Vom 7. Juni bis 14. Juni 2024, 17:00 Uhr, findet die 14. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme hier zu registrieren.
  • Hallo zusammen,

    ich habe zwei meiner liebsten Suiten von Froberger aufgenommen. Vielleicht hat ja der ein oder andere Interesse am immer noch eher nur Insidern bekannten "Bach des 17. Jahrhunderts". Die Stimmung ist mitteltönig (reine Terzen), das Instrument hat 19 Tasten pro Oktave, sodass etwa neben gis auch ein as verfügbar ist. Die Suite Nr. 19 macht sogar Gebrauch von fis und ges, die sich entsprechend um ein Komma unterscheiden.

    Nr. 18 in g:

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    Nr. 19 in c:

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  • Gefällt mir Wow1

    Interessant, das mit den Zwischentönen.

    Kannst Du noch irgend etwas Interessantes zu Froberger oder seinen Werken erzählen, was man nicht bei wikipedia nachlesen kann ?

    Viele Grüße - Allegro

    "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés

  • Danke! Zu erzählen gäbe es vieles... Ich habe vor einigen Jahren ein Buch über die Allemanden veröffentlicht (https://www.wolke-verlag.de/musikbuecher/r…-und-gegenwart/). Wenn man die Musiktheorie/Satztechnik (im Zentrum des Buches) mal beiseite lässt: Es handelt sich bei den Suitensätzen um sehr tiefsinnige, bei den Allemanden häufig meditative Musik – er hat auch einige Tombeaus, Lamentationen und eine Meditation über seinen eigenen zukünftigen Tod geschrieben, die sich im Erscheinungsbild teilweise kaum von den "gewöhnlichen" Allemanden unterscheiden. Dabei korrelieren die enorm hohe expressive und satztechnische Qualität und Dichte, weshalb ich in ihm gleichsam den "Bach des 17. Jahrhunderts" sehe. (Bach hat ihn ja auch sehr geschätzt.)

    Stilistisch hat er viel von seinem Lehrer Frescobaldi übernommen, nicht nur in den Toccaten, sondern auch in den Suiten, die italienische Elemente beinhalten (z. B. typisch italienische affektive Figuren). Insofern ist das vielleicht das erste einschlägige Beispiel für den später bekannten "gemischten" deutschen Stil, der französische und italienische Elemente verbindet. Dass Teile der Musik (außer offensichtlich den Toccaten auch die oft explizit "avec discrétion" zu spielenden Allemanden) eher frei zu verstehen sind, zeigen die Parallelen mit dem französischen Prélude non mesuré: es gibt sogar ein solches Prélude von L. Couperin, ohne Takt nur in weißen Noten "graphisch" notiert, das explizit Froberger wörtlich zitiert (und zwar eine metrisch/rhythmisch präzise notierte Passage aus einer Toccata).

  • Wunderbare Musik wunderbar gespielt. Vielen Dank <3

    Meine Lieblingsstelle ist in der C-Moll-Suite in der Gigue die Modulation bei 5:24 - 5:28. Der Hammer!! Könntest du von der Stelle in der Partitur ein Bild machen? :)

    Und wann kommen die Fugen für deine Präludien...? ;)

  • Hallo Ralph,

    ich habe mir mir jetzt die g-Moll Suite angehört und bin ziemlich begeistert! Ich hatte mit den Clavicembalisten dieser Generation immer Schwierigkeiten - also Froberger, L. Couperin und d'Anglebert - weil ich mich schlichtweg nicht zurechtgefunden habe. Aber Du artikulierst so, dass ich das wirklich gut rezipieren kann. Der Klang Deines Cembalos ist übrigens exquisit!

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Meine Lieblingsstelle ist in der C-Moll-Suite in der Gigue die Modulation bei 5:24 - 5:28. Der Hammer!! Könntest du von der Stelle in der Partitur ein Bild machen? :)

    Klar – du meinst wahrscheinlich den tollen Querstand im zweiten Takt. Der kommt natürlich mitteltönig besonders gut rüber, da der chromatische Halbton (h-b) nur ca. 76 cent beträgt (also genau zwischen Viertel- und Halbton in der heute gängigen gleichstufigen Stimmung). Nicht umsonst wurde ein solcher chromatischer Schritt in der Figurenlehre des 17. Jahrhunderts "harter Gang" (passus duriusculus) genannt; in der entsprechenden Temperatur kommt die intendierte Härte auch tatsächlich rüber. Achtung beim Lesen: C-Schlüssel in der rechten Hand, nur ein b vorgezeichnet, Auflösungszeichen gab's nicht (h ist also mit # notiert).

    Und wann kommen die Fugen für deine Präludien...? ;)

    Ob es Fugen werden, kann ich noch nicht versprechen, aber es kommt sicher wieder Neues. ;)

    ich habe mir mir jetzt die g-Moll Suite angehört und bin ziemlich begeistert! Ich hatte mit den Clavicembalisten dieser Generation immer Schwierigkeiten - also Froberger, L. Couperin und d'Anglebert - weil ich mich schlichtweg nicht zurechtgefunden habe. Aber Du artikulierst so, dass ich das wirklich gut rezipieren kann.

    Danke! Ich finde übrigens, dass die von dir genannte Musik häufig übertrieben exzentrisch gespielt wird – vielleicht, weil sie aufgrund ihres Schattendaseins, ihrer scheinbaren metrisch-rhythmischen Freiheit verglichen mit etwa den bekannten, streng-regelhaft wirkenden Größen Palestrina vorher und Bach nachher, der zuweilen avantgardistisch wirkenden Notation, ihrer Andersheit und nicht zuletzt aufgrund der Vorlieben unserer Zeit zu einer das Originelle, Ungewöhnliche, Exotische, vermeintlich Irrationale betonenden Interpretationen einlädt. Wenn man sich genauer satztechnisch bzw. analytisch mit der Musik auseinandersetzt, erscheint sie hingegen hochgradig rational, kontrolliert und stringent wie jede andere große klassische Musik auch.

  • Ich finde übrigens, dass die von dir genannte Musik häufig übertrieben exzentrisch gespielt wird – vielleicht, weil sie aufgrund ihres Schattendaseins, ihrer scheinbaren metrisch-rhythmischen Freiheit verglichen mit etwa den bekannten, streng-regelhaft wirkenden Größen Palestrina vorher und Bach nachher, der zuweilen avantgardistisch wirkenden Notation, ihrer Andersheit und nicht zuletzt aufgrund der Vorlieben unserer Zeit zu einer das Originelle, Ungewöhnliche, Exotische, vermeintlich Irrationale betonenden Interpretationen einlädt.

    Ja, das deckt sich mit meinen Beobachtungen! Egarrs Aufnahmen von Louis Couperin habe ich im Schrank, aber ich komme da überhaupt nicht mit.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Egarrs Aufnahmen von Louis Couperin

    Die kannst du m. E. vergessen, auch seinen Froberger. Christophe Rousset ist meist eine sichere Bank, grundsätzlich eher gradlinig und nicht immer gleichermaßen spannend, aber zum Reinkommen, finde ich, ideal.

  • Danke auch von mir. Ich war überrascht, wie berührend ich diese Musik erleben, denn normalerweise sagt mir der Cembaloklang überhaupt nicht zu (was natürlich am Rezipienten liegt). Tolle Stücke jedenfalls und toll gespielt.

  • Wunderbar! Besten Dank fürs Teilen - das ist wirklich ein Genuss zum Zuhören. Kannst du uns noch etwas zum Instrument sagen, ralphb ? Das würde mich wirklich interessieren :)

    Logisch! Das Instrument ist noch ganz jung, gehört der Hochschule und wurde erst Ende letzten Jahres fertiggestellt. Das Vorbild ist allerdings alt, nämlich früh-venezianisch, also quasi ein Renaissance-/Frühbarockinstrument. Die italienischen Instrumente hatten um 1600 in der Regel geteilte Tasten, wenigstens dis/es und gis/as, häufiger als gemeinhin angenommen wohl aber sogar 19 Tasten pro Oktave, wie dieses Instrument. (Der Komponist Domenico Mazzocchi etwa sprach von den "Instrumenti hodierni perfettamente spezzati", den "heutigen Instrumenten mit auf perfekte Weise gebrochenen Obertasten".) Damit lassen sich in mitteltöniger Temperatur mit reinen Terzen auch entferntere Tonarten spielen, die sonst nicht möglich wären. Auf einer gewöhnlichen Tastatur mit 12 Tasten z. B. gibt es reine Terzen C-E und E-Gis, dafür ist Gis-c eine verminderte Quarte (ca. ein Viertelton zu hoch), um wieder in summa bei der reinen Oktave anzukommen. Es gibt also kein As und c-Moll wäre nicht spielbar (man kann es nachhören auf der Aufnahme der oben verlinkten Partita von Blandine Verlet, die konsequent Gis statt As benutzt), es sei denn, man stimmt Gis zu As um. Das von mir verwendete Instrument hat sogar eine "schwarze" Taste his zwischen h und c, und eine Taste eis zwischen e und f, sodass man sogar in Fis- und Cis-Dur spielen kann.

    Die italienischen Cembali sind, verglichen mit den (vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jh.) meist verwendeten französischen knackiger, kräftiger, rauschender im Sound, vor allem die höheren Töne verklingen jedoch relativ schnell. Der Anschlag ist etwas schwerer, die reiche, luftig-leichte Ornamentik der französischen Musik lässt sich also nicht so ohne Weiteres übertragen. Für Frobergers Musik, die zwar in den Suiten primär vom französischen Stil ausgeht, aber doch ganz anders, tiefsinnig, dunklerer und schwerer ist, Töne bis eis verlangt (und diese auch ganz speziell mit einem "x" statt "#" notiert), scheint mir das Instrument aber ganz passend.

  • Die italienischen Instrumente hatten um 1600 in der Regel geteilte Tasten, wenigstens dis/es und gis/as, häufiger als gemeinhin angenommen wohl aber sogar 19 Tasten pro Oktave, wie dieses Instrument. (Der Komponist Domenico Mazzocchi etwa sprach von den "Instrumenti hodierni perfettamente spezzati", den "heutigen Instrumenten mit auf perfekte Weise gebrochenen Obertasten".) Damit lassen sich in mitteltöniger Temperatur mit reinen Terzen auch entferntere Tonarten spielen, die sonst nicht möglich wären. Auf einer gewöhnlichen Tastatur mit 12 Tasten z. B. gibt es reine Terzen C-E und E-Gis, dafür ist Gis-c eine verminderte Quarte (ca. ein Viertelton zu hoch), um wieder in summa bei der reinen Oktave anzukommen. Es gibt also kein As und c-Moll wäre nicht spielbar (man kann es nachhören auf der Aufnahme der oben verlinkten Partita von Blandine Verlet, die konsequent Gis statt As benutzt), es sei denn, man stimmt Gis zu As um. Das von mir verwendete Instrument hat sogar eine "schwarze" Taste his zwischen h und c, und eine Taste eis zwischen e und f, sodass man sogar in Fis- und Cis-Dur spielen kann.

    Die italienischen Cembali sind, verglichen mit den (vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jh.) meist verwendeten französischen knackiger, kräftiger, rauschender im Sound, vor allem die höheren Töne verklingen jedoch relativ schnell. Der Anschlag ist etwas schwerer, die reiche, luftig-leichte Ornamentik der französischen Musik lässt sich also nicht so ohne Weiteres übertragen. Für Frobergers Musik, die zwar in den Suiten primär vom französischen Stil ausgeht, aber doch ganz anders, tiefsinnig, dunklerer und schwerer ist, Töne bis eis verlangt (und diese auch ganz speziell mit einem "x" statt "#" notiert), scheint mir das Instrument aber ganz passend.

    Mir gefallen diese Aufnahmen auch sehr. Geh ich recht in der Annahme, dass das Instrument deutlich mehr Saiten als ein anderes Instrument hat, oder werden die Saiten mechanisch umgestimmt? Gibt es vergleichbare Tastaturen an alten Orgeln?

  • Hallo Flix,

    das Instrument hat natürlich pro Taste auch eine eigene Saite; andererseits hat es nur ein Manual und sogar nur ein Register, deshalb haben die meisten Cembalo insgesamt doch deutlich mehr Saiten. Bei Orgeln waren geteilte Obertasten, vor allem wie gesagt für dis/es und gis/as wohl sogar noch üblicher als beim Cembalo, da man beim Cembalo ja immerhin die Möglichkeit hat, umzustimmen. Allerdings wurden so gut wie alle dieser Instrumente, Orgeln als auch Cembali, im 18. Jahrhundert rückgebaut. Es gibt aber Ausnahmen, bspw.: https://www.greifenberger-institut.de/dt/wissenswert…aellmo_text.php

  • Das Vorbild ist allerdings alt, nämlich früh-venezianisch, also quasi ein Renaissance-/Frühbarockinstrument.

    Basiert das Instrument auf ein bestimmtes Original oder ist es eine Eigenschöpfung aufgrund der venezianischen Bauweise? Mich würden mehr Infos dazu interessieren.

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Teils, teils. Ein Vorbild ist dieses: https://collections.mfa.org/objects/51255/…3717de20&idx=10

    Der außergewöhnliche Notenständer ist auch Kopie eines Originals. Von Instrumenten mit geteilten Obertasten sind leider nur wenige erhalten (hier gibt es eine Liste: http://www.denzilwraight.com/ChecklistSplitSharps.pdf), da die meisten später rückgebaut wurden.

    Allerdings: Wenn man von der Periode ca. 1620–1640 in Rom ausgeht, hat man beispielsweise 8 von 14 erhaltenen Instrumenten mit geteilten Tasten – also mehr als die Hälfte! Es wird also sehr viele gegeben haben, bestimmt auch ähnliche wie dieses. Allein die kurze G-Oktave ist wohl etwas anachronistisch (eher später in Frankreich anzutreffen, die italienischen Instrumente haben in der Regel eine kurze C-Oktave): nur so ist aber Frobergers Musik aufführbar, die häufig ein tiefes Kontra-A verlangt (wahrscheinlich für ein Wiener Instrument geschrieben).

    Alles in einem: nicht von vorne bis hinten nach einem einzigen Vorbild, aber natürlich grundsätzlich historische Bauweise.

  • Bei mir schon. LINK

    Ich habe eine leere Seite: "An exception has occurred."

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