Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Schönen Samstag! Das StrqudW ist Franz Xaver Richter op. 5/2. Seltsamerweise eines der wenigen Strqu, von denen ich mehr als 1 Aufnahme habe.

    Danke Dir fürs interessante Kennenlernen - übers Internet wird's schon gehen vorerst! Denn ich finde keine im Regal - Du musst also die zweite geklaut haben. Schlecht1 [= irgendeine Form von Selbstironie gepaart mit Gesäßgeschwätz]

    EDIT: Dank auch an MB für die Links und an Bramante für den Lesetipp!

    :wink: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

    Einmal editiert, zuletzt von andréjo (11. Februar 2024 um 00:02)

  • Meine erste ist Concentus Harnoncourt 1963

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Meine erste ist Concentus Harnoncourt 1963

    Vielen Dank - CD-Sammlerlücke soeben festgestellt und aktiv geworden. Die nächsten Tage gerne mehrmals mit youtube - ich höre da hingebungsvoll gespielte frühklassische Hausmusik, einen berückenden elegischen Mollsatz an zweiter Stelle und das tüchtige Fugatopresto als beschwingten Kehraus. Eine weitere für mich bereichernde, allemal erbauliche Neuentdeckung.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Ich hatte vergessen, wie toll diese Quartette und die Interpretation durch das casal Quartett auf Jacob Stainer Instrumenten ist. Danke @ Putto für das in Erinnerung rufen.

    neben op 5/2 noch op 5/5

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Auch mir gefallen diese Quartette sehr gut, und ich muss zugeben, dass ich manchmal im Blindtest auf frühen Haydn tippen würde. Eventuell sind manchmal, etwa im Kopfsatz des SQdW, Abschnitte dabei, die konzertanter wirken als die Streichquartette Haydns.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Auch mir gefallen diese Quartette sehr gut, und ich muss zugeben, dass ich manchmal im Blindtest auf frühen Haydn tippen würde. Eventuell sind manchmal, etwa im Kopfsatz des SQdW, Abschnitte dabei, die konzertanter wirken als die Streichquartette Haydns.

    Ging mir genauso. Ich kannte die gar nicht und habe mich stellenweise auch an die (echt geilen) Arriaga-Quartette erinnert gefühlt, was den Drive angeht.

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

  • Beim Anhören der Links, die Mauerblümchen eingestellt hat, bin ich nun ein wenig verblüfft.

    Anfang der 1760er Jahre sind bekanntlich die ersten Streichquartette Haydns entstanden, bei Richter dürfen wir noch ein paar Jahre zurückgehen. Insofern stellt sich die spannende Frage, wer von den beiden nun die Gattung erfunden respektive etabliert hat. Einerseits ist die zukunftsweisende Bedeutung eines Joseph Haydn wohl nicht zu unterschätzen und mit der eines Franz Xaver Richter nicht zu vergleichen. Doch geht es ja hier nicht um die musikalische Relevanz beider generell. Und auf die Quartettkunst bezogen, meine ich schon, dass dieses Werk von Richter in jeder Hinsicht wesentlicher ist als die Opera 1 und 2 von Haydn - an Ausdehnung vor allem, an musikalischer Durchdringung, an Seriosität, würde ich sogar meinen, ist doch nicht der Divertimento-Charakter prägend bei dem Herrn aus Mähren. Ebenso sind die vier Instrumente deutlicher gleichberechtigt, als das bei Haydns Quartett-Frühschaffen der Fall sein dürfte.

    Die Hörnähe zu Haydn ist gewiss vorhanden - das sehe ich ganz genauso. Auch den Bezug zu den Arriaga-Quartetten kann ich nachvollziehen.

    Mein Konzertführer in der Auflage von 1980 behauptet interessanterweise, dass "bislang" nur das Opus 5/1 der Öffentlichkeit zugänglich sei. Das hat sich 40 Jahre später erkennbar geändert. Und mir wird wieder einmal bewusst, welche Bedeutung kleinere Meister gewinnen können, wenn die Forschung sich mit ihnen auseinandersetzt - wobei ich mich natürlich detaillierter damit konkret nicht befasst habe.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Den Aufsatz, den Bramante verlinkt hat, habe ich jetzt grob überflogen. Es geht um das gewiss nicht seltene Forschungsproblem um die gravierend abweichenden Daten zwischen Erstveröffentlichung und vermuteter Entstehungszeit. Es geht weiterhin um die Koinzidenz mit Quartetten von Luigi Boccherini. Die wenigen Quartette des Italieners, die ich schon gehört habe, empfinde ich stilistisch allerdings als noch einmal spezifisch anders.

    Für's Regal werde ich mir wohl die alpha-Produktion aufgrund bisher guter Erfahrungen zulegen. Aber diese Woche warte ich schon noch ab.

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  • Freut mich, dass es gut ankommt, ich hatte schon befürchtet, dass über blasse Kleinmeister gelästert würde. Ich mochte Richter, Holzbauer und Johann Stamitz immer, wobei natürlich die Begeisterung eine Rolle spielte, was da vor Haydn schon alles da war am "klassischen Stil". Beim Wiederhören in der 1963er-Aufnahme hat mich auch wieder nichts gestört, das Finale fällt jedenfalls gar nicht "postbarock" heraus, finde ich. Interessant fand ich jetzt die Stellen, wo er auf die Macht der Akkorde vertraut, das ist so typisch "Vorklassik". Dadurch wird jedenfalls auch das Fugato unterbrochen und in den Gesamtkontext eingefügt.

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  • Dank auch an [ ... ] Bramante für den Lesetipp!

    Dem schließe ich mich gerne an - vielen Dank! Spannend!

    Die Hörnähe zu Haydn ist gewiss vorhanden - das sehe ich ganz genauso.

    Hmmm ... da müsste ich op. 1 und op. 2 nochmal hören. Hat Haydn da nicht deutlich mehr an motivisch-thematischer Arreit gezeigt?

    Spannend finde ich im ersten Satz den Wechsel zwischen "unterkomplexem" Satz mit Melodie in der 1. Violine und Bacc im Cello, wobei die Mittelstimmen entweder schweigen (wie gleich am Anfang) oder continuoartig auffüllen einerseits und Abschnitten, in denen die Mittelstimmen mehr zu sagen haben, z. B. wenn sich nach einiger Zeit ein Duett der 1. Violine mit der Bratsche entspinnt.

    Der zweite Satz ist harmonisch ja der Wahnsinn. Entweder geht der Satz weit zurück (z. B. Präludium es-Moll aus dem WK I) oder weit nach vorne (Mollsätze bei Mozart), aber typisch frühestklassisch ist das in meinen Ohren nicht.

    Die Schlussfuge ... das Thema ist ein wenig schematisch, oder? Sequenziert etwas zu schnell, die ganze Fuge lebt dann auch von diesen impliziten Abwärtsschritten, so dass Richter ziemlich schnell die Form verlassen muss, um einen neuen Reiz zu setzen. Wiederholung des ersten Abschnitts, oder?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Typisch frühklassisch ist doch auch das Beieinander von diversen unterschiedlichen Einflüssen. Typisch hochklassisch dann das Ausmaß der Synthese. Frühklassisch heißt nicht einfach.

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  • Die Hörnähe zu Haydn ist gewiss vorhanden - das sehe ich ganz genauso.

    Hmmm ... da müsste ich op. 1 und op. 2 nochmal hören. Hat Haydn da nicht deutlich mehr an motivisch-thematischer Arreit gezeigt?

    Für Details müsste ich die Opera 1 und 2 natürlich ebenso wieder hören - wozu mir ein wenig der Elan fehlt.

    Zunächst wolle ich entgegnen, dass die objektive Länge der Quartette doch gar nicht so viel thematische Arbeit zulässt. Aber wenn ich jetzt bei Buchberger auf den CD-Hüllen nachsehe, bin ich mir nicht mehr so sicher. Raumgreifender ist das Quartett der Woche von Richter zwar schon, aber das erlaubt vermutlich noch keine klare Aussage.

    Sagen wir so: Stilistisch sehe ich eine deutlichere Nähe von Richter zu Haydn überhaupt. Da steht Boccherini auf jeden Fall weiter weg. Andere Zeitgenossen, soweit ich sie kenne - was sich in Grenzen hält -, aber ebenfalls.

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  • Typisch frühklassisch ist doch auch das Beieinander von diversen unterschiedlichen Einflüssen. Typisch hochklassisch dann das Ausmaß der Synthese. Frühklassisch heißt nicht einfach.

    Ja, das leuchtet mir ein, auch wenn ich nicht gewagt hätte, es zu sagen. ;):)

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  • Jedenfalls liegt eine besonders manieriert-komplizierte Phase des Spätbarock in den 1730er-Jahren da auch gar nicht besonders weit zurück. Und Veracini hat sich im Alter geradezu verkehrtherum entwickelt verglichen zu Tartini. Sehr unübersichtliche Phase.

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  • ich hatte schon befürchtet, dass über blasse Kleinmeister gelästert würde.

    Von mir jedenfalls nicht, für mich ist Richter einer der interessantesten Komponisten dieser Epoche, gerade wegen dem Miteinander von barocker Tradition und den modernsten Mitteln der Zeit. Verglichen mit seinen Zeitgenossen scheint mir das bei ihm ganz besonders ausgeprägt, jedenfalls in den Werken, die ich von ihm kenne (u. a. diese Quartette, Oratorium, Sinfonien, Requiem usw.).

    Mir ist immer wieder die Aussage begegnet, die Frühklassik fühle sich für heutige Hörer irgendwie „unfertig“ an, verglichen mit den berühmten Werken der Hochklassik. Für manche Komponisten und Werke mag das gelten, aber dann gibt es auch Fälle wie Richter und dieses B-dur-Quartett. Vor allem den langsamen Satz finde ich sehr stark mit seinem ernsten Ausdruck, der eleganten Struktur und so manchen überraschenden Stellen.

    Daher danke an putto für das Aufmerksammachen auf diesen Komponisten.

  • Ich erinnere mich, von Franz Xaver Richter schon mal ein Trompetenkonzert und ein Flötenkonzert - da hat er ja mehrere geschrieben - gehört zu haben. Ob ich die Musik auf CD finde, würde ein wenig Suchen erfordern und sicher bin ich mir nicht. Eher dürfte es einen Mitschnitt vom Rundfunk geben - und da weiß ich auch nicht, ob die Nummern greifbar sind für mich.

    Erfahrungsgemäß stehen solche effektvollen Konzerte aus dem (relativ) frühen 18. Jahrhundert in der Tat zwischen Barock und Klassik. Aber ich vermute, dass zwar die melodische Pracht markant ist, die strukturelle Feinarbeit weniger relevant. Bramante und putto und wohl auch Mauerblümchen sind hier geschultere Kollegen, könnte ich mir gut vorstellen. Mir ist das Stilphänomen des Manierismus im Spätbarock theoretisch als Begriff bekannt, aber es ist kein echtes Hintergrundswissen da. Wenn jemand von Euch Solokonzerte von Richter kennt: Kann man sagen, dass dieser Begriff dort ohnehin nicht funktioniert? Ich glaube, dass auch in diesen frühen musikalischen Stilperioden die Kammermusik avancierter ist als größere Besetzungen.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Mir ist immer wieder die Aussage begegnet, die Frühklassik fühle sich für heutige Hörer irgendwie „unfertig“ an, verglichen mit den berühmten Werken der Hochklassik. Für manche Komponisten und Werke mag das gelten, aber dann gibt es auch Fälle wie Richter und dieses B-dur-Quartett. Vor allem den langsamen Satz finde ich sehr stark mit seinem ernsten Ausdruck, der eleganten Struktur und so manchen überraschenden Stellen. (Hervorhebung nicht im Originalzitat)

    Beim Hören habe ich auch genau diese Erfahrung gemacht. :)

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  • Hier lief nochmal die Aufnahme mit dem casalQuartett. Gefällt mir immer besser ... muss sich nicht vor opp. 9, 17 und 20 des bekannteren Meisters verstecken, meine ich.

    Arriaga wurde genannt - der ist aber stilistisch deutlich später. oder? Fast 100 Jahre nach Richter geboren ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Hier lief nochmal die Aufnahme mit dem casalQuartett. Gefällt mir immer besser ... muss sich nicht vor opp. 9, 17 und 20 des bekannteren Meisters verstecken, meine ich.

    Diese Aufnahme habe auch ich jetzt zweimal gehört, ebenfalls teilweise duie anderen Richter-Quartette, alles über YT erreichbar. Schließe mich gern an: Die Musik finde ich originell, ansprechend und durchaus dem frühen Haydn vergleichbar. Franz Xaver Richter kannte ich bislang nur dem Namen nach.

    Eine schöne Erweiterung meines Horizonts, mit herzlichem Dang an putto!

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Moin!

    Morgen ist Samstag. Alberich hat bereits letzte Woche per Konversation erfreulicherweise bestätigt, dass er ein Werk für die nächste Woche aussuchen. Mangels früherer Erfahrungen dieser Runde gibt es kaum Anhaltspunkte, was es sein könnte.

    Diese vierte Runde wird dann nach aktuellem Stand

    • Algabal

    beenden, wonach die fünfte Runde dann wie folgt begönne:

    • Wieland,
    • Abendroth,
    • andréjo,
    • Felix Meritis,
    • Braccio,
    • AlexanderK,
    • Scherzo,
    • Gurnemanz,
    • MB,
    • Pizzicato,
    • Quasimodo,
    • putto und
    • Alberich.

    So hat sich die Reihenfolge bisher fortschreibend und im Einzelfall tauschend ergeben. - Ich hoffe sehr, niemanden versehentlich ausgelassen zu haben ... ansonsten bitte einfach Bescheid sagen!

    Hier nochmal die herzliche Einladung an alle Forianer*innen, in diesem Thread mitzuschreiben, auch wenn sie nicht auf der obigen Liste stehen! Auch sind weitere Quartettaussuchende in dieser Runde sehr gerne gesehen.

    Gutes Hören, gutes Diskutieren!

    Viele Grüße

    MB

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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