Musikstück der Woche - ein lockerer Austausch

  • Ich hatte echt keine Ahnung. Liegt daran, dass ich nicht der Vergleichsaufnahmensammler bin.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Da ich's gerne abgerundet habe - alte Lehrerkrankheit (m/w/d) - noch kurz meine Meinung. Die zweite Variante mit Noten mag dezenter sein, auch in der Besetzung, aber zum einen fehlt mir halt doch die Atmosphäre, zum anderen ist die Begleitung funktionsharmonisch sauber und damit schlicht langweilig, fürchte ich.

    Die erste Variante ist modisch gummihaltig. Das hat Canteloube nicht verdient, fürchte ich. Gegen die Stimme von Katherine Jenkins habe ich gar nichts - freilich wird sie meines Erachtens durch die Sauce accompagnata beleidigt. [Bitte nicht fragen, was ich mit "modisch gummihaltig" meine.]

    Widerspruch oder Zustimmung werden immer noch gerne entgegengenommen.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Ich hatte echt keine Ahnung. Liegt daran, dass ich nicht der Vergleichsaufnahmensammler bin.

    Es ging in dem Thread um eine große Zahl von Vergleichsaufnahmen. Aber Du bist - völlig ironiefrei - natürlich nicht verpflichtet, den ganzen Faden zu lesen. Alles in Ordnung! (Ich werde allmählich bei immer mehr Aufnahmen auch ein wenig zum Vergleichssammler. Ich war das früher überhaupt nicht. Der Mensch wird älter und treibt sich in Foren herum.)

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Offenbar bezog sich puttos "hat mir schon schlechter gefallen" doch gar nicht auf einen Aufnahmenvergleich, sondern er meinte, dass das Stück ihm selbst früher weniger gefallen hat als beim diesmaligen Hören.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Offenbar bezog sich puttos "hat mir schon schlechter gefallen" doch gar nicht auf einen Aufnahmenvergleich, sondern er meinte, dass das Stück ihm selbst früher weniger gefallen hat als beim diesmaligen Hören.

    Das habe ich genau so verstanden, doch es ändert nichts daran, dass puttos kurze Replik insgesamt ziemlich unklar gewesen ist - auch nicht nur meine Meinung, wie man oben sieht. :) Aber vielleicht sollten wir das Ganze auf sich beruhen lassen. Ich muss mich nicht verteidigen und nicht entschuldigen und ich fühle mich auch nicht ernsthaft von der Seite angegangen. Schwamm drüber!

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Putto hat doch gemeint, dass ihm der Baïlèro besser gefallen habe als frühere Musikstücke der Woche, oder? :/

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • Mein Mozart Companion erwähnt sie gar nicht erst. Auch im Harenberg Kammermusikführer findet sich keine Zeile über die Werke. Zwischen 1786 und 1788 schrieb Mozart fünf Klaviertrios. Warum werden diese Werke so unterschätzt? Oder habe nur ich sie jahrzehntelang unterschätzt? Am besten hört ihr euch alle fünf an. Wer sie nicht kennt, aber Mozart liebt, wird wunderbare Musik entdecken. Die Qual der Wahl. Das Musikstück der Woche wird das Klaviertrio in Es-Dur* KV 502. Hoffentlich habt ihr ebensoviel Freude an ihm wie ich.

    *Muss B-Dur heissen. Siehe unten.

  • Mit dem oben verlinkten Einführungstext kann ich mich nicht so richtig identifizieren, denn an die Prager muss ich definitiv nicht denken bei dem dem Trio. Ich halte es für originär kammermusikalisch und sehr nahe an Mozarts Violinsonaten. Beim zweiten Satz ist das noch deutlicher. Und "chiaroscuro" gibt es ja bei Mozart praktisch immer - meinem Gefühl nach bei KV 502 eher weniger als sonst. Ich finde KV 502 zeichnet sich durch eine wahrhaft strahlende Klassizität aus.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Die enge Verknüpfung mit der unmittelbar danach entstandenen Sinfonie KV 504 "Prager" wird auch in diesem Text betont:

    Mozart-W-A.de: KV 502

    Wobei es dort heißt, dass in den Ecksätzen der Sinfonie thematische Motive des Trios aufgegriffen und verarbeitet werden.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Warum werden diese Werke so unterschätzt?

    Ist das wirklich so? Wenn man mal bei Amazon nach Einspielungen stöbert, findet man eine ganze Flut von Aufnahmen: André Previn/Anne-Sophie Mutter/Daniel Müller-Schott, Daniel Barenboim/ Michael Barenboim/Kian Soltani, Daniel Barenboim/Nikolaj Znaider/Kyril Zlotnikov, Rudolf Serkin/Jaime Laredo/Madeline Foley, Maria Joao Pires/Augustin Dumay/Jian Wang, Richard Clayton/Andrew Haymes/Jaimie Wilson, Joanna Graudan/Szymon Goldberg/Nikolai Graudan, Borodin Trio, Beaux Arts Trio, Arion Trio, Abegg Trio, Lichtental Trio, London Fortepiano Trio, Mozart Trio Salzburg, Wiener Mozart-Trio, Wiener Schubert Trio, Haffner Trio Wien, The Mozartean Players, Trio Parnassus, The Philadelphia Trio, Moskauer Klaviertrio, Guarneri Trio Prag, Florestan Trio, Rautio Piano Trio, Academia Montis Regalis, Kungsbacka Trio...

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Die enge Verknüpfung mit der unmittelbar danach entstandenen Sinfonie KV 504 "Prager" wird auch in diesem Text betont:

    https://www.mozart-w-a.de/content1/musik…-500-599/kv-502

    Wobei es dort heißt, dass in den Ecksätzen der Sinfonie thematische Motive des Trios aufgegriffen und verarbeitet werden

    Es kommt nicht eben selten vor, dass kammermusikalische Werke als Resteverwertung von orchestralen Werken interpretiert werden. In diesem Einführungstext steht wiederum das Klavierkonzert KV 450 Pate:

    Mozart: Trio (Terzett) B-Dur KV 502 – Altenberg Trio

    Ich finde das sagt eher etwas über die Präferenzen der Verfasser aus als über die besprochenen Werke.

    Als langjähriger und begeisterter Hörer von Mozarts Violinsonaten kann ich nur sagen, dass der Gestus des Trios sehr eng an den der Violinsonaten angelehnt ist. Das gilt erst recht für den zweiten Satz, in welchem das Cello kaum zu hören ist.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Einen Zusammenhang zwischen dem Klavierkonzert K 450 und dem Trio K 502 sieht auch Alfred Einstein. "Für den ersten Satz besteht nicht nur der Tonart nach, sondern auch in der Thematik eine Verwandtschaftmit dem Klavierkonzert KV 450 von 1784. " (Es folgen als Begründung Noten aus den beiden Werken).

    An Lob spart Einstein nicht:

    Unser K 502 und das Trio K 542 bezeichnet er als "die grössten Meisterwerke der Gattung" (!). (S. 254f, in der Fischer TB Ausgabe von Mozart - Sein Charakter, sein Werk von 1978.

  • André Previn/Anne-Sophie Mutter/Daniel Müller-Schott, Daniel Barenboim/ Michael Barenboim/Kian Soltani, Daniel Barenboim/Nikolaj Znaider/Kyril Zlotnikov, Rudolf Serkin/Jaime Laredo/Madeline Foley, Maria Joao Pires/Augustin Dumay/Jian Wang, Richard Clayton/Andrew Haymes/Jaimie Wilson, Joanna Graudan/Szymon Goldberg/Nikolai Graudan, Borodin Trio, Beaux Arts Trio, Arion Trio, Abegg Trio, Lichtental Trio, London Fortepiano Trio, Mozart Trio Salzburg, Wiener Mozart-Trio, Wiener Schubert Trio, Haffner Trio Wien, The Mozartean Players, Trio Parnassus, The Philadelphia Trio, Moskauer Klaviertrio, Guarneri Trio Prag, Florestan Trio, Rautio Piano Trio, Academia Montis Regalis, Kungsbacka Trio.

    Eine beeindruckende Liste . Mir hat bislang eine 'Aufnahme gereicht , die aber in der Liste nicht auftaucht .Es ist eine LP aus dem Jahr 1959 , aufgemommen von der DG in Hannover , gekoppelt mit dem Ravel Klaviertrio . Es spielt das Trio di Trieste . Wahrscheinlich bin ich so darauf eingestimmt , daß ich keinen Bedarf für weitere Einspielungen hatte .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

    Einmal editiert, zuletzt von b-major (3. Dezember 2023 um 18:43)

  • Einen Zusammenhang zwischen dem Klavierkonzert K 450 und dem Trio K 502 sieht auch Alfred Einstein. "Für den ersten Satz besteht nicht nur der Tonart nach, sondern auch in der Thematik eine Verwandtschaftmit dem Klavierkonzert KV 450 von 1784. " (Es folgen als Begründung Noten aus den beiden Werken).

    An Lob spart Einstein nicht:

    Unser K 502 und das Trio K 542 bezeichnet er als "die grössten Meisterwerke der Gattung" (!). (S. 254f, in der Fischer TB Ausgabe von Mozart - Sein Charakter, sein Werk von 1978.

    Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen und finde die Themen beider Sätze nicht sooo einzigartig plastisch, dass meinerseits nicht Restzweifel bleiben würden. "Die größten Meistwerke der Gattung" kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen, schon weil ich die Cellostimme nicht als gleichberechtigt ansehe. Auch finde ich den emotionalen Ambitus enger als in anderen Werken der Gattung. Meisterwerke sind es natürlich zweifellos!

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Eine beeindruckende Liste . Mir hat bislang eine 'Aufnahme gereicht , die aber in der Liste nicht auftaucht .

    Die von mir nur via kurzer Amazon-Recherche erstellte Liste von Aufnahmen ist ganz sicher nicht vollständig, vermutlich gibt es noch ein Dutzend mehr Aufnahmen oder sogar noch mehr.

    Ich wollte damit nur aufzeigen, dass das Trio KV 502 ganz sicher nicht von Musikern und Schallplattenfirmen vernachlässigt bzw. links liegen gelassen wird. Im Gegenteil: Es ist ein Dauerbrenner auf dem LP- bzw. CD-Markt.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

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