Erlebt ihr Musik als wirklichkeitsbezogen oder als (nur)theoretisches Konstrukt?

  • atonale Musik ist auf intuitiv harmonische Zusammenklänge nicht zwingend angewiesen, was mir zumindest es erheblich erschwert in solch einer Musik emotional abzutauchen!

    < - nicht meine Erfahrung, nicht mein Erleben ;)


    meine 'Arbeits-These' wäre: je früher und je dringlicher ich habe lernen müssen, mit 'Unauflösbarem' in meiner Psyche zu leben, psychisch unlösbares als just life anzunehmen ((mit spätestens 14 war mir eigentl. klar, dass es das gesündeste und vernünftigste für mich wäre, augenblicklich sowohl das Geigespielen aufzugeben als auch meine Lateinpenne zu verlassen - nicht den Hauch einer Ahnung allerdings, wie das zu bewerkstelligen (v. a. den Eltern beizubringen) wäre!)), desto eher neige ich dazu, manch atonales als 'just normal sounds also' wahrzunehmen....

    Bei mir muss sich Musik einfach auf Anhieb in mein Herz spielen, sonst wird das nix!

    Sry - falls das jetzt als Klugpfeiferei rüberkommt ;)


    < - ein 'offenes Herz' allerdings vorausgesetzt - und das habe ich um so weniger, je (wie auch immer) gestresster ich mich fühle u n d je 'weiträumiger' eine Musik ist (denke gerade an Webern, der >mein ich< in einem seiner Kurzvorträge sagt Durchführung heißt 'durch weite Räume führen' - wäre freilich wohl Aufgabe einer Diplomarbeit, zu untersuchen, wie anderweitig diese 'Weiträumigkeit' noch verstanden werden könnte!), je 'weiträumiger' also eine Musik, desto 'aufgefächerter' muss die Herzregion irgend wann mal gewesen sein, um einen ersten Zugang zu bekommen zu haben....


    dieses 'Auffächern' dürfte auch eine Art 'Lebensaufgabe' sein (so bis zum 18.(?)/25.(?) Lebensj. zumindest) - > - > also dieses obige 'auf Anhieb' sehe ich schon sehr relativ ;)

    Mehr Stimmen, mehr angenehme "Kicks".

    bin ich mit einverstanden - sofern ich es in ''innere Stimmen'' abändere ;)


    je mehr u./od. tiefer resp. 'dringlicher' die Assoziationen, die ich bei bestimmten Klängen abrufen kann, desto angenehmere ('weiträumigere'?) Kicks - YEPP passt ;) der musikalische Kick der letzten Monate war für mich das hebräische Lied 'Shdemati' (eine Bitte um Regen), das ich nach Jahrzehnten in eben dem Arrangement wiederentdeckt habe, mit dem ich aufgewachsen bin... -es hat hier in Unterfranken seit inzw. sechzehn J. nicht mehr ausreichend geregnet; setzt sich dieser Trend fort, bricht in zwei, drei Jahrzehnten der hiesige Weinbau zusammen / weiter mag ich gar nicht denken, erlebe ich ja auch nicht mehr . . .


    selbst einstimmiges kann in mir sehr tief gehen - so die 'zauberhafte' Art, wie Frank Peter Zimmermann den langsamen Satz aus Bartoks Solosonate vor einigen Monaten mal (als Zugabe) dargeboten hat . . . -dazu näheres auszuführen wäre ein wenig komplexer, wozu ich an dieser Stelle nicht die rechte Lust habe . . .


    :wink:

    Alexa, was ist ein gerechter Lohn? 'Das weiß ich leider nicht!' Peter Kessen 'Disruptor Amazon'

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott'

    Werner Schneyder

    Fleiß ist gefährlich Henning Venske 'Inventur'

  • Zum einen kann dies bei manchen Leuten zu einer gewissen Entlastung führen, wenn sie erfahren, dass es biologische Mechanismen (oder eben unsere "Wirklichkeitsbezüge") gibt, die dafür zuständig sind, dass ihnen etwas nicht zusagt.

    Zum Weiteren kann dieses Verständnis bei manchen Menschen so anschlagen, dass sie einen Zugang finden. Jeder Mensch "funktioniert" anders

    Das bezöge sich vor allem auf Zielgrupppen, die Mucke sich reinziehn.

    Aber weniger auf Mucke bzw. Kunstwerk selbst selbst.

    Man/frau könnte aber sich fragen, ob das überhaupt was Wesentliches von z.B. Pfitzners Palestrina, Schönbergs Streichtrio oder Lachenmanns Streichtrio 2.0 aussagt, wenn derartige Mucken vergleichweise weniger häufig sich reingezogen werden, weil Großteil vom Auditorium von derartige Mucke totalst angenervt ...


    "Jeder Mensch "funktioniert" anders"

    Zustimmung: Individuelle Momente wären beim Mucken-Einschmeißen einerseits nicht unterzubuttern.

    Ergänzend: Und Strukturen, wie z.B. Variationen werden m.E. andererseits aber auch irgndwie subjektiv-allgemein reingezogen, also dass diese - wie auch immer - beim Reinziehn von vielen als solche mit nachvollzogen werden ...


    biologische Mechanismen ...dafür zuständig sind, dass ihnen etwas nicht zusagt.

    Das findet mein Brägen eher schwierig. Denn m.E. sind derartige Mechanismen vor allem gesellschaftlich geprägt; darauf wurde irgendwo in diesem Thread bereits hingewiesen ...

    Und - vor allem - wo und wie käme dann sowas wie - gleichsam unmittelbare - Schnittstelle(n) zwischen der Physis (Chemie, Biologie) und dem Bloß-Mentalen bein Reinziehn rüber.

    Wo wäre eine solche aufzusuchen, zu finden ?

    Etwa Zirbeldrüse Grins1 als Schnittstelle zwischen mentaler Sphäre und Physis ? ...


    Vor allem Kunst der Moderne, sei es in Ausformung von Mucke, Texte, Pinselquälereien etc , legts tendenziell drauf an, festgefügte Mechanismen, inkrustierende Wahrnehmungen aufzubrechen; Hörer, Leser sogar zu verstören, erschüttern ...

    Sie zückt damit gegen allgemeine Zustimmung, gegen einschnappende Kommunikation ihre Arschkarten, um eben auf Allgemeinheit sich zu beziehen, um zu "kommunizieren" bzw. "..dass sie einen Zugang finden.." ....

    das käme als ihr Wirklichkeitsbezug (allerdings in Gestalt von ästhetischer Iso-Blase, von Schein) rüber ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • ah, ja - extrem ambitionierte Kadenzen oder - noch ausgeprägter - Vieles, was man gemeinhin als "Freejazz" einordnen kann ist mir persönlich oft zu viel, ja es überfordert und nervt mich dann tegelrecht.


    Variationen hingegen mag ich in der Regel schon sehr. Was wäre die herrliche Anfangsmelodie beim langsamen Satz von Beethovens Siebenter ohne die wunderschönen Wandlungen und Verzierungen dieser für mich erhabenen Melodie ?

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • ah, ja - extrem ambitionierte Kadenzen oder - noch ausgeprägter - Vieles, was man gemeinhin als "Freejazz" einordnen kann ist mir persönlich oft zu viel, ja es überfordert und nervt mich dann tegelrecht.

    Totalst ohne Ironie (!) wähnt mein Brägen, dass dieser Eindruck bereits Zugang zu moderne Mucke bildet ...

    Variationen hingegen mag ich in der Regel schon sehr. Was wäre die herrliche Anfangsmelodie beim langsamen Satz von Beethovens Siebenter ohne die wunderschönen Wandlungen und Verzierungen dieser für mich erhabenen Melodie ?

    Meinen Brägen = Kennzeichen, dass Strukturen von Mucke nicht bloß individuell, sondern auch subjektiv-allgemein reingezogen werden ...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Wenn Du der größte Komponist der Musikgeschichte bist, aber nicht einmal einen sauberen vierstimmigen Satz unter Verwendung der einfachen Haupt- und Nebenfunktionen schreiben kannst, dann wird das auch nix ...

    das kommt nun aber im 21.Jhdt. arg eurozentristisch rüber. Je nach Genre könnte die erarbeitete Kenntnis z.B. modaler Musizierweisen anderer klassischer Kulturen oder das Studium der Funktionsweise vertrackter Grooves entscheidender sein als der "saubere vierstimmige Satz", so sehr ich selbst immer auf der Nützlichkeit von Theorie und Handwerk beim Komponieren insistiere: es ist doch eine Fülle möglicher erlernbarer Handwerke in den Blick geraten (zumindest für weltoffene Komponisten).

    Für mich ist es nun aber so, dass vieles an Wissenschaft meine Verzauberung nur noch verstärkt.

    geht mir auch so.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • ah, ja - extrem ambitionierte Kadenzen oder - noch ausgeprägter - Vieles, was man gemeinhin als "Freejazz" einordnen kann ist mir persönlich oft zu viel, ja es überfordert und nervt mich dann regelrecht.


    Variationen hingegen mag ich in der Regel schon sehr. Was wäre der langsame Satz von Beethovens Siebenter ohne die wunderschönen Wandlungen und Verzierungen dieser für mich erhabenen Melodie ?

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Erstens könnte hierin ein möglicher Mechanismus begründet liegen, warum Musik immer mehrstimmiger wurde und demnach auch immer mehr Intervalle benutzte. Dopamin ist ja auch verantwortlich für addictions. Man braucht immer mehr, um sich gleichwohl zu fühlen. Mehr Stimmen, mehr angenehme "Kicks". Dabei ist intreressant, dass eine Oktave angeblich immer als Konsonanz emfunden wird, wenn ich das richtig verstanden habe. Man muss also schon weitere Intervalle dazu nehmen, um den realen, körperlichen Dopamin Effekt zu erhöhen

    Also etwa Dissonanzen wie Nikotin? Das halte ich für unplausibel. Wenn man in die Geschichte schaut: Die mittelalterliche Musik im 14. Jahrhundert war viel dissonanter als die der Renaissance, die Spätbarockmusik viel dissonanter (vor allem viel gehäufter, da harmonisch dichter) als die der Klassik; außerdem müsste man dann ja von Palestrina wahnsinnig gelangweilt sein, wenn man vorher Schönberg gehört hat. Ganz wichtig wäre es erstmal, genau zu definieren, was man unter dissonant versteht. Schwebungsbehaftete Klänge (also akustische Definition) werden ja nicht gemeint sein. In der Jazzmusik der 50er/60er z. B. (Coltrane etc.) sind zugunsten erhöhter Reizwerte fast sämtliche Klänge extrem dissonant und trotzdem ist die Musik ziemlich zugänglich und erreichte Breitenwirkung, natürlich nicht nur aus Gründen der Harmonik, aber auch, da es sich größtenteils um Quintfallverbindungen handelt, die die dissonanten, zuweilen fast atonal wirkenden Klänge tonal erden.


    Ich denke, in heutiger Zeit, wo der bildungsbürgerliche Kanon seine Selbstverständlichkeit verloren hat, selbst führende Intellektuelle oft überhaupt kein Interesse an (bzw. nicht mal Kenntnisnahme) Neuer Musik mehr zeigen, die besten klassischen Musiker sich so sehr spezialisiert haben, dass sie sich oft nur noch in einer Epoche zuhause fühlen und sich von anderer Musik jenseits dieser Grenzen nicht selten gar nicht angesprochen fühlen – da sollte man sich hüten, irgendeiner Musik eine so große Relevanz bzw. absoluten Wert zuzuschreiben, dass man bei fehlendem Zugang gleichsam das Versagen (zeitgemäßen) ästhetischen Empfindens suggerieren möchte. Oder so wie Adorno, der dann unterentwickeltes Hören zu diagnostizieren glaubte. Wer mit Boulez nichts anfangen kann, dem gehen natürlich bestimmte Qualitäten ästhetischer Erfahrung verloren; selbiges trifft aber natürlich zu, wenn man um Machaut einen Bogen macht oder sich nie intensiv auf Froberger eingelassen hat. Niemand kann sich ja von sämtlicher Musik von Qualität (wozu man heute, anders als noch Adorno, auch Händel, Jazz und vieles andere zählt) gleichermaßen angesprochen fühlen. Da ist es mir lieber, man hört ganz ohne Rechtfertigungsdruck die Musik, die wirklich zu einem spricht (oder, mit Hartmut Rosa, Resonanz erzeugt), als dass man sich zwecks Ressourcen-Vermehrung kulturellen und sozialen Kapitals mühsam an einem vermeintlichen Kanon abarbeitet, weil einem suggeriert wird, man sei sonst nicht über das Stadium der vorästhetischen Reizbefriedigung hinausgekommen. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

  • Ich bin gerade bei der Arbeit, deshalb nur schnell, weil es mir gerade besonders ins Auge fiel: (weiteres hoffentlich später)

    Also etwa Dissonanzen wie Nikotin?

    Eher der Wechsel von Dissonanz und Konsonanz. Die Konsonanz wird um so angenehmer durch die Dissonanz. Irgendwann wird schon die Vorfreude auf die Auflösung zum fast paradoxen Genuss - also die Spannung während der Dissonanz. Ich habe hier besonders Tristan, den Mittelteil des Mephisto Walzers oder die 7. Klaviersonate von Feinstein* als Beispiele im Sinn.

    Ein weites Feld......


    Wenn alles nur konsonant (und/oder einstimmig) wäre, dann käme der Dopamin Effekt von Musik sehr viel weniger zustande.


    Das ist selbstverständlich eine Hypothese - allerdings mit schon einigen Elementen in Wissenschaft fundiert). Es wäre aber eine mögliche (wirklichkeitsbezogene) Erklärung für Knulps ursprüngliche Äusserung über den Tonika-Effekt. Es gibt vielleicht auch andere.


    * Berichtigung: Nicht Feinstein, sondern ich meinte Samuel Feinberg. Feinstein ist ein Bekannter von mir.

    Einmal editiert, zuletzt von Amethyst ()

  • Die Konsonanz wird um so angenehmer durch die Dissonanz.

    Das ist sicher so, so hat man das auch schon im 17. Jahrhundert und früher gesehen. Werckmeister etwa schreibt, dass durch "geschicktes Zusammenfügen [...] recht angebrachte Dissonanzen dem Gehör nicht allein nicht verdrießlich fallen, sondern auch die drauf folgende Consonanzen nur desto schöner und lieblicher machen".

    Dissonanzen werden aber nur durch ihren Kontext zu solchen. Was für Werckmeister eine Dissonanz ist – etwa eine große Septime –, ist im Jazz mitunter die konsonante Auflösung. Und solche "Dopamin-Effekte" durch Aufbau von Spannung und Entspannung können schließlich in der Neuen Musik auch ganz ohne die Dimension der Harmonik kreiert werden, wenn z. B. im Extremfall das musikalische Material gar keine Töne, sondern ausschließlich Geräusche sind.

  • ja dieser Wechsel zwischen Konsonanz und Dissonanz geschickt untergeordnet einem übergeordneten Kompositionsprinzip trägt zur "Spannung" eines Werkes bei. Dissonanzen kann man somit als Gewürz im Menu bezeichnen.


    Indiz dafür ist für mich beispielsweise die Musik von Philipp Glass: Da sind so gut wie keine Dissonanzen drin, was bei mir jedenfalls nach überschaubarer Zeit die Aufmerksamkeit beim Hören einschränkt.

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Die Konsonanz wird um so angenehmer durch die Dissonanz.

    Das ist sicher so, so hat man das auch schon im 17. Jahrhundert und früher gesehen. Werckmeister etwa schreibt, dass durch "geschicktes Zusammenfügen [...] recht angebrachte Dissonanzen dem Gehör nicht allein nicht verdrießlich fallen, sondern auch die drauf folgende Consonanzen nur desto schöner und lieblicher machen".

    Dissonanzen werden aber nur durch ihren Kontext zu solchen. Was für Werckmeister eine Dissonanz ist – etwa eine große Septime –, ist im Jazz mitunter die konsonante Auflösung. Und solche "Dopamin-Effekte" durch Aufbau von Spannung und Entspannung können schließlich in der Neuen Musik auch ganz ohne die Dimension der Harmonik kreiert werden, wenn z. B. im Extremfall das musikalische Material gar keine Töne, sondern ausschließlich Geräusche sind.

    Der letzte Satz trifft für mich auf Nonos Musik schon zu. :)

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Doppelposting gelöscht

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Der letzte Satz trifft für mich auf Nonos Musik schon zu. :)

    Da hat mein Brägen eine mega-fetzige Stelle in Nonos geilen Streichquartett auf Schirm, wo den Lauscherchen so richtig einer abgeht. Die Saiten werden vom Bogen ganz leicht geschlagen:

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    ab ~ 11:20 (erster String)
    (
    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.
    )


    Tendenz zum Geräusch-liken kommt beim Reinziehn von Nonos Spätmucke rüber.

    Andererseits bleibt seine Mucke weiterhin an Tönen, Klängen dolle angedockt, selbst wenn diese rüberkommen, als ob sie sich verpissen wollen …
    Hm. Vielleicht weil er Italiener Grins1 war ?


    Der Drall von Mucken-Material zum überwiegend Geräuschhaften lässt super-fetzig via Lachenmanns geilem Streichquartett 1.0 (Gran Torso) sich einschmeißen:

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Gran Torso fabrizierte Lachenmann zeitlich vor Nonos Streichquartett. Übringens, Lachenmann findet die Wiedergabe mit den Jacks mega-supi …
    Seine späteren Notenquälereien haben Drang vom Geräuschpisserei-Überhang wieder etwas sich abzuheben

    ...

    ach ja. fetzige Geräuschpissereien kommen auch via Streichtrio von Mark Andre (2004) rüber:

    Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.
    und im Verhältnis zu Lachenmanns Gran torso, höchstlich eigenständige Mucke...

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • ja dieser Wechsel zwischen Konsonanz und Dissonanz geschickt untergeordnet einem übergeordneten Kompositionsprinzip trägt zur "Spannung" eines Werkes bei. Dissonanzen kann man somit als Gewürz im Menu bezeichnen.

    Klingt vernünftig.


    Doch: Was ist eine Dissonanz? Kommen alle Menschen bei der Frage "klingt diese Stelle dissonant" zu demselben Ergebnis?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • @ Mauerblümchen:


    Diese Frage ist, wenn man nur vom Höreindruck als Beurteilungskriterium noch dazu in einem wandelnden Kontext zu den benachbarten Klängen einer Komposition heranzieht durchaus berechtigt.

    Während man in einem eher zum Jazz geneigten Stück die eine oder andere Stelle dabei noch als konsonant empfindet kann ein isoliert betrachtet ähnlicher Klangeindruck in einem tendentiell auf bereits auf den ersten Höreindruck eher überwiegend konsonanten Stück bereits als dissonanant empfunden werden.

    Objektiv bedient man sich hierbei - meines Wissens nach - der Harmonielehre, um da gewisse Eingrenzungen vornehmen zu können. Das ist aber sicher kein vollwertiger Ersatz für den Höreindruck eines Stückes im Ganzen.

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Objektiv bedient man sich hierbei - meines Wissens nach - der Harmonielehre, um da gewisse Eingrenzungen vornehmen zu können.

    Welche Harmonielehre denn?


    Die Harmonielehre von Perotin hätte andere Klänge als dissonant bezeichnet als die von Bach, und dessen Dissonanzverständnis war wohl wieder (bei aller gelegentlichen Kühnheit) anders als bei Mozart (Komtur-Stellen oder KV 465), und Beethovens op. 133 wurde wohl erst wieder im 20 . Jhd. überholt und Wagner fand wohl nochmal ganz andere Stellen dissonant ...


    ... langer Rede kurzer Sinn: Es gibt nicht DIE Harmonielehre. Selbst Wagners Holländer unterlag wohl anderen (impliziten) Gesetzen als sein Tristan.


    (Das ist wohl ein Kennzeichen von Musik nach 1945 - Du komponierst nicht ein Stück, sondern Du schaffst Dir Deine musikalische Welt und schreibst in dieser Welt ein Stück. Ist das Stück fertig, schaffst Du Dir eine neue Welt. So etwas wie "op. 18 Nr. 1 bis 6" schreibt man heute wohl nicht mehr. Ach ja, und wir selbst sind ja heute vor allem individuell, ungebunden, frei und lassen uns nichts vorschreiben, solange es genug Benzin gibt ...)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Wenn Du der größte Komponist der Musikgeschichte bist, aber nicht einmal einen sauberen vierstimmigen Satz unter Verwendung der einfachen Haupt- und Nebenfunktionen schreiben kannst, dann wird das auch nix ...

    das kommt nun aber im 21.Jhdt. arg eurozentristisch rüber. Je nach Genre könnte die erarbeitete Kenntnis z.B. modaler Musizierweisen anderer klassischer Kulturen oder das Studium der Funktionsweise vertrackter Grooves entscheidender sein als der "saubere vierstimmige Satz", so sehr ich selbst immer auf der Nützlichkeit von Theorie und Handwerk beim Komponieren insistiere: es ist doch eine Fülle möglicher erlernbarer Handwerke in den Blick geraten (zumindest für weltoffene Komponisten).

    Für mich ist es nun aber so, dass vieles an Wissenschaft meine Verzauberung nur noch verstärkt.

    geht mir auch so.

    So kann man das natürlich auch erweitert sehen, nichts desto Trotz hat mir ein Komponist, dem ich folgendes mal zeigte gesagt, daß es sich dabei um eine Art vierstimmigen Satz handelt. Wie gerne würde ich das hier mal bearbeitet für Posaunenchor mit Leadsaxophon hören, hach ja :


    Externer Inhalt youtu.be
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Ja, nicht mal da reicht es bei mir, wie auch, wenn ich bei der Musiktheorie auch heute noch so kläglich versage. Aber eines habe ich als Ingenieur irgendwo noch mitgenommen: Man soll anhand Frequenzverhältnissen schon definieren können welcher Mehrklang harmonisch ist und welcher nicht, oder bringe ich da jetzt auch wieder was durcheinander (Akustik und Hamonielehre ?). Was solls, letztendlich entscheidet ja wohl doch mehr der Höreindruck und das auch noch im Kontext und subjektiv eingefärbt.

    ... Alle Menschen werden Brüder.
    ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    ... Imagine there is no heaven ... above us only sky

  • Man soll anhand Frequenzverhältnissen schon definieren können welcher Mehrklang harmonisch ist und welcher nicht, oder bringe ich da jetzt auch wieder was durcheinander (Akustik und Hamonielehre ?).

    Nee, Geschichte :) ... die Pythagoräer meinten, je kleinzahliger die Schwingungsverhältnisse (1:2, 2:3 usw.), desto harmonischer.


    Ein gutgestimmter Steinway wäre demnach völlig zu verwerfen, ausgenommen vielleicht für Oktaven in der Mittellage.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!