Streichquartett der Woche - ein lockerer Austausch

  • Nach van Kooten/Hulst/Dolman/Woudenberg (DGG) habe ich nun das Pellegrini Quartet (cpo) gehört. Die DGG-Aufnahme hat für mich etwas faszinierend Abgehobenes, die cpo-Aufnahme höre ich erdiger, konzertanter. Der Finalsatz dieses Werks ist für mich eine brutale Jagd, mit Jägern und Verfolgten..

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Und jetzt das Pacifica Quartet (Cedille) - spannend für mich, wie sich die Aufnahmen klanglich und interpretatorisch unterscheiden. Diese höre ich am kühlsten, kalkuliertesten. Für mich sehr hohe, souveräne Spielkultur, die aber Gefahr läuft, die gekonnte Präsentation vor die Psychologie der Musik zu schieben.

    Tolle Bereicherungen meiner privaten youtube Playlist "Streichquartette"!

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Zum Abschluß der "Discover Ruth Crawford Seeger Woche" habe ich mir den dritten Satz des Streichquartetts nochmal in der Version für Streichorchester angehört. Soweit ich das sehe stammt diese Version von der Komponisten selbst unter dem eigenen Namen "Andante for Strings".
    Obwohl ich der Meinung bin, dass die meisten Übertragungen vom Streichquartett ins Streichorchester den Werken eher zum Nachteil gereichen, macht das zusätzliche Volumen hier das Auf- und Abschwellen noch nachdrücklicher.

    Weitere Höhepunkte, die ich in der Woche entdeckt habe:

    Die 5 + 4 Preludes für Klavier.
    Music for small Orchestra
    Three Songs: 2. Prayer of Steel

    Warum hat diese Frau aufgehört zu komponieren???

    :wink:

  • Wegen der Mutterrolle. Später hat sie ohnehin wieder komponiert, auf der DG-CD ist das einzige Spätwerk vor ihrem recht frühen Tod drauf.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Außerdem bewog die Depression in den frühen 30ern viele Komponisten in Amerika, dem "Ultramodernismus" den Rücken zu kehren. Man beachte die Entwicklung bei Ives, Varèse, Cowell, Ruggles, Antheil, da sind sicher einige Namen zu ergänzen, eben auch Crawford. Manche verstummten oder schwenkten zum Populismus und zum Vermischen der Kulturen.

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    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Ruggles hat doch sowieso kaum ein Dutzend Nummern komponiert und ein wenig Eigenes und Fremdes arrangiert - wenn ich mich jetzt nicht täusche. Ist er quasi verstummt oder denkst Du an solche Arrangements? Ich besitze (angeblich) das Gesamtwerk, aber die Erfahrung lehrt, dass man sich da nicht verlassen kann.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Wenn ich mir seine Werkliste ansehe, sieht es schon so aus, als wäre er von 1922 bis 1931 am aktivsten gewesen, aber bei seiner Überarbeiterei ist das schwer zu beurteilen. Ives hat sich ja später auch zunehmend aufs Überarbeiten verlegt. In welchem Ausmaß das jeweils ein Nachlassen der Produktivität bedeutet, weiß ich nicht.

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  • Moin!

    Wieder ist eine Woche ifast vorbei. Morgen (Samstag) ist Alberich dran, ein Streichquartett auszuwählen und als Quartett der Woche festzulegen. Auf eine Konversation hat er noch nicht geantwortet und war seit Dienstag abend nicht im Forum, doch schaun mer mal, was nach Nielsen folgt ....

    Diese fünfte Runde beendet dann nach heutigem Stand

    • Algabal,

    wonach

    • Wieland,
    • Abendroth,
    • andréjo.
    • Felix Meritis,
    • Braccio,
    • AlexanderK,
    • Scherzo,
    • Gurnemanz,
    • maticus,
    • MB,
    • Pizzicato,
    • Quasimodo.
    • putto und
    • Alberich

    die sechste Runde beginnen würden.

    So hat sich die Reihenfolge bisher fortschreibend und im Einzelfall tauschend ergeben. - Ich hoffe sehr, niemanden versehentlich ausgelassen zu haben ... ansonsten bitte einfach Bescheid sagen!

    Hier nochmal die herzliche Einladung an alle Forianer*innen, in diesem Thread mitzuschreiben, auch wenn sie nicht auf der obigen Liste stehen! Auch sind weitere Quartettaussuchende in dieser Runde sehr gerne gesehen.

    Gutes Hören, gutes Diskutieren!

    Viele Grüße

    MB

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich war leider beruflich eingespannt und etwas verpeilt, deshalb habe ich meine hiesige Verpflichtung vergessen. Schande über mich - aber ich werde morgen liefern.


    Derwei wieder Tonarten-Raten gefällig?

    Ich höre Ja-Gebrüll, deshalb: Es ist nach dem F-Dur vom letzten mal wieder etwas ungewöhnlich, denn wir haben es mit b-Moll zu tun.

    Ein weithin leider unbekanntes Werk, deshalb noch der Hinweis, dass es um 1880 entstanden ist. Genau weiß man es anscheinend nicht.

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

  • Das wird schwierig, aber bevor ich ins Bett gehe, taste ich mal ein wenig ...

    Prokofieffs Erstes ist nun weder weithin unbekannt noch auch nur annähernd um 1880 entstanden. Das könnte ich selber mal vorschlagen ...

    Vielleicht ein Russe, der viel kaum bekannte Kammermusik geschrieben hat, von der ich aber eine knappe Handvoll schätze ?? - Ich glaube, dass ich auch das Streichquartett in b-Moll kennen könnte, gestehe aber, nur gegoogelt zu haben. Wäre es dieser Russe, dann müsste man sein Quartett eher um 1890 ansetzen, sagt Google. Das soll mich jetzt nicht stören.

    Dann habe ich durch Gegugel noch ein Streichquartett gefunden auf die Schnelle, das in b-Moll stehen und ein paar Jahre früher entstanden sein soll. Der Name des Komponisten beginnt mit C ... und ich habe ihn noch nie gehört ...

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Die Spannung bleibt ... Schosti und Prokofjew scheiden aus zeitlichen Gründen aus, aber geografisch weisen sie ja vielleicht den Weg ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich würde wetten dass andréjos erste Vermutung zutrifft. Da steht uns vielleicht wieder so ein Lalo-Effekt bevor - den Namen kennt jeder, das Streichquartett kaum jemand und man wundert sich warum eigentlich.

    Dann habe ich durch Gegugel noch ein Streichquartett gefunden auf die Schnelle, das in b-Moll stehen und ein paar Jahre früher entstanden sein soll. Der Name des Komponisten beginnt mit C ... und ich habe ihn noch nie gehört

    Catoire wartet noch auf seine (dringend fällige) Wiederentdeckung. Von einem Quartett in b-Moll sehe ich gar keine Aufnahme verfügbar.

  • Du wirst lachen - Catoire kenne ich und von ihm finde ich eine CD im Regal - mit einem Klavierkonzert.

    EDIT: Er hat ein Streichquartett geschrieben, wie ich soeben feststelle. Steht das auch noch in b-Moll? - Das habe ich noch nicht herausgefunden.

    Der Meister mit C, von dem ich gesprochen habe, heißt Caro.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Grigori Catoires Streichquartett, op. 23, steht in fis. Nächste Frage: Ist es sein einziges?

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Georgi Catoire hat - zumindest der Klassika-Seite zufolge - freilich nur dieses eine geschrieben.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Zitat

    Vielleicht ein Russe, der viel kaum bekannte Kammermusik geschrieben hat, von der ich aber eine knappe Handvoll schätze ?? - Ich glaube, dass ich auch das Streichquartett in b-Moll kennen könnte, gestehe aber, nur gegoogelt zu haben. Wäre es dieser Russe, dann müsste man sein Quartett eher um 1890 ansetzen, sagt Google. Das soll mich jetzt nicht stören.

    Tanejew - genau - den habe ich oben gemeint!

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Tanejew - genau - den habe ich oben gemeint!

    Ja, schaun mer mal! Und dann gibt's ja noch so ein ganz randständiges Werk, ich meine, aus der derselben Ecke (kann falsch sein), ein Streichquartett für Violine, Viola und zwei Violoncelli.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich bin sehr knapp an Zeit, wollte aber diese persönliche Vorliebe von mir schon länger hier einstellen. In einem anderen Thread habe ich das Stück schon mal empfohlen, und so kopiere ich (ich weiß, der Gipfel der Faulheit:versteck1: das Geschreibsel von damals einfach hierher, wobei sich dieses auf alle drei Quartette bezog, ich aber heute das erste meine:

    Wilhelm Kienzl - schon der Name macht vielleicht Pickel, und erst recht die sich einstellende Assoziation "Evangelimann" als Kitsch-Oper, die er so gar nicht ist. (Es sei denn, man nimmt nur das rührselige Finale zur Kenntnis).
    Nachdem ich jahrelang seinem Meisterwerk "Don Quixote" verfallen war, habe ich es jetzt endlich mit den Streichquartetten versucht.

    1x nebenbei währen der Arbeit gehört: Sehr klangschön, mit Zug nach vorne, schöne Themen, und ich wurde nicht ein Mal stutzig wegen etwaiger Redundanz oder prätenziöser Fugenpusseligkeit. Das habe ich selten. Ob das Alles jetzt so richtig nachbrahmsisch gut gearbeitet ist, müsste ich beim wiederholten (unabgelenkten) Hören herausfinden. Zunächst aber: unbedingte Empfehlung für Liebhaber spätromantischer Kammermusik, die nicht ausufert, sondern in alten Bahnen schöne Wege findet.

    Über das "Thomas Christian Ensemble" (ja, mit Deppenleerstellen) weiß ich gar nichts, weil ich das (immerhin lobenswerterweise vorhandene) Booklet nicht gelesen habe, aber ich finde den Klang sauber intoniert, schön dunkel timbriert und akustisch gut abgebildet.

    Ich habe unterdessen natürlich öfter gehört - später mehr dazu.:wink:

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

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