sind?

    Ich gehe davon aus, dass ihm seine zu engen Verbindungen zur russischen Führungsschicht zum Verhängnis geworden sind. Ein Künstler, der gleichzeitig Gelder von kremlnahen Einrichtungen und vom deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekommt und jeweils als Aushängeschild fungiert, den Imageschaden möchte niemand haben. Das wäre zumindest meine Erklärung.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Genau das habe auch ich vermutet.

    Edit: Aufgrund späteren Postings, die das Gegenteil besagen, ist diese Vermutung hinfällig.

    Einmal editiert, zuletzt von Sadko ()

  • Genau das habe auch ich vermutet.

    Das dachte ich mir schon.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • sehr abfällige Bezeichnung "Haufen frustrierter und lustlos agierender Fusionsmusiker" wirklich berechtigt ist

    ich habe sie seinerzeit hier mehrfach so erlebt

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Eine sehr gute Wahl, denke ich!


    Roth ist sicher der Richtige, auf dem, was Currentzis mit dem Orchester entwickelt hat, aufzubauen und gleichzeitig ganz eigene Akzente zu setzen. Das, was ich von ihm, einmal live und vielfach auf Tonträgern, gehört habe, fand ich sehr überzeugend.


    Ist denn überhaupt bekannt, ob die Nicht-Vertragsverlängerung für Currentzis von Orchersterseite und nicht von ihm entschieden wurde?

  • Ich gehe davon aus, dass ihm seine zu engen Verbindungen zur russischen Führungsschicht zum Verhängnis geworden sind. Ein Künstler, der gleichzeitig Gelder von kremlnahen Einrichtungen und vom deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekommt und jeweils als Aushängeschild fungiert, den Imageschaden möchte niemand haben. Das wäre zumindest meine Erklärung.

    Habe diese Vermutungen eben dort zitiert:


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Ist denn überhaupt bekannt, ob die Nicht-Vertragsverlängerung für Currentzis von Orchersterseite und nicht von ihm entschieden wurde?

    Ich war im Saal, als Currentzis am 16. September 2021 nach seinem Konzert mit dem SWR-Symphonieorchester seine Vertragsverlängerung bis 2024 öffentlich bekannt gab. Das Orchester trampelte wie wild mit den Füßen. Aber man muss auch ganz klar sagen: Er verlängerte "nur" bis 2024. Hätte er es damals gewollt, hätte man ihm sicherlich auch einen länger gültigen Vertrag gegeben (Diskussionen um die Finanzierung seiner musicAeterna-Ensembles gab es damals noch nicht), aber er wollte es nicht. Es war relativ klar, dass der gemeinsame Weg 2024 auseinandergehen wird. Folgerichtig schreibt heute auch die Süddeutsche Zeitung:

    "Currentzis' Vertrag war im vergangenen Jahr um drei Jahre bis 2024 verlängert worden. Offenbar war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass es danach keine weitere Verlängerung mehr geben wird. Die Entscheidung fiel mithin lange vor Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine und steht in keinem Zusammenhang mit den finanziellen Verbindungen, die Currentzis über sein Ensemble MusicAeterna nach Russland unterhält. Ausschlaggebend war wohl vielmehr, dass Currentzis sehr viel Zeit für seine eigenen Ensembles aufwendete" (Anmerkung: Den bemerkenswerten Tippfehler "Curretzis" in der Originalquelle habe ich in meiner Wiedergabe des Zitats korrigiert).


    Quelle:

    François-Xavier Roth löst 2025 Teodor Currentzis als Chef beim SWR ab
    François-Xavier Roth löst 2025 Teodor Currentzis als Chefdirigent des SWR-Symphonieorchesters ab
    www.sueddeutsche.de

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

  • Supergeil kommen Mitschnitte von Boulez explosante-fixe (SWR Sinfonieorchester, 23.01.15), Bazis Soldaten aus Ziegentown (29.04.18) unter Roth rüber ... einmal zogen wir uns sogar richtig live Bouelz Rituel unter nämlichen Orchesterquäler rein mit nämlichen Fetzigkeitslevel ...

    ...

    andererseits traurig, dass Currentzis unser Erlöser scheidet ... rassiger Mitschnitt von Mahler 4 (22.02.19) mega-feste im Stammkader eingebunkert ...

    manche seiner Jünger/Anhänger/Fans verbleiben im Dauer-Advent mit der unumstößlichen Überzeugung seiner Wiederkehr ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Ich halte es für richtig, dass man 2024 auseinandergeht. Mit Roth bekommen die Musiker einen erstklassigen Dirigenten, der nicht nur in Frankreich, sondern eben auch in Freiburg und Köln einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen hat. Man kann nur beglückwünschen, dass der exzentrische Currentzis, dessen Putin-Nähe man sich auch nicht mehr erlauben kann, dann nur noch als Gast agieren wird.


    Dass das Orchester nach dem Zusammenschluss mit der Motivation Probleme hatte, ist menschlich sicher nachvollziehbar Ob man Currentzis mag oder nicht, er hat das Orchester wieder wachgerüttelt, dort neues Leben eingehaucht, und damit wieder salonfähig gemacht. Diese Leistung muss man anerkennen, denn das war sicher keine leichte Aufgabe gewesen.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Ein Detail der offiziellen Mitteilung des SWR hinsichtlich François-Xavier Roth

    François-Xavier Roth wird Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters ab 2025
    François-Xavier Roth übernimmt zur Spielzeit 2025/2026 die Position des Chefdirigenten und Künstlerischen Leiters beim SWR Symphonieorchester. Er tritt damit…
    www.swr.de

    ist interessant:

    Zitat

    In Ergänzung zu Konzertstreams und Aufzeichnungen für Radio und Fernsehen sollen seine Konzerte mit dem SWR Symphonieorchester auch auf physischen Tonträgern wie CD und DVD dokumentiert werden.

    Das war bei Currentzis nicht der Fall, was sicherlich mit seinem Vertrag bei Sony Classical zu tun hat. Es gibt keine einzige CD und keine einzige DVD des SWR Symphonieorchesters mit ihm.

    «Musik ist die größte Inspiration. Wenn du traurig bist, denk' an all die Musik, die du noch nicht gehört hast.»
    (Jim Jarmusch)

  • Die überwältigende Resonanz zu Mahlers 7. Sinfonie unter der Leitung von François-Xavier Roth in Baden-Baden

    Die 7. Mahler ist in der ARD Mediathek verfügbar. Ich habe sie mir gerade angehört und -gesehen. Eine sehr schöne transparente Aufführung, in den Mittelsätzen mir allerdings zu schnell (die Gesamtspieldauer liegt bei gerade gut 70 Minuten) und, scheinbar damit einhergehend, viele Akzente zu leicht überspielend (das col legno der 2. Geigen am Anfang 2.Satz hab ich z.B. kaum wahrgenommen), als ob Roth das "schattenhaft" des 3.Satzes auch auf die Nachtmusiken übertragen hätte. Der 1. Satz und weitgehend auch das Finale haben mich aber sehr überzeugt. In der DCH will ich mir demnächst zum Vergleich nochmal die (in der Presse teilweise stark kritisierte) 7. unter Petrenko vom August anhören, die ähnlich stark auf Transparenz angelegt war, aber meinem (Live-)Eindruck nach "wuchtiger" und kräftigere Akzente setzend klang.

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