Beiträge von FairyQueen

    C.W.Gluck Alceste Bayrische Staatsoper München

    Bonjour ringsum an alle Opernfreunde,
    hat jemand von euch Glucks Alceste in München gesehen und gehört und könnte etwas dazu sagen? Mein Lieblingschoreograph, der von mir schon vor vielen Jahren hier hochgelobte und inzwischen berühmte Sidi Larbi Cherkaoui inszeniert die Aufführung und ich habe eine ziemlich miserable Kritik im Deutschlandfunk gehört. Dorothea Röschmann soll total überfordert sein und der Dirigent die Sänger und das Orchester mit unmotivierten und unpassenden Tempi durch die Oper jagen. Der Ritter gluck würde sic h im Grabe umdrehen..... Die kurzen Ausschnitte die ich im Netz gesehen habe, fand ich choreographisch allerdings spitzenmässig. Hat jemand einen persönlichen Eindruck zu teilen? :fee:

    Abgesehen davon, dass "Schweinereien", die in der Welt passieren m.E. auch ihren Platz auf den Bühnen haben dürfen und in gewisser Hinsicht sogar haben sollten ( z.B. wenn man Theater als (Vergrösserungs)-Spiegel aller Lebensbereiche sehen möchte), möchte ich mal eine dumme Zwischenfrage stellen. Ich höre gerade hier in Frankreich immer wieder, dass Homosexuelle überproportional in kulturspezifischen Berufen tätig sind. Gibt es dazu Statistiken? Was die Oper angeht habe ich nämlich nichts gefunden..... :fee:

    Königin Elisabeth Wettbewerb 2018 Gesang

    Allen Liebhabern schöner Stimmen und vielversprechender Nachwuchssänger seien die 3 Finalkonzerte des Königin Elisabeth Wettbewerbs ans Herz gelegt, die man bei Arte Concert in voller Länge anhören kann. Besonderes Highlight: der Sieger kommt dieses Jahr aus Deutschland! :verbeugung1: Samuel Hasselhorn 27jähriger Bariton und Liedspezialist, der mit Mahler (Wer hat dies Liedlein erdacht, Wo die schönen Trompeten blasen) Mendelssohn Elias "Es ist genug" und Verdi don Carlos Adieu Carlos (in frz; Sprache) die Jury überzeugte. Der sehr sympathische, werdende Vater, der jeden Abend "guten Abend, gut Nacht" für sein Baby singt, ist in Göttingen geboren und hat in Hannover und Paris Gesang studiert. Ich fand ihn unglaublich ausgereift für sein Alter und auch als Elias überzeugend, wo ich mir eigentlich einen viel älteren Sänger vorstelle. Seine Interpretation ist diskret und authentisch zugleich und die Stimme einfach schön und technisch quasi perfekt. Als Lied-Liebhaberin habe ich mich besonders über seinen Sieg gefreut. Keine Ahnung wann ein Deutscher oder eine deutsche zuletztdiesen Wettbewerb gewonnen haben- zumindest nicht, solange ich ihn verfolge. Sonst wurde hier immer davon berichtet - ich habe z.B. Eifelplatz lebendige Reportagen vergebens gesucht und vermisst! :schaem1:

    Auch die zweite Siegerin, Eva Zaicik, Mezzosopran aus Frankreich, hat grosse Klasse. Sie hat bereits den in Frankreich sehr renommierten "Victoire de la musique" gewonnen und hat mit einem wunderschönen Programm von Dido "When I'm laid" bis Erbarme dich und russisches Lied die Herzen erobert. Dagegen war auch das Stimmfeuerwerk der Koloratursopranistin Rocio Perez (Der Hölle Rachen.... etc) chancenlos. (4. Platz)
    Auf den dritten Platz kam der chinesische Bass Ao Li.
    Und es lohnt sich unbedingt, alle Finalisten anzuhören. Was da an Stimmqualität geboten wird, ist noch einen tick besser als die Gesangswettbewerb der letzten Male (vor 4 und 8 Jahren) die ich gehört habe. Das Niveau steigt zunehmend scheint es mir.
    Von diesen Sängen wird man hier hoffentlich noch lesen. Lieben Gruss an alle Stimmenliebhaber(innen) :fee:

    Im Ernst: Kundrys zentrale Eigenschaft ist, kein Mitleid gezeigt zu haben und dieses zu bereuen. Das ist der Kern ihrer Persönlichkeit. Fehlendes Mitleid ist aber gerade kein antisemitisches Stereotyp. Es gibt deren viele. Geldgier, fehlende Vaterslandsliebe, Wolllust, fehlende Musikalität. Hier geht es aber um Mitleid. Es ist übrigens typisch für unsere narzisstische Gesellschaft, dass dies häufig nicht erkannt wird. Stattdessen versucht man, die Kernbotschaft des Werkes umzudeuten. Das ist bequemer.

    Lieber Ecclitico, bevor Du Deine Rundumschläge verteilst, solltest Du vielleicht etwas genauer informiert sein. Ahasverus ist in der Legende ein Jude, der kein Mitleid mit dem leidenden Christus hatte, als dieser gekreuzigt wurde und nicht nur das: er verspottete ihn sogar. Christus soll ihn dafür (was m.E. absurd, weil vollkommen "unchristlich" ist) verflucht haben und seither irrt er durch die Welt und sucht nach Erlösung. Wer sich mit Wagners antisemitischen Schriften befasst hat und darin keine Parallele zur mitleidslosen und nach Erlösung suchenden herumirrenden Kundry sieht, muss mindestens auf einem Auge blind sein. Das heisst zwar nicht, dass man durch Anhören dieser Oper zum Antisemiten wird, aber nicht umsonst wurde ja gerade der Parsifal von Adolf Hitler (dessen fanatischer Antisemitismus wohl ausser Frage steht.......) so hochgehalten. Mich persönlich stösst der Inhalt dieser Oper eher wegen der Frauenfeindlichkeit ab, aber Antisemiten ( auch schon vor den Nazis) haben "Weibischkeit"als typisch jüdische Eigenschaft betrachtet. von daher schlisst sich der Kreis. Was nicht heisst, dass es keine herrlichen Musikstücke im Parsifal gibt. Solange nicht gesungen wird und keine Worte fallen würde ich die Ouvertüre sogar als Geniestreich betrachten . Musik ist nicht antisemitisch, Worte und Personifizierungen können es aber sehr wohl sein. Und im Parsifal steht das zumindest in der Kundry als Ahasver-Figur für mich ausser Frage.


    P.S. Nachdem ich den letzten Beitrag zur Homosexualität gelesen habe: Wagner hatte bekanntlich noch viele andere erotische Beziehungen zu Frauen als die zu Cosima (die in dieser Hinsicht, laut ihrer Tagebücher, wahrscheinlich eher viktorianisch drauf war.....). Ich glaube, den mir bekannten Quellen folgend, eher nicht, dass eine gesunde Erotik die Grundlage dieser Ehe war sondern vielmehr die bedingungslose Hingabe und Aufopferung eines sich selbst als minderwertig fühlenden "Weibes" für einen durch und durch egomanischen Künstler, der genau das wie die Luft zum Atmen brauchte und ausserdem ihre Herkunft und Bildung schätzte. Wie nicht selten haben sich hier Zwei gefunden, deren Neurosen bestens in- undzueinander passten. Wagner hat sich erotisch auch durchaus ausser Hauses vergnügt und meines Wissens nach mit Frauen. Seine Liebe zu Mathilde Wesendonck zeugt auch nicht gerade von Homosexualität. Ich weiss nicht, welche ernsthaften Hinweise es dafür geben sollte. Wenn ein Sohn homosexuell ist, heisst das überhaupt nicht, dass der Vater es auch sein muss- aber dass dieser Sohn (unter lauter Töchtern als Kronprinz angebetet) von Ansprüchen und Erwartungen überfrachtet und neben dem übermächtigen Vater chancenlos war, ist noch eine ganz andere Geschichte . Inwieweit diese Stellung in der Familie Homosexualität vielleicht gefördert hat, weiss ich nicht. Da Homosexualität keine psychische Krankheit sondern eine sexuelle Lebensform ist, ist es auch müssig sich darüber Gedanken zu machen......

    Lieber Amfortas, wie könnte ich Dir je zürnen????? Du hast schon per se einen "Alte Garde der aufrechten musikpassionierten Weggefährten- Bonus " bei mir :love: und ausserdem , wie gesagt: ich bin ja froh, wenn es hier eine echte Diskussion gibt und ohne unterschiedliche Ansichten gäbe es die nicht.
    Ich finde, du hast die Grundstimmung der Pinchon JP anhand der Alt-Arie sehr gut erkannt. Sie war sehr durchdacht und in einem einheitlichen Ton und der wurde eben genau mit der eingefügten Eingangsnummer: "O Traurigkeit, o Herzeleid" eingeführt. Dieser verhalten und ätherisch schön aus dem Off gesungene Choral ist die Musik gewordene verinnerlichte Verzweiflung, die die ganze Aufführung charakterisiert. Das interne Programm dieser Interpretation hat Pinchon damit gleich zu Beginn geliefert und deshalb fand ich seine Einschübe so gut. Sie haben die Interpretation unterstrichen und intensiviert. Natürlich braucht die JP das nicht, um ihre Qualität zu steigern, aber in meinen Ohren hat es ihr in keinster Weise geschadet- im Gegenteil. Ich muss aber der Genauigkeit wegen noch betonen, dass ich nicht die Aufführung gehört habe die man auf der Webseite der Pariser Philharmonie hören kann, sondern die vom 27.3 in der Oper Lille. Live kommt da wirklich noch ganz Anderes rüber.

    Lieber Andrejo , was Hana Blazikova angeht: abgesehen davon, dass die JP eher eine Zumutung für den Solosopran ist, da die beiden Arien ewig weit auseinanderliegen und die Zweite nicht nur schwierig sondern auch noch undankbar ist, kann ich mir vorstellen, dass ihre Stimme je nach Raumakustik und Tagesform nicht besonders gut trägt. Das ist keine grosse Opernstimme und neben den anderen Solisten kann sie je nach Besetzung schon mal untergehen. Allerdings fand ich sie in der MP wirklich top und einer Sängerin deren Stimmfarbe mir so gut gefällt und die eine der schwierigsten Oratorienarien "Aus Liebe will meine Heiland sterben"so wunderbar singt, verzeihe ich eh Einiges. Bei dieser Arie ist frau sowas von nackt und bloss und muss endlosen Atem und lupenreine Sauberkeit haben-wer das kann, da kann ich nur Chapeau sagen. Und wen es dann auch noch so klangschön ist........ :fee: Aber wie gesagt: das ist drei Jahre her und Stimmen verändern sich. Und in der JP hab ich sie noch nicht gehört. Unsere Ukrainerin hatte auch eine sehr schöne reine und junge Stimme-fast wie ein Knabensopran, was hier sah passend ist. Aber leider hat sie ja wie gesagt im Vergleich zum Alt nur sehr wenig Gelegenheit zu glänzen........

    Man kann viel Schönes und Gelungenes in der Aufnahme hören, da stimme ich absolut zu, der Chor singt mit einer atemberaubenden Präsenz, Julian Prégardien ist ein sehr guter Evangelist. Allerdings kann ich die exzeptionelle Stellung dieses Musizierens für mich nicht recht bestätigen.

    Ich habe vorgestern erst selber BWV 245 gesungen und habe unsere Aufführung an vielen Stellen auf ähnlichem Niveau erlebt, an manchen Stellen (z.B. der unterschiedlichen Charakterisierung der Turba-Chöre), so denke ich, war unsere Interpretation überlegen. Auch unseren Sänger der Bassarien (Andreas Burkhart) fand ich deutlich überzeugender. So kann ich nun alles Mögliche behaupten, weil ich keinen entsprechenden Mitschnitt bieten kann. Mir geht es ja auch nicht um meine Aufführung, sondern darum, dass es doch vermutlich sehr viele ähnlich gute Aufführungen der Bach'schen Passionen in den vergangenen Tagen in Deutschland gegeben hat. Ich würde bestätigen, dass es für eine französische Aufführung eine außerordentlich gelungene JoPa ist, die man sich hier ansehen kann.

    Ich hätte auf die Ergänzungen sehr gerne verzichten können, dafür ist die JoPa in meinen Ohren eine klar abgegrenzte, in sich schlüssige Komposition. Abgesehen vom Aspekte der Novität sind diese sehr gut musiziert und natürlich thematisch passend, aber einen Mehrwert bieten sie mir nicht.

    Ich hoffe, Du verzeihst mir diese Meinung ....

    Lieben Ostergruß sendet Dir Benno

    Lieber Benno, was gibt es da zu verzeihen? im Gegenteil, ich freue mich immer, wenn ich nicht monologisieren muss und es eine Diskussion gibt :sofa1: Ich kann bestens nachvollziehen, dass Leute wie Du mit ihren zahlreichen aktiven wie passiven JP Erfahrungen das Ganze anders sehen als ich im frz. Exil, wo man alle Jubeljahre mal eine JP live zu hören bekommt und dann allein schon aus Dankbarkeit begeistert ist..... ;(
    Ausserdem hast Du vollkommen Recht: an das Live-Erlebnis kommt kein Mittschnitt je heran und die Vibration und Stimmung im Saal und in mir selbst beeinflusst mein Urteil erheblich. Ich kenne ja all die dt JPs der letzten Jahre nicht und schon gar nicht die, bei denen Du mitgesungen hast... könnt ihr nicht mal auf Tournee zu uns kommen?????? Wir sind trotz Emmanuelle Haïm eine Bach-Diaspora , was sicher auch an den Sprachproblemen und einem nicht so intensiven inneren Bezug zu dieser Musik liegt. Ich würde nach 15 Jahren in diesem schönen Land mal behaupten, dass Bach nicht unbedingt dem frz. Temperament entspricht.... von daher kann man deinen Satz " dass es für eine frz. Aufführung eine ausserordentlich gelungene Aufführung sei" unterstreichen. Allerdings war ja ein erheblicher der Beteiligten nicht frz. Ursprungs..... :D
    Mein Enthusiasmus ist gewiss u.A. auch dem Mangel an umfassender Kenntnis anderer Interpretationen geschuldet aber ich bleibe trotzdem bei dem Urteil einer herausragenden Interpretation und die Auszeichnung die Pinchon bekommen hat, spricht ja auch dafür. Live war es jedenfalls auch durch die dezente Inszenierung und die eingefügten Stücke ebenso fesselnd und mitreissend wie berührend und verinnerlicht. ich fand gerade den Choral am Anfang als "Stimmungseinführung" in Pinchons Interpretation ideal- aber als Bach-Purist muss man da natürlich nicht mitgehen. Liebe Grüsse aus Frankreich


    Weniger gefallen hat mir diesbezüglich auch die Sopranistin Hana Blazickova, die überdies wirkliche Kohärenz der Gesangslinie vermissen ließ. In der Tiefe oder im Piano verschwand sie bis zu einem gewissen Grad.

    Es grüßt Wolfgang

    Das erstaunt mich zu lesen. In der Matthäus-Passion in Versailles vor drei Jahren hat sie mich zu Tränen gerührt mit eher wunderschönen Stimme und das teuflisch schwierige "Aus Liebe will mein Heiland sterben" so was von gut gesungen! :sofa1: Die JP ist aber auch nicht gerade ein dankbares Glanzstück für Soprane- Bach hat die Altistinnen hier eindeutiger besser bedacht!

    Johannes-Passion exquisit Ensemble Pygmalion

    Für alle Liebhaber(innen) der Johannespassion: ich hatte das grosse Glück die exquisite Interpretation (und Bearbeitung, denn es werden einige Musikstücke aus andere Bach-Werken eingefügt) des Ensembles Pygmalion(19 Sänger/innen) unter seinem jungen Dirigenten Raphaël Pichon zu hören und zu sehen. Es gibt noch eine Aufführung am Karsamstag in Paris, und man kann sie aus der Ferne entweder live oder noch 6 Monate aus der Webseite der Pariser Philharmonie ansehen und -hören. Link unten. Reine, transparente und überwältigend schöne Innigkeit mit einer angedeuteten Inszenierung, die sich aber sehr diskret gibt:einige Bewegungen und Neu-Positionierungen / Blickrichtungen der Sänger, das genügt , um eine dramatische Intensität zu erzeugen; man glaubt, denen Krimi mitzuerleben. Die Geschmackssicherheit von Pinchon wird nur noch von der musikalischen und vokalen Qualität übertroffen. Alles überragend ist Julian Pregardien als Evangelist. Was für eine Steigerung! Ich habe ihn vor etlichen Jahren in Versailles mit der Matthäus-Passion gehört und das war schon gut, aber was er hier bietet, lässt bei mir keine Wünsche offen und ist für meine Ohren ideal. Die Altistin Lucile Richardot habe ich zunächst für einen Counter gehalten- die Stimme hat ein androgynes Timbre und Kraft und Wärme zugleich- die Entdeckung des Abends für mich.
    Hier die Besetzung:

    • AnonymeO Traurigkeit, O Herzeleid !
    • Johann Sebastian BachPassion selon Saint Jean BWV 245 Partie ICantate BWV 159 - Sehet ! Wir gehn hinauf gen Jerusalem (extraits)Passion selon Saint Jean Choeur : Christe, du Lamm Gottes, BWV 245 Partie IIPassion selon Saint Jean BWV 245 Partie II (dont Jacob Handl – Ecce quomodo moritur)
    • Pygmalion
    • Raphaël Pichon, direction
    • Tomáš Král, Jésus
    • Julian Prégardien, Evangéliste
    • Kateryna Kasper, soprano
    • Lucile Richardot, alto
    • John Irvin, ténor
    • Christian Immler, basse
    • Bertrand Couderc, lumières

    Und hier kann man am Samstag mithören oder später Nachhören
    " live.philharmoniedeparis.fr "où il restera disponible pendant six mois.

    Das Ganze beginnt aus dem Off mit dem Choral "O Traurigkeit, o Herzeleid". Als Johannespassionkenner denkt man erstmal : Was ist das denn, aber diese Frage erledigt sich nach wenigen Sekunden himmlischen Wohlklangs von selbst. Bei den anderen eingeschobenen Arien btw Chorälen hab ich mich nur noch zurückgelehnt, es war derart organisch in der Gesamtinterpretation eingebettet, dass an glaubt, es könne nur so sein und nicht anders. Das Duett Alt und Bass aus der Cantate "Wir gehen hinauf nach Jerusalem" kam genau im richtigen moment vor der Pilatus-Szene, genauso wie der Chor Ecce quodmodo moritur und "Christe du Lamm Gottes" Macht euch selbst ein Bild, für mich war das, ausser denen bei denen ich selbst mitgesungen habe und die daher wegen emotionaler Beteiligung nicht mitzählen, die schönste und ergreifendste Joahnnespassion meines (bisherigen) Lebens. :sofa1: :verbeugung1: :clap:
    Das wollte ich gerne mit den Interessierten hier im Forum teilen. Falls jemand die Aufführung hören kann, würde ich mich über Rückmeldung freuen. Schöne Ostertage und liebe Grüsse, heute Stabat mater von Pergolesi singend dürfend :fee:

    Gestern bei Hanser Berlin erschienen, ein zauberhaftes Buch über meine apulische Nonna (=Oma für die Nicht-Italophonen), deren aussergewöhnliche Persönlichkeit und Lebensgeschichte ihre in Deutschland aufgewachsenen Enkel in ungläubiges Staunen versetzte. Als Analphabetin hat sie sich ein Weltbild zurechtgedacht, in dem z.B. Gott ein riesengrosses Telefonino besitzt, mit dem er zu allen Menschen jederzeit Kontakt aufnehmen kann. Mein Bruder beschreibt seine allsommerlichen Begegnungen mit ihr und die völlige Fremdheit der Nachkommen von "Gastarbeiterkindern" für das Leben und Denken der im Ursprungsland gebliebenen Grossmutter. In knapper nüchterner Sprache, so diskret wie liebevoll. Und dabei auch eine Familiengeschichte, in der Migration (zunächst in die USA und dann nach "Germania") über mehrere Generationen hinweg vor allen Dingen die Beziehungen zwischen den auswandernden Männern und den zu Hause geblieben Frauen entscheidend geprägt hat.
    :fee:

    indem Donna Anna und Donna Elvira die Schnauze gehörig dicke von Mackern haben und als furchtlose Vorkämpferinnen der ME-Too-Bewegung oder als radikale Femen sich etablieren


    Bei Donna Anna mag das mit einem zugedrückten Auge ja eventuell noch hinkommen, aber Donna Elvira gehört doch viel eher in die Kategorie "Wenn Frauen zu sehr lieben"......... die wäre Don Giovanni wahrscheinlich noch in die Hölle gefolgt, wenn er sie nicht mit der Leporello Story so tief in ihrer Ehre verletzt hätte........

    Spontane Auswahl des Abends, nicht sonderlich originell, die mir aber zumindest deutlich macht, dass ich offenbar weder Tenöre noch Mezzi als Solisten sonderlich schätze......
    Von zwei Bassarien und der Charlotte abgesehen finden sich hier nämlich nur klagende oder liebeskranke Soprane. ..... :love:
    Bitte daraus kein psychologisches Profil ableiten. Ich fahre nun mal in der Oper voll auf elegischen und undramatischen Schönklang ab. Einige fehlen, weil mir die Titel nicht sofort eingefallen sind, die Amor-Arie von Gluck, eine Poppea von Monteverdi und etliche Händels. Mit Giovanni di Tolon könnte ich z.B. allerbestens eine Liste teilen, allerdings muss der Bellini unabdingbar mit drauf. Die Reihenfolge ab Nummer 4 ist nicht mehr zwingend :fee:

    1) O rendetemi la speme- Qui la voce sua soave (Bellini, I Puritani) Es kann nur Eine Nummer 1 geben......

    2) Angels ever bright and fair (Händel Theodora) Wenn das mein letztes Lied sein könnte......

    3) When I am laid (Purcell Dido) ...... und das mein zweitletztes

    4) D'amour, l'ardente flamme (Berlioz Damnation de Faust)

    5) Ah, mio cor (Händel Alcina)

    6) Ella giammai m'amo (Verdi Don Carlo)

    7) Casta Diva (Bellini Norma)

    8 Addio del passato (Verdi Traviata)

    9) Ah, non credea mirarti (Bellini Sonnambula)

    10) Regnava nel silenzio (Donizetti Lucia di Lammermoor)

    11) Lascia la spina (Händel Il trionfo)

    12) L'amero saro costante (Mozart Il ré pastore)

    13) Piangero la sorte mia (Händel Gilio Cesare)

    14) Les fleurs me paraissent plus belles (Delibes Lakmé)

    15) O quante volte (Bellini I Capuleti e i Montecchi)

    16) Ah, laissez couler mes larmes (Massenet Werther)

    17) Ruhe sanft (Mozart Zaide)

    18) O malheureuse Iphigenie (Gluck Iphigenie) in memoriam Peter

    19) Vi ravviso (Bellini La sonnambula)

    20) Air des clochettes (Delibes Lakmé)

    Lieber Zwielicht und lieber Caesar, Ich bin von den Mahler- und Liszt Lieder auch ganz begeistert. :clap: :spock1:
    Und ich habe Diana Damrau schon vor Jahren dafür bewundert. Als Koloratursopran ist sie weder bei Mahler noch bei Liszt wirklich gut bedient und "brillieren" kann man damit auch nicht gerade. Wenn man Recitals anderer Fachkolleginnen damit vergleicht, fällt sie jedenfalls ziemlich aus dem Rahmen. Das zeigt, dass es ihr nicht in erster Linie um die Lorbeeren sondern um die Kunst geht.
    Ich finde Hugo Wolf-Lieder in Riesensäalen auch total unangebracht und stelle mir gerade vor, wie man sich als Sänger und Pianist dabei fühlt...... ich hoffe, das wird keine ästhetischen Auswirkungen auf die Interpretation haben oder gar zum Forcieren verleiten. . Für das von mir sehr geliebte Liedrepertoire selbst kann es allerdings nur gut sein, wenn Stars wie Damrau und Kaufmann (DAS deutsches Spitzentraumpaar) es aus seiner Nische holen. Wie wir erfahren haben, werden ja sogar renommierte Forianer erst durch Starbesetzung ans Lied herangeführt...... :thumbup:
    Hier im Forum wird ja hoffentlich davon berichtet werden, wenn die oder der ein oder andere eines dieser Konzerte besuchen kann. Was Damraus weiteren Opernweg angeht, hängt das sicher auch von ihrem persönlichen Geschmack ab. Mittlerweile ist sie ja in einer Liga angekommen, in der sie selbst bestimmt , was sie singen will und was nicht ;und wie schon gesagt hängt ganz viel auch von den Partnern, Orchestern, Dirigenten und Räumlichkeiten ab. In kleineren Häusern kann man manchmal Rollen singen, von denen man in grossen Häusern nicht mal zu träumen wagt. Beruhigend, zu lesen, dass sie live dann doch etas mehr Stimme hat als Bartoli......wobei das nichts gegen Bartoli herausragende künstlerische Leistung sagt, mit der sie den Mangel an Volumen vergessen lässt. Zumindest dann, wenn sie allein auf der Bühne steht oder auf Händen getragen wird.

    Danke für den Hinweis zur Perlenfischer DVD. :fee:

    Dem, was Zwielicht aus der Beobachtung von aussen zur Stimmentwicklung bei Koloratursopranen oben sagt, füge ich sozusagen von innen noch etwas hinzu. Wenn auch nur auf sehr bescheidenem Niveau, habe ich selbst diesen Stimmweg gemacht und kenne etliche mehr professionelle Koloratur-Soprane, persönlich.Es gibt m.E. zwei entscheidende Komponenten: zum Einen die technischen Möglichkeiten des Stimmapparates, der -auch bei bestem Training im professionellen Bereich -unweigerlich altert und an Elastizität verliert. Bei Frauen kommt die wichtige hormonelle Komponente dazu (Menopause mit sinkendem Östrogenspiegel) und man findet selten Koloraturstimmen, die rein technisch gesehen mit 50noch dasselbe singen können wie mit 25. Ausnahmen gibt es natürlich , aber auch bei denen klingt es nicht mehr genauso ( z.B. Gruberova) Eklatantes Beispiel für die altersbedingten technischen Probleme ist Nathalie Dessay, die mit der Menopause dann auch im Opernbereich aufgehört hat, ohne den Weg in ein anderes Fach zu gehen. Dafür kann es viele Gründe geben und da kommt dann auch die 2. Komponente ins Spiel: die künstlerische Entwicklung, die mit der der persönlichen Entwicklung engstens zusammenhängt. Die Rollen für Koloraturstimmen sind begrenzt au oft sehr junge soubrettige ( .B. Blondchen), oder halbdurchgedrehte , abgehobene,ätherische (Bellini), übermenschliche, feenhaften (Königin, Titania, Olympia...) etc Gestalten- von Bellini bis Mozart, Hoffmann, Strauss, das frz Repertoire usw. Das Singen von extrem hohen Koloraturen hat per se etwas Übermenschliches an sich und gehört nicht ins sinnliche, erdverbundene, urmenschliche Wesen. Ein "normaler" Mensch macht solche Töne allenfalls in Extase oder extremen Angst, Schmerz, Ekelzuständen. Wenn meine Tochter ein Spinne sieht quietscht sie auch ein hohes f :versteck2: ansonsten ist sie eher Alt.......Man sieht also schon die emotionale Färbung. 8)
    Als erfahrene und reifende Persönlichkeit will frau irgendwann auch mal weg von dieser Schiene, zumal es in diesen Gefilden nicht allzu viel Gestaltungsfreiraum gibt, da es schwierig genug ist, die Töne überhaupt zu treffen und zu halten........ Von der Glaubwürdigkeit auf der Bühne will ich gar nicht erst reden. Maske und Kostüm schaffen zwar eine ganze Menge, aber bei den brutalen Medienmethoden unserer Tage mit Nahaufnahmen etc hilft auch das irgendwann nicht mehr. Ich habe z.B. keine Lust mehr , eine Gruberova in Rollen jugendlicher Feenwesen zu sehen (auch nicht zu hören, aber das ist Geschmacksache). Selbst zierliche und sehr jugendlich wirkende Kolratursoprane wie Nathalie Dessay oder Patricia Sciofi wissen, wann damit Schluss ist oder haben keine Lust mehr darauf. Die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten, die Zweilicht oben aufgezeigt hat, sind dann sehr individuell verschieden und hängen im Profibereich natürlich auch vom guten oder schlechten Coaching, der Konstitution und der Ökonomie der Mittel ab. Wer immer nur auf Koloraturtechnik gedrillt wurde wird vielleicht den Weg ins leichtere lyrische Fach gehen können, "robustere" Stimmen à la Edda Moser ins Dramatische etc Etliche Karrieren brechen aber auch einfach ab, freiwillig , weil frau nichts Anderes singen will oder weil die Stimme einfach nichts Anderes hergibt. Die Rolle eines guten Gesangslehrer oder Stimmcoachs ,wie es heute oft heisst, ist entscheidend in solchen Fällen. Das gilt genauso für die sogenannten Tenore die Grazia wie z.B. Juan Diego Flores- die stehen vor demselben Dilemma, nur ohne die starken Auswirkungen dieser hormonelle Zäsur um die 50. Selbst wenn Männer auch eine Midlife crisis haben, sie ist weniger biochemisch relevant als bei Frauen.
    Was nun Diana Damrau angeht, kann ich mir nicht wirklich ein Urteil erlauben, da ich sie live leider nicht gehört habe. Wenn sie keine grosse Stimme hat (was man nur live wirklich beurteilen kann, ich vergesse nie mein Schockerlebnis mit Cecilia Bartoli. von Cd zum Konzert..) ist sie im Opernfach sehr auf die Mitarbeit der Mitsänger,Dirigenten und Orchester angewiesen. Gut getragen geht Vieles. Das Zeug zu lyrischen Koloraturrollen mit dramatischen Einsprengsel wie etwa Leila oder Traviata hat sie allemal. Vielleicht wird sie auch noch andere Verdi-Rollen singen, Puccini, Mozart... sehr viel frz. Repertoire, das mir ziemlich ideal scheint. Ich habe sie sehr sehr gerne auch im Lied, wer weiss, wozu sie Lust hat. Sie scheint intelligent und bodenständig zu sein und wird sicher ihren Weg gehen.
    Ich habe übrigens den Eindruck, dass frühere Koloraturkarrieren wie etwa Erna Berger, Rita Streich, Wilma Tipp etc einfacher und gradliniger waren, weil nicht erwartet wurde, dass man solche Wandlungen vollzieht und bis 65 auf der Bühne steht. ausserdem gab-gibt es auch die Operette , die oft ideal für leichtere Stimmen ist .Aber vielleicht irre ich mich da auch. mangels hinreichender Informationen. Liebe Grüsse aus Frankreich :fee:

    Leider nur kleine Ausschnitte. ;( Die Perlenfischer gehören zu meinen Lieblingsopern und die Rolle der Leila ist m.E. wie gemacht für Diana Damraus Stimme (weniger für ihren blonden bayrischen Typ.......) Dass sie zusammen mit ihrem Ehemann darin aufgetreten ist, war mir neu. Nachdem ich Christa Ludwigs autobiographie gelesen habe, frage ich mich immer , wie solche Sängerpaare überleben.
    Leila ist eine sehr anspruchsvolle Partie mit Koloratur plus Dramatik, und dazu noch die französische Sprache. Die Arie Anrufung des Brahma ist in vielerlei Hinsicht richtig schwierig.Ich finde Damrau stimmlich für diese Rolle sehr überzeugend, aber die Kostüm- und Maskenbildner mussten schon ganze Arbeit leisten, um sie halbwegs glaubwürdig erscheinen zu lassen. Gibt es irgendwo einen Gesamtmitschnitt zum Ansehen?
    Meine Lieblings Leila ist weiterhin Ileana Cotrubas. :fee:

    Ehe gerettet - Oper kaputt.

    :kuss2: :megalol: Wenigstens vor Weihnachten sollten wir altruistisch genug sein, um das besser zu finden als andersrum, was meinst du lieber Zwielicht? Ein bisschen Langeweile bringt uns nicht um,oder? Wenn man dagegen an die unabsehbaren Folgen für die Kunstwelt denkt, wenn dieses Dream-Team sich wegen Verletzung männlicher Eitelkeit trennen sollte..... :ohnmacht1:

    Auch was den grellen privaten Outfit-Stil des besagten Ehepaars angeht (zumindest konnte man das gestern in einem kleinen Film bei Arte sehen) haben sie sich wirklich in jeder Hinsicht gesucht und gefunden, die brauchen eigentlich keinen Kostümbildner........ Jetzt aber genug Boulevard -Klatsch.... sonst werd ich hier noch wegen Niveaulosigkeit rausgeworfen.... leider bieten sie sich dermassen an, dass ich nicht widerstehen kann.... :fee:

    Lieber Amfortas, allein schon um der potentiellen Opfer willen, hoffe ich natürlich auch, dass er unschuldig ist! In "dubio pro reo" ist in unserer globalisierten Medienwelt leider immer schwieriger umzusetzen........
    Was die musikalische Einschätzung angeht, kommt es auf das Repertoire an. die Opernübertragungen aus der MET mit "meinen Opern ( Mozart und Company ....Leichtgewichte....im Vergleich zu dem, was du anführst) haben mich halt nie wirklich überzeugt. Warum sollte es keinen gleichwertigen Ersatz für die MET geben?????? Gute Dirigenten laufen doch wahrlich genug herum- oder?
    Na, ich drücke dir trotzdem Daumen, dass du ihn weiter geniessen kannst.... :fee:

    Also ich habe gesanglich wirklich keine mittelmässige Leistung gehört, aber wahrscheinlich liegt es daran, dass ich von solchen Opern eh nur Lautstärke erwarte.... :versteck2: und dass sie das können, bestreitet ja hier niemand wirklich . Ich glaube , wenn ich mich mal dazu durchringen könnte, andere Aufführungen von Andrea Chenier anzusehen, sähe mein Urteil evtl anders aus..... die berühmte Arie "La Mamma morta" fand ich wirklich gut gesungen und auch den melodramatischen Abschied des Poeten dem Sujet angemessen.
    Wer schauspielerische Leistungen und interessante Inszenierungen sucht, sollte wohl eher nicht die Scala di Milano wählen- diese Seite fand ich ebenfalls sehr dürftig. Ist aber doch ein netter ehelicher Zug von Netrebko (deren Nicht-Fan ich trotz allem schon immer war und vermutlich bleibe :rolleyes: ) sich nicht wie zu Rolando Zeiten als Bühnenshowfrau zu gerieren und damit ihren debütierenden Gatten in den Schatten zu spielen.
    Wenn ich mit meinem Mann tanze, mache ich das auch so , so wie umgekehrt, wenn er mit mir Auto fährt.....
    Diese "Weisheit" lässt hoffnungsvolle Schüsse auf langjährige und (hoffentlich mit erfolgreichem Schauspieluntericht immer weniger langweilige) Opern-Paarungen der Beiden zu........ :fee:

    Ja, ich fand es gesanglich auch sehr gut und bin von der Stimme des Tenors Yusif Eyvazov sehr angenehm überrascht. Das klingt nach potentiellem Heldentenor und dass er und Anna Netrebko sich auf der Bühne mit Puccini gefunden haben, ist nicht erstaunlich. Da hat offenbar sowohl optisch wie akustisch Gleiches zu Gleichem gefunden. Mir gefällt zwar dieses Repertoire wie gesagt nicht und die Inszenierung kann das wahrlich auch nicht ändern, aber ich erkenne die tolle Leistung uneingeschränkt an und bin wirklich froh, dass A.N. nun endlich mein geliebtes Repertoire in Frieden lässt und sich da austobt, wo sie m.E. schon immer hingehört hat. :fee: