Beiträge von andréjo

    @ Mondnacht:


    Auf die Gefahr hin, dass ich bereits Gesagtes wiederhole, da ich den Thread eher oberflächlich durchgegangen bin.


    Das interessante Phänomen an der Schumann-Vertonung - schon irgendwie auch mein persönliches Lieblings-Kunstlied - besteht darin, dass harmonisch und melodisch erst das Postludium am Klavier eindeutig zur Ausgangstonart zurückführt. Die letzte Verszeile im Irrealis bleibt auch musikalisch in der Schwebe aufgrund des mitschwingenden erniedrigten Leittons. Ein wunderbares Exempel neben manchen Gemälden von Caspar David Friedrich, um die romantische Weltsicht Eichendorffs zu veranschaulichen - nicht zwangsläufig auch die Weltsicht eines Novalis, eines Brentano und natürlich auch nicht eines E.T.A. Hoffmann.


    Der romantische Katholik Eichendorff sieht die Natur nur als Durchgangsstadium hin zum Licht, zu Gott. Das steht konträr gegenüber jeglichem Pantheismus, hat auch nichts zu tun mit der Sturm-und-Drang-Lyrik etwa Goethes in seinem Mailied.


    Da ich kein großer Liedkenner bin, kann ich nur mit vermutlich zwei Einspielungen dienen. Fischer-Dieskau/ Moore wurden oben bereits vorgestellt. Diese Aufnahme habe ich - auf Kassette - meinen Oberstufen-Zöglingen vorgespielt. Die Kassette enthält Liedaufnahmen zu einigen romantischen Gedichten und ist gezielt für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer gedacht.


    :) Wolfgang

    Gewinnen - ja, die Frage lasse ich gelten. Meine Antwort ist klar, aber das ist nun nicht relevant bei einer solchen Diskussion. Was aber soll ich verlieren, wenn etwas beachtet wird, was laut Partitur unmissverständlich vorgeschrieben ist? [Ich weiß schon auch, dass jetzt das Glatteis naht und sich Fragen stellen zum Werkbegriff, falls es einen gibt ... oder gar in Richtung Regietheater ..............]


    Ganz werde ich das Gefühl nicht los, dass ich jetzt anfange, mich im Kreis zu drehen ...


    :wink:

    Ich würde mich hüten, zu behaupten, genau zu wissen, dass ich nachvollziehen kann, was da musikalisch geschieht.

    Niemand hat behauptet, irgendetwas genau zu wissen.

    Da hat halt wieder die zwischenmenschliche Kommunikation mit ihren paralinguistischen Elementen gefehlt. Ich wollte wirklich nur suggerieren, dass ich mich als Nicht-Experten hüten würde ... und dass sich vielleicht sogar Experten bisweilen gerne hüten ...


    Ansonsten gebe ich zu, dass ich Deine Analyse - soweit ich sie verstehe, also vielleicht knapp in Gurnemanz'schem Ausmaß [ ;) :) :) ] - sehr interessant finde. Auch deshalb, weil wir anfangs vor ein paar Stunden doch recht neben der Sache, neben dem Thread vagisiert - das Verb gibt es allerdings nicht -, generalisiert, gefeixt haben. [ ;) :) ] Dass ich Dir, was bissige Ironie auf äußerst gepflegtem Niveau betrifft, nicht über den Weg traue, so Manches zutraue, darfst Du mir zugestehen wollen!


    :wink: Wolfgang

    Doch noch kurz dazu, ganz ernsthaft, jenseits vom konkreten Sachthema sowieso:


    Auch wenn ich jahrzehntelang Musik höre, vieles kenne, vieles auch gelesen habe: Ich würde mich hüten, zu behaupten, genau zu wissen, dass ich nachvollziehen kann, was da musikalisch geschieht.


    Natürlich bin ich kein Profi, aber ob die das so leicht behaupten würden, wenn es wirklich Profis sind?


    Und jetzt höre ich auf ...


    EDIT: Den etwas intelligenteren Beitrag hat soeben noch Gurnemanz geschrieben.

    Die Argumentation geht ungefähr in folgende Richtung:


    Hört man einen klassisch-romantischen Sonatenhauptsatz zum ersten Mal, so kann es sinnvoll sein, die Themen zweimal zu hören, um sie besser zu memorieren und in der Durchführung besser nachzuvollziehen, was mit den Themen geschieht.


    Hat man das Stück jedoch schon zwanzig Mal gehört, so ist diese Wiederholung eventuell nicht nur unnötig, sondern steht der inneren Dramatik sogar entgegen.

    Da spöttelt wieder einer ganz dezent ... :)

    Danke für den Hinweis mit der Expo-Wdh. , die die Sinfonie Nr.2 für mich unnötig verlängert.

    Für mich nicht. Komme grad heim von einem Konzert, bei dem eben diese Symphonie aufgeführt wurde, mit Expositionswiederholung: Da hat alles gepaßt, nichts war "unnötig verlängert". Gerade der geradezu fließende und wunderbar auskomponierte Übergang in die Wiederholung (ich habe gerade darauf besonders geachtet, auch weil ich nicht wußte, ob wiederholt wird) erschien mir logisch und stringent. Ich hatte gar nicht den Eindruck, daß es wieder von vorn beginnt, sondern daß es sich weiterspinnt - es war insgesamt eine eindrückliche Erfahrung, wie sich das dann ergab. Auch hatte ich nicht den Eindruck, daß die Länge des 1. Satzes die Proportionen des Ganzen störte, ganz im Gedgenteil, mir schien: Genauso muß es sein!


    :)

    Eigentlich verstehe ich beim besten Willen nicht, wieso mich eine Wiederholung stören sollte, wenn die Wiederholung vom Komponisten vorgesehen ist, wenn mich das Werk sehr anspricht und wenn es die Interpretation als solche auch tut ...


    :) Wolfgang

    Die drei Henze-Beiträge von mir und Amfortas habe ich in den Henze-Thread kopiert. Vielleicht bitte dort antworten, wenn noch jemand etwas dazu schreiben möchte.


    Danke an Alexander für den Levit-Beitrag dazu. Wenn er mag, kann er ihn ja auch kopieren.


    Dieser Beitrag und folgende Antworten von Amfortas und mir aus dem allgemeinen Hör-Thread kopiert:


    Vorhin gehört - zum zweiten Mal das Werk überhaupt:



    Tristan - Klavierkonzert von Hans Werner Henze


    So eigenwillig wie meines Erachtens schon recht heterogen, was das Material betrifft. Vielleicht liegt er auch nur an mir, dieser Eindruck. Die Werkidee muss ich nicht zwangsläufig nachvollziehen können - bei Musik ja keine Seltenheit, wenn es nicht gerade die Alpensinfonie ist, also blanker Naturalismus. Auf alle Fälle gepflegter Ästhetizismus, späterer Henze eben.


    Amfortas schreibt kurz darauf:


    Bezieht das sich auf Henzes 2. Konzert für Klavier + Orchester oder auf seinen Tristan ? Letztere Notenquälerei (also Tristan) halten meine Löffel bisher mit für seine gelungenste Mucke (sonst sind die nicht so der ganz große Henze-Nerd) ... inzwischen hatten auch Igor levit und FWM mit den Wienern dieser Chose sich angenommen ...


    Nochmals meine Antwort:


    Ich beziehe mich auf den Tristan. Das zweite Konzert finde ich auch bedeutender; es ist schlicht kohärenter gestaltet. Da komme ich mit Amfortas zusammen - welche Überraschung - 8) :)


    EDIT: Ach so! Du findest den "Tristan" bedeutender. Macht gar nichts. Erstens kann ich den noch ein paar Mal hören und besser hineinfinden. Zweitens wirst Du gegen das noch längere zweite Konzert ja auch nichts haben. Beim ersten Hören vor Jahren konnte ich nur wenig mit diesem Konzert anfangen. Das hat sich mit dem zweiten, dritten, vierten Hören - könnte der aktuelle Stand sein - geändert.


    Übrigens besitze ich auch noch die Einspielung mit Rolf Plagge, mit der ich auch das Werk kennengelernt habe. So richtig verglichen habe ich aber noch nicht.


    Dass Du, Amfortas, eine gewisse Distanz zu Henze hegst, wundert mich nun nicht. Er ist ein echtes Chamäleon gewesen und letztlich hat der Schöngeist gesiegt und vielleicht auch der Großkomponist ...


    Seit ich den Henze-Tristan kenne, wird mir allerdings klarer, warum dieser Beinahe-Schlüsselroman von Hans-Ulrich Treichel so heißt, nämlich Tristanakkord ... Vorher, muss ich gestehen, habe ich den Zusammenhang gerade wegen des Romantitels eigentlich nicht verstanden. Dass es aber um niemanden anderen als Henze geht, das muss man sich nicht denken, aber das kann man sich denken, und schnelle Information im Netz - oder vorher schon in der Zeitung - klärt es endgültig.


    Naja - könnte natürlich auch Germanisten-Propaganda sein ...


    :) Wolfgang

    So eigenwillig wie meines Erachtens schon recht heterogen, was das Material betrifft. Vielleicht liegt er auch nur an mir, dieser Eindruck. Die Werkidee muss ich nicht zwangsläufig nachvollziehen können - bei Musik ja keine Seltenheit, wenn es nicht gerade die Alpensinfonie ist, also blanker Naturalismus. Auf alle Fälle gepflegter Ästhetizismus, späterer Henze eben.

    Bezieht das sich auf Henzes 2. Konzert für Klavier + Orchester oder auf seinen Tristan ? Letztere Notenquälerei (also Tristan) halten meine Löffel bisher mit für seine gelungenste Mucke (sonst sind die nicht so der ganz große Henze-Nerd) ... inzwischen hatten auch Igor levit und FWM mit den Wienern dieser Chose sich angenommen ...

    Ich beziehe mich auf den Tristan. Das zweite Konzert finde ich auch bedeutender; es ist schlicht kohärenter gestaltet. Da komme ich mit Amfortas zusammen - welche Überraschung - 8) :)


    EDIT: Ach so! Du findest den "Tristan" bedeutender. Macht gar nichts. Erstens kann ich den noch ein paar Mal hören und besser hineinfinden. Zweitens wirst Du gegen das noch längere zweite Konzert ja auch nichts haben. Beim ersten Hören vor Jahren konnte ich nur wenig mit diesem Konzert anfangen. Das hat sich mit dem zweiten, dritten, vierten Hören - könnte der aktuelle Stand sein - geändert.


    Übrigens besitze ich auch noch die Einspielung mit Rolf Plagge, mit der ich auch das Werk kennengelernt habe. So richtig verglichen habe ich aber noch nicht.


    Dass Du, Amfortas, eine gewisse Distanz zu Henze hegst, wundert mich nun nicht. Er ist ein echtes Chamäleon gewesen und letztlich hat der Schöngeist gesiegt und vielleicht auch der Großkomponist ...


    Seit ich den Henze-Tristan kenne, wird mir allerdings klarer, warum dieser Beinahe-Schlüsselroman von Hans-Ulrich Treichel so heißt, nämlich Tristanakkord ... Vorher, muss ich gestehen, habe ich den Zusammenhang gerade wegen des Romantitels eigentlich nicht verstanden. Dass es aber um niemanden anderen als Henze geht, das muss man sich nicht denken, aber das kann man sich denken, und schnelle Information im Netz - oder vorher schon in der Zeitung - klärt es endgültig.


    :) Wolfgang

    Danke Dir, werter Khampan!


    Vorhin gehört - zum zweiten Mal das Werk überhaupt:


    Tristan - Klavierkonzert von Hans Werner Henze


    So eigenwillig wie meines Erachtens schon recht heterogen, was das Material betrifft. Vielleicht liegt er auch nur an mir, dieser Eindruck. Die Werkidee muss ich nicht zwangsläufig nachvollziehen können - bei Musik ja keine Seltenheit, wenn es nicht gerade die Alpensinfonie ist, also blanker Naturalismus. Auf alle Fälle gepflegter Ästhetizismus, späterer Henze eben.


    Frage und Bitte: Besitzt jemand das Booklet zu dieser Doppel-CD oder kann mir einen Download-Tipp geben respektive Ähnliches? Das würde mich sehr freuen; ein Verfahren fände sich.


    Obiger Langgaard kommt auch bald dran.


    :) Wolfgang

    So isses! Die Scheibe muss ich dringend mal wieder hören. Liege ich richtig mit der Erinnerung, dass man sie kräftig aufdrehen muss wegen der leisen Passagen? Oder positiv formuliert: Sehr breite Dynamik!


    Ich sehe gerade, dass es eine SACD ist - die Abkürzung DR sagt mir nichts. Da ich zwar schon einen SACD-Player, aber keine zusätzlichen Lautsprecher besitze, mag das hier eine Rolle spielen.


    :) Wolfgang

    Ihre Witze changieren zwischen Pennäler-Niveau und Bruhaha irgendwas mit Hitler. Kreativ ist da gar nix. Ihr affektiertes Auftreten und Art zu reden kommt in Deutschland erstaunlich gut an, dazu kommt das Vorurteil, dass der österreichische Humor sooooo schwarz ist. In Österreich ist sie ungleich weniger gehypt.

    Mittlerweile geht es mir mit ihr ähnlich. Ihre politische Linie erscheint mir nicht immer durchsichtig, was freilich das geringste Kriterium darstellen soll. Denn die Welt ist so verdammt undurchsichtig geworden und scheinbar unvereinbare Ideologien nähern sich auf die seltsamste Weise einander an. Ich verstehe, warum jemand wie Dieter Nuhr offenbar gut kann mit Lisa Eckhardt. Ich war lange ein Fan von Nuhr, gerade weil er kein linientreuer Linker ist und eher so etwas wie ein Gutmensch-Skeptiker. Mittlerweile freilich scheint er mir ein linientreuer Konservativer und allzu positiv in seinen Erwartungshaltungen und das brauche ich auch nicht, so sehr er mit Vielem Recht haben mag.


    Allerdings fürchte ich auch, dass Du ganz richtig liegst mit Deiner oben formulierten Taxierung. Lisa Eckhardt ist, meine ich, die Intellektuellere im Vergleich zu Nuhr, aber sie bläst das in der Tat auf eine enervierende Weise auf bisweilen. Da bevorzuge ich dann wieder den viel präziser lakonischen Nuhr. Selbst wenn die Präzision oft auf Simplizität hinausläuft. Eine Simplizität, die sich ums Eck doch wieder mit Linkslastigkeit trifft.


    Wenn also Österreich, so sind mir Josef Hader oder Alfred Dorfer aus durchaus mehreren Gründen sympathischer und ihnen zuzuhören, bereitet mir ungleich mehr schwarzhumorige Freude.


    Wenn indes Tastenrabe - eben auch ganz lakonisch - schreibt: "in ihrer Weise gut" - dann will ich dem keineswegs widersprechen. :P ;) :) :)


    Soweit Off-Topisches - zum Thread fällt mir spontan Folgendes ein. (Wobei mir die CD erst vorhin im Netz über den Weg gelaufen ist. War das hier oder doch woanders? Wuäscht - um Euren genialen Helmut Qualtinger zu zitieren.)



    Streng genommen der falsche Thread - die CD ist bereits erschienen, vor zwei Wochen, wenn ich das richtig sehe. Man möge mir verzeihen.


    :) Wolfgang

    Die Impulse, die mir gesendet werden oder die ich sende ... da kenne ich mich nur wenig aus mit ...


    Aber genau diese zweite Sinfonie in genau dieser Einspielung höre ich mir jetzt auch an. MB sei gerne gedankt. (Eigentlich stünde noch ein Vergleich aller meiner VW-Klavierkonzerte an, doch da bin ich jetzt wieder ein wenig raus und man muss auch verschieben können.)


    London und Novemberwetter indes - das passt doch. Und etwas klangtechnisch Kühles mag ich jetzt auch.


    8) Wolfgang

    Gerald Finzi: Eclogue for Piano and String Orchestra op. 10

    Na, wenn alle Finzi hören, mache ich natürlich auch mit. Finzis "Eclogue" für Klavier und Streicher op. 10 gehört für mich zu den schönsten Werken für Klavier und Orchester überhaupt. Ich besitze zwei Einspielungen: Howard Shelley/Richard Hickox und Peter Katin/Vernon Handley. Beide werde ich mir jetzt mal auflegen.


    Das Verlinken der Cover klappt irgendwie nicht. Ich versuche es später noch einmal.

    Das freut mich! Ich kenne auch beide Einspielungen, wie es der Zufall so will, und finde die Musik so schlicht wie wirklich ansprechend.


    Auf diesen Impuls hin:

    Gerald Finzi, Cellokonzert Op. 40. Paul Watkins, BBC SO, Andrew Davis


    Tolles Stück, tragische Umstände. Danke für den Hinweis, wäre von allein wohl nie darauf gekommen, dieses Konzert zu hören.

    Und auch das freut mich!


    :) Wolfgang