Beiträge von Mina

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    In meiner Küche hängt eine Postkarte mit dem Konterfei von Giuseppe Verdi, in meiner alten Wohnung hing außerdem ein Faksimile der ersten Takte der Figaro-Ouvertüre. Das ist noch in irgendeinem Umzugskarton und wartet darauf, gefunden zu werden.
    Die Ausstechformen haben mir gerade sehr angefixt.Ich glaube, ich kaufe Mozart für die Feiern nach unseren Chorkonzerten. :thumbup:
    Wir singen gelegentlich auch modernes Zeug, aber Petr Eben ist ja nicht dabei 8)

    Verdi, Giuseppe: Rigoletto. Wuppertal Juni 2017

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    Die Wuppertaler Bühnen spiel(t)en im Opernhaus eine vielbeachtete und hochgelobte Inszenierung von Giuseppe Verdis „Rigoletto“.
    Regisseur Timofej Kuljabin verlegt das Stück mal wieder in die Gegenwart. Das ist heute ja üblich, gelingt aber nur selten so gut wie hier. Aus dem Renaissanceherzogtum Mantua wird ein fiktiver osteuropäischer Kleinstaat, aus demHerzog ein soeben gewählter macht- und sexgeiler Politiker mit einer Vorliebe für perverse sexuelle- und sonstige Spielchen, der sein Land in die Diktatur führen wird und der optisch mehr als nur ein bißchen an Nordkoreas Kim Jong-Un, den Mann mit der schrecklichen Frisur erinnert. Rigoletto ist kein Hofnarr sondern ein mit allen Wasser gewaschener Medienstar mit eigener Politshow der den Steigbügelhalter für den jungen Diktator gibt. Gilda fristet ihr Leben in der geschlossen Abteilung einer Psychatrie und nein: die so oft strapazierte Verlegung einer Opernszene in die Klapse ist hier keine Regiewillkür, sondern schlüssig, zu Herzen gehend und, wenn man näher darüber nachdenkt, die einzig logische Erklärung für Gildas sich durch das ganze Stück ziehende naive Kindlichkeit. Der Vater ist hin- und hergerissen zwischen wirklicher Liebe zu seiner Tochter und Abscheu vor ihrer Erkrankung, was sich unter anderem darin zeigt, daß er die Bilder die Gilda in der Klinik malt liebevoll bewundert, auf der anderen Seite aber im Gespräch mit ihr Hand und Blick kaum vom Smartphone lassen kann. Es gibt in dieser Inszenierung viele kleinere und größere Regieeinfälle die bei aller Tragik des Themas ausgesprochen amüsant sind. Ich werde die Hochrechnung und die Berichterstattung eines Bundes- Landtags- oder sonstigen Wahl in der nächsten Zeit nicht immer mit dem gebotenen Ernst verfolgen können, und das ist eine Nebenwirkung dieser Inszenierung.
    Die Frage, was in des Herzogs Privaträumen mit Gilda geschehen ist, und ob er ihr Gewalt angetan hat, wird hier ambivalent beantwortet: Gilda erscheint mit Handschellen am Handgelenk, wirkt aber eher verwirrt als traumatisiert und hat ganz offensichtlich ihre Sinnlichkeit entdeckt und scheint sie zu genießen. Und genau das ist es, was Rigoletto nicht ertragen kann: eine durch Vergewaltigung traumatisierte Tochter hätte ihn weniger entsetzt, als die Tatsache, daß aus dem irren Kind mit den Buntstiften im Haar eine junge Frau geworden ist, die von den erotischen Vorlieben ihres Verführers fasziniert zu sein scheint.
    Der Schluß der Oper, den man doch zu kennen glaubt, läßt einen fassungslos und schockiert zurück und wird noch lange nachwirken. Da es immerhin sein kann, daß die Inszenierung in einer der kommenden Spielzeiten noch einmal zu sehen sein wird, und der Eine oder Andere hier die Vorstellung besucht, will ich ihn hier nicht verraten.
    Da die Partien, bin in die kleinsten Nebenrollen gut bis herausragen (Ralitsa Ralinova als Gilda und der überragende Pavel Yankovsky in der Titelrolle) besetzt sind, war das ein Abend, der sich auch musikalisch an vielen großen Opernhäusern dieser Welt hören lassen könnte. Ich bin aber froh, daß er hier zu hören ist und nicht woanders.
    Ein Wort noch zu Catriona Morison, die ja vor kurzem den BBC Cardiff Singer of the World Wettbewerb gewonnen hat und hier die Maddalena gibt: daß sie mir stimmlich ausgesprochen gut gefallen hat ist die eine Sache. Eine andere ist, was Regisseuer und Darsteller aus dem Quartett und den darauf folgenden Szenen machen. Etwas Großartiges nämlich.
    Maddalena ist hier keine Tänzerin, sondern Kellnerin im Stammlokal der Partei „Mantua United“.Sie ist bereits bei der Wahlparty im ersten Bild auf der Bühne anwesend und sie hört und sieht so Einiges. Im Quartett flirtet sie nicht, wie sonst üblich, mit dem Herzog, sondern versucht sich verzweifelt in Deeskalation: der Herzog spielt wieder einmal eines seiner perversen Spielchen bei dem eine geladene Pistole die Hauptrolle spielt.
    Am Ende des Quartetts ist Maddalena fix und fertig und froh, daß sie den Kerl erstmal los ist.
    Zunächst.
    Sie erholt sich überraschend schnell und ihr wird klar, daß sie vielleicht eine der wenigen Frauen ist, die dem Herzog gewachsen sind. Sie traut sich die Kraft zu, ihn dauerhaft zu faszinieren und so bittet sie ihren Bruder, den povero giovin zu retten. Nicht weil er grazioso tanto wäre, sondern weil sie die (zweite) Frau an seiner Seite sein will. Eine Maitresse en titre die, bei aller Gefahr, eine nicht zu unterschätzende Macht in die Hand bekommt: Macht über den Herzog mit seiner abartigen Sexualität, Macht über ihren Bruder, der sich das Salär als Securitychef durch Mordaufträge aufbessert und Macht über den Medienaffen Rigoletto, der bis zum Hals in der Patsche steckt sollte Maddalena jemals ins Plaudern kommen.
    Das Alles erzählen Regisseur und Darsteller mit dem guten alten Operntext von 1851 und es wirkt nicht eine Sekunde unglaubwürdig.
    Ob Verdi das Alles gefallen hätte? Keine Ahnung, aber Verdi ist tot und ich nicht. Mir hat es gefallen. Sehr.
    Ein Abend, der mich sehr dankbar zurückgelassen und mir wieder einmal verdeutlicht hat, warum ich lieber in die Oper als ins Fußballstadion gehe.
    Hier die Besetzung der besuchten Vorstellung:
    Herzog von Mantua: Sangmin Jeon
    Rigoletto: Pavel Yankovsky
    Gilda: Ralitsa Ralinova
    Monterone: Lucia Lucas
    Ceprano: Oliver Picker
    Marullo: Simon Stricker
    Borsa: Mark Bowman-Hester
    Sparafucile: Sebastian Campione
    Maddalena. Catriona Morison
    Opernchor der Wuppertaler Bühnen
    Sinfonieorchester Wuppertal
    Dir.: Johannes Pell
    P.S:
    Und ja: da steht im Programmheft wirklich Lucia Lucas, dabei ist der fluchende Monterone nach wie vor ein Kerl, wie sich das gehört.
    P.P.S.:
    Habe ich erwähnt, daß ich den Wuppertaler Opernchor schon sehr lange sehr liebe? Nein? Okay: ich liebe den Wuppertaler Opernchor sehr, und das schon sehr lange.
    Trailer: http://www.wuppertaler-buehnen…pi1%5Bperformance%5D=1107
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    Ich verstehe Wotan ja auch nicht wirklich - zuerst weigert er sich so standhaft dagegen, das "frevelnde Paar" zu bestrafen, er bringt sogar noch Argumente dagegen usw. Dann lässt er sch doch umstimmen, und als er sieht, dass Brünnhilde Sieglinde rettet, führt er sich noch auf, anstatt zu sagen "Ok, Siegmund ist tot, das reicht".


    Wotan tötet ja auch Hunding, leider weiß ich nicht warum.


    Wotan ist der Chef im Ring. Er kann sich von Bünnhilde nicht auf der Nase rumtanzen lassen, auch wenn er ihren Rettungsversuch ganz klammheimlich befürwortet.
    Wo soll denn das hinführen wenn sowas erstmal einreißt, da könnte ja jeder kommen...etc., etc., etc.
    Warum Wotan Hunding tötet?
    Ich habe den Ring bisher erst einmal gesehen, bin also ein ziemlicher Wagner-Neuling (und sollte vielleicht meine Klappe halten), aber in der Inszenierung die ich gesehen habe (MET, Robert Lepage) hatte ich den Eindruck, daß Wotan sich einfach abreagieren mußte: Brünnhilde ungehorsam, Siegmund tot und im Übrigen konnte er Hunding nie leiden, der ja nach Walhall "nicht taugt".
    By the way: was so entsetzlich an der Verbindung zweier Menschen sein soll die zwar Geschwister sind, aber nicht als solche aufgewachsen sind und sich (zunächst) unter anderen Vorzeichen begegnen, habe ich nie verstanden. Nicht in der Oper und nicht im wirklichen Leben.

    Ich glaube in der Tat, daß es die Kompromisse die Menschen machen die beschlossen haben glücklich zu sein sind, die manche Regisseure nicht ertragen können.
    Um nochmal auf die Zauberflöte zu kommen: es ist heute einfacher, Sarastros Welt in Bausch und Bogen zu verdammen und als faschistisch darzustellen, als die Brüche, die es in dieser Welt ohne jeden Zweifel gibt, stehen zu lassen und zu akzeptieren, daß jeder Charakter der Oper anders dmit umgeht. Pamina und Tamino nehmen um der hehren Ideale willen diese Welt hin wie sie ist, Papageno will damit nix zu tun haben haben und geht mit Papagena seiner Wege. Genauso ist das Leben: jeder zieht andere Konsequenzen. Daran ist nichts schlimmes und der Zuschauer mag selber entscheiden, welchen Weg er für besser hält. (ICH habe mich entschieden :D ).
    Am tragischen Ende mit aller Gewalt stört mich, daß der Zuschauer oft für blöd gehalten wird: als würden wir die Kehrseite eines heiteren Endes nicht mitkriegen wenn man es uns nicht mit dem Holzhammer einprügelt. :boese:
    Im Übrigen geht es mir wie Stiffelio: ich höre auch vor allem Opern mit ohnehin tragischem Ausgang.
    Wobei noch die Frage wäre, was tragischer ist: eine Traviata, an deren Ende sich Alfredo nach angemessener Trauerzeit wieder neu, und hoffentlich glückvoller, verlieben wird und Violetta, die ohnehin an ihrer Krankheit gestorben wäre, in Frieden ruht, oder Figaro, an dessen Ende der Herr Graf nach eienr gewissen Zeit der Scham und Reue wieder auf's neue den Fraun hinterhersreigt und alles von vorne losgeht.

    Ein Hamlet mit einem Prinzen der überlebt geht natürlich komplett am Stück vorbei und ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich die Oper zum erstenmal gesehen habe, allerdings finde ich gerade
    diese Umsetzung eines Dramas, trotz der schönen Musik, ohnehin nicht besonders gelungen. :S
    Ein ZWANG zum Optimismus auf der Opernbühne ist selbstverständlich nicht gutzuheißen, aber mit der Brechstange ales in eine Tragödie zu verwandeln kann auch nicht die Lösung sein.
    Ich gebe zu, daß die Zauberflöte hier in der Tat nicht das beste Beispiel ist, denn Sarastro und seine Mannen kann man durchaus und mit einem gewissen Recht als dubiose Sekte interpretieren.
    Eine sehr gelungen Umdeutung eines ursprünglich heiteren Finales habe ich vor einigen Jahren in unserem Theater erlebt: in „Siroe, Re di Persia“ gibt es dieses sehr seltsame Happy End: nachdem Siroes Vater, König Cosroe die komplette Familie von Emira im Kampf getötet hat, heiratet Emira nach diversen Verwicklungen Siroe, der von ihr verlangt, den Haß auf seinen Vater aufzugeben. Emira ist in einem ähnlichen Konflikt wie Aida: hin- und hergerissen zwischen Haß und liebe. Am Schluß zerbricht Emira, entgegen dem was im Text steht, an diesem Konflikt. Sie heiratet Siroe, wird aber wahnsinnig. Das hat erstaunlich gut zur Musik gepasst, und mich mit dem seltsamen, unpassend heiteren Ende versöhnt. Im allgemeinen aber mag ich es nicht, wenn eine Komödie zur Tragödie umgedichtet wird, sooo schlimm ist das Leben gar nicht und manche Dinge gehen nunmal
    tatsächlich gut aus.
    Zum Glück.

    Ich glaube ja ohnehin, daß es leichter ist ein (scheinbar) harmloses Stück mit Happy End in eine Tragödie zu verwandeln als in einem Stück mit tragischem Ausgang einen versöhnlichen Zug zu finden.
    Eine Welt zu zertrümmern ist nicht besonders schwer.
    Sarastro als Sektenführer, Vergasungen im Tannhäuser und bald vielleicht ein paar Vergewaltigungen im Liebestrank (immerhin kommen da Soldaten ins Dorf, und man weiß ja, wie die so drauf sind) und ab dafür.
    Nicht daß ich das gut fände, aber ich frage mich schon, warum sich das umgekehrt niemand traut: Butterfly retten ohne sie Suzuki und ihr Kind meucheln zu lassen. Natürlich: weil es nicht zur Musik passt und nicht im Textbuch steht, aber das stört andersherum ja mittlerweile auch immer weniger Regisseure. Also gehe ich davon aus, daß ein glückliches Ende spießig und etwas für Idioten ist und verhindert werden muß, während ein möglichst düsterer, möglichst lethaler Ausgang nur begrüßt werden kann... ;+)

    Ich habe irgendwo mal von einer Traviata läuten hören in der Violetta ihre Krankheit nur vortäuscht, wohl um ihre Gunst ganz besonders teuer an den Mann bringen zu können, da es sich bei ernster Krankheit um eine Waare handelt, die es bald nicht mehr geben wird.
    Wie auch immer, durch die Beziehung zu Alfredo emanzipiert sie sich irgendwann von ihrem bisherigen Leben, will aber auf Dauer doch nicht mit ihm zusammenleben und spaziert nach der Sterbeszene tatsächlich munter in ein neues, selbstbestimmtes Leben ohne Mann.
    “Ah! ma io ritorno a viver!”
    Wem’s gefällt…
    Ansonsten träume ich ja schon lange von einer Madama Butterfly bei der die kleine Frau Schmetterling überlebt, Pinkerton ihr den Dolch aus der Hand schlägt, seine Frau in die Wüste schickt und mit Cio-Cio San und Kind glücklich lebt bis ans Ende seiner Tage.
    Wolfram Goertz hat in seiner Kolumne im Fono Forum schon vor Jahhren gefordert: "Rettet Mimì!" :angel:

    .


    Was ich auch nicht leiden kann, ist die Inflation von Anführungszeichen. Man muß nicht jedesmal ein Wort in Anführungszeichen schreiben, wenn man es im übertragenen Sinne anwendet.


    Wenn sie denn wenigstens nur dann angewendet würden....
    Bastian Sick bringt dieses abschreckende Beispiel einer Speisekarte:
    Ein kleiner Gruß aus unserer "Küche" :shake:
    Ich habe neulich auf einem Plakat gelesen
    Wir wünschen unseren Kunden "Frohe Ostern". :thumbdown:

    Ich hab' auch eine Sammlung von über 20.000 CDs und Platten. Die Sammlung hat auch einen Namen. Sie heißt Stadtbibliothek.


    :thumbup:
    Geht mir genauso. Ich bin sogar die Herrin einer solchen Samlung, da ich in der Musikbibliothek meiner Stadt arbeite. UND ICH BESTIMME WAS GEKAUFT WIRD. :D Und was rausfliegt...
    20.000 sind es allerdings nicht sondern nur etwa 4500. Wir sind ja aber auch eine kleine Stadt ohne Geld.

    "The Vagabond" liebe ich auch ganz besonders. "The lads in their hundreds" gehört zum bewegendsten, was ich je von einer menschlichen Stimme gehört habe. :juhu:
    Habe die CD länger nicht mehr gehört, ich glaube, die kommt gleich mal auf den Tisch des Hauses!

    Ich habe ebenfalls ein Abo und ich bin froh darüber. Es spart tatsächlich Zeit, Geld und Nerven, es bringt mich tatsächlich dazu, meinen manchmal arg bequemen Hintern vom Sofa zu bewegen und ins Theater zu gehen wo es sonst eine DVD oder CD auch getan hätte. Und es bringt mich dazu, Werke anzusehen und zu hören, für die ich mir freiwillig keine Karte gekauft hätte, also erweitere ich, wenn auch manchmal unfreiwillig 8+) meinen Horizont.
    Und ganz wichtig: mein Abo ist meine Solidaritätserklärung an unser Orchester, das man in dieser Stadt in der ich lebe einsparen und abschaffen will.
    Die Bermerkung daß man ohne Abo "nicht grundlos" ins Konzert geht fand ich trotzdem witzig, denn manchmal gehe ich tatsächlich nur aus einem Grund: weil ich ja das Abo habe. :D Was ist so schlimm daran?

    Selbstverständlich gehört der Umgang mit religiösen Symbolen auf der Bühne zur künstlerischen Freiheit. Ein Christ, dessen Glaube ins Wanken gerät, weil ein Bühnendarsteller das Kruzifix falsch herum aufhängt, mit dessen Glauben ist es m.E. nicht weit her. Man darf das geschmacklos finden, ebenso wie man "Das leben des Brian" geschmacklos finden darf wenn man will, aber Blasphemie ist das nicht. Hier wird nicht die Religion verspottet (und auch das sollte in einer Demokratie erlaubt sein!), sondern eine Aussage über den Bühnencharakter gemacht, der mit dem Kreuz umgeht.
    Ich bin Christin aber keine Fanatikerin und fühle mich von so etwas nicht beleidigt. Und ich kann immer wieder über "Das Leben des Brian" lachen.

    Ich habe niemals den "Troubadour" gehört und kenne nur Highlights wie "Il balen..." das "Miserere" und "Di quella pira". Peinlich, peinlich, aber ich habe auch keinerlei Lust, mir das Ding jemals anzuhören. Keine Ahnung warum.
    Meine Wagner-Lücke habe ich letztes Jahr geschlossen und den Ring aus der MET an zwei Wochenenden im Opernkino erlebt. Ich bin hingerissen, begeistert und infiziert und ich hätte nie gedacht, daß ich das mal über Wagner schreiben würde....
    Ach ja: die Matthäuspassion habe ich auch nie gehört. Immer nur Johannes :pfeif:

    Hallo Yukon!
    Auch von mir herzlichen Dank für den Link!
    Es ist im Film (und wie ich dem Link entnehme offenbar auch in Vernes Roman) unübersehbar, daß neben Bram Stoker auch E.T.A. Hoffman für die Handlung Pate gestanden hat.


    "Skyfall" habe ich am Wochenende gesehen und ich muß gestehen, daß ich die Begeisterung nicht immer nachvollziehen konnte. Im ersten Teil des Films gibt es m.E. vor allem perfekt choreographierte, beeindruckende, jedoch auf Dauer etwas langweile Bilder, aber die Geschichte vom müden Helden ist in letzter Zeit in diversen Filmen abgefrühstückt worden, zuletzt in "Batman" (2 1/2 verschenkte Stunden meines Lebens... :thumbdown: ), aber immerhin: sobald Javier Bardem auftaucht wird's genial.
    "Wer sagt ihnen, daß es mein erstes Mal ist?" :mlol: :mlol: :mlol: :thumbup:
    Ich gebe zu, daß ich an den alten Bond-Filmen hänge: halbnackte Mädels, geschüttelte Martinis, coole Sprüche und ja - auch explodierende Stifte 8+)
    Mein Lieblingsbond ist, und ich weiß, daß ich damit ziemlich allein stehe, im übrigen Timothy dalton der für mich die richtige Mischung aus Charme, Action und unterschwelliger Grausamkeit mitbringt. :juhu:

    Am Sonntagabend gesehen: „Das Geheimnis der Burg in den Karpaten“, 1981 in der Tschechoslowakai nach einem Roman von Jules Verne gedreht.
    Ich kenne die Romanvorlage nicht und weiß daher nicht, ob sie auch so absurd-amüsant ist wie die Verfilmung: Graf Teleke von Tölökö der als „Il Contecanto“ auf der Opernbühne Triumphe feiert, versucht vergeblich den Tod seiner Geliebten, der Opernsängerin „Salsa Verde“ zu vergessen und begibt sich auf eine Reise durch die Karpaten. Wie es die Gegend an sich hat, passieren schon bald unheimliche Dinge in einem unheimlichen Schloß.
    Der Film ist Trash in Reinkultur, aber ausgesprochen witzig, und das Ende erinnert sogar ein bisschen an „Hoffmanns Erzählungen“...

    „Frei nach Weber“ trifft es tatsächlich recht gut.
    Mittlerweile habe ich in einer offiziellen Besprechung gelesen, daß die Regisseurin Elemente der Vorlage von August Apel übernommen hat. Leider kenne ich bisher die Erzählung nicht (das „Gespensterbuch“ ist allerdings vollständig bei jpc zu haben. Vielleicht zu Weihnachten... :angel: ). Hier endet das Ganze ja wesentlich tragischer, u.a. kommt Käthchen (Agathe) tatsächlich zu Tode. Insofern ist diese düstere Sicht auf das Geschehen immerhin nachvollziehbar.
    EDIT
    Teile der "neuen" Dialoge und im Text vorkommende Zaubersprüche stammen auch aus "Deutsche Mythologie" von Grimm. Das habe ich erst gestern Abend dem Programmheft entnommen. Es wäre wirklich gut, wenn das Ensemble es schafft, die Textverständlichkeit der gesprochenen Dialoge bei künftigen Aufführungen zu verbessern.

    Hallo Algabal!
    Ich bin sehr gespannt, ob sich deine Eindrücke mit meinen decken!
    Samiels Rolle wurde übrigens nicht nur was sein agieren auf der Bühne angeht aufgewertet, er spricht auch einen Großteil der Texte die in anderen Aufführung z.B. Kaspar zufallen. Ein großes Manko war allerdings die schlechte Textverständlichkeit der Dialoge, vor allem wenn mehrer Akteure gleichzeitig gesprochen haben. Da die Dialoge wie gesagt zum Großteil neu waren, war das manchmal ein echtes Problem.

    Weber: Der Freischütz, Wuppertal, 14.9.2012

    Besetzung:
    Ottokar Thomas Laske
    Kuno Olaf Haye
    Agathe Banu Böke
    Max Niclas Oettermann
    Kaspar John In Eichen
    Ännchen Dorothea Brandt
    Kilian Boris Leisenheimer
    Eremit Martin Js. Ohu
    Samiel Marco Wohlwend
    Sinfonieorchester Wuppertal
    Opernchor Wuppertal
    Leitung: Florian Frannek
    Regie: Andrea Schwalbach




    Regisseurin Andrea Schwalbach verlegt die Oper vom 17. Jahrhundert in die Zeit der 1950er Jahre und bürstet das Stück, wie in Wuppertal seit einiger Zeit nicht unüblich, ordentlich gegen den Strich. Sie hat den düstersten, hoffnungslosesten und deprimierendsten Freischütz auf die Bretter gebracht, den ich je gesehen habe.
    Zu Beginn der Ouvertüre befindet sich das komplette Freischütz-Personal auf der Bühne und schnell wird deutlich: bei Oberförsters und im Dorf hängt der Haussegen gewaltig schief, das Böse lauert immer und überall und von Beginn an ist klar: das hier kann kein wirklich gutes Ende nehmen. Der strahlende C-Dur Schluß der Ouvertüre wirkt wie blanker Hohn...
    Das Bühnenbild besteht aus einem Bretterverschlag, der im Verlauf der Handlung auch als Kulisse zu Agathes Heim, zur Wolfsschlucht und zum Ort des Probeschusses dienen wird. Die Dorfgemeinschaft trägt 50er Jahre Mode: Petticoat und Dauerwellen die Damen, Anzug die Herren. Agathe steht im schneeweißen Brautkleid mitten unter ihnen und scheint unglücklich. Die Reaktionen ihrer Nachbarn machen deutlich, daß es um Agathes Tugend nicht so bestellt ist wie es zu wünschen wäre, und das es gute Gründe gibt, sie schnellstmöglich unter die Haube zu bringen - und daß es nicht unbedingt Max ist, der für Agathes, nennen wir es „Zustand“, verantwortlich ist. Also: Agathe soll verheiratet werden, fühlt sich aber immer noch zu Kaspar hingezogen...oder doch zu Samiel? Der schwarze Jäger ist hier kein schwarzer Jäger, sondern ein Spießbürger mit Aktentasche, Termoskanne, braunem Anzug und Pomadenfrisur. Ein wenig lächerlich aber nicht zu unterschätzen: Während Max von Wäldern und Auen singt, meuchelt Samiel den Bauern Kilian: er küsst in auf den Mund und stößt ihm einen Dolch in den Bauch, Blut quillt aus Bauch und Mund, es wird nicht das letzte mal gewesen sein...
    Alle in diesem Stück sind auf den dunklen Jäger angewiesen, alle sind verrückt nach ihm und jedem gibt er, was er braucht: für Kaspar ist er zunächst der Kumpel mit dem er derbe Witze über Maxens Verzweiflung und seine Liebe zu Agathe macht, für Max ist er selbstverständlich scheinbare Rettung in höchster Not, für Agathe und Ännchen ist er Gesellschafter im einsamen Forsthaus: sie flirten mit ihm, sie machen sich mit ihm über Unwetter, herabstürzende Bilder und böse Vorzeichen lustig – und sie konkurrieren miteinander, denn beide würden lieber Heute als Morgen Gefährtin des Bösen werden und buhlen um seine Aufmerksamkeit. Agathe spielt die verliebte Braut, Samiel den schmachtenden Bräutigam – mit einer Hirschmaske samt mächtigem Geweih auf dem Kopf...
    Wenn Ännchen „Kommt ein schlanker Bursch gegangen“ singt, dann flirtet sie Samiel an statt Agathe aufzumuntern, Agathes „Er ist’s! Er ist’s! Die Fahne der Liebe mag weh’n!“ gilt ganz eindeutig nicht Max, denn als er eintritt ist sie überaus verwirrt und wenig erfreut.



    Die Wolfsschlucht entbehrt jeder Schauerromantik und ist von einer Grausamkeit, die ich so schnell nicht vergessen werde, und die mir sehr an die Nieren gegangen ist. Dabei fängt es eher banal an: auf strahlend heller Bühne wird eine Jungfrau geopfert, die Kaspar als Gastgeschenk für Samiel mitbringt. Der küsst die Dame blutig und kommentiert genüsslich „Du hast gut gewählt“. Im Laufe der Szene fließt wieder viel Theaterblut wenn der Halbtoten sämtliche Adern geöffnet werden. Kaspar und Max gießen die Freikugel nicht – Samiel würgt sie in einem qualvollen, nicht enden wollenden Akt aus seinem Innern hervor und spukt sie in zwei Schüsseln die von Agathe und Ännchen gehalten werden. Fräulein Agathe ist schlecht gelaunt, denn sie hat zuvor mit anhören müssen wie Samiel zu Kaspar gesagt hat „Ich will Agathe noch nicht“. (Die moderne Version von „Noch hab ich keinen Teil an ihr“ und m.E. durchaus falsch übersetzt...) Das wilde Heer kommt nicht vor, Luchs und Wiedehopf bleiben ungeschoren, stattdessen werden, als mehr Blut zur Geburt der Freikugeln nötig wird, einem armen Teufel beide Augen ausgestochen – denn nicht nur die unmittelbar betroffenen wohnen der Freikugelgewinnung bei, sondern die ganze Dorfgemeinschaft. Sechs Freikugeln würgt der Teufel für Max und Kaspar hervor. Die siebente, die Teufelskugel, erbricht Max selber ... eine schauerliche, entsetzliche Szene die mir seither nicht aus dem Kopf geht.


    Am Morgen danach sind alle arg ramponiert und blutverschmiert: Agathes ehemals weißes Brautkleid ähnelt dem Gewand der Lucia di Lammermoor nach dem Gattenmord, Ännchen, die Brautjungfern, die Jäger, sie alle sehen wüst und derangiert aus. Die tote Jungfrau aus der Wolfsschlucht sitzt, mit weißen Rosen geschmückt, auf einem Stuhl. Der geblendete Dorfbewohner dem die Augen ausgestochen wurden irrt hilflos umher... Agathes „Und ob die Wolke sie verhülle“ ist in diesem Zusammenhang kaum auszuhalten, denn wem immer sie sich anvertraut, ein gütiger Vater ist es nicht... Ännchens Lied vom Kettenhund Nero erzürnt nicht Agathe sondern Samiel, den Ännchen daraufhin umschmeichelt und umgarnt: „Du zürnest mir? Doch kannst du wähnen, ich fühle nicht mit dir?“ Übermütig kokettiert sie mit Samiel, übermütig küsst sie ihn auf den Mund und stellt mit Erstaunen und kindlicher Freude fest, daß sie die Erste und Einzige ist für die dieser Kuß folgenlos bleibt: kein Blut strömt ihr aus dem Mund... zum erstenmal ist Satan selbst verwirrt, verlegen und fast ein bisschen schüchtern. Agathes Erschrecken vor der Totenkrone findet nicht statt, denn sie selber ist es die, grausam und nicht mehr ganz bei sich, dem toten Mädchen aus der Wolfsschlucht die weißen Rosen aus dem Haar nimmt und ihn sich mit einem spöttischen „Der Kranz einer Toten!“ aufs Haupt drückt, gemeinsam zieht man zur Festwiese um dem Probeschuß beizuwohnen.
    Fürst Ottokar ist ein alberner Operettengeneral (und Thomas Laske wunderbar in dieser kleinen Rolle), der nichts, aber auch gar nichts mitkriegt von dem was um ihn herum passiert und der den Jägerchor mit großen Bewegungen und albernem Lächeln dirigiert. Als Ziel für den Probeschuß gibt er nicht eine weiße Taube an, sondern deutet auf Kaspar, was alle erstarren lässt. Dann stellt sich Agathe schützend vor den ehemaligen Geliebten, Max schießt, Kaspar fällt tödlich getroffen tu Boden und Agathe bleibt wie durch ein Wunder unverletzt. Endlich hat dann auch Ottokar gemerkt das hier irgendetwas ganz und gar nicht in Ordnung ist und fragt nach. Kaspar wird in die Wolfschlucht geworfen, Max das Landes verwiesen, alles stürzt sich auf Ottokar und bestürmt ihn um Gnade, vergeblich. Großes Getümmel, dann mitten aus dem Getümmel heraus eine Stimme: „Wer legt auf ihn so strengen Bann?“, und das ist der erste wirklich bewegende Moment des Abends: der da um Vergebung bittet ist kein Eremit, sondern der Blinde aus der Wolfsschlucht der begriffen hat: Haß und Unversöhnlichkeit bringen immer nur neuen Haß und neue Unversöhnlichkeit hervor. Selbst Ottokar in seiner Lächerlichkeit scheint bewegt und vergibt. Agathe und Max nehmen sich verstohlen und unendlich vorsichtig bei der Hand: der erste Moment der Zärtlichkeit zwischen ihnen und eine zarte Hoffnung auf Annäherung. Aber es ist zu spät, Agathe ist dem Bösen zu nahe gekommen: während der Chor dem Publikum den Schlußgesang entgegensingt, quillt ihr das Blut aus dem Mund...


    Zum Musikalischen: Mir hat die Aufführung musikalisch gut, in manchen Momenten sehr gut gefallen. Vor allem John in Eichen als Kaspar und Martin Ohu mit seinem kurzen aber beeindruckenden Auftritt als Eremit brauchen sich hinter größeren Namen keinesfalls zu verstecken. Niclas Oettermann als Max klingt manchmal etwas angestrengt, singt aber in jedem Moment textverständlich und kriegt das Terzett „Wie? Was? Ensetzen?!“ wirklich großartig hin. Banu Böke hat mir diesmal nicht ganz so gut gefallen wie sonst, aber ihre Stimme hat nach wie vor ein sehr schönes, warmes Timbre. Herausragend sind m.E. der Wuppertaler Opernchor und das Sinfonieorchester. Wer sich selber einen Eindruck verschaffen möchte, bitte schön: Klick


    Mein Fazit:
    Mit diesem Freischütz geht es mir, wie vor geraumer Zeit mit der Wuppertaler Zauberflöte: ich kann nicht sagen, dass es mir rundherum gefallen hat, aber mir geht die Inszenierung nicht aus dem Kopf und ich denke immer noch darüber nach. Der Konflikt Gut – Böse läuft ins Leere, da er hier nicht stattfindet: alle sind sie mehr oder weniger intensiv mit dem Teufel im Bunde, keiner ist unschuldig oder geschützt. Keiner mit Ausnahme des Eremiten (der hier kein Eremit ist) der die Situation aber auch nicht mehr wirklich retten kann. Gefallen hat mir der Gedanke, dass hier eine junge Frau vor den Altar gezwungen werden soll weil es gerade so gut passt: Max ist (eigentlich) ein guter Jäger und würdiger Nachfolger von Agathes Vater, die Tochter in einer Situation in der sie sich glücklich schätzen darf, einen anständigen Mann „abzukriegen“, denn Kaspar kommt vielleicht als Liebelei aber kaum als Schwiegersohn und Ehemann in Frage. Gefallen hat mir auch, dass deutlich wird, dass nicht nur die, die sich mit dem Teufel einlassen schuldig sind, sondern auch die, die durch ihren Hohn, ihren Spott und ihre Gehässigkeit andere in eine ausweglose Situation drängen, daher war es m.E. ein guter Gedanke, die Dorfbevölkerung (deren Spottgelächter eben nicht nur „in Güte und Liebe“ erklingt) in der Wolfsschlucht zu Erfüllungsgehilfen Samiels zu machen.
    Gestört hat mich, dass Agathes Charakter doch sehr verfälscht wurde, aus dem Mädchen dem das Böse selbst im Tod nichts anhaben könnte, ist eine willige Braut Luzifers geworden.
    Von den Originaldialogen ist Übrigens nicht viel übrig geblieben, sie wurden zusammengestrichen, verändert oder gleich ganz neu geschrieben. Einige wenige Originalzitate wurden eher mit ironischer, großer Operngeste parodiert. (Herrlich war zum Beispiel Maxens sturzbesoffenes „Um Mitternacht!!! In der Wolfsschlucht!“ :mlol: ). Alles in allem ein Freischütz, den ich mir nicht wieder ansehen würde, der mich aber doch sehr beeindruckt hat. Irgendwas muß die Regosseurin richtig gemacht haben, sonst ginge er mir nicht seit Freitag ständig im Kopf herum...
    Für die Regie gab es neben Applaus übrigens auch laute Buh-Rufe...