Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Oh, là, là, das muß Liebe sein

    Na, vielleicht eher der Wunsch, die Brahms Kammermusikwerke in aktuellen Einspielungen noch näher kennenzulernen. Meine beiden LP-Boxen (DGG und Philips) sind doch schon recht betagt mit Aufnahmen aus den 1960ern.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • ... Quatuor Strada! Da kam für mich ein ganz anderer Zug hinein ...

    deine begeisterte (naja) Reaktion bestätigt meinen Eindruck, den ich von dieser Aufnahme hatte: Brahms für Leute, die Brahms nicht besonders mögen.

    Wobei Mauerblümchens Begeisterung etwas gegen diese These spricht. Mir kam sie jedenfalls zu aktionistisch vor. Daneben auch nicht sehr intonationssicher (na gut, live) und häufig mit zu viel unschönem Vibrato.

    Dennoch, zugegeben, eine gute und empfehlenswerte Aufnahme, nur nicht nach meinem Geschmack. Ich bleibe bei Auryn. Mandelring sollte ich noch probieren.

  • Dennoch, zugegeben, eine gute und empfehlenswerte Aufnahme, nur nicht nach meinem Geschmack. Ich bleibe bei Auryn. Mandelring sollte ich noch probieren.

    Fein!

    Bei mir sind gerade Strada, Belcea, Auryn und Takács II vorne ... hattest Du schon etas zu Belcea geschrieben?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Mein Verhältnis zu Brahms ist ja zuletzt besser geworden, aber immer noch nicht unproblematisch! ;)

    Habe das Quartett jetzt mehrfach mit Belcea gehört, da ist es mir recht fremd geblieben. dann aber, heute mittag, die Aufnahme mit der Quatuor Strada! Da kam für mich ein ganz anderer Zug hinein, ein Hauch von der 3. Sinfonie (die ich immer schon geliebt habe), da war die Empfindung weg, die ich bei Brahms oft habe, von meisterlicher Beherrschung komplizierten Materials, das in gähnende Langeweile oder schlicht Desinteresse mündet. Werde ich nochmal und genauer hören wollen!

    Scheinst ein wenig Gesinnungsgenosse zu sein, werter Kollege! Freund Hueb' hat sich lange nicht mehr gemeldet hier, glaube ich. Mit ihm habe ich mich im anderen Forum meist sehr gut verstanden. Aber in Bezug auf Brahms darf ich nicht mit Verständnis rechnen. Grins1

    Naja, zum x-ten Mal: Es ist nicht ganz so schlimm! Die Kammermusik mag ich fast durchwegs. Keine Ahnung, warum bei den Sinfonien kaum je etwas funkt - am ehesten noch bei der Vierten. Auch das Violinkonzert zieht meist an mir vorbei und das erste Klavierkonzert ist mir zu lang, obwohl es doch letztlich kürzer ist als das zweite ... :pfeif:

    Die Klaviermusik lässt mich möglicherweise recht kalt, weil ich da nie irgendetwas geschafft habe am eigenen Instrument.

    Aber ich bin doch sonst nicht so und eher nach allen Seiten undicht ...

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Jo mei, die Geschmäcker eben! ^^

    Bach hat ja auch nicht nur begeisterte Anhänger.

    Selbst mag ich Brahms wohl deutlich lieber als Du, aber mein Lieblingskomponist ist er auch nicht gerade. Aus der selben Generation ist mir Dvořák deutlich näher. Bei Brahms befremdet mich häufig der antimusikantische Duktus. Die Musik fließt fast nie, sondern wird zergrübelt. An den melodischen Einfällen liegt es nicht. Was ist schöner bzw. könnte schöner sein als das Eingangsthema von op. 8, oder das der Violinsonate op. 78? Eigentlich nichts.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Ehrlich gestanden verstehe ich die auf das Qu. Strada gemünzte Bemerkung "Brahms für Leute, die Brahms nicht besonders mögen" überhaupt nicht. Brahms ist wahrscheinlich mein Lieblingskomponist, ungefähr seit meinem 16. Lebensjahr. Ich habe einige Aufnahmen aus der live aufgenommenen Kammermusik Box, die Wieland erworben hat und habe mit den Beteiligten im Konzertsaal alle Klavierrios gehört. Das gehörte zu den Sternstunden, die ich als Brahmsliebhaber erleben durfte. Felix Meritis würde ich erwidern, dass gerade diese Kombination aus den melodischen Einfällen mit dem "Grüblerischen " Brahms für mich mehr, und Dvorak etwas weniger reizvoll macht. (Und die erste Sinfonie, fliesst sie denn nicht ganz wunderbar, wenn auch nicht fröhlich sprudelnd.) Es gibt natürlich bei Brahms etwas Schwermütiges, das zieht mich an, und stösst andere vielleicht ab.

    Auf der website von Pierre Fouchenneret kann man übrigens Brahms 3. Quartett und das 1. Streichsextett integral hören (wahrscheinlich die Live-Aufnahmen aus der Box).

    Quatuor Strada – Pierre Fouchenneret

  • Eingangsthema Opus 78 an erster Stelle, Opus 8 an zweiter, dann auch op. 18, das Horntrio etc. - Opus 111 habe ich gerade nicht im Ohr Keine Widerrede! Das ist nicht das Problem ... vielleicht gibt's sowieso kein wirkliches ... Grins1

    Mich stößt auch Grüblerisches nicht ab. Allan Pettersson ist grüblerischer ...

    Wenn man mal ins Nachdenken kommt ... Ich muss mich in der Tat mal mehr um die Sinfonien bemühen. Die beiden Ouverturen brauchen mich sowieso nicht ...

    Opus 111 wird nachher noch aufgelegt - merci beaucoup!

    Angeblich habe ich diesen Artikel 2012 gekauft. Das wird auch so sein, aber das Cover ist ein anderes und vermutlich auch das Booklet. Passiert das öfter? Kennt Ihr das? Natürlich habe ich damit noch weniger Probleme als mit Brahms ...

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • EDIT fünf Minuten später: Der Beginn von op. 111 - ich erinnere mich gar nicht so richtig, aber könnte das nicht auch von Dvorak sein? ... jetzt nicht mehr ...

    :) :)

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Hier noch eine hippeske Version. Das Dudok Kwartet spielt sehr vibratoarm, mit reichlich Agogik und vielen Portamenti. Und ist meist recht zügig unterwegs. Bin mir noch nicht sicher, ob das ganz mein Fall ist, aber die Aufnahme hat schon was.

    Im Werkthread wurde übrigens damals auf Ähnlichkeiten zwischen op. 51/2 und Schuberts D. 804 hingewiesen. Für das Quasi Minuetto kann ich das sehr gut nachvollziehen.

  • Nachtrag; Herr Andrei Kirillowitsch Rasumowski hat heute seinen 271. Geburtstag. (* 1752)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Danke für den Tip!

    Hier noch eine hippeske Version. Das Dudok Kwartet spielt sehr vibratoarm, mit reichlich Agogik und vielen Portamenti. Und ist meist recht zügig unterwegs. Bin mir noch nicht sicher, ob das ganz mein Fall ist, aber die Aufnahme hat schon was.

    Dudok Quartet (nur für die Holländer unter uns "Kwartet").

    Auch wenn sich die Anfangstakte fast nach HIP anhören, spielen sie auf modernen Instrumenten und in moderner Stimmtonhöhe.

    Hier läuft gerade der 1. Satz und bislang gefällt mir das ganz ausgezeichnet (war freilich beim Vertavo Quartet auch so, da kamen die mich störenden Effekte im 3. Satz zum Tragen).

    Ein großer Pluspunkt der 2CD-Box ist zweifelsohne die seltene aber optimale Kombination mit op 111, dessen umwerfenden Beginn sie auch umwerfend spielen. Die scheinen sich mit Brahms auszukennen.

  • Habe jetzt ganz kurz in Dudoks reingehört: ja, das klingt toll! Den Rest hole ich nach, um mir op 51,2 noch einmal zur Gänze zu Gemüte zu führen. Hier wird sozusagen die Klanglichkeit gefeiert. Mal schauen, ob meine Begeisterung das ganze Stück hindurch hält.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Dudok Quartet Amsterdam ist für mich neuer Sieger im Vergleichshören.

    Phrasen werden wunderbar ausgespielt (ohne durch die modern gewordene Reizüberflutung zerstückelt zu werden), schöner Zug nach vorne und mit fetzigem Finale. Die Spielzeit 6:59 ließe ein gemütlicheres Tempo vermuten, aber sie machen das poco tranquillo kurz vor Schluss deutlich langsamer als andere, was völlig legitim und dramaturgisch überzeugend ist.

    Intonation und Klang: absolut hervorragend.

    Die Intonationssicherheit erlaubt dem Ensembe, viele Stellen ganz ohne Vibrato zu spielen (darin dem Cuarteto Casals ähnlich), z.B. den Anfang des 1. Satzes und grundsätzlich alle leise endenden Schlüsse, wie 2. Satz mit Gänsehautklang. Im Übrigen wird Vibrato normal eingesetzt, wenn auch mit kleinerer Amplitude als sonst üblich, zum Vorteil des Gesamtklangs.

    Das von Braccio erwähnte Portamento (gleitende Verbindung zweier Töne beim Lagenwechsel) wird nur dezent und sehr geschmackvoll eingesetzt. Noch Anfang des 20. Jh. war es eigentlich Standard, danach mehr und mehr verpönt. Ich finde es schön wenn es nicht ganz verbannt bleibt, das gibt sehr einschmeichelnde Effekte beispielsweise bei manchen Cello-Soli.

    Möglicherweise spielt hierbei die Verwendung von Darmsaiten eine Rolle. Laut Homepage des Quartetts wechseln sie Bögen und Saiten öfter je nach Programm und setzen für Werke des 19. Jh. Darmsaiten ein (auf denen es sich leichter "rutscht" als auf Stahlsaiten).

    Das wäre auch eine denkbare Erklärung für den seidigen aber obertonreichen Klang, der zunächst verwundert und für Brahms ungewohnt scheint.

    Dringende Kaufempfehlung, besonders falls jemand mit op. 111 noch unterversorgt ist.

    <3 Khampan

    Einmal editiert, zuletzt von Khampan (2. November 2023 um 21:01)

  • Das von Braccio erwähnte Portamento (gleitende Verbindung zweier Töne beim Lagenwechsel) wird nur dezent und sehr geschmackvoll eingesetzt. Noch Anfang des 20. Jh. war es eigentlich Standard, danach mehr und mehr verpönt. Ich finde es schön wenn es nicht ganz verbannt bleibt, das gibt sehr einschmeichelnde Effekte beispielsweise bei manchen Cello-Soli.

    Das fand ich auch. Ich würde auch meinen, dass der Einsatz der Portamenti hier durchaus absichtsvoll und unter Berücksichtigung der Tatsache erfolgt, dass es damals noch Standard war.

    Werde mir demnächst dann noch die anderen Stücke auf dem Album zu Gemüte führen. Haydn haben die auch gemacht, könnte sich lohnen.

  • Ich würde auch meinen, dass der Einsatz der Portamenti hier durchaus absichtsvoll und unter Berücksichtigung der Tatsache erfolgt, dass es damals noch Standard war.

    Gibt es dafür Tondokumente?

    Vielleicht am ehesten im Bereich von Violinkonzerten?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Gibt es dafür Tondokumente?

    Ich glaube, ich habe das mit den Portamenti hier vor Jahren in einem Beitrag von Christian Köhn gelesen, der sich damals darüber mokierte, dass die Hipisten alle möglichen alten Vorgaben berücksichtigen, aber die im 19. Jhdt. üblichen Portamenti nicht machen. Habe mich ehrlich gesagt dann nicht weiter um Verifizierung bemüht, aber Khampan bestätigt es ja auch.

    Wenn ich mal dazu komme, begebe ich mich auf die Suche ...

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