Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Dachte ich auch, habe aber gestern op. 76 (und weitere Alben) bei Spotify gefunden.

    Ja ... mein Stand war drei Jahre alt.

    Beim ersten Lockdown 2020 und verordnetem Home Office waren die Haydn-Quartette das erste Hörprojekt ... und ich dachte, das wäre ein guter Moment, die Auryn-GA zu vervollständigen ... damals noch nicht bei Qobuz ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ja, ist denn schon wieder Samstag ... nix dran an so einer Woche ... die Spannung steigt, des Braccio Wahl zu erfahren ... morgen wird er bekannt geben, welches Werk er für die nächste Woche ausgesucht haben wird ...

    ... dann geht es so weiter:

    • AlexanderK
    • Gurnemanz
    • Scherzo
    • Quasimodo

    , so ich denn nichts und niemanden übersehen habe.

    Vielleicht tritt noch jemand dieser Runde bei? Die nächste würde ansonsten wie folgt beginnen:

    • MB
    • Wieland
    • Rosamunde
    • Knulp
    • Abendroth
    • andréjo
    • Felix Meritis

    Viele Grüße

    MB

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Auryn habe ich schon hin und wieder mal mit Haydn angehört. Eben wieder mit op 76/6.

    Klanglich sehr schön, mit viel Hall und technisch ziemlich sauber gespielt.

    Für meine Ohren ein oft eher breiter Klangansatz, nicht immer, aber oft. Breiter als zB ABQ. Das kann man mögen oder nicht, wahrscheinlich kommt es auf das Gesamtbild an, wie man auf diese Aufnahme anspricht, nicht auf einzelne Elemente isoliert betrachtet. Das ist ja aber immer der Fall.

    Anyway, ich meine, dass es im 1. und 4. Satz etwas schleppt. (Ausser in der Fuge, welche ich aber ausser Proportion zum Rest finde. Der Wechsel von Variationen zu Fuge ist mir zu krass in jeder Hinsicht, obwohl am Allegro isoliert gesehen nichts zu kritisieren ist.)

    Ich finde man kann hier beim 4. Satz nicht mehr von spirituoso sprechen. Es ist mMn definitiv sogar weniger spirituoso als Amadeus.

    Dass ihr langsamer Satz an späten Beethoven erinnert, mag sein, aber das tun andere vielleicht auch, kommt darauf an, wie man späten Beethoven spielt oder wie man ihn haben möchte. :versteck1: Aber ich bin ja schon dankbar, wenn mal ordentlich vibriert wird, denn wie will man sonst inbrünstig spielen, wie es in diesem Satz mMn erforderlich ist. Deswegen gefällt mir der langsame Satz von Auryn auch.

    Das Menuett finde ich auch schön bei Auryn, obwohl mir auch hier stellenweise etwas der musikalische Fluss fehlt.

    Allerdings würden mir einige dieser Kritikpunkte nicht auffallen, wenn ich nicht den direkten Vergleich mit anderen hätte, also beim Hören nicht auch mal hin- und her schalten würde. Wenn man das aber tut, dann fällt einem mMn so einiges mehr auf.

  • Allerdings würden mir einige dieser Kritikpunkte nicht auffallen, wenn ich nicht den direkten Vergleich mit anderen hätte, also beim Hören nicht hin- und her schalten würde.

    Auf diesen direkten Vergleich habe ich gestern nicht eingehen können, da ich das Quartett schon lange nicht mehr gehört habe, nun aber ebendie Aufnahme mit den Auryns: Hat mir sehr gut gefallen, subtil, sensibel, gelegentlich zart, nicht übermäßig kräftig (da könnte ich mir Alternativen vorstellen, aber ob ich die vorziehen würde - wer weiß?) und anscheinend alle Wiederholungen beachtet. Das Variationenthema des 1. Satzes ist ein echter Ohrwurm, fiel mir heute früh gleich wieder ein. Mir scheint, die Auryns deuten oft nur an, anstatt direkt in die Vollen zu gehen. Eindrucksvoll!

    Überhaupt liebäugle ich schon lange mit weiteren Auryn-Erwerbungen; leider ziemlich teuer. Vielleicht gibts irgendwann mal eine günstige Gesamteinspielung? (Ich habe außer op. 76 nur op. 20 und op. 33).

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Zugegeben, ich wollte ursprünglich ein anderes Quartett in die Runde werfen, eins aus den Top Ten quasi. Das hätte jeder gekannt und wäre bestimmt unterhaltsam geworden. Nun kommt es aber anders. Grund ist ein Geburtstag, und zwar ein sehr runder.

    Max Reger wäre heute 150 Jahre alt geworden. Es hilft also nichts, mein Streichquartett der Woche wird - Garcia wird's freuen - Regers op. 109 in Es-Dur, das vierte seiner Quartette mit Opuszahl nach dem Doppelpack op. 54 aus dem Jahr 1900 und dem d-Moll-Monster op. 74 von 1904. Das letzte Quartett op. 121 komponierte Reger 1911.

    Op. 109 entstand in Leipzig im Jahr 1909. Wir begeben uns also in direkte zeitliche Nachbarschaft zu den Voces intimae von Sibelius. Im Jahr zuvor arbeitete der Komponist an Großwerken wie dem Violinkonzert, dem 100. Psalm oder dem Symphonischen Prolog für eine Tragödie. Auch lernte er im Januar des Jahres 1909 den damals 17-jährigen Adolf Busch kennen, der ihm mit Bruder Fritz am Klavier das Violinkonzert auswendig vortrug, woraus sich eine enge Künstlerfreundschaft entwickelte.

    Das Werk hat vier Sätze:

    I. Allegro moderato

    II. Quasi presto

    III. Larghetto

    IV. Allegro con grazia e con spirito

    Op. 109 wird von der Reger-Biographin Susanne Popp als sein "wohl klassischstes" Streichquartett bezeichnet und brachte auch seinen zuvor komponierten, zunächst wenig beliebten und gespielten Quartetten den Durchbruch.

    Unser Quartett wurde am 30. September 1909 in Frankfurt vom Frankfurter Streichquartett uraufgeführt. Bei einer Aufführung im gleichen Jahr in Leipzig traf Reger erstmals mit dem Böhmischen Streichquartett zusammen, mit dem er fortan oft zusammen auftrat und dem das Quartett op. 121 gewidmet ist. Op. 109 widmete Reger dem Juristen Adolf Wach, Ehemann der jüngsten Tochter Felix Mendelssohn-Bartholdys und Fürsprecher für Reger in der Gewandhausdirektion bei den Diskussionen um dessen Berufung zum Universitätsmusikdirektor.

    Ich habe das Quartett die letzten Tage einige Male gehört. Es war keine Liebe auf den ersten Lausch, das ist zumal im zerklüfteten Kopfsatz nicht immer sehr verbindliche Musik, aber ich meine, es hat Potential. Da gibt es ganz unglaubliche magische Inseln bereits im ersten Satz, das Scherzo ist richtig pfiffig, das Larghetto von einer beachtlichen Tiefe, und auch die abschließende Fuge - was sonst - hat Feuer. Kurz hatte ich Regers op. 74 erwogen, das aber mit 50 Minuten Dauer die Hemmschwelle für den Einstieg vielleicht doch zu hoch gesetzt hätte und von dem es außerdem weniger Aufnahmen gibt.

    Op. 109 gibt es außer in den drei üblichen Gesamtaufnahmen (Berner und Mannheimer Streichquartett, Drolc Quartet) auch noch in Einzelaufnahmen u. a. mit dem Vogler Quartett, dem Melos Quartett und nicht zuletzt dem Busch Quartett.

    Ich verlinke hier wieder eine praktische YouTube-Kopie mit hinterlegter Partitur, es spielt das Drolc Quartet.

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    Und die Partitur gibt es bei IMSLP.

    Die Diskussion ist eröffnet.

  • Da ich soeben eine musikalische Besprechung für die Zeitung geschrieben habe und vorher noch mit Leuten aus war, bin ich noch nicht in der Heia und darf mich ganz herzlich bedanken bei Braccio für diese Wahl. Ich kenne das Quartett in der Gesamteinspielung mit den Bernern, habe es wenige Male gehört - und ich habe es, wohl kaum überraschend, nicht im Ohr. Aber ich glaube, dass es mir schon gefallen hat.

    Jetzt aber wünsche ich mir eine gute Nacht. Ihr schlaft ja eh alle schon.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Danke an Braccio für Reger! Mit Blick auf den heutigen Sonntag: Laetare!

    Ja, eines der beiden späten ... ich bin gespannt. Braccio hat es ja schon beschrieben: Kein Ding für einen one-night-stand, eher eine zunächst schwierige Bekanntschaft, die ihren Wert erst nach und nach offenbart, dafür dann aber zur tiefen Freundschaft werden kann ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Auch von meiner Seite viel Dank an Braccio! Mit der Wahl eines von Regers Quartetten hatte ich eh früher oder später gerechnet, denn diese passen sehr gut in unsere Runde hier. Eine Aufnahme habe ich physisch in der Sammlung. Ich hole sie mal raus.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • ja - tolle Wahl und danke für die Anregung - kenne ich überhaupt nicht, von daher spannend. Bin allerdings ab Mitte der Woche etwas weniger hier, da wir reisen. Aber mitlesen und ein wenig hören werde ich wohl schon.

  • Nach langer Zeit wieder gehört. Ersteindruck: für Reger sehr zugänglich und fasslich, auch die abschließende Fuge. Der tranige, intransparente Klang der Aufnahme nervt aber gewaltig. Wiederholtes Hören lieber bei der Konkurrenz...

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • sehr zugänglich und fasslich, auch die abschließende Fuge

    Für diese Einschätzung muss man aber schon einige Semester in Hagen auf dem Buckel haben ;) (ich weiß schon, Du schriebst "für Reger")

    Für mich war der Kopfsatz anfangs der problematischste, wohl wegen der häufigen Abbrüche, eines gewissermaßen Blockhaften. Mittlerweile mag ich den neben dem Larghetto am liebsten. Ganz besonders das Seitenthema. Das ist eine Kirchentonart, oder?

    Die Berner haben mir übrigens auch am wenigsten zugesagt.

  • Na klar, für Regnersche Verhältnisse! :D

    Opus 74 habe ich als Totschläger in Erinnerung. Wenn jemand andere mit Kontrapunktik totschlagen kann, dann Reger :hammer1:

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ich habe zwar alle Quartette mal (wohl auch mehrfach) gehört, könnte aber derzeit nicht mal sagen, welches mir gefällt und welches nicht.

    Also, hören wir mal, was op. 109 zu bieten hat. Neben den schon erwähnten Aufnahmen vom Drolc Quartett (auf Vinyl) und den Bernern auf CD, habe ich kürzlich noch eine GA mit dem Reger Quartett gefunden. Dies war laut website des Bratschisten ein Quartett, das von 1964-1975 international unterwegs war.

    Die Mitglieder:

    Raimund Fleischer

    Volker Sprang

    Eberhard Klemmstein

    Thomas Kanitz

    Außerdem müsste ich auch die Aufnahme auf Naxos mit dem Berliner Philharmonia Quartett haben.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • So, der YouTube-Stream mit Partitur und dem Drolc Quartet läuft ...

    ... der Kopfsatz ... Ausbrüche, dann wieder lyrische Inseln. Ein witziges Scherzo. Der langsame Satz mit Stellen zum Niederknien. Und mal wieder eine Fuge zum Schluss ... Ja. Wird eine tolle Woche!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Gerade lese ich in Krummachers Streichquartett-Band des Handbuchs der musikalischen Gattungen, dass das Seitenthema des Kopfsatzes (Beginn so etwa bei 2:20) das Lied "O Welt, ich muss dich lassen" zitiert. Das Seitenthema wiederum kommt dann auch im Larghetto vor. Ich kannte das Lied nicht; nun weiß ich endlich, woher meine Choral-Assoziation an dieser Stelle rührt. U. a. Brahms hat ein Choralvorspiel zu diesem Lied komponiert (in op. 122).

  • Danke, lieber Braccio, für den Hinweis ... der Krummacher wird konsultiert! Heute schaffe ich es wohl nicht mehr, aber ab morgen ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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