Musikstück der Woche - ein lockerer Austausch

  • Hier gab's noch zwei fast schon historische Aufnahmen mit Dirigenten, die für dieses Repertoire vielleicht nicht völlig unzuständig waren:

    Česká filharmonie

    Karel Ančerl


    Chicago Symphony Orchestra

    Fritz Reiner

     

    Abgesehen davon, dass beide selbstverständlich die Rimsky-Fassung spielen, sind das schon zwei Pfunde. Vor allem Reiner fand ich hinreißend.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

    Einmal editiert, zuletzt von Mauerblümchen (4. November 2023 um 13:35)

  • NHK Orchester unter Järvi

    Bevor die Bald-Mountain-Woche zu Ende geht, nochmal die Järvi-Aufnahme (Urfassung). Es war die erste, die ich in der Woche angehört hatte, v.a. um mir das Stück wieder in Erinnerung zu rufen, wobei ich auf interpretatorische Besonderheiten erstmal wenig geachtet hatte. Nach nochmaligem Hören kann ich sagen, dass das eine ganz ausgezeichnete Aufnahme ist (auch aufnahmetechnisch, nur die Klangbalance zwischen den Instrumentengruppe scheint nicht ganz perfekt eingefangen), Järvi erreicht eine (von Braccio und Gurnemanz bei Abbados LSO-Aufnahme vermisste) äußerst detailgenaue Ausleuchtung der Partitur und schafft es gleichzeitig, das Stück unter einem übergreifenden Spannungsbogen zu halten und nicht in die - von mir so empfundene - Starrheit und Unbeweglichkeit der Kitaenko-Aufnahme zu verfallen (im Tempo zwischen Abbado und Kitaenko). Toll auch die unterschiedlichen Farbvaleurs durch die präzise abgestimmte Artikulation - die harten, trocknen Streicher in der Schlusspassage zum Beispiel. Sehr empfehlenswert.

  • Nun denn ... ich habe gewählt:

    Maurice Ravel: Introduction et allegro pour harpe, flûte, clarinette et quatuor à cordes (1905)

    Ravel - Introduction et allegro pour harpe, flûte, clarinette et quatuor à cordes (1905)
    Introduction et allegro pour harpe, flûte, clarinette et quatuor à cordes (1905)[Introduction and Allegro for harp, flute, clarinet and string quartet]A deli...
    www.youtube.com

    Ich finde dieses Werk noch bezaubernder als die gewiss nicht reizarmen Streichquartette von Debussy und Ravel. De facto ist es ja wohl ein kleines Harfenkonzert.

    Kennengelernt habe ich es vor über 30 Jahren durch eine CD der DG von Ensemble Wien-Berlin, dann in einer Aufnahme mit dem Kodály Quartet, neulich fand ich die EInspielung mit dem Melos Ensemble of London sehr anhörlich.

     

    Ich wünsche, dass es Euch gefällt!

    Ach ja: Ich hoffe, dass sich niemand an der Nähe zur Gattung des Streichquartetts stört ... und eine Woche sollte bei diesem kurzen Stück aus meiner Sicht genügen.

    Viel Vergnügen und gute Diskussion!

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Ich ziehe das mal hierher und danke für die Wahl eines mir bis dato unbekannten Stücks. Bin gespannt!

  • Ich ziehe das mal hierher und danke für die Wahl eines mir bis dato unbekannten Stücks. Bin gespannt!

    Ich auch. Und kopiere meine Reaktion aus dem Orga-Thread; es paßt hier besser:

    Ich finde dieses Werk noch bezaubernder als die gewiss nicht reizarmen Streichquartette von Debussy und Ravel.

    Da sagst, "noch bezaubernder"? Nun, das werde ich mir mal anhören. Als bezaubernd habe ich diese gut 10 Minuten dauernde Musik allerdings schon in Erinnerung.

    Kennengelernt habe ich es vor über 30 Jahren durch eine CD der DG von Ensemble Wien-Berlin [...].

    Ebendas ist die Aufnahme (1989 entstanden), die auch ich besitze; wenn ich es richtig sehe, meine einzige dieses Stücks (vielleicht ist es als "Füller" noch anderswo mit drauf?). Diese CD enthält übrigens noch weitere sehr reizvolle Stücke von Debussy und Ravel.

    :wink:

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • [...] die Version des Ensembles Oxalys [...]

    Gibts wohl nicht auf CD, höchstens in dieser Box:

    Mit dem Ensemble Oxalys habe ich eine CD mit Reger-Kammermusik; die finde ich ganz ausgezeichnet.

    Nach erster Recherche: So übermäßig viele Aufnahmen des Ravel-Stücks scheint es gar nicht zu geben (im Unterschied z.B. zu Ravels Streichquartett). Hier etwas Neueres (2022), das möglicherweise empfehlenswert ist:

    Juliette Hurel (Flöte), Rémi Delangle (Klarinette), Emmanuel Ceysson (Harfe), Quatuor Voce

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Vielen Dank, Mauerblümchen, für die Wahl dieses Stückes! Da sind wir wieder in den französischen Gleisen, in denen dieses Projekt begonnen hat! Grins1

    Ich habe Ravel "Introduction und Allegro" vor zweieinhalb Jahren über den YouTube-Kanal des Oslo Philharmonic Orchestra kennen gelernt. Hier spielt die Soloharfenistin des Osloer Orchesters Birgitte Volan Håvik den Harfenpart:

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    Seitdem habe ich das kurze Stück immer wieder einmal gehört, muss aber zugeben, dass es sich nie so richtig im Kopf festgesetzt hat. Ich könnte jetzt nicht im inneren Ohr abrufen, wie es klingt. Ich finde Gurnemanz´ Beschreibung als "bezaubernd" aber sehr treffend: Ja, das ist eine zarte, bezaubernde Musik, eine Musik zum Wohlfühlen.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Besten Dank an Mauerblümchen!

    Tpyisches Zugaben-Stück auf Tonträger oder halt zwanglos und schlüssig integriert. Ich wüsste nicht, wie oft ich es im Regal finde, habe es aber schon oft gehört, auch oder gerade im Rundfunk, sogar per Hörer-Wunschkonzert, was dann allerdings länger her ist. Ja, eine bezaubernde (größere) Miniatur.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Ich beginne mit einer der älteren Aufnahmen. Wie so oft, weiß die Quadromania-Box Rat ...

    Lily Laskine, Harfe

    Marcel Moyse, Flöte

    Ulysse Delecluse, Klarinette

    Quatuor Calvet

    aufgenommen 1938

    Mit Altmeister Moyse, mit dessen Etüden Flöteriche und *innen aller Länder sich heute noch Finger und Lippen verknoten, um höhere Weihen zu erlangen ...

    Doch die Aufnahme hat mMn ihre Schwächen, nicht nur klangtechnisch. Souverän ist anders, und ich meine, das Stück braucht so etwas wie dekadente Souveränität.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Eben entdeckt: Im August 2023 war Ravels Introduction et allegro schon einmal das Musikstück der Woche: nicht bei Capriccio, sondern beim SWR:

    Mitglieder des SWR Symphonieorchesters spielen Maurice Ravels „Introduction et Allegro“
    Vor dem Urlaub gibt es meistens noch einiges zu erledigen – sei es zuhause oder im Büro. Spätestens nach diesem Endspurt ist man dann wirklich urlaubsreif.…
    www.swr.de

    Mitgleder des SWR Symphonieorchesters spielen das Stück; die Datei kann heruntergeladen werden. Und eine Erläuterung zum Hintergrund gibts auch.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Sehr schön, Gurnemanz, vielen Dank! Irgendwie ging es um chromatische Harfen (Pleyel) und Doppelpedalharfen (Érard), richtig? Wie es ausgangen ist, wissen wir ja, aber zu dieser Zeit war das nicht klar ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Der Artikel vom SWR ist wirklich sehr schön! Kurz, informativ und gut geschrieben! Es heißt darin unter anderem: "Das Unternehmen Pleyel hatte ebenfalls eine neue Harfe auf den Markt gebracht. Um das neue Instrument zu bewerben, gab die Firma extra eine Komposition bei Claude Debussy in Auftrag – kein schlechter Einfall, fand auch das Konkurrenzunternehmen Erard. Das kopierte einfach die Marketingstrategie und beauftragte Maurice Ravel mit einem Werk". Ist das Werk von Debussy, auf das hier angespielt wird, "Danse sacrée et danse profane"? Komponiert im April/Mai 1904, uraufgeführt im November 1904 - das kommt zeitlich gut hin, wenn Erard dann als Antwort darauf im Sommer 1905 den Auftrag an Ravel gegeben hat.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Ist das Werk von Debussy, auf das hier angespielt wird, "Danse sacrée et danse profane"?

    Genau das ist es! Vgl.

    Gurnemanz
    9. November 2011 um 23:01

    Mehr sage ich aber nicht dazu - nicht daß MB böse wird, weil er befürchtet, daß ich ihm Konkurrenz machen will.

    Grins1

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Mehr sage ich aber nicht dazu - nicht daß MB böse wird, weil er befürchtet, daß ich ihm Konkurrenz machen will.

    Pfff ... :hammer1: ... ich wäre dankbar, wenn erklären könnte, wie so eine chromatische Harfe gebaut ist ...

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Mehr sage ich aber nicht dazu - nicht daß MB böse wird, weil er befürchtet, daß ich ihm Konkurrenz machen will.

    Pfff ... :hammer1: ... ich wäre dankbar, wenn erklären könnte, wie so eine chromatische Harfe gebaut ist ...

    Haben wir eigentlich irgendjemanden hier im Forum, der Harfe spielen kann? :/

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Vielen Dank, lieber MB, für das schöne, kleine Stück.

    Ich liebe ja Ravels Musik, aber dieses Stück kannte ich noch nicht. Ich habe es jetzt zweimal gehört, einmal über den yt-Link, den MB gleich mitgeliefert hat, wobei es sich wohl um die Aufnahme mit dem Academy of St. Martin-in-the-Fields Chamber Ensemble, dessen CD Mittelfranke oben genannt hat, das andere mal über den yt-Link von Cherubino mit Leuten vom Oslo Philharmonic. Letzteres spricht mich deutlich mehr an, klingt transparenter und energischer. Klingt fast wie ein Orchesterstück.

    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga

    Ich lieb‘ den Schlaf, doch mehr noch: Stein zu sein.
    Wenn ringsum nur Schande herrscht und nur Zerstören,
    so heißt mein Glück: nicht sehen und nicht hören.
    Drum leise, Freund, lass mich im Schlaf allein.
                       --- Michelangelo Buonarroti (dt. Nachdicht. J. Morgener)

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