Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Hallo zusammen!

    Wir freuen uns auf die Wahl des nächsten Streichquartetts der Woche durch putto! Wieder bin ich sehr gespannt, was er uns morgen bekanntgeben wird.

    Dann folgen in dieser (zweiten) Runde:

    • maticus
    • MB
    • Pizzicato
    • Quasimodo

    Die nächste Runde begönne dann wiederum mit

    • Wieland
    • Knulp
    • Abendroth
    • andréjo
    • Felix Meritis
    • Braccio
    • AlexanderK
    • Gurnemanz
    • Scherzo
    • putto

    Ich hoffe sehr, niemanden versehentlich ausgelassen zu haben ...

    Hier nochmal die herzliche Einladung an alle Forianer*innen, in diesem Thread mitzuschreiben, auch wenn sie nicht auf "der Liste" stehen!

    Gutes Hören, gutes Diskutieren!

    Viele Grüße

    MB

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Hermès hat mich insgesamt am meisten angesprochen. Läuft gerade wieder. Interessant, dass mich das Seitenthema im Kopfsatz an Dvořák erinnert, weiß nur nicht, welches Stück. Vermutlich wegen der Pentatonik.

    von allen gehörten hat mich Hermès auch am meisten fasziniert. Die Arcanto-Stars beeindrucken allerdings auch durch ihre kammermusikalische Spielfreude (als Leidenschaft abseits ihres "normalen Geschäfts" durchaus zu erkennen) und das irre technische und musikalische Niveau.

    Bei Hermès dagegen wirkt alles etwas wie mit Understatement gespielt. Symptomatisch eine Nebensächlichkeit im 2. Satz: Hermès ist im Grundtempo eine Spur langsamer als Arcanto und trotzdem ein paar Sekunden früher fertig. Sie spielen einfach geradeaus durch, ohne Verzögerungstricks. Simpel aber im Endeffekt ebenso wirkungsvoll und gut gemacht.

    Was nicht heißt dass sie in anderen Sätzen zu keiner angemessenen Agogik fähig sind. Aber sie machen nichts demonstrativ, mir sehr sympathisch.

    (Man versteht vielleicht dass ich mit Hagen, ABQ, Artemis weniger anfangen kann)

    Zu der von Braccio angesprochenen Passage im 1. Satz - pentatonisch ist das nicht ganz, obwohl es 5 Töne sind. Ja irgendwas gibt es von Dvořák, ich komme aber auch nicht drauf.

  • Nächste Woche: Alois Haba: 2. Streichquartett. Doppelt so viele Töne!

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Das wird interessant! Es ist jetzt in der Tat das erste Streichquartett in unserer Serie, das ich überhaupt nicht kenne. Alois Haba ist mir schon ein Begriff - nur viel Begriffsfüllung ist nicht da.

    Besten Dank an putto für diesen Vorschlag!

    :wink: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Danke auch von mir. Neuland.

    Hier ein Link mit Partitur

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  • Danke, Braccio!

    Eine CD könnte ich mir mal bestellen. Die Auswahl hält sich in Grenzen, aber das hilft ja auch vor der Bestellung. ;) :)

    EDIT: Da ich ein wenig Hemmung habe bei den beiden Gesamtaufnahmen - vielleicht ein Fehler -, würde mich die folgende Scheibe interessieren. Janacek ist dabei, wo mich auch eine - was weiß ich - fünfzehnte Aufnahme nicht belastet, und die Interpreten erweisen ihrem Namenspatron die Ehre:

    ... und noch ein EDIT: Das oben enthaltene Quartett von Alois Haba, Nr. 9, scheint nicht mikrotonal komponiert zu sein - ich warte jetzt ab, orientiere mich an der verlinkten und vielleicht anderen Einspielungen, die im Internet greifbar sind. Mittelfristig werde ich wohl von Hemmungen Abstand nehmen. :P Interessant ist auch die Historie der Ausführenden, die natürlich einst in engem Kontakt zu ihrem Namenspatron standen.

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    5 Mal editiert, zuletzt von andréjo (9. Juli 2023 um 14:40)

  • Alois Haba hat rund 20 Kompositionen für Streichquartett geschrieben. Einerseits war ich vorhin verblüfft, als ich das feststellte. Andererseits haben wir hier wohl das ideale Betätigungsfeld für seine mikrotonalen Experimente.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Auch hier: Wieder mal Neuland für mich! Klingt durchaus faszinierend, nach erstem Hören (Stamitz-Quartett, s.o., YT-Link).

    Lionel hat anderenorts diese Gesamtaufnahme erwähnt:

    Alois Hába:

    Streichquartett Nr. 2, op. 7 (im Vierteltonsystem, 1920)

      bzw. hier

    (AD: Juli, September, November 2003 & Februar 2006, hr-Sendesaal, Frankfurt/M.)

    Haba Quartett (Sha Katsouris, Violine / Artur Podlesniy, Violine / Peter Zelienka, Viola / Arnold Ilg, Violoncello)

    Mit denen höre ich das 2. Quartett eben:

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    Was die diversen Möglichkeiten der Artikulation angeht (abgesehen von der Viertel- bzw. Sechsteltönigkeit), so scheint Hába weniger experimentierfreudig gewesen zu sein, im Vergleich zu etwa Debussy, Ravel, Berg, Bartók u.a.m. Oder täusche ich mich da?

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Meine Zeilen von "Jeden Tag ein Streichquartett" übertrage ich mal hierher ...

    Ich muss zugeben, dass ich die Vierteltönigkeit nur an ganz wenigen Stellen an solche wahrgenommen habe, sondern eher ein schlecht intonierte Streichquartett hörte.

    Um dieses Werk werde ich ringen müssen.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • sondern eher ein schlecht intonierte Streichquartett hörte

    Ging mir - zunächst - auch so (dieselbe Aufnahme). Im dritten Satz gibt es dann sehr viele "chromatische" Vierteltonpassagen, da konnte ich die Viertetönigkeit als solche eher wahrnehmen. Den zweiten Teil des Stücks habe ich dann sozusagen mit anderen Ohren gehört und kam irgendwie viel besser 'rein!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Meine Zeilen von "Jeden Tag ein Streichquartett" übertrage ich mal hierher ...

    Ich muss zugeben, dass ich die Vierteltönigkeit nur an ganz wenigen Stellen an solche wahrgenommen habe, sondern eher ein schlecht intonierte Streichquartett hörte.

    Um dieses Werk werde ich ringen müssen.

    Ja, das ist normal bei der frühen Mikrotonalität, da sie, abgesehen vom Tonvorrat ja vergleichsweise konventionell komponiert ist, und man daher einfach andere Töne erwartet. Bei Klaviermusik kommt zum Eindruck des Verstimmten dann auch noch der eines billigen Klaviers, wahrscheinlich, weil man mit Verstimmtheit verkommene alte Krücken als Instrumente assoziiert.

    Hábas Modernismus neben dem Tonvorrat ist das Vermeiden von Themen - das kommt aber erst später und tut dann einem eher neoklassizistischen Eindruck trotzdem keinen Abbruch. All das ist wohl mit Grund, dass Hába nicht besonders populär ist und es auch ewig gedauert hat, bis endlich die ersten Streichquartett-Gesamtaufnahmen gekommen sind. Allerdings sind diese Irritationen natürlich etwas, was man überwinden kann und sollte, und dann kann man die Pionierleistung Hábas entspannter würdigen.

    Das andere Hindernis war natürlich auf seiten der Interpreten, die einfach keine Mikrointervalle gewohnt waren, zudem mit einem einheitlichen (pythagoreischen) "Stimmungssystem" alles gegeigt haben. Das ist heute auch anders, in der Neuen Musik sind Vierteltöne alltäglich und bei Barockmusik muss man historisch informiert die Töne auch anders anordnen, die Musiker sind also flexibler geworden.

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  • Dem Eindruck des "Verstimmten" kann ich sehr gut folgen - es dauert für mich freilich nicht lange, bis ich an bloße Verstimmtheit einfach nicht mehr glauben kann. ;) (Gut. das ist auch wieder unlogisch. Entweder sind die vier verstimmt oder eben nicht. Sie stimmen ja nicht dazwischen ...)

    Der Duktus ist quasi beliebiger, weniger systemhaft als in jener Konsequenz einer reinen Stimmung, wie sie Ben Johnston in den meisten seiner späteren, also nicht mehr konventionell atonalen Streichquartette gepflegt hat. Andererseits ist Haba dann doch dahingehend systemhaft, dass wir es nicht mit einem zufälligen Effektmittel zu tun haben wie in John Foulds' Music Pictures zum Beispiel.

    :P Da stört schon was, bei Haba, aber es bleibt Spätromantik. Spätromantik ohne echte Themen - soll es ja immer mal wieder geben. Und relativ entspannt bin ich heute schon den ganzen Tag.

    :) Wolfgang

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  • Um dieses Werk werde ich ringen müssen.

    ;) :) Wenn ich Dich richtig verstehe, muss Du nicht ringen, weil Dir die Musik zu weit geht, sondern nicht weit genug. Dann empfehle ich Ben Johnston, solltest Du ihn noch nicht kennen und sollte ich richtig liegen. Ich kann aber auch ziemlich falsch liegen, das weiß ich schon ...

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  • Hörpsychologisch geht es mir so - und anderen scheint es weiter oben auch so gegangen zu sein -, dass manche Passagen, vielleicht ganze Sätze weniger abweichend erscheinen gegenüber einer nicht auf der Mikro-Ebene angesiedelten Intonation als andere. Das kann aber eigentlich gar nicht sein, wenn man sich die Verteilung des relevanten Partitursymbols so anschaut ... die ist doch völlig ausgeglichen innerhalb dieser guten Viertelstunde.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Spätromantik ohne echte Themen - soll es ja immer mal wieder geben.

    Hábas "athematische" Kompositionen meinen wohl etwas anderes als "keine prägnante Themen". Wie gesagt, ist das 2. aber (wenn ich mich richtig erinnere) noch nicht "athematisch".

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  • Hier steht, dass das 2. formal Liszts h-moll-Sonate und Schönbergs 1. Streichquartett nahe steht.

    Lexikon Neue Musik
    www.google.at

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  • Spätromantik ohne echte Themen - soll es ja immer mal wieder geben.

    Hábas "athematische" Kompositionen meinen wohl etwas anderes als "keine prägnante Themen". Wie gesagt, ist das 2. aber (wenn ich mich richtig erinnere) noch nicht "athematisch".

    Geht das dann in die Richtung allmählicher Entwickung von Thematik anhand von Kleinmotivik oder mehr die Arbeit nur anhand von Kleinmotiven? Oder nicht einmal das, wie es - so habe ich mich mittlerweile informiert - etwa für vieles in der Musik eines Gian Francesco Malipiero gilt. Der reiht zwar nicht automatisch Melodien einfach aneinander, aber er verarbeitet letztlich kein Material irgendwie zielgerichtet.

    Also mehr das, was schon bei Brahms einsetzt, oder mehr solche Tendenzen, wie wir sie bei Martinus Streichquartett beobachtet haben? Falls diese Alternative überhaupt funktioniert.

    Und hören würde ich das sowieso nicht, auch nicht beim Mitlesen der Partitur, fürchte ich. Ich müsste von außen darauf gestoßen werden und dann gäbe es immer noch keine Garantie meines Nachvollzugs ...

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  • Soeben habe ich puttos Verweis auf Liszts Sonate gesehen. Da muss ich aber dann schon ein sehr konventionelles Verständnis von Thematik haben, wenn Liszts Sonate "athematisch" sein soll. Oder?

    Aber gut - Du hast ja auch gesagt, das zweite Quartett sei noch nicht "athematisch". Alles klar!

    Zitat von andréjo

    Hörpsychologisch geht es mir so - und anderen scheint es weiter oben auch so gegangen zu sein -, dass manche Passagen, vielleicht ganze Sätze weniger abweichend erscheinen gegenüber einer nicht auf der Mikro-Ebene angesiedelten Intonation als andere. Das kann aber eigentlich gar nicht sein, wenn man sich die Verteilung des relevanten Partitursymbols so anschaut ... die ist doch völlig ausgeglichen innerhalb dieser guten Viertelstunde.

    Da würden mich die Meinungen und/ oder das Faktenwissen der Mithörenden allenthalben interessieren. Die Athematik überfordert mich möglicherweise und/ oder sie trägt unabhängig von meiner Person vielleicht nicht viel zum Diskutieren bei.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Ich habe nur gelesen, dass es hilft, wenn viertelton-chromatische Linien vorkommen, nicht, dass es Stellen gibt, in denen weniger Vierteltöne vorkommen.

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  • ich staune grad über mich selbst, wie mir diese gewissermaßen "verschärfte Chromatik" im eher atonalen Kontext gar keine Probleme bereitet - spannend finde ich, die mit 2 3/4-Tonschritten gefüllte kleine Terz zu entdecken und immer wieder diese wie verkleinerten chromatischen Schritte. normalerweise geht ja so atonales Zeugs nicht so an mich ran, und wenn ich in etwa türkischer Folklore mit "neutralen" Terzen konfrontiert werde, kriege ich körperliches Unwohlsein. Überraschend, dass die Kombi so gut funktioniert!

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

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