Beiträge von Jürgen

    Also ich finde das Stück toll. Und ich denke auch, dass es sehr wohl noch deutlich gewinnen würde, wenn es von Streichern gespielt wäre. Wobei mir aber an manchen Stellen nicht ganz klar ist, wie das überhaupt realisiert werden soll. Zum Beispiel zwischen 04:00 und 04:20 klingt es nach purem Synthesizer. Auch wenn du diesen Klang irgendwie aus deinen Streichersounds herausgekitzelt hast, kann ich mir schwer vorstellen, dass das auf realen Instrumenten reproduziert werden kann. Und ein bisschen zu lang ist mir das Stück auch. Ich meine das Konzept trägt vielleicht nicht ganz für 18 Minuten. Ist aber natürlich Ansichtssache.
    Die Kompositionsmethode würde mich übrigens noch etwas näher interessieren. Seriell, ok, und sonst? Wie bist du so vorgegangen?

    Stimmt, aber trotzdem ist da für mich auch eine Faszination dabei, zu sehen, wie diese Musik, die ich ansonsten nur über Lautsprecher oder Kopfhörer erlebe, live entsteht. Wenn man nicht nur den reinen Klang hat, der aus Lautsprechern kommt, sondern auch die Menschen, die diese Instrumente bedienen.

    Das verstehe ich schon. Macht mir auch Spaß, den Leuten vorne beim Schuften zuzuschauen, damit der Klang live entsteht. Das hat jetzt aber mit dem Mitlesen von Partituren nicht direkt was zu tun.


    Die kenne ich von Rezensionen etc., habe einen Ausschnitt auf Youtube gesehen, wo irgendeinem Tier mit einem Messer in den Hals gestochen wurde. War das gestellt, oder echt?

    Jetzt hab' dich nicht so. In der ganzen Oper geht's nur ums Schlachten und Abschlachten. Drehort soll ein ausrangierter Wiener Güterbahnhof gewesen sein. Kannst ja mal suchen, vielleicht findet man noch Blutspritzer.

    Da gibt es viel, wurde auch schon genannt: Man erkennt hörend vieles nicht richtig, seien es Rhythmen, Details der Harmonik oder Instrumentation, es hilft, sich Motive einzuprägen, um formelle Entwicklungen zu erkennen - eigentlich alles, was man analysieren kann, lässt sich mit Noten leichter erkennen als ohne.

    Wirklich, ihr seid in der Lage, während des Konzerts in Echtzeit und im Halbdunkel harmonische, formale und instrumentatorische Analysen durchzuführen? Respekt!

    So jetzt hat jeder seinen eigenen Standpunkt und seine Erlebnisse (zumindest in meinem Fall, sogar echte) breitgetreten. Wer hat jetzt Recht?

    Es geht nicht ums Recht haben. Es hätte mich nur interessiert, was für einen Sinn es hat, mit einem Buch in der Hand Musik zu hören. Dazu hat eigentlich nur merkatz etwas gesagt.


    Wobei ich dessen Ausführungen...

    Ich habe schon öfter ganz schön kompliziert aussehende Quintolen- oder Septolenläufe für die Streicher gesehen, und würde gerne sehen, wie das aussieht, wenn sie gespielt werden.

    ...auch nicht direkt nachvollziehen kann, denn wenn Quintolen- oder Septolenläufe gespielt werden "sieht das nicht aus", sondern es "hört sich an".

    Bisher hat man auch noch nicht erfahren, was eigentlich daran verwerflich oder gar falsch sein soll (denn diesen Eindruck gewinnt man bei der Lektüre), wenn man nun die Partitur im Konzert mitliest.

    Na, dass das seinem Sitznachbarn ziemlich auf die Nerven gehen könnte, was denn sonst?

    Nun ja, es könnte Menschen geben - hier im Thread kommen sie allerdings nicht vor - die in der Partitur lesen, weil sie Musik hören wollen.

    Musik hören mit den Augen - sehr interessant.
    Nun gut, es soll ja Leute geben, die das können. Ich gehöre allerdings nicht dazu. Wenn ich es aber könnte, dann würde ich gar keinen Sinn darin mehr sehen, überhaupt in ein Konzert zu gehen oder auch eine CD einzulegen. Dann würde ich mich einfach mit der Partitur hinsetzen und ... Musik hören.

    Obwohl dieser Thread ja nun schon eine gewisse Länge erreicht hat, habe ich bisher noch nicht erfahren, was es eigentlich bringen soll, wenn man im Konzert den Notentext mitliest. Der Sinn erschließt sich mir nicht. Wenn ich mir einen Film anschaue oder ein Theaterstück, habe ich ja auch nicht unbedingt das Bedürfnis, die Dialoge mitzulesen. Wieso sollte das im Konzert was anderes sein. Man geht da schließlich hin, um Musik zu hören, oder etwa nicht?

    dieses Zitat betreffend werden die LP-Freaks (zu denn ich nicht gehöre) aber aufschreien. Die wollen ihre LP "undigitaisiert" und direkt analog von der Nadel bis zur Membran geniessen. Klanglich geht mit Sicherheit einiges an "Flair" verloren .

    Das klangliche Flair, das ein LP-Liebhaber schätzt, kommt doch dadurch zustande, dass die Musik mittels der Lieblings-Nadel abgetastet wird und dann das Signal mittels Lieblings-Equipment verarbeitet wird. Und das kann ich ja alles einsetzen, wenn ich eine LP digitalisieren will. Klanglich dürfte das Ergebnis auf diese Weise sogar wesentlich näher an dem sein, was ein LP-Liebhaber sich vorstellt, als wenn ich die Scheibe in so eine Laserkiste reinstecke. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Laserkiste so hässlich ist, dass man sie höchstens im Hobbykeller aufstellen kann.

    finde ich die Vorstellung Schallpatten schonend in dieser Weise abspielen zu können schon sehr faszinierend.

    Man kann eine Schallplatte auch mit einem hochwertigen Plattenspieler digitalisieren und sich dann nur noch die Datei anhören. Das ist noch viel schonender, weil man die Platten dann gar nicht mehr in die Hand nehmen muss. Und klanglich kommt es auf das Gleiche raus.

    Und es wird gar nicht lange dauern, bis ich mit dieser Einstellung richtig beschissen spielen werde.

    Quatsch. Das kannst du doch gar nicht.


    Klar musst du jetzt erst mal Abstand gewinnen. Vielleicht auch deine Beziehung zum Orchester neu justieren. Und Prioritäten neu sortieren. Aber dann greifst du wieder an. Du bist nämlich nicht mit dem Orchester verheiratet. Sondern mit deinem Cello. :yes:

    Ich gehe allerdings davon aus, dass diese Aufnahme aus den aller ersten Jahren der VSL stammt, zumindest habe ich schon sehr sehr lange kein einziges neue Stück von Hernn Tucmandel auf der VSL Seite gefunden.

    Das denke ich auch. Auch klanglich ist dieses Beispiel mit Bruckner Nr.4 nicht auf der Höhe der Zeit. Wurde wohl nicht mit der aktuellen Sample Library produziert, sondern mit der Vorgänger-Version (wie hieß die doch gleich, "Horizon Series" oder so). Dabei fällt mir ein, dass ich dich ja schon mal gefragt habe, was du eigentlich machst, wenn sich die Klangqualität deiner Arbeit irgendwann mal nicht mehr auf der Höhe der Zeit befindet. Aber das müssen wir nicht nochmal diskutieren, haben wir ja schon gemacht.


    Musik im eigentlichen Sinne sind diese Zombiklänge nach meinen Maßstäben nicht

    Ich könnte dir Duzende Werke nennen, die auch mit realen Instrumenten gespielt nach meinen Maßstäben keine Musik im eigentlichen Sinne sind. Aber das ist natürlich ein anderes Thema.

    Ich würde gern eine schon früher gestellte Frage nochmals loswerden.


    "http://www.vsl.co.at/de/67/3920/4687.vsl"


    Ich habe mir auf der verlinkten Seite den Anfang von Bruckners 4. Sinfonie angehört. Kann mir jemand erklären, wie es zu der stark unterschiedlichen Ausführung des Sechzehntels kommt, das jeweils im Hauptmotiv die dreifach punktierte Halbe ergänzt? (bis T. 30, Anfang bis 1:00). Mal recht deutlich, aber auch fast bis völlig verschluckt. Hätte ich bei einer Computer-generierten Musik nicht erwartet. Klingt für mich so, als müßten die Tondauern einzeln mit Schiebeschalter eingegeben werden, und da verruscht dann schonmal was.

    Ich denke, das ist Absicht. Man hat versucht, die Tondauern ein wenig zu variieren, damit es natürlicher klingt. Ich finde aber auch, dass das Ergebnis hier ziemlich verunglückt ist (obwohl es der Chef der Firma höchstselbst programmiert hat).

    gibt es überhaupt ne gut klingende freie Celesta Simulation?


    Es gibt eine freie Celesta von Necromare: "http://www.megavst.com/idiophone/necromare-celesta/". Wie es klingt, kann man sich auf dieser Seite auch anhören. Nicht schlecht, finde ich.
    Von VSL gibt's natürlich auch eine Celesta. Nicht kostenlos zwar, aber für die Verhältnisse dieser Firma ist der Preis noch überschaubar: 55 Euro. Dazu kommt aber natürlich noch der Dongle (wenn man nicht schon einen hat).

    Falls es nach dieser ermüdenden Diskussion noch irgend jemanden interessiert: Ich wollte noch sagen, dass es auch eine frei verfügbare Orchester-Sample-Library gibt, das "Sonatina Symphonic Orchestra": "http://sso.mattiaswestlund.net/"


    Die Qualität ist natürlich nicht auf VSL-Niveau, eher schon auf den Niveau des Garritan-Orchesters, aber wenn man nur mal ein bisschen herumprobieren will, reicht es sicher aus.

    Was mich bei Vienna jetzt verwundert ist, dass bei der Rubric "Instrument Collections" die Preise wesentlich gesalzener sind, alleine die Streicher kosten doppelt so viel wie das gesamte, oben genannte, Paket. Da stellt sich mir schon die Frage; wie gut sind denn nun die Instrumente, die ich bei diesem Paket kaufe? Zumal es auch in der Rubrik "Instrument Collection" ein All-In-Paket gibt, welches den beachtlichen Preis von fast 10.000€ aufweist.


    Die Klangqualiltät an sich ist bei der günstigen Special Edition die gleiche wie bei den Instrument Collections. Der Unterschied liegt im Wesentlichen in der Anzahl der pro Instrument verfügbaren Spielweisen. Zur Verdeutlichung habe ich mal am Beispiel der Harfe die jeweiligen Angaben zum Sample Content hier hereinkopiert :


    Special Edition:
    Harp 1
    Single notes, normal and harmonics


    Vollversion:
    Harp 1:
    Single notes
    Normal, muted, près de la table, harmonics, bisbigliando


    Glissandos
    Slow, medium, and fast
    Major, minor, diminished, pentatonic, and whole tone


    Arpeggios a3
    Major and minor, diminished and augmented upward arpeggios
    Slow, fast, and straight (played as chords)


    Arpeggios a4
    Major and minor, diminished and augmented upward arpeggios
    Slow, fast, and straight (played as chords)



    Du siehst also, die Vollversion enthält wesentlich mehr und ist damit flexibler und naturgetreuer einsetzbar. Das aber, was bei der Special Edition vorhanden ist (hier zum Beispiel "Normal single notes"), klingt identisch mit der Vollversion, denn es sind dann die gleichen Samples .


    ich glaube zu wissen, dass die Simulationsbeispiele nicht 1:1 von der Partituren übernommen werden, sondern sehr aufwendig Stelle für Stelle programmiert werden, damit es so klingt, als würden Menschen es spielen.

    Natürlich. Du brauchst nicht erwarten, dass du das nur in Finale reinhacken musst und dann kommt das so heraus. Da ist auch nicht in "Tagen pro Werk" zu rechnen, sondern schon eher in "Wochen pro Werk".


    Kann man die Qualität des Youtube-Materials eigentlich irgendwie messen?
    Bzw. die des Gratis-Spotify?

    Nein, die Audioqualität von datenkomprimiertem Material kann mit technischen Mitteln nicht ohne Weiteres messen, denn die Komprimierung erfolgt ja nicht dadurch, dass irgendwelche technischen Parameter, wie etwa der Frequenzbereich begrenzt werden. Die Komprimierung erfolgt vielmehr nach psychoakustischen Gesichtspunkten, d. h. es werden Klangbestandteile aus dem Frequenzspektrum herausgefiltert, die man (angeblich), beispielsweise aufgrund des Maskierungseffektes, nicht hört.
    Deshalb kann man die Qualität der Komprimierung dann auch nur mit psychoakustischen Methoden - sprich: mit den Ohren - bewerten.


    Jedenfalls nehme ich erst mal mit, dass es auch mit Spotify/Audacity keinen Sinn hat, mit mehr als 192 kbit/s zu speichern...

    Kann man so nicht ganz sagen, denn bei diesem Verfahren wird ja zweimal hintereinander komprimiert. Die komprimierte Spotify- (oder Youtube-) Audiodatei wird nach dem streamen auf deinen Rechner erst dekodiert (damit du sie hören kannst) und danach komprimierst du sie wieder. Das ergibt natürlich nicht unbedingt die gleiche Qualität wie vorher, auch wenn du die gleiche Bitrate verwendest. Das ist wie wenn du ein Blatt Papier kopierst und dann die Kopie nocheinmal kopierst.


    Es kann sich also zumindest theoretisch schon lohnen, mit einer etwas besseren Qualitätsstufe als das Original zu komprimieren, damit die ohnehin schon reduzierte Qualität nicht noch weiter reduziert wird. Außerdem muss man berücksichtigen, dass die AAC-Komprimierung, die Youtube offenbar verwendet, bei gleicher Bitrate bessere Qualität liefert, als die MP3-Komprimierung. Wenn ich irgendwas in MP3 kodiere, verwende ich mittlerweile nur noch die höchste Qualitätsstufe (konstante Bitrate 320 kbit/s).


    Spielt die Hardware meines PCs auch eine Rolle, wenn ich die Variante Spotify/Audacity nehme?

    Theoretisch ja, aber in der Praxis kann man diesen Einfluss auf die Qualität wohl eher vernachlässigen. Viel wichtiger ist, dass du den Aufnahmepegel sauber einstellst, genauso wie früher beim guten alten Kassettendeck. Denn die Methode ist im Prinzip ja die gleiche wie früher, als man Sendungen vom Radio aufgenommen hat.

    Ich würde mir gerne mal im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe die Beurmann-Sammlung historischer Tasteninstrumente ansehen. Leider komme ich selten nach Hamburg und hatte noch keine Gelegenheit. War da schon jemand drin und kann etwas dazu sagen?

    Ob sie wirklich so besonders jung ist, wird nicht recht erkenntlich, sie scheint schonmal ihren Sängerherbst zu antizipieren und sich bzgl. ihrer datierbaren Abkunft in feminines Schweigen zu hüllen.

    Wenn sie im Jahr 2002 mit 25 Jahren irgendwas gewonnen hat, wie alt ist sie dann jetzt? Da kann man dann schon mal anfangen, den Sängerherbst zu antizipieren.