Franz Schubert: Impromptus op. 90 (D.899) & op. post. 142 (D.935)

  • Die Impromptus sind insgesamt acht Klavierstücke, die Schubert am Ende seines Lebens schrieb. Sie erschienen in zwei Sammlungen zu je vier Stücken:

    4 Impromptus op. 90 (D.899)

    • Nr. 1 in c-moll - Allegro molto moderato
    • Nr. 2 in Es-Dur - Allegro
    • Nr. 3 in Ges-Dur - Andante
    • Nr. 4 in As-Dur - Allegretto

    4 Impromptus op. posth. 142 (D.935)

    • Nr. 1 in f-moll - Allegro moderato
    • Nr. 2 in As-Dur - Allegretto / Trio
    • Nr. 3 in B-Dur - Thema & Variationen I-V. Andante
    • Nr. 4 in f-Moll - Allegro scherzando

    Geschrieben wurden sie im Laufe des Jahres 1827 - gedruckt wurde noch im gleichen Jahr Nr. 1 und 2 aus der ersten Sammlung op. 90, Nr. 3 und 4 folgten erst 1857; die zweite Sammlung op. 142 erschien bereits 1839 im Druck. Ihre Form ist schwer faßbar, weil sie keine feste Struktur haben, die man gattungstechnisch eindeutig zuordnen könnte. Schubert schien hier eine Vielfalt zu ergründen, die er in der Klaviersonate oder den Bagatellen so nicht finden konnte.

    --

    Mir sind nicht sehr viele Aufnahmen bekannt - ich habe diese vor einigen Jahren erworben:

    (P) 1993 Sony Classical SK 53108 (62:27)

    rec. 30. Juni - 02. Juli 1992 (Reitstadel, Neumarkt/Oberpfalz)

    Andreas Haefliger (Klavier)

    Eine fein gestaltete Darbietung, wie ich finde.


    Links:

    Impromptus

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Feine Stücke sind das, so manchem Klavierschüler bekannt. Recht unterschiedlich in den technischen Anforderungen. Ob man in der ersten Gruppe nun wirklich eine verkappte Sonate sehen kann .... nun ja. Ist auch egal, zumal jedes gut für sich stehen kann.

    Die ersten drei gefallen mir sehr gut, ebenso eine Einspielung der Impromptus op.90, D 899, durch Friedrich Gulda, welche ich aber nicht mehr gefunden habe. Die letzten beiden sind mir als hoch gelobt in Erinnerung, ohne sie selbst gehört zu haben.

  • Es ist bestimmt 40 Jahre her.

    Ich war zu einem Fest auf dem Lande eingeladen, den Geburtstag des jüngsten Kindes von Bekannten zu feiern.

    Es war ein rauschender Nachmittag am Samstag. Alle hatten beste Laune.

    Da kam auf einem Pferd V angeritten, sprang vom Pferd, tauschte die Stiefel gegen Pumps und mischte sich unter uns. Eine beindruckende Person: schön, groß und gewinnend.

    Sie war gleich das Zentrum der Beachtung, tanzte ausgelassen mit vielen, auch mir mir.

    Dann herzte sie das Geburtstagskind und bat um etwas Ruhe.

    Sie setzte sich ans Klavier und spielte Op. 899 Nr. 3 und dann Nr.2 in bestechender Makellosigkeit

    So was Verblüffendes! Das konnte sie also auch!

    Dann gab sie Küsschen an viele, auch an mich, tauschte die Schuhe und entschwand auf dem Pferd.

    Ca. ein halbes Jahr später frage ich den Gastgeber. Sag mal, was macht V.?

    Die ist leider verstorben, Krebs, unheilbar. Hast Du beim Engtanzen nicht den dicken Knubbel auf ihrem Rücken gespürt? Sie wusste es bereits auf der Party.

    Später kam ich dahinter, dass Lipatti auf seinem letzten Recital kurz vor seinem Tod auch diese zwei Impromptus in genau dieser (eigentlich falschen) Reihenfolge gab.

    Seit dem kann ich diese Stücke nicht mehr unbefangen hören.

    Wer es dennoch will, dem empfehle ich Zimerman von 1991.

    Gruß aus Kiel

    "Mann, Mann, Mann, hier ist was los!"

    (Schäffer)

    2 Mal editiert, zuletzt von Doc Stänker (23. März 2023 um 15:23)

  • Ob man in der ersten Gruppe nun wirklich eine verkappte Sonate sehen kann ....

    Es war die zweite Gruppe, in der Schumann eine "verkappte Sonate" sah.

    Was allerdings aus unterschiedlichen Gründen nicht haltbar ist.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Schubert betrachtete seine im Herbst 1827 komponierten acht Impromptus als eine einheitliche Komposition, numerierte sie daher auch von 1 bis 8 durch. Es waren die Verleger, die, wie im Eingangsposting beschrieben, die acht Stücke auseinanderschlugen und zu verschiedenen Zeitpunkten (1827, 1839 und 1857) scheibchenweise veröffentlichten. Weil Schubert die acht Impromptus als Einheit sah, halte ich es von vornherein nicht für plausibel, dass die letzten vier Impromptus eine "verkappte" Sonate seien.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Zu den Aufnahmen:

    Ich besitze einige Einspielungen von allen acht bzw. von "allen vier" Impromptus aus op. 90 oder op. 142:

    Impromptus DV 899 (op. 90)
    – Aldo Ciccolini (rec. 24.1., 28.1., 17.-18.2.1972)
    – Clifford Curzon (rec. 4.6., 11.11. und 18.12.1941)
    – Friedrich Gulda (rec. 9/1999)

    Impromptus DV 935 (op. 142)
    – Aldo Ciccolini (rec. 24.1., 28.1., 17.-18.2.1972)
    – Clifford Curzon (rec. 9.-11.12.1952)
    – Rudolf Serkin (rec. 10/1967)

    Lieber sind mir jedoch die Aufnahmen von verschiedenen Einzelstücken, die ich im Laufe der Jahrzehnte angesammelt habe:

    Impromptus DV 899 (op. 90)
    – [nur Nr. 2 + 3] Shura Cherkassky (rec. 1985)
    – [nur Nr. 4] Shura Cherkassky (rec. 21.3.1956)
    – [nur Nr. 3 + 4] Clifford Curzon (rec. 11.-18.6.1964)
    – [nur Nr. 4] Clifford Curzon (rec. 30.6.1968) – Video –
    – [nur Nr. 4] Georges Cziffra (rec. 1982)
    – [nur Nr. 4] Walter Gieseking (rec. 2.10.1955)

    – [nur Nr. 3] Wilhelm Kempff (rec. live Schwetzingen 11.5.1962)
    – [nur Nr. 2 + 3] Dinu Lipatti (rec. live Besançon 16.9.1950)
    – [nur Nr. 2] Swjatoslaw Richter (rec. Moskau 1950)
    – [nur Nr. 2, 3 + 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Moskau 19.2.1957)
    – [nur Nr. 2 und 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Sofia 25.2.1958)
    – [nur Nr. 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Kiew 1959)
    – [nur Nr. 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Carnegie Hall New York 19.10.1960)
    – [nur Nr. 3] Swjatoslaw Richter (rec. live Kiew 15.4.1964)
    – [nur Nr. 3 + 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Budapest 27.8.1967)
    – [nur Nr. 3 + 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Kiew 21.9.1967)
    – [nur Nr. 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Prag 24.9.1972)
    – [nur Nr. 2 + 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Moskau 3.5.1978)
    – [nur Nr. 3] Swjatoslaw Richter (rec. live Moskau 18.10.1978)
    – [nur Nr. 2 + 4] Swjatoslaw Richter (rec. live Tokyo 24.2.1979)
    – [nur Nr. 2 + 4] Maria Yudina (rec. live 15.1.1956)

    Impromptus DV 935 (op. 142)
    – [nur Nr. 2] Clifford Curzon (rec. 4.-7.2.1971)
    – [nur Nr. 1] Georges Cziffra (rec. 1982)
    – [nur Nr. 3] Walter Gieseking (rec. 29.9.1955)
    – [nur Nr. 3] Vladimir Horowitz (rec. 1985)
    – [nur Nr. 2] William Kapell (rec. 3/1953)
    – [nur Nr. 2] Wilhelm Kempff (rec. live London 17.9.1972)
    – [nur Nr. 2] Swjatoslaw Richter (rec. Moskau 1952)
    – [nur Nr. 2] Swjatoslaw Richter (rec. Salzburg 12. + 13.8.1972)
    – [nur Nr. 4] Rudolf Serkin (rec. live Lugano 22.5.1957)
    – [nur Nr. 2] Maria Yudina (rec. live 15.1.1956)

    Die Aufnahmen von Richter, Lipatti und Gieseking berühren mich insoweit am meisten. Die beiden erstgenannten Pianisten haben den gesamten Zyklus nicht eingespielt, wohl aber Gieseking. Müsste ich mir vielleicht mal zulegen:

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Schubert betrachtete seine im Herbst 1827 komponierten acht Impromptus als eine einheitliche Komposition, numerierte sie daher auch von 1 bis 8 durch.

    Es waren die Verleger, die, wie im Eingangsposting beschrieben, die acht Stücke auseinanderschlugen und zu verschiedenen Zeitpunkten (1827, 1839 und 1857) scheibchenweise veröffentlichten.

    Tatsächlich hat Schubert Haslinger nur die erste Serie verkauft. Haslinger hat zuerst die ersten zwei Stücke, dann die letzten zwei (N3 in G-Dur 4/4 alla breve statt Ges-Dur 4/2 alla breve). Er hat ihnen den Namen "Impromptus" gegeben. Der Name wurde von Schubert für die zweite Serie übernommen, die er dem Verleger Schott im Februar 1828 angeboten hat.

    Das Manuskript kann man dort sehen:

    Search

    Was D935 betrifft, sieht man die alte Numerierung (5-8), die von Schubert durchgestrichen und durch 1-4 ersetzt wurde (die 5 ist die Schubertsche 5, die wie eine 8 aussieht, s. Sinfonie D944).

    Schumann konnte D935,1 als Sonatenhauptsatz betrachten, da die Struktur seiner eigenen nicht unähnlich ist, für Schubert passt es aber kaum.

    Schumann sagte, D935,3 würde nicht in den Rahmen passen und tatsächlich würde man in einer Sonate dort ein Scherzo oder ein Menuett erwarten, nicht einen Variationensatz. Im Manuskript sieht man aber, dass die Stücke nicht zusammengestellt wurden, sondern tatsächlich als Sammlung in der Reihenfolge konzipiert sind.

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Tatsächlich hat Schubert Haslinger nur die erste Serie verkauft. Haslinger hat zuerst die ersten zwei Stücke, dann die letzten zwei (N3 in G-Dur 4/4 alla breve statt Ges-Dur 4/2 alla breve). Er hat ihnen den Namen "Impromptus" gegeben. Der Name wurde von Schubert für die zweite Serie übernommen, die er dem Verleger Schott im Februar 1828 angeboten hat.

    Okay, dann war Schubert also mit daran beteiligt, dass die Veröffentlichung nur scheibchenweise erfolgte. Das ändert aber doch nichts daran, dass er bei der Komposition die acht Impromptus als Einheit sah, oder? Die originale Numerierung bei der Komposition war 1 bis 8, erst später hat er sie aus marketingtechnischen Gründen in zweimal 1 bis 4 geändert.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Von Artur Schnabel gibt es alle 8 Impromptus . Er gab wohl mit den Anstoss zu einer "Neuentdeckung".Schuberts . Von Eduard Erdmann kenne ich nur D 899 1-4 und D 935 No.2 ; er war wichtig für die Nachkriegs - Schubert - Wahrnehmung .

    D 899

    D 935 , 2 findet sich fier : https://forgottenrecords.com/en/recital-edu…hoenberg-fr2020

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

    Einmal editiert, zuletzt von b-major (23. März 2023 um 23:01)

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