Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Gibt es das grelle - nicht wirklich freudige und aber auch nicht fahle - Dur nicht auch bei Schubert[?]

    Gute Frage, mir fällt nichts ein. Vielleicht bei Mozart: Schlussakkord der Maurerischen Trauermusik? (Für mich einer der erstaunlichsten, ergreifendsten musikalischen Momente überhaupt).

    Vielleicht eine Art Verklärungs-Dur? Das gibt's ja öfter. Hier dann der 3. Satz als Darstellung des Ringens eines Todgeweihten (wie wir es aber alle sind) mit dem Gedanken an Verklärung? Des Ringens mit der Todes-Aussicht und der Hoffnung an ein Jenseits? Immer wieder Zweifel, dann eine blasse Zuversicht....?

    Der letzte Satz wird innerhalb so einer Sichtweise besonders interessant. Grotesk am Ende?

    Keine Einwände, was das Sibelius-Quartett anbelangt. Schwer zu beweisen, schwer zu widerlegen. Aber einleuchtend aus der biographischen Perspektive.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • EDIT zu weiter oben:

    Jetzt habe ich das kapiert mit Amethyst und Rosamunde. Ein Blick in die Personalien genügt. Sehr trickreich, um Minderbemittelte wie mich hereinzulegen. Aber ich habe heute einen guten Tag.

    Ich war nämlich ganz naiv der Meinung, Rosamunde könne sich nicht an Amethyst, die andere Person, nicht den Alternativnamen, gewöhnen. All das war mir zwar ein Rätsel, aber ich muss weder alle Rätsel lösen, noch gehen mich alle Rätsel etwas an.

    Jaja - so kommt es dann zu Schlägereien ...

    Pardon und Cheers!

    Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Guten Morgen !

    Das Quartett meiner Wahl ist Hindemiths Nr 3, op 16 in C Dur, aus dem Jahr 1920.

    Hindemith hinterliess 7 Streichquartette plus 2 weitere Werke für Streichquartett (Minimax und Fliegender Holländer).

    Wir haben einen Thread zu Hindemiths Quartetten hier. Ich füge einen weiteren link zu einem kurzen Überblick über Hindemiths Quartett-Landschaft ein, in dem auch nochmal die Entdeckung des ersten Quartetts beschrieben wird. http://www.musicweb-international.com/classrev/2017/…ts_WER69602.htm

    Hier das (neue) Amar Quartett mit op 16:

    1. Satz. Lebhaft und sehr energisch

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    2. Satz. Sehr Langsam: Äusserst ruhige Viertel

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    3. Satz. Finale: Äusserst lebhaft

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    Viel Vergnügen !

  • Also dann Hindemith op. 16, interessant. Ich kenne das Werk natürlich, aber lange nicht so gut, dass mir davon irgendetwas im Ohr hängengeblieben wäre. Das kann sich dann ja jetzt ändern. ;)

    Ich habe wohl 5 Aufnahmen davon im Hause: Amar (die Neuen), Juilliard und die Dänen auf CD. Und die Kreuzberger und das Schäffer Quartett auf LP. Heute nachmittag geht es los.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Da geht's mir ähnlich. Sicher schon gehört, aber nichts haften geblieben.

    Ich habe mit dem Danish Quartet begonnen:

    Den langsamen Satz fand ich schonmal ausgesprochen stark.

    Morgen gehen die Erkundungen weiter.

  • In mehrfacher Hinsicht war dieses Werk eine Initialzündung: mit der Uraufführung am 1. August 1921 wurden die ersten Donaueschinger Musiktage eröffnet; da keines der bestehenden Ensembles bereit war, das komplexe Werk einzustudieren, führte es zur Gründung des legendären Amar-Quartetts mit Hindemith als Bratscher, das in den folgenden Jahren häufig in Donaueschingen auftrat; zudem markiert das Werk Hindemiths kompositorischen Durchbruch.

    Quelle: Werkkommentar von Florian Heurich

    Der Geiger Licco Amar erinnert sich: «Ich [...] erhielt kurz vor den Ferien ein Telegramm aus Donaueschingen von einem mir völlig unbekannten Musikdirektor Heinrich Burkard. Dieser schlug mir vor, gemeinsam mit einem anderen Geiger [Walter Caspar] an dem bevorstehenden Musikfest in Donaueschingen, dem ersten dieser Art, teilzunehmen und ein Quartett eines mir gleichfalls völlig unbekannten Komponisten namens Paul Hindemith zu spielen. Ich nahm natürlich die Einladung mit Vergnügen an. Ohne irgend etwas Näheres zu wissen, begab ich mich zunächst einmal in den Schwarzwald in die Ferien und erhielt dort Partitur und Stimmen des [...] Streichquartetts op. 16. Ich will nicht behaupten, dass ich gleich im ersten Augenblick bei der Lektüre der Partitur diese neuartige Musik vollkommen verstanden hätte, aber ich erinnere mich sehr wohl daran, dass mir etwas Besonderes aus diesen Noten entgegenschlug: eine Kraft und Vitalität, die ich allerdings mehr instinktiv als bewusst erfasste.

    Groß war mein Erstaunen, als ich zu der festgesetzten Zeit nach Donaueschingen kam und dort von zwei schmächtigen, eigentlich kindlich aussehenden jungen Leuten am Bahnhof empfangen wurde. Der eine war Paul Hindemith, und der andere war sein Bruder Rudolf, der den Cellopart in diesem Quartett übernahm. Die beiden, die so schmächtig aussahen, bemächtigten sich meines Koffers – ich sehe noch heute dieses Bild – und schleppten ihn fort. [...] In acht Tagen haben wir dann dieses Quartett hübsch einstudiert, wobei sich die beiden Brüder Hindemith als ganz ungewöhnliche Quartettpartner erwiesen. Die Aufführung wurde – kurz gesagt – ein donnernder Erfolg.»

    Quelle: http://www.hindemith.info/de/leben-werk/…tett-gruendung/

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • [...] mit der Uraufführung am 1. August 1921 wurden die ersten Donaueschinger Musiktage eröffnet

    [...] führte es zur Gründung des legendären Amar-Quartetts mit Hindemith als Bratscher

    [...] zudem markiert das Werk Hindemiths kompositorischen Durchbruch.

    Gute Wahl also, das Quartett. :thumbup:

    neuartige Musik

    Was "neuartige" Musik im zeitlichen Kontext betrifft, gab es zu diesem Zeitpunkt Bartóks erste zwei Quartette, die opp. 5 und 6 von Webern, das Quartett op. 3 von Berg, Schönbergs 2. Quartett mit Sopran, Zemlinkskys 2. Quartett. Vom ersten Wiederhören passt Hindemith 3 ganz gut in dieses Umfeld, finde ich.

  • Hindemith 3 ...?

    Ein Dreisätzer mit 30+ Minuten? Wow.

    War das Gründungsevent des Amar Quartetts? Doppel-Wow.

    Eröffnete die Donaueschinger Musiktage 1921 und wurde dabei zu Hindemiths Durchbruch? ... Triple-Wow.

    Die Erwartungen sind geweckt!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Vom ersten Wiederhören passt Hindemith 3 ganz gut in dieses Umfeld, finde ich.

    Habe gerade meine ersten beiden Hördurchgänge zum Wiederhören hinter mir. Tolles Werk, wenn auch im ersten Satz nicht ganz einfach zu hören. Vor allem der Mittelsatz spricht mich sehr an. Gehört habe ich beides Mal die Aufnahme durch das "neue" Amar Quartett, die Rosamunde auch oben eingestellt hat und die mich restlos zufrieden zurücklässt.

    …I strongly doubt that Hindemith’s own quartet played these pieces nearly this well. He was by all accounts a rather dry performer, whereas this particular Amar Quartet invests the music with considerable warmth and manages to maintain a remarkably attractive ensemble tone even in the two finales where everyone is going crazy. If they keep up this standard, there is little doubt that this will become the reference edition in this music, and perhaps will win for it the friends that it surely deserves. The engineering is ideal, and does the performances proud. © 2012 ClassicsToday.com Read complete review

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • ClassicsToday.com

    Interessant zu lesen. Ich bin auch entschieden der Meinung, dass das Amar Quartett zumindest die Quartette Nr 3-7 in ihrem besten Licht erscheinen lässt (verglichen mit Juilliard, Danish und Kocian). Wobei ich aber hinzufügen muss, dass einige Sätze oder längere Passagen von Juilliard oder manchmal auch Kocian mehr Charakter zeigen und bei mir deswegen tiefer "einschlagen". Aber unter dem Strich überwältigt mich halt doch immer wieder mein Berufsschaden, sodass ich zu viel der Kratzerei oder zu häufige Intonationsschwächen wenig tolerieren kann.

    Was ich bei Amar allerdings ausser dem höheren instrumental-technischen Niveau und dem schönerem Klang so überzeugend finde, ist das deutlichere musikalische Bewusstsein für die Stimmführung. Die Musik macht mir mehr Sinn. Wunderbar finde ich auch, dass sich selbst in den schnelleren Sätzen eine gesangliche Seite auftut.

    Ich glaube ich hätte die Quartette ohne die Amar Aufnahmen verworfen und ich kann mir vorstellen, dass es anderen in der Vergangenheit auch so gegangen ist und dies ein Grund ist, warum sie weniger gespielt und weniger angehört werden.

  • Das Quartett meiner Wahl ist Hindemiths Nr 3, op 16 in C Dur, aus dem Jahr 1920.

    Sehr schön, das kannte ich noch nicht (übrigens ebensowenig wie die anderen 6 Quartette, nur Minimax habe ich bei mir gefunden).

    Habe jetzt zunächst den 1. Satz mit dem Danish String Quartet angehört, da kann man mitlesen.

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    Daraufhin ebenfalls den 1,. Satz mit dem Amar Quartet. Und schließlich das ganze Werk mit dem Juilliard String Quartet:

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    Das Spiel der Juilliards erschien mir ziemlich intensiv und ausdifferenziert, sehr dichte thematische Arbeit - hoch expressiv, was im Werk wohl so auch angelegt ist - durchaus beeindruckend!

    Herzlichen Dank an Rosamunde! Wieder meinen Horizont etwas erweitert. :)

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Dem Dank des Gurnemanz kann ich mich nur anschließen. Da steht das Werk jahrelang in der Aufnahme des Danish String Quartet im Regal, wurde nach Anschaffung pflichtschuldigst zweimal gehört und dann vielleicht noch einmal ...

    ... habs auch mit Partitur gehört, hilfreich. Erster Satz: Versuch über die Möglichkeiten, eine chromatisch fallende Skala auszukomponieren ... nein, im Ernst: Friedhelm Krummacher widmet dem Werk eine einigermaßen breite Analyse und resümiert zum Kopfsatz: "Entscheidend ist also die Verschränkung von Konsonanzen und Dissonanzen in der Relation tonaler Teilstrecken zum Kontext." Aha ...

    Den zweiten Satz fand ich sehr tief lotend ... der dritte Satz wollte eventuell nicht viel mehr als der heitere Ausklang sein.

    Als Ganzes mMn ein sehr lohnendes Werk. Ich freue mich auf weitere Aufnahmen, Qobuz stellt noch die Einspielungen des Amar Quartet, des Kocian Quartet, des Brandis Quartetts, der Juilliards bereit sowie eines Quartetts, das ich wegen seines Cellisten hier nicht erwähnen möchte. Die Woche ist also gerettet.

    [EDIT] Nur die Angabe der Tonart "C-Dur" ist wohl ein augenzwinkernder Witz des Komponisten ... [/EDIT]

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Vielen Dank auch von mir für diese Wahl! Auch bei mir steht die Aufnahme mit dem Danish String Quartet schon viel zu lange, im Gegensatz zu Mauerblümchen sogar ganz ungehört :versteck1: , im Regal. Werde mich heute und morgen mit Hindemiths Streichquartetten 1 und 2 vortasten und dann mit den Infos und Tipps hier ab Dienstag "voll einsteigen". Bin schon sehr gespannt auf diese neue musikalische Entdeckungsreise.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • die Verschränkung von Konsonanzen und Dissonanzen in der Relation tonaler Teilstrecken zum Kontext

    habe ich leider beim nun zweiten konzentrierteren Hören nicht als Kernproblem des Kopfsatzes wahrgenommen, ist mir zu hoch. Jedoch habe ich zu meiner Freude einen Sonatensatz gehört. Dieser erste Satz hat mir jetzt - mit dem Amar-Quartett - deutlich mehr zugesagt als beim ersten Durchhören. Ganz besonders schön fand ich das Allegro maestoso ab T. 85, wo die Bratsche einen neuen Gedanken vorstellt und sich dabei virtuos exponiert bis hin zu einer pompösen und auf mich schon fast wie eine Karikatur wirkenden Schlusskadenz vor Übergang in die "sehr wild" beginnende Durchführung (wenn ich mit meiner laienhaften Formvorstellung überhaupt richtig liege). Dieses dritte Thema kommt in der Reprise wohl nicht vor.

  • Ich habe die Aufnahme mit dem Kocian Quartett. Gut möglich, dass ich sie zum ersten Mal höre. Dieses 2. Quartett* hat mir viel besser gefallen, als ich erwartet habe. Erwartet habe ich, dass ich mich zwingen muss, zuzuhören. Stattdessen verging die Zeit wie im Fluge. In meiner Aufnahme ist das Cello sehr auffällig. Ob das in anderen Aufnahmen auch so ist, muss ich erst noch herausfinden.

    (* Bei mir ist's die Nummer 2)

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