Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Heute das SQdW mit dem ABQ, nachdem ich es am Montag bereits mit dem Minguet-Quartett gehört hatte. Eine "romantische" Seite kann ich durchaus auch entdecken, mit den Mingeuts allerdings deutlicher als beim ABQ.

    Für mich eine durchaus andere Seite des Komponisten, den ich bisher vor allem durch zwei Opern kannte (Jakob Lenz und Die Eroberung von Mexiko). Wird weiter erkundet werden!

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Bei mir gestern abend die Minguets mit dem SQdW

    T. Urbach in FonoForum 9/03: "Das ist eine zutiefst heutige Klangwelt, die sich ins scharf Dissonante fortschreibt. Kalt lassen kann einen diese Musik nicht. Und das Minguet Quartet folgt dem expressiven Impetus aufs Schönste."

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Bevor die im Zeichen Rihms stehende Woche zu Ende geht, möchte ich unbedingt auf seine Komposition "Et Lux" für Vokalquartett und Streichquartett hinweisen:

    Et Lux - Wikipedia

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Immer wieder sonntags ... steht uns ein neues Streichquartett in Haus. Dieses Mal wird Knulp ein Werk wählen. Der Blick auf das bisher ausgekostete Spektrum zwischen Tele- und Widmann erhöht die Spannung!

    In dieser dritten Runde geht es dann weiter mit

    • Abendroth
    • andréjo
    • Felix Meritis
    • Braccio
    • AlexanderK
    • Gurnemanz
    • Scherzo
    • putto
    • maticus
    • MB
    • Pizzicato
    • Quasimodo,

    dann beginnt die vierte Runde mit

    • Wieland
    • Knulp.

    Ich hoffe sehr, niemanden versehentlich ausgelassen zu haben ...

    Hier nochmal die herzliche Einladung an alle Forianer*innen, in diesem Thread mitzuschreiben, auch wenn sie nicht auf "der Liste" stehen! Auch sind weitere "Quartettaussuchende" (um das Wort "Mitglieder*innen" zu vermeiden) in dieser Runde sehr gerne gesehen.

    Gutes Hören, gutes Diskutieren!

    Viele Grüße

    MB

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Der Blick auf das bisher ausgekostete Spektrum zwischen Tele- und Widmann erhöht die Spannung!

    Eigentlich müsste im Sinne der Stetigkeit ein weiterer -mann folgen. Oder etwas für Männer (hatte tatsäch an ... nein, vielleicht später).

    Nachdem hier einige Male zwar großartige, aber doch für den Streichquartett-Neuling sehr ambitionierte Werke ausgewählt wurden, möchte ich eines nennen, das zugänglich sein und bereits beim ersten Hören Vergnügen bereiten soll. Meine Wahl fällt auf:

    Arriaga: Streichquartett Nr. 1

    Spanischer Mozart. Gestorben als Zwanzigjähriger. Zu wenig Musik, um ein Großer zu sein, aber höchst entdeckungswürdige drei Streichquartette und eine Sinfonie.

    Warum nicht das dritte, sondern das erste Quartett? Alle drei sind hörenswert. Das erste kenne ich schlicht am besten, weil ich es am häufigsten gehört habe, da es am Beginn der CD steht (so war das vor dem Streaming-Zeitalter). Zudem ist der erste Satz unfassbar großartig. "Das Seitenthema setzt der dramatischen Düsternis des Kopfthemas freundliche Helle entgegen", heißt es in der unten verlinkten Einführung. Ja, und wie! Die Düsternis gemahnt an Beethoven, will sagen: höchte Schublade. Der Wechsel zum Hellen bestrickt, und dieses Helle ist in seiner beseelten Leichtigkeit genuin mozartisch.

    Aufnahmen kenne ich wenige. Jahrelang war ich mit der Naxos-Einspielung hoch zufrieden und wollte ich nicht mehr. Nach viel Lob kam das Casals-Quartett dazu, ein überaus lohnenswerter Kauf, der die Camerata Boccherini (Naxos) in meinem Hörverhalten nicht verdrängt, sondern ergänzt hat.

    Eine hervorragende Einführung gibt es hier: http://dr-peter-wieners.de/komponisten-a-…r-1-d-moll.html

    Auch YT mit Noten:

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    Viel Spaß!

  • Sehr schöne Wahl, die Quartette hatte ich mal gehört, ich meine, mit dem Cuarteto Casals, und fand sie spannend!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Die Arriaga Quartette kenne und schätze ich, habe sie aber schon lange nicht mehr gehört. Ein guter Grund, sie mal wieder hervorzuholen. Ich müßte Aufnahmen von Guarneri und Casals (CD) sowie Chilingirian (LP) haben.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Vielen Dank, Meister Knulp!

    Die Arriaga-Quartette habe ich mir erst vor absehbarer Zeit in der verlinkten Einspielung - nicht auf LP - zugelegt und einmal oder auch zweimal gehört. Schon ein wenig verblüffend, die Relevanz der Musik eines erschreckend früh Verblichenen. Den Namen kannte ich vorher kaum.

    Die Anregung zum Kauf dürfte aus diesem Forum stammen, wahrscheinlich die Anregung zum Kennenlernen des Komponisten überhaupt. Es gibt bemerkenswert viele Einspielungen der Quartette und eine sonderlich aktuelle Entdeckung scheint Arriage auch nicht zu sein. An erster Stelle stehen wohl seine Streichquartette, aber da ist noch etliches andere zu hören und zu erwerben.

    Das Quartett eines Meister Wikmanson zwecks Füllung der Doppel-CD kann man guten Gewissens genießen.

    Nun weiß ich nicht (und glaube ich erst mal nicht), dass unbedingt eine Konkurrenzeinspielung ins Haus muss. Hören kann man manches ohnehin auch über das Netz und ich warte gerne Vorschläge hier vor Ort ab. Und dann ist da natürlich noch jener Rest an Angst und Ehrfurcht vor Herrn Ingenieur Khampan ... ;) :)

    :wink: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Vielen Dank nun auch von mir für diese erneut ungemein bereichernde Wahl! Für mich ist das eine Erstbegegnung mit diesem frühbegabtem, viel zu früh an Tuberkulose verstorbenen Komponisten. Nachdem Mozart und Schubert zwei meiner absoluten Lieblingskomponisten sind, freue ich mich, hier, was die Genialität betrifft, "Verwandtes" zu hören. Die Naxos CD habe ich bestellt, bis zum Eintreffen (voraussichtlich morgen) höre ich aus youtube sehr gerne das Quatuor Mosaïques. Arriaga hat für mich einen Moll-Zauber wie Mozart, dieser Moll-Zauber ist noch berückender als vielfach andernorts für mich. Der geht mir an Herz und Seele. Den 1. Satz finde ich mit seinen Themen und im Ablauf staunenswert genial. Für mich fällt es allerdings danach nicht ab, das Adagio hat mich auch gleich angesprochen, nobel-galant. Dann das energische Menuett und ein tänzerisches Trio, und dann das Finale, wieder Moll-Zauber, mit Adagio-Intro und Unterbrechung und wieder anders berückendem Siciliano-Wiegen.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Soeben habe ich erst einmal den Link mit den Noten mir zu Gemüte geführt:

    In der Tat bewegt sich der Kopfsatz im besten Sinne auf den Spuren Mozart'scher Moll-Sätze - in der Kammermusik denke ich (natürlich) vor allem an das Streichquintett KV 516.

    Der langsame Satz mag ein wenig einfacher gestrickt sein, da konventioneller in den jeweiligen Begleitstimmen. Haydn - weniger Mozart - kommt mir in den Sinn und langweilig wird mir eigentlich nicht.

    Das Menuett schillert zwischen Dur und Moll. Der noch sehr junge Schubert als Vergleichsglied? Das Trio wirkt auf mich etwas dünn in der Inspiration.

    Den Finalsatz finde ich recht überraschend in seiner Struktur. Mozart, der junge Schubert und Haydn blicken in eine romantische Zukunft. Alexanders "Siciliano-Wiegen" wären mir nicht eingefallen, aber das stimmt natürlich!

    Mit anderen Worten: Wertvolle und lohnende Musik mit wahrlich vielversprechenden Ansätzen. Guten Gewissens kann man wohl behaupten, dass sich hier eine Großer hätte entwickeln können.

    PS: Knulp hat eine schöne Einführung verlinkt. Ich habe sie gerade gelesen, wollte aber erst die Musik auffrischen. Vielleicht schreibe ich noch etwas zur Einspielung des Chilingirian-Quartett, wenn mir etwas Neues dazu einfällt.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Das Booklet zu den Chilingirians betont den spanischen Duktus des Werks und sieht in dem von mir als nicht so wesentlich eingeschätzten Menuett-Trio eine Gitarren-Imitation. Ansonsten wird nichts ausgesagt, was nicht schon zur Sprache gekommen wäre.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Das Chilingirian-Quartett hat, wie ich meine, eine solide Interpretation eingespielt. Es fällt auf, dass dieses Quartett deutlich mehr Zeit benötigt als bei der oben direkt verlinkten Aufnahme - insgesamt mehr als 29 Minuten statt derer nicht einmal 23. In der Tat werden die raschen Sätze durchwegs langsamer dargeboten, der zweite Satz aber noch deutlicher. Ein Adagio erlaubt die Sichtweise der Chilingirians allenthalben, wie ich meine. Ansonsten stört mit deren Tempo auch nicht wirklich, aber da könnten nun Geschmacksfragen berührt sein und ich kann verstehen, wenn man sich ein wenig mehr Schwung wünscht. Als wie notwendig leidenschaftlich empfindet man das Quartett insgesamt? Der Kopfsatz des Quintetts von KV 516, mit dem ich vorhin verglichen habe, lebt meines Erachtens nicht von einem explizit straffen Zugang. Zu dessen Pathos gehört eine gewisse Schwere. Doch sicher bin ich mir im Falle des Arriaga 1 nicht; es gibt ja, wie bereits angesprochen, mehrere moderne Alternativen, die kennenzulernen sich vielleicht lohnen würde.

    Ist eigentlich jemandem bekannt, welche offenbar ältere Aufnahme Knulp verlinkt hat? Das ist wohl nicht angegeben oder ich habe etwas übersehen. Was mir aufgefallen ist, sind die Geräusche eines Plattendrehers.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Heute ist bei mir die Naxos CD mit der Camerata Boccherini eingetroffen.

    Das Quatuor Mosaïques höre ich insgesamt erdiger, die Camerata Boccherini graziler.

    1824 wurden die drei Streichquartette veröffentlicht, unglaublich, was 18jährige so vorlegen können, tragisch, wie früh so manches Leben enden muss...

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Die Hörproben der Camerata Boccherini haben mich in ihrer Frische, Leichtigkeit und Transparenz schon überzeugt. Dennoch: Sollte ein Adagio so schnell gespielt werden? (Dass kurze Hörproben nur kurzatmige Aussagen zulassen, ist mir natürlich klar.)

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Nachdem ich nun noch die o. g. Camerata Boccherini mit Arriaga #1 gehört habe, gefiel mir bisher das Quartet Sine Nomine am besten.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • ich habe leider zur Zeit wenig Muße, mich hier zu beteiligen, schätze Arriaga aber sehr und möchte zwei fun facts loswerden:

    Schon ein wenig verblüffend, die Relevanz der Musik eines erschreckend früh Verblichenen.

    Just am Vorabend zur Bekanntgabe des SqdW ging mir plötzlich das Hauptthema seiner Sinfonie durch den Kopf, verschob das Anhören aber auf das Sonntagsfrühstück.

    Erste Überrasschung am Sonntag morgen, die Wahl eines Arriaga Streichquartetts (kannte nur das 2.). Also bei Spotify Arriaga eingegeben, als erster Vorschlag kam eine Aufnahme der Sinfonie, also doch... Ohne zu lesen, wer spielt, angeklickt und: boah, was für eine tolle Aufnahme! Nach ein paar Minuten Brille aufgesetzt und, naja keine Überraschung, aber ich wusste nicht dass es die gibt: Jordi Savall, Aufnahme 1994. Dicke Empfehlung, vor allem falls jemand die Sinfonie noch gar nicht kennt.

    (sorry für den Missbrauch dieses Threads)

    Vom 1. Streichquartett habe ich bisher nur das Cuarteto Casals gehört. Schade dass sie bei dieser frühen Aufnahme sie noch nicht ganz auf der Höhe waren. Nicht schlecht, aber selbst live würden sie das jetzt zehnmal besser hinbekommen.

    Da ich zur Zeit zu viel anderes hören und spielen muss, wollte ich erst mal eure Favoriten abwarten. Sieht nach Sine Nomine aus?

  • Erste Etappe mit Kurzfazit:

    Das oben verlinkte Youtube-Hörbeispiel läuft mindestens 4% zu schnell, mir unerträglich und sehr schlechte Intonation obendrein.

    Immerhin sieht man anhand der Noten, dass tatsächlich im 1. Satz keine Expo-Wiederholung vorgeschrieben ist. Allerdings in den anderen beiden Quartetten offensichtlich schon. Das Cuarteto Casals lässt diese aber auch weg. Geht gar nicht.

    Chilingirian spielt sehr schön aber gemütlich, hebe ich mir für eine ruhigere Zeiten auf...

    Quatuor Sine Nomine ganz gut, etwas störend viel Vibrato, und vom Kauf der CD würde ich doch abraten, weil im 3. Quartett die 1. Violine nervig noch spielt.

    La Ritirata - klanglich indiskutabel, Finger weg! Bassfrequenzen fehlen völlig, die Höhenlastigkeit kann zu einem Hörschaden führen. Schade drum, gespielt ist es gut, soweit ich es (mit zurückgedrehten Höhen) ertragen konnte.

    Kleiner Lichtblick:

    Voces Streichquartett gefällt mir bisher sehr, läuft erst mal weiter (allerdings 2. Quartett 1. Satz entschieden zu langsam für ein "con brio"; im 3. Quartett fehlt wieder die Expo-Wiederholung)

  • Witzigerweise wurde hier noch gar nicht die Einspielung des Guarneri Quartetts erwähnt, welche ich übrigens mein Eigen nenne:

    Tatsächlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, Arriagas Es-Dur Quartett bei der nächsten Runde zu nominieren. Das dritte Quartett gefällt mir nämlich tendenziell am besten. Hoffentlich komme ich heute oder morgen noch dazu, das d-Moll wieder einmal anzuhören, um etwas beitragen zu können.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Witzig. Arriaga lag also gewissermaßen in der Luft.

    Die Guarneris habe ich kürzlich auch gehört. War dabei aber nicht sonderlich konzentriert. Hat mich nicht angefasst. Jetzt stellt sich das Henne-Ei-Problem.

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