Beiträge von andréjo

    Nur zwischendurch: Freut mich sehr, Alexander - und die anderen, die durchaus oder beinahe [;)] angetan sind!

    Heute habe ich mal wieder das erste Quartett gehört. Nach wie vor scheint es mir konventioneller.

    Hier indes die Emersons mit dem zweiten:

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    Gewiss nicht schlecht, wie ich meine - sehnig und kantig und singend, je nach Bedarf - in jedem Fall energisch - energischer als Pavel Haasens Leute vielleicht sogar (von diesem Quartett würde ich mir auch jede CD kaufen und einige stehen längst im Regal! Die Emersons sind ja eher umstritten im Forum, die kenne ich aber zu wenig.)

    Die Bartok-Antenne ist gewiss nicht von der Hand zu weisen, wobei ich gelesen habe, Bartok stünde in den relevanten Werken der Volksmusik immer noch ferner.

    Das glaube ich eigentlich nicht, denn im dritten SQ bezieht sich Bartók sehr stark auf Volksmusik. Dass Prokofjew die kabardinische Volksmusik in diese Form umarbeitet ist für mein Empfinden sehr bartókoid (:)).

    :thumbup: Und es gilt auch für das vierte und fünfte Quartett (zum Beispiel), meine ich. Nur ist, denke ich, ein didaktischer Komplex wie der Mikrokosmos diesbezüglich noch einmal stärker motiviert.

    Zu der Behauptung - wenn ich mich recht erinnere, in einem der online erreichbaren Kurzartikel zu Prokofieffs Kabardinien-Ausflug - hätte ich mir mehr Konkretisierung erwartet, idealerweise im Vergleich mit Bartok. Das scheint leider nicht der Fall zu sein und ich fürchte, dass niemand hier im Forum jenseits von auf der Sekundärebene behaupteten Parallelen in seinem Streichquartett - dazu, wie gesagt, etwas genauer später - bessere Kenntnis über diese kaukasische Folklore besitzt - Irrtum sehr gerne vorbehalten! :)

    Eines möchte ich vor der Heia aber noch schnell und kühn behaupten: All die aufgestellten Parallelen übertreffen nicht im spezifischen Detail jene Konkretheit, die uns bei Bartok bezüglich ungarischer oder rumänischer oder die Roma betreffender Charakteristika begegnet, Elemente, die uns mehr oder minder beinahe [;)] vertraut sind. Insofern - vielleicht ist es oben nicht deutlich genug von mir formuliert gewesen - kann ich mit der betreffenden These vermutlich nicht mehr anfangen als Du!

    Was man eher behaupten kann, wie ich meine: Prokofieff ist in seinen musikalischen Intentionen insgesamt viel weniger ausgeprägt und viel seltener Folkore-Sammler, Folklore-Anverwandler. NB: Das gilt meines Erachtens auch für George Enescu. Der hat mit der dritten Violinsonate eine faszinierende Anverwandlung von Folklore geschaffen, während die Rumänischen Rhapsodien sich bereits davon entfernt haben - und das leider kaum bekannte andere Schaffen von ihm ohnehin.

    Inzwischen habe ich mir den ersten Satz noch einmal angehört und muss sagen, dass mir dieser immer besser gefällt. Da schlägt meine Bartók-Antenne an. Beim zweiten Satz muss ich mehr an Sibelius denken. Kann das wer nachvollziehen?

    Die Bartok-Antenne ist gewiss nicht von der Hand zu weisen, wobei ich gelesen habe, Bartok stünde in den relevanten Werken der Volksmusik immer noch ferner. Allerdings kann ich mir das nicht recht vorstellen, soweit ich gewisse Klavierwerke des Ungarn einschätze. Die Nähe wiederum von Prokofieff zu kabardinischen Anklängen will ich wegen fehlenden Hintergrunds nicht anzweifeln. Ich kann mich gerne noch ein bisschen genauer äußern zu Details, von denen ich ebenfalls gelesen habe, will mich aber erst einmal zurückhalten.

    Sibelius-Anklänge im zweiten Satz - warum nicht? Ich hätte bislang nicht an ihn gedacht - richtig. Aber da ist ein schwerblütiger, romanzenhafter nordöstlicher Tonfall zu spüren - und manche quasi dem Wind ausgesetzte milde bis raue Gebirgsatmosphäre - völlig anders als im Kopf- und im Finalsatz. Und ich weiß ja jetzt, wo die Heimat der Kabardiner auf der Landkarte liegt. Das ist nicht im Nordosten, aber vertikal höher ist es nur noch stellenweise im Himalaja oder in den Anden.

    Das Kyrillische ist ja auch in Enzyklopädien eine elende Crux

    Eigentlich machen es die Russen cleverer in die andere (also ihre) Richtung. Sie transkribieren die ausländischen Namen so in die kyrillische Schrift, wie sie ausgesprochen klingen. Unseren Serjoscha spricht man eigentlich Sirgjej Prakofjew aus.

    Interessant - Ersteres wusste ich nicht! :thumbup: Dass sich "Prokofieff" - der IPA/ API zufolge - in etwa so ausspricht, wie Du oben in lateinischen Buchstaben angibst, das konkret wusste ich. Und das Phänomen "Serjoscha", "Aljoscha" etc. statt Sergej oder Alexej ist mir von der Dostojewski-Lektüre bekannt (- wobei mein Sohn bezüglich D. weiter ist und der hat keine Literatur studiert ...)

    Na, da lag ich ja nicht ganz so falsch, auch wenn ich das "i" vergessen habe.

    Hast Du nicht! Es ist einfach die französische Schreibweise zitiert, derer er sich in seinen pariser Jahren selbst bediente: Serge Prokofieff. So findet man ihn auch bei jpc, übrigens.

    Der Kollege Meritis hat natürlich Recht und ich hatte deshalb oben vorbeugend einen Nachsatz zu den Schreibungen verfasst. Das Kyrillische ist ja auch in Enzyklopädien eine elende Crux - denn wer kennt schon die wissenschaftliche Transliteration auswendig ... Schlecht2:)

    PS: Und jetzt kommen auch Einspielungen, die ich nicht gefunden hatte, was mich freut. :thumbup:

    Gratulieren - vermutlich ;) - darf ich Wieland!

    Denn die nächsten Tage würde ich mich freuen über Eure Sicht auf

    Sergei Prokofieff (1): Streichquartett, Nr. 2 (1941), op. 92, über kabardinische Themen, F-Dur

    Im Jahr 1941 wurde Moskau trotz eines Nichtangriffspaktes von den deutschen Truppen bedroht und eine Reihe russischer Intellektueller begab sich in den Kaukasus. Die Ethnie der Kabardiner lebt östlich des Schwarzen Meeres und nördlich der heutigen Republik Georgien. Dieser Landstrich kennt markante Volksmusik und Prokofieff ließ sich von ihr beeindrucken - bekanntermaßen ist seine Musik nicht sonderlich häufig deutlich geprägt von Folklore.

    Im Internet gibt es eine Reihe von Beispielen originaler Musik. Auf Links möchte ich verzichten, da sich mir die Parallelen nicht über Gebühr aufdrängen und ohnehin kein Hintergrundswissen vorhanden ist. Aber es dreht sich ja hier nicht primär um mein Wissen und meine Interessen.

    Das zweite Quartett kenne ich seit vielleicht fünfzig Jahren - ob es sich lohnt, damals mitgeschnittene Einspielungen, von denen ich wohl eine einzige noch ins Gerät schieben kann, zu recherchieren, bin ich mir unsicher, aber ich melde mich gerne diesbezüglich.

    Bereits der Anfang, der harmonisch äußerst eigenwillig ist und rhythmisch markant, hat mich stets begeistert. Auf CD scheint das Quartett nicht sonderlich oft vertreten zu sein. Prokofieffs erstes Quartett (und das zweite) hingegen besitze ich auf CD mit dem Pavel-Haas-Quartett, habe es freilich erst in deutlich jüngerer Zeit kennengelernt - sie stellen unten auch die Aufnahme des zweiten mit Partitur. Mag sein, dass das erste Quartett typischer ist für den Komponisten, vielleicht sogar wertvoller. Das weiß ich jetzt nicht und gehört habe ich es vielleicht drei Mal - durchaus gerne. Doch die Initialzündung hat sich nicht wiederholt.

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    Das Netz bietet einige Seiten mit kurzen Einblicken. Da will ich abwarten und Euch gerne vorlassen.

    Frohes Hören und Wiedererkennen respektive Kennenlernen!

    (1) oder eine der zahlreichen anderen Umschriften ...

    :cincinbier: Wolfgang

    Da ich gewillt bin, mir über die Monate hinweg einen neuen Komponistennamen zu merken, habe ich soeben erst mal Vol. 1 für die nächste Bestellung aus dem Osnabrücker Großraum vorgemerkt.

    Der Rest erklärt sich aus den werbenden Zitaten ... oder auch nicht. :)

    Komisch - ich finde im Regal ja auch sogar drei Aufnahmen mit der 7. Sinfonie. Und sie war auch die erste, die ich bewusst und komplett als Werk von ihm wahrgenommen habe - da bin ich mir ziemlich sicher. Doch jetzt habe ich sie sehr lange nicht mehr gehört und immer den Hintergedanken: Wenn schon Pettersson, dann nicht seine mildtätigste Komposition, nicht seine breitenwirksamste, nicht seine Erfolgsnummer. Ja, komisch. (Die Barfuß-Lieder sehe ich primär als Anregungen für lyrische Inseln und Abrundungen ...)

    Desolat - lakonisch - also mich spricht solches allenthalben an. Hindemith wiederum würde ich gar nicht als spröde bezeichnen, sondern nehme ihn eher als äußerst geschickten Handwerker wahr, der stets solide Konstruktionen erstellt und dort, wo er Herausragendes schreibt, auch den expressiven Rhythmiker oder markanten Melodiker erkennen lässt. Die Harmonik seines mittleren bis späten Schaffens finde ich per se seinen Personalstil charakterisierend.

    Schostakowitsch hat ein gänzlich anderes Naturell und seine Lebensumstände sind ziemlich anders. Die Cellosonate, op. 40 - sie nehme ich jetzt lieber als unmittelbaren Vergleich und nicht seine Sinfonik - ist ein Prachtstück an Melodik - aber das würde doch zu den späten Streichersonaten gar nicht passen.

    Desolat - lakonisch - also mich spricht solches allenthalben an. Hindemith wiederum würde ich gar nicht als spröde bezeichnen, sondern nehme ihn eher als äußerst geschickten Handwerker wahr, der stets solide Konstruktionen erstellt und dort, wo er Herausragendes schreibt, auch den expressiven Rhythmiker oder markanten Melodiker erkennen lässt. Die Harmonik seines mittleren bis späten Schaffens finde ich per se seinen Personalstil charakterisierend.

    Schostakowitsch hat ein gänzlich anderes Naturell und seine Lebensumstände sind ziemlich anders. Die Cellosonate, op. 40 - sie nehme ich jetzt lieber als unmittelbaren Vergleich und nicht seine Sinfonik - ist ein Prachtstück an Melodik - aber das würde doch zu den späten Streichersonaten gar nicht passen.

    https://www.discogs.com/de/release/139…Erard-1897-1905

    Letztere ist so eine tolle Mischung aus lässiger Eleganz und morbider Schwere, die ich faszinierend finde.

    Die muss ich auch mal wieder hören! Immerseel bürgt nicht automatisch für Qualität, wobei die Kritik oft strenger ist, als ich es wäre. Doch an diesen Rachmaninoff habe ich positive Erinnerungen und finde Deine Wertung überdies anregend. :thumbup:

    Ich vergleiche [...] gerne mit Schostakowitschs später Violinsonate aus den späten Sechzigern, die mir, obwohl objektiv weniger todesnah entstanden, noch einmal einsilbiger, noch einmal karger und dadurch noch einmal finsterer erscheint. Vielleicht wird solches indes durch das verwendete Streichinstrument quasi ausgeglichen.

    Wieder einmal habe ich heute - im Vergleich - auch die Violinsonate gehört (mit Oleg Kagan und Richter, das andere Werk auf der CD ist die oben mehrmals erwähnte Violasonate mit Bashmet und Richter in einer der relevanten Einspielungen). Ja, sie ist noch finsterer, wirkt aussichtslos am Ende - im Gegensatz zu unserem Musikstück der Woche. Aber das "karge" und "einsilbige" Element dominiert nicht in dem Maß, wie ich es in Erinnerung hatte. Stattdessen finden sich auch geradezu grell virtuose Passagen, die freilich zumeist sehr ins Atonale treiben.