Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

Die 14. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins ist beendet.
  • Nochmal danke an Pizzicato für die Wahl, danke an Khampan für den Tipp mit dem Selini Quartet! Hammeraufnahme! Die lief hier gerade ... Einfach großartig ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Fannys späteres Klaviertrio begeistert mich hingegen sehr wohl. Unbedingt empfehlenswert in dieser Einspielung:

    Im Zweifelsfall würde ich persönlich das Klaviertrio vorziehen - was aber möglicherweise daran liegt, dass ich für die Kammermusik mit Klavier meist ein bevorzugtes Faible habe.

    Allerdings gestehe ich gerne ein, dass dieses Forum meine Begeisterung für Streichquartette pauschal deutlich erhöht hat - und davon dürfte es insgesamt in der Kunstmusik auch deutlich mehr geben. Beweisen kann ich's nicht.

    Was Fanny Mendelssohn-Hensel betrifft: Ich glaube, dass ihr späteres Klaviertrio auch objektiv etwas bedeutender ist als ihr Streichquartett - oben habe ich die beiden Werke für mich gleichgesetzt.

    Auch das kann ich aber nicht beweisen.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Allerdings gestehe ich gerne ein, dass dieses Forum meine Begeisterung für Streichquartette pauschal deutlich erhöht hat - und davon dürfte es insgesamt in der Kunstmusik auch deutlich mehr geben. Beweisen kann ich's nicht.

    Das kommt darauf an, ob man die barocke Triosonate mit Cembalo dazuzählt, oder nicht. Wenn nicht - ich kann musikhistorisch nicht einschätzen, ob man das sollte oder nicht - dann dürften die SQ klar voranliegen. Nicht zuletzt, weil das Klaviertrio im 20. Jahrhundert zur Randerscheinung wurde, während das SQ immer noch im vollen Saft steht.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Allerdings gestehe ich gerne ein, dass dieses Forum meine Begeisterung für Streichquartette pauschal deutlich erhöht hat - und davon dürfte es insgesamt in der Kunstmusik auch deutlich mehr geben. Beweisen kann ich's nicht.

    Das kommt darauf an, ob man die barocke Triosonate mit Cembalo dazuzählt, oder nicht. Wenn nicht - ich kann musikhistorisch nicht einschätzen, ob man das sollte oder nicht - dann dürften die SQ klar voranliegen. Nicht zuletzt, weil das Klaviertrio im 20. Jahrhundert zur Randerscheinung wurde, während das SQ immer noch im vollen Saft steht.

    Du wirst Recht haben - meine Vermutung war es ja auch. Die barocke Triosonate möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht zum klassischen Klaviertrio zählen. Zum einen ist mir die Zahl der barocken Triosonaten zu unübersichtlich, zum anderen gehört sie nicht zu meinen Präferenzen - schön klingende, nicht allzu verwechselbare und gewiss auch wertvolle Beispiele sind mir schon einige bekannt -, zum dritten ist das klassisch-romantische Formmodell wohl schon ein anderes, ohne dass ich da gar so viel davon verstünde. Und viertens liege ich doch auch richtig mit der Einschätzung, dass wegen des Generalbasses die Triosonate auch schlichtweg ein faktisches, obgleich quasi kein theoretisches Quartett sein kann? - Für das das klassisch-romantische Klaviertrio gilt das gewiss nicht. Mir ist klar, dass sich die modernere Form aus der älteren heraus entwickelt hat.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Für das das klassisch-romantische Klaviertrio gilt das gewiss nicht.

    Denke ich auch nicht. Das klassische Klaviertrio hat sich wohl aus der begleiteten Klaviersonate entwickelt, wie man bei Haydn gut sehen kann. Meiner Meinung nach stehen aber die Klaviertrios Mozarts und v.a. Beethovens Streichquartetten in puncto Qualität und Satztechnik um nichts nach. Mozart hat die Gattung auf eine neue Höhe gehoben.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Für das das klassisch-romantische Klaviertrio gilt das gewiss nicht.

    Denke ich auch nicht. Das klassische Klaviertrio hat sich wohl aus der begleiteten Klaviersonate entwickelt, wie man bei Haydn gut sehen kann. Meiner Meinung nach stehen aber die Klaviertrios Mozarts und v.a. Beethovens Streichquartetten in puncto Qualität und Satztechnik um nichts nach. Mozart hat die Gattung auf eine neue Höhe gehoben.

    Zustimmung. Haydn wiederum, der ja eine bei Weitem größere Zahl von Klaviertrios komponiert hat, dürfte zunächst noch eher in der barocken Tradition stehen Die letzten - was weiß ich - mindestens acht oder zehn Trios haben damit nichts mehr zu tun und scheinen mir in manchem klanglich, vielleicht auch formal origineller als die Mozart'schen. Das mag aber eine Geschmacksfrage sein. Für mich sind sie vollwertig wie nahezu alle von Mozart und ich höre sie gerne.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Nur dass keine Missverständnisse aufkommen: ich liebe Haydns Klaviertrios über alle Maßen, aber sie sind deutlich weniger avantgardistisch und ehrgeizig ersonnen als seine Streichquartette. Viel eher präsentiert er sich hier als vollendeter Melodiker.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Nur dass keine Missverständnisse aufkommen: ich liebe Haydns Klaviertrios über alle Maßen, aber sie sind deutlich weniger avantgardistisch und ehrgeizig ersonnen als seine Streichquartette. Viel eher präsentiert er sich hier als vollendeter Melodiker.

    Nur noch kurz ein Beispiel: Das E-Dur-Trio, Hob. XV/28, finde ich immer wieder verblüffend originell.

    Ansonsten bewegen sich seine Streichquartette natürlich in einem ganz anderen Spektrum - in jeglicher Hinsicht.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Erftstadt, Burg Konradsheim, 6. November 2016, Konzert des Schumann-Quartetts im Rahmen der Kammerkonzerte des Erftkreiszyklus. Dass es zum Ende des Abends nach dem Klarinettenquintett von Johannes Brahms (mit dem Klarinettisten Ralph Manno) großen Beifall gibt, ist nicht unerwartet. Weit unerwarteter die Beifallsstürme des Publikums nach dem zweiten Werk des Abends, dem 3. Streichquartett von Alfred Schnittke. Dass der Beifall nach dem Auftaktwerk des Abends nur verhalten gewesen sei, wäre sicher übertrieben, aber im Vergleich zu den beiden anderen Werken war er doch auffällig zurückhaltend. An der nicht nur tadellosen, sondern hochspannenden Ausführung kann es nicht gelegen haben. Lag es am Stück? Ich erinnere mich, wie ich bei Beginn der Durchführung dachte, dass der Komponist hier wohl mal nur wenig auf die Bedürfnisse der "langen Ohren", wie er sich auszudrücken pflegte, Rücksicht genommen habe; er hat, wie ich meine, hier ein - für seine Verhältnisse - stellenweise recht sperriges Stück geschrieben. Umso interessanter, sich fast sieben Jahre später damit etwas ausführlicher zu beschäftigen!

    Das Streichquartett der Woche sei also das Quartett in F-dur KV 590 von Wolfgang Amadé Mozart, das dritte der drei sog. Preußischen Quartette und Mozarts insgesamt letzter Beitrag zu dieser Gattung.

    Leider haben die Schumannen dieses Quartett nicht aufgenommen (wohl aber KV 575, das erste "Preußische"). Die Betonung der harmonischen Überraschungen und Waghalsigkeiten habe ich in den bisher gehörten Aufnahmen so deutlich nicht wiedergefunden (ABQ, Klenke, Hagen, Armida; mein klarer Favorit: Klenke). Aber natürlich vergleiche ich da eine Live-Aufführung aus der Erinnerung mit Studioaufnahmen!

    Youtube listet unzählige Videos mit dem Stück. Die Aufnahme des Alban-Berg-Quartetts gibt es auch mit Noten:

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    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Auch über dieses Mozart-Quartett freue ich mich sehr und bedanke mich bei Bernd, dem Quasimodo!

    :verbeugung2: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Auch hier schnell ein Dankeschön, bevor es in die Heia geht ... morgen geht es früh raus ... mit dem 2. Preußischen habe ich vor ein paar Monaten intensiveren Kontakt aufgenommen, nun also Nummer drei ... Hagen, Mosaiques, Armida, Kuijken, ... ich sehe schon, es wird eine gute Woche!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Wie so oft, so ist auch bei diesem Werk das aristokratische Spiel des QI ein wunderbarer Einstieg ...

    Wolfgang Amadé Mozart: Streichquartett Nr. 23 F-Dur KV 590 ("3. Preußisches Quartett")

    Quartetto Italiano

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Als Streichquartettmuffel habe ich nur eine einzige Aufnahme von KV 590 im Regal - und zwar diese:

    Ist auch hier enthalten - und daraus höre ich:

    Franz Schubert Quartett (Wien)

    Ganz nett musiziert, scheint mir beim hören jetzt.

    Adieu

    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Ist KV 590 sperrig? Das muss man wohl bejahen. In diesem SQ nimmt sich Mozart offensichtlich vor, Haydn in der Meisterschaft thematischer Arbeit zu übertrumpfen. Der monothematische erste Satz, das hemdsärmelige Finale - alles Ingredienzen eines Haydnquartetts. Mozart treibt es hier aber noch weiter als Haydn, indem er sich eines vollkommen glanzlosen thematischen Materials bedient. Die Themen sind - v.a. für mozartsche Verhältnisse - absolute Nullitäten. Und genau das macht dieses SQ mMn so genial. Nur ein Meister des allergrößten Kalibers kann aus diesem "Mist" so glänzendes Gold spinnen. Die andauernde ungemein fein-filigrane thematische Arbeit, die nahtlosen Übergänge der Melodielinie zwischen den Instrumenten, die Millionen kleinen bis kleinsten Verschiebungen. Es ist einfach unglaublich - und umso begeisternder, wenn man die Partitur mitliest. Aber es wundert mich nicht, dass Quasis Publikum nicht so begeistert war. Dieses Quartett bietet völlig unaufgeregte Meisterschaft auf höchstem Niveau, und zwar ohne dem Zuhörer mit irgendwelchen Effekten entgegenzukommen. Man muss, denke ich, schon viele Jahre ein Kammermusikfreak sein, um KV 590 zu genießen. Früher bedeuteten mir Mozarts die letzten drei SQ nämlich gar nichts, heute sind sie meine Favoriten. Zeitlose Klassiker, schönster Marmor.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Den Beitrag von Felix Meritis finde ich von daher für mich besonders interessant, als er auch meinen Höreindruck wiedergibt. Nur hätte ich es nicht gewagt, dies so explizit zu formulieren. ;) Es ist hier ähnlich wie im späten Klavierkonzert, KV 537. Das melodische Material ist doch recht flach - um so mehr, wenn man mit melodisch so unendlich reizvollen mittleren Konzerten wie KV 449 oder KV 453 oder vor allem KV 488 vergleicht. Die Moll-Konzerte will ich außen vor lassen - das ist noch einmal eine andere Kategorie.

    Bei den Streichquartetten würde ich KV 428 und KV 464 nennen - habe es auch schon in diesem Thread getan, als es um das Dissonanenzenquartett ging. Der äußere Anlass - die Krönung - wertet KV 537 quasi auf - nicht nur dieser Anlass vermutlich. Aber die Liebe und das Verständnis, sie kommen nicht auf den ersten Gehörgang.

    Diese Woche habe ich KV 590 noch nicht gehört, glaube mich aber zu erinnern, dass mir vor allem der in der Verarbeitung so kunstvolle Finalsatz aufgefallen ist. Ich mag mich täuschen, gerade weil das melodische Material dünn erscheint - vielleicht war es auch eher KV 589. Vermutlich waren es beide.

    Als mir diese Meisterschaft auffiel - und das ist noch nicht so lange her -, war das auch der Schritt für mich zur Aufwertung der letzten drei Quartette. Ja. schönster Marmor, der ein wenig länger braucht, um bemerkt zu werden. Denn der letzte Satz in Deinem Beitrag, den kann ich bestens nachvollziehen. :thumbup:

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Als mir diese Meisterschaft auffiel - und das ist noch nicht so lange her -, war das auch der Schritt für mich zur Aufwertung der letzten drei Quartette.

    Das ist witzig, weil das bei mir auch noch nicht so lange her ist, maximal fünf Jahre. Ich mochte Mozart natürlich immer, aber gewisse Qualitäten seiner Musik sind mir erst viel später richtig bewusst geworden. Ein sehr wichtiger Baustein waren für mich die Serenaden, die ich früher vermutlich als zu "unseriös" nur peripher wahrgenommen habe, aber auch gerade diese Preußischen Quartette in der Einspielung des Klenke Quartetts. Ich kann schon sagen, dass ich Mozart heute mit ganz anderen Ohren höre als noch vor 10 Jahren.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ich bin mit fast allem einverstanden, was hier zu K590 geschrieben wurde. Aber "sperrig"? Mir erscheint es eher als sehr "eingängig", Mit dem Risiko, dass man seine Finessen vielleicht eher unterschätzt. Ich habe die Klenke Aufnahme und eine mit dem Vegh Quartett von 1951.

    (Ich habe die Mozart Serenaden zweimal vollständig (Brilliant & Sandor Vegh). Beide kaum gehört. Da habe ich anscheinend etwas versäumt).

  • Das ist jetzt ein wenig spekulativ, aber vielleicht ist hier - bei Mozart - mit eingängig und sperrig fast dasselbe gemeint. Die Musik schmeichelt nicht auf dem direkten Weg, eben wegen der Vagheit des Materials, das man sich nicht merken kann, weil es leichter austauschbar ist.

    Aber ich gebe zu, dass auch für mich die beiden Adjektive im Normalfall auf Gegenteiliges verweisen. Man wird im aktuellen Fall gewiss bessere finden - unterschiedlich griffig, unterschiedlich memorabel etc.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Ganz konkret würde ich die oben genannten Kopfsätze der Streichquartette KV 428 und 464 als eingängiger empfinden, auch wenn die Melodik komplexer ist.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

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