Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Es geht darum, dass man über die Vernunft zur Fantasie und zum Genuss und Gewinn des Schönen gelangt. Nicht durch das Verwirren der Gefühle und den Sinnesrausch. Sind das alles leere Worte? Eisler spricht auch davon, dass ihm Heiterkeit in der Musik fehlt und dabei meint er glaube ich nicht Ironie, sondern auch ehrliche Heiterkeit.

    Das klingt doch richtig nach einem Programm der "Neuen Sachlichkeit". Die ist halt nicht mit Manifesten dahergekommen wie Futurismus und co., auch nicht organisiert in Form von Künstlergruppen, aber sie wurde um 1925 als solche benannt und wahrgenommen. Hindemith, Wolpe, Butting und so gehören da als Komponisten dazu.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Aber warum kam das dann überhaupt zur Sprache im Zusammenhang mit diesem SQ? Weil man bei Eisler direkt auf das Gleis abbiegt?

    Na wegen der Melodiegestaltung im Vergleich zu Schönberg. Der vergleichsweise "penetrante" Rhythmus.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Ja natürlich nicht. Das wäre auch eine besondere Leistung, das als eindimensionales Arbeiterlied zu hören. :D

    Ja, das wär's, eine besondere Leistung. ;) Aber ironiefrei: Danke, dass Ihr meinen Beitrag im Neutralfaden erwähnt. Man kommt Euch also nicht aus. :)

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Grins1.

    Aber warum kam das dann überhaupt zur Sprache im Zusammenhang mit diesem SQ? Weil man bei Eisler direkt auf das Gleis abbiegt?

    Ich fürchte, ja! Vor allem die Wenig-Kenner, so wie ich. Die treffen sich dann mit Euch als Weitaus-Mehr-Kennern. Wiederum keine Ironie, sondern ganz ehrlich gemeint.

    Aber wenn ich jetzt hier schon schreibe: Unabhängig davon, dass sich eine formale Analyse lohnt, wie hier im Faden sehr schön nachzulesen, ist mir eigentlich nach bislang einmaligem Hören ohne Noten klar: Diese Musik von Eisler hat nichts Verspieltes oder Ironisches und schon überhaupt nichts Agitatorisches oder Politisches. Sie ist eine intellektuelle Studie. Damit unterläuft sie das Klischee und bestätigt es allenfalls dahingehend, dass es - gerne in einem guten Sinne! - eben formalistisch klingt, was die Kommunisten von Anfang an bekämpft haben. Eisler war aber nun kein Antikommunist. Schostakowitsch war es auch nicht - eigentlich, aber das ist bekanntermaßen ein grauslich komplexes Kapitel.

    Da ich sie gestern zufällig mal wieder gehört habe und es hier nicht völlig neben der Kappe liegt, sondern nur knapp daneben, die erste Sinfonie von Popov. Wunderbar aufreizend, völlig unakademisch - es packt mich vordergründig dann doch noch einmal mehr als die Eisler-Nummern, die ich bislang gehört habe. Wohl aus einer quasi alternativen Genuss-Haltung heraus, wie man sie den Opern eines Kurt Weill so ideal entnehmen kann. Weill wollte das ja auch, Brecht musste arg dialektisch vorgehen, um diese Musik zu rechtfertigen, aber es ist ihm gelungen als Vorbild-Dialektiker - wohl rezeptionsbezogen noch viel radikaler als intentional. Die verknöcherten echten Polit-Kommunisten waren da gespalten, bei Popov waren sie schnell bei der Stange mit dem Verbot. Bei Eislers Streichquartett stellte sich das Problem vermutlich nicht, aber da kenne ich mich nicht aus.

    Dies nur nebenbei - natürlich würde ich mich über Antworten hier oder woanders freuen.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Aber warum kam das dann überhaupt zur Sprache im Zusammenhang mit diesem SQ? Weil man bei Eisler direkt auf das Gleis abbiegt?

    Na wegen der Melodiegestaltung im Vergleich zu Schönberg. Der vergleichsweise "penetrante" Rhythmus.

    hm....ok, lass ich mich darauf ein, dann werde ich aber, während ich den Rest des Werkes höre - und der fängt schon gleich nach 8 Takten an - ziemlich weit weggeführt von dieser Ausgangsidee, obwohl es auch immer wieder Erinnerungen daran gibt. Die Variationen sind ziemlich vielfältig in ihren Charakteren. Der 2. Satz ist ähnlich in dieser Hinsicht. Also ich kann mich da nicht so festlegen, und weil das so ist, komme ich dann auf die Eröffnungstakte zurück und frage mich, ob sie wirklich so "penetrant" demonstrativ gemeint sind.

  • Gerade habe ich nochmal das Vogler Quartett mit dem SQdW angehört und trotz des zu langsamen Beginns des 2. Satzes gefällt mir diese Aufnahme am besten von den dreien (Leipzig, Pellegrini, Vogler). Ich kann nicht weiter sagen warum, aber es passt mir am ehesten zu dem, was ich von Eisler selber heute auf der "Hanns Eisler Dokumente" CD veronmmen habe, bzw was davon bei mir angekommen ist, obwohl er sich da gar nicht zu dem Quartett geäussert hat.

    Vielen Dank Algabal - das war für mich ein Gewinn, diese SQ Auswahl.

  • Es geht darum, dass man über die Vernunft zur Fantasie und zum Genuss und Gewinn des Schönen gelangt. Nicht durch das Verwirren der Gefühle und den Sinnesrausch. Sind das alles leere Worte? Eisler spricht auch davon, dass ihm Heiterkeit in der Musik fehlt und dabei meint er glaube ich nicht Ironie, sondern auch ehrliche Heiterkeit.

    Das klingt doch richtig nach einem Programm der "Neuen Sachlichkeit". Die ist halt nicht mit Manifesten dahergekommen wie Futurismus und co., auch nicht organisiert in Form von Künstlergruppen, aber sie wurde um 1925 als solche benannt und wahrgenommen. Hindemith, Wolpe, Butting und so gehören da als Komponisten dazu.

    :thumbup:danke für deinen Input - immer sehr willkommen

  • Aber warum kam das dann überhaupt zur Sprache im Zusammenhang mit diesem SQ? Weil man bei Eisler direkt auf das Gleis abbiegt?

    Na wegen der Melodiegestaltung im Vergleich zu Schönberg. Der vergleichsweise "penetrante" Rhythmus.

    hm....ok, lass ich mich darauf ein, dann werde ich aber, während ich den Rest des Werkes höre - und der fängt schon gleich nach 8 Takten an - ziemlich weit weggeführt von dieser Ausgangsidee, obwohl es auch immer wieder Erinnerungen daran gibt. Die Variationen sind ziemlich vielfältig in ihren Charakteren. Der 2. Satz ist ähnlich in dieser Hinsicht. Also ich kann mich da nicht so festlegen, und weil das so ist, komme ich dann auf die Eröffnungstakte zurück und frage mich, ob sie wirklich so "penetrant" demonstrativ gemeint sind.

    Sind sie ohnehin nicht, war ja nur ein Versuch, den Unterschied zu Schönberg festzumachen.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Moin!

    Morgen ist Samstag. Wieland wird ein Streichquartett aussuchen und mitteilen. Sibelius, Franck, Rihm und Schnittke begrenzen nur höchst unscharf den Raum der Möglichkeiten ... wie immer freue ich mich auf die Wahl und bin gespannt!

    Dies eröffnet gleichzeitig die fünfte Runde, die nach heutigem Stand in dieser Reihenfolge weitergeht:

    • Abendroth,
    • andréjo,
    • Felix Meritis,
    • Braccio,
    • AlexanderK,
    • Scherzo,
    • Gurnemanz,
    • MB,
    • Pizzicato,
    • Quasimodo,
    • putto,
    • Alberich und
    • Algabal,

    wonach

    • Wieland

    die sechste Runde beginnen würde.

    So hat sich die Reihenfolge bisher fortschreibend und im Einzelfall tauschend ergeben. - Ich hoffe sehr, niemanden versehentlich ausgelassen zu haben ... ansonsten bitte einfach Bescheid sagen!

    Hier nochmal die herzliche Einladung an alle Forianer*innen, in diesem Thread mitzuschreiben, auch wenn sie nicht auf der obigen Liste stehen! Auch sind weitere Quartettaussuchende in dieser Runde sehr gerne gesehen.

    Gutes Hören, gutes Diskutieren!

    Viele Grüße

    MB

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Morgen ist Samstag. Wieland wird ein Streichquartett aussuchen und mitteilen.

    Da es ja fast schon Tradition ist, will ich meine Wahl ebenfalls in ein Rätsel hüllen.

    Das Werk hat bald einen runden Geburtstag. Sein Komponist ist allen Musikfreunden dem Namen nach bekannt, aber seine Werke haben vielleicht international noch nicht die Würdigung empfangen, die sie verdienen. Die Landsleute haben das Werk im Repertoire und häufig auch eingespielt. Ein junges in Deutschland beheimatetes Streichquartett hat es auf seiner Debut CD nachdem es einen passenden Wettbewerb gewonnen hat.

    Toleranz ist der Verdacht, der andere könnte Recht haben.

  • Doch nicht etwa Ravel?

    ... mit Leonkoro? Denn:

    Ein junges in Deutschland beheimatetes Streichquartett hat es auf seiner Debut CD nachdem es einen passenden Wettbewerb gewonnen hat.

    Und Ravels Meisterwerk hat noch keinen eigenen Faden...

    :/ :) :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

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