Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • ... hier lief die erste Aufnahme des Végh-Quartetts von 1954:

    Hervorragend remastert von Praga Digitals, was mich angeht.

    Eine Aufnahme, die in mir die Illusion des Verschwindens der Distanz von Werk und Interpreten entstehen lässt.

    Hier läuft eben diese. Kannte das Stück bisher kaum. Aber was grade so einströmt, fordert zum Wiederhören auf.

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Auch bei mir heute eine Aufnahme mit dem Vegh Quartett, aber die Stereoeinspielung aus den 1970ern. Schon alleine klanglich vom Feinsten.

    Gibt es auch als Download:

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    oder

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  • Hervorragend remastert von Praga Digitals, was mich angeht.

    Dies zur stereophonisch aufbereiteten Aufnahme des Vegh-Quartetts. Auch wenn ich die intensive Spiel durchaus überzeugend finde - mit der technischen Seite habe ich Probleme: Das klingt teilweise zu rechtslastig und das Cello, als ob es in einem eigenen Raum spielen würde, jedenfalls über meine Kopfhörer. Vielleicht ist das über Lautsprecher anders?

    Das 4. Quartett habe ich in den letzten Tagen mehrfach in Ruhe gehört: mit den Emersons (Dauer-Expressivität mit hartem Klang, wenig ansprechend), den Chiaras (die rocken tatsächlich toll!), dem Ungarischen SQ, deren trockenen Klang ich etwas spröde, sachlich, aber durchaus ansprechend finde. Dann das bei Bartók vielgelobte Takács-Q: voller fast orchestraler Klang, beeindruckend!

    Und schließlich eine Aufnahme, die ich momentan deutlich favorisiere, und zwar umso mehr, je öfter ich sie höre (inzwischen viermal): die mit dem Belcea Quartet:

    Hochkonzentriert, spannend, expressiv und dabei sehr klar, transparent, subtil, mit viel Sinn auch für leise Stellen. Z.B. fein herausgestellt im Schluß des 1. Satzes: Hektische, kurze Floskeln werden unterlaufen von einem zunächst kaum bemerkbaren "Heraufschrubben", das sich verstärkt und ausweitet, ein Beispiel für die reiche Phantasie des Komponisten.

    Das geheimnisvolle, unheimliche nächtliche Gewusel des 2. Satzes habe ich sonst nirgends so fein ausgesponnen gehört. Und der Beginn des 3. Satzes: wie eine Orgel ganz aus der Ferne, wunderbar! Die Pizzicato-Klänge des 4. Satzes empfinde ich keineswegs zu vordergründig, wie es oben Khampan andeutet, so daß ich auch keinen Bruch zum 5. Satz wahrnehme. Dieser wahrt für mich eine ideale Mitte zwischen folkloristischer Energie und sublimer Kunstmusik (der Gegensatz wurde oben ja schon thematisiert). Ich finde, Bartók gelingt es auch hier, beides, Volksmusik und Kunstmusik auf eine Weise zu einem organischen Ganzen zu verschmelzen, die seine Musik ganz unvergleichlich und unverwechselbar macht.

    Soweit meine persönlichen Eindrücke.

    Für mich ist es eine große Freude, mich wieder mit Bartóks Streichquartetten zu beschäftigen.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

    Einmal editiert, zuletzt von Gurnemanz (16. April 2024 um 17:36)

  • Für mich ist es eine große Freude, mich wieder mit Bartóks Streichquartetten zu beschäftigen.

    :wink:

    Ja, diese Freude drängt jetzt auch bei mir viel stärker nach vorne. Was war da vorher? Angst? Aber wir wollen nicht übertreiben. :P

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Hervorragend remastert von Praga Digitals, was mich angeht.

    Dies zur stereophonisch aufbereiteten Aufnahme des Vegh-Quartetts. Auch wenn ich die intensive Spiel durchaus überzeugend finde - mit der technischen Seite habe ich Probleme: Das klingt teilweise zu rechtslastig und das Cello, als ob es in einem eigenen Raum spielen würde, jedenfalls über meine Kopfhörer. Vielleicht ist das über Lautsprecher anders?

    Hab das eben ein wenig analysiert. Leider hat Gurnemanz recht, es handelt sich um typisches Pseudo-Stereo, dass dadurch hergestellt wird dass die hohen Frequenzen von links und die tiefen von rechts kommen. Auf den ersten Lausch scheinen tatsächlich die Violinen links zu erklingen und das Cello rechts, dem ist aber nicht so. Wehe man sitzt genau zwischen den Lautsprechern oder hört gar über Kopfhörer, dann nervt es gewaltig. Dieses Verfahren zur Aufbereitung von Mono-Aufnahmen gehört eigentlich verboten.

  • Aber wir wollen nicht übertreiben.

    :thumbup: :cincinbier: Grins1

    Dieses Verfahren zur Aufbereitung von Mono-Aufnahmen gehört eigentlich verboten.

    Ein strenges Urteil! Vermutlich wäre hier es hier erträglicher zu hören, wenn man es bei Mono belassen hätte. Über Kopfhörer auch nicht so attraktiv, aber eine Alternative sehe ich nicht. Hier kein Problem für mich, denn mit Belcea bin ich wie gesagt hochzufrieden.

    Danke jedenfalls für Deine Erläuterung!

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Helmut Lachenmann

  • Hungarian Rock.

    Kann man auch hier erleben:

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    Grins1

    Es grüßt Gurnemanz

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    Helmut Lachenmann

  • Im Laufe des Tages hörte ich die spätere Aufnahme des Vegh-Quartetts

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    Fand ich sehr, sehr gut. Keine Mätzchen, ehrlich, eindringlich.

    Die ältere Aufnahme in der Praga-Stereophonisierung habe ich mit Kopfhörer kurz angefangen und dann rasch abgebrochen. Da muss ich mal nach der Mono-Version suchen.

  • mit Kopfhörer kurz angefangen und dann rasch abgebrochen. Da muss ich mal nach der Mono-Version suchen.

    da kann ein Mono-Schalter am Kopfhörerverstärker ein Segen sein. Noch besser eine stufenlose Überblendung zwischen Stereo und Mono, weil auch bei manchen (guten) Stereoaufnahmen das Klangbild für die Kopfhörerwiedergabe zu weit auseinander gespreizt ist. Bei der Aufnahme wird ein gewisses Maß an Übersprechen zwischen den Lautsprechern mit einkalkuliert, das beim Kopfhörer aber nicht stattfindet. SPL bietet eine solche "crossfeed" genannte Regelung an.

  • Ein später Dank nun auch von mir für die Streichquartettwahl der Woche. Habe Bartóks 4. Streichquartett im Konzert kennengelernt, am 28.1.2012 im Münchner Prinzregententheater, gespielt vom Hagen Quartett. Später habe ich alle Bartók-Quartette aus der DGG-Veröffentlichung des Hagen Quartetts erstmals durchgehört (und, völlig vergessen und jetzt ebenso wiederentdeckt, im Werkthread auch etwas dazu geschrieben). Beim Wiederhören dieser Tage hat mich wieder der langsame Satz besonders intensiv mitgenommen, und dann auch das Finale mit seinem "Le sacre Groove". Khampans Hinweis auf die fehlende Idiomatik macht mich neugierig, dies, sobald es die Zeit zulässt, mit von ihm und anderen empfohlenen Aufnahmen abzugleichen. Danke insofern für alle Anregungen dazu.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Diese Themenfäden sind schon toll. Ich habe es versucht, konnte mich aber nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Streichquartett von Bartok gehört habe. Soeben das Konzert des ebenen Quartetts in Wissembourg gehört. Faszinierende Musik, immer wieder. Ich mag ja auch Freejazz. :)

    Gruß, Frank

    Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.

  • Moin!

    Wieder ist eine Woche fast vorbei ... morgen ist es an Gurnemanz, ein Streichquartett auszuwählen und als Quartett der Woche festzulegen. Da gab es bisher Haydn, Schubert, Zemlinsky und Bartók ... was nicht so viele Hinweise auf das Werk liefert, meine ich ...

    Die fünfte Runde geht dann nach heutigem Stand in dieser Reihenfolge weiter:

    • MB,
    • Pizzicato,
    • Quasimodo,
    • putto,
    • Alberich und
    • Algabal,

    wonach

    • Wieland,
    • Abendroth,
    • andréjo.
    • Felix Meritis,
    • Braccio,
    • AlexanderK,
    • Scherzo und
    • Gurnemanz

    die sechste Runde beginnen würden.

    So hat sich die Reihenfolge bisher fortschreibend und im Einzelfall tauschend ergeben. - Ich hoffe sehr, niemanden versehentlich ausgelassen zu haben ... ansonsten bitte einfach Bescheid sagen!

    Hier nochmal die herzliche Einladung an alle Forianer*innen, in diesem Thread mitzuschreiben, auch wenn sie nicht auf der obigen Liste stehen! Auch sind weitere Quartettaussuchende in dieser Runde sehr gerne gesehen.

    Gutes Hören, gutes Diskutieren!

    Viele Grüße

    MB

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Danke an Braccio für den Hinweis auf das Cuarteto Casals! Die muss dann noch hier laufen ...

    ... bis dahin die Takács-Mannen mit ihrer zweiten GA:

    Spektakulär, fetzisch, ja, und doch irgendwie distanziert ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

    Einmal editiert, zuletzt von Mauerblümchen (20. April 2024 um 09:13)

  • Da gab es bisher Haydn, Schubert, Zemlinsky und Bartók ... was nicht so viele Hinweise auf das Werk liefert, meine ich ...

    Tja, einer der hier genannten Meister ist es diesmal nicht, soviel kann ich schon mal verraten. Und für ein Streichquartett ist es ziemlich umfangreich, dauert im Schnitt knapp 40 Minuten. In heutigen Konzertprogrammen ist es, meine ich, recht gut vertreten, auch gibt es zahlreiche Aufnahmen, ältere und neuere. Eigentlich erstaunlich, daß dieses Meisterwerk bislang noch keinen eigenen Thread hat bei Capriccio.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Die "Time Zones" von Dusapin?

    Gute Idee, dieses Werk verdient sicher nähere Beachtung - ist es diesmal allerdings nicht.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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