Beiträge von andréjo

    [...] Außerdem haben durch diese Kanzler-Besetzung ganz sicher viele das Konzert gehört, die das sonst nie getan hätten. [...]

    :) Auch wieder wahr!


    Bei mir schwingt da gewiss ein wenig Ideologie mit.


    Ich mag beide Konzerte, KV 242 und KV 365, eigentlich gleichermaßen - jetzt unabhängig von ihrer jeweiligen musikalischen Bedeutung, deren Beurteilung ich mir als Halblaie auch erst mit Hilfestellung antrainieren müsste.


    :wink: Wolfgang

    Diese Einspielungen der beiden Konzerte habe ich mir in der Tat deswegen nie zugelegt, weil ich solches Gehubere mit fachfremden Prominenten aus Prinzip nicht leiden kann. Das bedeutet weder, dass ich Schmidt als Politiker nicht durchaus geschätzt habe, noch, dass ich seine Amateurbegabung in Abrede stellen möchte. Ansonsten schließe ich mich gerne der Meinung Cherubinos an, der sich hier aber offenbar schon besser auskennt als ich. Justus Frantz wiederum hat sich ja nun rasch zu einer eher fragwürdigen Erscheinung gewandelt - ich glaube nicht, dass das nur meine Privatmeinung ist. Ob er vorher ein bedeutender Pianist war - ich weiß es nicht wirklich, besitze Aufnahmen mit ihm in geringer Zahl (innerhalb der Sony-Beethoven-Box von vor einigen Jahren), die mir weder positiv noch negativ aufgefallen sind.


    :) Wolfgang.

    Heute nach Jahren wieder einmal die Pfingstmesse in den beiden Einspielungen, die mir vorliegen - jeweils das Gesamtorgelwerk umfassend: Olivier Latry und Willem Tanke. Auch wenn mich bei Tanke die Geräuschakustik nach wie vor ein wenig stört, so scheint mir diese Aufnahme vielleicht die interessantere. Das bis auf den Schluss-Satz - dort zwangsläufig - eher im Piano oder Pianissimo gehaltene Werk wird durchwegs getragener musiziert. Dem Gestus des liturgischen Hintergrunds scheint mir dies ebenso besonders zu entsprechen wie schlicht und einfach dem Charakter des kirchlichen Pfingstfests. Banalisierend formuliert: Wort statt Wortlosigkeit, Intellekt statt dessen Ausschaltung, Überwindung statt Versenkung. :versteck2:


    Kann es sein, dass Messiaen sich nur noch im Pianissimo, nur noch für wenige Passagen im vierten Satz an jene Modi erinnert (eins und zwei ?? - bitte jetzt nicht fressen, versteckt habe ich mich ja schon soeben ...), die in den Orgelwerken der Dreißiger, und auch in den Visions de l'Amen oder den Vingt Regards oder natürlich auch in der Turangalila-Sinfonie die großen Apotheosen bestimmen - bis hin zum Kitschverdacht?


    :) Wolfgang

    Iconnu [Werbetext] ist auch hübsch ...


    Meinerseits passend zum Tag und Neue Musik vielleicht nur insofern, als es zu des Meisters spröderen Werken gehört:


    Messe de la Pentecote (1950)



    :) Wolfgang

    Ich denke, andréjo meint das G-Dur-Klavierkonzert von Maurice Ravel...

    Ja, irgendwie kam ich da beim Lesen durcheinander... Grins1

    Ravel meinte ich - eigentlich off topic, habe ich ja geschrieben.


    Nichtsdestotrotz höre ich mir jetzt mal die Mozart-Konzerte an, die ich mit Casadesus in der Box finde - es sind mehrere und ich kenne bislang nur KV 365 und 466. KV 453 ist nicht dabei - danke für den Hinweis an JD. Wer weiß, wonach es mich noch gieren könnte ...


    :) Wolfgang

    Noch vor Casadesus/Szell.

    Diese Aufnahme ist in der Zehner-Box mit Casadesus enthalten (1) - bei KV 365 war vor wenigen Tagen die Rede davon. Von daher wird es höchste Zeit, sie endlich mal zu hören.


    Für solche Tipps wie jetzt dem von Doc Stänker bin ich stets dankbar, denn Ihr seid Kenner der älteren Szene. Das bin ich nicht; ich verbinde normalerweise mit einem Szell keinen Mozart. Vermutlich ausschließlich mein Problem. :)


    Auch weiß ich noch nicht so lange, welche Rolle Casadesus bei Ravel spielt. Das sind eben die Vorzüge solcher Foren für jemanden, der nicht schon seit Jugendzeiten interpretenorientiert ist, sondern eher naiv ein Musikstück nach dem anderen kennengelernt hat. :verbeugung1:


    Und Solomon wird gewiss ein Gewinn sein. Den kenne ich mit seinem Brahms (B-Dur-Konzert) nun schon Jahrzehnte. Beethovens späte Sonaten sind hinzugekommen.


    :wink: Wolfgang


    (1) EDIT: Nein, sie ist bei dieser Auswahl auf drei CDs nicht dabei.

    Die folgende Einspielung habe ich noch im Regal gefunden. Sie ist mir bislang nicht aufgefallen, obwohl mir die Interpreten natürlich ein Begriff sind und auch schon hier die Rede von ihnen war. Ordentliches Mono und gewiss eine passable Interpretation - zügig, sachlich.


     


    Robert und Gaby Casadesus in einer Aufnahme von 1955 mit dem Columbia Symphony Orchestra unter der Leitung von George Szell


    PS und hier nicht passend: Ich besitze die oben abgebildete und mittlerweile offensichtlich verramschte Zehnerbox. Dort soll sich das Ravel-Konzert für die linke Hand befinden, das mir erfreulicherweise auch anderweitig zugänglich ist. Denn die Aufnahme gehört sicher zu den besten dieses Konzerts (1947 mit dem Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Eugene Ormandy). Editorisch leider Schlamperei wie so manches Mal bei diesen Billigsamplern. Denn in Wirklichkeit ist ausschließlich der erste Satz (!) des G-Dur-Konzerts enthalten. Keine Ahnung, was das für eine Einspielung sein soll. Hat Casadesus das G-Dur-Konzert überhaupt aufgenommen? Vielleicht weiß jemand mehr dazu - es würde mich gerade interessieren. :) :) Das Ravel-Konzert in D steht zur Zeit bei mir ganz weit vorne und ich vergleiche die rund zehn Aufnahmen, die ich als CDs besitze.


    Es grüßt Wolfgang.

    Leon Fleisher mit seiner Frau (2)

    (2) ... vielleicht eher mit seiner Tochter ... sorry, bin mir schon wieder unsicher.

    In Schweinfurt trat Leon Fleisher in der Saison 2012/13 mit seiner Ehefrau Katherine Jacobson Fleisher auf, mit der er das Konzert auch eingespielt hat (s. zu dieser CD mein Posting #4). Hier die damalige Ankündigung:

    Stadt Schweinfurt | Stadt der Kultur | Aktuelle und Zeitgeschehen | Zeitgeschehen

    Oh, danke Dir, werter music lover! Es war also nicht alles falsch, was ich so in Erinnerung hatte ... und die CD könnte ich mir zusätzlich kaufen ...


    Und schon wieder ein EDIT: Du wirst lachen - ich habe Deinen Beitag sogar überflogen, bevor ich meinen geschrieben habe. :thumbdown: Aber es hat scheint's nicht gereicht für die Kenntnisnahme der Ehefrau mit Namen. Und - ja - nein - ich werde mir die Einspielung doch nicht kaufen, denn weder rätst Du dazu noch habe ich selber das Konzert als exorbitant in Erinnerung. Man hat gespürt, dass Fleisher nicht mehr der Jüngste ist. Man hat gemerkt, dass er nicht als Dirigent berühmt geworden ist.


    Trotzdem war es natürlich sehr reizvoll, eine Freude halt, jemanden mit solcher künstlerischer Vergangenheit zu erleben, bevor es zu spät ist.


    :) Wolfgang

    Ich hatte vor vielleicht zehn Jahren die Freude, Leon Fleisher mit seiner Frau (2) in genau dieser Version des Konzerts KV 242 zu hören. War das im hohenlohischen Weikersheim? (1) Ich weiß es nicht mehr genau.


    Eigentlich gefällt mir KV 242 genau so gut wie KV 365, selbst wenn die Komposition vielleicht weniger bedeutend ist. Und ich denke auch, dass das dritte Klavier tendenziell entbehrlich ist. Von Helmut Schmidt gespielt - das sind für mich so Prominenten-Mätzchen, die ich nicht mag. Unabhängig davon, dass Schmidt seinen Part ordentlich gestaltet haben wird. Ich kenne die Einspielung nicht.


    (1) Nein, es war in Schweinfurt, wie ich mich jetzt sicher erinnere. Damals standen auch die Sinfonie KV 16 auf dem Programm und die Jupiter-Sinfonie, dirigiert von Fleisher. KV 16 mag ich schon immer - ich finde diese erste Mozart-Sinfonie bei Weitem markanter als die folgenden zehn oder fünfzehn.


    (2) ... vielleicht eher mit seiner Tochter ... sorry, bin mir schon wieder unsicher.


    :) Wolfgang

    So waren sie halt, die beiden. Irgendwie sind sie mir auch gar nicht so umsympathisch. Bei Schiller und Goethe ist das in der Tat anders. Die haben beide das "Sittliche, Erhebende" durchaus literarisch festgehalten, aber der moralischen Relevanz im praktischen Leben irgendwie zu folgen, hat sich der eine keineswegs bemüßigt gefühlt, was für mich große Sympathie ausschließt. Es war demnach quasi eine andere Mischung bei diese beiden Geistesgrößen im Vergleich mit denen der Musik. Um das deutsche Wesen komplett festzuhalten, muss man dann nur noch den Feldherrn mit dem Bärtchen hinzunehmen ... :versteck1:


    Schluss mit dieser Küchen-Philosophie. Dem Thread gemäß und doch ein wenig noch dem Vergleich von Mozart und Beethoven hier folgend, habe ich vorhin gehört eine der gewiss besten Aufnahmen von Beethovens Diabelli-Variationen:


    respektive hier enthalten:


    Und schon wieder befinden wir uns im Humorbereich, denn wenn ich die in der Sammlung enthaltenen CDs versuche, einzeln zu ergattern, komme ich heute vermutlich bei Weitem günstiger weg. Ich war damals mit 36 Euro dabei ...


    :pfeif:


    Was das geniale Werk anbelangt: Es ist nun in der Tat sehr humorvoll über weite Strecken und die Vorlage hat nichts Sittliches und Erhebendes.


    Mehr Bewegungsstörung als Vergleich bezüglich des Zitats, welches leverkuehn eingestellt hat, das weiß ich schon.


    Grins1 :) Wolfgang

    Auch bei mir K 365, aber mit Brendel und Klien. Da bleiben keine Wünsche offen!. Aber ich wüsste gerne, welches Orchester das ist, denn die Angaben sind schlampig: mal ist's die Wiener Volksoper, mal die Staatsoper. Vielleicht keins von beiden.


    Die Wiener Volksoper unter der Leitung von Paul Angerer ist es hier wohl, und die Aufnahme ist etwa 60 Jahre alt - 1959 bis 1967 sind viele der Einspielungen mit diesem Ensemble in der 35CD-Box entstanden. Genauer erfährt man das jedoch jeweils nicht.


    Deckungsgleiches, auf das Du Dich vielleicht beziehst, Meister Abendroth? Die folgende Einzel-CD - in dem Fall scheint's eine doppelte - kenne ich (natürlich) nicht. Auch eine LP kann man noch erwerben. Vielleicht auch noch anderes.



    Bezüglich der "offenen Wünsche" stimme ich Dir zu - habe das gestern erst als zustimmende Replik auf Christian Köhns Beitrag ähnlich formuliert. Dabei kommt die Aufnahme so unscheinbar daher ...


    :) Wolfgang


    Die Einspielung mit Brendel und Klien habe ich mir vorhin angehört, nicht zum ersten Mal. Sie ist in der großen Box mit frühen Aufnahmen aus den Sechzigern oder noch Fünfzigern enthalten. Ja, das ist ein glasklares, transparentes, aber nicht abgemagertes Spiel, das jedes unangemessene Raffinement vermeidet, und mich auch klanglich angesprochen hat. Denn das Wechselspiel der beiden Soloinstrumente ist als dezentes Stereo wahrzunehmen, aber keineswegs im für diese Zeit ja nicht untypischen grellen Ping-Pong-Effekt.


    Mag sein, dass die folgende CD ein wenig steriler erscheint. Ich weiß es nicht recht, aber ich wollte sie mir damals zulegen als HIP-Alternative und stehe auch weiterhin dazu. Allerdings hatte ich mir irgendwie mehr erwartet.



    Kennt sie jemand und möchte sich dazu äußern?


    Ich glaube auch, Gulda und Corea im Regal zu finden, habe diese Kult-Aufnahme jedenfalls mit Sicherheit schon gehört, und wenn es nur wenige Male im Rundfunk war. Die anderen hier bereits genannten Aufnahmen kenne ich nicht.


    :wink: Wolfgang

    Zeitlich liegen 90 Jahre zwischen den beiden Werken, stilistisch vielleicht nur 10.

    Solche (in)dezenten Hinweise gefallen mir, werter Wieland. So habe ich mir vor drei Minuten wieder mal die Hörproben zu Gemüte geführt.


    ;) :) Schlussfolgerung und Frage:


    Seinen Prokofieff hat er verinnerlicht.


    Soll man sich das bei spezifischem (Klavierkonzert-)Interesse kaufen oder lieber doch noch eine Ausgabe eben der Prokofieff-Konzerte? Zum Beispiel.


    Oder war "der Prokofieff" zufällig und voreilig?


    Das mir erst seit Kurzem bekannte eher neuromantische Klavierkonzert Nr. 1 von Zara Levina fängt ganz ähnlich an. Insgesamt ist das aber weniger Prokofieff und mehr Rachmaninoff.



    :wink: Wolfgang

    Zwei zeitgenössische Komponisten aus Norwegen - Henrik Hellstenius und Orjan Matre - mit je einem Violinkonzert und einem Orchesterstück.

    Not my cup of tea.



    Irgendwie habe ich jetzt Lust bekommen, wieder einmal in diese CD hineinzuhören. Der Violin-Solist ist der gleiche wie bei der zitierten Einspielung - Ensemble und Dirigent ebenso.


    Ich will nicht leugnen, dass das keine leichte Kost ist für mich. Die spezifische Farbigkeit der Sinfonien von Nörgard wird nicht erreicht.


    Vorher habe ich die Hörproben vernommen, die sich aus Wielands Verlinkung ergeben. Das hat nicht ausgereicht, ihm zu widersprechen. Grins1


    :) Wolfgang


    EDIT: Ich bleibe bis zum Ende dabei! Die Atmosphäre und Klanglichkeit überzeugen mich heute offenbar stärker als bei den wenigen Vorgänger-Versuchen. :thumbup: Helle Nacht läd ideal zum Assoziieren ein und ist ja auch als Titel von anderer Musik oder von Literatur so ähnlich nicht nur einmalig vorhanden ... Spaces of Time scheint mir noch beliebter, allerdings sehr abstrakt ... Und unter den Borderlines kann man sich alles Mögliche vorstellen ...

    Zitat von Quasimodo
    Zitat
    129-cc8766220182a90393b835c28755ae6579198bcf.webp Zitat von Hueb' Emilie Mayer (1812-1883) Klavierquartette Es-Dur & G-Dur Mariani Klavierquartett CPO, DDD, 2016

    Die habe ich zufällig gestern und vorgestern auch gehört. Fand ich stellenweise recht (robert)schumannesk, "moderner" als ihre Sinfonien (soweit ich die bisher kenne). Beim Es-dur- etwas mehr als beim G-dur-Quartett.


    Bernd

    Die folgenden Beiträge haben sich aus Franks Hör-Ration dieses schönen Mai-Tages ergeben und lohnen - meine ich - eine Ausgliederung.


    Ganz allgemein zur Komponistin informieren kann man sich zum Beispiel über die deutschsprachige Wikipedia. Dort steht bereits bemerkenswert viel :thumbup: - die Versionsgeschichte ist gerade mal ein Jahr alt.


    Zitat von Hueb'
    Zitat
    41-2a4d409bf929e3e2fb2da98876c5e4ff9c9ef787.webp Zitat von andréjo Emilie Mayer scheint mir eine bemerkenswerte Erscheinung.

    Sie war jedenfalls sehr produktiv und grundsätzlich ist begrüßenswert, dass immer mehr ihrer Werke der Bewertung zugänglich werden. "Guter Durchschnitt" ist das bisher Gehörte mAn auf jeden Fall.


    Zitat von Khampan
    Zitat
    41-2a4d409bf929e3e2fb2da98876c5e4ff9c9ef787.webp Zitat von andréjo Emilie Mayer scheint mir eine bemerkenswerte Erscheinung.

    auf jeden Fall. Schön zu sehen, dass außer jpc noch andere Labels bei der Wiederentdeckung mitmachen.


    Zur 4. Sinfonie ("reconstructed by S. Malzew" - kannte ich noch nicht, höre ich gerade bei Spotify) hätte ich die Frage, ob um Booklet was zum Umfang der Rekonstruktion steht.

    Zitat von Cherubino

    Ich kenne Emilie Mayer bisher nur dem Namen nach, ich habe noch kein Stück von ihr gehört, aber wenn ich das hier alles so lese, denke ich, ich sollte das doch bald mal ändern. Beim Blick auf die CD-Neuerscheinungen habe ich den Eindruck, Frau Mayer ist im Moment gerade ziemlich im Trend, nachdem sie lange vergessen war.


    Was mich etwas skeptisch macht, sind die Einordnungen über ihre Symphonien, die man hier und andernorts liest: Die sieben erhaltenen Symphonien sind zwischen 1847 und 1862 uraufgeführt worden. Bei der Uraufführung der ersten Symphonie des "weiblichen Beethoven" war der echte Beethoven also bereits seit zwanzig Jahren tot, Mozart, der oben im Zusammenhang mit einem Mayerschen Klavierkonzert genannt wurde, seit 56 Jahren, und der von andréjo ins Spiel gebrachte Norbert Burgmüller auch schon seit elf Jahren. Ist Emilie Mayer als Symphonikerin also einfach aus der Zeit gefallen?


    Es gibt ja das, wenn ich mich richtig erinnere auf Carl Dahlhaus zurückgehende, Narrativ, die zweieinhalb Jahrzehnte zwischen 1850 und 1875 seien eine "tote Zeit" in der Geschichte der Gattung Symphonie gewesen. Zwischen der letzten Symphonie von Robert Schumann 1850 und der ersten von Johannes Brahms 1876 klaffe eine entwicklungsgeschichtliche Lücke, eben eine "tote Zeit". Ich weiß, dass dieses Narrativ kritisiert wurde und nicht der aktuelle Stand der musikwissenschaftlichen Forschung ist, aber worauf es mir ankommt ist es, den musikgeschichtlichen Ort von Emilie Mayer zu bestimmen, deren Symphonien genau in diese "Lücke" zwischen Schumann und Brahms fallen. Statt sie mit Beethoven oder Burgmüller zu vergleichen, müsste man eigentlich eher zeigen, wie sie nach Mendelssohn und Schumann und vor Brahms einen eigenen Weg in der Symphonik findet.

    Zitat von andréjo

    Zu Khampans Frage nach der Rekonstruktion der vierten Sinfonie durch Malzew:


    Das Booklet äußert sich eigentlich nur dahingehend, dass Grundlage der Rekonstruktion eine Version von 1860 für Klavier zu vier Händen ist, erschienen im Verlag Bote & Bock. Sie diente der weiteren Verbreitung des Werks - respektive einer solchen Hoffnung. Andere Textquellen scheint es nicht zu geben oder gegeben zu haben. "Über die Geschichte des Werks selbst weiß man fast nichts." Uraufführung war am 16. März 1851 im Königlichen Schauspielhaus in Berlin. Die Komposition erfolgte wohl im Vorjahr und es hat eine wohlwollende Rezension zu einer weiteren Aufführung von 1878 gegeben, die im Booklet (?auszugsweise) abgedruckt ist. Dort wird aber mehr auf die Tatsache hingewiesen, wie interessant auch das Schaffen von Frauen in der Sinfonik sein kann, als dass man wirklich Relevantes über die konkrete Musik erfahren würde.


    Mayer ist "ein weiblicher Componist, der nicht blos für das Pianoforte schreibt, sondern auch die schwierige, von tausenden Geheimnissen wimmelnde Aufgabe der Orchestercomposition löst". :P

    Emilie Mayer (1812-1883)

    Klavierquartette Es-Dur & G-Dur

    Mariani Klavierquartett

    CPO, DDD, 2016

    Die habe ich zufällig gestern und vorgestern auch gehört. Fand ich stellenweise recht (robert)schumannesk, "moderner" als ihre Sinfonien (soweit ich die bisher kenne). Beim Es-dur- etwas mehr als beim G-dur-Quartett.

    Bernd, Du machst schon wieder meinen Geldbeutel auf ... denn wie soeben festgestellt, kenne ich die Klavierquartette denn doch nicht. Und eigentlich habe ich noch nie ein Klavierquartett kennengelernt, so dass es mir hinterher leid getan hätte ...