Beiträge von andréjo

    Zitat

    [...] irgendwie oberflächlich-verbindlich[ ] [...]

    Wie, werter Hoffmann-Kater, meinst Du das? Denn es ist ja eigentlich ein Oxymoron.

    Meinerseits gestehe ich gerne, dass es manche bekannten und/ oder großen Meister gibt, wo ich mich beim systematischen Durchhören von Werkgruppen auch schwer tue mit dem Wiedererkennen oder Benennen von Favoriten. Das mag oft an mir liegen und vielfach stört es mich auch gar nicht - die sicher geläufige Doppelbödigkeit des Phänomens, dass das Memorieren von Musik nun gewiss nicht wächst in dem Maß, in dem man immer Neues kennenlernt. Was wächst, sind dennoch Wissen und Sachverstand - hoffe ich. :)

    Das finde ich jetzt doch etwas unfair, den gesamten Boccherini an diesem Quartettino zu messen. Boccherini schrieb mit voller Absicht gewichtigere und leichtere Quartette und Quintette. Opus 2 gehört zur leichteren Muse. Boccherini konnte aber wesentlich mehr, was man zum Beispiel in seinem A-Dur Quartett aus op. 39 heraushören kann

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    Für mich steht das mit Haydns op. 20 durchaus auf einer Stufe.

    :thumbup: Zustimmung, denn ich habe op. 39 ungefähr vor(vor)gestern gehört auf der einzigen Boccherini-Streichquartett-CD, die ich vermutlich besitze. Opus 2 ist noch unterwegs. Man hört die spezifische südliche Atmosphäre, aber es ist kein allzu übersichtliches und allzu leichtgewichtiges Werk, sondern sehr charaktervoll und struktursicher.

    Daraus folgt nicht, dass ich mir von op. 2 grundsätzlich weniger erwarte - was auch immer das heißen könnte. Denn Appetit macht der Thread hier ja durchaus.

    :cincinbier: Wolfgang

    Also bestellt wird op. 2 jetzt gleich. Garcia nimmt die Schuld auf sich, hat er gesagt - oder auch nicht. Die eine Scheibe mit den Drawing-Room-Leuten bei cpo, die ich vorhin gehört habe, hat mich sehr angesprochen - und ich habe mich schon auch erinnert..

    Was ich mir erwarte aufgrund bislangiger Hörerfahrung mit Boccherini? Einen spritzigen Stil, der ein wenig milder erscheint als Haydn - ich glaube, mal das Adjektiv weich gelesen zu haben - melodiebetont, verspielt, nicht zu ernst auch im langsamen Satz, ein wenig südlich ins spanisch- italienisch Folkloristische tendierend, aber sicher deutlich kunstmusikalisch überhöht. Ich kenne das Gitarrenquintett mit der Ritirata di Madrid - und gibt es nicht auch einen Fandango als Kammermusik? - Doch so dick wird er wohl nicht auftragen, sonst wäre mir die Musik vermutlich schon früher begegnet und die Beiträger bislang haben solches auch nicht angedeutet.

    Doch harren wir der Dinge.

    Alexanders Link mit Noten werde ich natürlich schon vorher mal verfolgen.

    Das nämliche der Woche werde ich im Schrank wohl nicht finden und daher auf bereitgestellte Hörmöglichkeiten im Internet zurückgreifen, indes jetzt zur Einstimmung die folgende CD. Ob komplett, weiß ich noch nicht, könnte aber geschehen:

    :thumbup::cincinbier: Ein paar Eigenwilligkeiten zur tschechischen Sprache habe ich mittlerweile mitbekommen - der Name Janáček steht ja phonetisch-phonologisch für sich ;) -, aber verstehen tue ich trotzdem kein Wort. Allerdings könnte sich der Kauf allein für die von Khampan geschilderte Klanglichkeit lohnen - als Deutschlehrer hatte ich sehr wohl ein Faible für solche Elemente vor allem im lyrischen Bereich -, wenn schon die Tube nichts taugt und bei mir dann auch noch über die billigen Lautsprecher läuft.

    Danke auch für die bereitgestellte englische Übersetzung!

    Vielen Dank, werter Areios, für diese Anregung!

    Ich bin absolut ein Fan von Janacek, kenne auch einzelne Opern vom Hören (und auch Sehen) und anderes Vokale, selbst wenn dieser Bereich immer ins Hintertreffen gerät bei mir. Das Werk der Woche kenne ich aber nicht.Unabhängig von einer CD werde ich es mir gerne einmal anhören und vielleicht auch eine CD bestellen. Ob ich sonst etwas beitragen kann, weiß ich noch nicht. Doch die Neugier ist auf jeden Fall geweckt. Ich nehme an, dass man seinen Stil erkennt bei Musik, die nun nicht 1880, sondern 1914 entstanden ist. Und was die Sachkenntnis zum Hintergrund anbelangt, kann ich wohl kaum mit Euch Beiträgern bislang mithalten, was ja auch ein Vorteil sein kann ...

    Pardon für vier Zeilen weitgehende Selbstbespiegelung. Doch ich wollte es so. ;):)

    Ein Dankeschön für seine interessante Wahl an Alexander! Ob das Quartett bei mir physisch zu finden ist, weiß ich noch nicht. Ich habe Streichquartett-Musik von Boccherini auf jeden Fall schon gehört, selbst wenn man bei ihm (und wohl nur bei ihm) eher mit Streichquintetten oder analogen Besetzungen mit der Gitarre in Kontakt kommt.

    EDIT: Ein Blick auf die Wikipedia zeigt mir, dass er auch für das Streichquartett jede Menge geschrieben hat. Vielleicht sind die Quintette auch nur deshalb bekannter geworden, weil sie von Haus aus seltener sind. Aber dat weeß ick nich ... :P

    Danke für Eure informativen und überdies im Detail anregenden Beiträge bislang! Dazu gehört auch Braccios Einführung im Haupt-Thread zu diesem Konzert!

    Mit dem Klassiker Lubotsky und mit Zimmermann kann ich dienen. Die folgende Aufnahme wurde noch nicht genannt und ich habe sie mir daher jetzt (als erste?) mal angehört.

    Nora Grumlikova (1930 - 2004) / Prager Sinfoniker / Peter Maag

    Sie datiert von 1967. Die Solistin ist nicht unbekannt und wohl auch nicht wirklich bekannt.

    Wenn ich mit Britten gerne eine eigenwillig fließende oder stockende, jedenfalls kühle, quasi dem Meer verbundene Neuromantik verbinde, so wird diese Einspielung eher von einer wärmeren, vielleicht sogar böhmischen Neuromantik getragen, und das gilt für den Geigenton wie für den farbigen Orchesterklang gleichermaßen. An Virtuosität fehlt es nicht - warum auch?

    Was könnte ich mir noch anschaffen? Gar nichts mehr? :(Grins2

    Was spräche gegen Jansen oder Frang? Nichts. Oder ich werfe einen Blick in die nahe Zukunft:

    Ein Böhme und eine Faust. Klingt gut - Isabelle Faust dürfte überdies das Kühl-Analytische besonders liegen, so wie sie das späte und diffizile Konzert von Jolivet quasi herunterbricht, aber ansonsten eigentlich alles quer durch die Epochen spielt.

    8) ... ich hab noch etwas übersehen ... anno dunnemals bei der Diskussion des Pfitzner-Quartetts war - und somit ist mir bis heute Nacht - gar nicht klar gewesen, ob nun die dritte oder die vierte Schönberg-Nummer, welche noch auf die CD gebannt ...

    [bei jpc und discogs habe ich auf die Schnelle nichts gefunden]

    Das Wihan-Quartett [2000] überzeugt mich allenthalben. Insgesamt wird eher die horizontale denn die vertikale Sicht praktiziert. Indes: ein straffer und energischer Zugriff, sehr differenziert nicht nur im Dynamischen, sondern auch in der Gestaltung der unterschiedlichen charakterlichen Phasen, insofern durchaus auch mit markanten Übergängen.

    Das Unisono im dritten Satz gefällt mir besonders gut, da blitzsauber - also präziser bezüglich meiner Vergleichsaufnahmen von gestern, dabei drängend und gar nicht so sehr statisch konzipiert. Ist der dritte Satz wirklich langsam, als Ganzes betrachtet?

    Der Finalsatz erscheint mir nach wie vor eher ohne wirklich markante Linie - aber da bin ich hier wohl nicht der Einzige.

    :) Wolfgang

    https://www.discogs.com/de/release/128…chquartett-Nr-4 (1)

    Zwei Einspielungen per CD haben mir soeben einen intensiveren Zugang zu Schönbergs viertem Streichquartett eröffnet - von den Leipzigern [1998] wusste ich nicht mehr, wobei ich die Aufnahme vor einiger Zeit gekauft hatte, um noch eine weitere Einspielung des zweiten Quartetts zum Vergleich zu besitzen. Vom zweiten Quartett kenne ich mindestens vier Versionen und es ist mir längst vertrauter.

    Aber die nähere Befassung mit diesem letzten Quartett und auch einem der letzten Zwölftonwerke des mittleren, in der Anwendung der Methode radikal konsequenten und dennoch - oder gerade deshalb - eigenständigen Schönberg hat sich sehr gelohnt! (Wenn ich das richtig sehe, hat Schönberg sein gefestigtes Können später in quasi-romantisch freieren Formen weiterentwickelt, etwa im Streichtrio.)

    Schönberg selbst - so entnehme ich dem Booklet zu den Leipzigern - sah sich auch von Mozart angeregt. Diese klassizistische Seite scheinen mir die Leipziger auf die Fahnen geschrieben zu haben. Sie spielen etwas straffer, betonen den horizontalen Zug der Musik, betonen die Homogenität der Komposition mit Blick auf die Anfangstakte, betonen das melodische Material. Die Wiener [1969] legen größeren Wert auf die expressiv-expressionistischen, wenn man also so will, auf die rormantisch-pathetischen Details. Das Spiel ist schärfer im Vertikalen, wobei die Musik keineswegs zerfällt. Weniger konventionelle Spieltechniken erfahren einen Nachdruck, der bei den Leipzigern stärker impressionistisch besänftigt erscheint.

    Ich habe den Kopfsatz bei den Leipzigern als sich unmittelbarer erschließend empfunden, während der Finalsatz bei den Wienern - freilich dann schon in meinem zweiten aktuellen Hörgang - seiner Vielfalt mir stärker gerecht werdend erschien.

    Den langsamen Satz halte ich in jedem Fall (subjektiv) für den Höhepunkt, dazu trägt wesensgemäß das kraftvoll sonore Unisono bei. Alexander mag ja solche Vergleiche - vielleicht kann er, vielleicht kann man sie nachempfinden, vielleicht betreffen sie nur mich als Hörsubjekt und erweisen sich als kurzlebig ... Jedenfalls würde ich bei der Deutung dieses Satzes durch die Leipziger eine karge, aber weite Landschaft assoziieren, bei den Wienern wäre es eher eine Theaterszene - vielleicht analog zu meinem Empfinden der Musik als eher expressionistisch im einen Fall, als eher klassizistisch im anderen. Beides setzt natürlich voraus, dass Schönbergs Umgang mit der Dodekaphonie sich hier auf einem Höhepunkt, vielleicht an einem Endpunkt befindet.

    All diese Gedanken und Verbildlichungen könnten sich bei weiterem, wiederholten Hören auch wieder ein wenig ändern - andere Eindrücke, Schwerpunkte kämen vielleicht hinzu oder zur Geltung.

    :) Wolfgang

    (1) Das Neue Wiener Streichquartett hat auf meiner Doppel-CD alle vier Quartette Schönbergs eingespielt. Bei den Partnern konnte ich nichts finden, bei discogs nur obige LP - mag sein, dass ich nicht intelligent genug gesucht habe.

    Besten Dank an Braccio! Ich könnte nicht behaupten, das 4. Schönberg-Quartett zu kennen, auch wenn ich es mit Sicherheit irgendwann mal auf der CD im Regal gehört habe - oder sind's gar zwei, was ich aber nicht glaube.

    Das wird sich ändern, selbst wenn - oder gerade weil - es keine so leichte Kost sein dürfte!

    :) Wolfgang

    Mit den Leipzigern gehört .

    Gefällt mir nicht so sehr. Er wird hier auf Biegen und Brechen versucht, einen "Sinn" zu vermitteln. Dabei geht die Spielfreude und das Hörgefallen unter.

    Mir war beides wichtig, das Brechen und das Gefallen [;):)] - was ich ja auch oben so ähnlich angedeutet habe. Als Hörer kann ich beide Interpretationen hintereinander genießen und bin trotzdem nur eine Dreiviertelstunde beschäftigt. Das ist bei Mahlers Gustav anders.

    Das Menuett und der Finalsatz sind zäher als bei meiner obigen Vergleichsgröße - einverstanden! Aber den Kopfsatz finde ich mit den Leipzigern auf jeden Fall noch einmal interessanter.

    Ansonsten noch eine allgemeine Anmerkung: Die spezifische Originalität dieses einen Menuetts zu erkennen, habe ich auch dazugelernt. Das ist halt einer jener Fälle, wo es mit einem mehr oder minder naiven Hören nicht getan ist, man mag noch so viel im Umfeld - ich nenne es mal so - ähnlicher Musik gehört haben und ein passables Verständnis für Epochen, Grundbegriffe und Stile mitbringen.

    hm. wie schon erwähnt, beschränkt sich Schubert auf den "kanonischen" Abwärtsgang vom Grundton aus, während Mozarts frei einsetzende Stimmen schon etwas härteren Stoff bieten.

    Es sagt ja keiner, dass Schubert Mozart nachäffen oder gar übertrumpfen wollte. Es ist eine Inspiration bzw. eine Anspielung auf ein berühmtes Werk desselben Genres seines erklärten Lieblingskomponisten. Der weitere Verlauf des Satzes ist ja auch ganz anders. Die Düsternis bleibt im Wesentlichen bestehen und die Seufzerfigur wird auch immer wieder aufgenommen.

    Ich frag nur kurz nach, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich richtig verstehe und weil unsere Diskussion wirklich interessant ist: Die Düsternis und die Seufzerfigur werden immer wieder aufgenommen - okay. "Der weitere Verlauf des Satzes ist ja auch ganz anders" - anders als bei Mozart mit dem härteren Stoff, aber nicht wirklich "anders", als von der Schubert-Einleitung her zu erwarten?

    Die Assoziation zu Mozarts "Dissonanzen-Quartett" leuchtet mir zwar ein,

    Mir nicht. In Mozarts Dissonanzen-Quartett finden wir in der langsamen EInleitung frei, unvermittelt eintretende Dissonanzen, die tatsächlich neuartig und originalgenial waren. Bei Schubert haben wir die barocke Figur des passus duriusculus, ein chromatischer Gang von Umfang einer Quarte. 1001mal vor Schubert benutzt. Es ist einfach eine gängige Figur, die man zitierte wie eine alte, abgegriffene Redewendung, bei der der Sinn nur noch ungefähr klar ist, wie etwa bei "A und O" oder "Bauernopfer". Mozart hingegen schuf Neues wie "Frühlingsduftgestiebe".

    Es wurde ja versucht, das Quartett mit dem Tod von Schuberts Mutter im Jahre 1812 in kausalen Zusammenhang zu bringen. Da gäbe es dann für die Existenz des Menuetts eventuell einen Erklärungsnotstand.

    ;) Mir deucht, dass wir nach längerem Nachdenken meinerseits zusammenkommen, wobei ich bezüglich der barocken Figur gerne dazugelernt habe.

    Denn warum sollte sich Schubert unbedingt an diesem Dissonanzen-Quartett bedient haben? Weil sich auch bei Schubert Dissonanzen finden am Anfang? Die sind aber doch viel regulärer - und vor allem älter, wie Du ja schreibst und auch ich das laienhafter zu hören vermeine. Und sie sind bei Schubert thematisch relevant für den schnellen Teil des Kopfsatzes. Mozart hat hier experimentiert (und provoziert) auf der Basis seiner nicht mehr verwechselbaren Reife und ohne wirkliche strukturelle Zielsetzung (1), Schubert auf der Basis des Ausprobierens erlernter Tradition bei klarer struktureller Zielsetzung.

    (1) :) Ich lasse mich gerne im Detail aufklären, inwiefern und wo sich vielleicht doch eine strukturelle Zielsetzung bemerkbar macht. Selbst war ich immer irgendwie enttäuscht darüber, wie Mozart in 465 quasi weitermacht - habe aber bezüglich der Finessen im späteren Kopfsatz auch dazugelernt (im Teilfaden über "465 der Woche" ;))