Beiträge von Jürgen

    Ich werde mir dann gegebenenfalls einen neuen Anbieter suchen, vielleicht hat hier ja jemand Tips für mich.


    Wie wär's mit box.com? Der Basisaccount ist gratis und bietet bereits 10 GB Speicherplatz. Für meine Zwecke reicht das. Wenn man mehr braucht, kriegt man für 4 € pro Monat 100 GB und dazu noch einige Zusatzfunktionen, wie Zugriffsstatistiken. Im Account kann aber auch bei der Basisversion schon ziemlich viel einstellen. Zum Beispiel, ob man bestimmte Dateien downloaden lassen will, oder ob man sie nur im Player des Webbrowsers spielen lassen will.
    Ansonsten gäb's zum Beispiel noch Bandcamp und natürlich Soundcloud.

    Das Geschäftsmodell von Spotify und Co scheint sich bisher nicht zu rechnen, trotz stets wachsender Nutzerzahlen.

    Es scheint sich vor allem für kleinere teilnehmende Labels nicht zu rechnen. Ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass welche, die schon mal dabei waren, wieder verschwunden sind.


    Erstmal ein Bisschen rumprobieren, dann kann ich mal ein 30-Tage-Test-Premium-Abo ausprobieren.

    Ich würde lieber gleich auf das Test-Premiumabo wechseln. Sonst fliegt dir nach drei gehörten Stücken die Werbung in fünffacher Lautstärke um die Ohren. Und es ist eher nicht zu erwarten, dass die beworbenen Alben nach deinem Geschmack sind.

    Mir ist gerade eingefallen, dass ich vor ein paar Jahren einmal las von der Möglichkeit, dass Pianisten Werke einspielen, und diese dann exakt gespeichert und exakt wiedergegeben werden (nicht die Piano-Rollen!).


    Ich weiß leider nicht mehr genau, was dazu stand, ob das noch in der Entwicklung ist, oder ob es das schon gibt, und auch über die Qualität weiß ich nichts.

    So etwas gibt's von Bösendorfer. Die Technologie nennt sich CEUS:


    "http://www.boesendorfer.com/de/ceus-studio.html"


    Disklavier von Yamaha ist eher was für den Heimgebrauch bzw. Hobbybereich.


    Die Materialebene besteht in bestimmten Schichten aus Simulationen, aber das Endergebnis ist deswegen keine Simulation.


    So etwa. Könnte das hinhauen?

    Nein, das Endergebnis ist eine Simulation. Eine Simulation des Orchesters, nicht eine Simulation der Musik selbstverständlich. Simulation verstehe ich dabei im Sinne von Nachbildung, nicht im Sinne von Vortäuschung. Unter diesen Randbedingungen kann für mich kein Zweifel bestehen, dass es sich um eine Simulation handelt. Eine Orchestersimulation.

    Mir gefällt der Begriff nicht, weil "simulieren" auch "vortäuschen" heißt.
    Ich täusche aber nichts vor.

    Ah, da liegt also der Hund begraben. Du hast ein gestörtes Verhältnis zu dem Begriff "Simulation". Ich verstehe diesen Begriff natürlich in erster Linie - und ich denke, er wird auch in 90 % der Fälle so verwendet - als technischen Begriff, der die Analyse und softwaregestützte Nachbildung komplexer Systeme beschreibt. So wie die Wettersimulation oder sonstige physikalische Simulationen.


    So wie du den Begriff "Simulation" verstehst, kenne ich ihn eigentlich nur vom Kreiswehrersatzamt. Wenn man nämlich Krankheiten simuliert, um nicht die nächsten Monate durch den Schlamm kriechen zu müssen. Vielleicht hast du ja ein einschlägiges traumatisches Erlebnis aus deiner Jugendzeit :rolleyes:

    Und darum sage ich: Nein! Ich nutze die Samples nicht um bloß "echt" nach Orchester zu klingen, sondern die von der VSL angestrebte Ähnlichkeit hilft mir nur in meinen Projekten etwas zu machen das z.B. nach Benda, Draeseke, Franck, Nicodé, Draeseke, Kahn klingt und eben den Partituren die ich damit hörbar mache.

    Ich glaube, das haben inzwischen ja auch alle verstanden. Es geht dir nicht um die Demonstration deiner technischen Möglichkeiten. Trotzdem kommt es dir aber doch wohl schon darauf an, dem Klang eines Orchesters möglichst nahe zu kommen. Es also so gut wie möglich zu "simulieren". Sonst könntest du ja auch billigere Samples nehmen. Aber das Ziel dieser Bemühungen liegt eben nicht darin, ein reales Orchester "an die Wand" zu spielen, sondern lediglich darin, das klangliche Ergebnis zu nah wie möglich an die Hörgewohnheiten des normalen Klassikhörers heranzubringen, so dass letztendlich deine interpretatorischen Absichten zutage treten und nicht durch die klanglichen Unzulänglichkeiten verschleiert werden. Habe ich das so in etwa richtig verstanden? Falls ja, sehe ich aber keinen Grund, sich gegen den Begriff "Simulation" zu wehren.

    Hallo EinTon

    Oft behauptet ist nicht identisch mit "faktisch" oder auch nur "klar gemacht" und die Nachfrage auf welches "Faktum" man sich da berufe abgesehen von der Tatsache, dass "mein" digitaler Instrumentenbauer wie jeder andere Streich- und Blasinstrmentenbauer sein Instrument nach bestimmten Klangvorstellungen entwickelt gibt es keinerlei "Faktum" das die mit diesen Instrumenten hervorgebrachten Interpretationen von Partituren irgend eine Aufführung oder Aufnahme einer Aufführung "imitieren"


    Es gibt weder irgend einer konkrete Vorlage irgend einer meiner Aufnahmen, die dieses auch nur im Ansatz "faktisch" belegen ließe noch in meinem Vorgehen irgend einen Punkt, an dem zwischen die Partitur und ihre Umsetzung mit meinen Mitteln auch nur irgendetwas anderes träte das in irgendeiner Weise simulien

    So weit ich das sehe, hat doch nie irgend jemand behauptet, deine Arbeiten wären eine Simulation einer bestimmten Aufführung oder Interpretation. Sondern die Simulation eines Orchesters. Und zu bestreiten, dass es sich um Orchestersimulationen bzw. -imitationen handelt, ist wirklich albern. Denn genau dafür ist diese Sample-Library ja schließlich gemacht. Zur Orchestersimulation, und nichts sonst.


    VSL hat sich bei der Erstellung des Klanges mit der Bezeichnung "Cello" nicht "eng an dem Klang eines echten Cellos angelehnt", wie du irgendwo gechrieben hast, sondern es ist ein Cello. So gut es eben geht. So gut es sich eben simulieren lässt.


    Es wäre für die Diskussion sicher hilfreich, wenn du dich von dieser eigenartigen Argumentation, es handele sich nicht um Orchestersimulationen, verabschieden würdest. Sie verfängt nämlich nicht. Nicht hier und wahrscheinlich auch nirgendwo sonst.

    Nun hab' ich doch noch eine Produktion bei klassik-resampled gefunden, die einer realen Aufnahme mindestens gleichwertig, wenn nicht gar überlegen ist: Ligeti's Continuum.


    Allerdings lässt die Anweisung in den Noten "Sehr gleichmäßig, ohne jede Artikukation spielen" ja auch keinen großen Spielraum für interpretatorische Ansätze. Das schreit ja förmlich nach einer computerisierten Realisierung. Außerdem ist die Tempoanweisung "extrem schnell, so dass die Einzeltöne kaum mehr wahrnehmbar sind... Das richtige Tempo wurde erreicht, wenn das Stück weniger als 4 Minuten dauert." eine gewisse Herausforderung. Nicht jeder schafft das. Für den Computer aber natürlich kein Problem.

    Dann müsste das was du in einem halben Jahr an einer Stunde Musik genacht hast, also rein rechnerisch demnach ca. 3,5 mal so gut gelungen sein, wie alles was du auf klassik-resampled.de hören kannst. Kannst du das bestätigen? Es wäre für mich sicher wirklich sehr lehrreich, so hochwertig produzierte Musikprodktionen hören zu können. Oder könnte es sein, dass du auch einen guten Teil dieser Zeit gebraucht
    hast, um überhaupt deine erste Erfahrungen im Umgang mit einer für solche Aufgaben Dir noch ungewohnte Technik
    zu sammeln, die natürlich nicht mehr anfällt, wenn man überJahre
    regelmäßig in dieser Weise damit arbeitet.

    Die Ergebnisse von dem, was ich gemacht habe kann man natürlich nicht mit deinen vergleichen, das waren damals ganz andere technische Voraussetzungen und das wäre Äpfel mit Birnen vergleichen. Und heute mache ich sowas nicht mehr. Ich habe die Zeit aber jedenfalls nicht damit verbracht, zu lernen, wie man einen Sequenzer bedient.


    Aber darauf wollte ich auch nicht hinaus. In meinem Beitrag von oben wollte ich eigentlich nur darlegen, dass es mehrere Gründe dafür geben kann, wenn deine Produktionen (zumindest von der Mehrzahl der Forumsmitglieder hier) einer konventionellen Einspielung als nicht gleichwertig angesehen werden.


    Da ist zum einen die von dir verwendete Sample-Library: VSL ist sicherlich die derzeit umfangreichste Library, aber es ist allseits bekannt, dass sie von Haus aus eher steril klingt. Das liegt am Konzept, insbesondere an der Aufnahme der Samples in einer sog. "Silent Stage", also einem schalltoten Raum. Auch wenn das teilweise Wiener Philharmoniker sind, die das eingespielt haben, ist es nur schwer vorstellbar, dass sie die Töne in dieser Silent Stage genauso eingespielt haben, wie sie es beispielsweise in einer Umgebung wie im Musikvereinssaal getan hätten. Der Grund, warum man das so gemacht hat, liegt darin, dass man sagt, man will den puren Ton des Instruments, damit er so univerell wie möglich einsetzbar ist und die Aura des Raumes wird dann nachträglich hinzugemischt. Dieses Konzept funktioniert aber nur bis zu einem gewissen Grad.


    Neben VSL gibt es, wie du weißt, noch eine Vielzahl weiterer spezialisierter Libraries. Spezialisiert in dem Sinne, dass diese Libraries zwar nicht so universell einsatzbar sind wie VSL, dafür aber für den jeweiligen spezifischen Einsatzzweck wesentlich überzeugender klingen. Wenn man wirklich professionelle, überzeugend klingende Ergebnisse nach dem heutigen Stand der Möglichkeiten haben will, braucht man nicht eine einzige Library, sondern man braucht sie alle. Adagio Strings ("www.8dio.com") für getragenes Legato-Spiel, LASS ("www.audiobro.com") für leichtere, "mozartige" Arrangements, für Holzbläser gerne auch mal die Berlin Woodwinds ("www.orchestraltools.com") und für Solo-Instrumente ein physical modelling Instrument ("samplemodeling.com"). Dann gibt es auch noch Hollywood Strings und Hollywood Orchestral Woodwinds ("www.soundsonline.com"). VSL kommt eher dann zum Einsatz, wenn es von den anderen Libraries, beispielsweise für ein bestimmtes Instrument oder für eine bestimmte Artikulation, die man haben möchte, nichts vernünftiges gibt. Wenn man nur eine einzige Library verwendet, dann klingt es auch genau nach dieser einen Library. So wie früher, als das EWQL Symphonic Orchestra ("http://www.soundsonline.com/Symphonic-Orchestra") neu war und überall eingesetzt wurde. Diese Library war damals einzigartig und wegweisend. Aber sie war am Ende so omnipräsent, dass man ihren Einsatz in einer Produktion fünf Kilometer gegen den Wind herausgehört hat. Heute wird sie für wenige hundert Euro verramscht. Um diesen Effekt zu verhindern, muss man immer mehrere verschiedene Libraries mischen.


    Dass die VSL samples etwas steril klingen, das weiß man offenbar auch bei der Firma selbst. Nicht umsonst gibt es von dort auch Software zur Klangverbesserung. Das musst du einsetzen! Du sagst, du willst den Klang so pur und unverfälscht wie möglich lassen. Das ist ein Fehler. Die Samples sind nicht dafür gedacht, pur und unverfälscht eingesetzt zu werden. Sie müssen bearbeitet werden, damit sie für den jeweiligen spezifischen Einsatzzweck, d. h. für jede Ensemble-Besetzung und Musikstil optimal klingen. Überhaupt meine ich, dass du dich mit dem Thema Klangoptimierung und Mixing noch etwas stärker beschäftigen solltest. Ich finde das alles viel zu direkt abgemischt, zu wenig Raumanteil. Besonders wenn man es über Kopfhörer hört, fällt das alles auseinander. Das heißt, es entsteht nicht der Eindruck, als wenn da ein Ensemble spielt, sondern als wenn jedes Instrument für sich spielt. Der Grund liegt m. E. in erster Linie am Mix. Was für einen Hall verwendest du eigentlich? Wahrscheinlich den MIR von VSL. Der MIR frisst aber nur Geldbeutel und Rechenzeit, kommt aber an einen Altiverb ("http://www.audioease.com/Pages/Altiverb/") nicht heran. Wenn du den MIR verwendest, müssen die Stereopositionen der Instrumente in der Regel in der Mitte verbleiben, weil die Raumpositionen der Musiker bereits in den Hall eingerechnet sind. Wenn du an der Stereoposition zusätzlich für jedes Instrument herumdrehst, dann fällt der Höreindruck noch mehr auseinander. In Einzelfällen kann eine Veränderung der Stereoposition sinnvoll sein, aber nicht generell.


    Das meine ich mit Aufwand treiben. Wenn du keine Lust hast, die mit diesen Dingen der Klangoptimierung zu beschäftigen, weil du dich lieber auf den künstlerischen Aspekt konzentrieren willst, dann würde ich dir empfehlen, das (Zwischen-)Ergebnis deiner Tätigkeit für den Endmix einem professionellen Studio zu übergeben. Die holen dann da schon noch einiges raus. Zum Beispiel die hier: ("http://www.klangexzellenz.de/")

    Genau diese Wechselwirkung im Ablauf der musikalischen Zeit findet am Rechner nicht statt, egal wie lange man darüber noch rumdiskutiert.

    Ist mir schon klar, was du meinst. Ich versteh' dich schon. Aber dadurch ist für mich noch nicht die eigentliche Hauptfrage dieses Threads beantwortet: Ist es prinzipiell möglich (bzw. wird es einmal möglich sein), mit computergestützten Methoden gleichwertige Audioproduktionen klassischer Musik herzustellen, wie mit herkömmlichen Einspielungen? Und: Wenn man sagen kann, dass die Ergebnisse, die fahl5 präsentiert, noch nicht diesem Anspruch gerecht werden, woran liegt das? Ich sehe da folgende Möglichkeiten:


    a) Es liegt an den technischen Möglichkeiten der Sample-Libraries, die einfach noch nicht soweit sind bzw. nie soweit sein werden,
    b) fahl5 hat einfach nicht genug Aufwand getrieben. Er hätte wesentlich mehr Arbeit reinstecken müssen, um Hörerlebnisse zu präsentieren, die man als Interpretation bezeichnen kann
    c) Es liegt an der fehlenden Echtzeit-Interaktion zwischen Mensch und Instrument.


    Ich persönlich meine, es ist eine Mischung aus a) und b). Für b) spricht, dass fahl5 (glaube ich, ich hoffe, ich erinnere mich richtig) gesagt hat, er hat 70 Stunden Musik produziert. Ich kann mich erinnern, dass ich damals, als ich spaßeshalber etwas Ähnliches versucht habe, für knapp eine Stunde Musik ca. ein halbes Jahr gebraucht habe. Und das Ergebnis war noch ziemlich bescheiden, ich hätte da auch locker die doppelte Zeit reinstecken können. Ich glaube kaum, dass sich fahl5 für die Produktion seiner 70 Sunden Musik 70 Jahre Zeit genommen hat.

    da fehlt wie gesagt die Wechselwirkung zwischen Hören und Reagieren, die zu jedem Musizieren dazugehört.

    Dass es bei dem, was fahl5 macht, keine Wechselwirkung zwischen Hören und Reagieren gibt, kann man so nicht direkt sagen. Er hört sich seine Ergebnisse natürlich an. Und wenn es ihm nicht gefällt, dann optimiert er hier und da. Er kann an jeder Stelle solange herumfeilen bis es ihm gefällt. Wenn das keine Wechselwirkung ist.


    Der einzige Unterschied, den es wirklich gibt, ist der, dass fahl5 für seine Art zu musizieren, nicht zwangsläufig handwerkliche Fähigkeiten am Instrument benötigt. Aber ist die Beherrschung eines Instruments und das damit verbundene jahre- oder jahrzehntelange Üben wirklich die Essenz des Musizierens? Bisher war die Beherrschung eines Instruments unabdingare Voraussetzung für jegliche musizierende Betätigung. Aber wenn das künftig nicht mehr so sein sollte - so what? Jemand hat mal geschrieben (vielleicht finde ich den Artikel noch, dann poste ich ihn), dass die neuen technischen Möglichkeiten der Musikelektronik zur Demokratisierung des Musikwesens beitragen. Ganz einfach deshalb, weil nun jedermann, also auch solchen Leuten, die sich nicht ein Sinfonieorchester mieten können, die Möglichkeit gegeben ist, sich musikalisch auszudrücken. Und das ist doch erstmal eine feine Sache, oder?



    Zitat von »Jürgen«
    Es gibt natürlich Leute, die elektronische Musikinstrumente grundsätzlich ablehnen. Für die ist dann eine E-Gitarre oder ein Synthesizer eben kein richtiges Instrument. Aber ich meine, das ist eine falsche Sichtweise.
    Hat das hier jemand so gesehen? Ich jedenfalls nicht.

    Warum fühlst du dich angesprochen? Das war eine allgemeine Feststellung und war auch so formuliert. Wenn ich dich gemeint hätte, hätte ich dich auch genannt, kannst du mir glauben. Ich schreibe nämlich üblicherweise nicht um den heißen Brei herum ;+)

    Wau, ihr diskutiert dieses Thema ja immer noch. Dann scheint es euch also doch zu interessieren. l-l


    Vielleicht noch eine Anmerkung meinerseits zu der Frage, "ist der Computer überhaupt ein Musikinstrument":


    Es hat einfach keinen Zweck. Ich schreibe, dass ein Computer nach meiner Ansicht kein Musikinstrument ist, weil man an ihm im Gegensatz zu allen Musikinstrumenten nicht in Echtzeit produziert,

    Ergänzend zu dem, was fahl5 hierzu gesagt hat, möchte ich noch anmerken, dass man an einen Computer auch eine elektronische Klaviatur anschließen kann. Und dann kann man eine Sample-Library natürlich auch in Echtzeit spielen. Es gibt sehr gute Klaviaturen, die dem Spielgefühl eines echten Klaviers ziemlich nahe kommen.


    Es gibt übrigens ganz unterschiedliche Geräte die man anschließen kann. Es gibt auch Geräte (sog. Controller), die man wie ein Blasinstrument bedient. Zum Beispiel sowas:
    "http://www.thomann.de/de/akai_ewi4000s.htm?gclid=CJ6ItZXgzL4CFaHnwgodI0oA2g". Wenn man so etwas einsetzt, dann hat man ziemlich vergleichbare Möglichkeiten den Klang zu formen, wie auf einem echten Blasinstrument. Ich würde daher sagen, dass man das o. g. Argument nicht aufrecht erhalten kann.


    Es gibt auch noch wesentlich ausgefallenere Controller und einige bewegen sich in Preisregionen, die denen von hochwertigen "richtigen" Instrumenten in nichts nachstehen. Zum Beispiel diese Teile hier:
    "http://www.eigenlabs.com/product/". Alle diese Produkte erzeugen selbst keinen einzigen Ton. Sie funktionieren nur, wenn man sie an den Computer mit einer passenden Sample-Library anschließt.


    Es gibt natürlich Leute, die elektronische Musikinstrumente grundsätzlich ablehnen. Für die ist dann eine E-Gitarre oder ein Synthesizer eben kein richtiges Instrument. Aber ich meine, das ist eine falsche Sichtweise. Die Menschen haben immer schon Musikinstrumente aus den Materialien und mit den technischen Möglichkeiten hergestellt, die ihnen zu der Zeit eben gerade zur Verfügung standen. Ich würde es nicht für ausgeschlossen halten, dass der eine oder andere Komponist aus vergangenen Epochen auch was für Synthesizer komponiert hätte, wenn es derartiges gegeben hätte.


    Der Umstand, dass fahl5 bei seinem Projekt mit dem Computer nicht in Echtzeit arbeitet, ändert m. E. nichts daran, dass er den Computer trotzdem als Musikinstrument einsetzt. Bei einem mechanischen Reproduktionsklavier, z. B. einem Welte-Mignon, würde doch auch niemand sagen, dass es kein Musikinstrument ist, oder?

    Was meine samplebasierten Interpretationen klassischer Musik anlangt, kann ich meine Aufnahmen im Gegensatz zu traditionellen CD-Publikationen durchaus jederzeit "Updaten"

    Im Prinzip hast du da natürlich Recht. Aber eben nur im Prinzip. Du weißt sicher so gut wie ich, was für einen Aufwand es bedeutet, ein bestehendes Projekt beispielsweise auf eine neue Sample-Library umzustellen. Praktisch alles, was mit Interpretation zu tun hat, mit Ausnahme des Tempos, kannst du neu machen. Dynamikeinstellungen, Klangbalance, die Auswahl der passenden Samples (Keyswitches), sämtliche Expression-Kurven oder sonstige Controller-Verläufe, die du gezeichnet hast, alles passt nicht mehr und kannst neu machen. Und wenn sehr viel Zeit ins Land gegangen ist, hast du noch ganz andere Probleme: Deine alten Programme laufen womöglich nicht mehr. Und wenn sie theoretisch noch laufen, hast du keinen Rechner mehr mit der Konfiguration von damals. Probleme ohne Ende. Ich kann dir garantieren, dass du darauf keine Lust haben wirst. Wenn ich z. B. mein altes Zeug von oben updaten wollen würde, ich hätte keine Chance. Die alten Projektdateien habe ich zwar noch. Aber der Sequenzer war Logic Audio für Windows 95. Läuft nicht mehr. Der Dongle war mit serieller Schnittstelle. Serielle Schnittstelle gibt's nicht mehr. Ich glaube du verstehst was ich meine. "Updaten" ist eher eine theoretische Möglichkeit. Bei Klaviermusik mag das ja noch angehen. Muss man vielleicht nur die Dynamikkurve und die Controller-Zuordnung für die Pedale neu anpassen. Aber für Orchester? - no way.


    Deine Idee vom "Altern" solcher Aufnahmen basiert auf der Annahme, dass die Nutzung technische Möglichkeit ihr eigentlicher Sinn wäre.

    Ich versteh' schon, dass die Nutzung der technischen Möglichkeiten nicht der eigentliche Sinn deines Projektes ist. Aber Technik ist nun mal das Medium mit dem du arbeitest. Und verschiedene Dinge in der Welt altern eben in unterschiedlicher Weise. Eine Flasche Wein altert anders als eine Flasche Coca-Cola. Mit einer guten Flasche Wein kannst du, wenn sie 100 Jahre alt ist, zur Auktion gehen. Eine 100 Jahre alte Flasche Coca-Cola kannst du wegschütten. Und das Holz einer Geige altert eben auch anders als eine Sample-Library. Es gibt sozusagen positives Altern und negatives Altern. Eine Sample-Library und die ganzen zugehörigen Computerprogramme altern in höchstem Maße negativ.


    Bereits die etwas älteren VSL-Samples klingen heute ja schon nicht mehr ganz taufrisch. Es gibt ja jetzt die neue Dimension Strings Library von VSL. Bringt viel mehr Lebendigkeit in die Sache, weil die Streicher jetzt nicht mehr als Ganzes, sondern jeder Einzelne für sich aufgenommen wurden und man auch auf die Spielweise jedes einzelnen Streichers direkt zugreifen kann. Und, hättest nicht Lust deine alten Projekt upzudaten? Würde sich bestimmt lohnen. :rolleyes:

    Ich glaube, am Ende fehlen mehrere Takte ab Buchstabe P, mit dem lauten fortissimo-Ausbruch des gesamten Orchesters, oder?

    Das kann gut sein, dass ich da was gekürzt habe. Fortissimo-Ausbrüche waren mit diesen Hardware-Klangmodulen besonders schwierig zu bewerkstelligen. Besonders die Hörner klangen im Forte schlecht. Hört man auch deutlich bei der Eroica. Und dass da Fehler drin sind bezweifle ich auch nicht.

    Dann sollte man aber zur "historischen Gerechtigkeit" hören, wie das Computerorchester dann 20 Jahre später auf der Basis von Samplelibraries klingt


    Das hier ist auch an die 20 Jahre alt und von mir. Ich habe solche albernen Späßchen nämlich auch mal gemacht. Jugendsünden eben. Aber nur zum Privatvergnügen bzw. zu Übungszwecken. Damals gab's selbstredend noch kein VSL oder sonstige Sample-Librarys. Alles Hardware-Gerätschaften:


    Mozart, Sinfonie Nr. 35 (Haffner), 1. Satz:
    "https://app.box.com/s/vmhqrwn7bkxturhv63uf"



    Vivaldi, Vier Jahreszeiten:


    Frühling:
    "https://app.box.com/s/0oxnohrsintuhdn6k39z"


    Sommer:
    "https://app.box.com/s/rhd19u5b96f2s8u7b1bl"


    Herbst:
    "https://app.box.com/s/nurtn243n62l4yjdhyjw"


    Winter:
    "https://app.box.com/s/zugjaeoath6pmefi017r"



    Joseph Martin Kraus, c-moll Sinfonie:


    1. Satz:
    "https://app.box.com/s/qfahmheb1zqil4c4nnni"


    3. Satz:
    "https://app.box.com/s/70w6lbzv2qsl2c0a2bzf"



    Beethoven, 3. Sinfonie, 4. Satz:
    "https://app.box.com/s/c4h6r1lm5wxuq3avnbja"



    Engelbert Humperdinck, Vorspiel zu Hänsel und Gretel ( merkatz: Besser nicht anhören, ist ziemlich schlimm):
    "https://app.box.com/s/4nwaca58bzrgxnk5oxjq"



    Mozart, Requiem, Lacrimosa:
    "https://app.box.com/s/76vg01n0sd6ng5o1timt"



    Ich habe die CD, die ich damals gemacht habe gerade aus dem Keller rausgekramt und mir beim Hochladen nochmal angehört. Klingt aus heutiger Sicht eigentlich ziemlich peinlich. Nur das Lacrimosa gefällt mir eigentlich immer noch. Aber der Chor singt natürlich leider keine Wörter, das ging damals noch nicht, er singt nur Aahhs.


    Darum noch eine Frage an fahl5: Was machst du eigentlich, wenn deine Einspielungen in 10 bis 15 Jahren total veraltet klingen, weil sich der technische Stand einfach weiterentwickelt hat. Dann war doch die ganze Arbeit mehr oder weniger für die Katz', oder meinst du nicht?