• Auf der Zeitreise durch Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien vom Jahr 1739 Richtung 1740 blickend und bereits die vorletzte Oper Imeneo im Blick, stößt der Schreiber in Fono Forum 10/2023 auf eine CD-Neuerscheinung im Label harmonia mundi mit dem dreiteiligen Oratorium L´Allegro, il Penseroso ed il Moderato HWV 55, das am 27.2.1740 im Theater in Lincoln’s Inn Fields in London (von Händel in der Saison 1739/40 angemietet) uraufgeführt wurde. Das Libretto stammt von Charles Jennens, nach John Miltons Dichtungen (Teile 1 und 2). Allegorische Figuren setzen sich für Frohsinn oder Melancholie (Teile 1 und 2) bzw. für die Mäßigung (Teil 3) ein, in Accompagnati, Arien, Arien mit Chor, einem Arioso, Rezitativen, Chören und einem Duett.

    William Christie dirigiert in der am 2. und 3. März sowie am 5.Juni 2022 in der Philharmonie in Paris entstandenen Neuaufnahme Chor und Orchester Les Arts Florissants. Das Solistenquartett bilden Rachel Redmond (Sopran), Leo Jemison (Knabensopran, vom Trintiy Boys Choir), James Way (Tenor) und Sreten Manojlovic (Bass).

    Das etwa 100 Minuten lange Werk beginnt nicht mit einer Ouvertüre, stattdessen geht es gleich mit zwei Accompagnati mit Orchesterbegleitung los. Händel stellt in den Teilen 1 und 2 Frohsinn und Melancholie kontrastiv gegenüber. Vom Frohsinn singen Knabensopran, Tenor und Bass, die Melancholie gehört allein dem Sopran. Wer so wie der Schreiber eher zur Melancholie neigt, ist in den innigen Arien der Sopranistin ganz zu Hause, eine schöner als die andere: im ersten Teil Come rather, goddess sage and holy; Come, but keep thy wonted state (mit Chor); dann „eine Zentrum-der-Welt-Arie“, fast 12 Minuten Natur pur (allein diese wunderbare Arie, mittendrin aufblühend, macht die Entdeckung des Werks mehr als wert!) mit der Vogel-Traversflöte Sweet bird, that shun'st the noise of folly; dann Oft on a plat of rising ground (wie Händel da die Abendglocken komponiert!); und im zweiten Teil But oh, sad virgin (mit dem Solocello), Hide me from day's garish eye und der feierliche Chorus There let the pealing organ blow mit Sopransolo But let their sweetness, through mine ear – beide mit Orgel, anschließend eine kleine Orgelfuge.

    Beim Frohsinn stechen im ersten Teil die etwas zurückgenommene Knabensoranarie Mirth, admit me of thy crew, die nach der „Vogelarie“ umso kräftigere Bassarie Mirth, admit me of thy crew wegen des Hornsolos, die pastorale Tenorarie Let me wander, not unseen und im zweiten Teil die erneut zurückgenommene Knabensopranarie And ever against eating cares heraus. Originell gestaltet Händel das Finale des ersten Teils, indem der Chor uns ins Bett schickt. Das Finale des zweiten Teils wiederum ist ein Hohelied bzw. Hohechor auf die Melancholie.

    Der kürzeste Teil ist der dritte. Er entfernt sich textlich von den bildhaften Vorzugsbeschreibungen und Wunschvorstellungen zwischen Frohsinn und Melancholie und wirkt pädagogischer, belehrender. Wir sollten den Mittelweg finden, hin zu einer Mäßigung des Überschwangs. Das Ausgleichende findet im Sopran-Tenorduett As steals the morn upon the night und im Schlusschor Thy pleasures seine Erfüllung.

    Mit der frisch aufgezogenen William Christie Aufnahme, klanglich exzellent offen, mit den sauber geführten Stimmen und dem straff fokussierten und dann aber auch gerade die Ruhe voll auskostenden Orchester, hat sich dieses Werk sofort als ein weiteres Meisterwerk Händels in die Ohren des Schreibers hineingebohrt.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Elgar - Violinkonzert

    Michael Barenboim

    Alessandro Crudele & Philharmonia

    Erster Durchgang.....mal sehen. Unmusikalisch finde ich es nicht und es gibt doch einige sehr schöne Passagen. Etwas langsam und schwerfällig im letzten Satz, aber auch sonst oft, wenn es schneller und schwieriger wird. Es fehlt mir an Virtuosität, Feuer, Brillianz and grandeur. Nostalgie ist schon da....und er versucht auch geigerisch altmodisch zu klingen, mit Portamenti und einer speziellen Art der Klangerzeugung, nur der Klang selber ist mir nicht betörend genug. Gerade bei diesem Konzert will man doch dahinschmelzen. Und es fehlt die solistische Flexibilität, das Spielen mit der Materie, was halt nur einigen wenigen in die Wiege gelegt wird. Der Rest von uns kann davon nur träumen - und durch üben allein kann es niemals erlangt werden. Wenn ich vergesse, wie schwierig das alles ist, was jemand mit seinem Instrument machen möchte, dann fängt für mich die Musik erst an. Danach suche ich bei meinen Lieblingsaufnahmen.

    Ich werde mir aber noch weitere anhören und immer mal wieder mit Michael Barenboims Version vergleichen.

    Einmal editiert, zuletzt von Rosamunde (12. Februar 2024 um 00:18)

  • Jetzt noch Elgars Op. 61

    Catherine Manoukian, Staatskapelle Weimar, Stefan Solyom

    Ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her, dass ich das Konzert gehört habe. Sehr erfreuliche Wiederbegegnung.

  • Zwei der wunderbaren Kantaten zu Estomihi aka Quinquagesimae sind noch übrig. So kann die Woche beginnen ...

    Johann Sebastian Bach

    "Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott" BWV 127
    "Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem" BWV 159

    Ruth Holton, Claudia Schubert, James Oxley, Peter Harvey
    The Monteverdi Choir
    The English Baroque Solists
    John Eliot Gardiner

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Vielen Dank für Deine Einschätzung! :thumbup:
    Habe die Scheibe such noch ein paar Mal gehört. Verbessert hat sich mein Eindruck dadurch nicht - übrigens nicht nur, was Barenboim angeht (er bemüht sich), sondern auch in Hinblick auf den vollkommen einfallslosen Crudele. Wie schön, dass es so viele erquickliche Alternativen gibt: Sammons, Menuhin, Heifetz, Haendel (mit Rattle) Campoli, Little, Ehnes, Capuçon…

    :wink: Agravain

  • Festliche Orgelmusik
    Werke von: Georg Friedrich Händel, Georg Böhm, Dietrich Buxtehude, Johann Gottfried Walther,
    Johann Wilhelm Hertel, Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy & Johann Sebastian Bach
    Rudolf Kelber (Gottlieb Scholtze-Orgel St. Katharinenkirche Lenzen)

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Beim Namen Sandor Vegh - so er bekannt ist - kommt wohl zuerst der Geiger und Gründer des Vegh Quartetts in den Sinn . Aber gegen Ende seines langen Lebens tratt er auch als Dirigent hervor , nicht nur in Salzburg . Ob man ihn nun zu den beühmten "Zwölfern" rechnet , ist freigestellt . Innerhalb dieses Jahrgangs kommt er anhand meiner Bestände auf einen Mittelplatz , neben Leinsdorf , und hinter Sanderling , Celibidache , Markevitch und Leitner . "Sein" Orchester war die Camerata Academica Salzburg , mit der er viele Live-Aufnahmen machte . So auch 1994 eine der Sinfonie No. 29 K 201 von Mozart , und 1995 ließ er die Musik für Saiteninstrumente , Schlagzeug und Celesta von Bartok folgen , beides Komponisten , die ihn stets beschäftigten . .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Carl Orff
    Carmina Burana
    Edita Gruberova (s)
    John Aler (t)
    Thomas Hampson (bt)
    Shinyukai Choir
    Knabenchor des Staats- & Domchores Berlin
    Berliner Philharmoniker
    D: Seiji Ozawa

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • CD 2

    Alban Berg
    Kammerkonzert für Klavier, Violine & 13 Bläser
    Daniel Barenboim (Klavier)
    Pinchas Zukerman (Violine)
    Ensemble Intercontemporain
    D: Pierre Boulez
    Klaviersonate op. 1
    Daniel Barenboim (Klavier)
    4 Stücke für Klarinette & Klavier op. 5
    Sabine Meyer (Klarinette)
    Oleg Maisenberg (Klavier)
    Kammerkonzert - Adagio (Transkription)
    Gidon Kremer (Violine)
    Sabine Meyer (Klarinette)
    Oleg Maisenberg (Klavier)
    Johann Strauß Sohn (trans. Alban Berg)
    Wein, Weib & Gesang op. 333
    Boston Symphony Chamber Players

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • 1958 wurde in Hamburg der 125. Geburtstag von Brahms mit einer Festwoche gefeiert . In deren Rahmen dirigierte Carl Schuricht das NWDR Orchester in der Musikhalle . Brahms 4. Sinfonie stand auf dem Programm , doch vor der Pause gab es noch das 2. Klavierkonzert . Solist war Robert Casadesus , der das Werk schon mehrmals mit Schuricht gespielt hatte . 2 Seelen , 1 Brahms , und das Orchester spielt mit . Forgotten Records .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Beim Namen Sandor Vegh - so er bekannt ist - kommt wohl zuerst der Geiger und Gründer des Vegh Quartetts in den Sinn . Aber gegen Ende seines langen Lebens tratt er auch als Dirigent hervor , nicht nur in Salzburg .

    Ich mag seinen Mozart und Schubert sehr, den er aus Salzburg eingespielt hatte. Das sind rundherum gelungene Aufnahmen, die ich nicht missen wollte. Alleine dafür möchte ich ihm herzliche danken. Da sind auch einige der "Pultstars" nicht besser, im Gegenteil.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Végh hat wirklich hervorragende Aufnahmen als Dirigent gemacht. Aber er hat wohl zu spät damit angefangen, und dann auch noch den größten Teil mit der Camerata Salzburg, einem guten aber nicht wirklich berühmten Orchester, aufgenommen. Végh wird daher ein Geheimtipp bleiben - aber immerhin das.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • CD 14

    Charles-Marie Widor
    Symphonie für Orgel Nr. 3.I/IV/VI, 4, 9 & 1.VI
    Marie-Claire Alain (Orgel)

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Samstag und heute:

    Peter I. Tschaikowsky: Eugen Onegin

    Madame Larina - Rosemarie Lang
    Tatjana - Mirella Freni
    Olga - Anne Sofie von Otter
    Filipjewna - Ruthild Engert
    Eugen Onegin - Thomas Allen
    Wladimir Lenski - Neil Shicoff
    Prinz Gremin - Paata Burchuladze
    Hauptmann - Jürgen Hartfiel
    Zaretsky - Gunter Emmerlich
    Monsieur Triquet - Michel Sénéchal

    Rundfunkchor Leipzig
    Staatskapelle Dresden

    James Levine

    Tolle Besetzung, jedenfalls vokal! Wüsste gar nicht, ob diese oder die mit Solti vorzuziehen. Beide bereiten mMn viel Hörvergnügen.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

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