Musikstück der Woche - ein lockerer Austausch

  • Alkan hat ein "Concerto pour piano seul" (op. 39 n° 8-10) komponiert.

    Das französische Wort für "Konzert" ist nämlich "Concert", wenn es um eine Veranstaltung und "Concerto", wenn es um ein Musikstück geht. Da hat sich Schumann vertan ...

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Da hat sich Schumann vertan ...

    ... oder vielmehr sein Verleger Tobias Haslinger, auf dessen Drängen das Werk 1836 so benannt wurde.

    Die Unterscheidung zwischen "concert" und "concerto" kenne ich auch aus dem Englischen. "We go to a concert tonight", aber "He plays a piano concerto".

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Bei Brautigam (1991) gibt's eine viersätzige Version mit dem Comodo-Scherzo als zweitem Satz und ergänzend das andere Scherzo und die Variationen ohne Claras Striche. Man kann sich natürlich die Reihenfolge anders zusammenstellen.

  • Alkan hat ein "Concerto pour piano seul" (op. 39 n° 8-10) komponiert.

    Das französische Wort für "Konzert" ist nämlich "Concert", wenn es um eine Veranstaltung und "Concerto", wenn es um ein Musikstück geht. Da hat sich Schumann vertan ...

    Jo, danke!

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Das französische Wort für "Konzert" ist nämlich "Concert", wenn es um eine Veranstaltung und "Concerto", wenn es um ein Musikstück geht. Da hat sich Schumann vertan ...

    ... was eventuell daran liegt, dass er ja "Schuhmann" heißen müsste ... ;)

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • sein Verleger Tobias Haslinger, auf dessen Drängen das Werk 1836 so benannt wurde

    Das hätte ich mir denken sollen ...

    Vielen Dank für die Auswahl dieser Sonate, die ich zu lange zugunsten der fis-moll Sonate vernachlässigt habe. Wohl, weil ich nicht richtig durchschauen konnte, was in welcher Fassung gestrichen oder hinzugetan wurde.

    Inzwischen höre ich sie gerne mit Pollini (DGG) oder in András Schiffs Aufnahme eines Zürcher Konzerts aus dem Jahr 1999, die von ECM veröffentlicht wurde

    (wohl identisch mit der YouTube Version).

    Éric Le Sage konnte mich hingegen mit Schumann nicht richtig begeistern. Warum, weiß ich nicht ganz genau. Vielleicht, weil ich zu wenig Gefühl heraushöre (schwammig und subjektiv, ich weiß ...)

    Alles, wie immer, IMHO.

  • Vielen Dank für die Auswahl dieser Sonate

    Auch Dir vielen Dank für Deine Dankesworte - und ich muss sagen, ich freue ich wirklich sehr, dass meine MdW-Wahl so gut bei Euch ankommt!

    Ein herzliches :cincinbier: in die Runde!

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Jörg Demus spielt die viersätzige Fassung in seiner oben von mir verlinkten (Beinahe-)Integrale; er lässt also das erste Scherzo weg.

    Abgesehen davon, dass mich in dieser Integrale das etwas abgedunkelte Klangbild schon früher ein wenig gestört hat, könnte der Flügel noch besser gestimmt sein - aber da gibt es problematischere Aufnahmen unter den 13 CDs. Jörg Demus schenkt der leidenschaftlichen und romantisch freigeistigen Musik ein hohes Maß an agogischer Beweglichkeit und ist ihr wohl auch technisch gewachsen - aber da käme es mir schon auf Vergleichsmöglichkeiten an. Hin und wieder spürt man den Geist der Fantasie op. 17 - es wird viele weitere Parallelen in Schumanns Klaviermusik geben, allein, sie ist mir nur in Teilen gegenwärtig und ich bin auch von daher für den Anstoß durch den music lover sehr dankbar.

    Ich nehme an, dass der Prestissimo-Finalsatz die stärksten Ansprüche an die Ausführenden stellt - das wäre dann auch eine Gemeinsamkeit mit dem Schluss des Opus 17.

    Freilich ist der Aufbau in jedem Fall ein anderer und der innig-traurige Variationensatz lässt sich, meine ich, ebenso wenig mit dem anderen Werk vergleichen.

    Ich werde mir einige von den vielen verlinkten Beispielen zum Vergleich anhören, auch ein wenig nachlesen und auf jeden Fall noch zu Florian Uhlig kommentieren. Vielleicht ergeben sich dort auch theoretisch interessante Aspekte, die hier noch nicht zur Sprache gekommen sind.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Übrigens habe ich jetzt mehrfach gelesen, dass die Opera 14 und 17 Berührungspunkte aufweisen, vor allem solche im Schwierigkeitsgrad.

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Bei Brautigam (1991) gibt's eine viersätzige Version mit dem Comodo-Scherzo als zweitem Satz und ergänzend das andere Scherzo und die Variationen ohne Claras Striche. Man kann sich natürlich die Reihenfolge anders zusammenstellen.

    Jetzt mal gehört, mit beiden Scherzi. Rhythmisch vielfach wieder einmal höchst vertrackt, scheint mir.

    Brautigam spielt das sicher souverän, aber Berruts Performance (der dreisätzigen Version) hat mich deutlich mehr gepackt. Und auch wenn es mich als Banausen entlarvt: zumal auf das Comodo-Scherzo kann ich notfalls verzichten.

  • Mein persönlicher Einschätzungsstand:

    Bin dieser Tage mit Vorraber (CD, impulsiver Entdecker), Schiff (noch youtube, bald auch CD, mit ihm fühle ich mich interpretatorisch sehr zu Hause), Horowitz (live 1975, Anschlagsdifferenzierung wie immer einmalig, mir aber zu wenig Psychologie der Musik) und Berrut (CD, gehe da gern in der Einschätzung mit Braccio mit) weiter dabei, seit gestern auch mit dem 3. Henle Schumann Klaviernotenband, der alle Fassungen zum Mitlesen und Spielen (wer´s kann) anbietet.

    Im 1. Satz sind für mich diese punktierten "Reiterpassagen" der Knackpunkt, ob mir eine Aufnahme gut gefällt. Höre sie lieber weniger humoristisch. Beim Mitlesen wurde mir der Schluss des Variationssatzes optisch verdeutlicht - neunmal hintereinander der f-Moll Akkord. Und das Finale läuft wie auch einige Beethoven- und Schubert-Finalsätze unglaublich viele Seiten fast durchgehend im Schnelltempo durch. Beim Mitlesen habe ich mich beim Melodieverfolgen verheddert, also bin ich umgestiegen, mitzählen und auf die Taktstriche achten.

    Vor allem Schiffs viersätzige und Berruts dreisätzige Aufnahmen werde ich nun immer wieder gerne hören.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • oder in András Schiffs Aufnahme eines Zürcher Konzerts aus dem Jahr 1999, die von ECM veröffentlicht wurde

    (wohl identisch mit der YouTube Version).

    Diese Aufnahme habe ich soeben mit den (Henle-)Noten vor mir nochmal gehört. Das Mitlesen hat mir verdeutlicht, wie viel Schiff bewusst lyrisch angeht (etwa im Scherzo). Und wie hochvirtuos diese Sonate ist, was da die Pianistinnen und Pianisten "aber sowas von tüchtig zu arbeiten haben". Ein großartiges Livedokument, so eine CD-Aufnahme.

    Herzliche Grüße
    AlexanderK

  • Ich nehme an, dass der Prestissimo-Finalsatz die stärksten Ansprüche an die Ausführenden stellt - das wäre dann auch eine Gemeinsamkeit mit dem Schluss des Opus 17

    Sorry, das verstehe ich nicht. Opus 17 hat doch kein Presto-Finale (“Langsam getragen. Durchweg leise zu halten - etwas bewegter”)

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Nun lief hier die schon häufiger erwähnte Aufnahme von Aldo Ciccolini

    Ich möchte nicht von Offenbarung sprechen, aber das empfand ich schon als eine Klasse für sich. Ungeheuer beseelt ungeachtet der Virtuosität, ohne die es hier ja nicht geht. Ganz wunderbar berührend auch die Variationen, die bislang gar nicht so sehr an mich herangingen. Große Kunst, meine ich.

  • Jetzt habe auch ich mir das "Konzert ohne Orchester" angehört, in der einzigen Aufnahme, die sich bei mir findet: Maurizio Pollini. Ehrlich gesagt, so richtig geht das gerade nicht bei mir ran. LIegt es an der Komposition, an der Interpretation oder - was ich für das Wahrscheinlichste halte, da ich Schumann, auch seine Klaviermusik, durchaus schätze, ebenso Pollini - an meiner aktuellen Aufnahmebereitschaft? Jedenfalls ließ mich das Klaviergedonnere heute eher unberührt. Das kann beim nächsten Hören schon wieder ganz anders sein...

    Und das Werk ist sicher eine nähere Betrachtung wert, daran zweifle ich nicht.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Ich nehme an, dass der Prestissimo-Finalsatz die stärksten Ansprüche an die Ausführenden stellt - das wäre dann auch eine Gemeinsamkeit mit dem Schluss des Opus 17

    Sorry, das verstehe ich nicht. Opus 17 hat doch kein Presto-Finale (“Langsam getragen. Durchweg leise zu halten - etwas bewegter”)

    Danke für die Verbesserung! Ich meine natürlich den mittleren Satz mit den gefürchteten Sprüngen. Meine naive Erinnerung, dass sie sich ganz am Schluss finden. Auch opus 17 habe ich wohl schon einige Zeit nicht mehr gehört oder versehentlich nach dem Mittelteil ausgeschaltet. :versteck1:

    :thumbup: :cincinbier:

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • da ich Schumann, auch seine Klaviermusik, durchaus schätze,

    Schumann schätze ich sehr wohl, aber gerade bei seiner Klaviermusik habe ich sehr oft Probleme. Waldszenen, Kinderszenen und Kreisleriana mag ich, zu fast allem anderen, ganz sicher zu den Klaviersonaten, habe ich nie Zugang gefunden. Ich habe mir anlassbezogen meine Aufnahme der 3. Klaviersonate mit Bernd Glemser angehört, hatte aber wieder nicht die Fähigkeit bis zum Ende geistig dabei zu bleiben. :schaem1:

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Kurz zu Florian Uhligs historisch-kritischer Integrale, die ich mir bezüglich op. 14 auch noch anhören will natürlich - und die Booklets nachlesen.

    Dort findet sich die dritte Sonate auf zwei CDs (Vol. 1 (2010) und Vol. 15 (2020)). Die Frühfassung von 1836 einschließlich der gestrichenen Varianten scheint Uhlig gleich am Anfang seines Projekts eingespielt zu haben. Band 15 enthält dann die quasi bereinigte Fassung von 1853 in vier Sätzen, die auch nicht mehr als Concert sans Orchestre bezeichnet wird. Interessant im ersten Band ist eine ungedruckte fragmentarische Romanze, die Uhlig erstmals aufgenommen hat, was insofern logisch ist, als er sie zusammen mit dem Experten Joachim Draheim, der alle Booklettexte verfasste, zu einer spielbaren Fassung ergänzt hat. Auch der Finalsatz findet sich in Vol. 1 in einer Frühversion - und auch hier wurde das Fragment nachbearbeitet.

    Die Cover-Verzeichnisse kann man ja anklicken.

     

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • da ich Schumann, auch seine Klaviermusik, durchaus schätze,

    Schumann schätze ich sehr wohl, aber gerade bei seiner Klaviermusik habe ich sehr oft Probleme. Waldszenen, Kinderszenen und Kreisleriana mag ich, zu fast allem anderen, ganz sicher zu den Klaviersonaten, habe ich nie Zugang gefunden. Ich habe mir anlassbezogen meine Aufnahme der 3. Klaviersonate mit Bernd Glemser angehört, hatte aber wieder nicht die Fähigkeit bis zum Ende geistig dabei zu bleiben. :schaem1:

    ^^:) Das freut mich in Anführungszeichen. Du bist ja nun ein Erzromantiker, ich irgend etwas anderes. Doch wenn's Dir schon so geht ...

    Der Sinn eines solchen Forums und dafür bin ich dankbar!

    Glemser, den ich live schon zweimal hören konnte, ist aber schon gut, oder?

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

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