Beiträge von Heike

    Christian, ich verstehe ehrlich gesagt deine Argumentationskette nicht.
    Ich habe weder was gegen lokale Buchhandlungen noch gegen die Buchpreisbindung. Ich bestreite allerdings, dass der Vertriebsweg für Print+Ebook- Bundles nur Amazon offenstünde, wenn das von den Verlagen gewollt wäre. Wie ich schon sagte: Diverse Zeitungen machen es bereits vor, wie das geht: das mobile Abo zum Papier dazu, in diversen Formaten runterzuladen. Das wird sich auch bei Büchern nicht verhindern lassen auf Dauer. Beide Formate haben Vorteile und daher sollte man sie kombinieren. Das ist einfach logisch - und warum soll ich für ein Ebook nochmal Vollpreis bezahlen, wenn ich dasselbe Buch schon als Papierbuch gekauft habe? Uneinleuchtend!


    Wenn die Verlage so träge sind, dass sie diesen digitalen Markt nicht erkennen, dann wird die Zeit sie irgendwann überholen (ebenso wie die meisten Zeitungsbürokraten, die immernoch Aktienkurse von gestern in ihre Papiere drucken und hoffen, dass sie von Anzeigen überleben können, statt sich tiefgründigen Qualitätsjournalismus zu leisten).


    Schön für dich, dass du so eine kompetente Buchhandlung in der Nähe hast. Die hätte ich auch gern. Wirklich. Mir ist Amazon schon deshalb suspekt, weil die NSA bestimmt mitloggt, welche Bücher ich bestelle. Aber die realistischen Alternativen sind einfach zu mühsam. Glücklicherweise weiß ich inzwischen sehr konkret, was ich lesen will und kann auf Beratung weitgehend verzichten (oder kann digital in jedes Buch kostenlos reinlesen). Man emanzipiert sich, wenns nicht anders geht. :wink:
    Heike

    Die Buchpreisbindung verhindert aber allein die Krise der Verlage nicht auf Dauer. Im übrigen habe ich gar nichts gegen die Buchpreisbindung für Printbücher. Nur, die kann so für Ebooks nicht 1:1 übernommen werden, das wird nicht funktionieren. Aber einfach wegfallen lassen für Digitales ginge auch nicht, das macht nämlich den Papierbuchmarkt platt. Daher finde ich die Kombivariante richtig gut.


    Es gibt ja bereits kleine Verlage, die auch solche Bundles anbieten zwischen Print und EBook. Das muss man nicht mit einzelnen Händlern aushandeln (sondern kann downloads in verschiedenen Formaten bereitstellen). Das können ja Zeitungen inzwischen auch.


    Nun, wir müssen ja nicht einer Meinung sein, mich würde es jedenfalls freuen, wenn das Matchbook per Amazon bald nach DE käme. Gern auch rückwirkend für alle Käufe bis 1995, so wie in den USA :))
    Heike

    Zitat

    Eben, und diesen Vorteil hätte man dann nur noch, wenn man bei Amazon bestellt oder woanders doppelt bezahlt.


    Nun, es stünde den Verlagen ja frei, mit örtlichen Händlern ähnliche Konditionen auszuhandenln, wo man also einen personalisierten Code zum Runderladen zum Printkauf dazukriegt.


    Ich glaube nicht, dass man mit Zwangsregulierungen den Markt nachhaltig beeinflusst; die Modelle für Printbücher müssen attraktiver werden. So dass die Leser Interesse haben, (auch) das Buch zu kaufen. Gern auch vor Ort, aber dann mit besserer Beratung und gutem Service. Mit Lesungen am Abend und Angeboten für Kinder und und...


    Nur per Nostalgieerwägung oder weil Amazon so böse ist, werden die alten Buchläden schwer überleben. Für mich gibt es übrigens in meiner Stadtrand-Kleinstadt keinen Laden, der zu den Zeiten aufhat, wo ich nicht arbeite.Ich muss also auf Berlin oder Onlinekauf ausweichen. Aber das ist ein andres Thema.
    Heike

    Bist du sicher, dass das dem Buchmarkt schaden würde? ich bin da gar nicht sicher.
    Mein Kaufverhalten würde sich höchstens dahingehend verändern, dass ich statt des gebrauchten Printbuches ein neues kaufen würde. Oder auch bei dicken Wälzern die Printausgabe, wo ich jetzt manchmal nur das EBook kaufe.


    Der gebundene Printpreis bleibt doch unangetastet (und vermutlich der singuläre EBookpreis auch, es gäbe Ebooks ja nur im Bundle gratis oder stark rabattiert).
    Meinerseits hofe ich sehr, dass Amazon da irgendein Modell finden wird. Das dicke schwere Print zu Hause lesen und unterwegs dann im EBook weiter, genial!


    Das mit den genauso teuren Ebooks, an denen man nur die Leserechte und kein Buch erwirbt, wird sowieso auf Dauer nicht funktionieren, davon bin ich überzeugt. Da wird es vermutlich irgendwann irgendwelche Flatrates geben fürs Einmalllesen, Virtuelle Bibliotheken werden ausgebaut, Oder oder. Die Leser, die dann noch Print kaufen, wird man locken und belohnen müssen. Meiner Meinung nach wär das ein ziemlich guter Weg.
    Heike

    Inzwischen glaube ich:
    Das analoge Modell zu den gratis-MP3s zur CD wird auch bei den E-Books kommen.
    Der Anfang ist gemacht.


    "https://www.amazon.com/gp/digital/ep-landing-page?ie=UTF8&*Version*=1&*entries*=0"
    Bin gespannt, wann das nach .DE kommt.

    Lieber Pedrillo,
    ich bin 100% -ig, nein 200%- ig mit dir einer Meinung! Genau so häte ich das auch beschrieben! Danke, ich kann mir den Bericht sparen :-))
    Ergänzen möchte ich nur noch, dass ich die Bildauswahl der Gemälde in der Werkstatt ganz reizend fand, also wenns langweilig gewesen wäre (was ich nicht fand), dann hätte man die Zeit duchaus mit Bildbetrachtungen zubringen können!

    Zitat

    Was man über Levit lesen kann, ist zur Zeit noch kontrovers.


    Was mich zu der offtopic-Frage bringt, über die ich gerade ergebnislos nachdenke:
    Gibt es überhaupt bedeutende Pianisten, über die nicht kontrovers geschrieben wurde bzw. wird? Gulda der Verrückte, Gould der Dauerstaccato- Langweiler, Horowitz der Tastenlöwe ....
    Heke

    Zitat

    Ich werde mir den Namen Levit auch bezüglich künftiger Radiosendungen merken - das hat mich jetzt gepackt.


    ähhhmmmmm - nachdem wir hier gerade einen Thread über kastriertes Radio führen ..... zwei der Aspekte, die mich live ganz besonders an seinem Spiel beeindruckt hatten (farbiger Klang und feinste Dynamikabstufung), dürften da nur sehr bedingt hörbar werden!
    Heike

    Für einen kleinen optischen Eindruck:
    Witziges Video, 3 Pianisten spielen unbekannte Stücke prima vista (und raten dann, wer es ist)
    Yeol Eum Son, korean pianist
    Francesco Piamontesi, swiss pianist
    Igor Levit, russian pianist (nach der 11. und 27. Minute)


    "http://www.youtube.com/watch?v=i7z8khmHcRs"


    (es wird nach der Anmoderation Englisch gesprochen)

    Ich kopiere mich 2x selbst aus dem Klassikforum (einmal habe ich ihn live gehört, dann später einen kurzen Enindruck zu der CD geschrieben):
    El Duderino: Ich hielt ja Frau Büning noch nie für sehr kompetent, aber ich habe unlängst einmal in der Philharmonie neben ihr gesessen, und seitdem ist sie mir zusätzlich auch noch höchst unsympathisch :hide:


    KOPIE:
    30.10.12 im Kleinen Saal des Konzerthauses:
    Igor Levit Klavier


    Claude Debussy "Six Epigraphes antiques"
    Max Reger Variationen und Fuge über ein Thema von Johann Sebastian Bach op. 81
    Ludwig van Beethoven Sonate B-Dur op. 106 ("Hammerklaviersonate")


    Was für eine Überraschung! Mein Gott, wenn der Mann keine Karriere macht, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich hab von dem noch nichts gehört bisher und bin auf Anhieb begeistert von so viel Können, Übermut und Musikalität.


    Der begann mit Debussy soooooo spannend, so farbig, so feinfühlig im Anschlag, das war reine Klang-Zauberei für mich, sehr tragend und differenziert auch in den leisesten Tönen. Fast reinkriechend in die Tastatur, ganz versunken. Zu Reger kann ich nicht viel sagen, das Werk habe ich im Saal noch nie gehört, es war jedenfalls sehr beeindruckend. Aber dann war ich richtig neugierig auf die Hammerklaviersonate, denn die Reger-Fuge war so brilliant gespielt, dass ich mich richtig auf den Beethoven freute. Und zurecht, das war wahnsinnig: Ich habe nicht auf die Uhr gesehen, aber ich würde beschwören, dass der erste Satz unter 10 Minuten gespielt war - und das, obwohl er ritardandi ausgespielte und - fern von sportlichem Ehrgeiz - in den Variationen auch viel Ausdruck zeigte, es klanglich auch zu einem Erlebnis machte. Er kracht nicht auf die Tasten (was im kleinen Saal tödlich ist), das tut nicht weh im forte, blieb auch bei ganz schwarzen Noten beeindruckend durchsichtig. Sehr lebendig der zweite Satz, da konnte man sich z.B. an ganz genauen kleinen Dynamikwechseln in den Phrasen erfreuen; ich fand auch die Stimmungen im Mittelteil gut getroffen. Sehr überrascht hat mich das Adagio, hier hat er auch relativ rasch begonnen, aber sehr berührend dem Fluss der Musik nachgegeben. Kein triefend schweres Trauerwerk, sondern ein HineinsinK/Gen in tiefere Sphären von Ferne. Es war ganz still im Saal (was ich selten in diesem langen Satz so erlebt habe). Mit teilweise vor dem Anschlag fast zitternden Fingern kam mitunter ein so zärtlich hngehauchtes pianissimo zustande, dass alle den Atem anhielten. Ich gab mich einsamen Meditationen hin..... und wurde dann lebhaft erweckt im Schlussatz, den er atemberaubend steigerte. Die monumentale Fuge hat er so irre schnell begonnen, dass ich dachte "unmöglich, dass KANN er so nicht weiterspielen". Absolut verrückt, noch nie habe ich das mit so viel Risiko und dabei so sauber ausgespielt gehört, mit ganz präzise gezeigter kontrapunktischer Struktur, kein Stück chaotisch, aber explosiv und mit so viel jugendlichem Feuer - und manchmal sogar mit einem Hauch von Witz. Man hörte und staunte.


    Respekt vor dieser sowohl technisch als auch msikalisch sehr beeindruckenden Vorstellung. Das war große Klasse und ich werde überhaupt nicht mäkeln, dass ich diese oder jene Passage hier oder da als solche gelungener finde. Das war das beste, was ich zu op. 106 live je gehört habe (und da waren schon einige Große dabei!) bowdown .



    KOPIE 2 (zur CD)
    Kennen ist übertrieben, ich habs einmal via Simfy angehört.
    Eher pro als contra beim ersten Eindruck. Spielen kann der das technisch zweifellos, es klingt auch gut farbig und hat keine schmalzig schmissigen Ärgernisse drin. Es fehlt mir aber der jugendliche Leichtsinn des Pianisten gleichermaßen wie die existenzielle Beethoven-Fallhöhe. Irgendwie zu glatt noch. Aber mir ist jemand, der sich da in dem Alter rantraut lieber als jemand, der bis zum Rentenalter nur Barock und Chopin spielt.
    Heike

    Zitat

    In diesem Sinne sehe ich Gravity als nichts anderes als eine sinnliche Erfahrung, ein Spürbarmachen von und ein Teilhabenlassen an Zuständen, die ich als Mensch real nie erleben werde


    Lieber Carsten,
    das kann ich nachvollziehen. Ebenso kann ich die Botschaften verstehen, die du ansprachst. Ich mags trotzdem nicht. Mir war das zu "groß", also zuviel Ethik, zuviel Pathos, zuviel Glück.... und wenn das dann noch so pompös daherkommt und sich mit Dialogen vermischt, die mir wehtun, dann leide ich.


    Ich sehe übrigens fast nie fern, also ich lebe "textlastig" (mit Büchern). Vielleicht liegts auch daran, dass mir der Film so weng gefiel, weil ich generell mehr Gewicht auf Text lege als auf Bilder. Und daran hatte ich sehr wenig Freude bei Gravity, was dann wiederum verhindert, dass diese "Simulationsmaschine" bei mir funktionieren würde. Zu viele Störungen...
    Heike

    Mich hat ein Freund dahin mitgeschleppt. Gut, schöne Bilder und atemberaubende Turnübungen sind drin, aber die Geschichte ist haarsträubend dämlich, die Figuren sind eindimensional und die Dialoge/ Monologe zu oft vorhersehbar einschläfernd, andererseits manchmal auch peinlich seifig. Mich hat der Film enttäuscht, weil die sicher aufwendigen technischen Dinge für mich die Mängel nicht wettmachen konnten.
    Heike

    Ich kannte sie bisher überhaupt nicht. Nicht mal dem Namen nach. Das macht einen ja dann doch neugierig. Nach dem ersten schnellen Reinlesen gestern (danke, Kindle) finde ichs ganz gut.
    Wer englische E-Books liest, kanns wie ich für unter 4 Euro mit ihrem jüngsten Bändlein versuchen:



    Heike

    Zitat

    [Holtrop] ist es pures Klischee, schlechte Sprache, miese Psychologie.


    Huh - darüber würde ich mich ja gern mit dir streiten! Ich finde es psychologsch geradezu grandios! Und Klischee?? Wo? Wo genau? Da will ich ja ganz entschieden widersprechen!


    Zitat

    Wenn er die Figuren monologisieren, sich ereifern lässt, dann ist es wieder guter Goetz


    Sprachlich - okay, da ist es untypisch Goetz, weil es NICHT monologisiert, jedenfalls nicht innenschauend - wo findest du das? (ich müsste nachsehen, hat überhaupt jemand irgendwo eine innere Ebene? Holtrops Frau eventuell?) Er versagt nicht als Erzähler, er ist kein Erzähler, er will auch nicht rzählen. Er hält ne Kamera drauf, mit kaltem Licht. Hab ich noch nie so treffend beleuchtet gelesen, dieses Milieu.
    Heike

    1. Wagner: Tristan und Isolde
    2. Wagner - Götterdämmerung
    3. Wagner - Walküre
    4. Wagner - Rheingold
    5. Wagner - Parsifal (dank der großartigen MET-Inszenierung!)
    6. Berlioz - Les Troyens
    7. Monteverdi - L’Orfeo
    8. Wagner - Meistersinger
    9. Händel- Giulio Cesare
    10. Gluck - Orpheus und Euridice
    11.Wagner - Siegfried
    12.R; Strauss - Ariadne
    13. R. Strauss: Elektra
    14 Monteverdi - Poppea
    15.Wagner - Tannhäuser

    Ich habs auch gesehen und fands insgesamt einen guten Abend. So ganz vorbehaltlos kann ich deine Begeisterung aber nicht teilen.
    Zur Inszenierung: Nach einer Schrecksekunde (Bühne auf der Bühne kann ich fast nicht mehr ertragen) begann das grandios mit der Fiktion des am PC erschaffenen Herrschers - große Klasse. Aber dann fiel das im Verlauf für mich doch wieder ab (um zum Schluss wieder, wie von dir geschildert, groß zu enden). Ich hätte nach dem Auftakt mehr Vision, mehr Manipulation, auch mehr Ideen zur (Be)Deutung der verschiedenen Figuren und weniger simple Nacherzählung erwartet. Aber vielleicht konnte ich einige Fernsehbilder auch nur ungenügend erkennen, ich saß weit oben. Und warum die Ljubascha nun die Zarin dann noch umbringt, nachdem sie als Konkurrentin doch schon völlig außer Reichweite gebracht war - das verstehe wer will. Man hätte das Finale irgendwie geistvoll umdeuten miüssen, für meinen Geschmack*. Die Personenführung schien mir auch über Passagen eher trivial, das habe ich nicht so durchweg gelungen gesehen wie du. Sicher, es gab gute Szenen, aber langweiliges am Fenster/ am Tisch singen eben auch zur Genüge. Egal, es war trotzdem eine der guten Inszenierungen in diesem Haus.


    Musikalisch hat mich das jetzt nicht so vom Hocker gerissen, was aber daran liegt, dass die Spätromatiker nicht meine favorisierten Stücke schrieben. Wer das mag, der kam sicher voll auf seine Kosten. Gesanglich fand ich den Tenor ziemlich schwach, darstellerisch sowieso (das hast du ja auch geschrieben). Marfa war toll, die passte perfekt in die Rolle. Auch sonst eine gute Leistung der anderen Sänger. Der Chor war nicht immer gut im Takt, was man ja noch als typische Premierenkrankheit durchgehn lassen kann (ebenso wie die vielen Blechbläserfehler, an die man sich leider aber inzwischen bei der Staatskapelle schon gewöhnt hat). Insgesamt hätte ich mir bei der subtilen Inszenierungsidee auch musikalisch ein paar mehr leise Untertöne gewünscht.
    Heike


    * ich hätte es wahrscheinlich umgekehrt gemacht, das Volk zelebriert am Schluss (im Video) die Trauer um die arme irre tote Zarin, inklusive der Ächtung der falsch beschuldigten Täter; während die Zarin real lebt und mit der allmächtigen Regie verbrüdert heimlich weiterfeiert. Oder so in der Art. Wenn schon mediengemacht, dann alles, bis zum bitteren Ende.