Musikstück der Woche - ein lockerer Austausch

  • Lionel hatte die Aufnahme mit der Akademie für Alte Musik Berlin andernorts lobend erwähnt. Ich fand sie ebenfalls sehr schön.

    Nach dem "Cahos" geht es ja denn doch konventioneller weiter, aber die eine oder andere Überraschung kommt doch vor.

    Was mich etwas irritiert hat, ist die Nachtigall auf der o. g. Aufnahme. Das ist doch kein Instrument, oder?

  • Das Booklet der Einspielung mit Hogwood weist als ein Charakteristikum der französischen Barockmusik darauf hin, dass sich rasche spielerische Rhythmus-Wechsel finden. Für Rebels Meisterwerk gilt das sicher auch.

    In Ergänzung zu dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel, den ich für sehr informativ halte, will ich ebenfalls noch auf Aussagen diese Booklets zur musikalischen Markierung der vier Elemente hinweisen, die auch meinen Hör-Erfahrungen entsprechen oder durch diese im Folgenden erweitert werden..

    Die Luft ist durch Pizzicati und gerade hohe Flötentriller gekennzeichnet. Eine gewisse thematische Schwerelosigkeit ist mir aufgefallen, zu der auch viele Pausen beitragen. Es ist also gerade keine die Struktur prägende Klanglichkeit, wie mir scheint.

    Das Wasser ist durch "ruhig steigende und fallende Flötenlinien" charakterisiert - mir scheint darüber hinaus ein nicht drängender, sondern eben fließender Duktus auch in den Streichern wesentlich.

    Mit der Erde verbinden sich natürlich Jagd-Klänge, prägnantes thematisches Material, "pochende Töne", Tenuto-Passagen im Bass.

    Das Feuer - auch hierbei wenig überraschend - drängt nun in der Tat in kleinschrittigen Streicherfiguren. Es entstehen aber keinerlei Vernichtungs-Ostinati wie später bei Skrjabin, auch nicht in einer barocken Reduktion. Das Chaos bleibt dem Einstieg ins Werk vorbehalten.

    Gewiss ist die Musik wohl nicht dahingehend naturalistisch geprägt, dass man die Tonmalerei ohne das Wissen von der kompositorischen Absicht erkennen würde - aber ich sehe das als einen Vorzug. Tiefes Cluster-Chaos in einigen barocken oder empfindsamen Orgelwerken lässt sich leicht als Gewitter-Imitation verstehen - das ist gewiss kurios, das ist wohl humoristisches Beiwerk, aber es ist kein Zeichen musikalischer Stringenz, also letztlich musikalischer Güte - meine ich.

    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Lionel hatte die Aufnahme mit der Akademie für Alte Musik Berlin andernorts lobend erwähnt. Ich fand sie ebenfalls sehr schön.

    Nach dem "Cahos" geht es ja denn doch konventioneller weiter, aber die eine oder andere Überraschung kommt doch vor.

    Was mich etwas irritiert hat, ist die Nachtigall auf der o. g. Aufnahme. Das ist doch kein Instrument, oder?

    Die Passage ist als Hörprobe gut nachzuverfolgen. Deine Frage, werter Braccio, kann ich leider nicht zuverlässig beantworten, aber finden sich nicht ganz ähnliche perkussive Scherze bei Mozart sen. oder bei einem der Strauß-Brüder?

    Bei Hogwood findet sich indes nichts dergleichen.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Die Messe liegt ja in zwei verschiedenen Rossini - Fassungen vor. Einmal werden die vier Solisten und der Chor nur von einem Harmonium und zwei Klavieren begleitet (Urfassung), später ersetzte er selber die Begleitung durch ein kleines Orchester.

    Kleines Orchester?

    O nein, was für ein Hörfehler, der freilich intendiert war, wenn man dem kolportierten Gewitzel Rossinis Glauben schenken will, dass er die Messe nur instrumentiert habe, damit Berlioz es nicht tut und mit seiner Tuba alles totschlägt.

    Tatsächlich ist Rossinis eigene Instrumentation die fetteste, die er je benutzt hat ( Holzbläser dreifach, je vier Blechis, zwei Harfen in einer Nummer...)( https://vmirror.imslp.org/files/imglnks/…2-92709-fsc.pdf ). Ich durfte das Stück vor einigen Jahren mal in beiden Fassungen singen und habe sehr gestaunt, wie groß das Ochester ist.

    Viele Jahre zuvor habe ich es mal in der Fassung gesungen, in der man das zweite Kla4 weglässt - das geht schon ganz gut, weil es oft das erste doppelt, aber es gibt einige Stellen, da fehlt es rein akustisch, weil da mehr Klang nötig ist.

    Lustig, oder? Ein Klavier-zwei Klaviere / großes Orchester-kleines Orchester. Rossini hat es wirklich in beiden Fassungen mit Verstand gesetzt, wer hätte das gedacht ;)

    Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

  • Es ist wieder soweit. Morgen geht es mit dem nächsten Stück der Woche weiter, das Abendroth uns vorstellen wird. Man darf gespannt sein.

    In den Wochen danach geht es weiter mit

    • Areios
    • Wolfram
    • AlexanderK
    • Cherubino
    • putto
    • music lover
    • Algabal
    • Braccio
    • Gurnemanz
    • maticus
    • Beryllo
    • Felix Meritis
    • Mauerblümchen
    • Scherzo
    • andréjo
    • Abendroth

    Wie immer darf hier jeder mitschreiben. Wer auch in die Liste derer aufgenommen werden möchte, die ein Stück vorstellen, melde sich gerne. Garcia habe ich erstmal aus der Liste genommen. Wiederaufnahme jederzeit möglich und gewünscht.

  • Das nächste Musikstück der Woche wurde kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs fertiggestellt und wenig später uraufgeführt. Es scheint also ein modernes Werk zu sein, aber man wird dem Komponisten vielleicht einen Mangel an Innovativität vorwerfen, was allerdings dazu beigetragen hat, dass manche seiner Werke relativ beliebt oder zumindest bekannt sind. Wenn das "beliebt" sich auch auf das von mir gewählte Musikstück der Woche bezieht, dann ist das ein relativ neues Phänomen. Es handelt sich um ein Konzert. Die grossen Interpreten, die es ja nach 1945 hätten spielen können, haben mit sehr wenigen Ausnahmen die Finger davon gelassen (zumindest auf dem LP/CD Markt). Und selbst im 21. Jahrhundert ist es wohl eher zögernd, dass eine meist jüngere Generation sich für das Konzert einsetzt.

  • Das nächste Musikstück der Woche wurde kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs fertiggestellt und wenig später uraufgeführt.

    Wenn sich "wenig später" nicht auf den Kompositionszeitpunkt, sondern auf den 2. Weltkrieg bezieht, könnte es sich um Korngolds Violinkonzert handeln.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Als das Konzert uraufgeführt wurde, hatte der 2. Weltkrieg schon ca. ein halbes Jahr vorher begonnen. Korngolds Violinkonzert, auf das manches auch zutrifft, entstand ca. 5 Jahre später.

  • Als das Konzert uraufgeführt wurde, hatte der 2. Weltkrieg schon ca. ein halbes Jahr vorher begonnen.

    ... was uns an die Steinach führt, sollte ich richtig liegen.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Meine kulturelle Bagage ist nicht ausreichend, um den Hinweis auf die Steinach zu verstehen. Wenn es um den Fluss geht, der in den Bodensee mündet, dann hat meines Wissens weder der gesuchte Komponist noch das gesuchte Werk etwas mit der Steinach zu tun. Das Orchester von St. Gallen hat allerdings schon Werke des Komponisten aufgeführt.

  • Wenn ich richtig liegen sollte, dann war das Kammerorchester St. Gallen an der UA beteiligt.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Das Kammerorchester St. Gallen wurde 2011 gegründet. Das gesuchte Werk wurde während des 2. Weltkriegs uraufgeführt. Der Komponist hat zwar ein Werk komponiert, in dem ein von einem zweiten Dirigenten geleitetes Kammerorchester spielt, aber wir suchen ein Konzert. Denkbar das ein Schweizer Kammerorchester an der Uraufführung eines anderen berühmten Werks des Komponisten beteiligt war, aber mit dem gesuchten Werk hat es nichts zu tun.

  • Jetzt verstehe ich. Du denkst an Othmar Schoeck und das ältere Sinfonieorchester aus St. Gallen.

    Nö, tu ich nicht ...

    Das Kammerorchester St. Gallen wurde 2011 gegründet.

    Ausweislich der englischen und französischen Wikipedia spielte das St. Gallen Chamber Orchestra am 29. Februar 1940 die Uraufführung eines Violinkonzertes, das im September 1939 komponiert wurde und für welches gilt, das viele berühmte Geiger

    die Finger davon gelassen

    haben.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Sieht nach einem Stück aus, das im Schlusssatz einen langsamen Marsch benutzt, den knapp 20 Jahre später ein anderer Komponist für ein groß angelegtes Orchesterwerk ebenfalls verwendet hat. Für jenes Marschlied hatte der Dirigent Hermann Scherchen einen deutschen Text verfasst.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Jetzt kann ich rätseln!

    Also von den bisherigen Tipps ist der Korngold am nächsten dran. Sowohl Korngolds Violionkonzert als auch das gesuchte Konzert wurden auf demselben Kontinent uraufgeführt. Heifetz hatte auch an dem Konzert Interesse gezeigt, aber dann doch die Finger davon gelassen. Auf Tonträgern erschien es (vermute ich) erst seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts (was nicht ausschliesst, dass frühere Radiomitschnitte erst später auf LP oder CD erschienen).

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